Hersfelder Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt V Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im ■ amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfemig. i Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Fernsprecher Nr. 8.
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E zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei j s Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. 5
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Nr. 261
Mittwoch, den 6. November
1918
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 31. Oktober 1918.
Unter den Pferdebeständen des Landwirts Adam Schweinsberg in Berneburg und Wilhelm Nölke Ui in Jba im Kreise Rotenburg ist die Räude ausgebrochen.
Tgb. Nr. i. 11679. Der Landrat.
• J. V.:
Funte, Kreissekretär.
Absendevermerk auf Kriefen und Postkarten nach dem Ausland.
Auf Grund des Artikels 68 der Reichsverfassung in Verbindung mit § 9 b des Preußischen Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 und dem Reichsgesetz vom 11. Dezember 1915 (R. G. Bl. S. 813) wird für die Dauer des Kriegszustandes für den Bezirk des 11. A. K. aus Gründen der öffentlichen Sicherheit folgendes vereordnet:
L
Auf Briefen und Postkarten nach dem Ausland hat der Absender seinen Vor- und Zunamen, Beruf, Wohnort nebst Straße und Hausnummer anzugeben.
II.
Wer dies unterläßt oder falsche Angaben macht, wird, wenn die bestehenden Gesetze keine höhere Strafe bestimmen, mit Gefängnis bis zu einem Jahr und beim Vorliegen mildernder Umstände mit Haft oder Geldstrafe bis zu 1500 Mark bestraft.
III.
Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündigung in Kraft.
«assel, den 17. Oktober 1918.
Der Kommanlierende General
v on Kehler, +
Generalleutnant. * * * Hersfeld, den 28. Oktober 1918. Wird veröffentlicht. Tgb. No. i. 11561. Der Lanörat.
:
Funke, Kreissekretär.
Dritte Ausführungsbestimmung
zu der Verordnung über die Preise für Butter vom 25. August 1917 (RGBl. S. 731).
Auf Grund des § 14 der Verordnung über Preise für Butter vom 26. August 1917 wird folgendes bestimmt:
• 1.
Mit Genehmigung der Landeszentralbehörden oder der von ihnen bestimmten Stellen können bei Vorliegen eines dringenden Bedürfnisses die in § 9 der Verordnung für Gemeinden bis zu 30 000 Einwohnern festgesetzten Zuschläge wie folgt erhöht werden:
Der Zuschlag für den Kleinhandel um 5 Mark auf insgesamt 18 Mark für 50 kg.
Soweit Preisprüfungsstellen bestehen, sind sie vor der Festsetzung zu hören.
Der türkische Friede und wir.
Jzzet Pascha hat rasche Arbeit getan. Noch nicht Mei Wochen seit der Uebernahme der Macht und dem Rücktritt Enver Paschas und Talaat Paschas hat er nunmehr offiziell bei der Entente um den Waffinstill- tand und den Sonderfrieden, angesucht. Er weiß nur zu gut, daß, wie die Dinge liegen, der türkische Friede nur ein solcher auf Gnade und Ungnade sein kann. Die durch den deutschen Willen zur Aufrechterhaltung der Türkei schon vor dem Weltkrieg so viele Jahre hinaus- geschobene Aufteilung des türkMen LauArkonE ist damit in greifbare Naye gerückt. Nur zu sehr kommen die Wilsonschen Forderungen nach der ^elbstve- stimmung der Völker, auch der flennten, hier den englischen und französischen AmierwuswuE
Wenn auch dem Scheine nach das große arabische Reich rnd Kalifat ausgerichtet werden sollte, von dem du eng- iischen PolAiker seit so langen Jahren aus leicht begreif- lichen Gründen schwärmen, wenn auch Ärmemen, Palästina und Syrien ihre eigene staatluge ^Asten-, erhal- eii sollten, so liegt doch nur allzu klar zutage, wer die eigentlichen Drahtzieher in allen düsem^aus eigener grast zu schwachen Sonderreichen sein werden. ist ün uralter Plan der Engern der. ihr indischesKar erreich mit dem Mittelmeer imreb eine sElaufiuüe Handdrücke zu verbinden. Nun end ich ist ou Au^rMick in, der dem triumphierenden England diese,-wie nicht geleugnet werden kann, großartige Erfüllung ur den Schoß wirft. In Syrien waren schon tut Aaln Hunderten französische Missionare. Schulen und Politikeran der Arbeit, um dieses Land für die künftige franMsche Oberhoheit gründlich vor zu bereiten. Es ist mu trauriges Schicksal, das die sieggewohnten osmanischen Trup- pen von Kut el Amara, vom Suez-Kanal, den Darda- nellen, und von Galizien nun dazu zwingt, die Fahnen einzurollen. Wenn sie den Mut und den Glauven an eine bessere Zukunft nuti verloren habemsoist da«- darum, weil sie bis heute fast Uebermenschlich;s gelelstet haben. Ihre Nerven haben nun endlich gegenüber den umlischen Schlachtschiffen. ^anzerflnsbooten und Tank-
2.
Außer den Zuschlägen, die im § 9 der Verordnung und den dazu ergangenen Ausführungsbestimmungen festgesetzt sind, kann im Groß- und Kleinhandel von dem Verkäufer bet jedem Verkauf von Butter ein weiterer Zuschlag bis zu 5 vom Tausend des Butterpreises, den der Verkäufer Bet seinem Einkauf bezahlt hat, erhoben werden. Beträgt der vom Verkäufer für die durch ihn erfolgende Lieferung zu zahlende Umsatzsteuerbetrag weniger als 5 vom Tausend, so ermäßigt sich der Zuschlag auf den Betrag der Umsatzsteuer.
3.
Diese Ausführungsbestimmung tritt am 1. Nov. 1918 in Kraft.
Berlin, den 25. Oktober 1918.
Reichsstelle für Speisefette.
Rothe.
Zweite Ausführungsbestimmung
zu der Verordnung über die Preise von Margarine vom 11. September 1918 (Reichs-Gesetzblatt S. 1109).
Auf Grund des § 4 der Verordnung über die Preise für Margarine vom 11. September 1918 wird folgendes bestimmt:
1.,
Mit Genehmigung der Landeszentralbehörden oder der von ihnen bestimmten Stellen können bet Vorliegen eines dringenden Bedürfnisses die in § 1 der Verordnung festgesetzten Zuschläge für Gemeinden bis zu 30 000 Einwohnern wie folgt erhöht werden:
Der Zuschlag für den Kleinhandel um 5 Mark auf insgesamt 18 Mark je 50 kg.
Soweit Preisprüfungsstellen bestehen-, sind sie vor der Festsetzung zu hören.
2.
MM-Äuper den ^uftyiuac«,- wjm -^fM jiar NsHUMMMp und den dazu ergangenen Ausführungsbestimmungen festgesetzt sind, kann im Groß- und Kleinhandel von dem Verkäufer bei jedem Verkauf von Margarine ein weiterer Zuschlag bis zu 5 vom Tausend des Margarine- preises, den der Verkäufer bei seinem Einkauf bezahlt hat, erhoben werden. Beträgt der vom Verkäufer für die durch ihn erfolgende Lieferung zu zahlende Um- satzsteuerbetrag weniger als 5 vom Tausend, so ermäßigt sich der Zuschlag auf den Betrag der Umsatzsteuer.
3.
Diese Ausführungsbestimmung tritt am 1. Nov. 1918 in Kraft.
Berlin, den 25. Oktober 1918.
Reichsstelle für Speisefette. Rothe.
Bus der Heimat.
* (Weihnachten ohneKerzen.) Weihnachten muß dieses Jahr ohne Christbaumkerzen gefeiert werden. Der Verband Deutscher Wachswarenfabri- kanten versendet an seine Mitglieder ein Rundschreiben, in dem es heißt: „Die Anfertigung von Weihnachts
geschwadern versagt. Bon Seuchen dezimiert, von Hungersnöten geschwächt, durch die endlosen Kriegsjahre zermürbt, die sie schon vor dem Ausbruch des Weltkrieges gegen den Balkanbnnö, gegen die aufständischen Albanesen, gegen die aufständischere Araber im fernen durchzukämpsen hatten, waren die Ereignisse stärker als selbst ihr stoisches Vertrauen auf ihren Gott. — In Deutschland wird man dieser Waffenstreckung ohne Haß und Bitterkeit gegenüber stehen müssen. Nicht Gefühle haben jetzt das Wort, sondern einzig und allein die Sprache der Tatsachen und die klare Ueberlegung. Im übrigen wird das letzte Wort über das türkische Schicksal erst am Friederrstisch der versammelten Nationen besprochen werden. Hier wird auch der Platz für die deutschen Unterhändler sein, die aus der Liquidation das zu bewahren haben werden, was ein deutsches Lebensinteresse war und noch immer ist: die Möglichkeit eines freien und ungehinderten Wettbewerbes für den deutschen Kaufmann und Industrieller- in Borderasien und Mesopotamien bis an das Persische Meer. Und sie werden den Unterhändlern der Feinde klar machen müssen. daß hier eine der Grundbedingungen des wirklichen Berständchungsfriedens festgeleät ist, — daß es hieße, Deutschlands Zukunft erneu Riegel vorzuschie- ben, wenn der tlirkisch-asiatische Markt zu einem Reservat für die Sieger von heute würde und nicht das wirtschaftliche Allgemeingut restlos aller, die jurn wirtschaftlichen Wettbewerbe fähig sind.
Sie Lebeusmilielssrge« Set Enleule.
Es gibt bei uns noch Leute, die glauben, daß unsere Feinde mit ihrer Lebensmittelversorgung wesentlich besser daran sind als wir Wir wissen aber aus vielen verbürgten Stimmen, wie sehr sie unter äußerster Knappheit sowohl der Lebensmittel wie der Kohlenver- sorgung leiden. Und es steht fest, daß sie in dieser Hinsicht Nur noch eine Verschlechterung zu erwarten haben. Dafür ist eine Notiz in der „Mornmg Post" vom 7. Oktober bezeichnend:
kerzen ist in diesem Jahre verboten. Grund hierfür ist die außerordentliche Knappheit an Paraffin. Die Produktion entspricht schon längere Zeit nicht dem Bedarf. Da außerdem wesentlich weniger Petroleum zur Verteilung kommt als im vorigen Jahre, ist das Verlangen nach Kerzen ein weitaus größeres."
* (Keine Pakete mehr nach Belgien.) Der Privatpaketverkehr von und nach dem Generalgouvernement Belgien muß bis auf weiteres eingestellt werden. Die Reichs-Postanstalten und die deutschen Postanstalten in Belgien haben daher Anweisung erhalten Privatpakete nicht mehranzunehmen.
):( Hersfeld, 5. November. Wer seine Schuhe ausbessern lassen will, wendet sich am besten an einen Schuhmacher, der geschickt mit Ersatzsohlen fertig werden' kann. Wer möchte nicht gern Leder anstatt Ersatz haben! Die harte Kriegszeit zwingt aber jedermann zu der Einsicht, daß in erster Linie unsere Soldaten so reichlich wie möglich mit bestem Lederzeug ins Feld geschickt werden müssen. Dann aber bleibt für die Heimat nicht mehr viel übrig. Wir müssen uns nicht nur während des Krieges mit Ersatzstoffen für Sohlen behelfen, sondern werden auch noch lange Zeit nach Friedensschluß Ersatzsohlen tragen müssen. Das hört sich weit schlimmer an als es wirklich ist. Von den Sohlen verlangen wir in erster Reihe Wärme, Wasserdichttg- keit und Dauerhaftigkeit. Es gibt auch Ersatzsohlen, die diese wichtigsten Eigenschaften des Leders besitzen. Die Reichsregierung hat ja eine eigene dem Reichswirtschaftsamt unmittelbar unterstellte Kriegsorganisation geschaffen, die alle Ersatzstoffe für Leder ausproben muß» bevor sie in den Verkehr kommen. Im Bunde mit der so erfinderischen deutschen Technik ist es ihr geglückt, einen sicheren Ausweg aus der Sohlennot zu finden. Das war nicht so einfach, da die deutsche Zivilbevölkerung im Jahre wenigstens ampthnnhert Millionen Paar Sohlen durchläuft. Die Deckung dieses gewaltigen Bedarfes ist nur durch stärkste Verwendung von Holz für Sohlen möglich. Holzsohlen liegen bereits in bequemer und gefälliger Form vor. Holz ist ober doch etwas anderes als Leder. Das hat schon mancher Schuhmacher erfahren. Deshalb mußte in Berlin eine Lehrwerkstätte eigens für Schuhmacher errichtet werden, in der diese mit der Verarbeitungsweise der Ersatzsohlen, besonders der Holzsohlen, bekannt gemacht wurden. Auch vom Schuhmacherhandwerk verlangt der Krieg, etwas Neues zu lernen. Und das Neue hat sich bewährt. Die in Berlin ausgebildeten Schuhmacher haben die Kenntnis der Verarbeitungsweise der Ersatzsohlen auch an ihre Fachgenossen in der Heimat weitergegeben und verarbeiten die Holzsohlen nunmehr ebenso zuverlässig wie die Ledersohlen. Sie haben mündlich und schriftlich bestätigt, daß ihre Kundschaft in Land und Stadt mit den Ersatzsohlen jetzt durchaus zu- srieden ist.
):( Hersfeld, 4. November. Wir weisen daraufhin, daß die Sprechstunden der Gerichtsschretberei des Amtsgerichts Hersfeld durch den Herrn Landgerichtspräsidenten auf werktäglich 11, Uhr vorm. bis 1 Uhr nachmittags festgesetzt worden sind.
„Minister Clynes erklärt to seinem Brief an Bei Vorstand der los tuen Nahrungsmittel-Kontrollausschüsß unter anderem: Der stets steigende Bedarf an Tonnage für Lebensmittel, Munition und den Transport der amerikanischen Truppen wird im nächsten Jahre mög« licherweise in der Versorgung des Landes mit Lebens« Mitteln neue und äußerst ernste Schwierigkeiten ver- Ursachen. Demnach dürfte aller Voraussicht rmch jeder einzelne Haushalt sich «och größere Beschränkungen in Verbrauch von Lebensrnitteln auferlegen müssen all bisher."
Und das gleiche Thema behandelt eine Notiz im „Petit Journal" vom 17. Oktober:
„Seit vier Jahren ist unser Land ohne Dünger oder empfängt davon nur eine ungenügende Menge. Man besät eine größere Oberfläche als früher, aber das Ergebnis ist geringer.
Augenblicklich fehlen die chemischen Dünger, unk niemals war dieser Mangel beunrühigender, denn roh befinden uns in der Zeit der Aussaat, deshalb hören wir auch Klagelieder, und die landwirtschaftlichen Syndikate aller Landesteile verlangen dringend die Intervention der zuständigen Minister. Jedermann weiß daß tatsächlich nur ein Grund die Ankunft der chemischen Dungmittel verhindert, nämlich: die Eisenbahn- geseüscüaften haben Mangel an den notwendigen Transportmitteln.
Nicht allein für Düngemittel fehlen die Transport- möglichkeiten, die Krisis betrifft vielmehr alle Etzwaren, Frühobst, Gemüse und besonders die Kartoffeln: dabei darf ich in dieser sehr unvollständigen Aufstellung auch die Weine nicht vergessen. Es gibt Weinbauern, die seit vier und fünf Monaten ihre Fässer den Eisenbahngesell- schaften abgetiefert haben, und die Käufer haben die Sendung noch nicht erhalten. Der Besitzer läuft Gefahr, seine Ware zu verlieren, und muß enorme Unkosten zahlen: Zinsen, Gebühren für Einlagerung der Fässer usw. Auf diese Weise vergrößert der Mangel an Transportmitteln die Teuerung des Lebensunterhaltes."