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Hersfelder Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

leaeaBaeearoaeaBaiiaeiBBaaeeBBaBaBBaBBaBaBaaaBeBaaaaaaaBsaBBBBBwaaaDBBaeBaMaaaaaaaaB Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- i zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei E Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. |

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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im : amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. : Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprecher Nr. 8.

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Nr. 339

Sonntag, den 39. September

1918

WaNenwerk schafft frieüensweck!

Die Sprengung des Ringes, den die Entente um uns gelegt hatte, ist das gewaltige Er­gebnis unierer Schwerfarbeit. Vom Schwerte kam der Frieden im Osten, es wird uns auch bei Zuiammeniaöung aller Kräfte von Beer und Beimat den Frieden im Weiten bringen. Deutsches Schwert und d e u t i ch e Kraft, sie sichern uns den Sieg und den deutschen Frieden.

Amtlicher Teil

Hersfeld, den 23. September 1918.

Alle interessierten Kreise, besonders die an Fort­bildungsschulen tätigen Lehrkräfte sowie die gewerb­lich und landwirtschaftlich tätige Bevölkerung des Kreises wird auf die am

11. Oktober d. 3. in kirchhain Kreis 3tegen= Hain vormittags 11 Uhr im Bahnhofshotel stattfindende Versammlung des Verbandes der Lehrer und Freunde des Fortbildungsschulwesens im Regie­rungsbezirke Cassel aufmerksam gemacht.

"f Haupkoerhanotungsgegenständer-

1. Vortrag: Wissenschaft und Praxis im landwirschaft- lichen Betrieb Professor Dr. Hasselhof, Direktor der landwirtschaftlichen Ver­suchsstation in Herleshausen.

2. Vortrag: Einführung in die bäuerliche Buch­führung: Herr Johnsen Geschäftsleiter der Buchstelle der Landwirtschaftskammer in Cassel.

Tgb. No. i. 10190. Der Landrat.

V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 24. September 1918.

Alle Beteiligten, insbesondere alle Lebensmittel- geschäste des Kreises weise ich darauf hin, daß vom

1. Oktober d. J. ab Ersatzlebensmittel, die nicht von der zuständigen Ersatzmittelstelle genehmigt worden sind, nicht mehr verkauft werden dürfen. Ueber- tretungen sollen von der Ersatzmittelstelle auss schärfste verfolgt werden.

Tgb. Nr. K. G. 3781. Der Landrat.

J. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Bus der Heimat.

* sDie Durchsuchung der Pakete.) Der preußische Staatskommissar für Volksernährung von Waldow hat nach Berliner Blättern eine Verfügung an alle Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten ge­richtet, in der er darauf hinweist, daß die Polizeibe­hörden eine Kontrolle des Postpaketverkehrs in den Schalterräumen der Reichspostverwaltung auf solche Einzelfälle zu beschränken haben, in denen der Ver­dacht begründet erscheint, daß es sich um Postsendungen des gewerbsmäßigen Schleichhandels handelt und die Durchsuchung außerhalb der Schalterräume nicht tun- lich ist. Hiernach hat in Zukunft zu unterbleiben, daß, wie es wiederholt jetzt vorgekommen ist, von den Polizetexekutivorganen jede zur Auflieferung an die Post bestimmte Paketsendung in den Schalterräumen einer Prüfung polizeilicherfeits unt rzogen wird

^ (Beihtlfen für Offiziere). Offizieren, die durch Kriegsbeschädigung zu einem Berufswechsel gezwungen sind, können im Bedürfnisfalle zur Deckung der Kosten, die ihnen durch die Vorbereitung und Ausbildung für einen neuen Beruf, durch Beschaffung von Lehrmitteln usw. entstehen, in beschränktem Umfang Beihilsen gewährt werden. Entsprechende Anträge sind zu richten von noch nt^ ausgeschiedenen triegsveseyaorgterr Ossrzrereu aus »e«MKe«srwege an .die Fürsorge-Abteilung des Kriegsministeriums; von bereits pensionierten Offizieren an die Bersorgungs- abteilung des Kriegsministeriums.

):( Hersfeld, 27. Sept. Mit dem B e r d i e n st kreuz für Kriegshilfe wurden ausgezeichnet die Vorstandsmitglieder des hiesigen Kriegervereins, die Herren Ludwig Auel, August Lohrmann, Heinrich Lauser und Jean Steinweg. Außerdem erhielten dieselbe Auszeichnung noch die Herren Kaufmann Bolz, Oberlanömesfer Runde und Kupserschmieöe- meister Schüßler.

Lispenhausen, 27. September. Größere Mengen Kartoffeln und Brotgetreide, die in unserem Kreise gehamstert worden waren, wurden durch Gendarmen auf dem hiesigen Bahnhof dem Adam Knierim aus

Bochum und dem Wilhelm Wehlberg aus Wilhelms- thal (Kreis Lennep) abgenommen.

Cassel, 25. Sept. Das Kaiserpaar hat anläßig der Genesung der Kaiserin für die durch den Krieg in Not Geratenen in Cassel der Stadt 10 000 Mark zur Verfügung gestellt. Auf dem Wege von der Schönen Aussicht nach dem Heffendenkmal stürzte am Hellen Tage ein vielleicht 14 Jahre alter Junge auf eine Dame, entriß ihr eine silberne Handtasche, in der sich u. a. ein Hundert- und ein Zwanzig-Markschein be­fanden und lief davon.

Rinteln, 25. September. Vor der Station Doos stiegen, als ein Personzuge vor dem Einfahrtssignal halten mußte, drei Fahrgäste eigenmächtig ans ihrem Abteil. Im gleichen Augenblick brauste ein Schnellzug vorüber und erfaßte die Leute. Eine Person wurde sofort getötet, eine schwer und die dritte leicht verletzt.

Marburg a. L, 25. Sept. Der Philologie-Professor Geheimrat Wilhelm Vietor ist 68 Jahre alt gestorben.

Salzschlirf, 26. Sept. Vor einigen Tagen ertrank die Ehefrau des Müllers Wilhelm Klitsch in der Schlitz als sie einer ihrer Kühe, die ins Wasser gefallen war heraushelfen wollte.

Salznnge», 25. Sept. In einem nach hier fahren­den Zuge verhafteten Gendarmen einen jöer Diebe, die in dem Kleidergeschäft von Jllmann in Dornöors (Röhn) für etwa 15 000 Mark Manufakturwaren ge­stohlen haben. Vermutlich hat der Erwischte noch zwei Helfershelfer.

Eschwege, 28. September. Ueber 250 Werbungen und Zeichnungen auf die nennte Kriegsanleihe im Gesamtbeträge von 150 000 Mk hat die hiesige Fried- rich-Wilhelm-Schule bisher aufgebracht.

27. September. Hellen wurde im benachbarten Schwarzbach ouS einem Bauernhaufe eine Geldkassette mit 4 200 Mark Inhalt gestohlen. Die Bewohner des Hauses waren gerade auf dem Felde tätig.

Worbis, 22. September. Die diamantene Hochzeit feierte gestern unser ältester Mitbürger, der 91 jährige Rentier Friedrich Löwentraut, mit seiner hochbetagten Gattin in körperlicher und geistiger Frische.

Wettervoraussage für Sonntag den 29. September.

Fortdauer der unbeständigen kühlen Witterung.

Eine Mahnung des Gewissens.

Als im Frühling 1813 der Sturm losbrach gegen die Fremdherrschaft in Deutschland, da brächte ein westfäli­scher Erb- und Gerichtsschulze ein schönes Kavallerie- pferd zur Sammelstelle mit der Erklärung:Fünf Stück gaben mir die Franzosen mitgenommen, so will ich ih­nen das sechste nachschicken." Dieser biedere Westfätin- aer war ein kluger Mann. Das sechste Pferd sollte ihm die fünf anderen wiederholen helfen. Er dachte, wenn ich nicht mein sechstes Pferd jetzt hergebe, dann ist es mit den anderen fünf verloren. Wir missen, daß die Handlung des Erbschulzen sich gelohnt hat. Deutschland wurde frei. Wieviel weniger wird aber von uns ge­fordert! Zwar haben auch wir unermeßliche Opfer ge­bracht an teurem Blut und kostbarem Gut. Aber unser Wagnis, herzugeben, was wir irgend entbehren können, ist noch lange nicht so groß, wie das jenes Westfälingers, denn das Geld, was wir in Kriegsanleihe anle- gen, bleibt uns nr je mehr wir anlegen, desto größer wird die Sicherheit, daß es aufs beste angelegt ist.

Die Augen der ganzen feindlichen Welt sind aus die Schreit,feiern gerichtet, die jetzt über unsere finanzielle Rüstung entscheiden sollen. Es gibt zurzeit kein ein­drucksvolleres Mittel, unseren Gegnern zu beweisen, daß wir nicht im Traume daran denken, uns besiegt zu geben, als die Milliardeuzahlen der Krwgsanleihe. Eben :rv haben die Gegner mit starrer Brutalität erklärt, daß der Sitten für sie nur mit der Bernnotnug Deutsch lauös endigen darf. An uns ist es, .ihnen durch die Kriegsanleihe zu erklären, daß mir gennmen sind, eher unseren leihen Groschen dem Samte zu geben, als uns neilichlageu zu lassen. _ .

Aber es gilt, auch unseren Brüdern draußen ihre schwere blutige Arbeit leichter zu m-Wp. Sie sollen wissen, daß wir von ihrer KaWvfesuoi, ihren gewalti­gen Anstrengungen und Leiden so hoch denken, wie sie es von uns fordern sönnen. Was ist es denn Großes, was wir tun, wenn wir Kriegsanleihe zeichnen? Drän­gen starren sie mit fieberheißen überwachten Augen in die Sturmnächte des furchtbarsten Kampfes draußen iegen sie im nervenzerrütienden Ringen mit den Wiw eben und Maschinen des Großteils der Erde. Für wen? Doch für uns, die mir im Hinterlande durch ihren Miwf und ©Ufertob das Leben haben. Für und und mfere Kinder, für unser Land, für Heim und Herd, für -aus und Hof, für alles, was uns lieb und teuer ist. lud wir sollten ein Aufhebens davon machen, daß wir ine sichere und gute Geldanlage ins Werk seyen?

Keiner glaube in dieser ernsten und verantwortungs- mllen Stunde: die Großen werben es schon machen, die

Reichen, die Kriegsgewinnler, die sollen Zeichnen! Nein, s nein, es ist nickst bloß die Summe an sich, es kommt auf jeden Einzelnen an. Es ist nicht um das Geld, es ist 1 der Beweis des Geistes und der Kraft, der von uns ge fordert wird. Alle, die es irgend vermögen, sollen durch die Zeichnung der Kriegsanleihe kundtun, daß sie mit ganzem Herzen bei der Verteil mang unseres Vater landes sind. Nicht loskaufeu von unseren Pflichterr sol­len wir uns, sondern wir wollen uns durch unsere Gabe und Hingabe nur noch fester daran knüpfen. Es liegt ein unermeßlicher Segen in jeder freien Handlung ei­nes aufrechten Gewissens, und wenn noch viel mehr von uns gefordert würde, so sollte uns der Aufruf dazu nicht kalt und mißmutig finden: denn es ist die Zeit da, in der mir beweisen müssen. bah wir uns selbst für wert halten, den Preis unseres glorreichen Kampfes zu erringen, die Freiheit und die Wohlfahrt unseres Va­terlandes.

Wer sich der klaren Pflicht der Stunde entzieht und nicht Kriegsanleihe zeichnet, der drückt sich selbst ein Brandmal ins Gewissen. Und wer wollte in dieser Zeit der Opfer zic aller Sorge und zu allem Schmerz auch uoch den inneren Abfall auf sich laden?

Termlschis SArz »nD Zs-ans Rüstungen.

Nicht die Reisunruben, sondern Vorgänge von weit politischer Bedeutmio haben den Sturz des Kabinetts Terantschi herbeigeführt. Ein Aussprum des Minister präsidenien über Deutschland und die sibirische Expe­dition erschütterte seine Stellung. Im Juni dieses Jah­res äußerte Terantschi:Wenn die internationalen Beziehungen es nötig machen sollten, so wäre Japan nicht entstaube, eine isolierte Stellung einzunehmen, es konnte dann genötigt werben, ein Bündnis mit Deutsch­land zu suchen!" Diese Kundgebung erregte in London und auch im Weitzerl Haicse zu Washington eine erbeb- lube Verstimmung, und englische sowie amerikanische Vertrauensmänner in Tokio traten an Den Minister­präsidenten heran, um ihm eine Erläuterung seines Anssprmhes abzuuötigen.. Teranischi sah sich zu einem gewissen Rückzüge veranlaßt und antwortete, er habe jene Worte auf die bedingte Frage gesprochen: ob Ver­hältnisse denkbar wären, daß nach dem Kriege ein deutsch-japanisches Bündnis zustande kom- men tönne. Darauf habe er erwidert, es könne nötig werben, die Annäherung an eine große Macht in Er­wägung zu ziehen, wenn Japan ohne Unterstützung sei teils der Alliierten bleibe und so sein Fortkommen in «rage gestellt wäre. In der Enteilte, die einen Haupt- wert auf den Krieg nach dem Kriege gegen Deutschland

legt, blieben Zweifel zurtick, so daß auch von dort öü Untergrabung des Kabinetts Terantschi begann.

Ueber die Verhältnisse des fernen Ostens und über das innere Wesen der japanisch-englischen und der ia- panisch-aurerikanischen Beziehungen sind wir infolge der augelsäMsischen Verschwiegenheit nur unvollkourmen uu- terricktet. Es stSn aber fest, daß Japan von Kriegsbe­ginn an seine Politik unter der Einwirkung der Frage führte, welche oer beiden europäischen Mächtegruppen voraussichtlich den Sieg in dem stampfe davorttrageu werde. Es Drang die Ansicht durch, daß die im geüeinren Bündnis mit Amerika befindliche Entente schließlich den (erfolg auf ihre Seite bringen werde, und danach wurde in Tokw gehandelt. Als der Raub an Deutschland in Sicherheit gebracht war, wurde die japanische Polstik still und fügte sich den Forderungen der Entente nur noch innerhalb gewisser Grenzen. Nach dem russischen Zusammenbruche und Rußlands Frieden mit den Mit­telmächten nutzten die Westmächte den Japanern kom­men. demr es galt, von Sibirien aus eine neue mili- tärffebe Bewegung gegen Deutschland von Osten her zu veranlassen. Der japanische Minister des Auswärtigen, Baron Gore, antwortete auf die Frage, ob Deutschland durch eine sibirische Expedition militärisch wesentlich be- rührt werden könnte:MÄt unmittelbar aber unter Umständen würde Deutschland doch gezwungen sein, Kräfte von der Westfront zurückzuziehen." Das sibiri­sche Unternehmen begann, mrd Japan warf Truppen nach dem Festlande hinüber.

Als ein Armeekorps dem andern folgte und Japans Macht in Sibirien an schwoll, erwachte in den Bereinig­ten Staaten von Amerika Verdacht an den japanischen Plänen, von denen auch China berührt wurde, tmb Wil- son forderte eine Begrenzung des japanischen Expedt- nonsheeres. Die japanischen Diplomaten berieten sich auf die Gleichartigkeit des ameAta Nischen Verhältnisses zu Mexiko und erklärten, daß auch der Regierung zu Washington bei- ihren Zügen gegen ben Mittelamerika Nischen Staat das Ausmaß der Truppenstärke überlassen .sei. Doch das Weiße Haus setzte seinen Willen durch, und die Anzahl der japanischen Truppen für Sibirien wurde auf sechzigtausend Mann beschränkt. Die Hem- munn der japanischen Ausdehnung auf dem Festlande erzeugte in Tokio eine tiefe Verstimmung, und der Be schtuß des japanischen Kronrates, eine ungeheure Bernlehrung der Land und Seestreit- fräste vorzunehmen, wird als die Folge der Einschnü­rung angesehen. Ein libergroßes Vertrauen auf Wtl- fons Völkerbund uttd die friedlichen Versicherungelt der Westmäckte scheinen die Japaner nicht zu haben, mld Deshalb machen sie sich für alle Fülle kriegsbereit.

________mung auf dem Festlande tiefe Verstimmung, und der Be-