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Sersfelder Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

ge»eeBae8»eee»«HSBJiiB8BBBBse9s*HBMe3SBeMea«KBye«ws,9tiMettaiB8BaainsQeii-3isRResB8Ba*»S33»ei : Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- : zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei « Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich'Franz Funk, Hersfeld.

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Der Anzeigenpreis'beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. :

Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprecher Nr. 8.

Nr. 248

Dienstag, den 22. Oktober

1918

Amtlicher Teil.

Hersfelö, den 18. Oktober 1918.

In der nächsten Zeit werden von den Firmen J. H. Otto, Sophie Rehn, Fr. Weber und Wilhelm Strippe! Hier eine Anzahl Gänse zum Kleinhandels­höchstpreis von 4,30 Mark pro Pfund abgegeben werden. Jeder einzelne Haushalt darf aber nicht mehr als eine Gans erwerben.

Der Vorsitzende des KreisaMchusses.

I. A. Nr. 9828. J. V. ' "

v. H edem ann, Reg.-Asfesfor.

Bus der Heirat

* (19 000 Kriegsbeschädigte bei der Post). Nach den Feststellungen, die bis Ende Juli dieses Jahres reichen, werden bei den Postbehörden insgesamt 19000 Kriegsbeschädigte beschäftigt. Dauernde Be­schäftigung bei der Post haben 14 880 Kriegsbeschädigte gefunden. 6700 von ihnen waren vor ihrer Ein­ziehung zum Heeresdienst noch nicht bei der Post tätig. 3000 Schwerbeschädigte sind eingestellt worden. Außer­dem werden noch 4500 Kriegsbeschädigte vorübergehend bei den Postbehörden beschäftigt.

* Ueber die Versorgung der Bevölke­rung mitKleidung herrschen noch vielfach Un­klarheiten. Wohl hat die Ersatzstoffindustrie große Fortschritte gemacht und fast vollwertigen Ersatz für Woll- und Baumwollgewebe hervorgebracht. Es fehlen jedoch, wie der stellvertretende Vorsitzende der Reichsbekleidungsstelle kürzlich mitteilte, die technischen Einrichtungen und andere Voraussetzungen, um die Bevölkerung in absehbarer Zeit ausreichend mit Be- THWW w» wie |iw «wwm Bw

Verbilligung der Ersatzstoffe werde hingewirkt. Die Versorgung der Arbeiterschaft mit Arbeits- und Berufskleidung durch die Reichsbekleidnngsstelle werde von den Arbeitgebern noch nicht genügend beachtet. Für die Metall verarbeitende Industrie, die chemische Industrie, das Verkehrsgewerbe sowie akch für die Rüstungsindustrie aller übrigen Industrien können durch Vermittlung der Reichsbekleidungsstelle Mäuneranzüge,Frauenk!eidnng, Schutzkleider, Schürzen Mäntel und anderes mehr bezogen werden. Für ein Viertel der Bezugsberechtigten Arbeiter würden die Kleidungsstücke sofort lieferbar sein, und für ein weiteres Viertel könnten Bezugsscheine ausgestellt werden. Die Arbeitgeber sollen mehr als bisher von diesen Bezugsmöglichkeiten Gebrauch machen.

* (Wie erklärt sich der Wohnungs- Mangel?) Auf diese Frage gibt der Direktor des Statistischen Amtes in Lübeck, Dr. Hartwig, in der Kom. Praxis" folgende Auskunft: Der Bedarf an Wohnungen wird weniger durch die Zahl an Ein­wohnern als die der Haushaltungen bestimmt. Die Zahl der Haushaltungen hat während des Krieges nicht ab-, .sondern zugenommen. Todesfälle machen nur in seltenen Fällen eine Wohnung frei. Das gilt schon in Friedenszeiten, aber besonders für den Sol- datentod. Der Krieg zerstört viele Ehen, aber nur wenig Haushaltungen. Wer einmal am eigenen Tische saß, hat begreiflicher Weise wenig Neigung, dauernd an einem fremden Platz zu nehmen. Lieber nimmt man eine kleinere Wohnung, als daß man in einem anderen Haushalt untertaucht. Der Krieg hat also viele Betten und eine erhebliche Zahl von Zimmern, aber nur verhältnismäßig wenig Wohn­ungen leergemacht. Die Gesamtzahl der Haushaltungen nahm ständig zu und nur die Durchschnittszahl der in ihnen lebenden Personen ist kleiner geworden. So ist die Wohnungsnot entstanden. Dazu kommt noch die Inanspruchnahme vieler Privatwohnungen durch amtliche Bureaus und die Erweiterung oder Neugründung von Industrieanlagen und Kriegs­betrieben, mit denen die Zuwanderung großer Arbeiter­massen verknüpft war.

* (Der Materialwert der eisernen Kreuze). In diesem Kriege sind bisher über 1544 000 eiserne Kreuze an deutsche Truppen und solche der verbündeten Armeen verliehen worden. Hiervon entfallen über 1463 000 Stück auf die 2. Klasse und 81000 auf die 1. Klasse. Das Gewicht eines Kreuzes beträgt etwa 18 Gramm, und zwar, werden 9 Gramm Gußeisen und fast die gleiche Menge Fein- silber gebraucht. An Eisen sind 13 900 Kilogramm und an Silber 12 850 Kilogramm verarbeitet worden. Für ein eisernes Kreuz 2. Klasse wird an schwarz- weißem Rande oder weiß-schwarzem Bande ein drittel Meter gebraucht; es sind somit für 1463 000 Kreuze über 487 700 Meter verbraucht worden.

* Di e Frag e d e r D e mob i l i si e r u n g und der Entlassung der Arbeiter aus dem Heeresverband hat im Zusammenhang mit der Erörterung der gegen­wärtigen Lage erhöhtes Interesse und besondere Be­deutung gewonnen. Nach dem schon ausgearbeiteten Plan lag dem Reichswirtschaftsamt die Aufgabe ob, zu entscheiden, in welcher Reihenfolge bei einem

Friedensschluß die Facharbeiter, um die es sich hier in erster Linie handelt, zu entlassen seien. In Anbe­tracht der ungeheuren Bedeutung, die die Entscheidung dieser Frage für die Zukunft des deutschen Wirtschafts­lebens hat, glaubte das Reichswirtschaftsamt die Ver­antwortung für die Entscheidung dieser Frage nicht allein tragen zu können. Am vorletzten Freitag traten deshalb, wie dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" erfährt, die Vertreter der für diese Frage besonders in Betracht kommenden Hauptressorts mit Mitgliedern der bundesstaatlichen Regierung zusammen. Das Er­gebnis der Besprechung war die Bildung einer be­sonderen gemischten Kommission. Ihr gehören Vertreter der hauptsächlichsten Reichsbehörden an, Vertreter der bundesstaatlichen Regierungen und schließlich drittens eine Anzahl von Arbeitgebern, von Angestellten und Arbeitnehmern. Die große Kom­mission hat einen aus 1012 P rsonen bestehenden kleinen Arbeitsausschuß gebildet, der seine Sitzungen gestern begonnen hat. Es ist vorgesehen, über die Ergebnisse der Beratungen fortlaufend die Oeffent- lichkeit zu unterrichten. Der Kommission würde ihre schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe jeden­falls wesentlich erleichtert werden, wenn die Richt­linien, die von dieser Arbeit zu e warten sein werden, von der Bevölkerung sorgfältig beachtet und befolgt werden.

) :( .Hersfeld, 21. Oktober. Der Sonntag im Walde ist von jeher das Ziel vieler Tausende ge­wesen, die Erholung suchten von der Werktagsarbeit. In diesen schönen Herbsttagen kann man das Ange­nehme mit dem Nützlichen verbinden, wenn man dabei mithilft, die in diesem Jahr überaus reichlichen Buch­eckern zu bergen. Von vielen Städten wird bereits be- . richtet, daß ihre Einwohner in Scharen Sonntags den j Buchenwäldern zustreben, ja. trotz der Verkehrsnot not zu steuern. Wer Bucheckern sammelt/sorgt nicht nur für die Allgemeinheit, sondern auch für sich, denn für jedes Kilogr amm abgegebene Bucheckern erhält er einen Oelbezugsschein aus 60 g. Oel, die nicht auf die Fettratton angerechnet werden.

§ Hersfeld, 21. Oktober. Die Abnahme einer Geht if inneuprüfung für Lehrmädchen des P u tz m a ch e r h a n 5 w e r k s für die Kreise Fulda, Gersfeld, Hünfeld und Hersfeld findet am 5. Nov. d. Js. in Fulda statt. Die Anmeldungen hierzu sind innerhalb 8 Tagen an den Vorsitzenden der Prüfungs­kommission, Herrn Georg Bolender in Fulda einzu- reichen.

Roteuburg a. F., 19. Oktober. In großem Um­fange tritt die G r i p p e in unserer Kinderwelt auf, (begünstigt durch die gegenwärtige rauhe Witterung. Schon sind Hunderte von Kindern erkrankt.

Rotenburg a. F., 18. Oktober. Die Bahnwärterin Elisabeth Becker aus Ronshausen wurde in der Nähe des Betriebsbahnhofs Blankenheim während der Aus­übung ihrer dienstlichen Tätigkeit von dem Berlin- Frankfurter D-Zug, dessen Herannahen sie nicht rechtzeitig wahrgenommen hatte, überfahren und auf der Stelle getötet.

Marburg, 18. Oktober. Im Affeler Walde war ein Junge auf eine Buche geklettert, um durch An­schlägen des Stammes mit einem Hammer das Fallen der Früchte zu beschleunigen. Hierbei entglitt ihn: der Hammer und fiel der mit Sammeln beschäftigten Tochter des Handelsmanns W. auf den Kopf, die derartig schwere Verletzungen erlitt, daß der Tod bald darauf eintrat.

Worbis, 19. Oktober. Oberlandesgerichtsrat Haupt­mann Bamberg und sein einziger Sohn, der als Fahnenjunker im Felde stand, haben durch ein feind­liches Artilleriegeschoß zu gleicher Zeit den Heldentod gefunden.

Göttittgen, 19. Oktober Der Senat hat ein Tele­gramm an den Reichskanzler geschickt, in dem das Ver­trauen ausgedrückt wird, daß man in diesen entschei- dungsschweren Tagen deutsche Ehre und Zukunft zu wahren wisse.

Sammelt Brennesseln.

Sammelt Brennesseln! An die Daheimgebliebenen ergeht dieser Ruf als eine ernste vaterländische Mahnung. Sammelt Brennesseln! Denn so erleichtert ihr euch selbst das Durchhalten, tragt dazu bei, daß unserer Feinde Pläne, Deutschland wirtschaftlich auszuhungern, zuschanden werden! Wie England darauf abztelte, das deutsche Volk dem Hungertode preiszugeben, so wollte es auch durch die Absperrung der Rohstoffzufuhr den Lebensnerv der deutschen Wirtschaftskraft durchschneiden. Die Faserstoffe, die wir zur Anfertigung von Kleidungsstücken gebrauchten, haben wir im Frieden zum weitaus größten Teil aus dem Ausland bezogen. Und wir wissen, in welche Verlegenheit wir gekommen sind die Einführung des Bezugscheins, die Kleidersammlung der Reichsbe­

kleidungsstelle, die gegenwärtige Stoffteuerung besagen hier genug daß wir die amerikanische Baumwolle, die indische Jute, den neuseeländische« Hans und andere wichtige Faserstoffe nicht mehr erhalten konnten. So hat uns mit erschreckender Deutlichteit der Krieg vor Augen geführt, in welcher Gefahr wir schwebten, da­durch, daß die deutsche Textilindustrie sich für ihren Rohstoffbedarf in nahezu sklavischer Abhängigkeit vom Ausland befand. Da ist denn im Kriege eine groß­artige Bewegung entstanden, deren Ziel es ist, dem deutschen Boden so viel Faserstoffe als nur irgend mög­lich abzuringen, diejenigen Pflanzen auf ihm anzu- bauen und zu sammeln, die uns die ausländischen Fasern vollwertig ersetzen. Der uns von unsern Feinden an­gedrohte, von ihnen bereits planmäßig vorbereitete Wirtschaftskamps nach dem Kriege, die heute schon be­stehende Weltbaumwoll- und -jutenot lassen es über­dies fraglich erscheinen, wann uns wieder die genügende Menge ausländischer Faserstoffe zur Verfügung stehen wird.

Zu denjenigen einheimischen Pflanzen, aus deren Fasern wir schon vor Hunderten von Jahren schöne und weiche Stoffe gewebt haben, gehört die hohe, große Brennessel (Urtica dioica), die auf sumpfigen Wiesen, an den Rändern von Gräben, Teichen und Flüssen und in unseren Wäldern üppig wuchert. Die Konkurrenz der Baumwolle hat die ehemals beliebte Nesselfaser völlig verdrängt; aber unter dem Druck der wirtschaftlichen Notwendigkeit gilt es, sie wieder zu Ehren zu bringen. Solange der Brennesselanbau noch nicht genügend fortgeschritten ist, er ist bereits mit vielversprechendem Erfolge in die Wege geleitet müssen wir die Brennesseln sammeln. Feigheit wäre es, davor zurückzuschrecken, weil etwa die Berührung mit den Härchen der Stengel und Blätter Jucken ver­ursacht. Immer laßt uns daran denken, wieviel un­endlich schwerer das ist, was unsere Krieger tagtäglich sammeln gehen uns übrigens unsere Feldgrauen mit gutem Beispiele voran; im besetzten Gebiet sammeln sie Nesseln, und von den Erholungsheimen der Feld­grauen werdenNesselkommandos" ausgesandt, die stets mit guter Beute heimkehren. Wer sich gegen das Jucken schützen will, möge sich die Hand lose umwickeln oder behandschuhen. Eifrig ist bereits die Brennessel in unserm Vaterlands gesammelt worden; namentlich unsere Schulkinder aus dem Lande haben unter der Führung ihrer Lehrer in den letztest Jahren taufende von Zentnern zusammengebracht. Die Ne s s e l - A n - bau-Gesellschaft hat ein vielmaschiges Netz von Sammler-Organisationen mit Vertrauensleuten und Obmännern geschaffen. Sie zahlt den Sammlern für 100 Kilo trockener Stengel 40 Mark, für 25 Kilo trockener, ein wertvolles Viehfutter bildender Blätter 5 Mark und für V? Kilo trockenen Samens 10 Mark. Die Vertrauensleute erhalten entsprechende Prämien von 8 Mark für die Stengel, 1 Mark für die Blätter und 2,50 Mark für den Samen, die Obmänner solche von 2,00, 0,25 und 0,50 Mark. Wie die Nesseln zu sammeln sind, der Samen von den Stengeln abzu- streifen ist, und wie man die Nesseln trocknet, darüber unterrichten die Merkblätter, welche die Nessel- Anbau-Gesellschaft «Berlin Ä. 8, Kransenstraße 17 18) auf Wunsch kostenlos versendet. Nicht unerwähnt fei, daß die Nesselsammler bei der Nessel-Anbau-Ge- fellschaft gegen Unfall versichert sind. Möge keiner zurückstehen, an den der vaterländische Ruf ergeht: Sammelt Brennesseln!

Verzeichnis

der bei L. Pfeiffer Depositenkasse Hersfeld, Hersfeld, eingegangenen Spenden für Weihnachtsgaben für die Krieger im Felde, worüber wie nach­stehend dankend quittiert wird:

von Gemeinde Unterweisenborn Mk. 75.80

Wüstfeld 15.-

Gershausen 81.

Biedebach 68.

Stärklos 85.

Allmershausen 55.50

Oberlengsfeld 160.

Kemmerode . 52.

Aua 54.

Kohlhausen 42.10

Niederaula 330.

Reimboldshausen 47.

Bengendsrf 45.

Kleinensee 36.70

Lampertsfeld 6.

Harnroöe 134.20

Mengshausen 63.50

" Gutsbezirk Oberrode 121.50

Mk. 1.472.30

Wettervoraussage für Dienstag den 22. Oktober.

Wechselnde Bewölkung, keine wesentliche Nieder- schläge, tags milder.