Hersfelder Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- - zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei ; Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. :
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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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; Der Anzeigenpreis beträgt für die einspMge Zeile 15 Pfennig, im : amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig.
Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Fernsprecher Nr. 8.
Nr. 297
Donnerstag. den 19* Dezember
1918
Amtlicher IeiL
Hersfeld, den 12. Dezember 1918.
Ich weise hiermit ausdrücklich darauf hin, daß der Ankauf von Pferden, Heeresgerät (auch Waffen) und Heeresgut durch die Bewohner von einzelnen Heeresangehörigen verboten ist und daß nur geschlossene Formationen zum regelrechten Verkauf berechtigt sind. Die Einwohner werden vor unrechtmäßigen Ankäufen gewarnt, da es sich um Staatseigentum handelt und sie sich der Hehlerei schuldig machen. Außerdem werden die Pferde usw. zutreffendenfalls beschlagnahmt, ohne daß für den an unberechtigte Verkäufer gezahlten Preis eine schädipung zu erwarten ist. Tgb. Nr. 11. 24. Der Landrat.
Ent-
Funke, Kreissekretär.
Handwerkskammer
Cassel.
Cassel, den 10. Dezember 1918.
Unter Bezugnahme auf den Erlaß des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe vom 19. v. Mts. betr. Vergebung von Aufträgen weisen wir ergebenst darauf hin, daß wir bei dem Verdingungsamt unserer Kammer eine „Sammel- und Vermittlungsstelle für Handwerksanfträge" eingerichtet haben. Dadurch soll erreicht werden, daß die Aufträge möglichst gleichmäßig verteilt werden, daß also nicht ein Teil der Handwerker mit Arbeiten überhäuft wird, während andere leer ausgehen. Wir bitten deshalb alle Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden, die freihändig oder durch öffentliche Ausschreibung Arbeiten und Lieferungen zn vergeben haben, sich hierbei unserer ge- ineinnltgtgen ENrrNyrnng ^ te^enw'—^^ Uebertragung der Arbeiten sollen Kriegsteilnehmer bevorzugt werden, wenn sie die zur fristgemäßen und einwandfreien Ausführung der Arbeiten erforderliche Gewähr bieten.
Um den aus dem Heeresdienst entlassenen Handwerkern bald Arbeit und Verdienst zuwenden zu können, bitten wir alle Behörden, uns so schnell als möglich Aufträge zu erteilen und zwar freihändig zu vereinbarten Preisen, die den jetzigen Zeitverhältnissen entsprechen.
Zu jeder weiteren Auskunft sind wir gern bereit.
i m m e r m a n n, orsitzender.
gez. Unterschrift Syndikus.
Hersfeld, den 14. Dezember 1918.
Vorstehendes bringe ich zur Kenntnis der Herren Ortsvorstände des Kreises, um gegebenenfalls hiernach zu verfahren.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
J. A. No. 11508. von Grunelius.
Bus der Heimat.
* (Därme für die Hausschlachtungen.) Die Nachrichtenabteilung des Reichsernährungsamts schreibt: Aus vielfachen Anfragen geht hervor, daß immer noch die Ansicht verbreitet ist, daß im Deutschen Reiche ein starker Mangel an Därmen bestehe und daß es n ötig sei, auf zum Teil teuere Kunstdärme zurückzugreifen. Demgegenüber sei daraufhingewiesen, daß Därme in beliebiger Menge zur Verfügung stehen. Private haben die Möglichkeit, sich bei den Darmhändlern zu versorgen, den ihrerseits der Bezug durch die Reichsfleischstelle offen steht; Kommfinal- verbände können sich direkt an die Reichsfleischstelle wenden.
* (Weshalb die Zündhölzer soschlecht sind.) Der Verein deutscher Zündholzfabrikanten macht darauf aufmerksam, daß die Zündholzindustrie noch immer unter großen Schwierigkeiten in der Beschaffung ihres Rohmaterials zu leiden hat. Besonders empfindlich ist der Mangel brauchbaren Paraffins, das durch die undefinierbare schwarze Schmiere nicht ersetzt werden kann, die derzeit zur Verfügung steht. Sie dringt in das Holz nicht ein, so daß die Zündköpfe nicht haften und die Klagen über schlechte Qualität kein Ende nehmen. Die Schuld liegt nicht am Fabrikanten, sondern in den Verhältnissen, vor deren Besserung auf ein einwandfreies Fabrikat leider nicht gerechnet werden kann.
* (Beförderungen der zur Entlassung kommenden Mannschaften.) Die vom Feld- und Besatzungsheer zur Entlassung kommenden Mannschaften, die während des Krieges trotz Geeignetheit und Tüchtigkeit aus dienstlichen Gründen zu keinem höheren Dienstgrade befördert werden konnten, dürfen bei ihrem Ausscheiden durch den zuständigen Truppen- vorgesetzten unter Gegenzeichnung des Soldatenrats zum nächsthöheren Dienstgrade überzählig befördert werden. Bet diesen Beförderungen sind unter Beachtung der Anzahl der Kriegsjahre und hervorragen.
der Leistungen in erster Linie die schwerverwundeten, demnächst die nicht mehr wehrpflichtigen und schließlich die Mannschaften der älteren noch dienstpflichtigen Jahrgänge zu berücksichtigen. Bereits zur Entlassung gelangte Mannschaften dürfen nach Anhörung ihres letzten Truppenteils innerhalb der für diesen in Betracht kommenden Prozentzahl durch die zuständigen Bezirkskommandeure unter Gegenzeichnung des Soldatenrats zu überzähligen Dienstgraden befördert werden.
* (Strenge Kälte in Sicht?) Bei dem Kohlenmangel ist eine reichlich unangenehme Ueber- raschung, die uns die Meteorologen bereiten, indem sie strenge Kälte in baldige Aussicht stellen. Im Nordosten Deutschlands trat bereits scharfer Frost ein, der sich bis etwa zur Oder, an der Ostseeküste noch etwas weiter westlich ausgebreitet hat. Memel hatte 14, Königsberg 15 Grad Kälte. Weitere allgemeine Abkühlung und Aufheiterung ist zu erwarten; der Beginn heiteren Strahlungswetters und einer Zeit strengerer Kälte steht augenblicklich unmittelbar bevor.
):( Hersfeld, 18. Dezember. Im Sitzungssaale des Landratsamtes fand heute vormittag eine Sitzung des Kreistages des Kreises Hersfeld statt. Der Vorsitzende des Kreisa- sschusses, Herr Landrat von Grunelius, eröffnete die Tagung, wobei er bemerkte, daß er nach vierjähriger Abwesenheit, die jedoch keine freiwillige gewesen sei, wie man vielfach im Kreise annehme, zum ersten Male wieder die Herrn Kreistagsmitglieder begrüße!' könne. Er schloß mit der Versicherung seine ganze Kraft wieder in den Dienst des Kreises stellen zu wollen und hoffe im Vertrauen auf Gott nach den letzten Ereignissen wieder auf eine bessere Zukunft. Dann gedachte der Herr Landrat in ehrenden Worten der beiden ver
storbenen Kreistagsmitgliedt '«TTTTTHntrijlgte». ____ „ ... _ den ehrten das Andenken der
der Herrn Apotheker
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Erheben von den Sitzen. Hierauf trat die Versammlung in die Tagesordnung ein. Gegen die Wahl der kürzlich neu gewählten Mitglieder des Kreistages waren keine Einsprüche erhoben worden und der Kreistag I erklärte diese Wahlen für gültig. Die Prüfung der Kreiskommunalkassen-Rechnung gab zu keinerlei Beanstandungen Veranlassung, worauf dem Rechnungsführer Entlastung erteilt wurde. Der Ueberschuß aus dem Jahre 1917 wurde dem Fonds zur Bezahlung des Grund und Bodens für die Kreisbahn überwiesen. — Zu der auf die 9. Kriegsanleihe erfolgten Zeichnung von 100 000 Mark erteilte der Kreistag noch seine Zustimmung. — Die nächsten beiden Punkte betrafen Anstellung einer Kreisfürsorgerin und Anstellung eines Kreisjugendpflegers im Hauptamte. Nach eingehender Besprechung kam man zu dem Entschlüsse diese Angelegenheiten einstweilen zurückzustellen. — Von der Anfertigung eines Entwurfes zur Erweiterung des Landratsamtes wurde zunächst Abstand genommen, obwohl übereinstimmend anerkannt wurde, daß eine Vergrößerung dringend nötig sei. Mit Rücksicht auf die derzeitigen ungeklärten Verhältnisse konnte man sich jedoch für ein bestimmtes Projekt noch nichtentscheiden.—Die nebendemLandratsamte liegende alte Gendarmerie-Kaserne sowie zwei vor dem Land- ratsamte befindlichen Parzellen, welche vom Staate zum Kauf angeboten waren, wurden angekauft. Zur Förderung des Wohnungsbaues ist in Hersfeld die Gründung einer gemeinnützigen Baugesellschaft geplant. Der Kreistag beschloß, sich an derselben mit einem Geschäftsanteil von 10000 Mark zu beteiligen. Ebenso wurde der Beitritt des Kreises zu der Siedelungsgesellschaft „Hessische Heimat" mit einem Betrage von 5000 Mark beschlossen. — Für den Kreis Hersfeld ist die Anlage einer Jungviehweide geplant, für welche Gelände am Etsenberg in Aussicht genommen war. Da die Verhandlungen über diesen Platz noch nicht abgeschlossen sind, so bewilligte der Kreistag einstweilen den Betrag von 8000 Mark zur Verfügung des Kreisausschusses, um weitere Schritte in dieser Angelegenheit unternehmen zu können. — Für die Ludendorffspende war ein Betrag von 3000 Mark bewilligt worden, wozu der Kreistag seine Zustimmung erteilte. — Zu den Kosten der Vorarbeiten für den Plan eines Weser-Fulda-Werra-Kanals wurden 2000 Mark bewilligt. Bei der Ausführung dieses Kanals, der Main und Weser verbinden soll, ist ein Stichkanal von Bebra nach Hersfeld mit Weiterführung nach Fulda geplant. — Die Philippstiftung in Jmmen- Hausen plant die Errichtung einer Heilstätte für tuberkulöse Kinder. Da die Kosten hierfür durch Sammlungen und freiwillige Spenden aufgebracht werden müssen, so bewilligte der Kreistag einen Betrag von 1000 Mark. — Der Landwegebau- Voranschlag für das Jahr 1919 beläuft sich auf 32500 Mark und wurde gutgeheißen. — Da es in manchen Gemeinden schwer hält, Bockhalter für die Kreisziegenböcke zu finden, so wurde der Beschluß des Kreistages vom 27. April 1912 dahingehend abgeändert, daß in diesen Fällen den betr. Gemeinden die Bockhaltung selbst überlassen wird. — Der Aufnahme einer Anleihe in Höhe von 500 000
Mark zur Deckung der Zinsen, die für die Anleihen für Kriegsfamilienunterstützung entstanden find, wurde zugestimmt. — Der Punkt betr. Beitritt zum Elektrizitätsverband der den Mainwasserwerken angeschlossenen Kreise mußte von der Tagesordnung abgesetzt werden, da der Vertrag bei dem Kreisausschuß noch nicht eingegangen war. — An Stelle des verstorbenen Kreisausschußmitgliedes Herrn Apotheker Becker wurde Herr Fabrikbesitzer Ludwig Braun gewählt. — An Stelle des Herrn Rentners A. Reinhard aus Unterweisenborn, welcher vorgerückten Alters wegen sein Amt niedergelegt hatte, wurde Herr Bürgermeister Großkurth aus Unterhaun als 2. Kreisdeputierter gewählt. — Eine Neuwahl der bürgerlichen Mitglieder der Ersatzkommission, sowie die Neuwahl von 4 Mitgliedern und Stellvertretern für das Wasserschauamt brauchte nicht vorgenommen zu werden, da die bisher hierfür tätigen Mitglieder noch im Amte verbleiben können. — Die Neuwahl von Schiedsmännern und Stellvertretern für die aus mehrerenGemeindenzusammengesetztenSchiedsmanns- bezirke im Kreise Hersfeld ergab Wiederwahl der seitherigen Schiedsmänner. — Hiermit war die Tagesordnung erledigt und Herr Landrat von Grunelius schloß um 1 Uhr die Sitzung.
§ Hersfeld, 19. Dez. Den Geldhamster ern, die hochwertige Banknoten sammeln und ihren pa- piernen Schatz unter Zinsverlust in der Matratze und an sonstigen raubsicher erscheinenden Plätzen verstauen, wird man voraussichtlich in kurzem in wirksamer Weite das Handwerk legen. Die in England fchon von jeher bekannte Uebung, die Banknoten kurz zu befristen, dürfte der passende Ausweg sein und zugleich eine Kontrolle des Vermögensstandes ermöglichen, indem die Steuerbehörden den Eintausch der Banknoten zum Verfalltermin ausführt und bei dieser Gelegenheit die den Hamsterern sicherlich acat. >-^^^—.^..— ^»irM;*^ ^ bisherigen dem Lande speichert
Stewerang e er ,
man in unsinniger Weife die erklecklichen Einnahmen in Taufendmark-Scheinen auf, sondern auch in den Städten erscheint manches ängstliche Gemüt auf der Bank, um für kleine Scheine einen braunen Lappen zu erlangen, den man im Brustbeutel tragen möchte.
8 Hersfeld, 19. Dez. Die Schwierigkeiten der Arbeitsbeschaffung, Ernährung und Unterbringung gerade in Groß-Berlin veranlassen zu einer dringenden Warnung vor dem Zuzug solcher Personen nach Groß-Berlin, welche hier weder Wohnung noch Arbeit haben. Wenn es nicht gelingt, diesen Zustrom erwerbs- und obdachloser Personen nach Groß-Berlin zu verhindern, muß es hier zu einem allgemeinen Zusammenbruch kommen, der von den schwerwiegeusten Folgen für ganz Deutschland werden könnte.
Caffel, 12. Dezember. Durch einen Lastkraftwagen wurde beim Ueberschreiten des Fahrdamms der Hohenzollernstraße Generalleutnant Berndt angefahren und so schwer verletzt, daß er bald darauf im Krankenhaus vom Roten Kreuz verstarb. Exzellenz Berndt war ein alter, im Krieg und Frieden hochverdienter Offizier, der auf so tragische Weise den Tod gefunden hat.
Witzenhaufen, 18. Dezember. Als gestern abend gegen 10 Uhr der Gastwirt Sommermann von hier sein Lokal abschließen wollte, versuchte ihn ein auf dem nahen Gutshofe Bischoffshausen beschäftigter polnischer Arbeiter mit der Axt zu erschlagen. S. fing glücklicherweise den Streich noch so auf, daß er keine lebensgefährlichen Verletzungen davontrug. Auf Herbeteilen der anderen Hausbewohner ergriff der Täter die Flucht. Dem Gendarmeriewachtmeister Schomberg ist es gelungen, den Flüchtling heute morgen in Hann.-Münden festzunehmen.
Gerstunge», 18. Dezember. Gerstungen hat nicht nur einen Arbeiter- und Soldatenrat, sondern es gehören diesem Rat auch Bauern, Beamte und Gewerbe- treibende an; dadurch ist er ein Bürgerrat geworden, in dem alle Interessentenkreise vertreten sind. Der Bürgerrat befaßte sich in seiner letzten Sitzung auch mit der bisherigen Tätigkeit des Gemeindevorstandes Bürgermeisters Waßmann. Es wurde festgestellt, daß Bürgermeister Waßmann volles Vertrauen genieße.
Holzmiude», 16. Dezember. Eine Ueberrasckung brachten uns hier die Stadtverordnetenwahlen, die nach dem neuen Gemeindewahlrecht erfolgten. Es wurden zehn Bürgerliche und acht Sozialdemokraten gewühlt, obwohl man mit einer sozialdemokratischen Mehrheit sicher gerechnet hatte. Nach dem neuen System waren achtzehn Sitze zu besetzen.
Mühlhansen i. Thür., 17. Dezember. In einer der letzten Nächte wurden aus dem Stalle auf dem Gute Sambach zwei der besten Pferde von etwa 16—17 000 M. Wert entwendet Die Diebesspur soll in unsere Stabs führen.
Unterstützt am Matze die Kleinhändler «. Gewerbetreibenden!