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s ersfelder Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- ; zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei ;

Hersfeld. Für die Schristleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld, j .................................................................«<«

nuMuuMiitiMauMaMiMMiiHuauuMamHHHMHMHuuauMauumiitu : Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im s amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig.

Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprecher Nr. 8.

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Rr» 41 Dienstag, den 18» Februar 1919

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Wtznng der Nationalversammlung vom 15. Februar.

In der Sitzung der Nationalversammlurtg am Sonnabend brächte der Reichsminister für das Reichs- lchatzämt, Dr. Schiffer, die 25 Milliarden-Kreditvorlage ein und sprach über die schwierige Finanzlage. Er führte u. a. aus:Die Borlage sieht außer dem Kredit von 23 Milliarden 300 Millionen für Bau- und Wohnungs- Mecke vor. Die Vorlage von 25 Milliarden zerlegt sich tn 15 Milliarden, die bereits flüssig gemacht sind, und 10 Milliarden, die neu eingefordert werben. Obgleich der Weg, den wir bezüglich der 15 Milliarden beschriften haben, juristisch einwandfrei ist, glaube ich doch nicht, Ihrer nachträglichen Zustimmung entraten zu können. Ich werde unsere .Karten und Bücher offen auslegen: ich werde handeln, wie ein ehrlicher, anständiger Kauf­mann. Ich werde mit unbeschränkter, vielleicht grausa­mer Offenheit zu Ihnen sprechen. Ich will damit.jenem leichtfertigen, ich möchte fast sagen ruchlosen Optimismus entgegenrreten, der leider immer noch in weiten Schich­ten unseres Volkes herrscht. (Sehr richtig.) Die Snuuue aller Anleihekredite, die uns bewilligt sind einschließ­lich 416 Millionen Kredite, die noch aus der Friedens­zeit stammen, beträgt mehr als 140 Milliarden. Hierzu treten an Schatzscheinkrediten aus dem Gesetz vom 25. äuni 1918 6 Milliarden, zusammen 146 Milliarden, ieser Anleihekredit stand uns im Oktober zur Berfü- gnng. Diese Kredite sind flüssig gemacht in Kriegsan­leihen im Betrage von beinahe 93 Milliarden und in -iN ,, rf,M«trm. w.vVIt Hap> im saeh-mv von 53 Milliarden.

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und Reichswechsel in dem ungeheuren Betrag von über 68 Milliarden. (Hört, hört!) Wir haben also eine schwe- beude Scknld von 58 Milliarden. Damit haben wir die bewilligten Kredite um 5 Milliarden üLeruhrittem Da- M treten noch die Kredite, die wir unserenBundesgenos- »en gewährt und die wir im Verkehr mit neutralen Ländern genommen haben, im Betrage von 9,5 Milliar­den. Wir erhalten damit eine Gesamtsumme von 161 Milliarden und hätten danach die uns bewilligten Kre­dite um 14 Milliarden überschritten. Die 161 Milliar­den stellen im gewisse« Sinneohne Rücksicht auf die Lerztusung der effektiven Kriegskosten dar. Es stecken m Meten 161 Milliarden noch etwa eine Milliarde Ausga­ben, die nicht für den Kriegsetat, sondern für Zwecke des ordentlichen Etats gemacht worden sind, was aber ohne Bedeutung ist. Wir verbrauchten im September 1618 4.4 Milliarden, im Oktober 4.8 Milliarden, im Novem­ber 4.1 Milliarden, im Dezember 3.8 Milliarden und im Januar 1919 3.5 Milliarden. Sie sehen, daß ein erheb­liches Abflauen der Kosten in der Zeit nach der Revolu­tion nicht eingetreten ist. (Hört, hört!) Dre eigentlichen Heeresaüsgaben, die sich nicht decken mit.den?ö«oi Kriegsausgaben, betrugen un Oktober 1918 4.3 Millwr- den, sie fielen im November auf 2.9 und stiegen im De­zember wieder auf 3.8 Milliarden,. Mm: hatte an einen kurzen Krieg gedacht, und als Ä sachlich und restlich um über den Kopf wuchs, zeigte ücb mehr und me^, daß wir ihm nicht gewachsen waren. Schon bald nach Beginn -es Krieges trat die üble Erscheinung bervor, daß die Beschaffung des Kriegsmaterialsindle Hättdederaller- mgeeignetsten Elemente" kam. Es sind damals Unsum. neu verschleudert und Leute bereichert worden, die » -alich sehr anfechtbar waren. Das Eingr^isen des Reichstages kamzu spät.

Nach der Demobilisierrma begann nn wahusmuiger Wettlauf um die höchsten Löhne. Das wirkte natürlich zurück auf die Kosten der Demobilisierung. Ende 191^ . standen noch drei Millionen unter Waffen. Ende worigen »s äs sms m gen zu verdammen. Viele Arbeiter- und Soldatenrate haben auch ihre finanzielle Pflicht gegenüber dem Reich im vollen Umfange erfüllt, sie sind in schwerster Bett dafür eingetreten, daß das Reich gut geschützt wurde. Aber sehr viele Arbeiter- und Soldatenrate haben ihre finanziellen Verpflichtungen gegenüber dem Reich nicht erfüllt. Die Vorarbeiten zu einer diesbezüglichen Sta­tistik sind längst im Gange. aber diese Statistik ut keine Kleinigkeit. Zweifellos ist in vielen Fällen Geld ver­schwendet worden. So beziehen die aktiven Mitglieder des Zentraltats der Marine täglich volle Verpflegung, Bekleidung, Unterkunft, Ernährung und 2 gelder, die inaktiven ebenfalls Verpflegung, 25 $L Tagegelder und außerdem noch 12 M. (Hört!)

M. Tage Unterkunft,

Nun *

die Deckuttgssragc.

In der nächsten Zeit hoffen wir mit einererheblichen Herabminderung der Slusgaben rechnen zu können. Er­forderlich ist aber unter allen Umständen, daß wir )par- sam wirtschaften. Für die Gesamtheit der fortlansm- den At'Zügbtzn ist nach ober fläch lickrer ÄhtztzWg der Ve-

trag von 19 Milliarden gegenüber früher 5 Milliarden erforderlich. Davon, daß die Kriegsanleihe« an««Mert, die Sparkasse« und Bankguthaben beschlagnahmt wer­de« solle«, ist keine Rede. Ich erkläre, daß die Reichs- regierung an eine solcheMatznahme, die die grötzteRechts- verletzung wäre und die den Untergang des Reiches be­deuten würbe, nicht denkt. Aus der Verwertung der Heeresbestände werden wir höchstens 3 Milliarden her­ausschlagen, denn das Heeresgnt ist zum Teil gestohlen, geraubt und geplündert worden. Eine Reihe von Ar­beiter- und Soldatenräten sind an der Verschleuderung Mitschuld. Zur Deckung denke ich vor allen Dingen die Steuergesetzgebung möglichst im Einvernehmen aller Glieder des Reiches vorzunehmen, also unter möglich­stem Zusammenwirken zwischen Reich und Einzelstaale«. Der zweite Gesichtspunkt ist, daß, wie die Finanzgeba- rung im allgemeinen, so auch das Steuerwesen sich in engstem Einvernehmen mit dem Mirtschaftsleban ab­spielen nmtz. Das dritte: Diese Gesetzgebung soll eine soziale sein, weil sie gerecht sein soll. Bor allen Din­gen sollen diejenigen, die wegen Krankheit oder Alters nicht mehr erwerbsfähig sind, unter allen Umständen geschont werden. (Beifall.)

Gegenüber einem Umlauf von 2 Milliarden Pa­piergeld im Jahre 1914 haven wir jetzt einen Umlauf von 34 Milliarden 432 Millionen Mark, ungerechnet der

i .Krankheit oder Alters unter allen Umständen

von den Kommunen heransgegeLenen Papiergelder. Ein gewisser Trost ist uns die Tatsache, daß das viel kleinere Frankreich auch einen Umlauf von 3211 Mil-. stürben hat. Ist es überhaupt möglich, daß wir dieser Fiuauznot jemals Herr werden? Eine endgültige Ant­wort kann darüber niemand geben. Das hängt ab von

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Steuertechnik und der Finalizwirtschaft, sondern vor ab Gelegenheit gegeben, im Namen ihrer Partei M spria- lem einer sittliche« Erneuern-ig. Ich bin entschlossen, alle Macktmittel gegen diejeniaen anzuwenden, die sich den Pflichten gegenüber dem Reich und Staat entziehen.

(Beifall bei der Mehrheit.) Ich werde den Betrug gegen den Staat nicht milder, sondern strenger als jeden an­deren Betrug bestrafen. (Sehr gut) Ich glaube an einen Stben Kern unseres Volkes. (Beifall und Handeklar-

ini Hause und auf ben Tribünen.)

Präsident Feürcubach: Ich bitte die Galerien, sich in Zukunft nicht an den. Beifalls- und Mißfallskund-

gebunqen zu beteiligen. Das Haus bitte ich, Beifalls- kundgeburigen nicht durch Händeklatschen auszudrücken.

Abg. Hanse (Unabh. Soz): An bei Verschleuderung des Heeresgutes sind in erster Linie die Intendantur- behörden und recht viele Offiziere beteiligt. Die Sol­datenräte werden so lange bestehen wie wir ein Heer- Haben. Die Arbeiterräte sind keine vorübergehende Erscheinung. Niemals sind die - Gesetze so mißachtet morben wie jetzt in Berlin. «Stürnüscher Zuruf: Spar­takus!) Wie ist man mit Lsiebknecht und Rosa Luxem­burg umgesprungen? Niemand wird auf den wahnsin­nigen Gedanken kommen, daß die Regierung die Be­seitigung dieser beiden gewollt hat. Aber politisch und moralisch ist sie dafür nerautwörtlich. Liebknecht und Rosa Luxenwnrg waren keine gemeinen Verbrecher: auch Spartakus steht unter dem Schutz des Gesetzes. NoHkes Erlasse sind int Tone Wilhelms II. gehalten. Die Politik der Regiernua ist bolschewisttick. (Zurufe: Eichhorn und Labest 1 Eichhorn wird bald hier erfchei- 11 en und seine Sacke selbst führen. Für die Vereiniaung mit Dentsch-Lesterreick treMn auch wir ein. Kolonien ; brauchen wir nickt. Mit bent ganzen Hause sind wir einig in der Forderung, daß unsere Kriegsgefangenen schnell entlassen werden (Beifall b. ö, Unabh.)

Reichswehrmintster Noske: Das WeHrminiderium hat beschlossen daß Eiserne Kreuze und Rote-Kreuz- Medatllen weiter verliehen werden sollen, besonde s auch an die zurückkekrenden Gefangenen Höchste Aner- fennunn verdienen die Offiziere, Beamten und Solda­ten, die unter den Müßten Schwierigkeiten den Rück­marsch unserer Truppen ermöglicht Haben Ich habe während der Revolution mit vielen Offizieren zusam- mengearbeitet nnd müßte mich vor mir selbst schämen/ wenn ich nicht sagest würde, daß diese Männer mit ei­nem außerordentlichen Maß von Selbstüberwindung für das deutsche Volk Hervorragendes geleistet haben. ; Unsere wertvollsten Bestände an Wehrmacht sind heute die Verbände der FrciwlLtgen. Wo die Freiheit von einer Minderheit bedroht wird, wird die Regierung der Bolksmehrheit zu ihrem Rechte verhelfen Sie bedauert es, wenn dabei Gewalt angewendet werden muß, aber die Verantwortn ng dafür trägt nicht die Regierung. <9euen polnischen Imperialismus ist deutsche Ehre zu verteidigen. In "Losen lagern große Mengen von Nah- rungSmitteln für Mitteldeutschland und es sit nicht ab- zufeyen, wie nur über die schwierige Zeit hinwegkom­men innen, wenn die Nahrungsmittel zu deren Liefe- rung die polnischen Gistsbesitzer verpflichtet sind, uns nicht zugeführ: werden. Daher der Grenzschutz. Die­sen Grenzstbutz haben deutsche Soldateuräte zu stören verinckt. Im Falle Liebknecht ist das Rechtsverfahren M Gange, und jede festge'stellte Schuld wird nach der Strenge deS Geietzes geahndet werden. Es aibt twch Nanche Bezixke, tut BgsM, wo E niM w Wssiebt. wie

gewünscht werden müßte. An« allen Teilen des Mat­ches Mrd die Regierung bestürrnt, der U«ord»«ng, den Wirrrvarr nnd der Gewalttätigkert ein Ende zu machen Wir baben ben lebhaften Wunsch, daß das durch Ver­handlungen und durch Mahnungen erreicht werben Möchte Wenn aber die Verblendeten und die Boswrl- ligen nicht hören und - sie sind in nur eine Meine Min­derheit sich der großen Mehrheit nicht fügen wollen, dann muß und wird ihnen entgegengetreten werden. (Beifall bei der Mehrheit.)

Abg. Riester (Deutsche Volkspt.): Wr geben de Hoffnung nicht auf, daß noch einmal eine einheitliche liberale Bürger- oder Volkspartei sich bildet, die alle nichtsozialistischen Kreise zusammenfaßt. die aber auch einen Unterschied zwischen Liberalismus und Demokra­tie macht, der notwendig ist. Wir halten eine energische nnd gesunde Mittelstandspolitik für eine der wichtig­sten Ausgaben. Wir wollen einen sozialistischen aber nicht sozialdenwkratischen Staat.

Hierauf vertagt litt) das Haus. Nächste Sitzung: Montag nachmittag 2 Uhr: Fortsetzung der "Beratung.

Schluß nach K8 Uhr

Die weiblichen Redner.

^ Weimar, 16. Februar. (T. 11.) Nach der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung trat der Senioren­konvent zusammen, um über den Geschäftsgang der nächsten Tage zu beraten. .Nachdem gestern die erste Rednerliste der 'Beirrten abgeschlossen wurde, dürften mit Montan die zweiten Redner der einzelner: Parteien zu Worte kommen. ES ist beabsichtigt, gegebenenfalls

Gelegenheit gegeben, im Namen ihrer Partei zu füik chen. Im Anschluß daran wird die zweite und Äe dritte Lesung der Kreditvorlage stattfinden.

Vertag«»« Ende der Woche?

>£ Weimar, 16. Februar. (T. U.) Die Vollsitzungen der Nationalversammlung werden voraussichtlich bis Ende der begonnenen Woche fortgesetzt werden. Dann soll sich das Haus bis 20. März vertagen. In dieser Bett werden die Kommissionen arbeiten.

Werts Antrittsbesuche.

» Weimar, 16. Februar (T. U) Der Reichsprtl- sident Ebert wird dieser Taäe nach Berlin fahren und dort provisorisch im Schloß Bellevue Wohnung nehm«, da im preußischen Hausministerium in der Wilhelm- straße, in dem Ebert künftighin wohnen wird, erst.noch größere Herstellungsarbeiten vorgenommen werden.

Von Berlin aus wird Ebert sowohl in Hauptstädten der einzelnen Bundesstaaten als auch in verschiedenen ausländischen Hauptstädten offizielle Befuche mach«. Zuerst wird er sich nach Wien begeben.

Spartakusherrschaft im Ruhrgebiet.

a» Esse«, 17. Februar. (S C.) Die Lage im Ruhrgebiet ist seit Souuabend mittag sehr kritisch ge­worden. Die Spartakisten habe» drei Viertel der Zeche« besetzt und verhindern den Betrieb. Die Zeche »birst-, toreu sind gefatlgenaeuommeu. Recktmghanfem Gelse«- kirchen nnd andere Orte sind in die Hände der Kommu­nisten gefallen.

Aufgehobene Versammln«« des Roten Soldalenbundes

»-^ Berlin, 16. Februar. (T. U.) Gestern abend tagte eine Versammlung des Roten SoldatenbundeS, bte von Angehörigen des Regiments Reinhardt im Verein mit Beamten der Kriminalpolizei aufgehoben wurde. Die ganze Versammlung etwa 100 Mann wurde nach dem Moabiter Gerichtsgefängnis gebracht, ebenso der Leiter der Versammlung, Fröhlich.

Wichtige Sttz»«g des preußische« Kavi«ettS.

feg; Weimar, 16. Februar. (T. U.) Das preußische Kabinetl wird am Montag vonnirrag unter dem Vorsitz des Pliunterprästdenten Hirsch im SrMoife zu einer wich­tigen Sitzung zusammentreten Die Sitzirng, die einen vertraulichen Ebarakter Hat soll sich mit der Polensrage, der preußischen Berfassungsvorlage. Sem Termin des Zu­sammentritts der preußischen Nationalversammlung und der Frage der Beamtenräte besämstigen.

Wettere Belgier in Duisburg eiugerttckt.

fe* Duisburg, 16. Februar. (T. N.) Hier ist dw weitere Kompagnie Belgier mit Maschinengewehren ein- gerückt. Eine dritte Kompagnie soll tolaeiT.

Arbeiterentlassungen wegen Kahlennot.

fe* Berlin, 17. Februar. (S. C.) Am Sormshent abend haben in der Berliner Industrie wegen Kohle«, mangels umfarmreidx Arve iterentlassungen stattgefu». dett. Von Arbeituehmerseite wird die GesaMzahl bei Entlassenen mit 8000 Mann angegeben. Bei Fortdauer der Kohlennot wird mit weiteren großen Entlastung« für nächste Woche w xeMum feilt.