Hersfelder Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
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Amtkcher Anzeiger j Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im 1
s amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig.
^eröserö | Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Fernsprecher Nr. 8.
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Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- E zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei • Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld, i iGeiaMBaBBaeMMBBBaeaBaaaeemeiear^easHBssaasaaaaeBaaaaaaHBBeaBBBäEgQagaHaaseaaBeBBs
Nr. 54 Mittwoch, den 5. März
1919
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 3. März 1919.
Futtermittelanzeige.
-_ Durch die Firma A. Löwenberg hierselbst gelangen ^68 Ztr. Kleiemelasse zur Abgabe. I. A. Nr. 2848. Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
vonGrunelius.
m Ir Hersfelö, den 28. Februar 1919.
.Das Reichsamt für wirtschaftliche Demobilmachung weift nachdrücklich darauf hin, daß nur die Beschlagnahme bestimmter Gegenstände wie Leder, Häute, Felle, Chemikalien, Nußbaumholz, Mahagoniholz usw. aufgehoben ist, und daß sich diese Aufhebungen nur auf das besetzte Gebiet beziehen. Zur Beseitigung von Zwe:feln über die Behandlung von Leimleder wird bekannt gegeben, daß Leimleder nicht unter die Freigabe von Leder fällt, und daß die Bundesrats- verorönung über den Verkehr mit Leimleder auch noch im besetzten Gebiet gilt.
Tgh. Nr. i. 2775. Der Landrat.
J. V.:
Funke, Kreissekretär.
Hersseld, den 27. Februar 1919.
Diejenigen Herren Bürgermeister des Kreises, die meine Verfügung vom 24. Januar d. J. — Tgb. Nr. I 652 — abgedruckt im Kreisblatt Nr. 26 — betreffend Beseitigung von Uferschäden an vorhandenen Flußläufen noch nicht erledigt haben, werden mit Frist bis Tgb. Nr. I. 1888. .......^^
J. V.:
Funke, Kreissekretär.
Hersfeld, den 28. Februar 1919.
Da die russischen Kriegsgefangenen vorläufig noch nicht fortkommen, ist die Kommandantur des Kriegsgefangenenlagers Cassel in der Lage, Kriegsgefangene als landwirtschaftliche Arbeiter zu stellen.
Arbeitergeber, die Kriegsgefangene brauchen, haben einen Antrag an Abteilung Ia zu stellen, bei dem der frühere Bordruck nicht mehr zu benutzen ist. Diese Anträge müssen von dem Bürgermeister oder Guts- vorstand beglaubigt und gestempelt sein und es muß darin bescheinigt werden, daß durch die Kriegsgefangenen keinem deutschen Arbeiter ein Platz fortgenommen wird.
Nur unter dieser Bedingung dürfen Kriegsgefangene gestellt werden.
Tgb. Nr. I. 1796. Der Landrat.
Funke, Kreissekretär.
Hersfeld, den 28. Februar 1919.
Diejenigen Arbeitgeber, deren Kriegsgefangene Kleidungsstücke bedürfen, haben von jetzt an unter keinen Umständen die Kriegsgefangenen zur Abholung derselben in das Lager zu schicken. Der Arbeitgeber hat vielmehr wie es früher war, die Kleidungsstücke unter genauer Angabe des Vor- u. Zunamens sowie Gruppennummer des Kriegsgefangenen bei der betreffenden Kompagnie schriftlich anzufordern. Sollten Kompagnien mit der Absendung säumig sein, so haben die Arbeitgeber sich an die Abteilung ia der Kommandantur zu wenden, die foftftt für Abhilfe sorgen wird.
Ferner wird bekannt gemacht, daß von jetzt ab die Herrn Gemeindevorsteher keine Bescheinigungen an Kriegsgefangene zu Eiseubahnsahrte« mehr ans- stellen Würfen Diese Ausweise dürfen nnr von der Kommandantur des Kriegsgefangenenlagers ansge- stellt werden.
Wenn Arbeitgeber ihre Kriegsgefangene nicht mehr zur Arbeit nötig haben, haben sie sich rechtzeitig an die Kommandantur um Ausstellung dieser Ausweise zu wenden.
Tgb. Nr. 1. 1657. Der Landrat.
J. B.:
Funke, Kreissekretär.
Hersfeld, den 25. Februar 1919.
Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich erneut durch ortsübliche Bekanntmachung auf die im Kreisblatt Nr. 1. vom 2. 1. 1919 abgedruckte Verordnung über die Zurückführung von Waffen undHeeres- gut in den Besitz des Reiches vom 14 12. 1918 und die im Kreisblatt Nr. 86 veröffentlichte Verordnung vom 13. 1. 1919 betreffend Waffenbesitz lnnzrrweuen^
Ueber ore abgettejerten Waffen und sonstigen Gegenstände ersuche ich mir bis zum 10. 3. 1919 ein Verzeichnis einzureichen.
Tgb. 1. 1827. Der Landrat.
I. B.:
Funke, Kreissekretär.
äus der Heimat.
§ Hersfeld, 5. März. Zur Lehrlingsfrage geht uns vom „Bund deutscher Schuhmacher-Innungen" die nachstehnde Ausführung zu: Die Zeit ist nicht mehr fern, in der über die Wahl eines Berufes für die schulentlassene Jugend Sorge getragen werden muß. Eltern und Vormündern drängt sich die Frage auf: Was soll aus dem Jungen werden? Die gegenwärtigen Verhältnisse sind nun nicht im besonderen dazu angetan, unserer Jugend sogenannten Gelehrtenberufen zuzuführen und es darf daher wohl angenommen werden, daß man sich wieder mehr, der gewerblichen Tätigkeit zuwendet. Bei so manchem Berufe hat es sich in diesem Weltkrieg gezeigt, wie
so außerordentlich nützlich und zweckdienlich sie im allgemeinen wirtschaftlichen Interesse wirken können. Zu diesen Berufen gehört auch das Schuhmacherhandwerk. Bis zum Weltkriege eines der un lohnen öfter.: und darum unbegehrtesten, hat es sich in den vier Kriegsjahren zu einem Gewerbe durch- gerungen, das bei genügender Tüchtigkeit sehr wohl seinen Mann nährt. Es kömmt weiter dazu, daß man nach der materiellen Seite hin im Schuhmacherhandwerk ernstlich bemüht ist, das Lehrlingswesen einer Vervollkommnung entgegen zu führen, so baß auch hier die Möglichkeit auf baldiges Geldverdienen gegeben ist. Das Schuhmacherhandwerk wird aber auch noch einer besonders günstigen Entwicklung entgegengehen, wenn es Lehrlinge mit guter Schulbildung erhält. Und man steht heute im Gewerbe ziemlich allgemein auf dem Standpunkt, daß man nur Lehrlinge mit guter Schulbildung aufzunehmen bereit ist. Der Zweck dieser Zeilen ist es, EUern u. Vormünder auf diese Verhältnisse im besonderen hinzuweisen.
Eltern, besucht die Berufsberatung im Rathaus Zimmer Nr. *5,
Sonntags von 11—1 Uhr!
):( Hersfeld, 5. März. Die spartakistischen Umtriebe der letzten Zeit in vielen Städten des Reiches
für «njcie Stadt an die Gründung einer Bürg er wehr heranzu- treten. Aus eine Einladung des Herrn Bürgermeisters Wagner hin hatten sich daher gestern abend zahlreiche wehrfähige Bewohner unserer Stadt im Hotel Stern eingefunden, um sich an der Gründung der Wehr zu beteiligen. Der Herr Bürgermeister legte zunächst Zweck und Ziel der Bürgerwehr dar, und nach kurzer Aussprache wurde die Gründung einer Bürgerwehr, welche auf dem Boden der jetzigen Regierung steht und nur ganz zuverlässige Leute ausnimmt, beschloß en. Es wurde dann sofort die nähere Einteilung, sowie die Wahl von Führern vorgenommen. Der größte Teil der Anwesenden trat der Bürgerwehr sofort bei, sodaß unsere Stadt bereits heute über eine stattliche Schar verfügt, die bereit ist, sich uneigennützig in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Allen denen, welche wegen der Kürze der Zeit keine Einladung erhalten konnten, ist natürlich auch jetzt noch Gelegenheit geboten, sich in die Bürgerwehr einreihen zu lassen, und es wäre zu wünschen, wenn dies noch in recht großer Zahl geschieht, ohne Unterschied des Standes, aber auch ohne Rücksicht auf den früheren militärischen Dienstgrad.
Die deutschen KriessgesanMuen.
Unter den Reden, die in der letzten Zeit in der Nationalversammlung gehalten wurden, war kaum eine, die nicht die schmerzliche Frage der in den Ententelan- Sern zurückgehaltenen und in Frankreich gar zu hartem Frondienst verurteilten deutschen Kriegsgefangenen berührt Hätte. Und sicherlich haben sich unsere Abgeordneten auf keinem Gebiete in so unzweifelhaftem Einklang mit der Gesamtheit der Nation befunden, wie in dem immer wiederkehrenden Ausdruck einer Svrge, die in der Tat jeden einzelnen auf das tiefste bewegt. Traurig genug schon ist, daß vier Monate nach der Eulstelluua der Feindseligkeiten und nachdem die in Gefangenschaft geratenen Angehörigen der Entente längst heimgekehrt sind, die Herausgabe der unfeinen überhaupt noch eine Frage sein kann. Keine völkerrechtliche Erwägung, auch wenn eine solche ausgettiftelt werden könnte, kann dem einfachsten menschlichen Gefühle entgegengesetzt werden, das gebieterisch verlangt, daß die Kriegsgefangenschaft in dein Augenblick zu Ende gebe, in dem sie sinnlos geworden ist und ihre Verlängerung daher nur noch als wm- kürliche Grausamkeit angesprocheu werden kann. Freilich die Franzosen führen als Grund ihres Vorgehens das von ihnen empfundene Bedürfnis an, die durch den Krieg zerstörten Gebiete so rasch als möglich wiederher- stellen zu lassen. Aber ist hier der Beweggrund mcht noch widersinniger als die Handlung? Denn wer in aller Welt kann glauben, daß durch langjährige Leiden körperlich' heruntergekommene und geistig gebrochene Menschen geeignet seien, eine so miwfawe, gefährliche und langwierige Arbeit zu bewältigen'? Wie von ih- uen, das ist leider gar nicht zweifelhaft, werden dabei elend zu Grunde gehen.
Es ist schwer, so schreibt die y,Wt Zig ", den Grund dieser betrüblichen Tatsache nicht darin zu finden, daß man dort seine Repressalien mehr zu fürchten hau Wie beschämend aber ist es für die ganze Menschheit, daß das Maß der Leiden, denen man Kriegsgefangene ausseyeic zu dürfen glaubt, durch keine andere Erwägung geregelt sein sollte, als durch die Furcht vor Gegeumatzrc- aeln! Wo bleibt da die Religion, wo die Sittlichkeit? Wo die Kultur, als deren Anwälte sich jene Nationen immerfort proklamierten? Wo bleibt gar das doch wohl
auch von ihnen nicht grundsätzlich verleugnete Bestreben, eine Versöhnung der Völker anzubahnen, die Hoffnung auf einen dauernden Frieden nicht als Unsinn erscheinen zu lassen? Vergeblich würde man zu leugnen suchen, daß das Schicksal, das unseren kriegsgefangenen Volksgenossen bereitet wird. in die Seele unserer Nationen den Keim unsäglicher Erbitterung pflanzt. Jeder Teutsche, der heute in Gefangenenlagern feinen Leiden erliegt, muß mehr als alle auf den Schlachtfeldern Gefallenen «unsere Gesinnung gegenüber den ehemaligen K riegsgegnern beeinflussen.
Die Herausgabe unserer Gefangenen, solange sie überhaupt noch als lebensfähige Menschen herausgegeben werden können, ist wesentliche Vorbedingung eines dauernden Friedens, den doch wohl Herr Wusm!, sein eifrigster Befürworter, nicht auf papierne Verträge allein begründet, sondern in den Herzen der Menscher: verankert sehe.: will. WitWen dies endlich auch die Machthaber in Paris und London bedeuten und sich dann fragen, ob sie den eigenen Nationen gegenüber die Saat der Zwietracht und des unversöhnlichen Gedenkens zu verantworten vermögen, die durch die Zurückhaltung der deutschen Kriegsgefangenen ausgsstrent wird!
Die KeichskeZierung WeklenanMser.
Die Reichsregiernna führst zur Zeit eine bedeutende finanzielle Aktion durch, um große Posten ausländischer, noch in deutschem Besitz befindlicher Wertpapiere : zur Bezahlung der kommenden Lebensmittelinfuhren in ; die Hände zu bekommen. Diese Finanzoperation liegt ; in der Linie des Vorgehens der Reichsregierung vorn Jahre 1917. Damals wurde zur Stützung unserer stark hw Wanken geratenen Valuta ebenfalls auf die Aus- i landswerte zugunsten des Reichs zurückgegriffen. Die Erfassung der Papiere erfolgte damals systematisch, ohne , das; aber der ganze, in Deutschland vorhandene Vorrat vom Reiche ergriffen worden wäre.
Mit einigem Interesse konnte man den ersten Versuch des neuen Deutschlands, sich tu einer Finanzaktton von tnternattpnaleir Bedeutung zu betätigen, entseaeu-
seheu. Die Hoffnungen.wurden stark enttäuscht. M« kann wohl sagen, so schreibt die „Mkf. Ztg.", das die bisherige Durchsübrurlg des Projektes für seine Urheber keinen sehr glänzenden Befähigungsnachweis erbrach) hat. Anr 18. Februar dieses Jahres tüubißte der Reichsminister Erzberger in Weimar den Rückgriff des Rei- ches auf einen bedeutenden Teil des deutschen Besitzes ausländischen Effekten als unmittelbar bevorstehend Dann verging eine ganze Reihe von Tagen, ohne ’"‘r, bis sich endlich heraus- ich die Banken der Berliner
an an.
leitung offenbar noi
daß man Genaueres t stellte, daß zunächst das _ --------- ,--^ ^ Stempelvereinigung, also einen sehr engen Kreis, damit beauftragt hatte, am offenen Markte Ankauf einer bedeutenden Reihe von fremdländischen Wertpapieren vor- zunehmen. Die Folgen dieses zögernden Vorgehens des Reiches traten sehr schnell zutage Es entwickelte sich eine geradezu wilde Kurstreiberei in allen ausländischen Renten. Die Spekulation warst zunächst — ein Beweis, wie völlig im Unklaren man Oer die Absichten des Reiches war — die Kurse stark nach unten, um sie dann in stürmischem Tempo in die Höhe zu treiben. Dieser Wechsel trat in dem Moment ein, in welchem sich die Speku- lation daritber ins Klare gekovmien war, daß die ReichS- yar fein festes Programm für die länöffchen Werte hatte, daß man ,hen die Preise vorstchreiben konnte,
Uebernahme dieser .... _ .. ------------ ,
ihr also gewissermaßen die Preise vor schreiben konnte, wenn man diese nur fortgesetzt in die Höbe trieb. Nach außen hin begründete die Spekulation die Preiserhöhungen damit, daß die ausländischen Effekten erheblich unter Weltparität standen, eine Folge unserer Baluta-
_ Spekulation geradezu wirft. War die Notwen-
:e ausländischen Papiere Iwed* zurückzugreisen, so
entwertung.
Wir sehen also das erbauliche Schauspiel, daß dar Reich sich den Rückgriff auf diesen deutschen Besitz mit Erfolg selbst verteuert hat und der Spekulation geradezu sinnlose Gewinne in den Schoß digkeit einmal erkannt, auf die -----------------------
zu dem eingangs gedachten Zweck zurlickzugreffen, so hätte es nur eines geben dürfen: das sofortige und lückenlose Ausfuhrverbot (bisher durften noch anslän- dische Werte durch Bankvermittlung ins neutrale Aus- land gesandt werden) und die sofortige Beschlagnahme in der Weise, daß nur ein Verkauf zu vorgeschriebenen Abftndmrgsknrsen an beauftragte Aufkäufer erlaubt gewesen wäre. Das Exportverbot scheint letzt hevorM-
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