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Hersselder Kreisblatt

S Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Posckbe- S zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld.

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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zelle 40 Pfennig. ;

Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprecher Nr. 8.

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Nr. 264

Sonnabend, den 8. November

1918

Aus der Heimat.

. (Schutz der Landwirtschaft nach dem Krieg.) Der Frrede wie immer er sei wird die Landwirtschaft vor die ernstesten und schwersten Aufgaben stellen, darunter an erster Stelle- Er­neuerung der Bodenkraft, des Materials, des Vieh- bestandes usw. Der Krieg hat anormale Verhältnisse geschaffen,- sie müssen langsam überwunden werden. Die Versorgung des heimischen Marktes muß, wie im ^^PJV^ demselben, die erste Aufgabe der Land­wirtschaft sein. Sie kann dieselbe nur dann erfüllen, wenn sie unter gesunden Existenz- und Entwicklungs­bedingungen arbeitet. Die landwirtschaftliche Pro­ton in Deutschland hat den Wert von rund 10 Milliarden Mark, also soviel wie der deutsche Aus­fuhr-Handel betrug. Diese landwirtschaftliche Produk- tron dient zur Ernährung des deutschen Volkes, also auch der Arbeiter und der gesamten Ausfuhr-Industrie, die noch auf lange Zeit hinaus ohne ausreichende Be­schäftigung sein wird und ohne eine für sie sorgende heimische Landwirtschaft nicht bestehen kann. Alles weißt darauf chin, daß die Aufrichtung unseres Wirt- schaftsgebretes nach dem Kriege ohne die Voraus- setzung der Wiederherstellung der Landwirtschaft gar nicht in Angriff genommen werden kann.

»(Zurückziehung der Jahrgänge 1870/71 in dre Heimat.) Wie W. T. B. erfährt, sind An- ordnungen getroffen, daß die Jahrgänge 1870/71, so- weit fte nt^t an Kampfhandlungen beteiligt sind, un­verzüglich in die Heimat zurückgezogen werden.

s * ¥°ou8 W°cl)turtge n.) Der Staatssekretär des Kriegsernahrungsamts gibt bekannt, daß Fleisch, das aus einer ohne die erforderliche Genehmigung vorgenommenen oder nicht vorschriftsmäßig angezeigten Hausschlachtung gewonnen ist, zu Gunsten des Kom- MtuHutwrxHmoe» »«s ^rres, wo nie ecyiachtung starr-

hat, ohne Zahlung einerEntschädigung verfällt. Diese Bestimmung tritt sofort in Kraft.

»(Aufbewahrung von Gemüse und Obst in KeHern). Die gewöhnliche Methode, Obst und Gemüse gegen Frost zu schützen, ist, sie während des Winters im Keller aufzubewahren. Während sie der Kälte ausweichen, verfallen viele jedoch ins Gegen­teil und beschädigen ihr Gemüse durch zuviel Wärme. Die Fenster werden verstopft, die Führungsmauern des Hauses mit Erde angehäufelt und kein Platz für die Lüftung übriggelassen. Die Wärme treibt die Gemüse zum Wachstum, das Obst fault. Oft zerstört die Wärme im Winter mehr Gemüse, als die Kälte. Das ganze Geheimnis des Erfolges liegt in der Re­gulierung der Temperatur und des Luftzutritets. Ein Fenster wenigstens sollte im Keller beweglich eingehängt sein, so daß die Temperatur beim Oeffnen erniedrigt oder durch Schließen erhöht werden kann, je nachdem das Wetter im Freien wechselt. Um dieses in gehöriger Weise zu tun, ist es nötig, daß ein Thermometer im Keller aufgehängt ist, und wenn dasselbe nicht unterhalb des Gefrier­punktes des- Wassers fällt, so werden Obst- und Gemüsearten von Frost nicht leiden. Am Tage, während angenehmen Wetters, kann das Fenster offen gelassen werden, zuweilen mehrere Stunden lang. Während kalter Nächte muß es fest verschlossen sein. Selbst wenn es im Freien friert, kann das

Das Schicksal der österreichisch-ungarische» Slolle.

Unser Marinemitarbeiter schreibt uns: Der zuende- gehende Weltkrieg hat das Schicksal der zwar kleinen, aber als ruhmreich bekannten osterreicbtsrfrungarischen Seemacht besiegelt, deren stolzestes Zeichen das Teget- thoff-Denkmal in Wien war. Ihr war es beschießen, einst sowohl die erste Seeschlacht zwischen Panzerschiffen und Holzschiffen zu schlagen, wie auch im modernen zu­kunftsreichen Unterseebootkrieg hervorragende Erfolge w erzielen. Sticht zu vergessen der Kampfe, an welchen die Donau-Momtor-Flottrlle in diesem Kriege teilge- nommen hat. Die eigentliche Hochseeflotte ist dem süd­lichen Staatenbund. die Donau-Flottille dem ebenso un- sertigen ungarischen Seemachtunding ausgeliefert wor­den, und dem nichtslowakischen bezw. nichtungarstchen Personal von den höheren Stäben ablvarts ist sein Per bleib überhaupt freigestellt worden. Vollständiger kann eine großangelegte Sache, wie sie sich der k. u. k. Flotten- nereiu dachte, wohl kaum zerfallen, zumal als ihr auch neuerdings noch ihr letztes Asyl Fiume durch die Eifer­sucht Italiens auf die werdende südslawische Seemacht streitig gemacht wird. Buntscheckig wie das ganze ehe­malig österreichisch-ungarische Staatswesen, war auch seine Flotte in Bezug auf Stammeszugehörigkeit des Personals und dementsprechend Komma ndosprache, fo= wohl wie Uniform namentlich des Offizierkorps, wobei Festklammernna an historische Retniniszenzen und An-

. historische Meminiszenzen und An- üaihnm an moderne Bedürfnisse vereinigt werden sollte. Schlecht paßte dazu die k. u. f. Kriegsflagge, welche die Babenbergsarben rot-weiß rot mit dem österreichischen (aber nicht auch ungarischen) Wappen -eiate, und daher auch im Kriege umgeäudert werden sollte Ob es tatsächlich dazu gekommen ist, ist nie be kamst geworden. Die ehemalige k. u. k. Flotte bestand

Fenster ein wenig offen gelassen und die Temperatur sehr zweckmäßig reguliert werden. Sie darf nicht unter + 2 Grad fallen und nicht über + 8 Grad steigen.

* (Die Jagd im November). Im Monat November dürfen geschossen werden männliches und weibliches Rot- und Dammwild und Kälber, Rehböcke, weibliches Rehwild, Dachse, Biber, Hasen, Birk-Fa- sanen- und Haselhähne und -Hennen, Rebhühner, schottische Moorhühner und Wachteln, wilde Enten, Schnepfen, Trappen, Drosseln (Krammetsvögel), wilde Schwäne, Kraniche, Brachvögel, Wachtel-Könige und alle anderen jagdbaren Sumpf- und Waffervögel.

* (Der Wethnachtspaketverkehr nach dem F e l d e.) In der Zeit vom 3. bis 25. Dezember werden Pakete für das Feld, die über ein Militär- Paketamt geleitet werden sollen, zur Beförderung nicht angenommen. Weihnachtssendungen sind daher bis zum 2. Dezember einschließlich bei den Postan­stalten aufzugeben. Für entfernter gelegene Gebiete wird möglichst frühzeitige Auflieferung empfohlen. Für Frachtstückgüter tritt eine Annahmesperre nicht ein. Der Päckchenverkehr wird durch diese An­ordnungen nicht berührt.

§ Hersfeld, 8. November. (Kaninchenaus- ft e H u n g.) Infolge der durch die lange Kriegs­dauer geschaffenen wirtschaftlichen Lage hat nach und nach wohl mancher sich der Kaninchenzucht zugewandt. Da diese aber vielfach aus Unkenntnis falsch betrieben wird, veranstaltet der hiesige Kaninchenzuchtverein am Sonntag den 10. November ds. Js. in der Turn­halle eine Ausstellung. Nachmittags 4 uhr findet ein Vortrag statt, der belehren und aufklären soll, hier­bei wird auch eingehend die Fellbehandlung besprochen, sodaß der Besuch der Ausstellung nur empfohlen wer­den kann.

8 Hersfeld, 8. November. Wegen Tapferkeit vor dem Feinde zum Unteroffizier befördert wurde Wilhelm Bürkle von hier, nachdem er schon wiederholt ausgezeichnet wurde.

Caffel, 8. November. Die Firma L. Pfeifer, Caffel, und ihre Deposiöenkasfen haben für sich und ihre Kunden auf die 9. Kriegsanleihe 22 000 000 M. gezeichnet. Die Zeichnungen auf die sämtlichen Kriegsanleihen erreichen bei der Firma damit den Be­trag von fast 146 000 000 M. Gegen l1 < Millionen M. Kriegsanleihe hat das L a nd st. - I n f. - Ersatz­bataillon X1, 14 in Niederzwehren gezeichnet.

Caffel, 6. November. In den letzten Tagen hatten die Grippeerkrankungen eine wesentliche Abnahme gezeigt. Seit gestern haben sie wieder erheblich zuge­nommen. So führten die Krieger- und die Freiwillige Sanitätskolonne gestern allein je 80 Beförderungen solcher Kranker aus.

Caffel, 7. November. Auf Befehl des Kaisers sollen das gesamte Wilüelmshöher Schloß mit Aus­nahme der kaiserlichen Gemächer, in denen die wert­vollen Kunstgegenstände und Möbel aufbewahrt wer­den, das Prinzenhaus, das mit dem benachbarten Friedrichsgymnasium zu einem Lazarett verbunden wird und vielleicht auch noch das Rote Palais, als Lazarette für die aus den geräumten Gebieten zurück- transportierten Verwundeten eingerichtet werden.

Obersnhl, 7. November. Nachts bräunten Stall und Scheune des Handelsmannes Sigmund Reiff voll­

an Großkampsschiffen aus einem modernen Linien- fchiffsgeschwader von 4 Einheiten, die sämtlich während des Krieges auf Stapel gelegt wurden und aus einem zweiten seit 1914 fertigen, wovon indessen ein Schiff tor­pediert wurde. Der Rest von 12 weiteren Linienschif­fen ist veraltet. Die zwei Panzerkreuzer waren älterer Art. An geschützten Kreuzern sollten nach dem Baupro- gramm von 1914 drei gebaut werden, die jedoch itrdii begonnen wurden. An Tvrvedobootszerstörern zählt die Flotte vier neue, zwölf ackere und sieben veraltete, sowie 26 neue und 24 veraltete Torpedoboote. Die Zahl der Unterseeboote ist zur Zeit unbekannt. Sie betrug bei .Kriegsausbruch acht. Die jetzt ungarische Donau- Flottille bestand aus 10 Fluß-Monitoren, von welchen einige verloren gegangen sind.

Unseren Unterseebooten hat die k. u. k. Flotte bis zuletzt treue Bundesbruderschaft bewiesen, ohne welche die großen deutschen UnterseebootSerfolge im Mittel- meer nicht möglich gewesen waren.

Aorthrlisje gegen Wilson.

9n den Waffenstillstaudsbedingungen für die Türkei und Oesterreich-Ungarn wird man vergebens nach Wil- sonschen Geiste suchen. In konkreter sich die Dinge ge stalten, um so unverhüllter zeigt es sich, daß der Rechts- frieden für unsere Feinde nur eine Kulisse war, daß sie nach einem Macht- und Gewaltfrreden in ausschwetfen- ster Form streben. Darum ist es entschieden ein Zeichen beginnender Klärung, daß die ersten konkreten Angaben über die Friedensbedingungen in einem Artikel des skrupellosesten aller Niederboxpolitiker, des Lord Nortb eliffe in seinenTimes" zu finden sind. Vergebens sucht man in diesen Auslassungen nach den großen Ide­alen Wilsons von der Abrüstung, von internationalen

ständig nieder. Das Vieh wurde glücklicherweise ge­rettet. Dank der Windstille wurde das angrenzende Wohnhaus nur wenig beschädigt.

Frankenhain bei Treysa, 5. November. Von einem schweren Geschicke wurde die Familie des Landwirtes Sauvalgeen dahier betroffen. Gestern abend starb die etwa 30 Jahre alte Ehefrau an der Grippe- heute morgen kam aus Belgien die Nachricht, daß der dort­selbst als Landsturmmann dienende Ehemann in einem Lazarette an der gleichen Krankheit verschieden sei.

Fulda, 7. November. In der letzten Stadtver­ordnetensitzung wurde eine Erhöhung des Gaspreises von 25 auf 30 Pfg. und des Automatengases von 27 aus 32 Pfg. beschlossen.

Bereit sein ist alles!

Dazu gehört vor allem die Erkenntnis der Ge­fahr und die schnellste, stärkste Entschlußkraft zu ihrer Bekämpfung. Unsere Regierung hat endlich den schon so lange brennend gewordenen Entschluß gefaßt und ausgeführt, der jetzt die erste Vorbedingung zur Ver­hütung der grötzten Gefahr ist: die russische Botschaft in Berlin ist aufgehoben, das erste Bollwerk des Bolschewismus in Deutschland ist beseitigt ! Vom Westen her grüßt uns allmählich das so heiß ersehnte Licht des Friedens, eines Friedens zwar, der jeden Deutschen, der sein Vaterland liebt, mit Schmerz und Bitterkeit erfüllen wird, aber doch ein Frieden, der Ruhe, Genesung, von den tausend Wunden des Krieges, allmähliches Wiederaufblühen »ach Nöten und Entbehr­ungen Qual und Elend bringt. Aber da mischen sich in das ferne Licht von neuem schwere dunkle Wolken, grelle I Blitze zucken auf, Anzeichen der Gefahr. Bis jetzt stand der Feind draußen vor den Toren unseres Vaterlandes, unsere blühenden Fluren lagen im rumgen mein -- "IMUM ^^P^

auch auf unsere gesegneten Lande im Innern nieder- zuzucken, den sengenden Brand ins geliebte Heimat­land zu tragen. Du deutsches Land wach auf, erkenne die Gefahr, die dir droht! Auf dem Lande, wo die erdfesten besten Elemente unseres Volkes wurzeln, dort sollte jetzt vor allem die unerschütterliche Kraft wohnen, die den sich allmählich ausbreitenden ver­wirrten und verwirrenden Geistern im Volke das Handwerk endgültig legt. War noch nicht schwer genug, was wir erlebten an vier qualvollen Kriegs­jahren ? Wir stehen jetzt nur vor der einen Frage: können wir dem Bolschewismus entgehen oder nicht? Alles andere ist nebensächlich, alles Trennende muß heute zurückbleiben, Einigkeit ist Not mehr denn je! Die Ereignisse in Kiel und anderswo haben es jedem deutlich gezeigt, was für uns aus dem Spiele steht. Das ganze deutsche Volk muß sich jetzt zusammenschließen, einmütig hinter der Regierung stehen, um ihr die Kraft in diesem Kampf zu stärken. Es darf jetzt nichts verschleiert werden, offen und ehrlich müssen wir der Gefahr ins Auge blicken. Treu und stolz und stark hat unsere Front gestanden im Kampf gegen den äußeren Feind. Und wir glauben an den Geist, der in unserem Volke gottlob noch lebt! Wir haben das Bewustsein, noch Kraft in der Seele zu haben, um uns einzusetzeu mit Leib und Leben für unser heiliges Ideal, für das Blühen und Gedeihen unseres geliebten Vaterlandes!

Schiedsgerichten, von der Freiheit der Meere und von der Verleumdung eines Wirtschaftskrieges. Den Bölker- bund will Lord Northcliffe auch nur für einen sehr späten Termin haben, wohl in der Hoffnung, daß eine Aufschiebung einer Aufhebung gleichkornmen wird. In der Zwischenzeit aber kann England seine Weltherrschaft festigen und ausnützen. Daraus sind die Friedensbe- dingungen Lord Nortbeliffes in jeder Beziehung ange­legt. Sein Raubfrieden erfordert natürlich eine mbg lichst starke Schwächung Deutschlands. Darum verlangt er die Rückgabe Elsaß-Lothringens an Frankreich, ohne sich auf das Selbstbestimmungsrecht der Elsaß-Lothrin­ger bestimmt und unmißverständlich festzulegen. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das ja den Briten auch sonst im eigenen Hause unbequem werden könnte, möchte er auch nicht zur Grundlage der Abgrenzung Polens machen. Polen soll nach Westen hin so abge= grenzt werden wie die Friedenskonferenz es auf Grund einer preußisch-polnischen Komurisstousarbeit beschließt. Selbstverständlich kennt seine Forderung zur Befriedi- Sung der kapitalistischen Instinkte seines Landes keine (rensen. Er verlangt den vollen Ersatz des durch den Unterseebootkrieg vernichteten Hanöesfchfffsraums Eng­lands und der Neutralen. Von einer Vergütung der Schäden. die uns in Ueberfee und Heimat besonders durch Englands Skrupellosikeiten erwachsen sind, redet er natürlich nicht. Auch unseren Kolonialbesitz will er uns dauernd vorenthalten, damit Englands Weltherr- schafft und sein kapitalistisches Gedeihen nie mehr durch uns tangiert werde. In jedem Satz schlägt der schroffste der englischen Gewaltpolitiker so den Wilsonschen Grund­sätzen ins Gesicht. Es ist klar, daß der Friede auf der Grundlage eines solchen Programms ein nackter Ge­walt- und Raubfrieden wäre. Die weiteren Abmach- ungen hätten dann nur einer Sinn für England, indem sie ferne Weltherrschaft stabilierten und seine Beute .starten.