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Sersfelder Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- ; : zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei | ; Hersfeld. Für die Schristleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. :

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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. | Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprecher Nr. 8.

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Nr. 270

Sonnabend, den 16, November

1918

nd Umgegend!

Nachdem der Arbeiter- und Soldatenrat heute endgültig gewählt worden ist, wendet er sich sogleich an die Bevölkerung mit der dringenden Bitte, unbe­dingt Ruhe und Ordnung zu wahren.

Das nächste Ziel eines jeden deutschen Volks­genossen muß sein, an seinem Teile mit dazu beizu- tragen, daß der Friede so bald wie möglich abgeschlossen wird und Freiheit und Sicherheit im Innern zur Durchführung gelangen.

Durch Unruhen und disziplinwidriges Verhalten würde dieses Ziel auf Höchste gefährdet werden. Jeder Einzelne hat sich dem großen Ganzen ein- und unter­zuordnen.

Die Geschäfte gehen ihren gewohnten Gang. Die Arbeit wird in allen Betrieben am Montag wieder ausgenommen und fortgesetzt. Ohne Zustimmung des Arbeiter- und Soldatenrates darf eine Arbeits­niederlegung nicht erfolgen.

Von den Unternehmern erwarten wir, daß sie weder Maßregelungen noch Entlassungen vornehmen, daß sie vielmehr in allen Arbeiterfragen vertrauens­voll und vorurteilslos mit den Arbeiterausschüssen ihrer Betriebe oder mit der in Frage kommenden Gewerkschaftsorganisation Verbindung suchen.

Für die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit ist gesorgt. Sie wird im Einververständnis mit dem Arbeiter- und Soldatenrat ausgeübt von den bis­herigen Sicherheitsorganen der Polizei, die sich größter Zurückhaltung befleißigen werden, deren Anweisungen aber unbedingt Folge zu leisten ist. Die übrigen Sicherheits- und Ordnungsorgane, ob Soldaten oder Zivilpersonen, sind durch weise Binden kenntlich, welche, versehen sind mit dem Stempel des Arbeiter- 4inÖ SoldLtenratLs

Die Ruhe und die Besonnenheit der Bevölkerung ist auch um deswegen notwendig, damit die Lebens- miitelversorgung in keiner Weise eine Stockung er­leidet und dadurch gefährdet wird. Unermeßliches Unglück gilt es zu verhüten. Das gelingt durch die besonne Mitarbeit der gesamten erwachsenen Be­völkerung.

Folgende Regeln müssen beachtet werden:

1. Die Eltern mögen ihre Kinder möglichst nicht in den Straßen ohne Begleitung herumlaufen lassen

2. Erwachsene haben jugendliche Personen zum anständigen und ordentlichen Betragen anzuhalten.

3. Jedes unnütze Herumstehen oder Ansammeln auf Straßen und Plätzen ist zu vermeiden.

Die Lebensmittelversorgung der Stadt Hersfeld ist durch die vorhandenen Vorräte bis aus weiteres gesichert. Angst der Bevölkerung ist somit grundlos. Hamstern und Eindecken ist, weil es das große Ganze gefährdet, zu unterlassen.

Alle Bekanntmachungen des 'Arbeiter- und Sol- datenrats erfolgen in den hiesigen Zeitungen oder durch Extrablatt. Der Arbeiter- und Soldatenrat wirb in vollster Oeffentlichkeit handeln, bie Bevölke­rung über alle wichtigen, wissenswerten Ereignisse unterrichten, erwartet aber auch, daß ihm unbedingtes Vertrauen aller Kreise der Bevölkerung entgegenge­bracht wird. Nur so wird es möglich sein, die schwere Zeit zu überwinden und möglichst reibungs- und schmerzlos den Aufbau des neuen Deutschland zum Wohl und Segen des gesamten Volkes in Angriff zu nehmen.

H e r s f e l ö, den 14. November 1918.

Der Arbeiter- und Soldatenrat.

P. List, Vorsitzender.

Aufruf!

Bauern, Kameraden, Gutsbesitzer aller Kreise des Regierungsbezirks Caffel!

Gewaltiges wurde in wenigen Tagen geleistet. Die Organisation der Arbeiter hat die ganze Welt in Staunen gesetzt, soll der Bauer, der eigentliche Er­nährer des Volkes, des gewaltigen Erlebens sich un­würdig und verständnislos zeigen. Ich sage nein! Der Arbeiter- u. Soldatenrat in Caffel steht in den nächstenTagenvor einer unglaublich gewaltigen Aufgabe täglich treffen auf der Durchreise 50-,.<60-, 80 000 Front­soldaten die Besten unter uns die am längsten im Felde ausgehalten haben, im Bahnhof Caffel ein, um hier verpflegt zu werden. Landwirte versetzt Euch in die Lage dieser Braven, die bisher unsere Fluren vor Vewüstung geschützt, die aber heute vor Sehnsucht nach Weib und Kind, nach Vater und Mutter nicht mehr zu halten sind. Soll durch unser Verschulden Verpflegung dieser unmöglich gemacht werden! Ich sage nein! Keiner wird mir heute bestretten, daß, nachdem unsere dringensten Arbeiten erledigt sind, wir von unserer Monatsratton eine sofortige frei­willige Abgabe von 510 auch 15 Pfund Mehl er­übrigen können, oder Brot, auch sonstige Nahrungs­mittel.

Kameraden, die Ihr den Wert eines Stückes Brotes in diesem großen Ringen erkannt habt, rechnet einmal nach, welch große Reserve wir aus diese Weise dem Arbeiter- und Soldatenrat Caffel mit gutem Willen leicht können zur Verfügung stellen. Kameraden die ihr das Glück hattet, zuerst zu Euren Lieben zu- rückzukehren, Hand ans Werk, organisiert Euch, gebt Säcke zum Sammeln der Lebensmittel leihweise zum Beweis der Dankbarkeit, fahrt Eure Gespanne selber um diese Lebensmittel sofort zur Stadt oder zur nächsten Bahnstelle zu schaffen. Nicht für andere, für uns tun wir dieses, um nns vor verzweifelnden Hungernden zu schützen. Helft durch Opferfreudigkeit mit dazu beitragen, daß die Vollendung eines guten, großen Werkes durch Eure Unterstützung in herrlicher Weise mit Erfolg ermöglicht wird! Darum nochmals sofort ans Werk, die Hilfe ist dringend nötig.

H e I l w i g, hessischer Bauer.

Bus der Heimat.

* (Erleichterunge n im Wertpaketver­kehr.) Bisher ist es aus Mangel an brauchbaren Verpackungsstoffen, Bindfaden, Siegellack usw. den Absendern vielfach nicht möglich gewesen, bei Post­paketen von der Wertangabe Gebrauch zu machen. Infolgedessen blieb bet den jetzigen hohen Preisen der Schadenersatz, der von feiten der Postverwaltung auf Grund des Postgesetzes in Verlust- und Be­schädigungsfällen zu leisten war, oft hinter dem wirk­lichen Wert der Sendungen zurück. In entgegen­kommender Weise hat nun der Staatssekretär des Reichspostamts verfügt, daß vom 15. November ab bei Paketen mit einer Wertangabe bis 100 Mark ver­suchsweise keine höheren Anforderungen an Verpackung und Verschluß zu stellen sind, als an gewöhnliche Pakete ohne Wertangabe ^^tzbesondere wird bei den Paketen bis 100 Mark keine Versiegelung mehr verlangt. Dadurch wird es jedem Absender möglich gemacht, Pakete im Wert bis 100 Mark ohne weitere Schwierigkeiten unter Entrichtung der Versicherungs­gebühr von 10 Pfg. als Wertpakete aufzuliefern. Gehen derartige Pakete verloren oder werden sie be­schädigt oder beraubt, so wird beider Ersatzleistung die Wertangabe zu Grunde gelegt, sofern nicht der ange­gebene Wert den gemeinen Wert der Sendung über- steigt. In diesem Falle wird nur der letztere ersetzt. Aus Betriebsrücksichten ist bet Paketen bis 100 Mark der Wert nur auf der gelben Paketkarte, nicht aber auf den Paketen selbst anzugeben.

* Die Gerüchte, daß die Inhaber von Bank­konten kein Verfügungsrecht über ihre Einlagen be­halten sollen, sind, wie aus Berlin gemeldet wird, unbegründet. Um die Auszahlung von Löhnen und Gehältern nicht zu gefährden, wird das Verfügungs- recht über die Einlagen in dem bisherigen Umfange aufrechterhalten bleiben.

* Zur Bildung von « r ge ra usschüssen fordert der Hansabund auf. In- seinem Aufruf heißt es:Die Erfahrungen der letzten Zeit beweisen, daß das deutsche Bürgertum als solches selbst den schwersten inneren Umwälzungen tatenlos gegenüber» steht. In dieser entscheidenden Stunde fordern wir das deutsche Bügertum auf, zur sofortigen Bildung von Bürger-Ausschüssen überall in Deutschland zu schreiten. Diese Bürgerausschüsse haben in Fühlung der Reichsleitung und den bestehenden A.- u. S -Räten in erster Linie folgende Aufgabe zu lösen: Wahrung der bürgerlichen Rechte und der vollen Gleichberech­tigung des Bürgertums bei allen staatlichen Maß­nahmen." Zur Bildung eines Bürgerausschusses für Großberlin sind bereits Schritte eingeleitet.

§ Hersfeld, 14. November. Am 2. November 1918 ist eine Bekanntmachung (Nr. 1/11.18, S. 2), betreffend Beschlagnahme und Bestandserhebung von Cocablättern und Coeain, erschienen, durch welche Coeablätter (Folia Cocae), Cocain und seine Salze als Roh-, Halbfertig- und Fertigware beschlagnahmt werden, sofern die Vorräte eines Eigentümers nicht, weniger als 500 g. betragen. Trotz der Beschlagnahme bleibt die Verarbeitung von Cocablättern zu Cocnin I hydrochl. und Gocain nitr. allgemein gestattet. Im übrigen ist die Verarbeitung nur mit vorheriger schriftlicher Ein­willigung des Sanitäts-Departements des Königlichen Kriegsministeriums in Berlin erlaubt. Die Ver­äußerung und Lieferung der beschlagnahmten Gegen­stände ist. nur gestattet, an die Haupt-Sanitäts-Depots und die Sanitäts-Depots des Heeres und der Marine, sowie mit vorheriger schriftlicher Einwilligung des Sanitäts-Departements des Kgl. Kriegsministeriums. Die beschlagnahmten Gegenstände unterliegen auch einer einmaligen Meldepflicht. Die Meldungen sind über die am 2. November 1918 vorhandenen Mengen biH zum 15. November 1918 an das Sanitäts-Departe- ment des Königl. Kriegsministeriums zu erstatten. Gleichzeitig ist eine Bekanntmachung lNr. 2/11. 18. S. 2), betreffend Beschlagnahme und Bestandserhebung von Pfefferminzkraut, -tee, -blättern er­schienen. Durch sie werden Pfefferminzkraut, Pfeffer­

minztee, Pfefferminzblätter Fol. Menth. PiP.) ganz und geschnitten beschlagnahmt, sofern nicht die Vorräte eines Eigentümers weniger als 25 kg. betragen. Das Ernten, Trocknen, Sortieren und Schneiden des Krautes bleibt erlaubt. Veräußert und geliefert werden dürfen die beschlagnahmten Gegenstände nur an das Sanitäts-Depot des Gardekorps in Berlin. Im übrigen ist eine Veräußerung, Lieferung und Verarbeitung nur mit vorheriger schriftlicher Ein­willigung des Sanitäts-Departements des Königlichen Kriegsministertums zulässig. Die beschlagnahmten Gegenstände unterliegen ebenfalls einer Meldepflicht. Die Meldungen sind über die am 2. November 1918 vorhandenen Mengen bis zum 15. November 1918 an das Sanitäts-Departement des Königlichen Kriegs­ministeriums zu erstatten. Der Wortlaut der beiden Bekanntmachungen ist bei den Landratsämtern, Bürgermeisterämtern und Polizeibehörden einzusehen.

):( Hersfeld, 15. November. Wegen Transport­schwierigkeiten muß das angesagte Conzert der Hanauer-Garnisonkapelle endgültig aus- sallen. Karten können in der Westphal'schen Buch­handlung wieder eingelöst werden.

Caffel, 14. November. Die Vollversammlung des A.- und S.-Rates, die vorgestern als erstes Arbeiter- und Saldatenparlament für Caffel, den Regierungs­bezirk und den Bezirk des 11. A.-K. tagte, verlief in Einmütigkeit der geladenen Truppen-, Gewerkschafts- und Parteivertreter. Gewerkschaftssekretär Grzesinski eröffnete die Sitzung mit einer Ansprache, in der er die großen Umwälzungen feierte. Er streifte die Wirtschaftsfragen der nächsten Zeit, den Rücktransport der Truppen. Ihre Ernährung und Bekleidung müsse auf alle Fälle gesichert werden. Täglich kämen 25 Züge mit ungefähr 50 000 Mann und mehr über Caffel und müßten auf den Bahnhöfen verpflegt werden. Ein ausgedehnter Absperrdienst sei notwendig.

Mittel und Kohlenzüge ungehindert fahren können. Eine andere Aufgabe sei die .Demobtlisation der Arbeiter und die Verhinderung der Arbeitslosigkeit. Ein Landwirt aus Hofgeismar kündigte die Bildung von Bauernräten an.

. Ziegeuhäin, 10. November. Die Grippe-Erkran­kungen nehmen in unserer Stadt noch ständig zu. Bereits sind mehrere Todesfälle zu verzeichnen. Auch in den umliegenden Ortschaften fordert die Krankheit viele Opfer. Die Schulen in vielen Gemeinden sind geschlossen.

Marburg, 12. Nov. (Neuordnung in Marburg). Aus Marburg wird uns berichtet: Vergangene Nacht gegen 3 Uhr wurde hier die Bahnhofswache vom Soldatenrat übernommen. Von da aus zog ein Trupp Soldaten zur Jägerkaserne, die Mannschaften traten dann auf dem Kafernenplatz an und wurden mit den neuen Verhältnissen bekannt gemacht. In den Straßen herrscht heute ein lebhafter Verkehr. Die Ordnung wurde nirgends gestört. Einige Hundert Marinesoldaten, die vorgestern abend hier ankamen, wurden von hier aus beurbaubt, nachdem sie in der Nacht in den Sälen der Tapetenfabrik Unterkunft und Verpflegung gefunden haben.

Eschwege, 12. November. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in nächster Umgebung unserer Stadt. Beim Bucheckernsammeln wurde der Präparand Willi Jakobs. Sohn des Gendarmerie-Wachtmeister J. von hier, ein Opfer seines Sammeleifers. Durch einen Sturz vom Baume zog er sich einen Schädelbrnch zu, dem er erlag.

Erfurt, 11. November. In einer gemeinschaftlichen Versammlung der Sozialdemokratie und der unab­hängigen Sozialdemokratie wurde ein Arbeiterrat gebildet. Vormittags fand in den drei hiesigen Kasernen die Bildung eines Soldatenrats statt. Da­rauf hielten die Sozialdemokraten auf dem Friedrichs- Wilhelmsplatz eine große Massenkundgebung ab, an der sich etwa 12 000 Zivilpersonen und die Mitglieder des Soldatenrates beteiligten. Die Kundgebung verlief in vollster Ordnung, ebenso der Umzug durch die Stadt, der sich an die Kundgebung anschloß und an dem sich viele Tausende von Arbeiter und Ar­beiterinnen und mehrere Hundert Militärpersonen beteiligten. Nachmittags trat der Arbetterrat mit dem Magistratskollegium zusammen, um das Ver­hältnis zwischen den beiden Körperschaften zu regeln.

Fulda, 12. Nov. Auch hier hat sich ein Arbeiter- und Soldatenrat in aller Ruhe gebildet. Am Sonn­tag mittag fand eine gemeinsame Besprechung mit der Stadtverwaltung statt. Nach acht Uhr abends darf sich kein Jugendlicher unter 16 Jahren auf der Straße sehen lassen.

Hanau, 11. November In der Stadtverordneten- sitzung wurde der Errichtung eine Entlausungsanstalt in der Heuwage unter Bewilligung der erforderlichen Kosten in Höhe von 8500 Mark zugesttmmt. In der Begründung wurde ausgeführt, daß ein großer Teil unserer Schulkinder verlaust ist und die übrigen Kinder und die Lehrkräfte in Gefahr bringe, ebenfalls verlaust zu werden.