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Nr. 249

Mittwoch, bett 23. Oktober

1918

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 22. Oktober 1918.

Die Mühle des Müllers Jakob in Heringen ist bis auf Weiteres wieder geöffnet worden.

Tgb. No. K. G. 4313. Der Landrat.

, Funke, Kreissekretär.

Hersfeld, den 18. Oktober 1918.

An die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises.

Ich erinnere nochmals an die sofortige Ein­sendung der Hundesteuerzugangsliste für das 2. Quar­tal des Rechnungsjahres 1918 mit Frist bis zum 30. ös. Mts.

Der Vorsitzende des Kreisansschuffes.

J. A. Nr. 9786. I. V.

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Bus der Heimat«

* (Unsere Schuld.) Wenn man vor kurzem die deutschen Zeitungen in die Hand nahm, konnte man glauben, wir lebten nicht in einem Krieg gegen die halbe Welt, sondern in einem Bürgerkrieg. Wir haben unter ewiger Krittelei an den wirtschc^tlichen Einrichtungen unseren Willen zur Selbsterhaltung so geschwächt, daß der Feind einen Erfolg erringen konnte, der ihm sonst geblieben wäre. Jetzt muß in jedem Deutschen die Erkenntnis der ernsten Stunde ge­weckt werden. Der Feind ist willens, in unsere Heimat ! WiriM^ffa^ aber nw gelingen, wenn, j wir die durch Wirksamkeit fesnVNchTWWWMM»^^^^ splitterten Kräfte unseres Deutschtums sammeln. Noch sind wir imstande, großes Unheil zu verhüten. Handeln wir darnach und bezeugen wir auch unseren Soldaten, daß wir ihnen die verdiente Achtung nicht versagen. Da der Krieger heute nicht mehr soviel Liebesgaben wie früher erhalten kann, so muß er dafür täglich fühlen, daß seine Treue durch Treue vergolten wird.

* Regenschwere Spätherb st tage stimmten das Gemüt nachdenklich, vielleicht jetzt noch mehr als sonst. Draußen aber vergeht mit den letzten Oktober­tagen viel prangende Schönheit, und die leuchtende Pracht unserer herbstlichen Wälder grüßt in die müde gewordene Natur, die zum Winterschlummer sich rüsttet. Nur noch ganz kurze Zeit und die bunten Farben welche der Eintönigkeit der grauen lichtlosen November­tage ! Doch der letzte Herbstessonnenschein läßt uns bei allem Vergehen da draußen tröstend der Dichter­worte gedenken:.....und es leuchten Wald

und Heide, daß man sicher glauben mag: hinter allem Winterleide lockt ein ferner Frühlingstag."

* (Vorsicht!) Wie wir von maßgebender Stelle erfahren, sind unsaubere Elemente hauptsächlich auf dem Lande bemüht, die Mißstimmung des Volkes auszunutzen und Kriegsanleiheschetne für bedeutend weniger als die Nennwerte aufzukaufen. Vor diesen Schwindlern sei dringend gewarnt und stets zu be- denken, daß unsere Deutsche Kriegsanleihe zu pessimi­stischem Betrachten keinen Anlaß gibt und geben wird.

):( Hersfeld, 22. Oktober. Ein Fettregen ergießt sich über viele Gegenden des deutschen Vater­landes. Die Bucheckern fallen jetzt allenthalben. Jedermann kann sammeln und in den Besitz von Oel gelangen. Zu diesem Zwecke gibt er die ge­sammelten Bucheckern an der nächsten Abnahmestelle gegen Bezahlung ab; es werden bis zu 1,65 Mark für das Kilogramm vergütet. Er läßt sich außer dem Sammmellohn auch einenOelbezugsschein aushändigen, der zum Bezug von 60 gr Oel auf jedes abgelieferte Kilogramm Bucheckern berechtigt und kann dann später dieses Oel ohne Anrechnung auf seine Fett­ration vom Kommunalverband beziehen. Der Oel- bezugsschein ist der einfachste Weg, den^ Oelbezug sicherzustellen. Es kann aber auch Fälle geben, in denen neben dem Oel auch auf den Besitz von Futter­küchen für das Vieh besonderer Wert gelegt wird) dann wählt man statt des Oelbezugsscheins den Schlagschein. Er berechtigt seinen Besitzer, ebensoviel Bucheckern für den Hausbedarf schlagen zu lassen, als er an die öffentliche Slbnobmefi Uc abgeliefert hat. Der Schlagscheinbesstzer muß sich eine Oelmühle suchen, die ihm die Bucheln zu Oel schlägt, er muß sie auch zur Mühle bringen und Oel und Futterküchen wieder holen Er muß selbst das Risiko tragen, wenn das Oelerträgnis ein geringeres ist. Wer sich reichlich . bratr^n»? Bucheckern zu sammeln.

):( Hersfeld, 22. Oktober (Geburtstag der Kaiserin). Heute am 22. Oktober, vollendet unsere Kaiserin ihr 60. Lebensjahr. Noch sind leider des Weltkriegs Stürme entfesselt, und von der Erkran­kung, die sie im Laufe des Sommers auf Wilhelms­höhe getroffen, ist die Kaiserin noch nicht der­artig hergestellt, daß sie sich wieder in vollem Umfang der ihr besonders am Herzen liegenden Kriegsfürsorge widmen könnte. Von jeher erblickte die Kaiserin in der Wohlfahrtspflege und der Fürsorge für alle Not­leidenden ihre edelste Lebensausgabe, und wie sie sich im Laufe des Weltkrieges in hingebender Weise zu betätigen wußte, lebt tief im Bewußtsein unseres Volkes. Schweres hat der Krieg unsere Kaiserin als Gattin und Mutter erdulden lassen, und die Landes­herrin teilte auch in diesem Sinne Leiden und Sorgen der schlichten Kriegersfrau in der schwersten Schicksals­

zeit des deutschen Volkes. Daß sie recht bald genesen und wieder im Stande sein mag, ihren liebgewordenen Pflichten als Wohltäterin an Armen u. Notleidenden nachzugehen, das ist der herzliche Wunsch zum Geburts­tag der Kaiserin, die ihr neues Lebensjahr im Zeichen des Friedens vollenden möge.

):( Hersfeld, 22. Oktober. Die landwirtschaftlichen Winter schulen in Fritzlar, Fulda, Gelnhausen, Hofgeismar, Rotenburg und Ziegenhain werden im Winter 1918'19 nicht geöffnet werden. Dagegen ist be­absichtigt) den Untetrichtsbetrieb an den Anstalten in Eschwege, Hersfeld, Marburg a. d. L. und Melsungen weiterzuführen.

Göttingen, 19. Oktober. Der Senat der Univer­sität sandte in seiner letzten Sitzung ein Telegramm an den Reichskanzler, in dem es u. a. heißt: Sollte der Vernichtungswille unserer Feinde jetzt die Stunde zu einem leichten Triumph gekommen wähnen, so werden euere Hoheit in demütigem und mutvollem Aufblick zu dem Lenker der Weltgeschicke erneut alle Kräfte unseres Volkes aufrufen, um allen bösen Rat und Willen der Feinde endgültig zu brechen und unser geliebtes Vaterland zu schützen. In diesem Falle sind wir mehr als je entschlossen, alle unsere geistigen und körperlichen Kräfte dem heiligen Kampf für das Vaterland zur Verfügung zu stellen.

Fritzlar, 19. Oktober. Mit besonderer Heftigkeit tritt hier die Grippe auf und hat auch schon Todes­fälle im Gefolge gehabt.

Aus der Röh«, 18. Oktober. Im Oktober 1916 wurde mit Unterstützung des unterfränkischen Haus­industrie-Verbandes in Langenleiten, am Fuße des Kreuzberges, der Verein der Holzschuhmacher weiter ausgebaut. Schon im ersten Jahre konnten 10 000 Paar Holzschuhe abgesetzt werden. Im zweiten Jahre versandte man 20 000 Paar Holzschuhe 1400 Rechen im Gesamt-

Zuschüssen erhielten 23 Kriegsbeschädigte fachgemäße Ausbildung.

Frankfurt a. M., 21. Oktober. Für mehr als 10 000 Mark Handschuhe, seidene Tücher und Hemden erbeuteten Einbrecher bei einem Einbruch in ein Herrenartikelgeschäft.

Der Möge König mn Zinnland.

Das Haus Hessen, dem der künftige König von Finnland, Prinz Friedrich Karl von Hessen, angehort, bat eine jüngere, regierende grotzherzvgliche Linie, von Hessen und bei Rhein, und eine ältere, nicht regierende Linie, das landgräfliche Haus npren Linie sind unter anderem die Gemahlin des PNN- unalückliche Gattin des ermordeten Zaren Nikolaus II., Nin^r Mr und die Gemahlin des ebenfalls ermor- » S SM^ »m>. Rußland, «rliwffüi Elisabeth. Mrvoigeamiae». Sie "S' "«M Ä ginte weist zwei Sie sie auf, den ^hrmals kurfürstlichen Ast und den Philippsthaler Ast. Ersterer wiederum wird von zwei Zweigen gebildet, dem ehe.nals kurfür-st- lichen Zweig, zu dem die nickst erbjohgeberechtigten Rach- kommen des ursursten Friedrich Wilhelm non Hessen gehören, der mit einer Gräfin von Maumburg^uwi-- anuatisch vermählt war, und dessen Sohne, der ncürst, die Prinzen und Prinzessinnen von Hanau sind, und einem landgräflichen Zweig. Diesem letzteren gehört

SMoß Panker in Holstein als Sohn des Landgrafen Friedrich und der Landgräfin Anna, geb. Prinzessin von Preußen geboren er steht somit im 51. Lebensjahre. Seine Geburt gab Veranlassung zur Aussöhnung König Wilhelms von Preußen mit dem Hause Hessen, das infolge her Ereig­nisse des Jahres 1866 feine Fühlung zum Berliner Hofe verloren halte. Der junge Prinz besuchte das Gym­nasium in Frankfurt a. M. mrd in Hanau, studierte dann in Freiburg und trat 1888 als Leutnant in das i Garde-Dragoner-Regiment Königin Viktoria von Großbritannie und Irland ein. Am 25. Januar 1893 vermählte er sich mit der am 22 April 1872 geborenen Prinzessin Margarethe von Preußen, der Schwester Kac- rr Wilhelms. Das junge Paar bezog nach der Wb = zeit das zwischen Offenbach und Hanau am Wut ge eaene Schloß Rumpenheim. wo der Prinz völlig zu- mckgezogeu lebte. Geschichtliche und genealogische ^ht= Heu füllten seine Tage aus, ohne an den po tischett Er- nguissen besonderen Anteil zu nehmen. 1899 wurde er Hauptmann und Kompagniechef im 4. kuHessischen In­fanterieregiment Nr. 81 in Frankfurt am Main, bei dem tt bis zur Uebernahme des Kommandos über das Re- ztmeut im Jahre 1909 verblieb. An der Spitze des kegimeuts zog er 1914 in den Krieg und wurde Anfang Levtember desselben Jahres in einem Gefecht bei Bit

lers le"See an Hüfte und Oberschenkel verwundet. Seme Verwundung erhielt er beim Sturm auf eine Höhe, bei dem er nach dem Tode des Fahnenträgers persönlich die Fahne ergriff und so sein Regiment zum Siege führte. Nachdem er wiederhergestellt war, kehrte er an die Frönt zurück.

Aus der Ehe des Prinzen sind secys Kinder hervor­gegangen, von denen die beiden älteren, der am 23. No vorüber 1893 geborene Prinz Friedrich Wilhelm und der am 20. Oktober 1894 geborene Prinz Maximilian, auf dem Schlachtfeld geblieben sind. Die beiden nächsten Söhne, die am 6. November 1896 geborenen Zwillinge Philipp und Wolfgaug stehen als Leutnants an der Front. Die beiden jüngsten Söhne sind die ebenfalls als Zwillinge am 14. Mai 1901 zur Welt gekommenen Prinzen Rrinzen Richard und Christoph.

Das wir draschen.

Daß manche unsrer Feinde unsre Bereitwilligkeit, dem nutzlosen Blutvergießen durch einen ehrlichen Ber- ständignngsfrieden ein Ende zu machen, als Schwäche oder als ein Eingeständnis unsrer Niederlage erklären werden, war, so schreibt man derKöln. Ztg.", vvraus- zusehen: sie brauchen dergleichen ja, um ihre Völker zu initiier neuen Opfern aufzupeitschen.

Wir aber brauchen etwas anderes, nämlich das Voll- bewußtsein unsre Kraft und Leistungsfähigkeit, die sich seit mehr als vier Jahren viel größeren Schwierigkeiten gegenüber siegreich bewährt haben. Wenn einer unsrer Bundesgenossen trotz unsrer sehr weitgehenden Hilfe seine Sache ansoeben zu sollen meint, so ist das eben nur ein Beweis, daß wo wir nicht helfen, man sich eben nicht zu helfen weiß. Wichtiger als alle vorübergehen­den Erwlge oder Mißerfolge ist doch das klare Bewußt­sein dessen, was wir, auf uns selbst gestellt, geleistet ha­ben und noch zu leisten imstande sind. Völker können durch die Netermacht vorübergehender Verhältnisse zwar in ihrer Entwicklung gehemmt, ja sogar zurückgeworfen werden: sie können aber niemals vernichtet werden, so­lange sie ihre glänzend bewährte Nichtigkeit und sich selbst nicht aufgeben. Darum braucht unserm Volk, auch wenn die vorübergehende Uebermacht widriger Verhält­nisse noch so groß sein mag, nicht bange zu fein; denn es bat so außerordentliche Proben siegreicher Ueber- legenheit nach allen Seiten hin im Laufe der letzten vier Jahre der erstaunten Welt gegeben, wie sie kein Volk der Erde im ganzen Lauf seiner Geschichte jemals ae geben hat. Milde und erschürft kann man nach vier

Jahren allerdings sein, aber wir sind zahlreich und kraf- tig genug, um einander in der noch zu leistenden Arbeii abzulöseu. Wir stehen doch einer für den andern in Dienste des gemeinsamen Ganzen. Darum muff den Kleingläubigen, wo sie sich unter uns etwa sinden wer­den, in Ermuernng gebracht werden, daß es nicht etwa i von ihrem Belieben abhäugt, ob sie noch mittun wollen oder nicht, und daß es nicht etwa eine Gefälligkeit ist. I die die einen den andern erweisen sollen, sondern daß alle, jeder an seinem Platze, für das Ganze eintreten und sich zur Wehr setzen müssen, wenn der Ansturm der Feinde alle mit Vernichtung bedroht! Auf Gnade und Barinherzigkeit können mir uns schvu deshalb nicht ergeben, weil wir, keinerlei Gnade und Barncherzigkeit zu erwarten haben, wenn unsere Feinde uns Überwäl- tigen sollten.

Wir sind alle insgesamt, arm und reich, Männer, Frauen und Kinder, von dem gleichen unbarnMrzigen Bernichtttngswillen bedroht, trotz aller lockenden Phra­sen von Humalkität und Gerechtigkeit. Wenn die Ntän- ner sich mutlos ergeben würden, wo doch außer ihnen niemand an der Widerstandskraft zweifelt, wären sie verloren, und welches Schicksal ihren Frauen und Kin- beru bevvrsiünde das Italien thuen die Franzosen deut­lich gesagt, als sie ihre Neger in den Kampf trieben ! mit dem Versprechen, sie dürften zum Lohn sich dann an i unsern weißen Frauen gütlich tun, und dns kann sie ja ' überhaupt die Geschichte der zahlreichen Franzosen- cin fälle in D out schlau- lehren. Aber eben diese Geschichte . kann sie auch lehren,-wie das deutsche Volk zu einer Zeit ' wirklicher politischer Schwäche aus dem Bewußtsein ei­gener Kraft viel größere Gefahren tiberwunden hat. Ge- . aenüber dem, was unser Volk jetzt geleistet hat und noch zu leisten imstande ist, erscheinen doch die glorreichen ; Heldentaten der Befreiungskriege des vorigen Jahrhun­derts nur wie kleine Scharmützel. Es handelt sich auch jetzt nur um Selbstbesinnung und ernsten Willen. Hoffen I wir, daß unsre Feinde Veruuuftgründen zugänglich und ihre Redensarten von Menschlichkeit, Freiheit und Ge- ; rechtigkeit nicht heuchlerische Ausflüchte find, um ihren . erbarmungslosen Vermciüuugswillen zu bemänteln! Wollen sie uns aber durchaus nicht Licht und Leben gön- nen, dann ertöne aus allen deutschen Herzen mit Gott­vertrauen wie in alten Zeiten der Ruf:

Das Volk sieht auf, her Sturm brrcbt los!

Wer legt noch die Hände feig in den Schoß? Pfui über dich Buben, hinter dem Ofen, Unter den Schranzen und unter den Zofen!