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live Unter Sen setzine» Mtständen nichts ansNchteu werde. Im Palais Bourbon ist man der Ansicht, daß die Kriegsziele Frankreichs und seiner Alliierten hin­reichend bekannt seien, nämlich: Unversehrtheit des Va­terlandes, Gleichgewicht der Welt, Befreiung aller unter­drückten Völker, Wiedergutmachung des verursachten Schadens. Die französischen Deputierten sprachen sich dahin aus, daß während aller Wechselfälle des Krieges das Programm- Frankreichs nicht gewechselt habe. Die Feinde, die schwach geworden sind, halten den Sieg durch die Waffengewalt nicht mehr für möglich. Wir sind anderer Ansicht. Frankreich und seine Verbündeten zweifeln nicht daran, daß ihre siegreichen Armeen ihnen -ie.BerwiMlchnng ihres Unabänderlichen Programms sichern werden.

Italien.

Die italienische Presse teilt vorläufig nur einen Auszug aus der österreichischen Friedensnote mit, ob­wohl der volle Text schon lange hat übermittelt werden können. Die bisherigen Kommentare sind auf das Thema gestimmt, daß die Mittelmächte den Frieden nicht ernstlich wollten, vielmehr nur beabsichtigten, durch Schürung der Friedenssehnsucht den inneren Wider­stand der Ententevölker zu schwächen, und daß deshalb die Regierungen sofort eine wirksame Gegenerklärung abgeben sollten.

DerCarriere" schreibt, die österreichische Note be­deute die Krönung der Friedensoffensive und unter­scheide sich von den vorhergegangenen Kundgebungen der deutschen und österreichischen Staatsmänner nur durch ihre feierliche diplomatische Form. Doch vermisse man vor allem einen Hinweis auf eine konkrete Grundlage für das Friedensprogramm, sodaß die Note das ge­wohnte und hinterlistige Manöver bedeute. Da hinter der Kundgebung ohne Zweifel Deutschland stehe, so sei Mißtrauen doppelt am Platze. Der Apell an den Papst bedeute eine niedrige Jntrige, um das humanitäre Ge­fühl des Hauptes der Christenheit zu politischen Zwecken auszunützen. Wenn Oesterreich und Deutschland Frie­den wollten, so sei das bei den Verbandsländern noch mehr der Fall. Aber das alte Intrigenspiel könne we­niger Erfolg haben als je, da man nunmehr die Mas­ken der Mittelmächte wohl kenne. Der Verband habe feinen Völkern gegenüber die Pflicht, unverzüglich mit einer einheitlichen Erklärung hervorzutreten, ja es wäre besser gewesen, wenn diese Erklärung gleichzeitig mit Her Ankündigung der österreichischen Note in der Ver­bandspresse erschienen wäre, um jeder vergiftenden Wir­kung vorzubeugen.

DerSecolo" schreibt: Der Zweck der Feinde liege offen zutage. Sie selbst möchten sich nur geringe Ergeb­nisse von ihrer Friedensoffensive versprechen, aber sie rechneten auf die natürliche Friedenssehnsucht der Völ­ker: aber diese Hoffnung sei sinnlos und vergebens, da die Berbandsmächte ihnen nicht glaubten.

Bei den Neutralen.

Schweiz.

Es gibt, soweit sich bis jetzt übersetzen läßt, in der deutsch-schweizerischen Presse kein Blatt, das die Frie- densnote Oesterreich-Ungarns nicht auss wärmste be­grüßte. Bei allen begreiflichen Zweifeln will man vor­läufig die Hoffnung auf einen Erfolg nicht aufgeben. DieNeue Zürcher Zeitung" legt dar, wie klein die Aussichten auf Verständigung heute scheinen, da man über die Fragen der Kriegsentschädigung, über das Orientproblem, die Kolonialfragen und die Wirtschafts­verträge noch keineswegs einig fei. Dennoch dürfe die Hoffnung nicht aufgegeben werden. Die Lage sei anders Heute habe einer, der damals neutral gewesen sei. als Beteiligter zu sprechen. Mit banger Sorge blickten $til= ltonen auf den Lenker einer Welt, der sie gegen und nach ihrem Willen regiere, auf den Präsidenten Wil- s o n. DieNeue Zürcher Zeitung" erinnert daran, daß auch in Amerika sich die Gefahr des Irrglaubens in mi­litärischen Lösungen der Politik ergebe. Der Berner Bund" schreibt: Oesterreich-Ungarn ist für die Vernritt- lerrolle berufen. Widerstände, die Deutschland bei der Entente findet, bestehen gegenüber Oesterreich-Ungarn nicht Es begegnet nicht dem Verdacht, daß es Erobe­rungen machen wolle. Der Zeitpunkt der Note ist gut gewählt, weil auf dem Kriegsschauplatz das nnlitärrsche Gleichgewicht nach den Erfolgen der Entente hergestellt ' ist. Keine der beiden Teile läuft Gefahr, sich etwas zu vergeben, wenn er in Besprechungen eintritt. Für die Schweiz ist ein wichtiger Augenblick gekommen. Sie schloß sich seinerzeit der Friedensbotschaft Wilsons an. Als die älteste Demokratie der Welt hat sie vor allen das Recht und die Mission, voranzugehen und mitzutun, wo es sich um die Verwirklichung demokratischer Grund­sätze und Ideale handelt, wo Völkerrecht und Völker­bund begründet werden sollen. DieZüricher Post" schreibt:Selbst wenn eine Aussprache man zu wirk­lichen Friedensverhandlungen führen würde, so wäre es ein Verbrechen, den Bereich nicht gewagt zu haben.

Schweden.

Die Nachricht von der österreichischen Friedensini- tiative wurde in Stockholm bewegt aufgeuomnren. Man empfindet den Schritt als eine Tat. Pfit Spannung erwartet man die Antwort der Entente^ Eine Ableh­nung würde dieser bei der heutigen ^tumnung des schwedischen Volkes stark schaden. Dre.nach Westen,,rwc- gendeDagens Nyheter" schrieb, als dre ersten Gerüchte von der Note gemeldet wurden, eine solche, Friedens- initiative würde bei allen Neutralen Mit größter Sum- pathie ausgenommen. Dochzweifelt das Blatt^b an­gesichts der Waffenerfolge die Stimmung der Entente- länder schon reif dafür sei. Die ganz im Ententefahr- wassor schwimmendeStftonhtmumcn' aMZu.datzeine Friedensinitiative jetzt größere Voraussetzungen als je habe. Das konservativeAftonblaöet" schreibt.Nie hat die Welt, nicht einmal vor Kriegsausbruch, Mit sol­cher Spannung eine Antwort erwartec, wie jetzt, wo alle Völker der Erde auf die ersten Worte der anderen Seite lauschen werden. Schlägt man in die ausgestreckte Hand ein, dann wird es bis zum Beginn der Friedensver- dandlungen nicht lange dauern. Werst man sie hoch- müttg zurück, dann wissen alle, die noch neutral sind, wo das Hindernis für den Frieden liegt,. Ware es Schwedens Los, bei den Verhandlungen eine Rolle spie­len zu können, dann könnte unser Land seinen Namen mit unvergeßlichen Lettern in die Blätter der Weltge- chichte eintragen."

Die Neverreichnng der Wiener Note.

tei Wien, 17. September. (T. U.) Die Note Bu- tians ist den beglaubigten Vertretern der neutralen Nächte, welche die Vertretung der feindlichen Staaten übernommen haben, sowie den Vertretern der verbun- X'ten Mächte Sonntag nachnnttag 5 Uhr überreicht wor

Mächte Sonntag nachnnttag 5 Uhr überreicht war Sämtliche Regierungen haben gleichlautende No-

jcn. Sämtliche Legierungen haben giewiauitnoc vco- en erhalten, und zwar in französischem Text. Nur die Note, welche dem Nuntius für den Papst überrercht -vuirde, bat einen etwas anderen Wortlaut und erwcchnt zugleich die Bemühungen des Papstes Am den Frieden.

Die parlamentarisch-politischen Konferenzen.

^ Berlin, 17. SepteniLer. (T. U.) Die vurlamen- arischen und politischen Konserelisen über die allge-

Üicine Lage, die durch die Friedensnote Oesterreich-Un­garns geschaffen ist, werden nod) fortgesetzt werden. Die Konferenz der Mehrheitsvertreter mit dem Reichskanz­ler am Sonntag, hat, wie die Morgenpost schreibt, den Erfolg gehabt, daß die Regierung nun, ungeachtet der Zweifel, welche über die Aussichten der Note des Gra­fen Burians bestehen, die Bestrebungen des österrei­chisch-ungarischen Ministers unterstützen werde. An­dererseits habe sich aber in der erwähnten Sitzung ge­zeigt, daß das Vertrauensverhältnis zwischen dem Gra­fen Hertling und der Mehrheit des Reichstages doch eine beträchtliche Erschütterung erlitten habe. Die Reichsregierung habe von der Absicht der Wiener Re­gierung seit längerer Zeit Kenntnis gehabt, es jedoch unterlassen, die politisch in Betracht kommenden Kreise in Deutschland auf diese Aktion vorzubereiten, unge­achtet, wie immer sie sich zu ihr stellen wollte.

Zusammentritt des Hauptausschusses.

Der Hauptausschutz des Reichstages tritt am 24. September, vormittags 10 Uhr, zusammen.

Die Ablehnung der Rede v. Payers.

Den in schweizerischen Blättern wiedergegebenen Meldungen zufolge lehnt die gesamte Verbandspresse auch die Friedensrede des Vizekanzlers von Payer ent­schieden ab. Die heftigsten Worte gebrauchen die Lon­doner Blätter. Von den Pariser Blättern fte% der Figaro" an erster Stelle, der sich freut, daß nun zum ersten Male eine amtliche Erklärung über die moralische Depression in Deutschland bestehe. Andere Blätter be­mühen sich, ihre Leser glauben zu machen, die gesamten jüngsten Erklärungen der Mittelmächte seien durch-die Siege der Alliierten erzwungen worden.

Aurerikaurfche Wüteriche.

Deutschland muß auf eigenem Boden besiegt werden."

Die dauernde Neutralisierung Deutschlands ist das Neueste, was sich ein amerikanisches Blatt, die schon vor dem Eintritt Amerikas in den Krieg äußerst deutsch­feindlicheStern York Tribune" zur Bestrafung der öeut- fchen Missetaten ausgedacht hat. Dem Wachingwner Berichterstatter derMorningpost" zufolge schreibt die Zeitung:Ein Deutschland einfchließeirder Völkerbund würde bedeuten, daß Deutschland, ebenso wie Belgien und Frankreich, bei Verteilung der Hilfsquellen der Territorien und Handelsangelegenheiten der Welt eine Stimme hätte. Dagegen sträubt sich die Seele. Ein Deutschland ausscdlietzenöer Völkerbund würde zwei große bewaffnete Lager bedeuten. Mit Deutschland kann es weder Frieden, noch Krieg geben. Man kann ihm nicht trauen, daß es Frieden hält. Es besitzt kein Wort, das es halten, kein Vertrauen, das es verlieren könnte. Man kann chm aber auch nicht die Mittel belassen, einen Krieg zu führen. DeAtschlaud muß auf eigenem Boden besiegt und entwaffnet werden. Dann sind die verbün­deten Völker als Völkerbund konstituiert, um auszuspre- Hen, unter welchen Bedingungen Deutschland .weiter­leben soll. Die Militärmacht Deutschlands mntz für im­mer gebrochen werden. Die alliierten Stationen wür­den ihm den Zustand eines dauernd Neutralen garan­tieren. der «»bewaffnet wäre. Das übrige hängt davon ab, wieweit man sich auf das moralische Gefühl der Welt verlassen kann, ihm eine endgültige Strafe aufzuerlegen. Plan kann 65 Millionen Deutsche nicht einschließen, aber ausschlietzen. Wenn die Bevölkerungen der alliierten Länder spontan beschlössen, Deutschland von jedem Ver­kehr auszuschlietzen, das heißt, es für eine Reche von Jahren auszuschalten, so würde kein wirtschaftlicher Bonkott notwendig fein."

Eine Kriegszielerklärnng Clemenceantz?

Ü ElemeneeansHomme Libre" schreibt am Sonntag, daß der Ministerpräsident sich einer neuerlichen Forde­rung der Sozialisten auf Abgabe einer neuen Kriegs- zielcrkläruna Frankreichs in der Kammer nicht mehr wchersetzen werde.

v. Stöger-Steiner über die Lage.

i^i Wien, 15. September. (WTB.j Korr.-Büro. In einer dem Vertreter der Neuen Freien Presse ge­währten Unterredung erklärte Kriegsminrster von Stö- ger-Steiner n. a.: Durch den Friedensschluß mit Ruß­land und Rumänien fanden wohl die Kampfhandlun­gen im großen an dieser Front ein Ende, aber auch dre heute noch ungeklärten Verhältnisse und fortdauernden Verwicklungeri im Innern Rußlands zwingen uns, wachsam zu sein. Die an der Ostgrenze freigewordenen Formationen mußten der Südwestfront zugeführt wer­den, um die dort bis dahin sehr zu unseren Ungunsten vorharchenen Kräfteverhältnisse auszugleichen. Eine tatsächliche Reduzierung der Armee im Felde konnte also nicht eintreten, wohl aber ist die Kampffront kürzer ge­worden. Die stets zunehmende Intensität der Kampf- führung ließ keine militärische Ersparnis zu. Auf die Frage, welches Urteil er über die nulitäruche Lage im Westen habe, erwiderte der Kriegsm'.nister: Der eng­lische Angriff zwischen Ancre und Store war zweifellos sehr geschickt vorbereitet mrd hat die deutschen Truppen einigermaßen überrascht und dementsprechend einen An­fangserfolg gezeigt, den auch mein preußischer Kollege als Schlappe bezeichnet hat. Diese Aufrrchtigkeii- berech­tigt zu größter Zuversicht. Die Deutschen zogen aus der' eingetretenen Lage die günstigsten Folgen. Bei inten­siver Abnuinnra der fortgesetzt schrver angreifenden feindlichen Massen nahmen sie ih^ Hauptkraft auf die starke und tief gegliederte Wmterstellultg von 1917'18 zurück, wodurch nicht nur erhebliche Kräfte durch die kürzere Linie frei wurden, sondern dem Fmud ein Kampfgebiet ausgezwungen wurde, in dem das voraus­sichtliche Uc-berwintern um so mehr Schwrerigkecten be­reiten wird, als es den Deutschen meisterhaft geglückt ist, bei dem planmäßigen Zurückwerchen sämtliches Ma­terial zum eigenen Stuften zu bergen. Bei diesem Ma­növer gelang es der deutschen Fähigkeit, die gleiche Stellung durch Nachhuten viermal solange zu behaup­ten, als die Hanptkrttfte der Femde im Frühiahr dies unseren Verbündeten gegenüber vermocht hatten. Aus dieser kurzen Darlegung der letzten großen Ereignisse kann wohl jeder sehen, daß die Srnhatwc nach wie vor bei den Deutschen verbleibt, und zwar in taktisch vor­teilhafter Art. da die empfindlichen Ausbuchtungen der großen Front wegbleiben. Nun stehen beide Parteien vor neuen Entschlüssen. Ich glaube, man braucht kein Stratege zu sein, um bei einem Blick auf die Karte zu erkennen, dgß unser Bundesgenosse hierbei den hoff­nungsvolleren Eindruck macht.

Schlappe der Sowjetttuppen vor Archangelsk.

Nach derPrawöa" hat an der Front von Archan­gelsk ein Gefecht zwischen den Truppen der Bolschewicki und den englisch-französisch amerikanischen DetachementS stattgefnnden, m dem zuerst die Bolschewuki siegreich waren: Eine zu Hilfe konunende englifche Abteilung schlug jedoch die russischen Truppen zurück,, die in Ver­wirrung und Panik flohen. Unter den russischen Trup­pen waren Gerüchte ausgestreut, wonach Lenin und, Trotzki getötet, Sinvwjew geflohen nnd die Sowjetregie ; rung gestürzt sei. Eine Anzahl von Offizieren lief zu den Engländer» über. t t 1

Man beachte, daß die Nachricht von der Niederlage , aus dem SowjetorganPraivda" stammt! Mit der I

Moral der Sowjettrupven, einschließlich der Führung scheint es nicht gut bestellt zu sein.

Die Lage in Petersburg.

Aus Petersburg tu Helsingfors eingetroffene Rei­sende erklären die Stachricbt, daß Petersburg in Flam­men stehe, für unrichtig. Es herrsche äußerlich Ruhe, aber die Hinrichtungen dauerten an.

Lriegsallerlei.

Prinz Friedrich Karl von Hessen, der den finnischen Königsthron besteigen soll, erhält Unterricht im Finni­schen. Dozent Dr. Holm ist zu diesem Zweck von Hel­singfors nach Deutschland abgereist.

Generalleutnant v. Bonin, der Komnmnöant von Berlin, ist ans sein Gesuch unter Verieibnng des Cha­rakters als'General der Infanterie zur Disposition ge­stellt. Als sein Nachfolger ist Oberst Schwerk, Inspek­teur der militärischen Strafanstalten, bestimmt worden.

Staatssekretär Dr. Solf weilt gegenwärtig in Sofia.

Er hatte eine längere Unterredung mit dem Minister­präsidenten Malinoff. Dann wurde er im Schloß erntn sangen. (

Feldmarschall Richolso», der frühere Ehe? des engli­schen Generalstabes ist gestorben. Nicholson hat seit dem afghanischen Kriege von 18781380 fast alle größeren englischen Expeditionen mitgemacht. Irr der Heincat war er Generaldirektor des MobilisierungSwesens und der Nachrichtenabteilung im Kvr'gsministerium, dann Generalguartiermcister und 1908- 1612 Generalstabschef.

Ein englisches Flugzeug landete in der Nähe von Vlissinaen. Die Flieger werden interniert. Ein zweite»

Flugzeug ging auf der Scheide nieder.

Die portugiesische Regierung hat, wie Reuter be* richtet, dem Ansuchen des Generals Pershing um por­tugiesische Arberter, die dem amerikanischen Heer in Frankreich zugeteilt werden sollen, damit amerikanMe Soldaten, die jetzt zu Arbeiten hinter der Front ver­wendet werden, für die Front frei kommen, stattgegeben. Tausend vortugiMsche Arbeiter werden demnächst nach Frankreich abgeh^n.

Die Vergehe» Zugendlicher im Krieg.

Bereits vor längerer Zeit hat der Minister im Zlbgc- ordnetenhause auf die enorme Steigerung der Vergehen Fugendlickier in Preußen hingewiesen, die sehr zu den­ken gab. Jetzt sind in Ergänzung seiner Aussührungen im Preußischen Jnstizministerialblatt die genauen Zrf- fern der bet preußischen Gerichten und Staatsanwalt schaffen gegen Jugendliche schwebenden Verfahren er­schienen. wobei allerdings auch diejenigen mitgerechne. sind, bei denen Freisprechung erfolgte. Indessen Meter die Zahlen trotzdem ein ziemlich einwandfreies Mate­rial. Die anhängigen Strafverfahren gegen Jugend­liche betrugen 1914 : 51490, 1915 : 75 785, 1916: 114 620, 1917: 189 483 und im ersten Vierteljahr 1918: 42 220 also etwas weniger als im Jahre 1916. Für 1918 wäre also, wenn das Ergebnis dasselbe bleibt, wie im ersten Vierteljahr, ein erfreuliches Sinken der Ziffer etwa auf den Stand von 1916 festzustellen. Die Zahlen ent­sprechen durchweg den bereits von der Zentrale für Jugendfürsorge in Berlin berichteten FMen. Im Jahre 1914 hat sich nach den Untersuchungen der Zen­trale Hauvtsächlicb eine Steigerung der Eigentumsver- gehen feststellen lassen infolge des Bestrebens der Ju- ueuA»,^ ji« tm^ »m $ewir.

ten, viele Geld und versuchten, es sich durch Drebstahl anzueignen. Auch wirkten die Kriegsschilderungen zum Teil ungünstig auf die jugendlichen Gemüter, die Kin­der übertrugen die Verhältnisse in Feindesland ans ihr eigenes Leben. Bairden-Diebstähle nahmen iiberhand. Die Nahrungsmittelkrrappheit tat das Uebrige, Jugend­liche suchten rationierte Lebensmittel zu stehlen und teuer zu verkaufen. Auch die Felödiebstähle nahmen zu, besonders solche von Kartoffeln. Von anderen Ge­genständen eigneten sich die Jugendlichen namentlich Gunnni und Metalle an. Erst im Jahre 1917 stiegen die Roheitsvergehen in ganz auffallender Weise. Die Mordtaten in Berlin sind noch in frischer Erinnerung. Fälle von außerordentlicher und ganz sinnloser Bruta lität waren an der Tagesordnung. Wenn nun in neue­ster Zeit die Verbrechen erfreulicherweise ahaenommen haben, so ist dies ohne Zweifel auf das überaus scharfe, energische Sinschreiten der Generalkommandos mit ein­schneidenden Atatzregeln und Verboten zurückzuführen. Uebrigens sind in den feindlichen Ländern die Verhält­nisse noch schlimmer. In England hatten schon 1916 die Verbrechen Jugendlicher so zugenommen, daß die Zei­tungen öffentlich darüber klagten.

Weitere Drahtnachrichten.

Weitere feindliche Stimme» zn Buriaus Note.

-^ Amsterdam, 17. September. (Eig. Drahtm) Auch Dailu Mail. Dailv Erpreß und Morningpost lehnen den österreichisch-ungarischen Vorschlag zu uttverbrndlrchen Friedensäesprechungen ab und ergehen sich daber m mehr oder minder heftigen Angriffen gegen Deiltsw- lanö. So schreibt Morningpost: Wir fino bereit, anzu- nebmen, haft die Note von Deittschland diktiert ist. Sie ist im wesentlichen der Borschlag eines Wasfenstillstan- des den die deutschen Heere benutzen würden, um Zeit zu gewinnen. Es ist nur eine Ailtwort möglich. Jetzt pausieren, würde bedeuten, die Ergebnisse des vieliähri- gen Krieges fortwerfen und die gemeinsame Sache der Zivilisation verraten.

»» Lugano, 17. September. (Eig. Tratstn.) Die Mailätider Blätter fassen ihr Urteil über die Wiener Note dahin zusammen: Eiii geübtesten,, ueruöco Mono ver, das aber vollständig aussichtslos ist.

Die Schweiz und die Wiener Einladung.

h-$| Bern, 17. September. (T. U.) Die Berner po­litischen Kreise sind durch die Wiener Note in allerleb- Haftesie Bewegung geraten. Da sich zufällig der Natro- nalrat versammelt, so ist auch in den Wandelgange,n des schweizerischem Parlaments von nichts anderem die Rede, als von dem Schritt Oesterreich-Ungarns. Es ist zweifellos, daß die Note aus die große Mehrzahl. der Deutsch-Schweizer, ja sogar auf gewnse Westschwelzer, moralisch einen sehr günstigen Eindruck gemacht hat. Andererseits wagt man es nicht, sich irgendeinem Opti­mismus hinzugeben. .

Lenins angebliche Bttndnis-Antzernng.

^ Berlin, 17. September. (Eig. Sraftht.) Das Berliner Büro der Petersburger Telegraphen-Agentur teilt mit, daß die, laut einer angeblichen Mitteilung der Prawöa", von Lenin gemachte Aeußermng,. daß die Sowjetregiernna mit einer anderen Macht em Eltz- und Trutzbündnis abschließen werde, Lenirr fälschlicher­weise waefchrießen und von ihm getan worden sei. Die an die Meldung bereits aeknüpften Erörterungen seien hinfällig.