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Sersfelder Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

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Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- j zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei | Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. :

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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

s Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im : amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig, f Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprecher Nr. 8.

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Nr. 53

Dienstag, den 4. März

1919

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 26. Februar 1919.

Betrifft: Kerzenverteilung.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises ersuche ich, die zngeteilten Kerzen alsbald bei der Firma G. W. Schimmelpfeng hier abholen zu lassen und alsdann schleunigst zu verteilen. Tgb. Nr. i. 1691. Der Landrat.

I. V.:

Funke, Kreissekretär.

Einstellung des Verkehrs von Zivil- und Militär­personen nach den von den Polen besetzten Teilen der Provinz Posen.

Nachdem durch Befehl des Kriegsministeriums der gesamte Personenverkehr eingestellt worden ist, wird weiterhin bestimmt:

1. Auf den Bahnhöfen an der Grenze nach Posen sind militärische Ueberwachungsstellen eingerichtet, von denen die zureisenden Zivil- und Militärper­sonen aus das Verbot des Weiterreisens nach den von den Polen besetzten Gebieten der Provinz Posen hinzuweisen sind und die ihnen im Einvernehmen mit der Eisenbahnverwaltung die Rückreise oder die Reise nach einem andern Orte Deutschlands zu er­möglichen haben. An Militärpersonen und ent­lassene Soldaten können grundsätzlich, an andere Personen, welche nachweisen können, daß sie in Un­kenntnis des Reiseverbots die Reise angetreten haben, können bis zum 15. Februar 1919 einschließlich Militär- sahrscheine zur Rückreise ausgestellt werden

2. Für diejenigen früheren Militärverlaueu- M M M^ &£U4UK mmt tn Frage kommt oder die anderweitig kein Unterkommen finden können, ist im Lager Neuhammer für ein vorläufiges Unter­kommen gesorgt. Sie sind von denUeberwachungsstellen zu sammeln und baldmöglichst in geschlossenen Trans­porten dem Lager Neuhammer zuzuführen.

3. Neben der Ueberwachung der Bahnhöfe ist eine Kontrolle der wichtigen Verkehrswege eingerichtet, damit die auf den Bahnhöfen zurückgewiesenen Per­sonen nicht zu Fuß und unter Benutzung anderer Verkehrsmittel ihre Reise wieder fortsetzen.

Breslau, den 25. Januar 1919.

Gen. Kdo vi A K * * *

Hersfeld, den 25. Februar 1919.

Wird veröffentlicht.

Tgb. Nr. I. 1649. Der Landrat.

I, :

Funke, Kreissekretär.

Die neue deutsche BetfaRnng.

Während überall im Reiche schwere Unruhen auf­flammen, während das Streikfieber das deutsche Volk in allen Teilen erschüttert. tritt die Nattonalversämm- luua heute an ihre schwerste Aufgabe, die erste Lesung der B e r f a s s u n a f ü r d a s n e u e D e u l s ch e R e r ch, heran. Hierzu wird derFrkst. Ztg." aus Weimar ge­schrieben:

Seit mehreren Tagen beraten die Fraktronen auf Grund der Borlage und auf Grund der Begrün­dung, die der Reichsminister Dr. Preuß mündlich im Plenum der Nationalversammlung gegeben hat. Der Entwurf der neuen Retchsverfassuna ist ein Kom­promiß. Der ursprünglich auf eine einheitliche Reichsgewalt abzielcude vorläufige Entwurf des Staats- seretärs Dr. Preuß hat im Staatenausschuß mancherlei Wandlungen und Abäuderungen erfahren. Süddeutsche und norddeutsche Einflüsse arbeiteten die partikularisir- schen SonderbeGrebungen wieder stärker heraus. Vor allen Dingen war es die bayerische Vertretung, die die alten ReserväiMhte der süddeutschen Staaten mit Zähig­keit verteidigte DasLos von Berlin" spielte dabei eine hauptsächliche Rolle und nun ist über München in der Zwischenzeit dasselbe Schicksal hereingebrochen, bat» Berlin in der zweiten Januarwoche über sich ergeben lassen mußte. Dadurch wird zweifellos die früher (ehr starke bayerische Stellung erheblich erschüttert. Es konnnt weiter dazu, daß andere süddeutsche Staaten nicht das­selbe Gewicht auf die partikularistischen Sonderbestre- bunaen legen, und ähnlich wie bei der Reichsgründmig zeigt Baden sehr viel Verständnis für die Notwendigkeit einheitlicher Reichsgewalt. Auch Württemberg, das. in vielen Fragen mit Bayern im StacüeuaussKutz gemein­sam gestimmt hat, bat in manchen wichtigen Puncten tue Bereitwilligkeit erkennen lassen, auf alte Sonderrechte zu verzichten. Es liegt nun bei der souveränen Natw- ualvcrsammluug, die gebrochene Linie des Verfassungs- entwurfs wieder auszubiegen.' Der Wille scheint hur- für vorhanden zu sein. Besonders beachtenswert m der Wandel auf der Rechten. Dort zeigen sich in )vachsen- deut Maße Stimmen für das einheitliche Deutsche Reich. Die Entscheidung liegt also beim Zentrum, und bei der Bayerischen Christlichen Bolkspartet sitzen die Anhänger süddeutscher Sonderbündelei. Vielleicht haben auch sie sich während der letzten Tage überzeugen »rüsten, daß ne von falschen Voraussetzungen ausgegangen sind und daß «s auch für Süddeutschland von Nutzen werden kann,

Bekanntmachung der Reichsfatzstelle

über die Aufhebung der Beschlagnahme von Fässern

Im Vollzug der Bekanntmachung des Reichswirt­schaftsamts vom 8. Februar 1919 iReichs-Gesetzbl. S. 181) über die Aufhebung der Beschlagnahme von Fässern werden hiermit die Bekanntmachungen der Reichsfaßstelle vom 9. Juli 1917 über den Ankauf ge­brauchter hölzerner Fässer, Kübel, Bottiche nnd ähn­licher Gebinde (Reichsanzeiger Nr. 163 vom 12. Juli 1917) und vom 22. Mai 1918 über die Organisation des zugelassenen Fatzhandels und der Faßfabrikation sowie den Verkehr mit neuen und gebrauchten hölzernen beschlagnahmten Fässern, Kübeln, Bottichen und ähn­lichen Gebinden (Reichsanzeiger Nr. 143 vom 20. Juni 1918, Mitteilungen der Reichsfaßstelle Jahrgang 1918 Nr. 1 S. 4 und Nr. 3 S. 17 ff> mit Wirkung vom 16. Februar 1919 aufgehoben.

Die von der Reichsfaßstelle zur Durchführung der öffentlichen Faßbewirtschaftung bisher ungeordneten Beschränkungen des Faßhandels und der Faßerzeugung treten hiernach mit dem genannten Zeitpunkt außer Kraft. Die (roten) Ausweiskarten und (blauen) Be­rechtigungsausweise, welche vom Reichskommissar für Faßbewirtschaftung den zum Aufkauf beschlagnahmter Fässer usw. ausschließlich berechtigten Faßhänölern (Mitgliedern der Kriegsvereinigung deutscher Faß- Händlerf und deren UnterbevoÜmächtigten ausgestellt worden sind, verlieren mit dem gleichen Tage ihre Rechtsgültigkeit.

Berlin, den 13. Februar 1919.

Der Reichskommissar für Faßbewirtschaftung.

S t ö h s e l, Ministerialrat.

* (DieSommerzeit" gefährdet.) Nach einer Berliner Meldung ist es zweifelhaft, ob in diesem Jahre dieSommerzeit" eingeführt werden wird. Abgesehen davon, daß Bayern sich dagegen ausgesprochen hat, spricht noch der Umstand mit, daß in dem besetzten Gebiet die westeuropäische Zeit ein­geführt worden ist, sodaß ein Zeitunterschied von zwei Stunden eintreten würde.

* (Eisenbahn und Kriegs beschädigtes Deo Minister der öffentlichen Arbeiten hat die Eisen­bahndirektionen ersucht, das Zugbegleitpersonal anzu- weisen, für gute Unterbringung der Kriegsbeschädigten bemüht zu sein, soweit dafür keine besonderen Abteile freigehalten werden, namentlich in den Fernzügen. Es soll ihnen ein Sitzplatz angewiesen, oder sie sollen einzeln in das Dienstabteil ausgenommen werden.

* Sicherung der L a n ö b e w i r t s ch a f t u n g Die aus den Verhältnissen des Krieges heraus entstandene Verordnung über die Sicherung der «ggg!«!^^ JLWMIOT'BWHMWB^ ^'»»«g^^eg^^H*^^

wenn eine starke Reichsgewalt geschaffen werden samt. Dazu ist aber notwendig, daß der Artikel 5 der Vorlage in seinem letzten Teil völlig umgestaltet wird. Es wird darin die Verteidigung des Reiches zwar als Reichs­sache erklärt, es wird auch ausgesprochen, daß die Wehr­verfassung des deutschen Volkes durch ein Reichsgesetz einheitlich geregelt werben soll: die -Einheitlichkeit der Landesverteidigung wird also prinzipiell konstatiert. Im letzten Absatz kommt aber die Einschränkung, daß ent­sprechend den bisherigen Reservatrechten die einzelstaat- lichen Kriegsministerien, also die Kriegsverwaltungen, aufrechterhalten bleiben sollen. Die Reichsregierung hat entgegen ihrer ursprünglichen Absicht hier eine Korrzes- swu an die süddeutschen Sonderbestrebungen machen ""^Dasselbe gilt für das Verkehrswesen. Schon im alten Reichstag war eine Mehrheit für die Reichseisen- bahn vorhanden und auch der vorläufige Verfassungs entwurf des Staatssekretärs Dr. Preuß bekannte sich zu der Einheitlichkeit unseres gesamten Verkehrswesens. Der neue Berfassungsentwurf begnügt sich damit, dem Artikel 8 ganz allgemein die Kompetenz des Reichs für das öffentliche Verkehrswesen auszusmechen, aber in zahlreichen Einzelvorschriften werden dann der Ein­heitlichkeit abträgliche Einschränkungen gemacht. Wir können uns im neuen Deutschland den Lurus, den oas reiche Deutschland der Vergangenheit sich gestatten konnte nicht mehr leisten, daß zahlreiche Berwaitungö- apparate gegeneinander arbeiten, daß die Einzelstaaren sich auf dem Gebiete des Verkehrswesens Konkurrenz machen. Wir haben Grund au der Annahme, daß der Staatssekretär Deutsch-Oesterreichs, Herr Bauer, der zurzeit in Weimar weilt. um über den Anschluß Deutsch Oesterreichs Vorbesprechungen zu führen, ge­rade auf die Einheitlichkeit des Verkehrswesens star­ken Wert legt. Nicht nur für die Eisenbahnen vran- chen wir eine einheitliche rationell wirtschaftende Ver­waltung, das Gleiche gilt auch für den Binnen­schiff äh rts verke b r und für die neuen Zweige des Verkehrswesens, die sich in der Luft anbahyen.

Sieben diesen mehr oder weniger verwaltungstech-

Der WiWnafftteSe.

Infolge der in der letzten Zeit durch die Presse ae- gaugenen Aeußerungen feindlicher Staatsmänner über einen baldigen Prälimknarfrieden hat diese Frage ein

Acker- und Gartenbestellung, die bet Nichtbestellung landwirtschaftlicher Grundstücke die Möglichkeit der Zwangsbewirtschaftung vorsieht, hat sich mehrfach als ausbaubedürftig erwiesen. Auch ist es im Hinblick auf die schwierige wirtschaftliche Lage zur Sicherung der Volkseknährung dringend geboten, die weitere Geltungsdauer der Verordnung aufrechtzuerhalten. Der heimische Ackerboden muß restlos in den Dienst der Ernährungswirtschaft gestellt werden. Eine vom Staatssekretär des Reichsernährungsamts erlassene Verordnung über die Sicherung der Landbewirt- schaftung sieht daher vor, daß die Möglichkeit zur Einleitung einer Zwangsbewirtschaftung auch weiter­hin aufrechterhalten wird. Gleichzeitig bringt die Verordnung mehrfache Neuerungen, die auf Grund der bei Zwangsbewirtschaftungen gemachten Erfahr­ungen sich als notwendig erwiesen haben und die Einleitung und Durchführung der öffentlichen jBe-- wirtschaftung wirksamer gestalten und so die volle Ausnutzung des heimischen Bodens gewährleisten.

):( Hersfeld, 4. März Ein phantasiereiches Zu­kunftsbild geht seit einigen Abenden vor ausverkauftem Hause im Lichtschauspielhause über die Leinwand. Mit größter Spannung verfolgen die Zuschauer die Entstehung des H i m m e l s s ch i f f e s " sowie seine Fahrt nach dem Mars und zurück. Der Mars selbst wird uns in prächtigen Aufnahmen als ein wahres Paradies gezeigt. Ein Besuch dieses hoch­interessanten Filmwerts, welches noch einige Tag^ hier in Hersfeld bleibt, kann nur allen empfohlen werden.

§ Hersfeld, 4. März. (Weitere Beschränkung der F a h r t e r l a n b n i S.s Fahrkarten -es gewöhn­lichen Verkehrs werden im EtfenbrhndirektionSbezirk deVReise' tzervorgeht, an Zivilpersonen ausgegeben. Fahrterlaubyisscheine werden für Einzelreisen und für mehrere Reisen (Dauerfahrterlaubnisscheine) aus­gestellt. In gewissen Fällen bedarf es der Beibringung eines besonderen Fahrterlaubnisscheines nicht, worüber die die Scheine ausserttgenden Stelle« und die Fahr­kartenausgaben auf Wunsch Auskunft erteilen Fahrt­erlaubnisscheine werden ausgefertigt von den Orts­polizeibehörden gegebenenfalls unter Mitwirkung der Arbeiter- und Soldatenräte, den Handelskammern, den Handwerkskammern und den Landwirtschafts- kammern. Die Fahrterlaubnis wird aber nur in den allerdringendsten Fällen gegeben.

Caffel, 3. März. Bei'^ den gestrigen Stadt- verordnetenwahlen wurden 37 Sozialdemokraten, 20 Demokraten, 9 Deutschnationale und 6 andere Bürger­liche ins Stadtparlament gewählt. Die Sozialdemo- kraten besitzen somit die Mehrheit

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besonderes Interesse erlangt. Ueber Zeitpunkt und wa» aussichtliche Durchführung des PräliminarfriedenS wir» uns von urcterrichteter Seite geschrieben: Die Mitteilung, daß der Präliminarfriede beretts Mitte März abgeschlos. sen werben dürfte, ist aller Voraussicht nach verfrüht. Es kann dagegen erwartet werden, daß die Borberei­tungen für den Präliminarfrieden ungefähr in 28 W». eben in Angriff genommen werden dürften, da auch bat Entente in ihrem eigenen Interesse viel an der Be­schleunigung der Friedensarbeiten gelegen ist.

Es handelt sich bei dem Präliminarfrieden im Ge­gensatz zu den Waffensttüsiandsabkmmnen nicht nur um militärische und maritime Vereinbarungen, sondern au® territoriale und wirtschaftliche dkburachmlgen, die für den endgültigen Frieden Andend sind. Nach den Satzungen des Völkerrechtes liegt nämlich die Bedeutung des Prä- liminarsriedeus in der bindenden Festlegung der Grund, lagen für den endgültigen Frieden. Weder der Sieger noch der Besiegte darf heute Ansprüche stellen. Nach Mei- dung bet Ententepresse sollen die Kommissionen, 'welche über die territorialen Fragen und über- die Enischädi-

Su verhandeln, noch nicht im entferntesten zn dem

ihrer Arbeiten gelangt sein. Zwar verlautet, daß die englischen Avmmissionen Befehl gaben, ihre Ar­beit bis äum 10. März abzuschließen. Trotzdem ist aber an eine »hr schnelle Durchflthruna des Präliminarfrie- dens nicht zu denken. Die größten Widerstände bereitet dein Vernehmen nach aus diesem Gebiete die französische Regierung, die immer noch den Glauben an die Wieder- auürahnie der Feindseligkeiten durch das deutsche Heer aufrechterhaltep möchte. Der Hauptzweck dieser angeb­lichen Furcht dürfte aber nur die KnebeKmg und weitere Aushungerung Deutschlands sein. Zur Frage des Prä- Nminarsriedens gehört auch die Versorgung Deutsch­lands mit Lebensmttteln. Auch hier soll der größte Wi­derstand von Franki'eich geleistet werden. Es soll aber dem Präsidenten Wilson gelungen fein, in der Frag« der Versorgung Deutschlands einen Erfolg zu erzielen.

Zur Sicherung Frankreichs gegen eine angeblich« WiedermMlähme der Feindseligkeiten durch Deutschland soll die Absicht vorliegen, in dem Präliminarfrieden die Begründung von Pufferstaaten und von neutralisierten Gebieten zwischen Deutschland und FrankreichBelgien dinchzusühren. Zurzeit sind aber alle diese Fragen noch zu sehr in der Schwebe, als daß etwa mitgeteilte ge- naitere Einzelheiten Anspruch auf Zuverlässigkeit haben könnten. -