Sersfelder Tageblatt
Hersfelder. Kreisblatt
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- - zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei i Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld, j
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
: Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im : amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Fernsprechrr Nr. 8.
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Mittwoch dev 19. Februar
1919
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 17. Februar 1919.
Betrifft: GemeindemWek.
In Ziffer 5 meiner Bekanntmachung vom 12. Februar ös. Js. — A 1750 —, Kreisblatt No. 38 befindet sich insofern ein Fehler als gesagt ist, daß die Wahlvorschläge und etwaige Verbindungen am 26. Februar bekannt gegeben werden. ■ Das ist nicht richtig. Die Bekanntgabe der Wahlvorschläg ihrer etwaigen Verbindung muß vielmehr spätestens am 25. Februar erfolgen. J. A. No. 2009.
e und
Der Vorsitzende des Kreisausschusses, von Grunelius.
Bus der Heimat
* (Kriegsanleihe als Sicherheit.s- leistung für Holzkaufgelöer.) Seitens der Regierungsbehörden ist kürzlich folgende Verfügung erlassen worden: „Bei Sicherheitsleistungen für Holzkaufgelder sind die öprozentigen Schuldverschreibungen des Deutschen Reiches (Kriegsanleihen) bis auf weiteres nur noch zum Kurse von 95 Prozent anzurechnen."
* Zur Sage auf dem Papier markt äußert sich Direktor Kramer vom Reichsausschuß für Druckgewerbe, Verlag u. Papierverarbeitung, wie folgt: Die Lage ist neuerdings wieder sehr ernst geworden. Im Frieden stellte Deutschland monatlich etwa 70 000 To. Zellstoff her. Im Kriege ging diese Zahl allmählich auf 22 000 To. herunter, wurde dann wieder bis auf 48 000 To. hochgetrieben und behielt diese Höhe bis September 1918. Dann sanken die Produkttons? «iiiB^WiÄjW^^ Oktober betrugen sie noch 40 000 To., im November 29 000 To., im Dezember 20 000 To. Die Januar-Erzeugung ist noch geringer. Im gleichem Maße ist auch die Papier- und Pappen- erzeugung znrückgegangen, nämlich von 104 000 To. im August auf kaum 50 000 To. im Dezember v. Js. Zahllose Fabriken sind infolge des Kohlenmangels zum Stillstand gekommen. Rohstoffe fehlen in geringerem Maße. Holz liegt für etwa 3/t Jahr auf den Höfen der Fabriken. Auch an Leimungsmittel herrscht kein Mangel, abep, auch kein Ueberfluß. Dazu kommt, daß die linksrheinischen Fabriken, die etwa 90/0 der gesamten deutschen Papierproduktion liefern, vorläufig nicht imstande sind, ihre Fertigfabrikate über den Rhein zu befördern. Dementsprechend beginnen nunmehr auch die früheren großen Lagerbestände der Händler und Verbraucher zu schwinden. Es ist deshalb zunächst Aufgabe der amtlichen Stellen, mit größter Beschleunigung die zum Teil sehr umfangreichen Heeresbestände an Papier, das auch für andere Druck- und Schretbzwecke zu verwenden ist, dem Verbrauch zuzuführen. In den Preisen wird in absehbarer Zeit keine wesentliche Veränderung eintreten. Der Preis für Zeitungsdruckpapier wird allerdings
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Die Allwördens.
Roman von Fr. Lehne.
28) (Nachdruck verboten.)
Lore errötete etwas,- es war reizvoll, _zu sehen, wie die Röte langsam in ihre Wangen stieß, bis hinter die kleinen, zierlichen Ohren. ,
„Es macht mir auch Freude, Sissi zu unterrichten. Sie ist ein talentvolles und gutes Kind, erügegnete sie.
Da hörte, er auch ihre Stimme. Diese tiefe, ruhrge, klangvolle Stimme kam wie eine liebe, längst vsrklun- gene Melodie, die nur manchmal noch leise in ihm nach- ^"m sah sie an. Wie war: das Mädcherc fchütl! Wie ein herber, klarer Borsrühlingstag, der taufenb Verheißungen birgt. Sein Künftlerange erfaßte die edlen Linien dieses wundervollen Körpers. Das schmale, reine Gesicht, belebt von den dunklen, schöngeschuitlenen Augen, überwölbt von feinaezeichrwten Brauen - er glaubte noth nie etwas so Vollkommenes gesehen zu haben. — Doch, einmal schon — aber das war sehr lange
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Lore fühlte sich von diesem Anstarren seltsam berührt,- sie wurde fast verlegen. Sie konnte ja nicht ahnen, welche Erinnerungen ihre Person in dem Gra-
Da betrat Gräsin.Lella mit den beiden anderen Kindern den Sveisesaal. Man nahm Platz. Lore kümmerte sich um Sissi, da der Platz neben dem Vater von Thekla und Ossi beansprucht wurde. Jnr Gegenscw zu seiner Frau wandte sich der Graf verschiedentlich an Lore, nur, um sie — sprechen zu hören. Er fragte sie nach ihrem Heimatsort, nach ihren Eltern...
„Ich bin von Durlach gekommen, Herr Graf, Meine Mutter hatte dort ein HanSarbeitsseschäst- Mein Vater ist sehr früh gestorben, ich kann mich aar nicht auf ihn ^Eswar fast, als atme der Graf überWe Auskunft erleichtert auf. Spöttisch verzog Lella die Lippen — te&ÄSÄÄ
steigen, und zwar infolge der notwendig gewordenen Erhöhung des Zellstoffpreises und namentlich wegen der Verteuerung der Kohlen und der Erhöhung der Löhne. Die gleichen Gründe verhindern auch für absehbare Zeit ein Herabgehen der Preise, die sich auf der heutigen Höhe wohl noch so lange halten werden, bis es gelungen ist, die unsinnig hohen Holzpreise abzubauen.
Hausfrauen!
Spart Kartoffeln! Schützt Eueren Haushalt vor Kartoffelmangel! Verbraucht nicht mehr als 5 Pfund wöchentlich für jede Person.
Weitere Zuweisungen unmöglich.
* (Die hohen Ferkelpretse). Wie verlautet, hat am Donnerstag im Regierungsgebäude eine von den Kreisen des Regierungsbezirks Cassel
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beschickte Besprechung der Frage einer vernünftigen Regelung der neuerdings ins Ungeheuerliche ge- stiegenen Ferkelpreise gegolten. Dabei soll ein Antrag des Kreises Homberg durchgedrungen sein, nach die Ferkelpreife sich künftig abgestuft nach Gewichtskategorien richten sollen, etwa in der Art, daß für kleinste Ferkel fünf Mark des Pfund bezahlt werden und die Preise für die schweren Tiere sich
pfundweise ermäßigen, bis sie schließlich allmählich in die Preise für Schlachttiere überleiten.
* (Ehescheidungen in Pre n ßen imIahr die in der ersten Kriegszeit stattgefunden haben, ist im Jahre 1917, wie die „Deutsche Juristen-Zettung" meldet, eine recht wesentliche Steigerung erfolgt. Es wurden 7410 Ehen rechtskräftig geschieden gegen 6409 t. J. 1916. Die Zunahme betrug also im Berichtsjahre 10QJ oder 15,6 v. H. Auch im Verhältnis zur Zahl der Eheschließungen ist die Zahl der Ehescheidungen gestiegen, indem auf 1000 Eheschließungen 37,3 Scheidungen kamen gegen 36,2 im Vorjahre. Die Zunahme entfällt, wie aus den Scheidungsgründen hervorgeht, vornehmlich auf Ehebruch der Frau
* Wie ö.er Krieg die Lebenshaltung verteuert hat, zeigt eine in Nr. 31 der „Wtrtschaftl.Demobilmachung" veröffentlichte graphische Darstellung, wonach die Preise der wöchentlichen Ration einer vierköpfigen Familie (8000 Gramm Brot, 1000 Gr. Mehl, 14 000 Gr. Kartoffeln, 900 Gr. Zucker, 975 Gr. Fletsch, 300 Gr. Butter, 5Vt Liter Milch und 2 Eier) vom Oktober 1913 von 8 Mark auf 16,8 Mark im Februar 1918 gestiegen sind. Die Darstellung beruht auf Angaben des Reichsernährungsamtes.
' § Hersfeld, 19. Februar. Die riesige Summe von 1782 827 Mark haben nach amtlicher Ermittelung die Gemeindekassen des ehemaligen Kurhessen im Jahre
pflichtung, das Mädchen mit in die Unterhaltung zu
„Wird Rüdiger kommen?" fragte sie.
„Wahrscheinlich in acht Tagen. Du kannst ihm dann noch Deine speziellen Wünsche saget-, damit er dafür sorgt, daß bis zum fünfzehnten November alles zu unserer Uebersiedelung bereit ist. Die Wohnung in der Prinzregentenstraße ist sehr schön und wird Dir sicher gefallen. Rüdiger wohnt gar nicht wett von uns,- er hat gleich in der WiLdemayerstraße an der Jfar ferne Wohnung."
Bis fünfzehnten November lisch? Ich glailöte, daß wir spätestens am ersten November ab reifen könnten," sagte die schöne Frau verdrießlich,- sie war augenschein- .Itd» etwas verstimmt geworden.
„Aber Lella, es ist noch so schön hier — was willst Du jetzt schon in der Stadt?"
"Es wirb mir hier auf die Dauer langweilig. Ich fehlte mich nach Abwechfelmig und freue mich auf
«Ich auch, Papa! Was ist denn hier noch los?" rief Thekla. „Berklins gehen schon nächste Wache nach Frankfurt. Asta schwärmt sehr von der neuen Villa, die ihr Vater gekauft hat. Im Sonuner, für ein paar Wochen, ist es ja ganz schön hier — ich möchte aber nun auch mal was anderes sehen!"
nicht so, Lissi! Richtig albern
„Papa, wollen wir Senn fort von unserem schönen Lengefeld? Ja, warum Senn?"
Sissi war sehr überrascht und niedergeschlagen. Tranen standen in ihren Augen. . -
„Gott, hab Dich doch nicht so, Sissi! Rtchtia albern bist Du," schalt Tsti.
Freundlich beruhigend nieste der Graf ieiner jüngeren Tochter zu. .
„Es ist ia nicht für immer. Kleine! Nur für bie wenigen Wintermonate, und in München wird eS Dir sicher gefallen, dort, wo Onkel Rüdiger wohnt."
„Fräulein Lore kommt aber auch mit uns nach München?" fragte sie eifrig und erleichtert darüber, Satz die Avwesercheit von Lengefeld nur eine vorübergehende sein
1918 für das versteigerte Gemeindeob st erlöst gegen 1809 051 Mark in 1917. Unter den 22 Kreisen steht der Kreis Hofgeismar obenan mit einer Einnahme von 285 984 Mark. Die geringste Einnahme erzielte der Kreis Gersfeld (Rhön) mit 4160 Mark. Im Kreise Hersfeld betrug der Erlös 85909 Mk. gegen 32 639 in 1917. •
-n- Schenklengsfeld, 17. Februar. Unter großer Beteiligung wurde heute unser Bürgermeister Christian R ü g e r zur letzten Ruhe gebracht. Der Gesangverein ehrte ihn durch Trauergesänge am Hanse und am Grabe. Der Kriegerverein beteiligte sich mit seiner Fahne, Trauermusik und drei Ehrensalven über das Grab ihres alten Kameraden,. der einst als Pionier bei Weißenburg, Wörth, Sedan und vor Paris sümpfte. Ja der Gedächtnisrede wurde sein Leben und Wirken unter das Wort gestellt: „Ein treuer Mann wird viel gesegnet." Treue war das Kennzeichen feiner ganzen Tätigkeit. Die hat er bewährt im Kriegerverein, als Vorstandsmitglied des Darlehnskassenvereins, als Mitglied des Presbyteriums und als Bürgermeister der Gemeinde.
31 Jahre lang hat er das Bürgermeisteramt geführt. Rastws tätig stellte er seine ganze Kraft in den Dienst der Gemeinde. Als der Krieg ausbrach, trat er gerade in das 70. Lebensjahr. Gewaltige Aufgaben brachten ihm die schweren Kriegsjahre, unermüdlich hat er sie gelöst, freilich dabei auch seine Kraft aufgezehrt Nach kurzem Leiden ging er in die Ewigkeit. Seine Werke und unser Dank folgen ihm nach.
Schlitchtern, 17. Februar. Wegen der zwischen dem S-, A - und B.-Rat in Schlüchtern und dem dortigen Landrat entftanbenen Differenzen fand auf Beranlasfung des Ministeriums des Innern vor einem Kommissar des Obeipräsidenten eine Verhandlung unter Beteilibung der Beauftragten des S.-, ___ _______.... .. ........ ■• ••- -- = trallensmännern des Zeutral-A. und S.-Rats in Cassel unter Zuziehung des Landrats und des 1. Kreisdeputierten statt. Die Verhandlung führte zu dem Ergebnis, daß Landrat von Trott zu Solz seine amtliche Tätigkeit sofort wieder aufnimmt.
Nordhausen, 14. Februar. Ein junges Mädchen las an der Schlackenabladestelle der Etaatsbahn Koks auf. Da die Schlacken an vielen Stellen glühen und giftige Gase entströmen, brach das Mädchen bewußtlos zusammen. Es ist der Gasvergiftung erlegen.
Northeim, 16. Februar. Auf der Eisenbahnstrecke "NorthLim—Uslar versuchten die beiden 30jährigen verheirateten Kaliarbetter Riemenschneider und Ilse auf einen fahrenden Güterzug zu springen. Hierbei wurden sie von einer aus der entgegengesetzten Richtung anfahrenden Lokomotive erfaßt, überfahren und getötet
Hann. Münden, 17. Februar. Die hiesige Unabhängige foziaidemokratische Partei hat sich aufgelöst ihre Mitglieder haben sich der Mehrheitspartei an- geschlofsen.
........................... JLiiiiiiJWgggBSBBggBBg» Selbstverständlich. Oder glaubst Du, in München !t Ihr nicht nötig, zu lernen? Ihr urützt. fleißig
ieLen.
„O, wir sind fleißig, Papa. Fräulein ist zufrie----- Soll ich Dir mal nachher meine Schulbücher zeigen?"
„Damit kannst Du wohl bis morgen Myen," sagte Grünn Lella scharf, wahrerrd Tückia höhnisch lachte, „übrigens ist es jetzt Zeit für Dich, ins Bett zu gehen. Fräulein Berger mag Dir helfen."
Sofort erhob sich das junge Mädchen.
„Konmn Sissi! Sage oute Nacht!"
Gehorsam stand die Kleine aus. Sie küßte der Mutter die Hand, bett Vater umhalste sie stürmisch.
„Kommst Du nachher noch mal an mein Bett, Papa?" fragte sie leise.
Er nickte, strich ihr das dunkle Haar zurück und drückte einen Kuß auf chre Stirn.
Mit einem glücklichen Lächeln faßte Weilte die Hand ihrer Lehrerin und hinkte hinaus. Sinnend folgte Otto- kar AllwöröenS Blick den beiden.
„Sissi scheint sehr an Fräulein Berger zu hüngem"
„Kein Wunder, die Berger zieht sie uns vor unk kümmert sich- wenig um mich und OM" warf Thekla ge-
„Bist Du mit der Erzieherin zufrieden, Lella?"
Die Angeredete zuckte mit den Achseln.
„Gott ja, OM lernt sehr gern und auch gut bei chr das ist die Hauptsache. — Litt ist ihr ja wohl schon end wachsen — da werden wir später in Mün^n Ersatz finden müssen."
„Ein schönes Mädchen," bemerkte der Graf, fast b Gedanken. Ihm war diese Aeußerung sofort leid, den» höhnisch lachte seine Frau:
„Das habe ich sofort «enterst, daß sie Entrück ach Dic^ gemacht hat! Du scheinst in Verlegenheit -um ei* neues Modell zu sein, wie —?" _
„Lella, ich bitte Dich!" wehrte er ab, mit em«n Blick auf Thekla, die gewannt. »A halb of^nem ^lnde tut Eltern beobachtete, einen wenig kindlichen Ausdruck am dem hübschen Gesicht.
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