Einzelbild herunterladen
 

5ersfeiner Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

B^ugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be­zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld.

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im - j amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. 2 Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprecher Nr. 8.

Nr. 269

Freitag, den 15. November

1918

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung

Nr. 2/11. 18. 8. 2,

betreffen- Beschlagnahme und Beftaudserhebung van Pfefferminztravt, tee, nnd -blättern.

Vom 2. November 1918.

Die nachstehende Bekanntmachung Kird auf Ersuchen des Königlichen Kriegsministeriums Grund der Be­kanntmachung über die Sicherstellung^wn Kriegsbedarf in der Fassung vom 26. April 1917 (Reichs-Gesetzbl. S. 376) und 17. Januar 1918 (Reichs-Gefetzvl. S. 37) sowie der Bekanntmachungen über Auskunftspflicht vom 12. Juli 1917 (Reichs-Gesetzbl. S. 604) und vom 11. April 1918 sReichs-Gesetzbl. S. 137) mit dem Be­merken zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß Zu­widerhandlungen gegen

o) die Beschlagnahmebesttmmungen gemäß der Bekanntmachung über die <^i^,erstellung von Kriegsbedarf in der Fassung vom 26. April 1917 (Reichs-Gesetzbl. S. 376) ;

b) die Auskunftpflicht gemäß den Bekanntmach­ungen über Auskunftpflicht vom 12. Juli 1917 sReichs-Gesetzbl. S. 604) und vom 11. April 1918 sReichs-Gesetzbl. S. 187) bestraft werden, soweit nicht nach allgemeinen Straf­gesetzen höhere Strafen verwirkt sind.

Auch kann der Betrieb des Handelsgewerbes ge­mäß der Bekanntmachung zur Fernhaltung unzuver­lässiger Personen vom Handel vom 23. September 1915 sReichs-Gesetzbl. S. 663) untersagt werden.

§ 1.

Von der Bekanntmachung betroffene Gegenstände.

Von dieser Bekanntmachung werden betroffen:

1. Pfefferminzkraut,

2. Pfefferminztee,

3. Pfefferminzblätter (Foi. Menth. PiP.) ganz und geschnitten,

§ 2. Beschlagnahme.

Die von dieser Bekanntmachung betroffenen Gegenstände werden hiermit beschlagnahmt.

Ausgenommen von der Beschlagnahme bleiben Vorräte eines Eigentümers, die weniger als 25 kg. betragen.

§ 3.

Wirkung der Beschlagnahme.

Die Beschlagnahme hat die Wirkung, daß die Vor­nahme von Veränderungen an den von ihr berührten Gegenständen verboten ist und r chtsgeschästliche Ver­fügungen über sie nichtig sind, joweu nicht eine Ausnahme auf Grund der folgenden Anordnungen erlaubt ist. Den rechtsgeschäftlichen Verfügungen stehen Verfügungen gleich, die im Wege der Zwangs­vollstreckung oder Arrestvollziehung erfolgen.

Trotz der Beschlagnahme bleibt das Ernten, Trocknen, Sortieren, und Schneiden des Krautes erlaubt.

§ 4.

Beräutzerungserlaubnis

Trotz der Beschlagnahme ist die Veräußerung und Lieferung der beschlagnahmten Gegenstände gestattet:

1. an das Sanitäts-Depot des Gardekorps in Berlin N. 39, Scharnhorststr. 14,

2. mit vorheriger schriftlicher Einwilligung des Königlichen Kriegsministeriums, Sanitäts­Departement, in Berlin.

§ 5.

Berarbeitnngserlaubuis.

Trotz der Beschlagnahme ist die Verarbeitung der beschlagnahmten Gegenstände mit vorheriger schrift­

licher Einwilligung öesKöniglichenKriegsministeriums, Sanitäts-Drpartement, in Berlin,'gestattet.

§ 6.

Meldepflicht. .

Die von dieser Bekanntmachung betroffenen Gvgen- stände unterliegen einer einmaligen Meldepflicht, soweit der Vorrat eines Eigentümers mindestens 25 kg. beträgt.

§ 7.

Meldepflichtige Personen.

Zur Anmeldung verpflichtet sind: alle natürlichen und juristischen Personen, welche Gewahr.

sam haben, insbesondere auch landwirtschaftliche und gewerbliche Unternehmer, öffentlich-rechtliche Körperschaften und Verbände.

Meldestelle, Stichtag, Meldefrist.

Die Meldungen sind über die am 2. November 1918 (Stichtag) vorhandenen Mengen bis zum 15. No­vember 1918 (Meldefrist) an dasSanitäts-Departement des Königlichen Kriegsministeriums in Berlin W. 66, Wilhelmstr. 94 96, zu erstatten.

§ 9.

Inkrafttreten.

Diese Bekanntmachung tritt am 2. November 1918 in Krast.

Caffel, den 2. November 1918.

Der Stellvertretende Kommandierende General des XL Armeekorps.

von Hehler, Generalleutnant.

der Volschewismus der Feind des Friedens.

Von verschiedenen Seiten werden als Vorbedillgun- -en zu einern Friedensschluß für Deutschland die aller- perswiedenartigsten Entwicklungen für nötig gehalten: selbst der Bolschewismus erscheint. Hier und da manchem Menschen als geeignet, den Frieden herbeizufuhren. Kann der Bolschewismus den Frieden bringen? Bei der Erörterung dieser Frage steht uns als einziges Bei­spiel, auf Grund dessen wir den Bolschewismus in be-- zug auf seine Aussichten, deil Frieden Herbeizufuhren, betrachten können, Rußland zur Verfügung. Und die­ses Beispiel zeigt uns aufs allerdeutlichste, daß der Bol- schewismiis nicht als Friedensbringer gewertet werden kann, daß er nicht nur nicht den äußeren Frieden nu Ge­folge hat, sondern daß er außerdem den Frieden nu Lande gefährdet, Unruhen her vor ruft und nicht die Macht besitzt, das Volk zu wirtschaftlichem, politischem und kul- inrellem Aufstieg zu führen.

Rußland ist ganz und'gar nicht zum Frieden ge- komnien. Wohl haben die Armeen, die gegen deutsche Truppen im Felde gestanden hatten, nach Hause (Wdurft werden können,' aber gleichzeitig erhob sich in dreifacher Form ein ariderer Krieg, der für das Reich viel zer­störender wirkte als der gegen Deutschland: der Krieg der einzelnen Völkerschaften gegenewander, der Krieg des Bolschewismus gegen das eigene Volk uno der Krreg

gegen die Entente.

Der Krieg der Völkerschaften Rußlands gegeneln ander hat den Zerfall des einst mächtigen Emhe^ nach außen hin am deutlichsten in die Erscheinung treten lassen: und wann dieser Krieg einmal sein Ende linden wird, das ist noch gar nicht abzufehen. Mn Wesen des Bolschewismus liegt die Ueberspannung des ^ellstbe- stimmungSrechts bis §u den letzten FvIgeiNngiN. Richt allein, daß die verschiedenen Stamme, die unter dem Zepter des Zaren vereinigt waren, sich jeibitmn-ia zu machen strebten und streben: bis in die einzelnen Gou- vernements, Städte und selbst Dörfer bat ich diese Fdeenüberspgnnung erstreckte Sie ist dadurch ausw artet zu einer absoluten Aufsässigkeit gegen alle mw rede obrigkeitliche Leitung. Hub in ihrer Folge markieren logischerweise Hunger, wirtschaftlicher Ruin und dadurch wiederum Unterdrlickuug von feiten jeder mit uiöglichst icharf ausaevragtem Terror auftretenden Regierung.

In diesem Terror, der allein imstande ist, dem über­triebenen Selbständigkeltsstrebeu wirksam entqegenzn- treten, äußert sich der andere >ilieg, in den der Bolsche- wisnms das russische Volk gestürzt hat: der Krieg des Bolschewismus gegen das eigene Volk. Gesetzt den Fall, die Emanzipation Der einzelnen größeren und kleineren Gemeinden hätte sich durchführen lassen - es wären also unzählige selbständige Landchen und Gemeinden ent­standen, so mußte im Interesse wirtschaftlichen Aus gleichs ganz von selbst ein langsamer Zusammenschluß wieder an gebahnt werden. Die dadurch notwendig wer dende Ausgleichung der inneren Widerstünde hatte den Fall des Bolschewismus bedeutet. Es lag also durchaus in seinem Interesse, alle solche Bestrebungen zu unter- . drücken; und damit mußte er sich enthüllen als das, was seinen eigentlichen Kern und sein innerstes Wesen aus- machen: als eine Regierungsform, die in einem allge­meinen Chaos ihre einzige Stütze hat. Es läßt sich das an Tatsachen erhärten:

Jede Obrigkeit bedarf einer gewissen bewaffneten Macht, fei es auch nur einer sogenannten Polizeitruppe. Die Truppe des Bolschewisums ist die Rote Armee. Diese aber sann nur auf einem einigermaßen hinreichen­den Stand gehalten werden, wenn einerseits ihre Ver­pflegung derjenigen des Volkes durchaus vornngcfteUt wird, und wenn andererseits die massenhaft vorkommerr- den Desertionen ersetzt werden durch Elemente, die au ordentlicher Lebensführung keinen Gefallen mehr haben. Aus diesen Erwägungen heraus hat man denn auch der Stuten Armee unter au de nn das Recht der Plünderung gegeben, was beweist, daß ihr die Grundlage einer jeden brauchbaren Truppe, die Disziplin, fehlt. Sollte eines Tages ein Führer an ihre Spitze treten, der die Fähig­keit in sich hätte, kraft einer machtvollen Persönlichkeit Disziplin zu schaffen, so wäre an demselben Tage dieser Mann Militärdiktator, und im gleichen Augenblick würde der Sturz des Bolschewismus besiegelt fein. So mit liefert die Rote Armee allein bereits den vvllgttl Haften Beweis dafür, daß sich der Bolschewismus nur von Disziplinlosigkeit und Ordnungswidrigkeit nährt und nähren kann.

Syenit aber der Bolschewismus dem Volke vorzu- spiegeln verstand, er habe ihm wenigstens den äußeren Wichen gebracht, so ist das eine bewußte Irreführung. Zwar mit dem Deutschen Reiche mußten die bolschewi­stischen Führer Frieden schließen, weil das für sie die erste zu erfüllende Bedingung war, wenn sie überhaupt das Heft erst einmal in die "Hand bekommen wollten.

Und das russische Volk hat sich Kuschen lagen. Den, daß mit dem Augenblick, da die Bolfchewisten dar Staatsruder ergriffen, ein anfänglich versteckter, ball aber zu offener Austragung entbrannter Krieg mit der Entente ausbrach, darüber beulen die großen Massen des Volkes gar nicht nach.

Und das ist die Stelle, an der sich der Gedankenkreis der auch bei uns vom Bolschewismus den Frieden er­hoffenden Leute nicht geschlossen hat. Ob es nröglich wäre, den Bolschewismus in Deutschland ein zuführen, ohne die beiden erstgenannten Kriege, den der einzelnen Stämme gegeneinander und den des Bolschewismus selbst gegen das einzelne Volk, heraufzubeschwören? Es ist nicht möglich. Denn bei uns ist selbst in den bolsche­wistisch beeinflußten Kreisen das Bedürfnis nach Ruhe und Ordnung, nach gleichem Recht für alle, das im schärfsten Gegensatz zu bolschewistischer Klassenherrschast steht, viel zu stark ausgeprägt. Vor allen Dingen aber, ist Rußland uns ein treffendes Beispiel, daß der Friede nach außen, unser aller sehnsüchtigstes Streben und Ber- laugeu, nie und nimmermehr erreicht werden sann, wenn wir uns in bolschewistischem Sinne umstellen würden.

Amerika hat die bolschewistische Regierung in Ruß­land nicht anerkannt. Das ist ein außerordentlich be­deutungsvolles Moment. Hub daneben als nicht minder bedeutend steht die Tatsache, daß ine ganze Entente dem Bolsckewismus den Krieg ungesagt hat. Die Aner­kennung der gegen die Rote Armee sümpfenden Tschecho- Swumkeu als kriegführende Nation war der Anfang, ihre Unterstützung und das Landnngsuntcrnehmen an der Murmanküste die Fortsetzung dieser Politik. Der Beweggrund dazu ist durchsichtig: die Westvölker haben erkannt, baß ein bolschewistisch orientiertes Staatswesen in Unordnung versinkt, daß es nicht die Fähigkeit be­sitzt, politisch iutb wirtschaftlich einen sich selbst erhalten­den MacbFaktor darzustelleu. Infolgedessen wehren sie sich mit allen Mitteln dagegen, dem Bolschewismus die Hand zu bieten.

Käme in Deutschland der Bolschewismus empor, so hätten wir also nicht allein die zersetzende Unordnung im Lande, wäre nicht nur der wirtschaftliche Ruin un sere allernächste Aussicht wir würden auch von der Entente mit denselben Mitteln nieder-gehalten und be. sümpft werden wie das heutige Rußland.

. Es folgte eine geheime Sitzung.