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Hersfelder Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

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Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- i zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei | Hersfeld. Für die Schristleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld, s ICB8BBMBBB8BSB8BBBBBSBaBS8MMBBB8f »»«»»»a»»»«»«»»»«»»»»»S»«>»»»»»»»«00»«»0»»8

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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; Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im : amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig.

Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprecher Nr. 8.

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Nr 276

Montag, den 25, November

1918

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 18. November 1918.

Die Herrn Bürgermeister und Gutsvorsteher, so-' weit sie noch nicht berichtet haben, werden an die schleunige Erledigung meiner Verfügung vom 28. Okt. d. J. Tgb. K. G. Nr. 4341 betreffend Bericht über Unterverteilung der aufgegebenen Mindestablieferung an Brotgetreide hiermit erinnert.

Tgb. No. K. G. 4694. Der Landrat.

I. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 13. November 1918. An sämtliche Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises.

In den nächsten Tagen kommen die für die Vieh- bestanöserhebung am 4. Dezember ds. J. nötigen Formulare zum Versand. Es sind dies die Zähl- bezirksliste C und die Gemeindeliste E. Sollten die Zählpapiere nicht rechtzeitig eintreffen, oder nicht ge­nügend sein, ist mir sofort zu berichten und der Mehr­bedarf anzufordern. Im übrigen sind die auf den Listen gegebenen Anweisungen genau zu beachten. Die angesetzten Termine für die Einreichung der Liste sind genau einzuhalten. Einzureichen sind je 2 Ausfertigungen der Zählbezirkslisten und der Ge­meindelisten. In der ortsüblichen Bekanntmachung ist besonders auf die Strafbestimmung des § 4 der Bundesratsverordnung vom 30. Januar 1917 htnzu- weisen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

I. A. Nr. 10478. I. V. :

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

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* (Unter st ützung für entlassene Arbeiter früherkriegsw ichtiger" Betriebe.) Seit Abschluß des Waffenstillstandes fällt die Voraussetzung, unter der Betriebe der Rüstungs- und Ernährungs­industrie alskriegswichtig" zu gelten hatten. Damit ist auch dem Fortbestehen der Verordnung, wonach Arbeiter jener Betriebe, die infolge Kohlenmangels feiern müssen, aus Reichsmittel« entschädigt werdender Boden entzogen. Trotzdem soll die Entschädigung Arbeitern solcher Betriebe, die die Arbeit wegen Kohlenmangels vor dem 12. November 1918 eingestellt oder beschränkt haben, bis zum 25. November fortge­währt werden. Die neugeschaffene Erwerbslosenfür­sorge sieht aber ausdrücklich eine besondere Regelung der Unterstützung von Arbeitern vor, die infolge vor­übergehender Betriebseinschränkungen Lohnausfall erleiden.

* (Sinkende Biehpreise.) Auf dem in Tempelburg in Pommern abgehaltenen Viehmarkte waren etwa 180 Pferde und 50 Kühe aufgetrieben. Die Preise hatten mit dem letzten Markte einen starken Sturz zu verzeichnen. Für gute Pferde wur­den bis 3500 Mark bezahlt. Für Pferde, die am letzten Markt noch 8000 bis 9000 Mark kosteten, wurde heute kaum die Hälfte geboten. Der Handel stockt fast vollständig, nur ein mäßiger Umsatz in billigeren Exemplaren war zu verzeichnen. Auf dem Rinder­markt waren die Preise ebenfalls stark gefallen. Gute Kühe kosteten 900 bis 1000 Mark das Stuck.

* (Einfuhr holländischer Zigarren). Aus Hamburg wird geschrieben: Die von der holländ­ischen Regierung freigegebene Ausfuhrmenge von 500 Millionen Zigarren wird zu einem erheblichen Teil auch nach Deutschland ausgeführt werden, nach­dem die holländische Regierung sich bereit erklärt hat, die sehr hohe Ausfuhrabgabe den Fabrikanten gegen­über herabzusetzen. Die Ankündigung dieser und auch amerikanischer Zufuhren hat bei den Zigarrenhandlern zu gewaltigen Preisstürzen geführt. Zigarren, d e gestern noch 1,20 Mark und mehr kosteten, sind heute 60 Pfg. ausgeschrieben, und die Schaufenster sind seit langer Zeit wieder gut gefüllt.

* Ein Preisrückgang der Zigarren wird aus verschiedenen Städten gemeldet. Infolge des Zigarrenwuchers hatte in den letzten Wochen das preußische und das bayerische Kriegswucheramt zu einem großen Schlage gegen die Wucherer ausgeholt. In vielen Großstädten wurden umfangreiche Zigarren- lager beschlagnahmt, die einen in die Hunderttausende gehenden Wert hatten.

* (Wildabschuß). Um der Bevölkerung Wildfleisch zuführen zu können, wird in den nächsten Tagen das Wild in den Eisenacher Forstorten des Rennsteigs abgeschossen werden. Es wird alles vor­kommende Wild (Hirsche, Rehe, Hasen) weidgerecht von Jägern zur Strecke gebracht werden und vom Nahrungsmittelamt demnächst zur Verteilung ge­langen. Der Thüringer Wildreichtum wird bedeutend herabgesetzt werden.

* (Kapitalabfindung für Kriegs- besch ttbig te). Wohl eines der bedeutendsten, für

die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands wichtigsten Gesetze ist das Kapitalabfindungsgesetz vom Juli 1916 mit seinen beiden Ergänzungsgesetzen vom Juli 1918. Durch dieses Gesetz wird Kriegsbeschädigten oder Kriegshinterbliebenen die Möglichkeit gewährt, sich unter bestimmten Voraussetzungen Geld zu beschaffen, um die Ansiedlung oder die Besitzfestigung auf eigenen Grund und Boden zu fördern,' es können hiernach zum Teil ganz beträchtliche Summen flüssig gemacht werden. Maßgebend ist insbesondere das Alter des Antragstellers, der mit der Bewilligung der Ab­findung auf feine Zulagen oder einen Teil derselben verzichten muß. Als solche ablösbare Rententeile kommen die Kriegszulage und die Verstümmelungs­zulage, nicht aber die Rente in Betracht. Die verfügbaren Beträge schwanken für die Kriegszulage zwischen 1485 und 3330 Mark, für die Verstümmelungs­zulage zwischen 2673 und 5991 Mark, bei der Witwe eines Gefallenen je nach seinem Dienstgrad zwischen 1650 und 5550 Mark. Wie die Heeresverwaltung mitteilte, haben bereits viele Tausende von Kriegs­beschädigten und Kriegerwitwen die Abfindung be­ansprucht und auch bewilligt erhalten.

§ Hersfeld, 25. November. An das Publikum kann die Mahnung nicht oft genug wiederholt werden, jetzt jede unnötige Reise zu vermeiden Das gesamte Eisenbahnmateria! wird zur Heimbe- förderung der Truppen sowie zum Rücktransport des riesenhaften Materials gebraucht. Dazu kommt noch die Beförderung von Lebensmiteln, die keinen Augen­blick stocken darf. Wenn jetzt jemand nicht unbedingt reisen muß, so soll er lieber zu Hause bleiben, zumal das Reisen zur Zeit mit vie^ Unannehmlichkeiten verknüpft ist.

):( Hersfeld, 25. November. Auf Veranlassung des hiesigen Arbeiter - und Soldaten- Rats fand am Freitag nachmittag im Sitzungssaals des Rathauses eine Versammlung statt, in welcher Herr Reichstagsabgeordneter Thöne aus Cassel, welcher dem Zentral-Arbeiter- und Soldatenrat für den Regierungsbezirk Cassel angehört, Erläuterungen über die wichtigsten Aufgaben der nächsten Zeit machen sollte. Die Versammlung, zu der sich Vertreter der Militär- und Zivilbehörden, sowie zahlreiche Bürger­meister der Landgemeinden und die Gendarmerie des Kreises eingefunden hatte, konnte zu dem festgesetzten Zeitpunkte um 2 Uhr nicht stattfinden, da Herr Thöne infolge der jetzt bestehenden ungünstigen Bahnver­bindung nicht rechtzeitig hier eintreffen konnte. Die Sitzung konnte daher erst um 5 Uhr durch den Vor­sitzenden des hiesigen Arbeiter- und Soldatenrats, Herrn List, eröffnet werden, welcher die Verzögerung bedauerte, da bereits wieder eine Anzahl Bürgermeister der Landgemeinden nicht mehr anwesend seien. Zu­nächst erhielt Herr Reichstagsabgeordneter Thöne daI Wort, welcher kurz die Entstehung der Revolution in Cassel besprach. Redner verbreitete sich sodann über die Macht der Arbeiter- und Soldatenräte und betonte, daß dieselbe unbeschränkt feh Es gibt zur Zeit keine Behörde, welche ihnen noch Vorschriften machen könnte. Dies sei jedoch nicht so aufzufassen, daß die Behörden abgefetzt worden seien, sondern die A.- und S.-Räte arbeiteten mit ihnen gemeinsam, nur daß diese die Anweisungen erteilten. Bis jetzt sei das Zusammenarbeiten bestens gelungen. Durch Ver­handlungen mit dem Herrn Regierungs-Präsidenten in Cassel sei nun angeordnet worden, daß auch die Landratsämter des Regierungsbezirks dem Zentral­rat unterteilt worden wären, und hierdurch natürlich auch die Landgemeinden. Redner vertrat den Stand­punkt, daß jedem seine innere Ueberzeugung belassen werde, nur dürfe es für die Arbeiter- und Soldaten­räte lediglich sozialdemokratische Grundsätze geben. Es könne auch jeder anders Gesinnte in die A- und S.-Räte gewählt werden, sofern er sich diesen Grund­sätzen unterordne. Der heutige Zustand sei nur ein Uebergangsstadium, bis die Nationalversammlung entscheide, nach welchen Grundsätzen das deutsche Volk regiert sein wolle, und er hoffe, daß hierin recht bald Klarheit geschaffen werde. Jetzt handele es sich vor allem um die Sicherung der Lebensmittelver­sorgung und den Wiederaufbau des wirtschaftlichen Lebens. Es werde nun nötig sein, auch auf dem Lande Arbeiter- und Soldatenräte zu bilden, wenn auch nicht für jede einzelne Gemeinde, so doch für mehrere zusammen. Er richte hierbei an die Herren Bürgermeister der Landgemeinden, die Bitte, bei Bildung dieser A.° und S.-Räte ihren Einfluß nicht zu sehr geltend zu machen, indem sie bestimmten, wer denselben angehören sollte, sondern die Gemeindemit­glieder sollten ganz aus freien Stücken wählen. Der A.- und S.-Rat in Hersfeld sei dann als Zentrale für best Kreis gedacht. Er möchte die Herren Bürger­meister bitten, sich stets mit dem A.- und S.-Rat in Hersfeld gütlich zu verständigen, um Unzuträglich-

keiten zu vermeiden. Die Bezahlung der Mitgliebe der A- und S.-Räte sei so gedacht, daß sie in de Kreisstadt durch den Kreis, in den einzelnen Land gemeinden von diesen zu erfolgen habe. Die Kosten würden nicht so groß sein, da ja auf den Ortschaften nicht ein ständiger Vertreter nötig wäre. In Hers­feld allerdings müßte eine, ständige Geschäftsführung von ein oder zwei Mitgliedern vorhanden sein. Diesen soll ihr ausfallender Tagesverdienst vergütet sowie eine tägliche Zulage von 1.50 bis 2.00 Mark gezahlt werden, ferner Erstattung von Unkosten für Schreibmaterialien und dergleichen. Sehr erwünscht sei jetzt die Bildung von Bauernräten, welche zu­sammen mit den Arbeiter- und Soldatenräten arbeiten sollen, am besten sei es, auf dem Lande Volksräte zu bilden, in denen alle Berufe vertreten wären. Die Hauptaufgaben bestehen in der Gewährleistung der Sicherheit von Person und Eigentum, sowie in der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung. Dieses werde von dem Zentralrat mit aller Energie durch­gesetzt werden, wenn nötig unter Anwendung schwerster Strafen. Dies gelten nicht nur für die Städte sondern auch für das Land, und besonders für die Zukunft würde ein gut organisierter Sicherheits­dienst unbedingt erforderlich, da es nicht ausgeschlossen sei, daß sich bei dem Zurücksluten der Truppenmassen Banden bilden, die im Landeherumziehen würden. Red­ner warnte dann vor der Bildung von Bürgerräten, dadtes nur zu Reibereien führen würde. Die wichtigste Aufgabe sei jetzt die Lebensmittelversorgung sicher zu stellen und hierzu sei die Mithilfe der Herren Bürgermeister auf dem Lande unbedingt erforderlich, indem diese auf die Bewohner einwirken müßten, alles ordnungsmäßig abzuliefern. Der Schleichhandel im Großen müßte auf das schärfste bekämpft werden, und es sei daher am zweckmäßigsten, wenn die Landwirte das ausgedroschene Gedreide an eine Sammelstelle ! im Kreise abliefern würden. Dadurch, daß das Ge­treide im Hause lagere, fei die Versuchung zu groß, dasselbe zu hohen Preisen an Schleichhändler zu ver­kaufen, denn leider sei die Gewinnsucht auf dem Lande ins ungemeffene gestiegen Wenn erst die Masse des Volkes hungern muß, dann kann niemand mehr für die Ruhe und Ordnung einstehen, denn das Volk wurde auf das Land gehen und sich mit Gewalt holen, was es braucht. Der Zentral-Arbeiter- und Soldaten­rat für den Regierungsbezirk Cassel werde alles auf­bieten, um eine ordnungsmäßige Ablieferung der Lebensmittel öurchzusetzen,die Macht habe er dazu und werde auch nötigenfalls nicht vor Zwangsmaßnahmen zurückschrecken. Redner ermähnte zum Schlüsse seiner Ausführungen nochmals die Herren Bürgermeister mitihnen zusammen zu arbeiten zum Wohle des ganzen Volkes. Herr List ermähnte ebenfalls nochmals zu gegenseitiger Verständigung der Behörden mit den Arbeiter- und Soldatenräten. Er wies auf die un­bedingt erforderliche Ablieferung der Lebensmittel hin, um Plünderungen zu vermeiden, die in erster Linie dann das Land treffen würden. Sollten die Lebensmittelablieferungen in nächster Zeit nicht besser werden, so würde von dem Hersfelder Arbeiter- und Soldatenrat eine scharfe Kontrolle bei den Landwirten ausgeübt werden, denn die jetzige Zeit sei eine so bitterernste, wie wir sie in den ganzen Kriegsjahren nicht gehabt hätten. Herr G e r l a ch trat dann für der Rechte des hiesigen A. und S.-Rates ein, die sich die­selbe nicht nehmen lasse. Auch er forderte bessere Lebensmittelversorgung und sprach in scharfen Worten gegen die unerhörten Wucherpreise, die sich viele Land­wirte heute für ihre Erzeugnisse bezahlen ließen. Herr Reg.-Assessor von Hedemann sprach dann über die Zuständigkeitsfrage des A. und S-Rats bei der Verwaltung ebenso Herr Bürgermeister Wagner- HersfSld. Beide Herren sagten dem hiesigen Arbeiter- und Soldatenrat die Mitarbeit in der Verwaltung in weitestem Maße zu. Nachdem Herr Major^Ebel noch einige militärische Fragen erörtert hatte, sprachen die Herren E sch st r u t h-Wilhelmsbos und Nimeier- Tann noch kurz über die Milch- und Butter-Ablieferung. Eine Kontrolle durch den A. und S.-Rat, wobei sich derselbe von der Lieferungsmöglichkeit überzeugen könne, sei den Landwirten nur willkommen, damit diesen der Borwurf erspart bleibe, daß sie nicht ge­nügend abliefern wollten. Gegen 7 Uhr wurde dann die Versammlung durch Herrn L i st geschloffen.

Bacha, 20. November. Um einer Arbeitslosigkeit nach der Demobilmachung vorzubeugen, soll der Aus­bau des zweiten Gleises der Strecke Satzungen Vacha-Gerstungen in Kürze in Angriff genommen werden.

Erfurt, 21. November. Kommerzienrat Mandel- baum, Inhaber der Zigarettenfabrik Manoli (bulgar­ischer Generalkonsul), soll sich wegen eines Verlustes von 40 Millionen Mark im bulgarischen Tabakgeschäft das Leben genommen haben.

Hanan, 21. November. Am hiesigen Nordbahnhofe wurde der vom Kriegsschauplatze zurückkehrende Pionier Moritz Wolff aus Heldritt vom hiesigen Eisen­bahnregiment Nr. 3 durch eine zuschlagende Eisen* bahntür so schwer am Kopf verletzt, daß er alsbald verschied.