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Hersfelder Kreisblatt

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Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- j zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei : Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. iciiiMiiiiiiiuiiiiiHiRMMiiiiii BBBNaawaaaaaeaaBaaaBBaBasaavHBBBBaaaeaBOflaBBaaaaBS

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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3 Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im : amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig.

Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprecher Nr. 8.

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Nr. 278 , Mittwoch, den 27. November

1918

Bekanntmachung.

Dke Einwohnerschaft von Hersfeld wird aufgefordert, unverzüglich die Fahnen herauszuhängen. In Frage kommen rote Fahnen, schwarz-weiß-rote und die alten hessischen Fahnen.

Das Büro des Arbeiter-, Soldaten- und Bauern­rats Hersfeld befindet sich Stift Nr. 12. Telephon­anschluß erfolgt in den nächsten Tagen. Bürozeit von 91 Uhr vormittags, 37 Uhr nachmittags.

Es wird dringend ersucht, die unzähligen Be­suche in den Privatwohnnngen der Mitglieder des A., S.- und B-Rats einzustellen. Die freie Zeit derselben ist so kurz bemessen, daß für private Auskünfte keine Zeit übrig bleibt.

Arbeiter-, Soldaten- u Bauernrat Bersfeld.

P. L i st.

An die Einwohner von tzerrseldl

Zur Frage der Beleuchtung und Heizung!

Neben der Nahrungsmittelfrage spielt die Be­leuchtung und die Heizung nicht nur in unseren Wohnungen, sondern auch in unseren Werkstätten und Fabrikräumen eine Hauptrolle, ja sie geht parallel mit ihr und bedrückt unser deutsches Volk nicht minder schwer als jene.

Geradezu ungeheuer sind die Schwier gkeiten, die sich der Kohlenversorgung entgegenstemmen. Jrgend- ~*O<c*äyt «WwüCjlÄtoCSi# ^H-MHHt«! si»id - v^ .- »^

vorhanden, so daß man auf die laufenden Zufuhren angewiesen ist, und diese sind durch den unglücklichen Ausgang des Krieges immer mehr in Frage gestellt.

Ist schon durch die lange Kriegsdauer ungeheuer viel rollendes Transportmaterial unbrauchbar ge- geworöeu, so wird aber die Transportfrage immer schwieriger, ja geradezu trostlos durch die ungeheuren Transporte von der Front und durch die schmachvollen Waffenstillstandsbebingungen, die uns unsere Gegner auferlegt haben.

Nach einer Statistik aus dem Jahre 1915 hatten wir in Deutschland 82 272 Lokomotiven, 49 372 Gepäck­wagen , 228 538 offene Güterwagen, 496 507 gedeckte Güterwagen, insgesamt also 774417 Wagen. Die jährliche Produktion betrug 1000 Lokomotiven und 32000 Güterwagen. Das sind immerhin Zahlen, die zur Verzweiflung nicht berechtigen. Unser Optimismus wird allerdings sofort gedämpft, wenn man bedenkt, daß davon 5000 Lokomotiven und 150 000 Güterwagen an den Feind abgegeben werden müssen, daß wir im Osten bereits bedeutendes Eisenbahnmaterial verloren haben, und wenn man last not least die bereits er­wähnte chronische, mangelhafte Beschaffenheit unserer Eisenbahn-Transportmittel in Betracht zieht.

Tiefbedauerlicherweise tauchen auch wieder Ge­rüchte von Streikunruhen in den Bergwerksdistrikten so in Schlesien - auf. Hoffen wir, daß die Wunsche dieser Arbeiterschichten in aller Ruhe erfüllt werden und damit das deutsche Volk vor einer Katastrophe

behütet wird.

Unsere Mitbürger ersehen aus alleöem, daß sich Schwierigkeiten in allen Ecken und Enden auftürmen, die das Wohl und Wehe des deutschen Volkes schwer bedrohen und daß es der Mitwirkung auch jedes einzelnen Volksglteöes bedarf, um diese ungeheuren Lasten zu tragen und zu überwinden.

Wenn nun in diesen Tagen von den städtischen Behörden die Aufforderung zu größerer Sparsamkeit in Beleuchtung an sie ergehen wird, bann schlage sie diese nicht einfach in den Wind und wurstele unbe­achtet aller Mahnungen so weiter wie bisher, sondern sorge jeder einzelne dafür, daß diese Aufforderungen be­herzigt werden und den nötigen Erfolg zeitigen. Und es läßt sich tatsächlich noch recht viel sparen, wenn man sich nur den ganzen Ernst der Notlage, in der wir uns befinden, vor Augen hält.

In mancher Wohnung hauptsächlich in denen der bessersituierten Kreise kann bedeutend weniger Licht verbraucht werden, wenn etwas Einsicht und guter Wille obwaltet. Denken wir an die Hundert­tausende elender Hütten, wo weder Gas- noch Elektrisch-, weder Petroleum- noch Kerzenlicht vor­handen ist, und doch gelebt werden muß. Denken wir an unsere heldenmütigen Brüder im Waffenrock die die langen Kriegsjahre sich mit den kümmerlichsten Beleuchtungsmitteln in ihren Unterständen und Schützengräben beholsen haben, ungeachtet der furcht­baren Leiden, die dabei erduldet warben.

Ganz besonders möge auch die Einwohnerschaft darauf achten, daß alle Einkäufe, für welchen Bedarf es auch sei, am Tage erledigt werden, damit die Kauf- läden so zeitig geschlossen werden können, wie nur möglich, um lauch dadurch eine Menge Beleuchtung au ersparen.

Auch die elektrische Beleuchtung muß gespart werden, da bei größerem Bedarf die Leistung der Wasserturbine nicht ausreicht und der Mehrverbrauch durch Kohlen kraft hergestellt werden muß.

Mitbürger! Beherzigt diese Worte, spart an allen Ecken. Die Not ist groß bezüglich der Kohlenbeschaff- ung und leider noch lange keine Aussicht auf Besserung. Achte jeder einzelne darauf, daß die Mahnungen der Behörden befolgt werden und so werden wir auch über diese Klippen hinwegkommen.

Arbeiter-, Soldaten- und Bauern-Rat Hersfeld.

P. List.

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 21. November 1918.

Alle Hausschlachtungsgenehmigungen für die Einwohnerschaft Hersfeld's werden in Zukunft direkt der Schlachthofsverwaltung hier zugesandt, mit Aus­nahme der Bewohner des Stadtteils Kalkobes, denen die Genehmigung durch die Post zugestellt wird.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

I. A. Nr. 10787. I. V.:

v. Heö emann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 18. November 1918.

Für das neue Wirtschaftsjahr sind folgende Klein­handelshöchstpreise für Teigwaren von der Reichsnähr- mittelstelle festgesetzt:

Teigwaren aus SOMgen Mehl.

1 Pfund Röhren 70 Pfennig

Röhrenbruch 66 Andere Teigwaren 66 Tei^w^'--.2^§Äl!^^^^' 1 Pfund Röhren 90 Pfennig Röhrenbruch 86 Andere Teigwaren 88 Tgb. No. K. G. 4663. Der Landrat.

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Verordnung

über den Bandei mit Gemüieiämereien.

Vom 19. Oktober 1918.

Auf Grund der Verordnung über Kriegsmaß- nahmen zur Sicherung der Volksernährung vom 22. Mai 1916 (Reichs-Gesetzbl. S. 401)

18. August 1917 Reichs-Gesetzbl. S. 823) ordnet:

§ 1.

Die Verordnung über Handel mit Sämereien vom 15. November 1916 (Reichs-Gesetzbl. S. 1277) wird auf den Handel mit Gemüsesämereien aller Art ein­schließlich Kohlrübensamen mit der Maßgabe ausge­dehnt, daß Inhaber von Kleinhandelsgeschäften, die Gemüsesämereien ausschließlich im Kleinverkauf an Verbraucher absetzen (§ 1 Abs. 2 Nr. 3 der Verordnung über den Handel mit Gemüsesämereien) der Erlaubnis zum Betriebe dieses Handels nur dann nicht bedürfen, wenn der Absatz in Mengen von nicht mehr als 250 Gramm erfolgt.

Die Vorschrift im Abs. 1 gilt nicht für den Handel mit Saatgutvon Hülsenfrüchten,daszumGemüseanbau bestimmt ist (Gemüsesaatgut). Insoweit verbleibt es bei den dafür geltenden besonderen Vorschriften.

§ 2.

Diese Verordnung tritt mit dem 1. November 1918 in Kraft.

Personen, die bei Inkrafttreten dieser Verordnung bereits Handel mit Gemüsesämereien treiben, dürfen ihren Handel bis zum 1. Dezember 1918 und, wenn sie bis zu diesem Tage den Antrag aus Erteilung der Erlaubnis gestellt haben, bis zur Entscheidung über den Antrag ohne. Erlaubnis fortführen.

Berlin, den 19. Oktober 1918.

Der Staatssekretär des Kriegsernährungsamts. gez. von W a l d o rv»

Hersfeld, den 18. November 1918.

Wird veröffentlicht.

Der Landrat.

Tbl. I. 12316. J. V.

Funke, Kreissekretär.

Bekanntmachung

betreffend die Außerkurssetzung der Fünfundzwanzig- pfennigstücke ans Nickel. ,

Vom 1. August 1918.

Der Bundesrat hat auf Grund des § 14 Nr. 1 des Münzgesetzes vom 1. Juni 1909 (Reichsgesetzblatt S. 507) und des § 8 des Gesetzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen usw. vom 4. August 1914 (N. G. Bl. S. 827) folgende Ver­ordnung erlassen:

§ 1.

Die Fünfundzwanzigpfennigstücke aus Nickel sind einzuziehen. Sie gelten vom 1. Oktober 1918 ab nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel. Von diesem Zeitpunkte ab ist außer den mit der Einlösung be­auftragten Kassen niemand verpflichtet, diese Münzen in Zahlung zu nehmen.

§ 2.

Bis zum 1. Januar 1919 werden Fünfundzwanzig- pfennigstücke aus Nickel bei den Reichs- und Landes­kassen zu ihrem gesetzlichen Werte sowohl in Zahlung genommen als auch gegen Reichsbanknoten, Reichs­kassenscheine oder Darlehnskassenscheine und bei Be­trägen unter einer Mark gegen Bargeld umgetauscht.

§ 3.

Die Verpflichtung zur Annahme und zum Um­tausch (§ 2) findet auf durchlöcherte und anders als durch den gewöhnlichen Umlauf im Gewichte ver­ringerte sowie auf verfälschte Münzstücke keine An­wendung.

Berlin, den 1. August 1918.

Der Reichskanzler Im Auftrage, gez. Iahn.

Bus der Heimat.

* (Entlassungsanzüge.) Die Versorgung der aus dem Heeresdienst ausscheidenden Unteroffiziere und Mannschaften mit Entlassungsanzügen erfolgt durch die Ersatztruppenteile, die die Entlassung vor­nehmen, und nicht durch die Reichsbekleidungsstelle und die bisher von ihr beauftragten Kommunalbe- Hörden.

* (Der Zucker.) Es ist das Gerücht verbreitet, daß noch immer Lebensmittel, insbesondere Zucker, für SprengstoffzweckeUera.iinrr. Tüermrr- -^ Gerücht ist unzutreffend. Das Kriegsernährungsamt hat auch die Zurückgabe etwaiger Bestände von Zucker, die für solche Zwecke zugewiesen waren, bereits un­geordnet.

§ Hersfeld, 27. November. Im Hinblick auf die Schwierigkeiten, die im Paketbeförderungsdienst durch den Mangel an Eisenbahnwagen bestehen, wird die Annahme von gewöhnlichen Paketen mit Ausnahme der von Behörden aufgelieferten Pakete, dringender Pakete und Pakete mit Zeitungen und Matrizen für 2 Tage den 28. und 29. Novbr. bei dem hiesigen Postamt eingestellt.

):( Hersfeld, 27. November. Bei den am Montag und Dienstag stattgefundenen Ersatz- und Er­gänzungswahlen zum Kreistage wurden im Verbände der Großgrundbesitzer die Herren Fabrikant Georg Braun, Kaufmann Lorenz Mohr, Brauereibesitzer Heinrich Engelhardt sämtlich in Hers­feld, sowie * Herr Bergwerksdirektor Willing in Heringen wiedergewählt. Im Verbände der Land- gemeinöenwurdendieHerrenBürgermeisterGroßkurth- Unterhaun und Bürgermeister Klotzbach-Reckerrode wiedergewählt. Für Herrn Bürgermeister Jffland- Mecklar wurde Herr Gutsbesitzer Hoßbach-Hof Wetsen- born, für Herrn Gutsbesitzer Aug. Reinhard-Unter­weisenborn Herr Gutsbesitzer Otto Reinhard-Landers­hausen, sowie für den verstorb. Herrn Dr. Scheffer-Hof Engelbach Herr Bürgermeister Schuchard-Niederaula gewählt.

Caffel, 27. November. Eine Versammlung dienst­freier Post-, Telegraphen- und Fernsprechbeamten und -Arbeiter, Männer und Frauen, begrüßte die unein­geschränkte Koalitionsfreiheit für alle Staatsarbeiter und Beamten und beschloß, für den Verkehr mit den Arbeiter- und Soldatenräten einen Post-Beamten- und Arbeiter-Rat für den Ober-Postdirektionsbezirk Caffel mit seinen rund 4000 Post-, Telegraphen- und Fern­sprechbeamten zu wählen, der auch bei den Postbe- hördeu Wünsche und Beschwerden der Beamten und Arbeiter vertreten wird. Der aus 14 Beamten und Arbeitern bestehende Rat hat seine Tätigkeit ausge­nommen.

Hau« -Münde», 22. November. Im vergangenen Winter war in die Villa des Bildhauers Prof. Eber- lein npd in mehrere hiesige Geschäfte eingebrochen worden. Als Täter wurde ein hier bekannter Gym­nasiast, Sohn eines auswärtigen Professors ermittelt, der jetzt von der Göttinger Strafkammer ein Jahr Gefängnis erhalten hat.

Schmalkalden, 22. November. Die ganze Familie des Packers Karl Thonwart in Floh lag an Grippe darnieder. Drei Töchter sind an der Krankheit ge­storben. ,

Neukirchen, 22. Nov. Welch unsinnige Preise heute noch gezahlt werden, und mit welch wucherischer Ge­lassenheit man sie entgegennimmt, geht daraus hervor, daß ein hiesiger Einwohner für eine Gans 160 Mark bezahlt hekommen hat. .

Frankfurt a. M., 22. November. Die Schutzleute heißen künftig Wachtleute nach Anordnung des Poli­zeipräsidenten.