SerM-er Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
■mmuiiiim»iiiiiiiiMMii»iiBHNiiiiiMiiiniiiiii»ii»iiiiiiiiiaiiiiiiiHH | Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- • ; zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei : S Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Fränz Funk, Hersfeld. 2
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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
reee«*ieeeeie6«eeeeBeeM»»eeee»eeBei6ee«aB«eeeeaeaeee8eeeiieeeiiei#Bieiweee«««»«8ei Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Fernsprecher Nr. 8.
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(Erstes Blatt)
Freitag, deN IV. Januar
1919
Amtlicher Teil
Anordnung
betreffend Regelung des Fleischverkaufs.
Die Bestimmungen in der Anordnung des Kreis- ausschusses vom 14. Oktober 1916, Kretsblatt No. 247 wonach die gewerblichen Metzgereien zur Führung von Kundenlisten verpflichtet sind, werden hiermit außer Kraft gesetzt.
Der Kreisansschuß: von Grunelius.
* * *
Hersfeld, den 9. Januar 1919.
Wird veröffentlicht!
Infolge der Demobilmachungen werden die im Felde stehenden Metzger demnächst in die Heimat zurückkehren. Sie haben in dem jahrelangen Ringen unsere Heimat mitschützen helfen. Es gebührt ihnen deshalb unser besondere Dank, der ihnen am besten dadurch abgestattet wird, daß ihnen das im Frieden eniyeytu ,ye^^ P^m Umfange wieder entgegen gebracht wird. Bei der Lage unserer Ernährungsverhältnisse bleiben die Schwierigkeiten bei dem geringeren Fleischumsatze für sie immerhin noch recht groß.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses. J. A. No. 11716 11. von Grunelius.
Hersfeld, den 10. Januar 1919.
Der Landwirt Ludwig Mohr 11 in Conrode ist zum Bürgermeister der Gemeinde Conrode gewählt und die Wahl von v'" bestätigt worden.
Der Vor^ende des Kreisausschuffes.
J. A. No. 163II. J. V.:
Funke, Kreissekretär.
Bekanntmachung
über den Absatz von Dörrobst.
Unsere Bekanntmachung über den Absatz von Dörrobst vom 30. September ds. Jahres, veröffentlicht im Deutschen Reichsanzeiger und Preußischen Staats, anzeiger vom 8. Oktober 1918, wird hiermit abgeändert und erhält die folgende Fassung:
Auf Grund des § 2 der Verordnung über die Verarbeitung von Gemüse und Obst vom 23. Januar 1918 (Reichsgesetzbl. S. 46) geben wir hiermit bekannt, daß der Absatz von Dörrobst durch den Erzeuger ebenso wie durch den Handel nicht gestattet ist. Nur wer im Jahre mehr als 20 Doppelzentner Dörrobst nicht gewerbsmäßig herstellt, bleibt von diesem Absatz- verbot unberührt. Doch wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß jeder weitere Absatz von Dörrobst, welches von solchen Herstelleru erworben wurde, unter das obige Verbot fällt und strafbar ist wie jeder Handel mit Dörrobst überhaupt.
Ausgenommen von den vorstehenden Vorschriften ist der Absatz von Dörrobst an Kommunalverbände sowie an die Landesstellen, in Preußen auch an die Provinzial- und Bezirksstellen für Gemüse und Obst.
Als Dörrobst im Sinne d eser Bekanntmachung sind anzusehen, getrocknete Aep.rl, Birnen, Pflaumen und Zwetschen sowie jegliches Torrobst, das getrocknete Früchte dieser Arten enthält.
Unsere Bekanntmachung von 25. Juli 1918 (Reichs- anzeiger 180 vom 1. August 1918) wird hiermit aufgehoben.
Berlin, den 20. Dezember 1918.
gez. Klein. gez Lehmann.
* * *
. Hersf-sd^L^o.Januar 1919.
Wird veröffentlicht. " LNK Wut
30. September 1918 ist im Kreisblatt No. 244 von 1918
veröffentlicht.
Tgb. No. K. G. 69.
Der Landrat. von Grunelius.
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Bekanntmachung
Nr. F. R. 310'12. 18. K. R. A.
Im Auftrage des Reichsamts für die wirtschaftliche Demobilmachung wird folgendes angeordnet:
Artikel 1.
Die Bekanntmachung Nr. M. 10 3, 16, K. R. A., betreffend Höchstpreise für Blei, vom 1. April 1916 tritt außer Kraft.
Artikel 2.
Diese Bekanntmachung tritt am 10. Dezember 1918 in Kraft.
Berlin, den 10. Dezember 1918.
Kriegs-Rohstoff-Abteilung.
Wolffhügel.
* * *
Hersfeld, den 12. Januar 1919.
Wird veröffentlicht.
I. 13637. Der Landrat.
J. V : Funke, Kreissekretär.
Wählt
Bus der Heimat.
):( Hersfeld, 17. Januar. Einen recht stürmischen Verlauf nahm gestern Abend die Versammlung der Deutschnationalen Volkspartei in der Turnhalle. Als der Redner des Abends, Herr Pfarrer Eisenberg aus Marburg, seinen Vortrag über die Grundlagen des künftigen Staatslebens begann, setzte sofort von Anhängern der sozialdemokratischen Seite die beabsichtigte Störung ein. Der Lärm nahm schließlich derart zu, daß der Redner seinen Vortrag abbrechen und die Versammlung geschloffen werden mußte. Der größte Teil der Zuhörer war empört über das Verhalten der gegnerischen Seite, die doch eine Partei vertritt, welche unserm Volke „volle Freiheit" auf allen Gebieten bringen will. Sieht so diese Freiheit aus, daß man einen Redner, der anderer Ueberzeugung ist, einfach gar nicht zu Worte kommen läßt? Nun, dann kann sich das deutsche Volk un- gefähr einen Begriff davon machen, was es von der Zukunft zu erwarten hat, wenn diese Partei im Staate die Mehrheit bekommt. Was würden denn diese Herrn, welche die Redefreiheit gestern Abend wenn die bürgerlichen ar .
sammlungen derartig benehmen würden? Da wird natürlich äußerste Ruhe von allen Anwesenden ver. langt. Man kann sich gar nicht denken, daß ein derartiges Verhalten der Sozialdemokratie, wie sie es gestern Abend zeigte, die Zustimmung ihrer leitenden Stelle finden kann, denn dieses Benehmen ist nur dazu angetan, der Partei zu schaden, aber nicht zu nützen. Eine jede derartige Versammlung, wie die gestrige, ist nur geeignet, bürgerliche Stimmen, welche der Sozialdemokratie zunetgen, wieder abwendig zu machen, und man konnte manche Aeußerung von Versammlungsbesuchern höre», daß ihnen heute Abend die Augen geöffnet worden seien.
Die Allwördens.
Roman von Fr. Lehne.
9) (Nachdruck verboten.)
Die Gräfin begab sich tu das neben dem SpeiseziM- mer befindliche Wohnzimmer, da es ihr dort zu kühl geworden. Die Tür blieb aber offen, so daß umn den Ausblick nach der Terraffe frei hatte, auf der sichOtt^ kar und Lella aufhielten. Das jurme Dtudchen hatte sich in einen Regenuuchang gehüllt,- sie schrmegte sich an ihren Begleiter, der schützend den geöffneten Regenschirm über sie hielt.
„So fleißig, Mama?"
Rüdiger trat zu der Fintier, deren nunurermüde Hände an einem groben, wollenen Strumpfe strickten. Er rollte sich einen bequemen Sessel zu ihr heran und zündete sich mit ihrer Erlaubnis eine Zigarette an.
Die Gräfin, eine strenge, nonnerchafte Erichemung mit schmalem, herbem Gesicht, über dem das blonde, melierte Haar in glattem Scheitel lag, tat einen steten
„Ach, diese unerquickliche Sache mit Ottokar! Wäre sie nur erst aus der Welt geschafft — schon, damit Lella nichts erfährt."
„Du meinst, M6 sie nichts von leiner Ehe weif)? fragte Rüdiger, und warf einen Blick auf die beiden da draußen. ,. „
„Nein, mein Sohn! Woher? Ich have mich ängstlich gehütet, ihr etwas davon zu sagen! Mit ihren neun- zemc Jahren würde sie gar nicht verstehen, was H
„Ach, Mama!" unterbrach Rüdiger sie. ^Halte Lella nicht für gar so kindisch ,wch — - sie ist sehr. lehr — er suchte nach einem paffenden Wort, „fein1 klug —
„Das süße Kind! Was Du denkst, Rüdiger! Würde sie sich da so unbefangen mit Ottokar necken? Sie mit ihrem mimosenhaften Empfinden würde eine Scheu vor ihm haben, würde il)m ausweichen — -"
„Meinst Tu, Mama?" Er wußte « ja besser, doch « schwieg lieber', um feiner »hütet Mcht die Ahnungs- ^'’j^eroH;'^ t» noch das LÄrre Kind. Ottokar
hat ein großes Interesse für sie, und ich bin glücklich, daß es ihr gelungen ist, ihn — seinem Vater zur Freude — dem Leben zurückzugewinnen."
„Nun, nun, Mama, das ist wohl zu viel gesagt! Ottokar war allerdings mit seinen Nerven bedenklich herunter — die ganzen Verhältnisse hatten das ja so mit sich gebracht — aber so schlimm, wie Du sagst, war es doch nicht."
„Schlimm genug, so daß Dein Vater große Sorge um ihn trug! Du kannst ja nicht misten, da Du ihn nur flüchtig gesehen, wie apathisch und abgesturnpft Ottokar gegen alles war — noch, als er aus dem Sanatorium kam! Und da war es Lella, die ihn mit ihrer kindlichen Heiterkeit auftmmterte — wie eine jüngere Schwester war sie zu ihm — ihr endlich gelang es, was wir alle nicht vermocht hatten — Ottokar gewann wieder Interesse — vor allem an seiner Kunst — durch sie wurde er erst zum wahrhaften Künstler — Du kennst ja ihr von ihm gemaltes Porträt- Und legt malt er sie wieder :--niemand aber darf das Bild vor der Vollendung sehen — er verspricht sich etwa» Großes davon! — Und ich, mein Sohn, bin ihr so dankbar - schon um Papas willen, Du weißt, arte sehr er an dem Sohne seiner erstell Frau hängt doch viel meör als an Dir - — leider —! Aber dafür bist Du mein Sohn —" und in Mutterstolz leuchteten ihre Augen auf. Er legte impulsiv seine Lippen auf ihre Hand. Sie streichelte fein kurz geschnittenes Blondhaar, und er suhlte, was in dieser Liebkosung lag, mit denen die kalte, verschlagene Frau so sehr sparsam war- fast, als schäme sie sich jeder weicheren Regung, jeder wärmeren Gefühlsäußerung.
Er wußte, daß die Elle der Eltern rttcht glücklich war; er wußte aber auch, daß die »tutter wohl die größere Schuld daran trug, du sie sich dem lebensfrohen Manne nicht so angepaßt hatte, wie sie es wohl hätte tun müssen. Ihr starres, strenges Wesen hatte ihn nicht die weiche Anuutt feister ersten Frau versteifen lasten, die er tWoärmerifd) geliebt. Und diese Liebe hatte er auch auf jeinen Erstgeborenen übertragen, und deshalb war ihm ^1OB Mall.doppelt nhdLsGnAernd^e-
es zu danken, daß der Bruch nicht zu einem unwiderruflichen gemacht worden war — daß es für Ottokar tu der größten Not doch iwch ein „Zurück" gegeben!
„I ch bin stolz auf Dich, mein Sohn," sagte sie, „gerade fetzt hast Du gezeigt, daß Du der Ahnen Deiner Väter würdig bist - nicht jeder an Deiner Stelle hätte so gehandelt, für den Bruder einen so großen Besitz zu retten —"
„Glaubst Du, Mama, daß ich jemals diesen Bortev angenommen hätte? Ortokar ist der Weiteste — ihr» qekiört das Majomr, und dafür kämpfe ich. Mcht einen Augenblick hatte ich mich glücklich gefühlt, wenn ich feine Stelle hätte ein nehmen sollen — um so mehr, da er der Ehe mit der Wirlberger längst überdrüssig geworden war — denn sonst wär« er ja nicht auf BaterS Bedingungen eingegangen, wäre, nachdem er das Da
zu gut----sollt' ich mir spater Dorwürfe machen lassen oder mit dem eigenen Bruder um den Besitz keuschen und streiten — denn über kurz oder lang wäre dieser Fall eingetreten! Papa? im steterer GefundhestS- zu stand in diesen letzten Monaten gab den willkommenen Anlaß. Klärung in die Sachlage zu bringen — unt mich hatte man dazu auSeriehen, für ihn zu Handel» — - was ich heute bereue" - setzte er nach kurzer Pause hinzu Aus den erstaunten Blick der Mutter nickte er - „ja, Mama! — Es ist doch anders, wenn man hier so gemüip ruhig dte Paragraphen durchblättert und feststem, daß man ganz im Recht ist, so und nicht anders zu handeln und wenn umn dann dieses Recht auch durchsetzen will —" er sprang auf, „ich habe ereifern ein Gefühl der Scham gehabt osS heute noch brennt —*
Die Gräfin begriff den Sohn nicht — „als Du deut mittag Papa und mir Bericht über Deinen Besuch bei jener Frau gäbest, hast Du anders gesprochen — -?
„Aber zwischen Mittag und Abend liegt ein Na«, mittag, an dem man nadtdenten und die Sache auch a anderer Beleuchtung sehen kann."
„Wird mein Sohn gar sentimental?1* (Fortsetzung W»