Sersfelder Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
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Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- ; zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei : Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. :
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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Fernsprecher Nr. 8.
Dienstag dem 1L Februar
1919
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 7. Februar 1919.
Durch Erlaß des Herrn Staatssekretärs des Reichsernährungsamtes ist angeordnet worden, daß • vom 3 Februar ab
1. die wöchentliche Kartoffelration der Versorgungs- berechtigten von 7 auf 5 Pfund
2. die tägliche Kartoffelration der Selbstversorger von 1V2 Pfund auf 1 Pfund herabgesetzt wird.
Als Ersatz für den der versorgungsberechiigten Bevölkerung hierdurch entstehenden Ausfall ist die Fleischration von 100 gr. auf 200 gr. pro Koch und Woche erhöht worden. Tgb. No. I. 873. Der Landrat.
I. V.:
Funke, Kreissekretär.
HerSfeld, den 6. Februar 1919.
Diejenigen Einwohner, die bei der Hess. Kriegsversicherung Anteilscheine gelöst und die vorgekommenen Sterbesälle noch nicht gemeldet haben, werden wiederholt ersucht, die Anmeldung tunlichst bald der der zuständigen Landesrenteret zu bewirken, da die Kriegsversicherung drei Monate nach Friedensschluß abrechnet.
Anteilscheine, auf die bereits Abschlagszahlungen erfolgten, sind vorerst nicht einzureichen, da voraussichtlich weitere Leistungen auf solche infolge der hohen Krtegsverluste nicht stattfinden werden.
Dagegen empfiehlt es sich, Vermißte bei der &^tde^^^Mfe^jgj^h^fM^^BHW« werden kann.
Tgb. No. 1. 1150. Der Landrat.
Funke, Kreis se/retär.
Bus der Heimat.
* (Warnung vor russischem Papiergelds Durch die trüben Kanäle des Bolschewismus sind Millionenbeträge an russischen Banknoten noch Deutschland gekommen. Man warnt auf das eindringlichste vor deren kritikloser Entgegennahme, da zur Zeit erwogen wird, ob nicht durch ein Einsuhr- vei bot dem weiteren Einströmen russischen Papiergeldes vorzubeugen ist. Man unterscheidet zur Zeit drei Arten von Papterrubeln, den alten Zarenrubel, den Kerenski-Rubel und den Bolschewisten Rubel. Der letzte ist volkommen wertlos und wird in Bankkreisen zurückgewiesen ; für den^Kerenski-Rubel werden unter der Hand 1 Mark bis 1,05 Mark und für den Zaren- Rubel 1,80 Mark bis 1,40 Mark bezahlt. Der von den Bolschewisten in Riga festgesetzte Kurs von 40 Zaren- Rubel gleich 100 Mark ist rein willkürlich erfolgt und entspricht nicht der Lage auf dem Weltmärkte, wo der Wert des Rubels etwa dem der Murk entspricht.
* (Bucheckernölkuchen giftig f ür Pferde.) Von sachvec ständrgerSeite wird geschrieben : Infolge der reichen Buchecke mernteund-Oelgewinnung werden Bucheckernölkuchen als Viehfutter in den Handel gebracht. Diese sind für Pferde giftig und vor der Verfütterung ist dringend zu warnen. Es genügt schon 1/2 Kilogramm zu tödlicher Vergistung. Die Pferde erkranken an sehr heftiger Kolik unter großen Schmerzen Es kommt zu Tobsucht und Raserei, bis die Tiere unter Strümpfen zusammen- brechen und verend«n
* (JustizPrüfung für Freiwillige.) JmJusttz-Ministerial-Blat! wird eine allgemeine Verfügung des Justizministers veröffentlicht, wonach Referendare und Anwärter für den mittleren Justizdienst, die den Vorbereitungsdienst bis auf einen Rest von nicht mehr als 3 Monaten erledigt haben, sowie R'chtskandidoten, die die Universitätsstudien erledigt haben, zur No'prüfung zu, .'lassen werden, wenn sie bis zum 31. März in eine Freiwilligen-Truppe eintreten. Zur Bedingung wird gemacht, daß der Prüfling mindestens drei Monate bei einer sümpfenden Truppe diente, Waffen- oder Sanitätsdienst getan hat, sofern er dabei der Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt gewesen ist.
* «Dteneuen Fahrpreise der Eisenbahn? Ab 1. April ds. Js. werden, nach vorläufigen Angaben, die der „Frkst. G«n.-Anz." veröffentlicht, die Personen- zugsahrpreise I. bis 4. Klaffe um 100, 40, 30 und 25 Prozent erhöht. Die Ergänzungsgebühr fällt bet Schnellzügen fort. Neben d-m PersonenzugfahrpreiS werden dann Schnevzugszuschläge bis zu 75 Kilometer 1—2. Klasse bezw. 3 Klasse ''bezw. 1 Ma« k. bis 1,50
Uve.t t^ uomerer ü bezw.
8 Mark erhoben. Für den Nahverk.hr mit Schnell-« zügen wird ein Mindestfahrpreis von 17 Mark für 1. Klasse, 10 Mark für 2. Klasse und 5 Mark für
3. Klasse festgesetzt. Eine Erhöhung der Fahrpreise der Arbeiter-, Schüler- und Monatskarten tritt nicht ein, bet letzteren fällt die eingerechnete bOprozentige Ergänzungsgebühr fort. Militär zahlt voraussichtlich außer dem seit April 1918 eingeführten 10prozentigen einen weiteren 20prozentigen Zuschlag. Zusammen- gestellte Fahrscheinhefte gibt es vorerst nicht mehr. Der Hundefahrpseis wird um 20 Prozent erhöht. Bei Gepäck und Expreßgut entfällt der doppelte Frachtbetrag, es werden 50 Prozent Zuschlag erhoben. Die Beschränkung des Einzelstücks von 50 Kilogramm fällt.
Uslar, 6. Februar. Im benachbarten Bollensen fing beim Füllen einer Lampe dnrch den Maschinisten Georg G das Petroleum Feuer. Die brennende Flüssigkeit bespritzte den Unvorsichtigen. Dieser lief mit brennenden Kleidern auf die Straße hinaus und glich einer Feuersäule. Ehe Hilfe zur Stelle war, hatte G. tödliche Brandwunden erlitten, denen er bereits erlegen ist.
Sontra, 6. Februar. Auf der Landstraße bei dem Dorfe Hennigerode wurde heute morgen der Bäckergeselle E. Moser erfroren aufgefunden.
Hanau, 7. Februar. Im Bischhofsheimer Walde bei Hanau ist der Jagdaufseher Walter Nagel aus
Mainkur bei einem Zusammenstoß mit drei Wilderern durch einen Kugelschuß von hinten sehr schwer verletzt worden und nach einigen Stunden gestorben. Von den Tätern fehlt noch jede Spur.
Witzenhausen, 7. Febr. Im Witzenh. Amtsblatt macht ein zurückgekehrter Krieger, der die Menschheit fürs Tollhaus reif hält seinem Unmut über die geplante Begrüßungsfeier für die Witzenhäuser Feld- zugsteilnehmer Lust. Er schreibt u. a.: „Dazu Erntefestrummel mit Tichingbum und Tanz auf 6 Sälen." Jetzt wo es schlimmer um uns steht als vielleicht „Eingeweihte" ahnen, da findet man es hier an der Zeit mit rauschender Erntefestmusik einherzuziehen und bet Konzert sich zu amüsieren anstatt an die krasse Wirklichkeit zu denken undstill daS Gedächtnis derer zu ehren, die ihre Treue mit dem Tode besiegelt haben!
Offenbach, 6. Februar. Hier ereignete sich am Ostbahnhof ein Eisenbahnunglück, bet dem auch Tote zu b« klagen sind. Der um halb acht Uhr von Overf- roden auf Linie Ostbahnhof einlaufende Zug fuhr auf einen zur Ausfahrt bereitstehenden Zug. Es erfolgte ein schwerer Zusammenstoß, dessen Ursachen noch nicht klar gestellt sind, doch wird falsche Weichen- ftetiunp angenommen. Die Zahl der Verletzten soll 18, die der Toten zwei betragen. Von den Verletzten wurden 4 ins städtische Krankenhaus gebracht.
Der? Krieg.
Ein Sternlein hoch am Himmel droben, send ihm ein Gruß vo^Gottes loben.
ganz einsam auf der stillen Wacht, denk ich zurück an meine Lieben, von den' ich einst mußt Abschied nehmen. Doch plötzlich ist in mir als wenn ich hätte was vor mir gesehen. Entsetzt, ich plötzlich empor mich strecke, und was ich vor mir mußt entdecken. Zwei wilde Menschen, o Schreck, o Graus das Messer in, nein ich erstarrte gleich, Mein liebes Mutterherz, schrie ich zu Gott empor, er hörte nicht, was kann ich vor.
Doch fern zu Haus, im kleinen Hüttelein, ein armes Mütterchen, voll Sorg und Pein. Sie denkt an ihren lieben Sohn, wer weiß, ob er nicht auch unter den Toden schon. Und eine Stimme in ihr erwacht, sie sieht ihn, wie er dort verschmacht.
Er fleht und schreit, ach, liebe Mutter hilf mir doch, — es ist vorbei. ,
Der Schweiß-ihr von der Stirn entrinnt o liebeS Kind, o liebes Kind.
Sein teures Bild, sie krampfhaft in die Hände hält, das arme Mutte-Herz starr hin zu Boden fällt. Ihr Herz steht still, doch Gott es will.
Gedichtet von Fr. Uhlig.
Sie Meile» der Hanonaloetfammlung.
Ueber die Arbeiten, welche die Nattoualversamm- lung zu erledigen haben wird, wird uns von parlamentarischer Seite geschrieben:
Wohl noch kein Parlament hat eine solche Fülle bedeutender Aufgaben zu erledigen gehabt, wie sie der . Nationalversammlung warten. Nicht mehr und nicht weniger als der Wiederaufbau eines großen, zusammen, gebrochenen Reiches wird in dieser Tätigkeit zum Ausdruck summen müssen. Die wichtigste Arbeit ist die Schaffung einer Verfassung des deutschen Reiches. Neben dieser gesetzlichen Regelung aller Grundfragen des Staates werden aber noch viele andere Arbeiten durch- geführt werden müssen, denen für den politischen und wirtschaftlichen Aufbau des Reiches nicht geringere Bedeutung zukommt.
In erster Reihe ist die Errichtung eines Heeres zu erwähnen, das den Namen „Reichswehr" erhalten scll. Die Grundzüge für diese neue Gestaltung unseres Militärs sind im KriegSministerium bereits fertigge- gestcUt morden. Sie atmen, wie wir erfahren, den Gerst der Freiheit in einer Weise, die sich selbst mit einer neuartigen und freiheitlich ausgestalteten Truppe nicht recht verträgt. Aul Sie Forderung der Disziplin, die ein großes Heer nur zusammenzuhalten vermag, ist nicht der rechte Nachdruck gelegt worden. Die Länge der Dienstzeit, die Zusammensetzung des Offizierkorps und die Ausbildung der Mannschaften sind gleichfalls neu ge-
regelt.
Ferner wird zu den wichtigsten Arbeiten der Nationalversammlung der Abschluß des Friedens gehören. Diese Aufgabe dürfte nicht nur verantwortungsreich, sondern auch schwierig sein, da alle Vorkommnisse darauf Hinbeuten! daß ber Wilson-Friede, den wir ange- nommen haben, arg verfälscht werden soll. Der Konflikt in Spaa zeigt klar, wohin die Feinde uns führen wollen. Auch die lisherige Behandlung der kolonialen Fragen eröffnet die Aussicht auf ungeheure Schwierigkeiten. Gutem Vernehmen nach ist das Parlament tu fein* größten Mehrheit durchaus Hübt gewillt, will
»hin die Feinde uns führen wollen. Behandlung der kolonialen
kürliche Auslegungen des Wilson-Friedens von Seiten der Entente hinzunehmen.
Damit wäre der größte Teil der politischen Aufgaben erschöpft. In wirtschaftliches Beziehung sind bereits eine Reihe von Gesetzentürfen und Maßnahmen vorgesehen, welche die Nationalversammlung beschäftigen werden. Von diesen Arbeiten wird der wirZchast- liche Aufbau des Reiches abhängen. Die Fragen der Steuern, der Verstaatlichung von Betrieben, der Beschaffung von Rohstoffen, der Behandlung der Arbeitslosen und der Beschaffung von Arbeitsmöglichkeiten stehen hier im Bordergrunde des Interesses. Zur Erledigung dieser bedeutsamen Angelegenheiten werden Sachverständigen-Ausschüsse gebildet werden.
Endlich werden noch mannigfache Angelegenheiten der Regierung und Verwaltung neu an regeln fein. Die Sitzungen dürften voraussichtlich mit der Neuer- nennung oder Wteöerbestättgung der Regierung eröffnet werden. Eine Erweiterung der provisorischen Regierung durch Mitglieder bürgerlicher Parteien ist zu erwarten. Auch die Wahl eines provisorischen Präsidenten gehört zu den ersten Aufgaben der Nationalversammlung, die sich auch mit der Frage der A.° und S.-Räte zu befassen haben wird.
Sie Stätte der bolschewistische» Heere.
Ueber den Sieg dN sibirischen Truppen bei Perm werden jetzt Einzelheiten aus einem aus Omsk in Hel- singsfors eingetroffenen Briefe bekannt. Der vielgenannte Sieg wurde bereits Ende Dezember, und zwar von einem 28jährigen General Koltschals namens Per- firiew errungen. Mit an Zahl weit unterlegenen Truppen führte er den Kampf bis zu einer völligen Auflösung der bolschewistischen Streitkräfte. Die Zahl der Gefangenen betrug 80 000; Waffen im Wert von.10 Millionen wurden erbeutet. Die Bedentung dieses Sieges liegt darin, daß der bolschewistische Versuch, nach Jekaterinbury, dem Zentrum der urali-cheu Bergindustrie. durchzuswtzem zunichts -gemacht wurde.
Besonders tu malige Stellung wistischen Armer 73 000 Bajonette
Nach dem Stege wandte sich die Armee PorfiriewS fßtk wärts, um die linke Flanke der bolschewistischen zweite» Armee anzugreifen.
ttereffant sind die Angaben über die da- und die Stärke der östlichen bolsche- m. Die dritte Armee bei Perm hatt« , 10 000 Pferde, 258 Maschinengewehr« und 170 Geschütze. Die zweite Armee bet Sanagul umfaßte 88 000 Bajonette, 8800 Pferde. 380 Maschtneng^ wehre und 73 Geschütze. Die fünfte Armee bei Ufa wie» auf 54 000 Bajonette, 3000 Pferde, 158 Maschinengewehre, 98 Geschütze, die erste Armee im Süden der sibirischen Bahn die Zahlen: 88 000, 2300, 177, 95 und schließlich die vierte Armee am Kaspischen Meer: 14 ooo, 5000, 309, 114 Der Brief hebt die zahlenmäßig« I Unterlegenheit der sibirischen Kräfte hervor, die durch die Surinfnabme der Tschechen in die Reserve besonders I geschwächt waren.
Es ist unaufgeklärt, ob im Raum um Perm letzthin eine neue erfolgreiche Kraftmessung der Sibirier mit den zusammengeführten Streilkräften der südlicheren bolschewistischen Armeen stattgesunden hat. Jedenfalls ist Koltschar seit dem Mißerfolg der amerikanisch-russischen Armee bei Schenkursk von der erstrebten Vereinigung mit der Nordarmee weit entfernt. Ebenso sind Nachrichten von einer bald bevorstehenden Einnahme Wo- logdas angesichts der gemeldeten starken bolschewistische» Truppenkonzentration tm Gvuverneinent Olonetz mit Vorsicht aufznnehmcn. Anderseits begreift man nach den vorstehenden Zahlenangaben, daß die vor Baku in Richtung Astrachan vordringenden Engländer und der vorn Kaukasus aus operierende Denekin ein verhältnismäßig leichtes Spiel üaoen.
Ueber die Verhältnisie in der Ukraine gingen tu Helsingfors Nachrichten ein, wonach Poltawa von den Bolschewisten befreit sei. Der AnSgang der Unterneh- mnng fei jedoch ungewiß, da die Starke der bolschewistischen Heere an der Südfront 200 000 Mann betrage, denen erst durch die Durchiührung einer allgemeinen Mobilmachung ein Gegengewicht entgegengesetzt werden könne.