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Hersfelder Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

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. Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- AmEch§V ÄMEMHk ! Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im ;

§ zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei - , f : amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. 3

» Hersfeld. Für die Schristleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. sur oen nrecs Hersfeto Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprecher Nr. 8.

Nr» 890 Mittwoch, den 11. Dezember 1918

Änlicher Teil

Derabsvlgung von Entlassungsanzügen nur durch die Militärbehörden.

Nachdem das Preußische Kriegsministerium durch Bekanntmachung vom 15. November 1918 angeordnet hat, daß jedem am 9. November 1918 und später aus dem Heeresdienst ordnungsmäßig ausscheidenden Unteroffizier und Mann unentgeltlich ein Entlassnngs- anzng (soweit der Vorrat reicht Zivil, sonst Uniform) verabfolgt werden soll, hat sich die Bekanntmachung der Reichsbekleidungsstelle betr. Versorgung der bedürftigen entlassenen Krieger mit bürgerlichen An­zügen und Mänteln vom 19. Oktober 1918 erledigt und wird hiermit aufgehoben.

Diese Versorgung mit Entlassungsanzügen erfolgt demnach nicht mehr durch die Reichsbekleidungsstelle und die bisher von ihr hiermit beauftragten Kom­munalverbände, sondern durch die Ersatztruppenteile, die die Entlassung vornehmen.

Berlin, den 18. November 1918.

Reichsbekleidungsstelle.

* * *

Hersfeld, den 4. Dezember 1918.

Wird veröffentlicht.

Tgb. Nr. h 12780 Der Landrat.

Funke /Kreissekretär.

Hersfeld, den 29. November 1918.

Vom 16. Dezember bis 18. Januar findet im Schlachthaus zu Hersfeld unter Leitung des Herrn Tierarztes Friedrich ein Kursus in der Trichinen- und Fleischbeschau statt. Dieses hrin^- ., ^><- «g°.r^^ MMMllZ-Mit dem Bemerken, N^KriWsbeschäd bei der Anstellung als Fleischbeschauer in erster Linie

berücksichtigt werden. Tgb. Nr. I. 12855.

Der Lanörat.

Funke, Kreissekretär.

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Bus der Heimat.

* (Ga st wirtswäsche nicht mehr b e - schlagnahmt.) Die Wäsche in Gastwirts- und ähnlichen Betrieben sowie in Wäscheverleihgeschäften war bisher auf Grund der Bekanntmachung der Reichsbekleidungsstelle vorn 25. August 1917 beschlag­nahmt. Diese Beschlagnahme ist nunmehr durch die Bekanntmachung derReichsbekleidungsstelle aufgehoben worden. Die Besitzer solcher Wüsche können sie da­nach wieder beliebig in ihrem Betriebe verwenden oder verarbeiten. Die Veräußerung dagegen ist nur ohne Gewinn und nur an Wieberverkäufer, nicht aber an Verrbaucher gestattet. Das Tischdeck- und Mund- tuchverbot mußte zunächst noch aufrecht erhalten bleiben.

):( Hersfeld, 11. Dezember. An unsere Post- bezieh er! In letzter Zeit rnehren sich die Be­schwerden über unregelmäßige Zustellung unseres Blattes durch die Post. Bei den jetzt bestehenden Verkehrsverhältnissen läßt sich nun leider nichts daran ändern, es muß ein jeder Geduld haben, da die Bahn durch die Demobilmachung überlastet ist. Die Ver­sendung unseres Blattes erfolgt regelmäßig jeden Tag, so daß uns ein Verschulde»» bei der un­regelmäßigen Zustellung nicht treffen kann. Wir bitten unsere auswärtigen Leser deshalb um Nachsicht.

-r- Hersfeld, 11. Dezember. <D i r e k t o r H a l l en­de r g e r f). Am gestrigen Nachmittag starb plötzlich infolge eines Schlaganfalles Herr Direktor Hallen- berger. Ein arbeitsreiches und gesegnetes Leben hat damit seinen Abschluß gefunden. In» Hauptamt bis zum Jahre 1914, 38 Jahre hindurch, Lehrer an bey hiesiger» Bürgerschule, wirkte der Verstorbene im Neben­amt an der ehemaligen Kapitulanten-, der früheren Privat- Mädchen- und der gewerblichen Fortbildungs­schule. Daneben war er ehrenamtlich als Waisenrat und Mitglied des engeren Presbyteriums tätig und führte seit einer Reihe von Jahren den Vorsi^ int Verband der Lehrer und Freunde des FortbildungS- schulwesens im Regierungsbezirk Eassel. Nachdem sein vorgerücktes Alter ihn zur Aufgabe seines Hauptamtes gezwungen, widmete er sich ganz der hiesigen gewerblichen Fortbildungsschule. Unter seiner Leitung hat die Anstalt einen bedeuten­den Aufschwung genommen. Nach amtlichem Urteil zählt sie zu den bestgeleiteten der Provinz. Der Ber- storbene lebte ganz seiner Schule. Nur ihr Bestes wollte er; ihr galt die Arbeit seines letzter» Lebens- tages, und aürh seine allerletzte Handlung geschah im Dienste seiner Schule. Möge sein Andenken ein ge- segnetes bleiben.

WTB Gaffel, 10. Dezember. (Fernsprechmeldung). Der Arbeiter- nnb Soldatenrat Eassel hat bem Reichs­kanzler Ebert eine dringende Vorstellung überreicht,

in der er darlegt, daß der Termin zu den Wahlen der Nationalversammlung unter allen Umständen bedeutend früher als auf den 16. Februar gelegt werden müsse und hat den ersten Sonntag im Januar als spätesten Wahltermin vorgeschlagen. Begründend wird ausgeführt, es stehe fest, daß die Entente nur mit einer vom Volkswillen legitimierten Regierung über den Frieden verhandle. Diese Regierung könne aber nur von der Nationalversammlung gewählt werden. In den nächsten Tagen komme'Wilson nach Europa. Es sei anzunehmen, daß er sich ernstlich bemühen werde,einen seine,n Programm entsprechenden Frieden zum Abschluß zu bringen. Im deutschen Volksinteresse müßten Wilsons Absichten dadurch gefördert werden, daß wir noch während seiner An­wesenheit auf europäischem Boden eine Regierung schaffen, hinter der die Mehrheit des deutschen Volks­

willens ganz zweifellos stehe. Nachdem dann in der Eingabe noch die innerpolitischen Gründe dargelegt sind, die die schnellste Einberufung der National­versammlung angezeigt erscheinen lassen, wird die wahltechnische Seite behandelt, auf Scheidemanns bekannten Vorschlag eines vereinfachten Wahlver­fahrens hingewiesen und schließlich ausgeführt, daß man äußersten Falls Deutschland als einen einzigen Wahlkreis betrachten und in^ihm nach Parteilisten wählen müßte. Jeder Wähler "ebe dann seine Stimme für seine Partei ab und b

verteile die auf sie

entfallenden Mandate gemä^ , Casseler Delegierten zu der am nächsten Montag in Berlin zusammentretenden Konferenz der Arbeiter- und Soldaten-Räte Deutschlands werden in Gemein­schaft mit Delegierten aus einer Reihe anderer Großstädte einen entschiedenen Vorstoß in der ange- deuteten Richtung unternehmen.

hren Beschlüssen. Die

Allendorf (Dillkreis), 8. " ez. Ein schwerer Krast- mnaenitnfAn wM«««

Arbeiterinnen der ®efdw1^a^ri^8^^

Lastautos verlor die Gewalt über das Fahrzeug. Dies stürzte an einer Kurve mit dem Anhängewagen um und ein nachfolgendes Personenauto fuhr in den Trümmerhaufen hinein. Ein Soldat und eine Arbeiterin waren sofort tot, ein Soldat und eine Arbeiterin starben bald daraus, zehn weitere Personen wurden verletzt.

Bad Wildnngen, 8. Dezember. Etwa 40000 Mark sind dem hiesigen Ersatzbataillon des Jnfanterie- regiments Nr. 136 gestohlen worden in einem Koffer, der sich auf einem der Wagen des Bataillons befand.

Wabern, 7. Dez. Durch einen Kriegsgefangenen- streik war der Betrieb unserer Zuckerfabrik vorüber­gehend stillgelegt, bis andere Gefangene an§ Nieder- zwehren alsStreikbrecher" eintrafen.

Göttingen, 6. Dezember. Der hiesige Ilniversitäts- professor Geh. Justizrat Dr. Alexander Leist ist aus Schmerz über die Niederlage des Vaterlandes freiwillig aus bem Leben geschieden. Er warf sich auf dem Hauptbahnhof vor einen einfahrenden Zug und wurde auf der Stelle getötet.

Weimar, 6. Dezember. Infolge der Kohlennot ist die Polizeistunde für alle Gast- und Schankwirt- schaften mit Ausnahme der Sonnabende, Sonn- und Festtage auf 9 Uhr abends festgesetzt worden.

Dnderstadt, 7. Dez. Die alten Farben von 1848 (schwarz-rvt-golö) sind auf unserm Rathaus nach Be­seitigung der roten Fahne gehißt worden.

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Tann a. Rhön, 6. Dez. Bor» Freifrau Berta o. d. Tann-Rathsamhausen wurde ein Kapital von 50 000 Mark zur Beihilfe bei Errichtung von Kriegerheim- stätten in Tann gestiftet.

Aus der Rhön, 7. Dezember. In den Schwarzen Bergen der Rhön kam es zwischen den bewaffneten Zigeunern, die in den Rhönorten von den Bauern allerlei Nahrungsmittel erpreßten, und Gendarmen zu blutigen Zusammenstößen. Die Gendarmen zogen sich vor der Uebermacht zurück und riefen den Soldaten­rat in Kissingen um Hilfe #n. Dieser entsandte eine 15 Mann starke Abteilung mit Maschinengewehren, die die 38 Köpfe starke Bande festnahm.

Höchst a. M., 6. Dez. Der Arbeiter- und Soldaten- rat in den Farbwerken hat bedeutende Mengen Lebensmittel mit Beschlag belegt, u. a. in den Mayer- schen Kühlhallen zu Frankfurt 56 000 Kilo Schweine­fleisch, in den Werken selbst 98000 Dosen Konserven. Mit dem Fletsch soll dieKreiswurst" verbessert werden. Auch mehrere Hundert Hämmel im Gefrier, zustande, erhebliche Borräte von Hülsenfrüchten, Mehl u. v. a. m. verfielen der Beschlagnahme.

Sachsenhansen (Waldeck), 5. Dezember. Etwa 10° Zentner guter Aepfel sind dieser Tage in Bergheim - Giflitz und hier beschlagnahmt worden, die in die Hände des Schleichhandels gekommen waren.

Senil im Gefchiistsleben?

Der Ausschuß für bürgerliche Berufsstände in Frankfurt a./M. wurde bereits am ersten Tage seines Bestehens von zahlreichen Geschäftsleuten aller Branchen in Frankfurt a^Ut. und aus der Umgegend aufgesucht, die übereinstimmend lebhafte Klage führten, daß in der Abwickelung der Geschäfte eine panikartige Störung eingetreten ist, die in ihrem Umfang die be­kannten Vorgänge bei Beginn des Krieges im August 1914 um ein Vielfaches übertrifft. Unter den Ein­wirkungen der Revolution, der unübersichtlichen Lage, »velche die Waffenstillstandsbedingungen vor allem im Westen der Reiches geschaffen haben, weiterhin durch die einschneidenden Verkehrsstörungen und die gegen­wärtige Unterbrechung jeglicher Verbindung mit den linksrheinischen Gebieten hat viele Kaufleute eine Nervosität befallen, die durch die momentane Kauf­unlust des Publikums direkt gefahrdrohend gesteigert wird. Fabrikanten und Großhändler haben heftige Kämpfe mit ihren Abnehmern auszufechten, die sich entschieden weigern, die bestellten Waren abzunehmen. Teilweise werden diese Annullierungen garnicht be­gründet, oft aber kommt übereinstimmend zum Aus­druck, daß die Unsicherheit der Geschäftslage einen weiteren Einkauf von Waren verbiete und deshalb mit Rücksicht auf langjährige Geschäftsverbindung die Freigabe von der Verpflichtung zur Abnahme gefordert werben müsse. Die Zustände, die sich aus einemsolchen Vorgehen ergeben, sind ohne weiteres klar: kein Industrieller tt. Gewerbetreibender kann sein Geschäft

Wirkungen auf dem Arbeitsmarkt treten ein, die be­sonders jetzt inder Demobilmachungszeit zu schwersten Bedenken herausfordern.

Es gibt eine gewisse Käufermoral, die man jetzt allen Teilnehmern an Industrie und Handel ins Gewissen rufen sollte. Wohin führt es, wenn jeder­mann seine eingegangenen Verpflichtungen als hin­fällig erklärt und dem Beauftragter» in gewissenloser Weise zumutet sich mit dieser Tatsache schlecht und recht abzufinden. Es soll an dieser Stelle garnicht davor» gesprochen werden,welche rechtlichen Folgerungen daraus entstehen können: verderblich für das gesamte Volkswohl ist aber eine Handlungsweise, die im Zeitpunkt der höchsten Gefahr des Vaterlandes privat­wirtschaftlichen Eigennutz ohne Rücksicht auf die daraus entstehender» Folgen in den Mittelpunkt der Er­wägungen rückt.

Es soll nicht verkannt werden, daß die Absatzmöglich­keiten der Waren, gleichviel welcher Art, in den letzten Tagen recht schwierig geworben sind. Durch die Ein­stellung der Kriegsindustrie sind viele Kreise ihrer lohnender» Beschäftigung beraubt worben; das Auf- hören des Vaterländischen Hilfsdienstes macht sich ebenfalls in der Erwerbsmöglichkeit breiter Volts­kreise bemerkbar, dazu kommen die Ueberangebote auf bem Arbeitsmarkt, die leider auch schon lohndrückend wirken, ferner die eingangs geschilderten äußeren Umstände verkehrstechnischer Art, welche die Großstädte von der einkaufenden Landbevölkerung abgeschlossen haben. $n vielen Käuferkreisen ist man aber auch des Glaubens, daß die Preise der Waren durch einen baldigen Friedensschluß rapid zurückgehen könnten, eine Vermutung, die von jedem Kenner unserer überaus prekären Rohstofflage unbedingt widerlegt werben kann. Alle diese Tatsache»» sind aber schließlich mehr ober minder Augenblickserscheinungen und dürften besonders bei gutgeregelten Demobilmachungs- verhältnissen rasch aus der Welt zu schaffen sein.

ES kann daher nicht dringend genug ge­warnt werden, die jetzige Lage zum Maßstab für weitgehende geschäftliche Vorbereitungen zu machen. Ein Wetterarbeiter» nach dieser Richtung müßte un­widerruflich zu einer katastrophalen Auflösung in unserem Wirtschaftsleben führen und vielleicht sogar zu einer ungerechtfertigten Waren-Entwertung, mit der keinem ernsthaften Volksgenossen gedient fein kaun. Selbst die Unsicherheit im Zahlungsverkehr, (auch hier wieder besonders in den linksrheinischen Gebieten) ka»»»» nicht von langer Dauer sein. Schließlich ist trotz aller Erschütterungen unseres deutschen Wirtschafts­gebäudes soviel Drill und Zusammengehörigkeits­gefühl vorhanden, daß auch diese neueste Panik ohne dauernder» Schaden überwunden werben kann. Es heißt aber Aufklärung schaffe»» u. rigoros jede Anforde- rung zurUckweisen, »velche darauf abzielt, ein rechts­gültiges Kaufabkommen zu annullieren. Nachgiebigkeit ist Schaden für die Allgemeinheit; jeder Kaufmann und Gewerbetreibende hat es heute in der Hand, auch er­zieherisch auf diejenige»» Kreise zu wirken, die eben glauben, daß sie aus rücksichtslosen» Egoismus heraus alles fordern können, um ihr Schäfchen inS Trockene zu bringen.

R. Baum.