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Zwar ars'richtig an, was Graf Burian ausgesprochen hat, haft die gesamte Zivtlisütwn auf ööm Spiele stehe. Aber das, was er als VorbeRngungen für einen Frie­den hinstellt, entspricht so sehr den Grundsätzen einer ausgesprochenen Machtpolitik, Satz man deutlich empfindet: Es ist das aus den Erfolgen auf den Schlacht­feldern erwachsene Gefühl, das die Rede beherrscht. Bal- four will weder die deutschen Kolonien zurück- geben, rwch erkennt er die Unversehrtheit des deutschen Gebietes einschließlich Elsatz-Lothringens als einen mit den Auffassungen Englands vereinbaren Grundsatz an. Die letzten Aeußerungen aus England zeigen, daß dies allgemein die in England maßgebende Auffassung ist. Einen wirklichen Ausgleichsfrieden, wie ihn ein aufrecht stehendes Deutschland nur verstehen kaum läßt sie nicht zu, und da dem Anschein nach Bal- four überhaupt Besprechungen auch unverbindlicher Art ablehnt, so gibt es nach seiner Meinung nur ein An­nehmen der Bedingungen der Alliierten. Die Wiener Anregung würde danach wieder gescheitert sein an der Unversöhnlichkeit der Gegenseite.

Die Berliner Presse Wer BalfoursNein".

M Berlin, 18. September. (T. U.) Zur Rede Bal­fours schreibt die Deutsche Tageszeitung: Kann nun noch jenrand glauben, daß die Herren Clemeneeau, Lloyd George und Wilson zu einem Verständigungsfrieden zu bewegen sind? Heute gibt es für uns nur noch Eins: Sieg oder Untergang.

Aebulich heißt es in der Deutschen Zeitung: Nur einen Weg gibt es zum Frieden. Das ist der Sieg. Ihn können Friedensangebote wie die österreichische Note nur verzögern. - -

Die Berliner Neuesten Nachrichten sagen: Dieses Verhalten unserer Hauptfeinde Amerika uud England müßte, so sollte man hoffen, wenigstens das eine Gute haben, daß unseren Verzichtfreunden endlich, endlich die Augen geöffnet würden.

Die Post führt aus: Reden wie die Balfoursche be­weisen die Raubgier der Entente, die von Menschlich­keit nichts wissen will. Reden wie diese schließen die deutschen Reihen an den Fronten mrd in der Heimat.

Der Lokalanzeiger schreibt: Das deutsche Volk steht nun endlich vor der Tatsache, daß selbst der weitestge- hende Verständigungswille des Herrn von Paper für die angeblich englische Friedenssehnsucht gar nichts be­deutet. Daraus folgt, daß der Zeitpunkt wirklich aus­sichtsreicher Friedensverhandlungen noch nicht gekom­men ist.

Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung ist weniger hoffnungslos. So gering auch heute die Aussichten auf eine unmittelbare Aufnahme des österreichisch-unga­rischen Vorschlages durch die Regierungen der Entente erscheinen, schreibt sie, so wird man doch gut tun, erst die weiteren Wirkungen des diplomatischen Schrittes der Donaumonarchie abzuwarten.

Die Börsenzeitung schreibt: Inzwischen eingetrof- fene Nachrichten über Friedensdemonstratio­nen, die beim Bekanntwerden der Note Oesterreich- ilngarns in Paris veranstaltet wurden, lassen darauf schlietzen, daß die Friedenssehnsucht zu einer Macht in Frankreich geworden ist, die sich nicht mehr durch patriotische Erlasse und chauvinistische Aufrufe eindäm- nen läßt, und in England werden Henderson und Lans- downe nicht müßig sein. Wir können uns deshalb der övffnung hingeben, daß der Friedensvorschlag bei den Völkern Mühlen , vird.

Was die englische Presse schreibt.

DieWestminster Gazette", die Asanith nahesteht, führt aus, es seien zwei Auffassungen über die österrei­chische Note möglich: die eine sei die, die dieTimes russpricht, daß diese angeblichen Friedensvorschläge nur gemacht seien, um Zeit für die Reorganisierung des.Hee­res zu gewinnen: die andere, die imDailu Chromele ü sei die, daß Oesterreich einen Druck auf Deutschland ausgeübt habe und daß Deutschland zu diesem Vorschlag, wenn auch widerwillig, seine Zustimmung geben müpe. Die letztere Auffassung scheint derWestmmster Gazette" die wahrscheinlichste, sie schließt.dies aus der anzwerfeln- den Haltung der deutschen Prene. DieWestmmster Ga­zette" meint, Deutschland wolle nur Zert gewinnen. Man müsse Oesterreich, das wirklich vom Krieg genug habe und sich der Grenze der Erschöpfung nähere, eine andere Antwort geben, als Deutichland., sie erhalten müsse. Die Antwort für Deutschland müsse kurz und scharf ausfallen, die für Oesterreich vestimmre müsse vohlbearündet sein. Jetzt sei die Gelegenheit gekom­men, sich an alle Völker der feindlichen Lander zu wen­den. Man begehe die größte Dummheit wenn man diese Gelegenheit ungenützt Vorbeigehen lasse. Das Blatt wendet sich dann gegen den Ostfrieden und schreibt. Brest-Litowsk ist die absolute Ableugnuna der Prinzi­pien, für die wir kämpfen. Wenn wir diese Note be­antworten, so müssen wir den feindlichen Völkern m allererster Linie Leibringen, daß unsere Prinzipien sich sowohl auf den Osten, als auch auf den. Westen beziehen, und daß wir nach beiden Seiten hin an gleicher Weise Wiedergutmachung aller Uebel al-s notwendige Vorbe- diüauna für den Wiederaufbau einer internationalen Gemeinschaft betrachten, die allem der Welt den Frieden geben und sie von der niederdrückenden ^ast der Rüstun- gen befreien kann.

Daily Telegraph (konservativ) sagt, wenn Gra f Bu- rian mrd die österreichisch-ungarische Regierung mrt ih^ rer Note Sympathie und Billigung zu erringen erwartet hätten, so müßten sie schwer enttäuscht sem. Je genauer man die Note prüfe, umso weniger empfehle siesich als verständigen Schritt zur Sicherung des Friedens Alle itnfcrß feiert ö(X^ E)l6^, öclfc^dt weitel, itn Ä Sw^ s ä^ö- Daily Chronicle (liberal) meint: Eine barsche Absich- nnng dieser Einladung würde die Höhe^dür Urcklugheit bedeuten: denn sie würde 6en WMttf^ tgeleaeribett geben ihren Völkern zu lagen.vlicytv wird unsere Feinde ^efriechgen außer unsere VerE

Nru'dcnZvorsldlaa muß gfÄ^.)!l ^j^dlussi^^dn)! werden, aber es besteht nicht die llormmte Nur. sicht, daß die österreichisch-ungarische Note uns A^is^ herbringt. . Daily Mail (NortycllM schreibt. N hat die wirkliche Absicht des oueireühisch-un^ Friedensstricks auseinandergesetzt. Er ist Versuch, Frieden zu bekormnert, svudern die Muerten ^u ent- zweien. Die Times wiederholen zumsoundsovielten Male, daß ein Vergleich in dem Kanwf ^ anschanungen, wobei England natitrsich-Rolle der Dewtokratie, Deutschland die des Ntilitarismus iwu., ausgeschlossen fei.

Stimmen aus Amerika.

Die öffentliche NeMng und .die Zeitungen der Vereinigten Staaten verwerfen, wie Reuter müteilt, mit einigen Ausnahmen unzweideutig den österreichl- 'cheu Friedensvorschlag. Sowohl die ^dernokratlschen, nie die republikanischen MitgUMr des KongreM Lebe» der ÄnnMM des M^WÜM WirrWüt^-^

ter den gegenwärtigen Verhältnissen in gleicher Weise ablehnend gegenüber. Senator Lodge sagte, er sei nicht der Meinung, daß der Friedensanregung irgendwelche Aufmerksamkeit geschenkt werden könne. Der Vor­sitzende des Senatsausschusses für die auswärtigen An­gelegenheiten, Hitchcock, erklärte, das Friedensgereöe wäre lächerlich in der jetzigen Zeit, und er rate, Amerika und die Alliierten sollten bis zu einem militärische« Triumph kämpfen, der die vollständige Niederlage des Feindes bedeute. Der Vorsitzende des Ausschusses für die militärischen Angelegenheiten im Repräsentanten­haus, der Abgeordnete Dont, sagte, das Anerbieten be­deute ohne Zweifel, daß Deutschland geschlagen sei, und er sei fiesen eine Konferenz, es sei denn, daß man da­runter verstände, der Krieg solle weitergehen, bis der Friede diktiert werden könne.

Eine italienische Stimme.

Perseveranza" erklärt, daß noch einige Monate ver­gehen müßten, bevor das feindliche Friedensprogramm dem Ententeprogranun so nahe sei. um die Eröffnung ersprießlicher Verhandlungen zuzulasien. Die Entente werde erst verhandeln, wenn die Mittelmächte sich darein fügten, den Frieden von Brest-Lito-osk als nicht abge­schlossen anzusehen, den Balkan, Venetien, Frankreich und Belgien zu räumen, mindestens die Schäden in Bel­gien wieder gut zu machen und die nationalen Probleme zu lösen, Sie im italienischen und französischen Jrreden- tismus bestünden.

Burian an den Papst.

In einer an den vatikanischen Vertreter in Wien gerichteten Note drückt Burian die Hoffnung aus, daß der Papst den Schritt der Wiener Regierung mit Sym­pathie begleite und mit seinem in der ganzen Welt an­erkannten moralischen Einfluß unterstütze.

Fehrenbach Wer Waffenstillstand.

fw= Stuttgart, 18. September. (T. U.) Reichstags­präsident Fehrenbach erklärte bei einem Besuch in Ra- vensbnrg einem Vertreter der Zentrumspresse, er sehe keinen Anlaß, von einer Krise für Hertling zu reden. Graf Hertling habe die Kanzlerschaft angetreten in Uebereinstimmung mit der politischen Mehrheit des deutschen Volkes. Andererseits sei er bestrebt gewesen, zunr Ausgleich mit anderwärts vorhandenen Wünschen und Bestrebungen beizutragen. Dagegen seien unzwei­felhaft gewisse Trübungen auf der Seite der Mehrheits­parteien entstarrden. Jetzt aber, wo über die Friedens­ziele zwischen öen maßgebenden militärischen und poli­tischen Kreisen eine Meinungsverschiedenheit nicht mehr bestehe, liege irgendein Anlaß zu Bedenken aegeniiber der Kanzlerschaft Hertlings nicht mehr vor. Ueber die Frage eines Waffenstillstandes äußerte sich Fehrenbach dahin, daß die Hoffnung weniastens auf einen Waffen­stillstand rroch vor Eikitritt des Winters trotz des kriege­rischen Geschreies bei unseren Gegnern nicht ausge­schlossen sei.

Die Krisengeritchte.

i^' Berlin, 18. September. (T. U.) Die partei­amtliche Freisinnige Zeitung wendet sich energisch ge­gen die Gerüchte, datz knnerhalb der Reichstagsmehrheit die Pläne einer neuen Regierungskrise ausgesonnen und gefördert würden. Das Blatt weist darauf hin, daß sich im Herbst vorigen Jahres die Führer der Besprechungen zusammenqefnnö en hatten, um öte da­mals permanente Krise aus der Welt zu schaffen und eine vor inneren Erschütterungen freie Fortführung der Geschäfte zu ermöglichen. Auf diesem Standpunkt siehe die Reichstagsmehrheit auch heute noch. Alle Kri- senaerüchte, die von der Mehrheit ausgehen sollen, seien daher nur als nrütztger Klatsch zu bezeichnen.

Der Viedeumsbmi des Handwerk.

Man ist jetzt infolge Zusammenwirkens von Regie­rung, Parlament und Handwerker-Interessenvertretun­gen wenigstens soweit, von einem gewissen programma­tischen Abschluß hinsichtlich der Benrühungen zum Wie­deraufbau des Handwerks nach dem Miege reden zu können. Daß man nicht ohne Hoffmrng an die Sache geht, erhellt daraus, daß ine Zentralinstanz der deut­schen Handwerks- und Gewerbekammern, der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag zu Hannover, es ist. die iiber ein für das gesamte Gebiet der Wiederauf- richtung des Handwerks nach dem Kriege nunmehr fer­tig vorliegendes Programm berichtet. Es geschieht das in einer Uebersicht über die Pläne unö mit dem Hinzufü­gen, daß dieses Verstünoigungsprogramm in seiner er­schöpfenden Ausführlichkeit, aber auch durch die rührige Arbeit der Kreise, die hinter ihm stehen, eine Gewähr da­für biete, daß in der Tat nichts versäumt werden wird, was getan werden muß, um den deutschen Handwerker­stand zu erhalten. Auch orgarsisatorisch marschiert man bereits, indem der geschäftsführende Beamte des Deut­schen Handwerker- und Gewerbekammertages, Dr. Mensch, als berufsständiger Referent in das Reichs- kvirtschaftsamt berufen wurde und in Preußen eine Fachabteilung für Handwerks- mtö Genossenschaftswe­sen im Beirat des Landesgewerbeamtes gegründet wor­den ist.

Das Programm sieht vor allem drei Ziele vor: Be- schafsnag von Kredit, Rohstoffen und Strbeit. Für die Gewährung eines evisprechenden Kredits find nunmehr im ganzen Reich besondere Maßnahmerr getroffen wor­den. In Preußen komnren dafür in erster Linie die Kriegshilsskasseri und auch die Kriegskreditkassen in Be­tracht. In Bayern ist eine Landesgewerbekasse errich­tet worden. Aus den Kriegshilfskassen können dort Darleherr bis zum Betrage von zwei- bis dreitansend Mark zll niedrigenk Zinsflltz gewährt werden. In Sach­sen gewährt das Ministerium schon während der Kriegs- öauer, dann für die erste Zeit nach dem Kriege an Ge- merhetreißeuöe aus dem Genossenschaftsfonds Darlehen zu 2 v. H., tilgbar in zehn Jahren, und bis zu 5000 Mark Höhe. Aehnlich verfahren Baden nuö andere Bundes- staaten. Außerdem gewährt das Zerrtralkomitee der Vereine vom Roten Kreuz in Fällen, wo den Landes- nnd' Provinzialvereinen ausreichende Mittel fehlen, grö­ßere Beträge, aus freuen unverzinsliche Darlehen bis zu je 2500 Mark entnommen werden können.

Die Zufuhr von Rohstoffen ist so geregelt, daß bei der Einfuhr nach Friedensschluß das Handwerk sofort einen altgemessenen Teil erhalten soll. Zu den becref- fenden Oraanisationen werden Sachverständige aus dem Handwerk hinzugezogen, und den bei Sei, Handwerks­und Gewerbekamnlern gebildeten Arbeitvansschiysen für die Versorgung des Handwerks mit Rohstoffen wah­rend der Uebergaiigswirtschast soll schon jetzt die Ver­mittlung derjenigen vom Handwerksbetriebe benötigten Rohstoffe zu gewiesen iverdcn die aus krieaswirtschaft- lichen Maßnahmerl von der fhmthehen ^eHurtWütno erfaßt werden. Bei der Demobistnamung imUhmfch iMrverdeLde Rohstoffe sollen zu billigen Preisen vor­

zugsweise an durch den Krieg geschädigte .Handwerks und Gewerbetreibende abgegeben werden.

Für die Bereitstellung von Arbeit wird von iw" Wichtigkeit die Ueberweisung von Aufträgen duM 6 staatlichen Behörden sein. So hat die Preußische (Wtt bahnverwaltung Maßnahmen getroffen, die dem .Hayi werk sehr erhebliche Arbeiten sichern, und in Bayern hat man 170% Millionen Mark für öffentliche Arbeiten nach Kriegsabschlutz vorgesehen, woran das Handwerk vor­nehmlich teilhaben soll. Zur Lösung der bedeutsamen Frage der Heranziehung eines geeigneten Nachwuchses im Handwerk hat man ebenfalls, in neuerer Zeit durch praktische Mittel und Einrichtungen den Boden bereitet. So darf auch der Handwerksmeister im Felde mit eini­ger Beruhigung in die Zukunft blicken. Vertauscht er einst das feldgraue Ehrenkleid wieder mit dem schlichten Bürgerrock, so wird er hoffentlich nicht am Grabe seiner Habe, sondern am Beginn einer neuen erfolgreichen

Tätigkeit stehen.

Politische Rundschau.

Im Wahlrechtsausschutz des Herrenhauses kam ge^ stern der Rest des Wahlgesetzes für das Abgeordneten­haus zur Besprechung. Dabei wurden vorzugsweise die Fragen der Abgrenzung der Wahlbezirke und der Ver­hältniswahl besprochen, ohne daß sich eine entschiedene Stellungnahme der Kommission für oder gegen die Ver­hältniswahl ergeben hätte. Die Kommission beschloß so­dann, heute in die allgemeine Beratung der Herren­hausvorlage einzutreten. r

Bei der Landtagsersatzwahl im Wahlkreise Löbau- Marienwerder III für den verstorbenen praktischen Arzt Dr. Lamparski wurde Rechtsanwalt Justizrat v. Kur- zetkowski (Pole) mit 146 Stimmen gewählt. Der deut­sche Kandidat Oekonomierat Richter (Ludwigslust) er­hielt 43 Stimmen.

Der meiningische Landtag, dessen Mandat mit dem kommenden Monat zu Ende geht, verlängerte seine Tä­tigkeit auf ein weiteres Jahr. Gegerr die Verlänge­rung stimmten die Sozialdemokraten. Die ablehnende Haltuitg der Linken ist als ein Protest gegen das um­strittene Gesetz betr. finanzielle Loslösung der Kirche vom Staate anzusehen.

Die Unsicherheit im Eisenbahnbetrieb hat bekanntlich so zugelrommen, daß sogar Güterzüge auf offener Strecke arrgehalten wurden, um beraubt zu werden. Nunmehr sind Gegerrmaßregeln in Aussicht genommen, welche die Wiederholung solcher Vorsälle ausschlietzen. Die Bahn­bewachung wird wesentlich verstärkt, und zwar durch Militärpatrouillen, welche die gefährdeten Stellen zu be­wachen haben. Es ist die Einstellung von bewaffneten Hilfsdienstpflichtigen angeordnet. Ferner ist die Be­waffnung des männlichen Zugbeglertungspersonals mit Revolvern vorgesehen, damit das Personal in der Lage ist, bei räuberischen Ueberfällen die Angrelfer in Schach zu halten.

Die Lage der Privatangestellten, schreM die Tägl, Rundschau, ist, während mlle Staatsbeamten, einschließ­lich der Geistlichen und Lehrer, neuerdings wieder eine beträchtliche einmalige Zirlage erhielten, nach wie voi sehr ungünstig. Allmählich raffen sich nun aber die gro­ßen Verbände auf und suchen ihre Forderungen durch- zusetzen, die in Anbetracht der Zeiten gerecht und billitz sind. So veröffentlicht der Verband der Deutscher Raukbeamten einen Ausruf, in dem es heißt:Die Noj der Zeit lastet bleischwer auf den Angestellten des Bank­gewerbes. Solange ein preußischer Minister sich mit einem Gehalte von 36 000 Mark begnügen muß, solange hat keine Bankdirektion das Recht, sich auf Kosten frei darbenden Beamtenschaft das zwanzig- und mehrfache Ministergehalt in die eigene Tasche zu schanzen. Diesen harthörigen Herrschaften muß seitens der Beamtenschaft nachdrücklichst klargemacht werden, daß ganz andere Summen erforderlich sind, um der schwer leidenden S(n* gestelltenschaft aus ihrer Not zu helfen als die bisher gewährten geringen Almosen."

Vermischtes.

Von ihre« zwei Dienstmädchen ertränkt wurde die Gattin des im Kieler Nachbarort Voorde wohnenden Oekonomierats Biernatzki von Eben. Sie wurde von den Mädchen an den nahen Fluß gelockt, hineingestoßen und so lange unter Wasser gehalten, bis sie tot war. Eine der Mörderinnen wurde festgenommen, die andere ist aeflüchtet.

Zur Beerdigung der 33 Opfer der Schneidemühler Bahnkatastrophe war in München-Glaöbach neben zahl­reichen behördlichen Vertretern auch Kardinal Hart- mann etnaetroffen. Die Straßen bis zum Friedhof wa­ren mit Zehntaufenöen besetzt. Die Sarge wurden auf Militärautos zu je sechs gefahren. Auf dem Friedhof fand eine ergreifende Trauerfecer statt.

Ermordet und beraubt hat der Arbetter Gleins aus Essen seinen Arbeitskollegen Kleinotting auf einer Ham- sterfahrt. Die Leiche des Ermordeten wurde in einem unbenutzteii Brunnen aufgefunden. Der Raubmörder ist verhaftet und geständig.

Weitere Drahtnachrichten.

General v. Deimlina für Verständignngsfrieden.

»-£ Baden Baden, 17. September. (Eig. Drahtn.) Vor einer außerordentlich zahlreichen Zuhörerschaft sprach General der Infanterie von Deimling (früher Kommandeur der Truppen in Südwestafrika und dann konrmandierender General des 15. Armeekorps in Straß- burg, das er drei Jahre auch im Felde führte) über das ThemaUnsere Lage im Westen", wobei er be­tonte, daß wir trov der Burtidhtahme, unserer Truppen auf die Hindenbiirglinie voll Zuversicht in die Zukunft blicken können. Bezüglich der Friedensfrage meinte der Redner, wir brauchen einen Frieden der Verstauotguttg, wie ihn der Vizekanzler v. Paper in seiner Stuttgarter Rede formuliert habe: damit würden wir einenWirt­schaftsfrieden erhalten, wie wir ihn brauchten, wabrenfr ein Eroberuugösrieöen von vornherein den Kenn zu neuen Kämpfen in sich tragen würde.

Euttäuschung der Neutralen über Wilsons Antwort.

ir-s»-« Rotterdam, 18. September. (T. U.) Wie der Rotterdamer Mitarbeiter der Deutschen Tageszmtmm aus gut unterrichteten Kreisen erführt, hat die. durch Reuter verbreitete amerikanische Erklärung, worin der Staatssekretär im Namen Wilsons den öüerreich Ischen Vorschlag zurückweist, in den neutralen diplomatlichen Kreisen einen äußerst schlechten Evrdruck gemacht. Man sieht darin vor allem einen Versuch Willons, den an- , deren Bundesgenossen ihre Antwort vorzuschreiben und ihre Ansichten fortan von seiner Meinung abhängig zu machen. In der Roterdamer Bevölkerung, verursachte die amerikanische Antwort eine große Enücmschimg.