Hersfelder Kreisblatt
PWi*«e*e«Miia»ee«Mwe!tee»eBeeweeeeeaeeeea8ieeee«eeeeeBeeetieüeeeeeeeee*eeB»Heasee88a*nea9 * Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- ; : zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei :
• Hersfeld. Für die Schristleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. ; t*eG«eBMaHS8ee«HCBe8SBtea*MeesaBBr aBKaaseaaaeaeHBaaaBeaeeexMaeaaaBeaasaaaaoaaiaaaaaS
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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; Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im : amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zelle 40 Pfennig.
Erscheint jeden^Lochentag nachmittags. — Fernsprecher Nr. 8.
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Nr. 48
Mittwoch bett 26. Februar
1919
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 24. Februar 1919.
Diejenigen Herren Bürgermeister — Wahlvorsteher — des Kreises, die mit der Erkedigung meiner Verfügung vom 14. Januar 1919 — I. l. Nr. 286 — betreffend die Einsxndung des Betrages von 3,72 Mk. für das Buch „Das Wahlrecht" noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 1. März 1919 erneut erinnert.
I. l. Nr. 1624. Der Landrat.
J. B.:
Funke, Kreissekretär.
Berlin W 8, den 15. Januar 1919.
Bei der Staatsumwälzung, dem Rückmarsch der Heere und ihrer Auflösung sind dem Volksvermögen unermeßliche Werte entzogen worden. Unbefugte haben Kriegsgerät der verschiedensten Art an sich gebracht, veräußert oder sonstwie darüber verfügt. So sind insbesondere den Beständen der Heeresverwaltung entzogen worden: Kraftfahrzeuge aller Art, Personenkraftwagen, Lastkraftwagen, Krafträder, Dampfstraßen- zegmaschinen, Dampflastkraftwagen, Dampfseilzugmaschinen, Dampfwalzen, Motorboote, Anhänger, Beleuchtungswagen, sowie Zubehörteile und Betriebsmittel zu diesen Fahrzeugen, z. B. Gummibereifungen, Motoren und Teile dazu, Oel, Benzol.
Der Rat der Volksbeauftragten hat bereits mit Verordnung vom 14. 12. 1918 die Zurückführung des genannten Heeresgeräts in den Besitz des Reichs angeordnet. Dem Verbleib dieses Heeresgutes nachzu- gehen und es möglichst für das Volksvermögen zu retten, ist eine der Aufgaben des Reichsverwertungsamts. Es bedarf zur Erreichung dieses Zieles weitest- gehender Unterstützung der Behörden und tatkräftiger Mitarbeit aller Kreise der Bevölkerung. Letztere wird lohnung gebeten, Warnehmungen über plötzliches Austauchen solchen Gerätes den Behörden mitzuteilen ; und'die Behörden werden an Hand ihrer aktenmäßigen Unterlagen, z. B. betreffend Zulassung von Kraftfahrzeugen, und auf Grund ihrer Kenntnis der örtlichen Verhältnisse in der Lage sein, schnellstens nachzuprüfen, ob der jetzige Besitzstand im Hinblick auf die früheren Verhältnisse die Vermutung unrechtmäßigen Erwerbes nahelegt. Anhaltspunkte dafür geben auch äußere Merkmale wie z. B. der Stempel „Heeresgerät" an Kraftwagenbereifung, das Wappen — preußischer Adler, bayerischer Löwe usw. — an Kraftwagen, wenn auch mit Farbe überstrichen, ebenso eine möglicherweise noch kenntliche militärische Aufschrift, wie z. B. I. K. D. = Immobiles KraftwagewDepot, J. K. K. Immobile Kraftwagen-Kolonne, A. K. K. - Armee- kraftwagen-Kolonne, M. K. = Militärkraftwagen.
Eile tut not. Es gilt an Werten zu retten, was noch zu retten ist. In jedem Fall, in dem auch nur die Möglichkeit eines Erwerbes aus Heeresbeständen nicht von der Hand zu weisen ist, mag er rechtmäßig sein oder nicht, wird um unverzügliche Mitteilung
gebeten. Es wird eine Belohnung bis zu 5% des durch Abschätzung festzustellenden Wertes des wiedererlangten Gutes unter Ausschluß des Rechtsweges anteilig denjenigen (auch beamteten) Persönlichkeiten zugesichert, durch deren Tätigkeit die Wiedererlangung von Gegenständen der in Abs. 1 genannten Art ermöglicht worden ist.
Reichsverwertungsamt.
Technische Abteilung für Automobilwesen. II b B.-Nr. SÄ 12042/19. fgez.) Albert.
* • * *
Hersfeld, den 18. Februar 1919.
Wird veröffentlicht.
Der Landrat.
J. B.:
Funke, Kreissekretär.
Bekanntmachung .
Nr. F. R. 560/1 19. K. R. A.
Im Auftrage des Reichsamts für die wirtschaftliche Demobilmachung wird folgendes angeordnet:
Artikel 1.
Die §§ 11, 12 und 14 der Bekanntmachung Nr. 1/7. 17. Ä. 10, betreffend Beschlagnahme, Bestandserhebung und Höchstpreise für Salzsäure vom 1. Juli 1917 sowie die Nachtragsbekanntmachung Nr. 1001 11 17. A. 10 zu dieser Bekanntmachung vom 1. Dezember 1917 treten bis auf weiteres außer Kraft.
Artikel 2.
Diese Bekanntmachung tritt am 5. Februar 1919 in Kraft.
Berlin, den 25. Januar 1919.
KrieERohstoff-Abteilung.
* * * Hersfeld, den 18. März 1919.
Wird veröffentlicht. . i. 1410. Der Landrat.
J. V.:
Funke, Kreissekretär.
Bus der Heimat.
* fJm O bst- und Gemüsegarten.) Zur Förderung der so dringend notwendigen Nahrungs- mittelerzeugung erinnert die Wochenschrift „Der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau jFrank- furt-Oder) an die jetzt wichtigsten Arbeiten im Gemüsegarten: Sobald es die Witterung zuläßt, Aussaaten von Karotten Petersilie, Spinat, Mangold, Melde vorzunehmen. Puffbohnen und Erbsen legen. Mancher wird auch noch ein Teil Erbsen zum nachhertgen Auspflanzen in Sandkästen säen. Allerhöchste Zeit zur Aussaat vonFrühkohlarten, Zuckermais in Töpfe legen. Svmmerlauch säen. Für die späten Saatkartoffeln ist die Luft in Kellern und in Erd- । gruben zu feucht, sie liegen besser ansgebreitet in einem Hellen trockenen etwas angewärmten Raume. I Sandiger, sehr leichter Gartenboden ist zeitig zu graben; ein erst kurz vor derBestellung umgearbeitetes,lockeres Land trocknen die Frühjahrswinde immer aus. Alles Land, welches um gegraben werden soll, muß natürlich gut abgetrocknet sein, es darf kein Boden mehr am Spaten kleben. — Obstgarten: Bet gelindem und offenem Boden Pfirsiche, Weinreben und andere Obst- gehölze pflanzen. Im Herbst gepflanztes noch ungekürztes Kernobst jetzt zurückschneiden. Formobstschnitt beenden.
8 Hersfeld, 25. Feb. Die Rattonalstiftung hat zur Unterstützung der Kriegshinterbliebenen außerordentliche Mittel bereitgestellt. Die andauernde Teuerung aller LebevSverhältuisse hat mit Beendigung des Krieges eine weitere Verschärfung erfahren und die ohnehin traurige Lage der Kriegshinterbliebenen noch ungünstiger gestaltet. Hinzu kommt noch, daß weite Kreise der Kriegshinterbliebenen, die bisher die Familtenunterstützung erhielten, mit dem plötzlichen Fortfall derselben r-r die äußerste 3toilage gestellt meinen, ane nanoim-.nnruug yrerr es saper tut nute Pflicht, gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt der größten Not einzutreten und alles daran zu setzen, den bedürftigen Hinterbliebenen über die jetzigen so außerordentlich schwierigen Zeiten hinwegzuhelfen. Durch Beschluß des Präsidiums der Nationalstistung wurde der für das laufende Unterhaltungsjahr freigegebene Betrag vorerst auf 9‘ » Millionen erhöht und darüber hinaus sollen einzelnen auch dann noch hilfsbedürftig bleibendenLandesausschüssen besondere vonFall zuFa« zu bemessende Zuweisungen auS den noch verfügbaren Mitteln des Ausgleichsfonds gewährt werden. Diese Beschlüsse treten als Notmatznahmen sofort in Kraft. Ferner find in Anbetracht der gegenwärtigen Notlage auch aus den Sonderstiftungen noch Mittel im Rahmen der für die einzelnen Sonderstiftungen gegebenen Zweckbestimmungen bereitgestellt, so daß für das laufende Unterstützungsjahr der Gesamtbetrag der von der Rattonalstiftung und den ihr angeschloffenen Sonderstiftungen bereitgestellten Unterstützungsgelder rund 13 Millionen Mark bei einem Stiftungsvermögen von rund 107 Millionen Mark beträgt.
SÜagemittelnot mit VsIksemShrung.
In landwirtschaftlichen und gewerblichen Streifen erwartet man von dem Aufhören der Femdselraketten fast allgemein das Ende der Düngernot schon für die nächste Bestellung. Diese Hoffnungen finden leider m den tatsächlichen Verhältnissen keine Stutze. Einmal siegen viele Produktionsstätten von Kack, Thomasmehl und Stickstoff im besetzten Gebiete, sodann aber verhindern die Berkehrsverhältnisse und die Arbeiterlohn- forderungen ein gedeihliches Arbeiten der Werke. Auf Einfuhr können wir zunächst nicht rechnen, diese wäre aber auch an sich zur Deckung des Bedarfs nicht erforderlich, nachdem die Stickstoffgewinnung im Lande so gewaltige Fortschritte gemacht hat. Die Kokereien und Gasanstalten produzieren etwa 100 OüO Tonnen «chwe,el- saures Ammoniak jährlich. Die neuen Anlagen nach dem Verfahren von Haber-Bosch zur Gewinnung synthetischen Ammoniaks lassen technisch die Herstellung von 300 000 Tonnen $ tiefst off zu, der, je nach den vorhandenen Urmvanölmrasanlageil, als schw«felsattres Ammoniak, Natron-Salpeter und Aunnon^alpeier in den Handel kommt. Dazu kommt die Herstellung von Kalksfickstoff in einheimischen Fabriken und die Einnlbr darin aus Skandinavien und der Schweiz. Die Werke die zum Teil vom Reiche selbst erbaut finb. find sehr leistungsfähig und können gegenwärtig rund 100poo Tonnen Stickstoff liefern, so daß die Gesamtproduktion an Stickstoff im Fnlande bei ungestörtem Betrieb auf rund 506 000 Tonnen Stickstoff jährlich veranschlagt »ver-
‘ den samt.
Das würde etwa das Doppelte dessen bedeuten, was vor dem Kriege in Deittschland für Landwirtschaft und Industrie zusammen verbraucht wurde, so daß noch Stickstoff zur Ausfuhr vorhanden wäre. Die Erwartungen, die an die Wöglichfeit der Herstellung dieser Menge für die Zeit nach dem Kriege geknüpft wurden, haben ' sich aber bislang nicht erfüllt. Die Werke aller drei Prvdnttivnszweiae erbetten infolge der Kohlen-, Rohstoff- und Arbeiterschwierigkeiten unter den «rröß- jen Behinderungen« und mußten ihren Betrieb einschränken, teilweise sogar vorübergehend völlig tinrtcßeiL So ist es gekommen. daß die zweite Mitte
des verflossenen Wirtschaftsjahres trotz des Fortfalles des Heeresverbrauchs kaum die Produktionsmenge des ersten Halbjahres erbracht hat. Die Belieferung der Landwirtschaft mit Stickstoff wird sich daher eher verschlechtern als verbessern.
Noch ungünstiger liegen die Verhältnisse auf dem Phosphorsäuredüngermarkt, der zurzeit im wesentlichen durch Thomasmehl bestricken wird. Die noch ar- veitenden Betriebe leiden In gleicher Weise wie die Stickstoffwerke unter den Berkehrsverüältntssen, dem Rohstoffmangel und den Lohnforderungen. Der Phos- ■vfwrfäurebüngermanael wird daher groß werden. Dies ist um so bedauerlicher, als unsere Böden bereits eine weitgehende Phosphorveraruiung aufweifett, die sich im Rückgang der Körnerbildung äußern wird. Günstt- qer liegen die Verhältnisse auf dem K a l i in a r k t, wenngleich auch hier der Betrieb augenblicklich sehr stockt, wie Don durch die eine Tatsache beleuchtet wird, daß augenblicklich das Snnüikat noch mit der Lieferung von 10Ö 000 Waggons rückständig ist.
Die sich daraus ergebende schwierige Lage unserer Dünger Versorgung wirb noch durch die Einschränkung des Viehstapels und die Qualitätsoerschlecyterung des Stallmistes verschärft. Eine erhebliche Fehlernte kann nur durch erhöhten Arbeitseifer an den Produktivits- stätten mrd durch möglichst sorgfältige Bodenbearbeitung und Lantgulauswahl verhindert werden. Ohne Arbeit fein Kunstdünger, ohne diesen nicht hinreichend Wahrung. Das ist eine Wahrheit, die sich jeder Arbeiter vor Augen halten mit6, will er nicht binnen kurzem die Wirkung unserer Produktionsverschlech- terung am eigenen Leibe erfahren.
Das Wesersimwerk bei Sternen.
Dicht oberhalb Bremens, bei Hemelingen, ist für nahezu 10 Millionen Mark ein Bauwerk errichtet worden, das nicht nur von der größten fachlichen Bedeutung ist, sondern auch als eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges gelten kann, weil es in Deutschlarrd und wahrscheinlich in der ganzen alten Welt nicht seinesgleichen hat.
Es ist ein großes Stauwerk, das aus einem Wehr, einem Kraftwerk und einer axptzMstt«« ScMeu-
senatriage besteht. Die Ausgabe war eine doppelte, etw mal das Fahrwasser unterhalb des Wehrs so zu verii* fen, daß Schiffe bis zu 7 Meter Tiefgang in einem Ge- zeitenabfchnckt von der See bis Bremen unb zurück gelangen können, unb zweitens den durch die frühere« Regulierungen geschädigten Wasserstand oberhalb Bremens wieder zu heben. Der zweite Teil her AufgaV« war «licht nrinder wichtig als-der erste, weck durch bin Senkung des Weserwassers unb auch des angrenzend«» ' Grundwassers ein empfindlicher Schaden für die benachbarten Ländereien drohte. Außerdem ist auch darauf «. sondere Sorgfalt verwandt worden, daß die Fische neben dem Wehr einen ungehinderten Weg aufwärts finden, vorzüglich die ans dem Meer auswärtSziehende Aal, brüt und -te Lachse. Der StaatSbaurat Kolle dringt t« der Wochenschrift „Umschau" eine Schüderung des. technischen Wunderwerkes, das sich über eine Breite von 54 Meter erstreckt. In diesem Ausmaß bürste die Anlage in ihrer nach arnertkantschem Mrrster gebildeten Eigenart überhaupt einzigartig in der Welt sein. Die wich- tigste Besonderheit deS Stauwerk« besteht darin, doch das Wehr nicht einen festen, etwa durch Maschine«lkrafi auf und ab beweglichen Bau darstellt sondern einen un. geheuren Schwimmkörper, her sich selbsttätig nach dem Wasserstau!» so ein stellt, daß stets dir gleich« Stauhöhe gewahrt bleibt. Der kostspielige Bau bringt außer den erwähnten Vorteilen noch manch ander«.
Da ist zunächst die Gewinnung elektrischer Energi« aus der lebendigen Kraft des Stau weiss erd. Mt bei voller Ausnutzung 12 000 13 000 Pferdestärken bring«» wird. Sehr hoch zu veranschlagen ist ferner auch der als schlechthin vollkommen zu bezeichnende Schutz, den da» Wehr gegen Eisgang bietet. Das Eis kann in jed« Dicke und unb Menge gefahrlos durch das W«b» ab«, lassen werden. Eisfelder von 50 Meter Breite und 41 Meter Dicke werden dabei an der oberen Kant« bei Wehrs und bei dem folge oben Sturz so zerkleinert, daß sie keinen Schaden mehr arrzurichten vermöge,m Da der schlvinmrenöc Wehrkörper selbst niemals Eis amesey kann, weil er stets unter Wasser ist, übrigens auch bei sehr strengem Frost durch einen Koksofen geheizt nutzen kann, so ist auch in diesem Punkt eme znverläsfiM Wirkung tet Anlage gewährleM«. s