Hersfelder Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
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8 Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- •
8 zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei : f Hersfeld. Für die Schristleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. | SMSBBBecaRcaaaMBQaBBaBBBBaBwsaaBBf BaBBBasaaBSBBBBBaBaaaBaBaaBaBBaaBSBBHHBDaanBBBSBBs
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
; Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im : amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Fernsprecher Nr. 8.
Nr. 262
Donnerstag, den 7. November
1918
Bui der Heimat.
* (Auch eineKriegsnot!) Der rechtschaffene Bürger, der am Mittag oder Abend die Tageszeitung zur Hand nimmt, um sich über die näheren und ferneren Ereignisse, die innere und äußere Politik aus zuverlässiger Quelle zu unterrichten, und über jede Verspätung unwillig ist, macht sich gewiß nicht klar, mit welchen zahlreichen Schwierigkeiten der Zeitungsbetrieb gegenwärtig zu kämpfen hat. Störungen und Verspatuügen bei der Uebermittlung der Nachrichten, die sich nachher in kurzem Zeitraum zusammendrängen, Mangel an allen Rohstoffen, vor allem die Papierknappheit, Stockungen in der Lieferung wichtiger Materialien, der Farbe und des Oels usw., Unterbrechungen der Kraftzufuhr im Verlauf des Druckes, Personalschwierigkeiten — alle diese Störungen sind nichts Ungewöhnliches. Wenn aber alles „im Schuß" ist, kommt schließlich die Grippe. Sie reißt Lücken in den Redaktionsstab, unter den technischen Angestellten, schränkt den Telephon-, den Eisenbahn- und Postverkehr ein. Die Züge, mit denen die Zeitungspakete fort sollen, fallen aus: Unter all diesen ungemein erschwerenden Umständen ist es verzeihlich,: wenn dann und wann diese Nöte auch auf die Ablieferung der Zeitungen einwirken. Wer Zeitungen bekommt, die weite Reisen mit der Eisenbahn machen müssen, wird das verspätete Eintreffen bestätigen können.
* Gegen den Schleichhandel mit Fleisch soll schärfer vorgegangen werden. Größte Sparsamkeit im Fleischverbrauch ist bekanntlich geboten. Die fleischlosen Wochen werden daher nach den nunmehr endgültig festgestellten Bestimmungen auch für die Monate November, Dezember und Januar beibehalten werden, doch ist mit Rücksicht a» f die Wa-hnachtsfeier- tage ihre Zahl auf drei, o. h. auf je eine tm Monat herabgesetzt. 'Dazu schreiben die „Mat. zur Tagespolitik": Grundbedingungen» für den Erfolg dieser Einrichtung ist naturgemäß, daß nicht nur auf dem Lande, sondern auch in den Städten die fleischlosen Wochen eingehalten werden. Leider gibt es noch eine Unzahl von Fällen, in denen besonders in Gastwirtschaften Fleisch markenfrei verabfolgt und in anderer Form Vieh und Fleisch auf ungesetzmäßigem Wege den Verbrauchern zugeführt werden. Auf diese Weise gehen der Allgemeinheit enorme Fleischmengen verloren und alle Vorteile, die aus einer Schonung unserer Viehbestände durch verringerte gesetzmäßige Abschlachtungen erwachsen, werden dadurch wieder ausgeschaltet. Beim Landesfleischamt ist, um diesen Mißständen entgegenzuwirken, daher jetzt eine besondere Stelle geschaffen worden, die sich ausschließlich mit der Bekämpfung des Schleichhandels mit Vieh und Fleisch befaßt und im Zusammenwirken mit den Provinzial- und Bezirksfleischstellen und den Kom- munalverbäuden den unerlaubten Schlachtungen mit den wirksamsten Mitteln entgegentreten soll.
* (Kriegsanleihe-Zinsscheine als Geldersatz). Die wiederholt erörterte Maßnahme, daß zur Milderung des plötzlichen Bargeldmangels die Zinsscheine der Kriegsanleihen vorübergehend
für gesetzliche Zahlungsmittel erklärt wurden, scheint in manchen Kreisen des Publikums noch immer nicht richtig verstanden zu sein. Darum sei nochmals gesagt, worum es sich handelt. Durch die sinnlose und gar nicht scharf genug zu verurteilende Banknotenhamsterei ist im Verkehr eine Knappheit an Zahlungsmitteln entstanden, die nicht schnell genug durch Neudruck von Banknoten und Darlehnskassenscheine beseitigt werden konnte. Stockungen im Zahlungsverkehr (bei Lohnzahlungen usw.) aber müssen unbedingt vermieden werden. Deshalb ist man auf einen Gedanken verfallen, der in seiner Einfachheit und Wirksamkeit an das berühmte Ei des Kolumbus erinnert. Die Reichsschuldenverwaltung hat sich bereit gefunden, den Kriegsanleihebesitzern, die erst am 2. Januar nächsten Jahres fällig werdenden Zinsscheine ihrer Anleihen schon jetzt einzulösen. Diese Zinsscheine, die dadurch jetzt aus den Bankdepots und aus den privaten Geldschränken herauskommen, sollen dann als Geldzeichen dem Verkehr zur Verfügung gestellt und bis zum Tage ihrer wirklichen Fälligkeit als Banknotenersatz benutzt werden. Die Besitzer der Kriegsanleihe erhärten dadurch einen neuen Vorteil, indem sie ihre Zinsen schon jetzt, also mehr als zwei Monate vor Fälligkeit, erhalten. Der Verkehr aber erfährt in seiner Kalamität eine wichtige Erleichterung. Denn es sind mehr als 800 Millionen Geldzeichen, die ihm auf diese Weise zuströmen, und die zusammen mit den Geldzeichen, die verschiedene Städte, große Jndustriewerke usw. jetzt ebensfalls so schnell wie möglich drucken, hoffentlich dazu dienen werden, über den Bargeldmangel solange hinwegzuhelfen, bis die Vernuft und das Verantwortlichkeitsbewußtsein bei dem Publikum wieder so weit zurückgekehrt sind, daß die jämmerliche Notenhamsterei aufhört.
):( Hersfeld, 6. November. In verschiedenen Veröffentlichungen der Tagespresse sind auch die Blätter, die Stengel und die reifen Kapseln des im Jnlande angebauten Mohnes als'Tabakersatzstofse empfohlen worden. Gegen eine derartige Verwendung diefer Pflanzenteile, namentlich der Mohnkapseln, liegen aber wegen der damit verbundenen gesundheitlichen Gefahren Bedenken vor. Der Schlafmohn (Papaver somiferum) ist diejenige Pflanze, aus der das Opium gewonnen wird. Auch der in Deutschland angebaute Mohn enthält Opiumbestandteile. Das Opium verdankt seine Wirksamkeit einer großen Zahl von giftigen Bestandteilep und zwar ist der Milchsaft der unreifen Kafpeln daran am reichsten. Unter ihnen befindet sich das Morphin. Auch in der reifen Kapsel und wahrscheinlich in allen Teilen der Schlafmohnpflanze befinden sich geringe Mengen von solchen Giften, die bei häufiger Benutzung des Mohns als Rauchtabak dem Körper schaden können. Es ist also vor der Verwendung der Mohnpflanze als Tabakersatz zu warnen.
Asbach, 4. November. Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde der Jäger Adam Grunewald, bei einem Reserve-Jäger-Bataillon.
Wehrshauseu, 4. Nov. Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde der Musketier Karl Bock.
Rotenburg a. d. Fulda, 5. November. Auf der Eisenbahnstrecke Cassel-Bebra-Thüringen hat sich heute nachmittag zwischen 5 und 6 Uhr ein entsetzlicher Unglücksfall mit tödlichem Ausgang zugetragen, indem die Bahnwärterin Elisabeth Becker aus Rons- Hausen, welche in der Nähe des Dorfes in dienstlichen Eigenschaften den Bahnkörper überschreiten wollte, von dem Berlin-Casfeler D-Zuge angerannt, überfahren und auf der Stelle getötet worden ist. Die Unglückliche muß das Herannahen des Schnellzuges, welcher eine längere Verspätung hatte, nicht rechtzeitig wahrgenommen haben.
Rotenburg a. F., 4. November. Die spanische Grippe wütet in unserm Kreise in verstärktem Maße weiter. In den meisten Ortschaften breitet sie sich weiter aus. Auch Gemeinden die bisher verschont waren, sind jetzt von der heimtückischen „Pest" ergriffen. In Heinebach, Baumbach, Hergershausen, Erdpen- hausen, Nieder- und Obergude usw. liegen ganze Familien schwerkrank darnieder und mancher schon steif und kalt auf dem letzten Stroh. In solchen Notzeiten wacht das Andenken an den ZOjährigen Krieg mit seinen Schrecken auf: Krieg, Hunger und Pest, der schweren Zeit Gepreßt!
Gaffel, 5. November. Nachts wurde in dem Hut- unö Pelzwarengeschäft von Klebe ein großer Einbruch ausgeführt. Die Täter haben sich vermutlich in das Haus einschließen lassen. Sie stahlen vorwiegend Fuchspelzgarnituren, die in einem Schranke hingen, und nahmen außerdem aus dem Schaufenster eine iBijiÄ^^ einer anderen Kasse fanden bei den Dieben keine Gnade. Die gestohlenen Sachen haben einen Wert von achttausend Mark.
Ockershausen, 6. November. Von den fünf Mitgliedern der Familie Fischer sind bereits vier der Fieberpest erlegen. Das letztverbliebene Kind liegt krank darnieder.
Bad Sachs«, 4. November. Beim Abklopfen von Bucheckern fiel hier der 70jährige Heinrich Beck von einer Buche herab und brach das Genick.
Abterode, 4. November. Die Grippe herrscht hier und in der Nachbarschaft. Anfangs trat sie leicht auf; jetzt fordert sie zahlreiche Opfer.
Aus der Rhön, 4. November. In Stadtlengsfeld erlagen Porzellanmaler Deichmüller und Frau an einem Tage der Grippe. Das Ehepaar wurde in einem gemeinsamen Grabe zur Ruhe bestattet. — In Michelsrombach starb an der Grippe der Kaufmann Wilhelm Schaum und am zweiten Tage darauf dessen Frau.
Langen (Hessen), 4. November. Der Arbeiter Wirz wurde durch seine eigene 20jährige Tochter erschossen, die angab, in Notwehr gehandelt zu haben.
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~ M hat, etwas Dauerndes und Un- arunr nmß der neue Zristmü» in den Reiches Verankert werden. Ehe der Er die einzelnen, dahin sielenden Ent-
______^1, hat er noch etttmal die großw Gegen- e aufaezeiat. umdis-es sich in diesem Völkerrtnaen NUnmehrKandelt. Rechtsfrtedeoder Gewaltfriede das teidiauna organisiert werden, so nur darum, damit nnö ber ScW Ritt Recht sagt der Reichst uz-
ter: „Wer sich eW den Boden des Rechtsfriedens fresst füll ouM die Pflicht, sich nicht kampflos den:
Grunde und mewwwer Don verdient yar, muß reyr die Freiheit und Selbstbestimmung unseres Volkes für alle Zeiten gesetzlich gewährleistet werden. Der Reichskanzler skizzierte in seiner Rede knapp die einzelnen Entwürfe. Einmal müssen die Abgeordneten die Möglichkeit haben, in die Reichsleitung einzutreten, ohne Laß sie ihren SÄr im Parlament verlieren. Jeder Staatssekretär muß Stellvertreter deS Reichskanzlers werden können, die politische Verantwortlichkeit des Reichskanzlers erfordert eine Eicheruno durch die Schaffung eines StaatSgertchtshofest über die wichtige Frage der Kriegs - und Früdensents(betonng soll die Volksvertretung das volle Recht der Mitbestiimmrng haben. Kommt der Völkerbund, so muß naturgemäß auch hier der Volksvertretung das Zustimmungsrecht eingerämnt werden.
auch die Pflicht, sich, nicht kampflos ., zu beugen." Ueber die Tragweite un taun kem Zweifel obwalten. Prinz , Äsichtsloser Wahrheit die Kom^.........
„ Für unsere MachtcheMma gilt was wir bestimmen, sonE"
««»wruche als Recht ersannt wird. <-1™ — -- •*.--•'-
nur für uns, sondern auch für jeden unserer Fe tobe. Der Völkerbund kann nur zustande kormmn, i^nn E Völ- ter sich zur nationalen Selbfittbermmdung dmchrmgnl. Dieser Klarheit gegenüber liegt das große Dunkel, wie das Kräfte verhüttn l s der »wW?e$ S gegenüber den Gewaltpolitikern bei «usL^n Feindeil verteilt ist. Davon hängt es ab, ob losfürgekümpft W den muß. UnabMmüa davon aber M M^ der
ebnet sair haben uns für den R^chtsji jeden ich, die große ZHee des Völkerbundes ist unser „etuorbüL Darum müssen wkr rms nicht m
sich sondern auch in den formalen GesetzesbEmmin- fWt»»
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Sie ZrrWmnzM in Frankreich nnö Belgien.
Feststellungen der ventralen Kommission.
Das vom spanische!: Gesandten, Marquis de Ml- lalobar, dem hotlüü Weben Geschäftsträger Miuisterre- fident van Volleuhöhen und von dem Delegierten des belgischen ErnährMgswertes, dem belgischen Stacsis- anaeböiigcu van «. gemeinsam verfaßte Protokoll über das Ergebnis ihrer Untersuchung in den letzt geräumten Gebieten ist überaus umfangreich und betrifft Erhebungen in den Orten Baleneieunes, Donar, De- nain, Tournar usw. Am Schlusie werden folgende zu- sammenfassende lirteile abgegeben:
Die tu Tournai durchgefumten Maßnahmen, d. b. rechtzeitige amtliche-Kundurachung der der Bevölkerung drohenden Gefahr, Erlaubnis, die gefährdete Stadt zu .....' " ' -------^eichterung der von Sonder- ' beste Lösung h unter diesen >te ihnen dro- Die Gesand- eben, wie sich lentaen Stadt«
oerranelk, und matt Räunmng, insbeso^
Räunmnw insbesondere durch -Stellung zügen, ist nach LiuMt der Gesandten dt, der Frage. Diejenigen Personen, die nm Umständen daheim bleiben, tragen für . Hende Gefahr selbst die Berantwortnng. ten können nicht ohne weiteres voraus! hinsichtlich der BefESung die Lage der
Gestalten würde, die sich tot Bereich der VerteidigurtgS. oder Anariffslinie, der kriegführerrden Arureen befinden.
Nichtsdestoweniger muß man bei allem Verständnis für die Bevölkerung, die ihre Wohnstätten nicht zu verlassen wiinscht, besonders bei der gegenwärtigen Lage Belgiens, anerkennen, daß für diejenigen Städte, die sich in der Verteidigungslinie selbst befinden, eine vollständige Evakuierung als ein Vorgehen der Menfchlickkeit betrautet werden muß. Zweifellos kann die Bevölkerung, die die Wirkungen und Notwendigkeiten des Krieges nicht kennt, die ihr bei einer fortgesetzten heftigen Beschießung drohende Gefahr, beionders wenn es zur Flucht zu spät ist, niebt voraussehen. Die Gesandten erkennen gern an, daß die Maßnahmen, die von den deutschen Behörden in den Städten, denen die Beschießung drohte, ergriffen worden sind, stets von der Sorge um die Lage der Bevölkerung getragen waren, deren trauriges Los sie, so gut es tonen möglich war, zu mildern bemüht gewesen sind. Zum Schluß glauben die Gesandten betonen zu müssen, daß die deutschen Behörden mit dem größten Entgegenkommen bemüht waren, für ihre Reise die bcftmüatleben Bedingungen zu schaffen, und daß die deutschen militärischen Stellen alle Dispositwuen .getroffen hatten, sowohl um die Fahrt zu erleichtern, als auch um den Gesandter: Gelegenheit zu geben, sich ungestört sei es mit der: Vertretern der Zivilbevöl- feruna. sei es mit Vertretern der Behörden oder selbst mit gewöhnliche:: Privatleuten — zu unterhalten. Die Gesandten sind den deutschen Behörden Vr die W merksamkeit, mit der sie im Verlauf ihrer Reise bedacht worden sind, dankbar.
Somit wird dann von völlig einwandfreier neutraler Seite der Wilsonsche Borwurf der Grausamkeit oder Gewalttätigkeit, die er dem deutschen -Heere und seinen Führern gemacht hatte, Lügen gestraft. Man kann gespannt darauf sein, welche Ausflüchte der Präsident nun machen wird, um seine Haltung zu rechtfertigen.