Hersfelder Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
e*eee»aaeeee»e8iaiiMeeeBBeeia*fleeeeB*eeBe«»aeaeeHeiBeeeBB»aeeBBBeeaeie*eBeeeeseBB*»a8 Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- j zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei ; Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. :
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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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: Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im : amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig.
Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Fernsprecher Nr. 8.
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»Nr 18,
Mittwoch, dem 22. Januar
1919
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 21. Januar 1919.
Eine Aerztekommiffion bezw. Delegierte der Entente bereisen demnächst alle ehemaligen und etwaigen jetzigen Arbeitsstellen und Aufenthaltsorte von Kriegsgefangenen oö. Zivilinternierten Franzosen, Belgier, Engländer, Serben, Italiener, Portugiesen, Japaner, Amerikaner, Montenegrienern, Griechen, Brasilianern. Den Delegierten ist Zutritt zu allen Orten zu gestatten, wo Kriegsgefangene pp. sich befanden oder vermutet werden. Die Kriegsgefangenen und Zivilinternierten selbst sind hierüber in Kenntnis zu setzen, haben sich selbst schriftlich oder mündlich bei den Deligationen zu melden. Alle Personen, die über den Verbleib eines allierten Kriegsgefangenen, ob krank oder gesund, unterrichtet sind, haben der nächstgelegenen Lagerkommandantur oder Zivilbehörde und diese wieder der Inspektion der Gefangenenlager 11. A. K. Cafsel sofort Mitteilung zu machen.
Ferner findet am 25. Januar 1919 eine Zählung der obengenannten Gefangenen in Deutschland statt, maßgebend ist der Aufenthaltsort bezw. die Arbeitsstätte der betreffenden Gefangenen in der Nacht vom 24. auf 25. Januar. In Betracht kommen alle sich bei Zivilpersonen aufhaltenden, in Zivilgefängnissen, Zuchthäusern usw. befindlichen Gefangenen; sie sind von Haushaltungsvorständen bezw. von Gefangenen- anstaltendtrektionen der Gemeindebehörde sPolizeiverwaltung) in Anmeldung zu bringen.
Wunsch nicht zur Anmeldung bringt,, macht sich strafbar.
Tgb. Nr. i. 641. Der Landrat.
J. B.:
Funke, Kreissekretär.
Bekanntmachung
Nr. F. R. 825/11. 18. K. R. A.
Im Auftrage des Reichsamts für die wirtschaftliche Demobilmachung wird folgendes angeordnet:
Die Bekanntmachung Nr. O. 406/4. 17. K. R. A., betreffend Beschlagnahme, Meldepflicht und Höchstpreise von Stein kohlenteerpech, vom 15. Mai 1917 wird hierdurch aufgehoben.
Berlin, den 1. Dezember 1918.
Kriegs-Rohstoff-Abteilung. Wolffhügel
* * *
Hersfeld, den 12. Januar 1919. Wird veröffentlicht.
• 13637. Der Lanörat.
J. B.:
Funke, Kreissekretär.
Hersfeld, den 15. Januar 1919.
Die Herren Bürgermeister erinnere ich an die Einreichung der Kaffenprüfungsverhandlungen. I. A. No. 283. Der Vorsitzende des Kreisausschusses, von Grunelius.
Bekanntmachung
Nr. F. R. 180/12. 18. K. R. A.
Im Auftrage des Reichsamts für die wirtschaftliche Demobilmachung wird folgendes angeordnet:
Artikel 1.
Die von den Kriegsministerien ausgesprochenen, den Betroffenen namentlich zugestellten Beschlagnahme- Verfügungen über Molybdän werden hiermit aufgehoben.
Artikel 2.
Diese Bekanntmachung tritt am 6. Dezember 1918 in Kraft.
Berlin, den 6. Dezember 1918.
Kriegs-Rohstoff-Abteilung. Wolffhügel» * * *
Hersfeld, den 12. Januar 1919.
Wird veröffentlicht.
i. 13637. Der Landrat.
Funke, Kreissekretär.
Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten
I. Nr. A. 111. g. 11655.
Berlin, den 17. Dezember 1918.
Verhütung von Sencheueinschleppungen.
Bei der Demobilmachung werden von der Heeresverwaltung auch ansteckungsverdächtige Pferde abgegeben. Die Heeresverwaltung hat für diese Fälle be- teilen 'ein^ Liste aufzustellen ist, die die Vornamen und Namen der Käufer von ansteckungsverdächtigen Pferden, deren kurzes Nationale, die Art des Seuchen- ansteckungsverdachtes und den Namen des Bestimmungsorts enthält, nach demdieseuchenansteckungs- verdächtigen Pferde abgeführt werden sollen. Diese Liste soll der Ortspolizetbehörden des Demobil- machungsortes alsbald nach Beendigung des Verkaufes übersandt werden, damit diese zur weiteren vetertnär- polizeilichen Kontrolle diejenigen Ortspolizeibehörden benachrichtigt, in deren Bericht die seuchenansteckungs- verdächtigen Pferde überführt werden. Es wird ersucht, hiernach die Ortspolizeibehörden mit den etwa erforderlichen Anweisungen zu versehen.
Für die zurückgesührten Hunde hat die Heeresverwaltung bestimmt, daß die in ihrem Besitz verbleibenden Hunde nach dem Eintreffen aus dem Felde einer dreimonatlichen Beobachtung unterliegen, während deren sie an der Leine geführt werden und mit Maulkorb versehen sei müssen. Bei den bei der Demobilmachung abgegeben oder an die Eigentümer zurückgegebenen Hunde hat die Ortspolizeibehörde des Ortes unter Angabe des Namens des Besitzers und des Nationales des Hundes zu benachrichtigen, damit die Ortspolizetbehörde für die weiteren Vor
sichtsmaßregeln sorgen kann. Die gleiche Verpflichtung ist den Truppenteilen auferlegt bei denen Heeresangehörige Privathunde aus dem Felde mitbringen. Die Heeresangehörtgen sollen außerdem von dem Truppenteil darauf hingewiesen werden, daß sie von dem Eintreffen des eingeführten Hundes am Bestimmungsort der Ortspolizetbehörde Anzeige zu erstatten haben. Es wird hiernach ergebenst ersucht, die Ortspoli- zeibehörde mit den nötigen Anweisungen zu versehen. Soweit hiernach die Ortspolizeibehörden Mitteilungen über die Abgabe von Hunden erhalten, ist eine dreimonatliche Beobachtung der Hunde mit der Maßgabet anzuordnen, daß sie während dieser Zeit festgeleg oder mit einem sicheren Maulkorb an der Leine ge führt werden müssen.
gez. Unterschrift.
* * * Hersfeld, den 13. Januar 1819. Wird veröffentlicht.
Die Herrn Bürgermeister ersuche ich, die Bestimmungen vorstehenden Erlasses zu beachten.
Tgb. Nr. I. 221. Der Landrat.
Funke, Kreissekretär.
Bus der Heimat«
§ Hersfeld, 22. Januar. lMetsterkursus) Die Handwerkskammer in Cafsel beabsichtigt, bet genügender Teilnehmerzahl in diesem Winter einen Vorbereitungskursus für die Meisterprüfung hier abzuhalten. Die Gebühr beträgt 20 Mark. Dafür werden die Bücher und Hefte unentgeltlich geliefert. Am Schlüsse des Lehrgangs erhält jeder Teilnehmer, der regelmäßig in den Unterrichtsstunden erschienen ist, eine Bescheinigung von der Kammer. Wir »er« ^^fen aus die Aez-rt^-i^^r. heutigen Nummer.
Vorläufiges Ergebnis der Wahlen zur Nationalversammlung.
Berlin, 22. Januar. Von den bis jetzt als gewählt bekannten 401 Abgeordneten find: 83 Deutsch- nationale, 81 Zentrum, 22 Deutsche Volkspartei, 73 Demokraten, 180 Tozialdemokcateu.sU Unabhängige Sozialdemokraten, 1 Landarbeiter-Demokrat, IBranu- schrveiger, 2 bayrische Bauernbund, 2 Weingärtner und 1 Welse. Es fehlen noch die Kreise Koblenz» Trier und Pfalz.
Berlin, 22. Januar. Die Weimarer National- Versammlung wird etwa 2 Monate dauern — Die Friedensverhandlungen dürften nicht vor Juni be- ginnen. — Durch den Elektrizitätsarbeiterstreik war Berlin nachts im Dunkeln.
Die ANwördens.
Roman von Fr. Lehne.
12) (Nachdruck verboten.)
Als er noch einige Hundert Schritte vorn Schlosse entfernt war, das in seiner weißen, vornehmen Pracht über eine niedrige Mauer aus dem dichten Grün des Parkes zu ihm herübergrützte, sahen seine scharfen Augen an dem kunstvoll geschmiedeten Tor eine hohe Fraueugestalt stehen, neben ihr einen ziemlich großen, schlanken Buben, der sich bemühte, die Tür neben dem Tor zu öffnen.
Eine Ahnung überfiel ihn, wer das fein könnte — beklemmend stieg es in ihm empor: er versetzte dem Gaul einen leichten Schlag und roar in wenigen Sekunden neben den Einlatzsuchenden. Und feine Ahnung hatte ihn nicht getäuscht; es war Maria Wirlber- ger, die gerade eben mit ihrem Sohne den breiten, langen Kiesweg betreten hatte, der in schnurgerader Linie zum Schlosse führte und zu beiden Seiten mit prächtigen, alten Linden bestanden war. —
Sie hatte ihn gesehen; sicher auch erkannt, trotzdem setzte sie, ohne ihn zu beachten, ihren Weg fort.
Seine Augenbrauen zogen sich zusammen; er fühlte das Unausgesprochene, das in diesem Benehmen lag.
„Gnädige Frau!" rief er mit scharfer, verhaltener Stimme, und dann, als sie auf seinen Ruf nicht hörte, noch einmal und so kurz und befehlend, daß sie doch, wenn auch zögernd, stehen blieb und ihn fragend ansah.
„Bitte, hören Sie mich einen Augenblick an
„Ich weiß nicht, was wir uns zu sagen haben! Halten Sie mich nicht auf, ich will zu meinem Manne - dies ist doch der Weg —"
„Gnädige Frau, weshalb wollen Sie sich meinen Worten verschließen," sagte er hastig, „ich meine es gut mit Ihnen und möchte Ihnen -- unangenehmes fern halten — hören Sie mich wenigstens erst an: Sie werden es bereuen, daß Sie mir nicht gefolgt sind —'
Nachdenklich ruhten die großen, ernsten Augen des «Mhen auf ihm — „WaM, willst M yM -*" eine
kurze, befehlende Handbewegung der Mutter ließ ihn aber verstunnnen.
Und unbeirrt ging sie weiter, mit festen, sicheren Schritten, und Rüdiger mußte unwillkürlich den stolzen Gang, die vornehme Haltung Maria Wirlbergers bewundern, die ihren einfachen Lodenmantel wie einen Königsmarrtel trug.
Eilig sprengte Rttdiger jetzt um die Parkmauer herum, nach dem WirtscWftshvf, warf dem herbeieilenden Reitknecht die Zügel zu und sprang aus dem Sattel., Mit großen, hastigen Schritten durchquerte er den Hm und traf gerade im Vestibül mit Maria Wirl- berger zusammen, als sie einem sie erstaunt und geringschätzig musternden Diener die Weisung gab, sie dem Grafen Allwörden zu melden — • - „dem Grafen Otto- kar Allwörden", sagte sie mit erhobener Stimme, auf die Frage des Gallonierten, welchen der Herren Grafen und m - ~ "wen - das ist ja vorläufig gleichgültig ' mit einem süffisanten Lächeln auf dem glattrasierten Gesicht entfernte sich der Diener — ja ungefähr zusammenreimen, wer die ;
ng -- um einem mmmmen Lächeln aus dem glattrasierten Gesicht entfernte sich der Diener - er konnte sich ja ungefähr zusammenreimen, wer die Frau war und was für ein Skandal nun folgen würde; er war nicht so ganz uneingeweiht!
Tief aufatmend stand Frau Maria da die Hand -es Knaben fest in der ihrigen haltend. Sie heftete die großen leuchtenden Augen fest auf Rüdigers Gesicht.
„Nun bitt ich doch da, Graf Allwörden!" sagte sie triurnphieren-, „nun bin ich da — und bleibe auch da."
Er erwiderte nichts darauf: er wartete gleich ihr auf den Bescheid des Dieners, der jetzt zurückkam und mit seinem undurchdringlichen Gesicht erklärte — „der Herr Graf bedauere, aber er sei momentan beschäftigt."
Rüdiger biß sich auf die Lippen. Maria wurde feuerrot; sie öffnete den Mund zu einer heftigen Erwiderung. Doch da faßte er nad) ihrer Hand, nahm ihr den triefenden Regenschirm ab, den er dem Diener übergab, und machte dann selbst die Tür zu dem Empfangssaal auf.
„ES ist ein Irrtum, gnädige Frau, treten Sie einst« MiM &m Ich werde meinen Bruder selbst benachrich-
tigern der ja keine Ahnung hat, daß Sie es sind, die i-v sprechen wollen---"
Ottokar stand vor der Staffelei und pinselte mit ne»
und den Zwes fragte sie nach»
vöser Hast an Lellas Bildnis. Sein Gesicht war start gerötet, und zwischen seinen Augenbrauen war eine lieft Falte. Die Hände zitterten so, omi sie kaum Piusel uni Palette zu halten vermochten. Die Meldung des Di«. ners, daß ihn eine Dame sprechen woWe, hatte ihn ü erregt, — denn das konnte doch nur Maria sein!
Lella lag halb auf dem Diwan, in dein gleichen G«. wand, in der gleichen Stellung wie gestern. Sie beherrschte die Situatiom
„Hat denn die Dame ihren Namen und ' ihres Besuches nicht genannt, JaqueS?" L _________ lässig. „Sie wissen, daß wir anders niemand annehmen?
„Nein, Komtesse," erwiderte Jaques ehrerbietig, „trotz meiner Frage," und fügte bann in vorsichtige« Tone hinzu, „die Dame machte den Eindruck einer Bitt- stellerin; ein Knabe war in ihrer Begleitung."
„Heftig fuhr da Ottokar herum; auf seinem Gesicht brannten dunkle Flecke. Doch Lella schnitt ihm da« Wort ab.
„Sie sehen, der Herr Graf ist beschäftigt. Sagen Sie, er bedaure Heute."
Mit einer tiefen Verbeugung und einem versteckten Lächeln entfernte sich der Diener. Er roußte Besü-cid — das fall ja ein Blinder, wie Konuesse Lella in den Grase» verliebt war!
„Lella, das Surftest Du nicht," sagte Ottokar, „Ge läßt sich doch nicht abweisen!"
„Danrl weiß sie wenigstens, woran sie ist unl schraubt ihre Ansprüche nicht allzu hoch, wenn sie Ne6| daß Du Ernst machst."
Sie sprang auf und reckte ihre schlanken Glieder mtz katzenhafter Geschmeidigkeit. Sie trat dicht an ihn hev, an, legte die Hände auf seine Schultern und fragte, mit einem tiefen Blick ihrer rätselhaften Augen die fein« suchend, „liebst Du mich, Ott?"
In unterdritckter Leidenschaft rief er: „Du weißst» Lella! Frage doch nicht!" Ber-nÄfeV starrte er^Z