SersfeWet Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
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Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. ! sur Sen Kreis Hersfeld Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Fernsprecher Nr. 8.
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Nr. 58
Montag dem 10. März
1919
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Amtlicher Teil
Hersfeld, den 6. März 1919.
An die sämtlichen Schulvorstände des Kreises.
Nach § 17 des Volksschui-U. Gesetzes vom 28. Juli 1906 erstattet der Staat den Schulverbänden mit nicht mehr als sieben Schulstellen 1/3 desjenigen Teilbetrages der durch notwendige Bauten für Volksschulzwecke ausschließlich des Grunderwerbs entstandenen Kosten, welche im Rechnungsjahr 500 Mark für die Schulstellen überstiegen haben.
Die Schulverbände des Kreises werden aufge- foröert etwaige Ansprüche auf Gewährung eines staatlichen Baubetrages für das Rechnungsjahr 1918 soweit noch nicht geschehen bis zum 20. 8. 19 bei mir geltend zu machen. Fehlanzeige ist nicht erforderlich.
Ich betone nochmals, daß die Baukosten den Betrag von 500 Mark übersteigen müssen. Bei geringeren Baukosten wird ein staatlicher Baubeitrag nicht gewährt.
Tgb. i. 2044. Der Landrat.
J. B.:
Funke, Kreissekretär.
Casfel, den 22. Februar 1919.
Im Anschluß an meine Verfügung vom 17. ds. Mts. — A III. D. 1126 l. — bringe ich zur Kenntnis, daß das Reichsamt für wirtschaftliche Demobilmachung es zur besonderen Pflicht macht auf strenge Einhaltung der Höchstpreise zu achten, und alle beteiligten Stellen darüber aufzuklären, daß die Aufhebung einzelner Beschlagnahmebestimmungen für das besetzte Gebiet noch nicht die Aufhebung der für die betreffenden Gegenstände geltenden Höchstpreise bedeutet, die auch für das besetzte Gebiet nur außer Kraft treten, wenn die Bekanntmachungen über Höchstpreise im einzelnen besonders aufgehoben sind. A. in. D. 1126 i.
Der Regierungspräsident
gez. Unterschrift.
An die Herren Landräte -es Bezirks usw.
Hers*eld, den 6. März 1919.
Wird veröffentlicht.
Tgb. No. I. 2121. Der Landrat.
Funke, Kreissekrtär.
Hersseld, den 3. März 1919.
Die Bevölkerung des Kreises mache ich hierdurch auf das "OSkar-Heleue-Heim" für Heilung und Erziehnng gebrechlicher Kinder, insbesondere solcher ohne Hände, aufmerksam.
Diese Anstalt erfüllt alle Voraussetzungen, die für die Behandlung und schwierige Versorgung von Krüppelkindern notwendig ist. Das Heim hat eine Klinik, in der alle notwendigen Nachoperationen vorgenommen werden können, z. B. die Sauerbruch'sche und Kruckenberg'sche Methoden oder sonstige Verbesserungen des Stumpfes; es hat eine Versuchs- und Lehrwerkstätte, in der während des Krieges zahlreiche Typen guter Kunstglieder ersonnen und angefertigt worden sind, insbesondere Kunstarme und -Hände, aktive Arbeitsklauen und sonstige Arbeitsgeräte für Schwerverletzte; es besitzt ein Museum von Kunst- gliedern und Konstruktionszeichnungen, wie es sonst bisher kaum irgendwo zusammengetragen sein dürfte; es hat die erforderlichen Werkstätten im Haufe zur Ausbildung der Leute ohne Hände und außerdem jetzt als einziges Lazarett, eine eigene Fabrikanlage mit 18 Maschinen, in welcher zurzeit Kriegsarbeit
und später Friedensarbeit geleistet werden soll, mit dem Bestreben, darin die Schwerverletzten auf die Teilarbeit in der Industrie vorzubereiten; es hat eine gut geleitete Schule und Jnvaltdenschule mit besonderen Lehrkräften und einer eigens ausgebildeten Pädagogik; es hat zahlreiche Vorbilder für Ohnhänder z. B. augenblicklich einen Knaben mit doppelseitiger Oberarmamputation, einen mit doppelseitiger Exarti- kulation der Schulter und ebenso bei den Werkmeistern und Lehrern, z. B. einen ohnhändigen Lehrer u. «. m.; es bietet auch alle Vorzüge günstiger Lage, der Hygiene als ein im Walde liegendes, modern erbautes Krankenhaus, Fürsorge- und Erziehungsanstalt.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises ersuche ich gegebenenfalls auf diese Anstalt hinzuweisen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
I. A.No. 2762. v o n G rzr n e l i u s.
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der Heimat«
§ Hersfeld, 10. März. Ls wird erneut darauf hingewiesen, daß infolge der Demobilmachung die den Heeres- und Marineangehörigen i m I n l an ö c gewährten Portovergünstigungen für Feldpo st sendungen erloschen sind. Seit 1. Februar werden nur noch Sendungen an die Angehörige des
Heeres und der Marine im Jnlande nach den sü Friedenszeiten bestehenden Vorschriften als „Soldaten brief" befördert. Inwieweit Felbpostvergünstigungen noch für bestimmte Truppenteile im Jnlande lGrenz- schutztruppenj gewährt werden, ist besonders bekannt gemacht.
):( Hersfeld, 10. März. Die Eröffnung der Preußischen Landesversammlung findet am 13. März, nachmittags 2 Uhr, im Abgeordnetenhause in Berlin statt.
Neuste Nachricht.
Berlin, 9. März. Nach ihrem Mißerfolg in Berlin besuchten die Spartakisten gestern abend Lichtenberg und unternahmen einen Rachezug gegen die Polizeiwache des 1. Reviers, die am Dienstag einen Spartakistenangriff unter beiderseitigen Verlusten abgewiesen hatte. Die Spartakisten ermordeten alle Offiziere, Wachtmeister und Soldaten, angeblich 60 Personen.
Eingesandt.
Unter Verantwortung des Einsenderr.
Durch die Zeitungen geht eine Klage von Deutschlands Trauer um unsere von den Feinden zurückgehaltenen Gefangenen. Es heißt da u. a.; daß Deutschland nur durch Notschreie seiner tiefen Trauer Ausdruck geben könne, usw. Solche Worte wirken komisch, wenn man an die z. Zt. im neuen Deutschland herrschende Vergnügungssucht denkt, über die sich das Ausland mit den Worten lustig macht: „Deutschland tanzt!" Und aus dasselbe Ausland, das mit Recht über unsere Vergnügungssucht spottet, sollen jene Notschreie Eindruck machen? Es wäre würdiger, der Trauer WMMWAMhM« K-AL ÄL es handelt sich hier um einen öffentlichen Mißstand. Sehnt man sich da nicht nach einer starken Regierung, nach einem Minister des Innern, der den Mut hat, für ganz Preußen den Tanzunfug zu verbieten, bis diese schmachvollste Zeit hinter uns liegt und unsere gefangenen Brüder wieder ihre Freiheit haben?
B.
SeslerreW Anschluß n VeulschlmS.
Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht die „Magdeburger Ztg" einige interessante, Abschnitte aus emem in den „Monatsheften für auswärtige Polrttk" erichre- neuen Aussatze des ehemaligen k. und k. Ministers öev Auswärtigen, Grafen Czernin. Nachdem er die bis zum Zerfall Oesterreichs von ihm ins Auge gefaßten zwei ganz verschiedenen Wege — der erste war der, die im Jahre 1867 in den Sattel gesetzte und seither immer schwächer gewordene deutsche Vorherrschaft nuederher- zustellen, Oesterreich durch Anlehnung an das große deutsche Reich zu einem deutschen Staate zu machen und deutsch zu regieren, der zweite war der entgegengesetzte, Oesterreich föderativ zu regieren — zur Schaffung von Ordnung und stabilen Verhältnissen während des Krre- ges als ungangbar infolge des nationalen Problems beleuchtet hat, weist er darauf hin, daß diese Frage dev alten Oesterreich heute unendlich viel ewfacher geworden ist und führt dann folgendes aus: „Deutschösterreich kennt keine nationale Frage mehr, es ist ein deutscher Staat durch und durch, und der Wille, dasselbe auf wir!lieb demokratischer Basis zu regieren, braucht heute kein bloßer Buchstabe zu bleiben. Die große Schicksalsfrage Deutsch-Oesterreichs ist die des Anschlustes an Deutschland. FM kann nicht leugnen, daß ich den mes- beznauchen Beschluß der Nationalversammlung als einen verfrühten für unrichtig halte, und zwar vor allem aus deutschuationaleu Gründen. Die Entente steht auf dem Standpunkt, daß, wenn Deutschland diesen Krieg Saunt beendet, daß eS sich Deutschösterreich einverleibt, es den Krieg nicht verloren, sondern gewonünen hat, und da die Entente dies um jeden Preis verhindern will, so ist es klar, daß sie sich sagt, daß die übrigen Friedensbe- dingungen desto strenger und desto härter fern müssen, um diesen deutschösterreichischen Gewinn zu paralysieren. Ich hätte es unendlich viel klüger gefunden, wenn Wien sich vorerst zurückhaltend verhalten hätte und wenn es nach der Friedenskonferenz, also in emem Zeitpunkte, in welchem der Friede nicht mehr verschlechtert werden kann, seine Beschlüsse gefaßt hätte. Ich nueder- hole, daß ich dies vom dentschuationalen Standpunkte wie vom speziell deutschösterreichischen vertrete, denn wir werden, wenn wir in Deutschland ausgehen. ja auch an den schlechteren Friedensbedingungen mitzuleiden haben. Der wirklich demokratische Weg wäre meiner Ansicht nach der, vorerst das Ergebnis der Friedenskonferenz abzuwarten. Dann wird Deutschösterreich verstehen können, welche Bor- und Nachteile ihm der eine oder der andere Weg bringt, dann möge das Volk durch seine Führer über die Vor- und Nachteile aufgeklärt werden, und dann möge ein Plebtszit den Willen des Volkes dartun. Ich wiederhole: Es gibt nur ein Dogma in der Demokratie, und das ist das, daß das Volk so regiert wird, wie es tatsächlich selbst will, und es ist eine Fal- schuuo M demokratischen Gedankens, wenn von irgend
einer Seite eingegrifferr wird, um dieses Resultat des freien Volkswillens zu beeinflussen. Und nur das Plebtszit kann in diesem Falle den klaren und unverfälschten Volkswillen zutage fördern. Die Herren aber, die heute in Versailles versammelt sind, um über das Los Europas zu entscheiden, werden schwerlich logische Argumente dagegen finden, daß das Volksvotum der primärste und der erste Gedanke der Demokratte ist. Und wenn sie Europa auf demokratischer Basis wieder auf- bauen wollen, dann werden sie Deutschösterreich das Recht, sich sein Geschick selbst zu bestimmen, nicht ver- sagen können.
Ich hoffe, die 14 Punkte Wilsons werden in ihrer ursprünglichen Form das Licht der Welt erblicken. Wer aber einen Menschen über einen breiten, reißenden Strom hat schwimmen sehen, kann beobachten, wie der Schwimmer Meter für Meter durch die Strömung ab- aedrängt wird und schließlich anderswo landet, als er wollte. Das ist meine Geschichte von B r e st - L t t o w s k. Ich hoffe, der so viel mächtigere Präsident Amerikas wird die Kraft besitzen, seinen Theorien zum Durchbruch zu verhelfen. Das freie Selbstbestimmungsrecht der Völker ist das Grundprinzip dieser Theorien, — und es soll für die Deutschen so gut gelten, wie für alle anderen. Wenn dies nicht erfolgt, wenn dieser schöne Grundgedanke Wilsons unterliegt, dann, fürchte ich, sieht es schlimm um die gesamte Welt und um den dauernden Frieden."
Sie ZrgÄWg der ßehleuisirtschsfl.
Die gegenwärtige Reichsleitung hat den gewaltigen Komplex der Sozialtsierungsfragen aus der Sphäre unfruchtbarer doktrinärer Erörterungen in den Bereich der praktisch-nüchternen Idealitäten hinübersührt. Sie a von dem Standpunkt aus, daß es sich nicht darum eln dürfe, gewissen Strömungen Folge zu leisten, ohne Rücksicht darauf, ob dem sozial-kulturellen Fortschritt damit gedient werde oder nicht. Darnm hat man sogar in der Frage der künftigen Gestaltung unserer Kohlenwirtschaft— einem Gebiet, auf dem das Svzia- lisierungsproblem mit größerer Dringlichkeit nach einer Lösung verlangt als in anderen Zweigen des Wirtschaftslebens — ein vorsichtiges Maßhalten nicht außer acht gelassen. Hierzu schreibt die „Franks. Ztg.":
Grundsätzlich ist zu sagen, daß für. Kohlen gewimmng und Kohlenvertrieb eine Beseitigung des privaten Monopols zugunsten des Staates nur zu begrüßen ist. Wenn im gegenwärtigen Augenblick der Umstand dafür spricht, daß es öenAnschauungen breitesterBevölkerungs- schichten entspricht, die privatökonomischen Monopolsor- men von einem gemeinwirtschaftlich orientierten Regime ablösen zu lassen, so versteht es sich von selbst, daß bei der Kohle eher als an anderen Stellen der Hebel ange- setzt werden muß. Weit schwieriger ist die Frage, welche Keile des GefamtbereiKS der KyLlMwtrtfchaft denn MS
erste der privaten Verfügung entzogen und der Zenits» wirtschaft zugänglich gemacht werden sollen. Den Forderungen. die hier auf einen Wurf „ganze Arbeit" getan haben wollen, hat die Reichsleitung aus einleuchtenden Gründen nicht stattgegeben. Sie glaubte es wohl nicht verantworten zu kömren, unserer von einer unerhörten Krise erschütterten Volkswirtschaft mit einem Schlage eine solche radikale Wandlung in lebenswichtigen Teilen zumuten zu können. Außerdem wird man nicht vergessen dürfen, daß ein Uebergang des privaten Kohlenbergbaues an die Allgemeinheit inbezug auf die schwer zu lösen wären. Darum wird in das System der privaten Kohlenbewtrffchafkma zunächst emmal dort eine Bresche geschlagen, wo ohne einen besonders gro- tzen Iiüfwond an finanziellen Mitteln und an aesetzgebc- rischen Maßnahmen doch ein volkswirtschaftlich höchst bedeutender Effekt zu erreichen ist.
Wie sich die Verstaatlichung der bestehenden Kok- lenharrdelsorgauisafionen in ihren Einzelhesien verwirklichen wird, ist aus den bisher vorliegenden amtlichen Angaben noch nicht ganz gütlich zu erkennen. Das soeben veröffentlichte Kohlenregelungs- aesetz scheint ein Notbehelf insofern zu win als man die eigentliche Regelung in die Hände der darin vor. gesehenen Organisationen legen will, um zu vermeit^u, daß sich die Nationalversammlung mit hundert oder mehr Paragraphen in dieser Zeit beschäftigen müßte. Die Beurteilung der ganzen Aktion ist dadurch freilich sehr L'-schwert, und eS müßte mindestens in den Grund» Neu m8 werben, wie die Ausführung im ein- »einen gedacht ist. Dre. gerade im Kohlend anbei für d"i7 ausländischen Wettbewerb bedingte geiächftStecht- uische Beweglichkett dürfte im Rahmen der genas« seus Selbstverwaltung, welche hier, wie es scheint, zum leitenden Brmzip erhoben wird, gewährleistet fein. Dabei werden die Arbeitneh- mer zu einer wichtigen mitbestimmenden Rolle benr- sen, aber auch die Vertreter des Konfuntentenffande# sollen wie der Gesetzentwurf verheißt, zu ihrem Recht
koinmen.
Nach alle«, was diesem atundfäelitd höchst dedeut» samen Schritt zur Sozialisierung an allgemein^ Erörterungen vorausgegangen ist. wird mansich von der Verstaatlichung des Kohlenhandels auch über feint eigene Grenze hinaus eine weitreichende Wirkung auf das Gebiet der eigentlichen P r v d u kt i o u versprechen können. Die hier geschafienen Ansätze weiter aWzu- bauen, wird Aufgabe der Zukunft sein. Bon nicht minder grrmdlegender Wichtigkeit ist es, Saß gleichzeitig auch eneraisch in den Beretw des Verbrauchs der Brennstoffe übergegriffen wird in dem ®wne, eine möglichst sparsame und ratoyelle Ausnutzung de» ^—A-m. 2ie—^rr »^ *“*—*—*fe&en. wo & das In»
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