hersselder Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 7 3 Mark, durch die Post be- = zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei : Hersfeld. Für die Sc^ristleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. I
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr» 114
lMes Matt)
Sonnabend, den IV. Mai
1919
Wmä^^ in Wut
Zu einer gewaltigen Kundgebung gegen den Gewalt- und Rachefrieden der Entente gestaltete sich eine vom Reichsverband der Grenzmarkenschutzvereine ein« berufene Protestversammlung auf dem Königsplatz in Berlin. Ungeheure Menschenmengen besetzten den weiten Platz, darunter Fahnen, Musikkapellen und Trans- parente mit Inschriften, wre: „Nur einen wahren Völkerbund!" „Keinen Raub der Grenzmarkengebiete!" Sämtliche Kirchenglocken Berlins leiteten die Feier ein. Zahlreiche Redner, vor allem Vertreter der bedrohten Landesteile, sprachen gegen den Gewaltfrieden. Zum Schluß wurde ein Treugelübde abgelegt, das für die bedrohten Landsleute das zugeficherte Recht der Selbst- be stimmn ng fordert, und gelobt, in Deutschlands Schicksalsstunde mit Gut und Blut einzusteheu, daß deutsch bleibt, was deutsch ist. Tausende von Händen streckten sich empor, um diesen Schwur zu bekräftigen. Ein brausendes Hoch auf das deutsche Volk und Vaterland war das Echo einer Entschließung, die getzen die Vergewaltigung der Wilsouschen Richtlinien protestiert und zur Ablehnung jedes Gewalt- und Rache- friederrs auffordert. Abordnungen der einzelnen Grenzschutzvereine begaben sich zu Ebert-Schetdemann, während sich die Versammlung schweigend auflöste. Sie sprachen durch ihre Führer der Neichsregierunw das Vertrauen aus. Sie gelobten unverbrüchliche Treue, was auch kommen möge.
Ministerpräsident Scheidemann erklärte in seiner Antwort u. a.: Die Reichsregierung hat sich in den letzten acht Tagen in unaufhörlichen Beratungen mit den Gegenvorschlägen beschäftigt, die unsere Antwort an die Entente darstellen sollen. Sie stellen sich ohne Einschränkung auf den Boden der Wilsonschen Grundsätze, also auf den RechtSboden, den wir uns von niemand entziehen lassen dürfen. Sie sollen uns die Verhandlungen bringen, die wir brauchest und auf die wir einen
Wilsonovte vom 9. No
Staaten jetzt mit --„ ... ..__ ^.
monarchistischen Autokraten verhandeln olle« wenn es wahrscheinlich ist, daß sie später mit ihnen über die völkerrechtlichen Verpflichtungen des Deutscyen Reiches zu verhandeln haben würden, müssen sie nicht die Friedensverhandlungen, sondern Uebergabe verlangen." Also Friedeusverhrndiungen, nicht Uebergabe, das ist das Recht des neuen Deutschlands, auf dem die Reichsregierung bis zum Letzten bestehen wird. Handeln und entschlossen verhandeln, das ist das Gebot der «runde.
Reichspräsident Ebert sagte: Ich habe mit Genugtuung vernommen, welchen eindrucksvollen Verlauf die gewaltige Massenkundgebung genonwien hat. D-e Reichsregieruna schöpft aus diesen machrvollen Kundge- bungen des deutschen Volkes doppelte Kraft, einmal die Ueberzeugung, bei ihrem Vorgehen die Gesamtheit oder Loch die erdrückende Mehrheit des Volkes hinter sich zu haben und als wirkliche Volksregierung die Ziele und Gedanken aller zu vertreten, ferner aber das Bewußtsein, daß in unserm so schwer getroffenen Volk trotz aller Schwächung durch die Kriegsjahre ein starker Wille zur nationalen Selbstbehauptung, ein mächtiger Strom der Zusammengehörigkeit und der Begeisterung für unser Volkstum lebt. In den kommenden schweren Tagen muß dieses Gefühl uns alle erfüllen. Es ist für alle Bürger der bedrohten Ost- und Weltmarken unseres Landes der starke Hort und der umchtvolle Trom Latz ihr Deutschtum nie untergehen wird. Gestützt auf diese einheitliche Geschlossenheit wird die Reichsregie- ruug mit allen Mitteln gegen die Vergewaltigung unserer Bolksgenokfen und gegen die Versuche unserer wirtschaftlichen Versklavung Sümpfen.
Ablehnung der deutschen Gegenvorschläge.
p*f Rotterdam, 16. Mai. (S. C.) Die „Mor, ningpost" meldet aus Paris, die Unterkommissionen der Alliierten-Konferenz haben z« den bisherige« dentschen Gegenvorschlägen Gutachten abgegeben, die auf eine Ablehnung der deutschen Gegenanträge hi«ansla«fon. Ueber die finanziellen Fragen wird noch nicht debattiert.
a*i Rotterdam, 16. Mai. (S. G) „Daily News" meldet aus Paris, es gewinnt oen Anschein, als ob die deutschen Gegenvorschläge nicht zur Grundlage einer Ueberprüfung der Fricdensbedtngnvgen gemacht werden sollen. Trotzdem wolle man aber einen Meinungsaustausch mit Deutschland nicht ablehnen. Die Abreise Marschalls Foch in das Hauptguartter kann verschiedentlich gedeutet werden.
Ablehnung des internationalen Arbeiterrechts.
U* Berlin, 15. Mai. (S. S.) Aus Versailles wird gemeldet: Am Mittwoch abend 8 Uhr hat Clemenceau der deutschen Delegation in Versailles die Antwort der Entente auf die deutsche Note über das internationale Arbeiterrecht überreichen lassen. Die Antwort ist eine vorläufige Ablehnung des deutschen Vorschlages. In der Antwort Clemenceaus auf die deutsche Arbeiterrechtsnote befindet sich eine sehr tnterclfaitte Stelle. Es wird dort zum ersten Male von einem Entwurf der Friedensbedingungen gesprochen, während es bisher nur immer Text der Friedensbedingungen hieß.
Uuterzeichnnng «och in diesem Mouat.
I>*i Zürich, 16. Mai. (S. C.) Der „Secolo" meldet aus Paris, Pichon erklärte im Kamnwrausschutz, obwohl die Deutschen Vorschläge in Fülle einreichen, glaube er, daß der Friede» in diesem Monate noch nn. terzeichnet «MM tonne, ....
Internationale und Friedensvertrag.
t»*i Berlin, 16. Mai. (T. U.) Aus sozialistischen Kreisen wird der „Bossischen Zeitung" geschrieben: Der Ententevertrag hat bei den Sozialisien der neutralen Länder lebhafte Entrüstung hervorgerufen. Es werde, so wird erklärt, den deutschen Sozialisten auch beim besten Willen gelingen, dem nationalistischen Ansturm zu widerstehen, den die etwaige Natisizierung dieses Friedensvertrages, der in Wahrheit ein Unfriedensvertrag sei, einfachen müsse. Gerade vom Standpunkt der Friedensfreunde müsse gegen den Ententevertrag aufs schärfste Front gemacht werden. Die sozialistische Presse Deutschlands müsse eine klare Stellungnahme der sozialistischen Internationale zu erreichen suchen, um die sozialistischen Parteien der Ententeländer zum Vorgehen gegen den Vertrag zu veranlassen. Es unterliegt, wie wir erfahren, kaum einenr Zweifel, daß Deutschlands sozialistische Partei es an Bemühungen in dieser Richtung nicht fehlen lassen werde.
Falsche Hoffnung.
0*1 Genf, 16. Mai. (T ist)
„Berliner Tageblatts" drahtet, ..... .... __________ ______
Mische Proletariat die schleunige Unterzeichnung SeS Friedentzvertrages wünsche, einerlei wie dreier Friede beschaffen sei, weil er ihm Demobilisierung und Arbeit bringe. Die Politik aber der deutschen Unabhängigen, zu glauben, daß nach der Unterzeichnung das Weltpro- letariat den Vertrag wieder umwerfen werde, ist für jeden, der französische oder menschliche Verhältnisse kennt, so unsinnig, das: man nicht an ihre Aufrichtigkeit glauben könne. Schon jetzt sei zu erkennen, wie sich der französische SozialIsmus bet seinen Protestkundgebungen! spalte.
) Der Berichterstatter des :, daß das gesamte fran«
Die belgische« Sozialisiert mit dem Friede« eiaver-auöLA.
s>W Ge«k. 16. Mai. (S. C.) Wie der „Tempö" aus Brüssel meldet, hat die bekL.fye ioziEstische Partei eine Kundgebung des belgisch Proletariats gegen den
Die Kammer und der Kavnnerausschuß für Auswärtiges vertagten die Befprechnngen üPer den Friedens- vertrag bis zum ?lvschlub der Verhandlungen mit Deutschland. Dadurch ist die Befprechzmq der sozialistischen Interpellation über die Bedingungen mit Deutschland im jetzigen Stadium nunröglich gemacht wordem
Die Oefterrercher in St. Germain.
9*i Basel, 16. Mai. lT. U.) Nach einer Pariser Meldung befinden sich die in St. Gerrnain anackomme- neu österreichischen Delegierte«, besonders ßtenner, in fröhlicher Stimmnng. Sie wurden von der Bevölkerung sympathisch willkommen geheißen. Die französische Presse ratet der französischen Regierung an, schnellstens eine Verständigung mit den Oesterreichern herbSizn- führen mrd den Anschluß an Deutschland definitiv zu verhindern. Lammasch hat vor seiner Abreise mit Brumbisch ein Kompromiß abgeschlossen, worüber die italienische. Presse hochgradige Nervosität zeigt und an» kündigt, daß Italien in dem Falle, daß die Alliierten eine Donauföderation schaffen, gezwungen würde, bei Deutschland Unterstützung an suchen.
Beratungen über Gebretsfragen.
** Berlin, 15. Mai. fB. Z.) Hente vormittag hielt das Reichskabiuett eine Sitzung ab, in der neben einige« laufenden Angelegenheiten besonders die Ge- vietsfrage« des Friedensvertrages besprochen wurden. Dabei wurde auch mit Befriedigung feMestellt. daß die gewaltigen spontanen Kundgebnuae» gegen den Ge- waltfrieden der Entente nicht zu einer schmählich u persönlichen Kritik deS Präsidenten Wilsous ausgeartet sind.
Der Friede»s<mssch«tz,
Der Frkedenßausschntz der Nationalversammlung wird am Sonnabend, den 17. Mai, nachmittags 5 Uhr, im Reichsfinanzmimsterium in Berlin wieder zu- fammentreten.
Kommisstonev für Beratung deutscher Borschläge.
**/ Paris, 15. Mai. (WTB.) Der Biererrat errichtete 18 Unterausschüsse, die aus je einem Dtstglied jeder der fünf Großmächte bestehen, um die Einwände der Deutschen gegen den Friedensvertrag zu beraten. Polen verlangt vom Rat der Auswärtigen Minister, daß die deutsche» Kriegsschiffe verkauft werden sollen.
A»sarbeit««g weiterer Gegeuvorschläge.
Das „Berl. Tagebl." berichtet aus Versailles, daß die deutsche Friedensdelegation an weiteren Noten ar- beite, die sämtliche Punkte des Friedensvertrages berühren. Die nächsten Noten würden von Elfatz-LotHrtu- gen und den östlichen Gebietsfragen handeln.
Die Frage einer Volksabstimmung über den Friede«.
*f* Berlin, 15. Mai. (L. A.) Nach dem „Berliner Lokalanzeiger" beschäftigt sich das Kabinett nach wie vor mit der Frage einer Volksabstimmung über die Frie- dettsbebiKgungen für den Fall, daß durch, die Verhandlungen keine Abänderung des Friedensentwurfes der Entente möglich ist. Einen endgültigen Beschluß hat das Kabinett jedoch noch nicht gefaßt. Auch die F: tiouen der Nationalversannulung haben sich mit dieser Frage beschäftigt. Die Fraktion der Mehrheitssoziali- sten erklärt sich für eine Volksabstimmung. Unter den Demokraten sotten gleichfalls Strömungen für eine
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Volksabstimmung bestehet teien dürften für die Ab st Sie bestehen auf dem Sta rung den Frieden, der du selbst verantworten müsse.
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Die AufheSurrg der Blockade.
!^ Paris, 15. Mai. (WTB.) Der oberste Rat der alliierten und assoziierten Regierungen gibt bekannt, daß Maßregeln getroffen wurden, um die Blockade Deutschlands sofort anfzuhebe«, sobald Deutschland den Friedensvertrag formell angenommen hat.
Die Druckmittel der Entente.
9*! Rotterdam, 16. Mai (T. U.) Wie „Exchange i Telegraphen Komvagnie" aus Paris meldet, Hat Foch, ehe er an die Front zurückkehrte, eine lange Unterredung Mit dem Rat der Drei gehabt. Wilson ersuchte ihn, alle militärischen Maßnahmen zu treffen, die notwendig sein sollten für den Fall, daß die Deutschen die Friedensbedingungen nicht miterzeichnen würden Nach einer Reutermeldung aus Paris gibt der Oberste Wirt- schastsrat der Alliierten bekannt, daß alle Maßregeln getroffen feien, um die Blockade gegen Densichland i« vollem Umfange wieder aufzunehme», falls Deutschland den Friedensvertrag nicht in aller Form anerkennen würde.
Die Besetzung des linke« NheiMtferS.
Utes- Berlin, 16. Mai. M C.) Nach Meldungen aus dem besetzten Gebiet haben die französicheu Militärbe- fehlshaver berests Mietsertrüse für das Besatzungsheer auf Sie Dauer von 6 bis 8 Jahre« abgeschlossen. In den Belgien zugesprochenen Bezirken sind bereits belgische Komrollmannschasten einaetroffen.
Aufrechterhaltung der Mobilisier«»« in Frankreich.
h* Genf, 16. Mai. W. C.) Wie das „Pariser Journal" meldet, lassen die msgegebenen militärischen Order erwarten, daß die Mobilisierung des französische« Heeres noch bis Ende Juni dauern soll. Auch die Solos
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Konflikt zwischen Clemenceau und Foch.
»-^Rotterdam, 15. Mai. (L. A.) Aus stark zen. surierte« Ausptelunge« in der französischen Presse ist zu schließen, Satz zwischen Elsmencea« und Foch ein starker Koufltkt über Sie militärischen BeSingnugen entstanden ist, Das Blatt „L'Heure" spielt sogar darauf an, Satz Foch limogiert, d. hs nach Limoges versetzt oder zur Disposition gestellt werden soll.
Englands Löwenanteil.
Die „Times" melden aus Paris, daß die von den Alliierten Deutschland auferlegten Frreöensbedingungen in den französischen katholischen Kreisen einen peinlichen Eindruck gemacht haben, weil man einsehe, daß England den Löwenanteil an der Entschädigung und den Kolonien erhalte. Der Friedensvertrag werde nicht nur Frankreich, sondern auch den kleinen Staaten En- ropas und den Neutralen nicht gerecht und sei auch ein Unrecht gegen Deutschland. Man sei der Ansicht, daß die Alliierten nur zwei Dinge halten dürften. Entweder Deutschland ganz vernichten oder, was besser gewesen fet, sich mit ihm zu versöhnen Dieser Vertrag führe jedoch unvermeidlich zu neuen Stiegen.
Der Ehrenmann Wilson.
**i Zürich, 15. Mai. iS. C.) Die „Neue Züricher Zeitung" meldet aus Paris, Wilson sagte zu den amerikanischen Pressevertretern, die deutsche« Augriffe könnte« feine Person nicht treffen. Er habe aus Ueberzeugung diesem Friedensvertrage zugestimmt, und er sehe keinen Grund, feine Stellungnahme zu ändern. Deutschland müsse, da es lange den Frieden der Welt bedroht habe, sich fügen und würdig erweisen, später in de« Völkerbund der Kulturvatione« ausgenommen zu werden.
Verbot von Snndgeöunsen tv Amerika.
#** Geuf, 15. Mai. (S. C-> Der „Temvs" meldet aus Neuyork: Auf Grund des SriegSgefeyeS sind vor Aufhebung des Mobilzustandes öffentliche Kundgebungen für oder gegen den Friedensvertrag verboten.
Italien wieder tu den Bund ausgenommen.
fc* Zürich, 15. Mai. iS. C.) Nach einem römischen Telegramm meldet die „Tribunm. Italien habe am Montag wieder an den Si^'rngen der alliierten Konferenz teilgenommeu Italien kann die Gegeuvor- schlä'ge ebenso wenig ernst nehmen und für begrüadet aufehc«, wie die anderen Alliierten.
Amertkas Lebcnsmiitellieferuuge«.
ii*- Berlin, 15. Mai. (L. AI Das amerikanische Kriegsdepartement kam mit den Vertretern des Fleischtrusts dahin überein. 100 Millionen Kiste» Ochsenfleisch und 50 Miliwuen Kisten Speck, die den unverbrauchten Armeevorräten entnommen werden sollen, nach Europa zu schicken, um dort die Lebensmiltelnot zu lindern.
Die Deutschen in Mittelamerika.
9* Berlin, 15. Mai, iWTBÜ Bei den amtlichen Stellen sind Berichte über die Bevandluug der »entfche« Staatsaugehörigeu im Mittelamerika eiaaeaangen. Es liegen bisher keine Klagen deutscher Staatsangehöriger oder Unternehmungen über Konfiskation deutschen Eigentums vor. Nur in Guatamala scheint die Elektrizi» tatsgesellschaft der Hauptstadt von der Regierung beschlagnahmt worden zu sein. In ihrer Bewegungsfreiheit sind die in Guatemala sich aufhaltenden Deutschen nur in soweit beschränkt, als sie das Land nicht verlas- seit dürrem Jo Honduras sind die Teutschen feit d«