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Hersfelder Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

| Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- x j zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei | 8 Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld, j

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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

i Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im s amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprecher Nr. 8.

Kr 26

Freitag dev 31. Januar

1919

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung

betrifft

' der Bezugsscheine.

Bei einer Revision der abgelieferten Bezugsscheine ist festgestellt worden, daß der größte Teil der Kauf­leute, Kleinhändler und Fabrikanten in Stadt und Kreis Hersfeld die empfangenen Bezugsscheine All und Bil in den letzten 5 Monaten, Angnst, September, Oktober, November, Dezember 1918 nicht abge- liefert hat. Ferner ist festgestellt worden, daß mit Ausnahme der Scheine einiger Kaufleute die meisten Bezugsscheine nicht vorschriftsmäßig entwertet worden sind laut Bekanntmachung der Reichsbe­kleidungsstelle über Regelung des Verkehrs mit Web- Wirk-, Strick- und Schuhwaren vom 10. 6. und 23. 12. 1916 § 13, im Hersfelder Tageblatt Nr. 6 und 7 1917 veröffentlicht.

Sämtliche Gewerbetreibende sKaufleute, Klein­händler, Schuhwarenhändler) u. Fabrikanten in Stadt und Kreis Hersfeld, die mit der Ablieferung im Rück­stand sind, werden ersucht, das Versäumte innerhalb 8 Tagen nachzuholenund diebeimVerkaufempfangenen Bezugsscheine All und BU der'Monate August, September, Oktober, November und Dezember 1918 bis spätestens Sonnabend den 8. Februar"1919 bei dem Landratsamt Hersfeld abzuliefern.

Hierbei sind folgende Vorschriften genau zu beachten:

1. Die Bezugsscheine müssen vorschriftsmäßig ent­wertet werden, dies geschieht durch Durch­

und Ort mit Tinte schreiben), damit eine noch- malige Verwendung des Scheines ausgeschlossen ist.

2. Die Bezugsscheine sind monatweise zu sortieren und zu bündeln und in einem geschlossenen Um­schlag mit Aufschrift des Monats, Jahres und Name des Ablieferers zu versehen.

Für die Zukunft ist folgendes strengstens zu

1.

beachten:

Alle Bezugsscheine sind vorschriftsmäßig entwertet

2.

3.

an den 3 ersten Tagen jeden Monats bei dem Landratsamt Hersfeld abzuliefern, wobei die obengenannten Vorschriften genau zu beachten sind. Sofern Verkäufe auf Bezugsschein in den be­treffenden Monaten nicht stattgefunden haben, ist dies dem Landratsamt jedesmal schriftlich mit- zuteilen.

Sämtliche Bezugsscheine sind von dem Verkäufer sofort beim Verkauf der Ware zu entwerten, nicht

etwa erst am Abend des Verkausstages oder gar am Ende des betreffenden Monats.

Es wird auf die Strafbestimmungen in § 20 der oben angeführten Bekanntmachung hings- wiesen, außerdem ist eine nochmalige genaue Revision der abgelieferten Bezugsscheine in der nächsten Zeit in Aussicht genommen.

Hersfeld, den 29. Januar 1919.

Der Landrat.

J. V.:

Funke, Kreissekretär.

Hersfeld, den 22. Januar 1919.

Die Obstbauanstalt der Landwirtschaftskammer für den Regierungs-Bezirk Cassel beabsichtigt, die während der Kriegsdauer unterbrochene Abhaltung von Ausbildungskursen für Obstbaumwärter von diesem Frühjahr ab wieder aufzunehmen. Die Kurse sollen in der gleichen Weise wie früher abgehalten werden. Unter Vorbehalt etwaiger notwendiger Ab­änderungen sind die Abhaltungszeiten für dieses Jahr wie folgt festgesetzt:

Frühjahrsabschnitt vom 24. März bis 10. Mai mit Osterpause vom 17. bis 23. April

Sommerabschnttt vom 7. bis 19 Juli Herbstabschnitt vom 6. bis 18. Oktober

Die Herren Ortsvorstände des Kreises ersuche ich, durch entsprechende Bekanntmachung in der Gemeinde auf die Abhaltung der Kurse hinzuweisen, ihren Be­such zu empfehlen und etwaige Anmeldungen an die Obstbauanstalt in Oberzwehren, Bezirk Cassel, weiter zu leiten.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

I. A. Nr. 455. von Grunelius.

Hersseld, den 24. Januar 1919.

Unter den Schafbeständen des Gutes Hählgans ist die Räude festgestellt worden.

Tgb. No. 1. 654. Der Landrat.

Funke? Kreissekretär.

Hersfeld, den 27. Januar 1919.

Diejenigen Landwirte, welche bisher das nötige Saatgut an Hülsenfrüchten nicht erhalten konnten, rocHem schleunigst die Saatkarten hierher einsenden, damE ich die Fehlmenge bei der Reichsgetreidestelle anfordern kann.

Tgb. No. K. G. 360. Der Landrat.

von Grunelius.

Hersseld, den 28. Januar 1919.

Die Wahl des Landwirts Karl Loch in Sieglos zum Bürgermeister der Gemeinde Sieglos habe ich bestätigt und denselben am 24. Januar ds. Js. ver­pflichtet.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

I. A. No. 914. von Grunelius.

Hersseld, den 24. Januar 1919.

Durch die lange Dauer des Krieges ist in den letzten Jahren fast nichts zur Unterhaltung der Flußläufe zweiter und brütet Ordnung seitens der Gemeinden und GrundstücK-anlieger getan worden. Die User der Gewässer sind teils derart mit Bäumen und Buschwerk bestanden, daß der Abfluß des Hoch­wassers dadurch wesentlich gehindert wird und nicht selten Schäden an den gegenüberliegenden Ufergrund­stücken verursacht, werden.

Wenn auch der Ausbau von Uferschäden zweck­mäßig erst im Frühjahr und Sommer erfolgt, so ist es doch erforderlich, daß schon jetzt die Unte-haltungs- pflichtigen die Abräumung der an den Ufern vor­handenen Bäume und Büsche, soweit dieselben vom Hochwasser erreicht werden vornehmen.

Mit Rücksicht auf die gegenwärtig wohl in allen Gemeinden vorhandenen Arbeitslosen ersuche ich die in Frage kommenden Herren Bürgermeister alsbald wegen

Erforderliche zu veranlassen. Vom Geschehenen ist mir bis zum 25. Februar zu berichten.

Tgb. Nr 1. 652. Der Landrat.

I- V.:

F unke, Kreissekretär.

Unier Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 28. 4. 1914 iA. 11. 3444) bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Herr Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau durch Ei laß vom 17. 12. d. J. No. 25166, als Erkennungszeichen für Kraftfahrzeuge für den hiesigen Regierungsbezirk die weiteren Nummern 1T. 4001 bis einschließlich 4200 üver­wiesen hat. ' (A, II. 10302). Cassel, den 30. Dezember 1918.

Der Regierungspräsident. Graf von Bernstorff.

* * *

Hersfeld, den 27. Januar 1919.

Wird veröffentlicht. Tgb. No. i. 69. Der Landrat.

A B.:

Funke, Kreissekretär.

Bus der Heimat.

* (Sommerzeit auch in diesem Jahre.) Nach Berliner Meldungen soll auch im laufenden Jahre die Sommerzeit wieder eingeführt werden. Ihr Beginn ist für Montag, den 14. April, vormittags 2 Uhr, ihr Ende für Montag, 15. September, vormittags 3 Uhr, in Aussicht genommen. Da sich die Einrichtung im Kriege allgemein bewährt hat, wird man den neuen Entschluß nur begrüßen dürfen.

* (Die Stärke der Parteien im 19. Wahl­kreis.) Jetzt liegt auch das amtliche Ergebnis der Wahlen zur deutschen Nationalversammlung im 19 Wahlkreis vor. Danach haben die Mehrheitssozial. demokraten 463113, die Demokraten 230132, das Zentrum 187 579, die Deutschnationalen 106 078, die Deutschen Volksparteiler 64 465, die Unabhängigen Sozialdemokraten 42 980 und die Sozialaristokraten 279 Stimmen erhalten.

* (D e r Frauenüberschuß). Ueber die Höhe des durch den Krieg hervorgerufenen Frauenüber­schusses veröffentlichte kürzlich Sanitätsrat Dr. Prinzing in derDeutschen Medizinischen Wochen­schrift" interessante statistische Feststellungen. Gerade in dem Alter, das für den Geburtenzuwachs am wichtigsten ist, und zwar im Alter von 18 bis 45 Jahren, ist der Ueberschuß von Frauen gegenüber den Männern am stärksten. In diesem Alter kamen vor dem Kriege auf 1000 männliche Einwohner 1604 weib­liche, während jetzt auf die gleiche Zahl Männer 1166 weibliche Personen kommen. Der Frauenüber­schuß hat sich also während des Krieges um 16,2 Pro­zent verstärkt. Ein sehr großer Teil der Weiblichkeit, vom Eintritt in das erwerbsfähige Alter bis in die vierzige Jahre hinein, wird künftig auf die Ehe verzichten^ müssen und ist darauf angewiesen, durch eigene Tätigkeit den Lebensunterhalt zu ver­dienen, viele Witwen werden'auch für ihre un­

mündigen Kinder sorgen müssen. Die weitere Folge davon wird ein erhebliches Sinken der Geburtenziffer sein. Nach denBerechnungen Sanitätsrats Dr. Prinzing wird es 27 Jahre dauern, bis der aus den Kriegs­verhältnissen hervorgegangene Frauenüberschuß be­seitigt ist.

):( Hersfeld, 31. Januar. Eine kleine Abschieds­feier wurde vorgestern für die Schwestern der nun aufgelösten hiesigen Lazarette verunstaltet. Es waren 40 Schwestern anwesend. Nach Ansprachen verschiedener Damen übergab die Vorsitzende des Vaterländischen Frauenvereins Frau Caroline Engel- hardt jeder der anwesenden Schwestern ein Dank­schreiben des Vereins vom Roten Kreuz und des Vaterländischen Frauenvereins,' das den Schwestern die Anerkennung der Vereine für ihr selbstloses Wirken während der Kriegsjahre ausspricht Ein kurzes Zusammensein in angeregter Unterhaltung schloß die harmonisch: Feier.

§ Hersfeld, 31. Januar. Das beliebteW i e n e r Operetten-Theater Johann Strauß" hat sich entschlossen, noch 2 weitere Gastspiele in der Neuen Turnhalle zu geben, um der großen Nachfrage zu genügen, denn Hunderte konnten zu den beiden ersten Gastspielen kein Billet erhalten. Am Sonn­abend, den 1. Februar wird nochmals die reizende OperetteS ch w a r z w a l d m ä d e I" zur Ausführung gelangen, die den größten Erfolg aller neuen Operetten erzielte, und am S o n n t a a, den 2. Februar eine Neu-Einstudierung der herrlichen Lehar'schen Walzer- Operette:Die lustige Witwe". Es erübrigt sich wohl, über diese in ganz Deutschland taufende von Malen, aufgeführte Operette noch ein Wort der Empfehlung zu sagen. Sie ist musikalisch das beste Werk Franz Lehärs. Daß uns die alibewährten »*Äfie wt» <jow^ «rruuh-Lheatcrs auch oet freiern neuen Gastspiel wieder einen Kunstgenuß ersten Ranges bereiten werden, dafür bürgen die bisherigen Aufführungen dieser beliebten Operetten-Gesellschaft. (Vergl. Heutiges Inserat).

§ Hersseld, 31. Januar. (Fürdenhesstschen Freistaat.) Immer mehr, und bet einsichtigen Politikern jeder Parteirichtung bliebt sich heute die Erkenntnis Bahn, daß aus unserer Volksnot und denn Elend des Vaterlandes alles blos nach außen ge­richtete noch so ehrliche und vaterländische Streben be nU nicht mehr helfen kann. Von innen, durch einen gründlichen Neuaufbau an Haupt und Gliedert des Reiches muß geholfen werden, damit unser Deutschland wieder Gesundheit, Lebenshoffnung und Gleichgeltung unter seinen Nachbarn erringt. Dazu kann nach Lage der Dinge nur der hündische Neubau des Reiches auf allen gesunden Stammesgrundlagen führen, der in einer starken und einheitlichen Reichs­gewalt gipfelt. An diesem Aufbau soll auch unser Hessenvolk mitwirken als das lebendige starke Binde­glied zwischen Nord und Süd. Die Vorbereitung eines gesamthessischen Volksstaates, der diese Arbeit im neuen Reiche übernehmen muß, ist die Ausgabe deS Hessischen Volksbundes. Seine Orts­gruppen, die in allen Gegenden beider Hessen und in Nassau bereits begründet oder im Entstehen sind, sammeln die erbauenden Kräfte aus allen Lagern zu selbsttätiger Mitarbeit am deutschen Vaterlande. DaS neue Flugblatt des Hessischen VolksbundeS legen wir unserer Gesamtauflage bei.

§ Hersfeld, 81. Januar. «Gegen die Bank- noten Hamster). In der Zeit der Ueberaangs- wirtkchaft, in welcher wir uns jetzt befinden, muß jedermann besonders darauf bedacht sein, seine Handlungen in Einklang mit dem Allgemeinwohl zu bringen; denn es liegt im Interesse eines jeden, daß wir sobald als möglich nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich in geordnete Bahnen einlenken! Wirt- scbaft feindlich -sind aber die Bestrebungen und Gewohnheiten, Bargeld in einem größeren Umfange zu Hause zurückzuhalten, als für die Bestreitung der kleineren Lebensbedürfnisse unbedingt notwendig ist. Es gibt überhaupt keinen triftigen Grund, der je­manden dazu veranlassen könnte, bares Geld zu verstecken. Wer sein Geld von der Bank oder Spar­kasse abholt, seine Wertpapierbestände oder sonstigen Vermögenswerteversilbert", macht einen schlechten Tausch: denn er tauscht zinsbringende Werte gegen zinslose ein, ohne zudem an Sicherheit zu gewinnen, ja er setzt sich sogar der Gefahr von Verlusten aus. Obendrein schädigt er die Gesamtheit; denn er trägt durch seine Handlungsweise zur Vermehrung des Notenumlaufs bei, fördert somit eine weitere Ent­wertung des Geldes und verzögert den erwarteten Rückgang der Preise. Die Entwertung des Geldes verschlechtert aber auch unsere Valuta und verhindert somit die unbeschränkte Wiederaufnahme des Außen­handels. Wem also das Wohl der deutschen Volks- republick am Herzen liegt, der helfe mit, die Bank­notenhamsterei zu bekämpfen und der bargeldlosen Zahlung durch Ueberweisung oder Scheck Eingang zu verschaffen!