Hersfelder Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
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g Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 7 )Mark, durch die Post Le- Amtlicher Anzeiger Der Anzeigenpreis beträgt für di einspaltige Zeile Pfennig, im ! g zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei | „„ ' . ^7 "' , | amtlichen Teile - Pfennig, Reklamen kosten die Zeile Pfennig. ! S Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. für Den nrets HersfelD Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Fernsprecher Nr. 8. j
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Aebeneichung der Zrieüensbedingungen am 7. Mai
Sie IM Her Wie.
I»« Versailles, 6. Mai. (T. U.) Auf die Anfrage
Sex deutschen Delegation, wann das Friedensdokumcvt überreicht werden würde, ist gestern nachmittag die
AnMort ei«gegange«, -atz die Ueberreichung am Mittwoch, den 7. Mai, nachmittags drei USr im Tviarrvir»
Palace-Hotel stattkinde« werde.
Es liegt noch folgende Havasnote vor:
in#’ Genf, 6. Mai. (S. C.) Eine Havasnote vom Montag früh meldet: Die Ueberreichung des Friedens- vertrages an die deutsche Delegation erfolgt nunmehr in der Alltierten-Konferenz am Dienstag vormittag 11 Uhr. Die Agentur wird den Text des Friedensvertra- ges auszugsweise am Mittwoch früh veröffentlichen.
Die Friedenspräliminarien.
^ Paris, 5. Mai. (WTB.) Der französische Ministerrat nahm die Friedenspräliminarien zur Kenntnis. Es kam zu einem langen Meinungsaustausch über die meisten auf der Friedenskonferenz besprochenen Fragen. „Temps" meldet, daß Tardieu eine sehr ein« gehende Uebersicht über den Vertrag gegeben habe. Dre technischen Bedingungen seien nacheinander durch die zuständigen Minister besprochen worden.
Druck der Entente auf Deutschland.
IN#! Rotterdam, 6. Mai. fS. C.) Die „Times" melden aus Paris. der Oberbefehlshaber der Alliierten-Ar- meen hat alle Urlaubserteilungen für die Zeit vom 5. bis 20. Mai zurückgezogen. Die Besatzungsarmee in Deutschland wird um 120 000 Mann verstärkt, deren Zurückziehung erst nach Unterzeichnung des Friedens- Vertrages durch Deutschland erfolgen wird.
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i»« Düffeldorf, 6. Mai. (S. C.) Die Belgier ziehen an den Rheinübergängen seit Tagen größere Truppen- massen zusammen. Die Rhetubrücken sind durch belgische Artillerie besetzt.
Ein guter Friede für Frankreich.
#■#; Versailles, 6. Mai. lT. 11) Ueber den gestrigen französischen Ministerrat, wo der Entwurf des Frie, Sensvertrages vorgelesen wurde, wird sichtlich znr Beruhigung der Öffentlichkeit mitgeteilt, daß der Text allgemein befriedigt habe. Clemencearr äußerte M ich habe mein Bestes getan, ich glaube, es ist ein guter Friede. Am 6. Mai wird die französische Kammer ihre letzte Session eröffnen. Sie wird dem SLaatenhanshalt eine neue innere Anleihe z« bewilligen und den Zeitpunkt der Neuwahl zu bestimmen habe«. Man nimmt ««, daß Clemencea« am 16. Mai den Borfriedensvertrag im Wortlaut der Kammer vorlegeu und daß danach Die Auflösung der Kammer ausgesprochen «werden wird.
Die Zulassung der Entente-Berichterstatter.
in# Versailles, 8. Mai. <T. U.) Es war ursprünglich beabsichtigt, daß bei der Ueberreichung des Borfrie- bcnsrertrages nur Vertreter der amtlichen Telegra- pheuagenturen der Entente anweiend sein sollten. Infolge eines Einspruchs der englischen Presse werden nun sämtliche Ententejonrnalisten zugelasien, aber nur außerhalb des Hotels Trianon in einem eigens, erbrüten Holzzelt. Von den deutschen Journalisten ist nicht die Rede.
Erleichterungen für die deutschen Delegierten^
|n#i Zürich, 6. Mai. (S. C.) Die „Morgeuzeituug" meldet aus Paris, daß den dentschen Delegierte« wesentliche Erleichterungen im Verkehr mit den Allilerten und Berlin zngestande« worden seien. Auch die Beschränkungen in Versailles sollen fallen.
Der Friedensvertrag in der französischen Kammer.
In# Rotterdam, 6. Mai. (S. CF Die „Morningpost" meldet aus Paris: Die vertagte Sitzung des^Kammer- ansschusses -es A«swärtige« ist für den f
ausschusses des Auswärtigen ist für den 9. Mai einbe- tufen worden. Elementen« wird in ihr den Fric-ens- vertrag mit Deutschland begründen, um in der bevor- siedenden Kammerdebatte die drohende Opposition der Sozialisiert nach Möglichkeit anszuschließev.
Die Zugestäudnksse an Belgien.
Dem Amsterdamer „Telegraaf" zufolge EstcheÄ der Sonderkorrespondent der „Times" in Brüssel, daß Brkgie« folgende Zugeständnisse gemacht worden sind:
1 2% Milliarden Fraucs in Gold, zahlbar innerhalb von zwei Jahren, „
2. Annullierung der Kriegsschulden Belgteas an Frankreich, England und Amerika, ~ ,
3. Lieferung »o« drei Millionen Tonnen Stein; kohlen im Jahre bis zu etnent Gesamtwert von 20 Millionen Pfund Sterling drirch Deutschland au Belgien für den Zeitraum von zehn Jahren, ... .
4. Sofortige Rückgabe des von Deutschland wegge- nommenen Jndustriematerials und Viehes forvie der weagenomrnenen Pferde und sonstigen Zuchttiere,
5. Vertretung im Obersten Wirtschaftsrat,
6. Unterstützung der belgischen Ansprüche auf die Revision des Vertrages von 1849 durch die Verbündeten.
7. Erlaubnis, mit Luxemburg eine Zollunion zu schließen.
8. Ausschreibung Mutiert sechs Monaten abzuhal- tender Volksabstimmung über die Einverleibnng der Kreise MalmeSy «ud Eupen mit Moresnet und dem Herzogenwald,
9 Ameständnis einer Stimme bei der Verfassung über die Mandate der Verwaltung der deutschen Kalo« nie« t« Afrika.
Belgien nicht befriedigt.
M Versailles, 6. Mai. (T. U.) Die belgischen Beschwerden wegen 3« geringer Höhe der zugesicherte« EutschLdignngssumrnen bieten den Alliierten andauernd erhebliche Schwierigkeit««. Die Belgier verlangen voll- kvrnmene Entschädigung für den Wiederaufbau. In Brüssel sollen abermals große Kundgebungen politischer und wirtschaftlicher Verbände stattgefunden haben. Diese haben vorn Bürgermeister Max gefordert, daß er den belgischen Bevollmächtigten nahelege, die Friedensbe- dingnugen nicht zu unterzeichnen, we«n BelSie« nicht volle Entschädigung erhalte.
Der Friedensvertrag.
„Echo de PariS" berichtet, der Vertragswortlaut sei endgiltig festgelegt und berei s int Druck, der in zwei Tagen beendet sein kann. D e Ueberreichung des Vertrages soll laut „Echo" am Donnerstag nachmittag in Versailles durch Cleruenceau erfolgen. Das Blatt nennt verschiedene Kapitel des Vertrages in ihrer endgiltigen Form und Reihenfolge:
1 .) Einführung.
2 .) Grenzen Deutschlands.
3 .) Klauseln bezüglich Grenzveränderungen.
4 .) Deutsche Kolonien.
5 .) Militärische, maritime und Luftklauseln.
6 .) Kriegsgefangene.
7 .) Beschlüsse gegen Wilhel n II. und alle schuldigen Deutschen.
8 und 9.) Wieder gutmachn ,g und Finanzklauselu, d.
10 .) Wirtschaftsklauseln.
11 .) Häfen, Eisenbahnen und Schiffahrtswege.
12 .) Internationale Arbeitergesetzgebung.
13 .) Garantien.
14 .) Allgemeine RatifizierungSAauseln.
Belgie« unterzeichnet den Friedeusvertrag.
!$*^ Brüssel, 6. Mai. tWTB.) Der Kronrat hat beschlösse«, den Friedensvertrag zu unterzeichnen. Ferner wurde beschloßen, die Alliierten um Unterstützung zwecks Eröffnung von Unterhandlungen mit Holland zur Regelung der Frage der Freiheit der Schelde und der Freiheit der österreichischen Flutzverbtndungen für Belgien zu ersuchen.
Der erste ZwlfchenfaA in Versailles.
^ Versailles, 5. Mai. (B. T.) Gestern ereignete sich bei der deutschen Delegation der erste Zwi- schenfall. Zwei Beamte der Delegation wollten im Dienstauftrag in Begleitung des deutschen Kuriers nach Berlin reifen. Der dien Artende Offizier forderte dre Papiere, erklärte sodann die Reiseerlaubnis des Obersten 6enrn für unzulässig und verbot die Abfabrt. Die deutschen Beamten protestierten dagegen, worans der französische Offizier ihnen den Mund verbot und sie mit dem Stocke bedrohte. Sie wurden unter militärischer Bewachung «ach Versailles zurücktra«sportiert. Die deutsche Delegation hat Beschwerde bei der französischen Regierung eingelegt.
Gegen einen Bewaltfrieden.
Neue sozialistische Kundgebnngen in PariS.
IN#1 Genf, 6. Mai (S. C.) In Paris und im ganze« Sei»e-Departeme«t Mden am Sonntag neue sozialistische Masseuversammlimge« und Kundgebungen stattge- fitnben. Die ganze innere Stadt war durch Truppen- tiugebote von 9 Uhr früh an abgesperrt. Die beabsichtigten Umzüge wurden durch die Polizei und die republikanische Garde vereitelt. Im Boulevard d'Jtalit kam eö zu einem Zusammenstoß, wobei zahlreiche Verhaftungen vorgenommen wurden. Von der republikanischen Garde wurden nach einer Lyon er Meldung drei Mann schwer und eine große Anzahl leicht verletzt.
Anfforderung anm Generalstreik
f, 8. Mai. lS. C.) Der Arbeiter-««- i« riete Flugblätter, die zum Generalstreik
Paris verbrei.___ ______ . ... .
gege« einen Diktatfriede« aufforder«.
Liquidation der elsatz-lothringische« Güter.
I*»*1 Haag, 8. Mai. (T. U ) Aus Paris wird gemeldet: Durch die allgemeine Komnrtsfion ist ein BeschlUtz gefaßt worden bezüglich Liquidation der Güter in El- «atz-Lothringeu. Diese Liqurdatiou soll auf gerichtlichem Wege statt finden. Die Aktiva betrage» eine halbe Milliarde Franken. e •
Regierung und Nat koual versannnlung in vcrN«.
M< Berlin, 6. Mai. (S. C.) Montag mittag hatten sich mehr als 350 Abgeordnete der Nationalversammlung in Berlin zusammengefunden. Das Reichstagsgebäude ist infolge der baulichen Veränderungen für die Abgeordneten gesperrt. Die Mitglieder der Reichsregierung trafen heute vollzählig in Berlin ein. Auch der Reichs- tagspräfibeüt Fehrenbach ist gestern in Berlin ange-
Das verhSugnisvolle Ultimatum. -
Von unserem Berliner M^-Mitarbetbe«,
Frühere deutsche Staatsgrötzcm die kurz vor und noch während des Krieges mit am Steuer saßen, machen sich darauf und daran Bücher zu schreiben, in denen sie rückblickend ihre Tätigkeit,' Erfahrungen und dir Ereignisse schildern, die dem Krieg norangtiraen und ihn begleiteten. Solche Rückblicke können natürlich nur mit Vorsicht ausgenommen werden. So ehrlich sie vielleicht von dem Schreiber selbst auch gemeint sind, so subjektiv gefärbt müssen sie öoch sein, denn ein jeder von ihnen wird seine kritischen Erinnerungen unwillkürlich zur Verteidigungsrede machen. Bon Ludendorss und Tir- pitz sind demnächst solche Bücher zu erwarten, sind Beth- mann Hollweg soll jetzt ebenfalls an seinem Schreibtische sitzen und sich in rückwärtsschauenden Betrachtungen ergehen. Auch von Herrn n Jagow, dem ehemaligen Staatssekretär, ist eine Schrift, die demnächst in Vertrieb kommt, unter der Presse. Einige Aushanas. bogen geben jetzt schon einen Einblick in sie. Und da ist wohl mit das interessanteste Kapitel das über das österreichische Ulrimatum. Es ist kein Geheimnis mehr: Deutschland ist von der österreichische» Diplomatie einsach tiberrumpelt worden. Aus der Jagow scheu Schrift geht nun hervor, daß Deutschland vo» dem Texte des österreichischen Ulcmatums absolut keine Ahnung hatte. Das wäre eigentlich ein Grund gewesen, weshalb es von seiner viel gerühmte« Nibetungerltre»« hätte abstehen können.
Jagow schildert die Julitage von 1914 mit kurzen Federstrichen. Er gibt da seine Gedanken und Erleb- mße in möglichst objektiver Weise wieder. Er erzählt von dem Handschreiben und dem Promemoria des Kaisers Franz Josef an Kaiser Wilhelm II, in dem dir Mordtat, die Ergebnisse der Untersuchung und fast all« Balkansragen berührt wurden. Er Hebt ganz besonder«
,--H " ’ . y^g-t-iSen A?n, b.r M^-nichteu eine» Krieges mit Rußland kein Wort erwähnt gewesen wäre. Das vmtz geradezu naiv anmuten, genau wie die Tatsache, daß die deutsche Diplomatie bei der Kriegs- erttärung gegen Rußland und .Frankreich bis in letzter Stunde nicht an einen Bruch mit England gedacht hatte. Die Instruktion, die an den deutschen Botschafter nach Wien ergangen war verschloß sich zwar nicht der Bedenken gegen die Schritte der österreichischen Politik, ver- sprach aber mit besonderem Nachdruck Deutschlands treues Festhalten an dem Bündnis. Graf Tisza hatte ausdrücklich vor dem ungarischen Parlament erklärt, daß die deutsche Regierung bet der Festsetzung des Ultüna- tumtextes nicht mitgewirkt hätte. Diese Erklärung hatt« er vor dem 19. Juli im ungarischen Parlamente abgegeben. Die deutsche Regierung hatte also von der Exi- tenz eines solchen Ultimatums zeitig genug Kenntnis gehabt und hätte eigentlich als Verbündete nicht nur oas Recht, sondern die Pflicht gehabt, sich von dem Text« Kenntnis zu verschaffen. Slber die deutsch^' Regierung erfuhr erst den Wortlaut des Ultimatums, als es bereits in Belgrad angekommen war. Und nun erst merkt st«, wie scharf und unvorsichtig dieses Ultimatum abgesatzr ist. Als Jagow den Text durch Graf Szögyeuo zu Gesicht bckam. erklärte er auch sofort, daß es „reichlich schart und über den Zweck hinausgehend" sei, und er gab seinem Becremden Ausdruck, „daß uns die Entschlüsse feiner Regierung so spät mitgeteilt würden, sodaß uns damit die Lstöglichkeit abgeschnitten wäre, dazu Stellung zu nehmen." Und auch der Reichskanzler hat, wie Jagow in seiner Schrift versichert, gerügt, daß das Ultimatum zu scharf fei.
Daß Rußland auf den Krieg wsarbeitete, das steht gcschichtsnotorisch fest Aber es war nicht nötig, ihm tl neu so willkommenen Grund zu geben. Die damalige österreichische Regierung sah unwiderleglich in einem siegreichen Kriege die einzige politische und wirtfchcrft- liche Rettung. Sie spielte nadanaue. Die Jagowsche Schrift ist durchaus kein Dokument, das vor einem Welt- gertchtshof als einwandfreier Zeuge angesehen werden könnte, aber sie ist dock immerhin ein interessanter Beitrag von einem, der mit unter den führenden Leuten tu jenen verhängnisvollen Tagen stand und nun sein Herz ausschüttet. Sie ist ein flüchtiges Schlaglicht, das nu- merdin manches bisher Dunkle erhellt.
Sie WUW 8mm.
^ Vawberg, g. Mai. (T. ID^Su München ist fett den letzte« Taqea die Ruhe wies r ciugekehrt. Die Re» gisvAAgstruppen fetzen die Entwajsnuug fort. Die Opfer der Regierungstruppen bei den Kämpfen mir den Spartakisten find nicht gering gewesen. Die Zahl der Gefallenen beträgt 7 Offiziere und etwa 40 Man» D s Spartakisten verloren gegen 200 Mann. Die Säuberung Nr Stadt und ganz Bayerns von Spartakifte« «»S Bok- fdicMften wird von den Freikorps und der BolksweL, fortgesetzt. Alle Ausländer, die keine Beschäftig»«« »ac^vetsen kön«en, werden ausgewiefeu.
Die Opfer in München.
*# Bamberg, 8. Mti. lS. C.) Nach einer -uve». lässigen Melduna aus Müucketl sind bis Montag 240 Tote und mehr als 400 Verhaftn «gen bei den Kämpfen um den Besitz Münchens festgestellt worden. Die Habt -er stao-rcchtMen ErfchiehnnLeo ist auf 138 aesti««!».