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Hersfelder Kreisblatt

Begvgsprüs vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- ; zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei | Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. :

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

: Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im : amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprechrr Nr. 8.

Nr. 86

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Freitag, ben 11. April

1919

löste liet Die Lage

ÖW Berlin, 10. April. (T. UJ Eineur gelegent­lichen Mitarbeiter desBerliner Tageblatlls" sagte ! Reichswehrmtnister Noske über die Lage in Berlin: Natürlich haben wir mit der Möglichkeit zu rechnen, daß fanatische Elemente einen Putsch oder Unruhe» versuchen werden. Die militärische Leitung ist aber auf alle Eventualitäten vorbereitet. Wenn es nötig ist, greifen wir mit größter Rücksichtslofigkeit zu.In Berlm und Umgebung sind so starke Trappen verbände zusammengezoge«, daß. ich für einen Erfolg garantie­ren kann.

In Magdeburg verläuft alles proarmmnatzrg. Die Stadt ist vollkonunen in unserer Hand. Ich möchte als Kuriosität bnnerken, daß jetzt auf meinen Befehl hin mit Ataschtneugewehren besttickte Motorboote auf der Elbe patrouillieren, um die SÄisfstransvorte, die die amerikanischen Lebensniittel stromaufwärös bringen, vor etwaigen spartakistischen Ueberfällen zu sichern.

Ueber die Lage in Bayern äußerte sich Noske'-fol­gendermaßen: -Wenn mein Freund Hoffmann sich nur noch kurze Zeit hält, darf ich sagen, daß die Verhältnisse z« Gunsten der rechtmäßigen Regierung sich konsolidie­ren werden. Wenn es nicht anders geht, wird München genau so mit Waffengewalt zur Ordnung zurückgeführt werden müssen, wie es in Bremen, Düsseldorf usw. ge- ; schehen ist. Ehe unser liebes Vaterland in den Ab- gründ stürzt, müsse lieber auss kräftigste eingeschrttten werden, selbst wenn Blut sließen sollte, das auf das Echuldkonto der äußersten Linken kommt.

Im Ruhrgebiet liegen die Verhältnisse wesentlich günstiger als die Sensationsmeldungen wahr haben wol­len. Ich habe seinerzeit dem Generalkommando in Münster befohlen, die Streikleitutzu zu verhaften. Zwar wurde nur ein Mitglied ergriffen, aber diese Herren können sich darauf verlassen, daß man sie nicht mit Saurmethandschuhen anfassen werde, wenn sie in unsere Hände fallen. Hier hilft nur rücksichtsloses Zugreifen.

Zu de«l neuesten Anträgen, die beim Neichskongreß »er Räte eingegangen sind.

^-ickKinWenrates, der

betreffend Einrichtung dem ReiMwehrwiuister

^r Reichskongreß der Räte kann nur Wünsche äußern, die der Nationalversammlung zur Beschlußfassung un­terbreitet sind. Ich will hiergegen nichts sagen, aber wenn der Reichssoldatenrat zur Tatiache werden soMe, dann gehe ich. Ohne einheitliche Leitung und Mne Disziplin ist nichts Vernünftiges anzukangen. Das dürften die letzten Monate nachgerade aenua bewresen

Kämpfe in Magdeburg.

Eintreffen -er Regiernngstrnppe«.

^ Magdeburg, 9. April. (WTB.) I« der letzten «acht ist es hier zu blutige« Zusammenstößen gek-»»- me«. Eine große Menscheumasse versuchte, dieVolks- stimme" zu stürme«. Es entstand ein heftiges Feuer­gefecht, in dessen Verlauf die Menge die Flucht ergrei­fe« mußte. Es gab einen Toten ««d «rehrere Ver­wundete. Auch vor der Hauptpost kam es z« Schie­ßereien Heute früh sind die ersten Regierungstrup pe« eingetroffen. Der Streik wird fortgesetzt

Das Ziel des Streiks die Räterepublik.

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O^f Magdeburg, 9. April. (L. A.) In einer Streik- versammlung «wurde unverhohlen ausgesprochen, daß das Ziel des StreikS die Räte-Republik fei« müsse. Ein Streikausschutz von 9 Personen, 8 Unabhängigen, 8 Mehrheitssozialisten und 8 Kommunisten wurde gewählt. Von Vertretern der Eisenbahnarbeiter wurde verlangt, daß meuigstens das rollende G«t versandt werden müsse. Der Etsenbahnbeamtenbund bat die Beteiligung am Streik ab gelehnt. Der Streik dauert in sämtlichen

Fabriken an.

Generalstreik in Vrarmschweig. f,*» ws ^« vormittag 9 Uhr die Arbeiterschaft der Stadt Brann- schweig i« den Generalstreik eingetreten. Der Eisen­bahn- und der Straßenbahnverkehr rahte vollständig, der Postbetrieb zeitweise. Die Bauken und Zeitnugs- H8«ser sind geschlossen.

Bei der ersten großen Mass«wersamml«ag, die im Laufe des Vormittags stattfand, sprach der ehemalige Präsident von Braunschweig, Merpel. Er bezeichnete die

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itaa^Mi ein großer DemonftrattonSzvg mit Musik

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Besetz««« HelmstedtS.

Helmstedt, S. April. (WTB.) Eine Abteilung anafchWeigifchen BolkSmchr hatte gestern, wie das

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nengewehre. Telephongespräche und Telegramme wer­den kontrolliert. Der an, der Befreiung des Munsters Landsberg besonders beteiligte Polizeibeamte Bremer soll arg mißhandelt worden sein. Er war eimge Zeit fest genommen, wurde aber > väter wieder freigelassen. Zwei Volkskommissare aus Braunschweia find zu Ver­handlungen in Helmstedt eingetroffen. Der Bürgermei­ster ist vom Amte suspendiert worden.

Sie Lage ia Lsyrm.

Maßnahmen der alten Regierung gegen München.

|9-e=i Bamberg, 10. April. (S. C.) Die bayerische ' Regierung trifft Vorbereitungen zu Zwangsmatznah- men gegen die Münchener Gewalthaber. In allen der ! Regierung ergebene» »ordbayerische« Garnisonen fan- I den Truppeukonzentrierungen statt. Der Aeltestenaus- schutz des bayerischen Laudtages tritt kommende« Mo«- tag in Bamberg zusammen.

Bor einer militärischen Aktion gegen Südbayeru.

M Berlin, 10. April. (S. C.) Der Fernsprechver­kehr von ganz Bayern nach außerhalb ist heute einge­stellt worden. Es werden im Verkehr von Nordbayern nach außerhalb nur militärische und Dienstgespräche an- genommen. Diese Maßnahme läßt anf bevorstehende militärische Entscheidungen gegen die füdbayer,sche« Kommunisten schließen. ,

1^ Passa«, 10. April. (S. C) Aus Auasbura wird gemeldet, daß das zweite Ersatzregiment sich überra- fchendeuvcise für das Ministerium Hoffmann «nd den Landtag erklärt hat. -

Sperrung der Grenze gegen Bayer«.

f»-^ Wien, 10. April. (S. C.) Wie die Blätter aus

Innsbruck melden.

O UXIWIUU. UUJVtll, VWr V rende die militärische Sperrung der Grenze gegen Bayern angeordnet. Jeder Börkehr mit Bayern rft et«-

acftellt.

V-S- Zürich, 10. April. (S. C.) Die Schweiz hat die Grenze gegen Bayern so gut wie abgesperrt. Der Ein- ! tritt in die Schweiz von bayerischer Serie aus ist be- i sonders verschärften Beftiv mrrnaen unterworfen wor-

Die Sozialisterung.

Auf Anordnung des Zentralrates in 'DHtWn wer­den, um die Sozialisterung vorzubereiten, alle Uuterney- mungen unter gesellschaftliche Kontrolle gestellt. Alle Betriebe haben ungestört weiter zu gehen. AlleleUen- öen Persönlichkeiten, Direktoren, Ingenieure haben die Arbeit fortznsetzen. Die Kontrolle der Geschaftsaeba- rung und der Geldbewegung wird durch Betriebsräte oder- Arbeiter- und Angestelltenausschüsse ermöglicht. Nach weiterer Anordnung des Zerttralrates werden sämtliche Bergwerke znm Zwecke der Sozialisternng un­ter gesellschaftliche Kontrolle gestellt. Die öfterttliche Auf­sicht ist dem Zentralwirtschaftsamt unterstellt.

Erneuerung des Beamtenkorvs in Bayer«.

IWJ München, 9. April (WTB.) Der Zentralrat hat im Einvernehmen mit der bayerischen Beamtenge­werkschaft und dem Verband des deutschen Berkehrs- versonals provisorische Richtlinien für die Erneuerung des bayerischen Beamtenkorps ertasten. Alle überflüi- sigen Beamtenposten und Beamtentitel werden abge­schafft.

AuordnuKgen SeS revolutionäre« ZestralrateS.

W München, 9. April. (WTB). Nach einer Ver­ordnung des revoluiionären Zentralrates wird die ge­samte Presse Bayerns unter öffentliche Kontrolle gestellt Die gesamte Verwaltung und Betriebsführurm unter­steht auch in politischer Beziehung der öffentlichen Auf­sicht. Eine weitere Verordnung des provisorischen Zen- nalrates ordnet die allgemeine Sonntagsruhe auch für die Presse an. Die Lekensmiitelaeschüfte bleiben von der Anordnung ausgenommen.

Beschlagnahme der Levensmittelvorräte i« Gasthäuser«

Münche«, 9. April. (WTB.) Der provisorische Zentralrat hat alle örtlichen Arbeit errate aufgefordert, durch Abordnungen die Hotels «nd Gasthäuser auf Le­vensmittelvorräte zu kontrollieren. Vorräte, die den normalen Gebrauch übersteigen, zu beschlagnahmen und den kleinen Gasthäuser« zuzuführen, in denen meist Ar­beiter verkehren.

Ein Funkfpruch der Entente.

Bayerns Ausschluß vom FriedenSvertrag.

O^i Bamberg, 10. April. (T. U.) Nach einer Stuttgarter Meldung, über die bis in die späten Abend- stuude« eine Bestätigung nicht zn erlaugen war, solle« die E«te«teregierungen der Reichsregierung durch Funkspruch mitgeteilt habe«, daß Bayer» in dem Frie- densoertrag nicht mit eingeschlossen werde. Auch werde eine Koutrollkommisfio« der Enteute darüber wacheu, WSLA-L" Lebensmitteln Her Entente nicht

Der Kommende Frieden.

träges

^ Rotterdam, 10. April. (0. C.) -Daily Tele. ph' meldet aus Paris, die Verhandlungen mtt der " riedensdelegation werden etwa 10 bis 14 n. Ueber die Grundzüge des FrieSensver- es keine Verhandlungen, sondern nur über rnngsbesttmmnnge«. Ueber diejenigen Be-

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statt. Bis dahin sollen alle Friedensverträge unter Dach und Fach gebracht sein. Mit Oesterreich und Bul­garien werden nur Borfriedensverträge abgeschlossen werden.

Wtlso« will den Friedensschluß erzwingen.

Aus Paris wird gemeldet: Die amerianische Frte- densdelegierten haben erklärt, daß Präsident Wilson durch seine beschleunigte Abreise die Friedenskonserenz zwingen wolle, entweder sofort unter dcu bereits ange­nommenen Bedingungen Frieden zu schließe«, oder zu erleben, daß Amerika sich auf seine eigene Politik z«. rückzieht. Die amerikanischen Delegierten haben bestä- tigtz daß der Präsident nicht länger die bisher verfolgte Arbeitsmethode mitmachen wolle.

Einigung über die Friedenspräliminarien.

^' Haag, 9. April (B. T.) Aus Paris wird ge-) meldet, Orlando, Lloyd George, Clemenceau und Oberst House haben eine Einigkeit über die Prinzipien des FriedeAsabtommens erzielt. Wenn Wilson, der immer noch nicht das Zimmer verlassen darf, sich gleichfalls da­mit einveritanden erklärt, so ist die Fesisetzung der Prä­liminarien nur «och eine Frage vo« Stunden.

Die Erstattung der Schäden im besetzten Gebiet.

_ In der Sitzung der Waffenstillstandskoulniisston übergab General Nudant in Spaa eine Note über die von den alltierten Besatzungstruppen im besetzten Ge­biet verursachten Schäden. Diese sollen von den Alliier­en nur bezahlt werdcm falls es sich um grobe Nachläs- ftgkZt oder verorecherische Handlungen handelt. Schaden durch Unterbringung von Truppen, durch Manöver usw. müsse Deutschland tragen. Der deutsche Vorsitzende be­merkte, daß diese Aus assung wohl auch gtttig für die Be­rechnung der Schädel in Frankreich und Belgien sei. Der französische Vol lende bestrtti diese Vergleichsmög. lichkett.

Deutle Mmtoetfommlmig.

Sitzung vom Mittwoch, 9. Apr'il.

Präsident Fehrenbach eröffnet dte Sitzung um 3 Uhr i Anträge auf tL^v^utigung von Strasverfabreu gegen

Dr! ISZ^K-^-*^ ausschuß verwiesen. Es folgt che

erste Berat«ug -es Etats für 1919

Reichöfinanzminisrer Schiffer: Der Etat, den ich Ihnen vorlege, ist noch kein Friedensetat. Er kann es auch nicht si'in derm wir haben noch keinen Frieden. Aber er ut doch der erste Schritt zum Friedensetat. Ich ; habe mein möglichstes getan, um der Wirklichkeit mög- Uchlt nahe zu kommen. Die Ausgaben für Militär, Ma­rine und Schutzgebiet haben einstweilen noch auf den autzerordentltzhen Etat übernommerl werden müssen und zwar mit Pauschalem Die Summe der Schatzamveisun- gen, die am 31. Januar 1919 58,3 Milliarden betrug, ist inzwischen auf 63,7 Milliarden gestiegen. Die Aiisgaben für Heer und Marine, die im Januar noch 3,5 Milliarden betrugen, sind im Februar auf 2,7 und im März auf 2 Milliarden zurückgegangen. Der Etat va-anzieut - mit mnö 13 Milliarden. Der Fehlbetrag beträgt 7,5 Mil­liarden. (Hört! Hört!) Das ist ein überaus ernster Zu­stand, der sich noch dadurch erhöht, daß wir mit Sicher­heit annehmen können, daß dieser Etat nur ein Durch gaugsetat zu noch schlimmeren Zuständen ist, denn in ihm sind noch nicht enthalten dte finanziellen Folgen des Krieges, Sie Entfchädigrmgeli, die wir an die Entente zahlen müssen und and) noch nicht die Lasten, die wir durch die von uns gewünschte Bereiiiigmig mit Teutsch- Oesterrinch auf uns nehmen müssen. Beträchtlichen , Mehrausgaben stehen ganz erhebliche Mindereinnahmen gegenüber. Der einzige Lichtblick ist die Piehreinnahnre bei der Reichsbank. Wir müssen aber aus allgenieiilpo- Itiifdjen Gründen dringend wünschen. Saß diese Mehr- einnahrncn fortfallen, denn sie sind mir die Folge des übermäßig hohen Geldunllauieß bei der Reichsbank. Die Denkschrift über die Entwickelung der Neichsfinau- sen in der Kriegszeit hat in der Oefsentlichkett viel zu wenig Beachtmlg gefunden. Sie zeigt uns deri ganzen Ernst der Lage. Die Fehlbeträge haben mir nicht ge­deckt durch Defizitanleihen, sondern aus dem Ertrag der Krtegssteueril, die an sich nicht dazu bestimmt waren. Das hat immerhin Sen Borteit gehabt, daß wir unbela­stet von einer Defizftanleihe in das neue Etatsjahr hin­eingehen sonnten. In» allgemeinen ist die Steigerung der Ausgaben nainrltch durch die allgemeine Wertmin­derung des Geldes beeinflußt. Je höher aber die Preise werden, die daS Reich zu zahlen hat, um so mcljr müssen wir daS Gebot den Sparsamkett beherzigen. (Sehr rich­tig!) Auf dem Gebiet der Beamtenvefokdung verlangt die Volksvertretung mit Rücksicht auf den gesunkenen Geldwert Gehaltsaufbesserungen und TeueruitgsLN- schläge der Beamten. Gleichzertia wird aber dahiii ge­drängt, bei den Gehältern der höheren Beaniten Ab­striche zu machen. Wir sind den Wünschen nach beiden Richtungen eutgegengekommen. Es wirb dadurch aber die Schwierigkeii vergrößert, geeignete Kräfte für den Staatsdienst heranzuztehen Die Flucht tüchtiger Ele­mente aus dem Staatsdienst in besser bezahlte Privat- siellungen nimmt in beängstigender Weise zu. (Hört! Hört!) Borbereitet ist eine Revision des Bcamtenbe- foldungsgcsetzes mit Berücksichtigung der Pensionen. Wir müssen natürlich auch ein nettes Bcanttenrecht schaf­fen, das den Bedürfnissen der neuen Zeit entspricht. Zu diesem Zweck sind zwei Stellen im äfHnifteriitm des In­nern vorgesehen.

Es ergibt sich die Frage, wie wir bei einem Anhalten l der Preissteigerung die berechttgten Wünsche der Beau»