Herssel-er Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
» Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- : zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei ; Hersfeld. Für die Schristleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld.
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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
• Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im • : amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. : Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Fernsprech:'^ Nr. 8.
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Nr. 212
Dienstag, den 10. September
1918
Amtlicher Teil.
SünMgung von Metswohnungen.
Auf Grund des Artikels 68 der Reichsverfassung in Verbindung mit § 9 b des Preußischen Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 und des Reichsgesetzes vom 11. Dezember 1915 wird für die Dauer des. Kriegszustandes im Jntresse der öffentlichen Sicherheit für den Befehlsbereich des 11. A. K. verordnet:.
Das Verbot, betreffend Kündigung von Mietwohnungen vom 13. 8.1918 lK. K. V. Bl. 1918, 92 Stück) wird geändert, § 4 wird aüfgehoben, an dessen Stelle tritt folgende Bestimmung:
§ 4.
Die Beschränkung des Kündigungsrechts tritt in denjenigen Gemeinden außer Kraft, in welchen die Gemeindebehörde durch öffentliche Bekanntmachung das Vorliegen eines Bedürfnisses für eine allgemeine Beschränkung verneint. In Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohner ist für die Außerkraftsetzung die vorherige Zustimmung des stellv. Generalkommandos erforderlich.
Cassel, den 28. August 1918.
Der Kommandierende General von Kehler, Generalleutnant.
* * *
Hersfeld, den 27. August 1918.
Wird veröffentlicht.
Das vorstehend genannte Verbot, betreffend Kündigung von Mietwohnungen ist im Kreisblatt Nr. 202 veröffentlicht worden.
Tgb. No. I. 9272. Der Landrat.
v. Hedemann, Reg.- Assessor.
Verordnung
über Höchstpreise für Grieß, Graupen und Grütze.
Vom 29. August 1918.
Auf Grund der Verordnung über Kriegsmaßnahmen zur Sicherung der Volksernährung vom 22. Mai 1916 (Reichs-Gesetzbl. S. 401) 18. August 1917 (Reichs-Gesetzbl. S. 828) ordnet:
ver-
§ 1.
Beim Verkaufe von Grieß, Gerstengraupen (Rollgerste) und Gerstengrütze an Kleinhändler (§ 2) dürfen folgende Preise für 100 Kilogramm Reingewicht nicht überschritten werden:
bei Grieß........76 Mk.
bei Gerstengraupen (Rollgerste) u.Gerstengrütze 71 Mk.
Die Lieferung zu diesen Preisen hat frachtfrei Station (Bahn oder Schiff) des Empfängers zu erfolgen. Befinden sich die gewerbliche Niederlassung des Verkäufers (Abf. 1) und die Verkaufsstelle des Kleinhändlers in demselben Gemeindebezirke, so hat die Lieferung durch den Verkäufer frei Verkaufsstelle des Kleinhändlers zu erfolgen.
Beim Verkauf an Verbraucher (Kleinhandel) dürfen folgende Preise für ein Pfund Reingewicht nicht überschritten werden: '
bei Grieß........48 Pfg.
bei Gerstengraupen (Rollgerste) u. Gerstengrütze 44 Pfg.
Beim Verkaufe kleinerer Mengen dürfen Bruchteile eines Pfennigs auf ganze Pfennige nach oben abgerundet werden.
§ 3.
Die Landeszentralbehörden können niedrigere Preise als die in §§ 1, 2 bestimmten Preise festsetzen.
Die Preise sind Höchstpreise im Sinne des Gesetzes, betreffend Höchstpreise.
§ 5.
Der Staatssekretär des Krtegsernährungsamts kann Ausnahmen von den Vorschriften dieser Verordnung zulassen.
§ 6.
Die Verordnung tritt mit dem 1. September 1918 in Kraft. Mit dem gleichen Zeitpunkt tritt die Verordnung über Höchstpreise für Gries, Graupen und Grütze vom 16. Oktober 1917 (Reichs-Gesetzbl. S. 901) außer Kraft.
Berlin, den 29. August 1918.
Der Staatssekretär des Kriegsernährungsamts.
I. V. Edler von Braun.
Bus der Heimat.
* (Die Kartoffelversorgung 1918/19). Der Staatssekretär des Kriegsernährungsamtes hat die Anordnungen zur Durchführung der Kartoffelversorgung im neuen Wirtschaftsjahr erlassen. Die Bewirtschaftung soll im wesentlichen auf dieselbe
Grundlage gestellt werden wie im Vorjahr. Besondere Beachtung soll der Kartoffeltrocknung geschenkt werden, um ausreichende Mengen Trocknungsgutes für den Heeresbedarf sowie für die Brotstreckung sicherzustellen. Es werden daher bereits zu Beginn der Herbstkartoffelernte auch den gewerblichen Trocknereien und Stärkefabriken größere Mengen Frischkartoffeln zugeführt werden. Für schnelle Verarbeitung von Kartoffeln, die dem Verderben ausgesetzt sind, wird durch besondere MaßnahmenSorge getragen werden. Da derAusfallder Ernte und die Gestaltung der Transportverhältnisse noch nicht zu übersetzen sind, mußte vorerst an der Wochenkopfmenge für die versorgungsberechtigte Bevölkerung mit 7 Pfund wie im Vorjahre festgehalten fverden.
* Vom Mittwoch, den 11. ds. Mts. bis auf weiteres werden zur Beförderung als beschleunigtes Eilstückgut, Eilstückgut und Frachtstückgut nur bestimmte Güter angenommen. Näheres ist bei den Güterabsertigurkgen zu erfahren.
* (Erhöhung der Bierpreise.) Der Staatssekretär des Kriegsernährungsamts hat gemäß den eingetretenen Steigerungen der Unkosten der Brauereien die Erhöhung des Herstellerhöchstpreises für Bier auf 29 Mark und dann mit Wirkung vom 1. Oktober 1918 bestimmt, daß der Stammwürzegehalt des zur Herstellung gelangenden Bieres mindestens 2 und nicht mehr als 3,5 vom Hundert zu betragen hat. Eine Fehlergrenze ist nicht zugelassen. Außerdem ist bestimmt worden, daß die steuerliche Mehrbelastung des Bieres, die ab 1. Oktober 1918 durch das neue Biersteuergesetz eintritt, u. der bierähnlichen Getränke, die durch das Gesetz betreffend die Besteuerung von Mineralwässern und künstlich bereiteten Getränke ab 1. September 1918 eingetreten in Höhe von 5,50 Mk. bei Bier und in Höhe von 10 Mark bei bierähnlichen Getränken oem -HöGstpreis. 4WWWeiMi£*^^ Das Gleiche ist für die Nachsteuer, soweit solche zu entrichten ist, vorgesehen.
* Die Notlage desZettungsgewerbes nimmt allmählich immer schärfere Formen an. Die zögernde Papierpreis-Politik der Regierung, neue große Aufschläge auf den Papierktlopreis seitens der Papierfabrikanten, Teuerungszulagen und Lohnaufbesserungen für die Gehilfen und Hilfsarbeiterschaft, die neuen Steuerlasten und viele andere Umstände stellen das deutsche Zeitungsgewerbe jetzt vor die Existenzfrage. Die bereits im Krieg eingetretene ungeheuere Steigerung der Papierpreise macht es dem Zeitungsgewerbe unmöglich, eine weitere selbst zu tragen. Wie wir hören, soll am nächsten Mittwoch in Berlin eine große deutsche Zeitungsverleger-Versammlung stattfinden, um sich mit diesen für die Allgemeinheit außerordentlich bedeutsamen Fragen zu beschäftigen.
* Tomaten müssen jetzt im September reifen. Um das zu erreichen, schneide man alle überflüssigen Blätter der Tomaten zurück und ab. Die Früchte erhalten nun alles Licht. Zu bemerken ist, daß ein Blatt zum Wasserziehen sitzen bleiben muß. Ueber- flüssige Spitzen, auch wennsienochwieder reichlich Blüten ansetzten, entfernt man natürlich auch. Die ganze Kraft der Pflanze muß jetzt den reifenden Früchten zukommen.
):( Hersfeld, 7. September. (Bucheckernö l.) Das ganze Volk schreit nach Fett und in unsern Buchwäldern wächst ... ein ganz vorzüglches Speiseöl. Die Frucht der Buche (Buchecker) besteht fast zu einem Drittel aus einem vollwertigen fetten Oel, das seit langem als vorzügliches Speiseöl bekannt ist. Gerade der gegenwärtige Sommer bringt uns eine ganz selten reiche Bucheckernernte, und vk praktischen Forstleute schätzen den gegenwärtigen Eckernertrag von ausgewachsenen Buchen auf 5 Ztr. und mehr. Ein solcher Baum kann also über einen Ztr. Speiseöl bringen. Durch unsere Bucheckern können daher in diesem Herbst Tausende und Tausende von Zentner Oel gewonnen werden. Es ist somit im Hinblick auf die Fettnot geradezu eine nationale Pflicht, die Buch- eckernsammlung ernst zu nehmen und sich eifrig daran zu beteiligen, weil es nur auf diese Weise möglich ist, unsere Fettration fühlbar aufzubessern. Die Buch- eckernsammlung wird wie die Laubsammlung in die Wege geleitet, doch ist diesmal eine noch viel größere Beteiligung vorauszusehen, da abgesehen davon, daß ein kg frische Bucheckern in Preußen mit M. 1,65 bezahlt wird, außerdem jeder die Anwartschaft auf einen Oelbezugschein hat, der das Recht auf 60 g Oel für jedes kg Bucheckern gewährleistet. Falls der Sammler aber mehr Oel wünscht, kann er sich außer dem Sammellohn für die gleiche Menge Bucheckern, die er an die öffentliche Sammelstelle abliefert, einen Schlagschein geben lassen, und dieses Oel neben dem Oel- kuchen dann für sich verwenden.
):( Hersfeld, 9. September. (Wechselkultur im Gemüsegarten.) Um dauernde Erfolge beim Anbau von Gemüse zu erzielen, ist ein zweckmäßiger Wechsel in der Bestellung der zu benutzenden Länder notwendig. Pflanzen mit gleichen oder änlichen An
forderungen an die Bodenvorbereitung, besonders auch an die Düngung, gehören zusammen und ermöglichen so eine einträglichere Ernte, ohne den Boden einseitig auszunutzen, und ohne denselben zu verseuchen, wie dieses ohne zweckentsprechende Wechselkultur unausbleiblich ist. Große Blattmassen bildende Gewächse gehören nicht alljährlich auf denselben Platz, selbst dann nicht, wenn derselbe die besten Voraussetzungen für diese starkzehrende Pflanzengruppe bieten würde. Man wechsele mit dem Standort, und zwar mindestens unter Benutzung dreier Felder, da andernfalls die Zwischenräume von diesen bis zum nächsten Anbau derselben Pflanzengruppe zu kurz sein würden, und bringe somit erst nach drei Jahren auf das Feld wieder Kohl, wo er vor drei Jahren gestanden hat. Kohl und mit ihyl sämtliche anderen stark blatt bildenden Gewächse gedeihen nach starken Stallmistgaben am besten. Sie nutzen jedoch den Stallmist nicht voll aus, sondern lassen Uoch gewisse Mengen unausgenutzt, die der nachfolgenden Kultur zugute kommen. Man pflanzt deswegen im zweiten Jahre auf solche für Blattgewächse im Vorjahre stark gedüngte Flächen solche Gewächse, denen eine frische Düngung nicht zusagt, die altgedüngtes Land verlangen. Das sind neben Wurzelgewächsen, schließlich auch die Schootengewächse, die jedoch aus dem Grunde schon erst im folgenden Jahre auf die Wurzelgewächse folgen, weil so ein dreijähriger Wechsel möglich ist, weil ferner Schotengewächse auch im dritten Jahre auf diesen Feldern noch gut gedeihen, und endlich noch, weil Erbsen, in größeren Zwischenräumen auf das gleiche Land kommen, am besten gedeihen. Erbsen nach Erbsen entwickeln sich sogar sehr schlecht, so schnell und deutlich wie hier treten die Schäden bei andern Gewächsen nicht auf. Die in drei Jahren auf einander folgenden Pflanzengruppen sind alljährlich auf drei Feldern oder auf drei Teilstücken derart werses erfolgen kann.
§ Hersfeld, 9. September. In den letzten Tagen sind folgende Kriegsgefangene entwichen. Von dem Arbeitskömmando Heringen: Lundruchowski, Stanislaus, 6,31/9, 1,68 m groß, schwarze Augen, Nase und Mund gewöhnlich. Owsjanikow, Feodor, 5,118/7, 1,68 m groß, braune Augen, Nase und Mund gewöhnlich. Desplaces, Francois, Franz., Größe 1,70 m, Alter 31 Jahre, Gesicht lang, Augen schwarz, trägt Gefangenenuniform. Savarelli, Jean, Franz., 9,122/16, kleine untersetzte Person, spricht etwas deutsch. Pitel, Emile, Franz., 9,63/16, geb, 20. 5. 91, Signalement unbekannt. Lonprou, Henri, geb. 23. 7. 1890, mittlere Figur, Gesicht hager, Gang etwas nach vorn gebeugt. Lawrinow, Philipp, Russe, 30 Jahre, 1,70 m «roß, Nr. 140'7, trägt Gefangenenkleider. Malischow, Egon, 5 12911, Größe 1,69 m, 28 Jahre, rundes Gesicht, Gefangenenkleidung. Koralow, Jakoro 5 8/7, Größe 1,67 m, 23 Jahre, rundes volles Gesicht, trägt blaue Hose und Gefangenenjakett. — Vom Arbeitskommando Heringen, Gittersdorf und Ausbach: Verbignie, Leopold, 7/8 1037, geb. 29. 6. 98., kleine Statur, schwarze Haare, leidet an kranken Füßen. Ponitscher, Alex, Russe, 4. K. 15814, Größe 1,75 m, Gesicht länglich, trägt Gefangenenkleidung. Jwein, Petrow, 4. 90/10, geb. 1891, Größe 1,75 m, Sprache russisch. Babeick, Georg, 3. 69 3, geb. 1876, Größe 1,86 m, spricht russisch. — Vom Arbeitskommando Heringen und Friedewald: Sobowow, Alexander, 426/11, 1,68 m groß, 34 Jahre alt, Augen schwarz, Nase gewöhnlich, Mund breit. Podudinskt, Jakow, 719/8, 1,70 m groß, 24 Jahre alt. langes Gesicht, Augen schwarz, Nase gewöhnlich, Mund breit. Lauhredini, Giuseppe, 910/95 (ital.), 1,70 m groß, Augen braun, schwarze Haare. — Vom Arbeitskommando Ausbach und Bingartes: Lobkow, Nikolay, Russe, 3. 11916, Größe 1,66 m, Kleidung schwarz, spricht etwas deutsch. Walinskt, Leon, Unteroffz., 172 J. R., Gef.-Nr. 19. 10, 7 Komp., Größe 1,70 m. Pawlow, Dimitri, Gem, Größe 1,69 m, geb. 26. 9. 1892, Gef.-Nr. 8,3, 12. Komp. Popow, Feodor, Nr. 13815, Größe 1,70 m, dickes Gesicht.
):( Hersfeld, 9. Sept. „Drei alte Schachteln." Diese allerliebste Operette in einem Vorspiel und drei Akten, Musik von Walter Kollo, wird durch die bestensbekannte Direktion L. W. Brodeck, hier am Donnerstag in der Turnhalle mit erstkasstger Ausstattung an Kostümen und Dekorationen zur Aufführung kommen. Der selten große Erfolg, der diesen Werken überall beschieden ist, wird wohl auch hier nicht ansbleiben. Man kann dem Gastspiel daher mit dem größten Jntereffe entgegensehen.
Schenklengsfeld, 7. September. Herr Lehrer Hetzel, Rechner und Unterverbandsdirektor der hiesigen Raiffeisenschen Darlehnskasse erhielt das Verdienst- kreuz für Kriegshilfe wegen erfolgreicher Werbearbeit für die Kriegsanleihe.
Wettervoraussage für Dienstag den 10. September
Wechselnde Bewölkung, vorwiegend trocken, wärmer.