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Herslel-er Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- ; zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von-Ludwig Funks Vuchdruckerei ;

; Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. i

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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

s Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im : amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprechrr Nr. 8.

Nr L9

Dienstag den 4. Februar

1919

Amtliches Teil.

Verordnung.

Huf Grund des § 5 der Reichsgetreideordnung für die Ernte 1918 vom 29. JMai 1918 (R. G. Bl. 435) bestimme ich folgendes :

§ '.

Hlle früchte, die nach der Reichsgetreideordnung für 1918 beschlagnahmt sind, müssen, soweit nicht von den Kommunalverbänden ein früherer Vermin festgesetzt worden ist, spätestens bis zum 15. febr. 1919 ausgedroschen sein.

§ 2»

Die Kommunalverbände können fruchte, die bis zu dem genannten Zeitpunkt nicht ausgedroschen sind, gemäss § 6 der Reichsgetreideordnung für die Ernte 1918 auf Kosten des Betriebsunternehmers ausdreschen lassen.

§ 3.

Verstösse gegen § 1 werden nach § 80 Ziffer 3 der Reichsgetreideordnung für 1918 mit Gefängnis bis zu einem 3ahr und mit Geldstrafe bis zu 50 000 Mark oder mit einer dieser Strafen bestraft.

Cassel, den 20. Januar 1919.

Der Regierungspräsident. * *

*

ßersfeld, den 28. Januar 1919. Mird veröffentlicht.

Cgb. Fo. K. G. 416. Der Candrat.

Bekanntmachung .betrifft Bähgamvetteilnug.

Dem Kommunalverband Hersfeld ist von der Reicksbekleidungsstelle Abt. O. für die aus dem Felde zurückgekehrten Schneider eine kleine Menge Nähgarn zugewiesen worden. Dieses Nähgarn ist einget!offen und kommt in den nächsten Tagen zur Verteilung. Diejenigen Schneider, welche ihren Bedarf noch nicht angemeldet haben, werden ersucht, das Versäumte innerhalb 2 Tagen schriftlich oder mündlich in dem Büro der Bekleidungsstelle Hersfeld nachzuholen. Anmeldungen nach dem 7. Februar können nicht mehr berücksichtigt werden.

Hersfeld, den 4. Februar 1919.

Der Landrat.

I V.:

Funke, Kreissekretär.

Bekanntmachung.

Die Feststellung des Wahlergebnisses für die verfassunggebende preußische Landesversammlung,

19. Wahlkreis, durch den Wahlausschuß hat folgendes Resultat gehabt.

Abgegeben wurden insgesamt 1057 841 gültige Stimmen.

Davon entfallen auf Wahlvorschlag 1. Gebeschus 65 198 Stimmen 2 Giäf 425 377

3. Rade 228 312

4. Ritter 101 992

5. Schwarz 199 752

6. Sender 37210

Auf die verbundenen Wahlvorschläge 1, 4, 5 ent­fallen 366 942 gültige Stimmen.

Es erhalten Sitze: Wahlvorschlag 1 1 Sitz ' 2 9 Sitze

3 5

4 2

Als Abgeordnete sind demnach gewählt vom Wahlvorschlag 1 : Gebeschus.

Wahlvorschlag 2: G-äf, Hauschild, Schreiber, Weber, Ew, Grzesinskt,Häse,König,Wittich.

Wahlvorschlag 3: Rade, Ehlers, Kimpel, GoU, Heilbrunn.

Wohlvorschlag 4: Ritter, Werner

Waylvo-schlag 5: Schwarz, Rbiel, Herkmralh

Drinnenberg, Wentrup.

Wahlvorschlag 6: keinen Sitz.

Cassel, den 1. Februar 1919.

Der Wahlkommissar für die verfassunggebende preußische Landesversammlung, 19. Wahlkreis.

Tgb. No. 87. von Lentze.

aus der Heimat.

* <D i e S ch n b ^n e, .-^ ^ ' - > , C_i.

Deutscher Schuhmacher-Innungen" schreibt: Durch die Demobilisierung ist man im Publikum vielfach der Ansicht, daß nun mehr Leder vorhanden und in­folgedessen eine ganz wesentliche Verbilligung des Leders und auch des Schuhwerks eintreten müsse. Das trifft leider nicht zu. Die Preise für Unter- und Oberleder sind um 20 Prozent erhöht, auch die Arbeits­löhne sind unter dem Druck weiter ganz wesentlich gestiegen, so daß die notwendige Erhöhung der Preise f. Sohlen und Absätze je nach örtlichen Verhältnissen bis 2 Mark und mehr beträgt als bisher zulässig war. Außerdem sind wir über die Lederknappheit noch lange nicht hinweg. Durch die Besetzung der linksrheinischen Gebiete ist einem sehr großen Teil unserer Leder erzeugenden Industrien die Möglich­keit genommen, uns ihre Produkte zuzusühren. In ganz besonderem Maße ist es Oberleder, das uns in Zukunft noch weit knapper werden wird, als wie es bisher der Fall war.

§ Hersfeld, 4. Februar. Tagesordnung für die Sitzung der S t a ö t v e r 0 r d n e t e n v e r s a m ml un g am Donnerstag, den 6. d. Mts. nachmittags 4 Uhr im Rathaussaal. 1) Bildung des Wahlvorstandes für die Stadtverordnetenwahlen. 2) Umgemeindung einer kleineren Grundstücksparzelle. 3) Vergütung von Straßenbaukosten an den Bauunternehmer Heinrich Bolender für die Straße am Hopfengarten. Eine vertrauliche Sitzung schließt sich an.

):( Hersfeld, 4 Februar. Der Gewerbeverein .Hersfeld hielt gestern Abend nach einer durch den Krieg bedingten Pause von fünf Jahren wieder eine Jahres - Hauptversamattlung im Saale der Lullusquelle ab. Der Besuch war außerordentlich zahlreich und beweist, daß die Handwerker unserer Stadt mehr Interesse für die Standesangelegenheiten zu zeigen beginnen, die allein nur durch Zusammen­schluß wirksam vertreten werden können. Nachdem der Vorsitzende des Gewerbevereins, Herr Kupfer- sckmiedemeister Schüßler, die Versammlung begrüßt hatte, erstattete er in kurzen Zügen Bericht über die letzten fünf Vereinsjahre. Es folgte sodann der Kassenbericht, welcher einen günstigen Abschluß zeigte. Nach den Statuten war für den Vorsitzenden sowie die übrigen Vorstandsmitglieder eine Neuwahl vor- zunehmen. Als Vorsitzender wurde Herr Schüßler einstimmig wiedergewählt. Die Wahl der übrigen acht Vorstandsmitglieder fiel auf die Herren Metzger­meister Konrad Sander, Schreinermeister Gutheil, Schneidermeister Wilhelm Htld, Schuhmachermeister Konrad Wolff, Malermeister Peter Brandau, Schreiner- meister Georg Baumgardt, Dekorateur Wilhelm Saal und Buchdruckereibesitzer Franz Funk Eine wichtige Angelegenheit betraf der väwsie Punkt der Tages­ordnung, nämlich die Beteiligung an den bevor­stehenden Stadtverordnekenwahlen Herr Schüßler gab einen Ueber blick über den derzeitigenStand dieser Ange­legenheit, soweitdieselbe durckVorbesprechungen bereits gediehen war. Es folgte eine eingehendeAusspracheüber diesen Punkt und die Versammknng beschloß einstimmig, die Wahlen nicht den hiesigen parteipoliiiswen Vereinen allein zu überlassen, sondern mit diesen und den übrigen Vereinen der Stadt eine gemeinsame Liste aufzustellen, um ernt Zersplitterung der bürger- lichen Parteien zu vermeiden. In geheimer Abstimmung wurden sodann die für die Stodtver- ordnetenwahlen in Aussicht genommenen Kandidaten gewählt, weicke in einer gemeinsamen ^l&aw> mit, vtu uv« «gen Parieren ats tyernrter ves Handwerks ausgestellt werden sollen. Der letzte Punkt der Tagesordnung betraf die Einführung einer einfachen Buchführung bei den hiesigen Handwerkern. Wie der Herr Vorsitzende ausführte, ist es für die Feststellung der Umsatzsteuer unbedingt erforderlich, daß jeder Handwerker über seine Einnahmen genau Buch führt, und legte die Vorteile dar, die eine geregelte Buch­führung auch über die Ausgaben usw. für jeden einzelnen hat. Der Vorstand empfiehlt nun noch ge­nauer Prüfung verschiedener Buchtührungsarten die Einführung eines äußerst zweckmäßigen Buches, nach­dem dies auch von berufener Seite als geeignet aner­kannt worden ist. Hierauf wurde die Versammlung in vorgerückter Stunde geschlossen.

Dransseld, 1. Februar. Von einem Pferd auf den Kopf getreten wurde der12jährige Hugo Pape. Fünf Tage nach seiner Einlieferung in die Göttinger Klinik ist er, ohne wieder zum Bewußtsein zu kommen, ge­storben.

Meiningen, 30. Januar. In Barchfeld gerieten spielende Kinder in Streit, wobei eins dem andern einen Griffel in ein Auge stieß, so daß es als ver­loren gelten kann.

Crumbach, 31. Januar. Beim Hantieren mit Karbid zog sich der zehnjährige Sohn des Landwirts W. schwere Verletzungen eines Auges zu, die dessen Entfernung in der Gießener Klinik notwendig machten.

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re-

DaS Reichswirtschaftsamt hat. wie.offiziös mitge- teilt wird, die Gesetzentwürfe fertiggestellt, die jetzt den arideren Reichs- und Staatsbehörden zur MitSeratung zugehen, um die Energiewirtschaft des Reiches zu geln und damit in neue Formen zu bringen. Es han­delt sich um die einheitliche Organisation und Verwen­dung aller natürlichen Energiequellen, tue Deutschland besitzt. Diese Energiequellen ruhen vor Mem in den Brennstoffen und den Wasserkräften, in Kohle, Torf, Erdöl und Wasser: diese wandeln sich in Dampf, Druckluft, Gase, Treib-, Heiz- und Leuchtöle und in elektrische Energie um und beleben damit die gesamte Volkswirtschaft. Alle diese Kräfte in aemetnwrrtfchast- lichem Jntereise zu organisieren und damit nicht nur die einzelnen Betriebe der deutschen Wirtschaft zu heben, sondern vor allem die Gemeinwirtschaft Deutschlands zu entfalten, ist, die Hauptaufgabe einer Peche von neuen

Gesetzentwürfen.

Die Gesetzentwürfe des ReichswirtschaftsamtS beste­hen aus dem allgemein zusammenfassenden Rahmenge­setz und aus einzelnen Entwürfen über die Bewrrtichaf- mng der Kohle, Elektrizität usw. Ueberblickt man den augenblicklichen Stand der Kohlenwirtschaft in seinen drei Stufen: Produktion, Vertrieb und Verwertung der Kohle, so steht man die zusammenfassende Organim- tion am weitesten vorgeschritten bei dem Vertrieb. Bei der Produktion dagegen und beim Verbrauch liegt die Leitung noch vollkommen bei den Einzelunterneymeu. Aus dieser Tatsache ergibt sich so heißt es weiter ohne weiteres, daß der Plan. die Kohlenwirtschaft unter einen starken, einheitlichen Einfluß zu stellen, bei dem Vertrieb der Kohle beginnen muß, weil dort der Boden am besten vorbereitet ist. Auf dem Gebiete der Produk- -ion und des Verbrauchs werden die zu ergreifenden Schritte langsamer und vorsichtiger gemacht werden Müssen Soziale, wirtschaftliche und finanzielle Gestchts-

bunkie beanspruchen eine gleichstarke Berücksichtigung.

Dabei findet jedoch der eine stets seine Grenze in dem anderen, und als Wesentlichstes muß stets festgehalten w-erden, daß die notwendige Vorwärts- und Aufwärts­entwicklung durch einen genügenden wirtschaftlichen An­reiz gesichert bleibt. Für die staatliche Regelung der Elektrizitätswirtschaft ist die Zeit ebenfalls längst reif. In manchen Bundesstaaten hat man bereits damit be­gonnen, die weitere Entwicklung der Elektrizitätsver­sorgung in günstigem Sinne zu beeinflussen. Das Reich muß an das Bestehende anknüpfen und es nach gemeinwirtschaftlichen Gesichtspunkten weitereutwickem.

In manchen Erwerbszweigen, im Eisenbahnbetriebs und . in der Energieversorgung des platten Landes, liegen noch große Gebiete, die vom Standpunkte gesunder na­tionaler Energiewirtschaft der Elektrizität zufallen müs­sen. Aufgabe des Reiches ist es, die gesunden Kräfte in der bisherigen Entwicklung der Elektrizitätsversor­gung mit allen Mitteln zu fördern und die ungesunden Erscheinungen planmäßig zu beseitigen. Eine Handhabe dazu karrmüie Einführung des Genehmigungszwanges für Starkstromanlagen geben. Das Reich wird in or­ganisch abgegrenzte Versorgungsbezirke eingeteilt. In jedem Bezirk schließen sich die Starkstromunternehmer unter dem regelnden Einfluß des Reiches, der Bundes- staaten geschäftlich und betrieblich zusammen... An der Verteilung und dem Verbrauch der Elektrtzüar beteili­gen sich die Kreise und wirken an der einheitlichen, und zweckmäßigen Elektrizitätsversorgung ihres Bezirkes ^Aus den vorstehenden offiziösen Mitteilungen ist als wesentlichstes Merkmal hervorzuheben, daß der Re- gieruilgsvlan auf eine eigentliche Verstaatlichung ver­zichtet? Der ,,M Ztg." wird hierzu von unterrichteter Seite noch geschrieben: _ .

Die Regierung hat ihre Ideen über Vergesellschaf­tung in drei Gesetzentwürfen niedergelegt, in einem Gesetzentwurf über Energiewirtschaft und zwei Unter- geseLey in Gestalt kines. Retchskohleu- «Ld ewes Elek»

mzilNSmonopolS. Um das Wichtigste «mveg zu neW men: die Regierung denkt, nicht an eine Sozialisie, rung im landläufigen Sinne des Wortes. Aeugstlich scheut sie vor jedem Eingriff in das feine Räderwerk bei Produktion zurück, weil sie weiß, daß ein solcher Ein­griff im Sinne einer Produktionsvermindernng wirke« müßte, und die in einer Zeit, in der die Erhöhung bei Kraftquellen oberstes Gesetz sein muß. Das Hauptziel des GestüreS ist. durch staatliche Verwaltungsstellen dt« Elektrizitätsproduzenten und die ElektrizitätSverbrau- cher zuünmenzufasscm Die Kohlenproduktion soll vo, unmittelbaren Eingriffen geschützt werden, die Regie­rung will sich vorerst darauf beschränken, die biSlierig« individualistische Wirtschaftsmethode zu modernisieren, ohne das System selbst aufzugeben. Dabei darf nicht außer acht gelüsten werden, daß die Regierung sich schon in den letzten Jahren einen weitgehenden Emsluß auf die Preispolitik des Kohlensyndikates gesichert bat. Der Einfluß der Arbeiter soll durch Ausbau der Arbeiter- ausschüffe verstärkt werden, die ArbeitSverträge sollen verbessert werden. Einen weitgehenden Einfluß wirk der Staat im Kohlenhandel erhalten, man kann sogar im gewissen Sinne von dieser Verstaatlichung des Kob- lenhandels sprechen. Das neue Elektrizitätsgesetz WI der wirtschaftlichen Krastverschwendung zu Leihe nicken, die durch das Emporschießen immer neuer Kraftwerk ohne Rücksicht auf Notwendigkeit un.b Rentabilität im letzten Jahrzehnt entstanden ist. Das Gesetz will die Elekirizii ätsversorgung nicht nach geographischem, son­dern nach wirischaftlichen Gesichtspunkten , zusanimen- fassen. Die einheitliche Bewirtschaftung wird sich auf Kohle und Elektrizität gemeinsam erstrecken, man wird die Ausnutzung der Kohlenlager am Rhein. in Obsr- schlesien und Mitteldeutschland und der Wasserkräfte in Süddeutschland nach einheitlichen Gesichtspunkten regeln.