Hersfelder Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
; Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- ;
| zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei i
5 Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. :
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im • amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. :
Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Fernsprecher Nr. 8.
Nr. 214
Donnerstag den 12. September
1918
Amtlicher Zeit
Preußischer Staatskommissar für Volksernährung.
Vld. 2151.
M. f. H. Ilb. 6198.
M. f. L. IA id. 2783
Aurführungsanweisung zu der Bekanntmachung über die Regelung der Wildpreise vom 24. August 1916 (Reichs-Ges.-Blatt S. 959.)
Auf Grund der §§ 3 und 4 der Bekanntmachung über die Regelung der Wildpreise vom 24. August 1916 (Reichs-Ges.-Blatt S. 959) und der Bekanntmachung des Präsidenten des Kriegsernährungsamts über die Festsetzung der Preise für Wild vom 17. September 1916 (Reichs-Ges.-Blatt S. 1046) wird unter Aufhebung der Ausführungsanweisung vom 23. September 1917 nachstehendes verordnet:
I.
Bei dem V^kauf durch den Jagdberechtigten dürfen folgende Preise nicht überschritten werden:
1. Bet Rot-, Dam- und Rehwild
mit Decke, bei Schwarzwild
mit Schwarte für 0,5 kg. . Mark 1,30 2. Bei Hasen, das Stück . . „ 7,25
3. Bei wilden Kaninchen, das Stück.....„ 2,50
4. Bei Fasanen
a) Hähne, das Stück . . „ 6,- b- Hennen, das Stück . . „ 5,—
Diese Preise gelten ab Jagdstrecke. Sie gelten nicht für die Abgabe einzelner Teile (Rücken, Keulen, Schwarzwildes seitens des Jagdberechtigten unmittel-^ bar an Verbraucher, wenn die Zerlegung nach Entfernung der Decke oder Schwarte stattgefunden hat. In diesem Falle gelten die unterm, Ziffer 1, festgesetzten Höchstpreise.
II.
Für das vom Jagdberechtigten erworbene Wild dürfen beim Weiterverkauf im Großhandel, insbesondere durch die Abnahmestellen an die Empfangs- stellen (Ziffer 12 der Ausführungsanweisung vom 10. September 1917) folgende Preise nicht überschritten werden:
1. Bei Rot-, Dam- und Rehwild mit Decke, bei Schwarzwild mit Schwarte für 0,5 kg. . Mark 1,50
2. Bei Hasen, das Stück . . „ 8,—
3. Bei wilden Kaninchen, das
Stück..... 2,80
4. Bei Fasanen
a) Hähne, das Stück . . „ 6,50
6) Hennen, das Stück . . „ 5,50
Diese Preise gelten ab Eisenbahn-Versandstation einschließlich der Beförderungskosten bis zu dieser Versandstation.
Die Frachtkosten ab Versandstation bis zur Empfangsstation haben die Empfangsstellen zu tragen.
(Fortsetzung auf der 4. Seite)
Bus der Heimat.
* Um Eichelkaffee herzu st eilen, sammle man reife, saftige Eicheln, schneide sie quer durch und übergieße sie mit kochendem Wasser, in dem sie erkalten und 24 Stunden stehen bleiben. Dann gießt man sie ab, überbrüht sie nochmals in. gleicher Weise und läßt sie wieder 24 Stunden stehen, wodurch die allzu bitteren Säfte entzogen werden. Darauf schüttet man sie auf mit Papier bedeckte Bleche und läßt sie im warmen Ofen langsam trocknen und dörren.
* Die Bucheckern werden, wie verschiedentlich wahrgenommen wurde, schon jetzt zum Teil abgerissen und gesammelt. Es wird von berufener Seite darauf aufmerksam gemacht, daß die Bucheckern noch nicht ausgereift sind. Die Reife ist etwa in drei Wochen zu erwarten. Es liegt daher im allgemeinen Jntresse, daß mit der Bucheckernernte, zu welcher noch weitere Bestimmungen erlassen werden, noch drei Wochen gewartet wird. Die Kinder sollen zumal unter Hinweis auf den Schaden, welcher der Allgemeinheit entsteht, von der vorzeitigen Ernte abgehalten werden.
* (Kriegsteuerungszuschuß für Militär). Nach dem Armeeverordnungsblatt ist ein außerordentlicher einmaliger Kriegsteuerungszuschuß für Offiziere, Beamte und Unteroffiziere bewilligt worden. Die dem Friedensstande angehörenden Militärs erhalten den Zuschuß von Amts wegen; bei den anderen erfolgt die Bewilligung auf Antrag, hiervon sind aber die besoldeten Reichs-, Staats- oder Gemeindebeamten ausgeschlossen. Der einmalige Kriegsteuerungszuschuß besteht aus dem Grundzuschuß und dem Kinderzuschuß.
Der Grundzuschuß beträgt a) für Offiziere und Beamte die Summe aus 1. einem feststehenden Grundbetrage von 200 Mk. für Immobile und 150 Mk. für Mobile und 2. dem Monatsbetrage des Friedensgehalts, jedoch für immobile Offiziere und Beamte mindestens 450 Mk, höchstens 950 Mk., für mobile Offiziere und Beamten mindestens 400 Mk., höchstens 900 Mark; b) für Unteroffiziere 400 Mark. Der Kinderzuschuß beträgt für jedes zu berücksichtigende Kind a) für Offiziere und Beamte 10 v. H. der Summe aus einem Grundbetrage von 250 Mk, und dem Monatsbetrage des Friedensgehalts, mindestens jedoch 10 v. H. von 500 Mk., höchstens von 1000 Mk.; b) für Unteroffiziere 50 Mk. Kinderlos Verheiratete erhalten nur den Grundzuschuß. Unverheiratete, soweit sie überhaupt in Fragen kommen, 70 vom Hundert des Grundzuschusses.
* (Seifenersatz). Holzasche ist ein guter Ersatz für Seife. Sie entfernt Fett, Schweiß und Schmutz von Wäsche und Haut. Für die Verwendung der Holzasche muß beachtet werden: Die Holzasche muß gut durchgebrannt sein; sie muß also weiße Farbe haben. Sie soll pulverig sein und möglichst nicht in größeren Stücken verwendet werden. Man gibt etwa einen Liter Holzasche in 15—20 Liter heißes Wasser und rührt gut um, damit sich die Asche mit dem ^Wasser vermischt. Die Wäsche wird in dem Waschwasser gekocht und vor dem Trocknen mit reinem Wasser gut gespült. Regelmäßiges Händewaschen mit Holzasche macht die Haut rissig. Doch ist der gelegentliche Gebrauch von Holzasche auch beim Waschen der Händ^ und Füße unbedenklich. Man reibt die Haut'mit Holzasche ein und spült kräftig mit reinem Wasser nach.
* Zur Bekämpfung des Schleichhandels mit Vieh wird dem „B. T." zufolge in Bayern das sogenannte Viehkataster eingefuhrt. In diesen Ka- Gattung, Alter und Geschlecht genau eingetragen werden. Denn man habe die Wahrnehmung gemacht, daß bei den Viehbestandsaufnahmen Hundert- tausende von Rindern fehlten, die nur heimlichen Schlachtungen zum Opfer gefallen sein können. Auch werden die thüringischen Staaten, wo sich gleichfalls bei der letzten Viehbestandsaufnahme ein nicht nachweisbarer Abgang von über 200 000 Rindern ergab, dem bayerischen Vorgehen in allernächster Zeit folgen.
* (Erweiterung der Familienunter- stützung.) Die Zahlung der Familienunterstützung neben der Hinterbliebenenrente an Kriegerwitwen kann nach einem Erlasse des Reichskanzlers vom 11. Juli. 1917 für einen noch im Felde stehenden Sohn ausnahmsweise dann erfolgen, wenn der Sohn die Mutter bereits vor seinem Eintritt in den Heeresdienst unterstützt hat und diese durch den Fortfall der Unterstützung des Sohnes nach feiner Einziehung in eine Notlage geraten ist. Diese Bestimmung ist nach einem weiteren Erlasse des Reichskanzlers jetzt unter den gleichen Voraussetzungen auch auf die Fälle ausgedehnt, in denen Töchter gefallener Kriegsteilnehmer im Heeresdienst als Krankenpflegerin usw. Verwendung finden.
):( Hersfeld, 11. Sept. (Das Trocknen von Gemüseblättern.) Vielfach ist schon darauf hingewiesen, daß man Blätter von Kohlrabi und Kohl, besonders junge Blätter, sehr gut trocknen kann. Sie ergeben im Winter ein sehr gutes Gemüse, das man vielseitig verwenden kann. Das Trocknen ist eine einfache und doch schwere Sache, denn es hat genau so seine Gesetze wie jedes andere Ding. Die Blätter werden gewaschen und an der Luft, nicht an der Sonne, getrocknet. Um sie richtig dürr trocken zu erhalten trockne man sie im Backofen oder auf der Herdplatte gut nach, fülle sie dann in einen Papierbeutel und hänge diesen an trockenen, luftigen Ort auf. So getrocknete und aufgehobene Trockengemüse behalten ihren feinen Geschmack, ihre Farbe und werden nicht schimmeln.
;:( Hersfeld, 11. September. Das Ende der Sommerzeit erfolgt diesmal in der Nacht vom Sonntag, 15. September, zum Montag, 16. September. Um 3 Uhr in dieser Nacht werden die Uhren auf 2 Uhr zurückgestellt, womit wieder der Anschluß an die Normalzeit hergestellt ist.
§ Hersfeld, 10. September. Bei seinem am Sonntag, den 15. September in der Turnhalle stattfindenden Gastspiel bringt das hier bestbekannte CasselerResidenztheater-Ensemble eine der spannendsten Schauspiel-Neuheiten zur Aufführung: „Am Ende der Welt", das packende Seemannschauspiel von E. Klein. Die beste Empfehlung für das außerordentlich wirkungsvolle Stück dürfte sein, daß dasselbe auf Veranlassung der Kaiserlichen Marinebehörden Wilhelmshaven auf Gastspielreisen durch ganz Norddeutschland aufgeführt worden ist. Auch das Casseler Residenztheater erzielte bei Gastspielen mit dem Stück starken Erfolg. Das Interesse dürfte — alle Rollen sind mit ersten Kräften des Theaters besetzt — auch hier stark sein.
§ Hersfeld, 11. Sept. Im Lichtspielhaus wird am kommenden Sonnabend, Sonntag und Montag der Film „Bismark" gezeigt. Die „Neue Fremden-Zeitung" schreibt darüber: „Die hiesige Eiko-Film-Ges. führte gestern in ihrem Geschäftslokal in der Friedrichstraße einem kleinen Kreise von Gelehrten und Künstlern zum ersten Male ihren neuen Bismark-Film vor, in dem das ganze Leben des ersten Reichskanzlers in charakteristischen Bildern dargestellt ist. Die von Richard Schott zu- sammengestellten Bilder sind, wie uns mitgeteilt wird, mit Geschmack ausgewählt und geschickt gestellt, zum Teil an Ort und Stelle, in Schönhausen, Friedrichs- ruh usw. Packende historische Szenen wechseln mit landschaftlichen Idyllen und heiteren Anekdoten. Manche Bilder wie „Bismark schreibt sein Entlafsungs- gesuch" und „Abschied von seinem alten Kaiser in der Gruft des Mausoleums" sind von ergreifender Stimmung, die durch eine begleitende Musik von Ferdinand Hummel noch gesteigert wird. Dabei ist der Bismark-Darsteller, der künftige Intendant des Hagener Stadttheaters, Franz Ludwig, von überraschender Aehnlichkeit, so daß die Vorführung auf alle einen tiefen Eindruck macht. — Ein guter Bis- mark-Film, der das deutsche Volk wieder einmal an die Zeit und den Mann erinnert, die ihm zur Einigung verhalfen, kommt in diesen Tagen sehr gelegen". Wir können den Besuch dieser Vorstellungen sehr empfehlen. •
):( Hersfeld, 11. Sept. „(Drei alte Schachteln)". Zu dem am Donnerstag in der Turnhalle fftattsindenden Gastspiel der Direktion L. W. Brodeck mit der obengenannten Operette erfahren wir, daß die Direktion L.W.BrodeckbesonderenWertaufdie stilgemäßeAusstattung an Kostümen und Dekorationen der damaligen Zeit — (das Stück spielt Anfang des vorigen Jahr- Hun derts n Potsdam) gelegt hat. Nachmittags 4 Uhr findet eine Märchenvorstellung „Rotkäppchen" statt.
Eaffer, ^M^ept. ZMstyM—dM Gleisen steheM^ rutschte auf dem Unterstadtbahnhof beim Ankoppeln eines Wagens der Hilfshetzer Justus Burbach aus. Hierdurch geriet er zwischen die Pfuffer und wurde totgequetscht.
Sachsenberg (Waldeck), 8. Sept. Im Dorfe Vier- münden erschienen nachts drei uniformierte Personen, die in dem Gehöft eines Landwirts im angeblichen amtlichen Auftrage „Haussuchung" abhielten. Die Familienmitglieder setzten sie in der Küche fest und plünderten dann im Hause alles aus, insbesondere nahmen sie Kleider, Wäsche und Lebensmittel mit. Die Burschen wurden indessen noch in der gleichen Nacht von dem Wachtmeister aus Frankenberg, der inzwischen alarmiert worden war, abgefaßt und festgenommen. Es handelt sich um Verbrecher, die sich die Uniform irgendwie beschafft haben; sie wurden nach Arolsen gebracht.
Marburg, 10. September. Schwere Gewitter, teilweise mit Hagel vermischt, tobten im Lahntal und dessen Seitentälern.
Marburg, 8. September. In der vergangenen Nacht haben Einbrecher aus einem Seidenwaren- geschäft Seidenröcke, Mäntel und Pelze im Werte von 70-80 000 Mark entwendet. Zwei der Einbrecher sind verhaftet, zwei andere werden noch gesucht.
Ulfen, 10. Sept. Gestern nachmittag scheuten infolge eines Blitzstrahles die Pferde des Landwirts Conrad Schmidt und schleiften diesen eine größere Strecke. Schmidt erlitt derartig schwere Verletzungen, daß er an den Folgen abends starb.
Fulda, 7. Sept. Auf dem heutigen Schweinemarkt standen 126 Ferkel bis zum Lebendgewicht von 50 Pfund zum Verkauf. Es wurden 150, 100 und 50 Mark für das Stück bezahlt.
Aus der Rhön, g. September. Unglaublich aber wahr ist ein Zigeunerstückchen, welches sich hier in den letzten Wochen zutrug. Es verdient zur Warnung aller Dummen der Oeffentlichkeit bekannt zu werden. Eine Zigeunerin kam zu einer Bauerswitwe und erklärte, ein auf dem Speicher liegender Kleiderstoff sowie ein Geldbetrag bringe großes Unglück ins Haus. Die Zigeunerin verlangte das Kleid und den Geldbetrag von 160 Mark, um solches auf dem nahegelegenen Kreuzberg weihen zu lassen und nach einigen Tagen wiederzubringen. Gesagt und getan war eins und die Zigeunerin hatte alles im Besitz. Nicht genug, sie ging mit der Witwe in den Stall und erklärte, die schönste Kuh bringe großes Unglück ins Haus und müsse unbedingt verkauft werden. Aus Angst vor dem angekündigten Unglück hat die Frau diese Kuh, obwohl sie solche zum Einspannen dringend benötigte, an einen Händler um 960 Mark verkauft. Nach 44 Tagen kam die Zigeunerin wieder und verlangte auch den Erlös von dieser Kuh, um diesen ebenfalls weihen zu lassen. Die Frau gab auch diesen hohen Betrag und wartet heute noch auf den Rückempfang, so daß die Frau um mehr als 1100 Mark be- trogen ist._________________________________________________
Wettervoraussage für Donnerstag den 12. September.
Wolkig, zeitweise Regenschauer, kühl.