Einzelbild herunterladen
 

3

W MW aus Sie Seelen.

Unter dieser UeLerschrift Mrgt dieKöUüsche Zei- tung aus Berlin folgende beachtenswerte Ausfüh­rungen:

Die Sachverständigen Frankreichs und Englands wusen so gut wie die unsrigen, Satz die Erfolge, die hnen in diesen Tagen beschieden waren, für die Ent- Icherdung des Krieges nichts bedeuten, und daß eine lahrelange Fortsetzung des Krieges unter fortwähren- oen Erfolgen nötig wäre, um die Entscheidung herbei- zuführen. Sie wissen, daß in diesen Kämpfen, die zu den furchtbarsten des Krieges gehören, Frankreich Vlnt- opfer bringt, die zusammen mit den bereits gebrachten chm eine künftige Stellung unter den Weltmächten an­weisen, gegen welche die vor dem Kriege sehr glänzend war. Jetzt liegen die Hände Englands und der Verei­nigten Staaten schwer auf dem Land, durch dessen Kör­per sich Wunden ziehen, wie sie nie ein Krieg einem Lande beigebracht hat. Doppelte, dreifache Tragik! Dreifache Verblendung die Hoffnung auf den Durch­bruch unserer ehernen Mauer! Törichte Massen mögen die Hoffnung hegen, Staatsmänner und Sachverständige hegen sie nicht.

m

Sie hegen eine andere, sie nähren die Hoffnung, daß, während der Ansturm der Kerutruvyen Englands und der Vereinigten Staaten und der Reserven Fochs be­deutungslose Teilerfolge erringt, der nach gemeinsa­mem Plan auf gemeinsames Ziel losgehende Angriff auf die Seelen der Deutfchen die Bresche reist die die tapfern, rücksichtslos hingeopferten Scharen tr. Stahlhelm nicht zu reißen vermögen. Stürmisch, uner­müdlich, zäh wird dieser Angriff immer wieder wieder­holt. Heute trägt ihn Balfour vor, morgen Lord Ro­bert Cecil, übermorgen Lloyd George, den Tag darauf Clemenceau, und in den Schall der großen rednerischen Geschütze mischt sich das Kleingewehrseuer der Zeitungs­artikel, Stimmungsnotizen, Interviews. Das nächste Kriegsziel, dem in diesen Tagen wieder Lord Robert Cecil und Lloyd George Reden gewidmet haben, ist die Herbeiführung jener Stimmung in den deutschen Rei­hen: Vielleicht meinen diese Leute, was sie sagen, daß sie einem andern Deutschland im Friedensschluß sein Lebensrecht werden lassen würden: und ist nicht Man­ches anders zu wünschen für manchen guten Deutschen?

Was die feindlichen Staatsmänner im einzelnen sagten, ist belanglos: denn es ist die hundertste Wieder­holung alter Unwahrheiten. Bezeichnend ist nur die Uebereinstimmung in dem eAen Gedanken, der, aller verhüllenden Redewendungen entkleidet, auf folgendes hinausläuft: Das deutsche Volk muß sich spalten, es muß eine Richtung ans Ruder kommen, die den eng­lischen, französischen und amerikanischen Machthabern das Vertrauen entgegenbringt, daß sie Deutschland nach der Spaltung seiner inneren Front einen Frieden zugestehen, der den jetzigen und künftigen Deutschen auf der Grundlage der Gleichberechtigung die politische und wirtschaftliche Betätigung in der Welt ermöglicht, bei der ein so geschultes, fleißiges, begabtes, stark wachsen­des Volk dauernd blühen und gedeihen kann. Diesen Glauben im deutschen Volk zur Herrschaft zu bringen, das ist der Zweck aller öffentlichen Reden, die von den Führern des Vielverbandes gehalten werden. Hätten sie Erfolg, dann wäre das Ziel des Angriffs auf die Seelen erreicht, dorrn wäre die Bresche gerissen, und dann? Dann zöge durch die Bresche ein nicht der Friede, den sich die deutsche Harmlosigkeit wünscht, son­dern ein Friede, gezimmert von der ganzen kalten, nüch­ternen, erbarmungslosen Härte, mit der Eng­land von jeher Völker vehanöetrftiai, dw ihm im Wege waren und sich schwach gezeigt haben, der Friede, den England will, und den es braucht, um das Gebäude weiter ausrechtzuerbalten, das es in unzähligen rück­sichtslos geführten Kriegen, rücksichtslos verübten Ge­walttaten, Verletzungen von Recht und Frieden aufge­richtet hat, und in dem es reich gewOrden ist! Für Frankreich, das England nie mehr gefährlich werden kann, fiele so viel ab, daß es auch weiterhin in der eng­lischen Vasallenschast verbliebe, und England teilte mit den Vereinigten Staaten widerwillig, aber ohne es an­dern zu können, die wirtschaftlich-finanzielle Weltherr­schaft. Der V ö l k e r b u n d, der dann käme, wäre nicht der Völkerbund, von dem die englischen, französischen und amerikanischen Zweckreden sprechen, sondern ein Völkerbund, in dem Deutschland der machtlose Partner wäre. Demgegenüber gibt es für alle Deutschen nur ein Gebot: deutlich zu zeigen, daß alle, was auch immer ihre Grundsätze und Meinungen scnö, den Trick durch­schauen, deutlich zu lagen, daß das-deutsche Volk feme Gegensätze nicht von der Schlauheit der Femde aus- nützen läßt, daß es bei der Ordnung semer Angelegen- heilen keinen englischen oder französischen oder ameri­kanischen Einfluß zuläßt, und daß es nicht gelingen wird, ein zerrissenes Deutschland w einen Frieden zu locken, der kein ehrlicher Friede gleichen.Rechi.es, sondern ein angelsächsischer Juteressenfriede sein würde.

Lenin in der Krise.

Aus Moskau wird gemeldet: Der Zustand Lenins ist fortdauernd ernst, jedoch schwebt der Patient augen- rug brei Taaen erwartet. Anläßlich des Attentats er- folgen zahlreiche Verhaftungen, öawEr auch die von itsriiivern Trotz Schutzscheinen fanden bei den frühe­ren Bürgermeistern Moskaus, Urdnew u^^A^A?, Hausdurchsuchungen statt. Der Bischof von Aaesma, Makerius, wurde verhaftet. Das auyere Bild Moskaus ist ruhig.

Drohung an die Entente mit Gegenattentaten.

Ein Mitglied der Räteregieruna soll erklärt h^«l, er wolle die Regierungen der tricheren ^münndeten wissen lassen, daß man auf weitere Attentate nüt Attem taten auf Staatsmänner des

gelten Lande antworten werde. M^ Mrtretung ^emns als Vorsitzenden des Rates der PEskommissare durfte zunächst Rjekow, dem bisherigen Müglied dev obersten Wirtschaftsrates, übertragen werden. -

Nenr Hilferuf der Tschecho-Slowaken.

DerCorriere della Sera" meldet, daß General Diederichs ein neues Gesuch an die Vermmdeim^ geruh­tet habe, sofort ausreichende Hilfstrupp^r gU^.nuden, nn7 tritt bem (ötd^ her tfffrccßD^fl^Tönnicycrt Atuppert noch vor Beginn des Winters Verbindung herzustellen, ta ihre Lage sonst verzweifelt sei.

Die Explosion in Odessa.

Das Wiener Korr.-Vur. teilt über dieExplosion in Odessa mit: In einem Voro^e vw Odessa expw dierte das, ausgedehnte ehemalige rumsch-r^ Munitionslager. Die Explosionen dauerten bis Mfu ternacht. Drei inmitten des Komplexes gelegene Pyrm rilin-Magazine wurden durch einen glücklichen Zufall verschont. Ihre Explosion wäre für die Ämze^tadt verhängnisvoll geworden. Die Zahl der Men'chmwm- lüfte ist begrenzt. Die Rettungs und Etnöannnungs- arbeiten wurden von österreichrfch-unMrisHen rpuppen ausgeführt. Der Brand glimmt fort. Die große Zuckes fabrik Brodski ist eingeäschert. In dm garrzen Stadt sind Mc Fensterscheiben LZÄMMxt. Der Schaden geht

in die Millionen. Die Magazine standen vor der Ueber- gabe an die ukrainischen und österreichisch-ungarischen Kommandos. Die Ursache der Explosion ist unbekannt.

Es wird Brandlegung vermutet.

Neue Rede Ceeils.

Der letzte endgiltige Schlag".

Bei einem Essen anläßlich der Beendigung der Be­ratungen des Seetransportrates der Alliierten in Lon­don sagte Lord Robert Cecil u. a.: Wir erlebten in der letzten Zeit viel, was geeignet war, uns zu ermu­tigen. Aber das ist kein Grund, uns weniger anzu- strenaen, sondern eher, uns noch mehr anzustrengeu, jetzt, wo die Zeit gekommen ist, unseren Feinden den letzten endgiltigen Schlag zu versetzen. Um unsere Ar­mee und unsere Zivilbevölkerung mit Lebensrnitteln zu versorgen, müssen wir alle Hilfsmittel aufnehmen und die ganze wirtschaftliche Kraft aller Alliierten aufbieten. Die Durchführung dieser Aufgabe ist nicht so einfach. In diesen und vielen anderen Beziehungen kämpfen wir unter gewissen unvorteilhaften Bedingungen. Der Ubootkrieg sei ein Fehlschuß gewesen. Die Alliierten seien imstande, sich mit Lebensmitteln zu versorgen, und könnten außerdem noch große Armeen über die Meere befördern, um die Deutschen zu bekämpfen. Dagegen seien die Ubvote machtlos. Aber trotzdem sei der ver­fügbare Schiffsraum nicht groß genug, um einer Kraft- anspannung zu genügen, die die Alliierten versuchen würden, wenn der Schiffsraum größer wäre. Noch vor kurzem machten wir und unsere Alliierten sowie unsere amerikanischen Freunde große Anstrengungen, um den deutschen Angriffen zu begegnen und eine große Zahl amerikanischer Truppen nach Frankreich zu bringen. Diese Anstrengungen kosteten uns sehr viel. Sie bedeu­ten eine erhebliche Abnahme der Einfuhr nach England und den anderen alliierten Ländern. Wenn wir in ir­gendeiner ähnlichen Art, wie auf militärischem Gebiet durch das einheitliche Kornmanöo, alle wirtschaftlichen Kräfte zusammensasfen könnten, würde die Macht der Alliierten ungeheuer vermehrt werden. Das ist der Grund, weshalb der Seetransport der Alliierten be- steHt. Wir wollen hoffen, daß die Maschinerie, die wir in den Kriegszeiten ausbauen, auch nach Beendigung des Krieges weiterbestehen und auch den Zwecken des Friedens dienen wird.

(Die Rede Ceeils bringt zwei wertvolle Eingeständ- uisse. Erstens hat sich die Entente lange damit gebrü- stet, das Ubootsproblem sei gelöst. Die gleichzeitige Be­wältigung der beiden Ausgaben Transport und Versor­gung des amerikanischen Millionenheeres und die aus­reichende wirtschaftliche Versorgung der Alliierten in Europa sei gewährleistet. Cecils Worte sind das deut­lichste amtliche Dokument für die großen wtrtschastltchen Opfer, die die Schiffsraumnot den Alliierten bereits anf- erlegt und in schönftem Maße im kommenden Winter anferlegen wird. Das zweite wertvolle Eingeständnis liegt in den Worten Cecils:Jetzt ist die Zeit gekom­men, unseren Feinden den letzten endgültigen Schlag zu versetzen." Hier enthüllt sich der tiefere Zusammenhang zwischen den gewaltigen militärischen Kraftanstrengnu- gen der Entente an der Westfront und ihrer inneren Lage. Diese verlangt eine rasche Entschewrmg.)

DerTemps" über die KanZleransprache.

^ Genf, 4. September. (T. IL) Die Rede des Reichskanzlers Grafen Hertling findet in der franzö­sischen Presse nur wenig Beachtung. Im allgemeinen scheint man anzunehmen, daß die Rede mehr für das Inland als für das AuslärD Bestimmt war. Der Ternps" ist die einzige Zeitung, welche der Rede einen Leitaufsatz widmet. Er schreibt:Der deutsche Kanzler hielt es für nötig, seine Landslente zu trösten. Er be­hauptete. daß Deutschland unter einem konstttutionel- len Regime lebe, und daß keine Partei dem Reichstag seine Entscheidungen diktiere. Aber ist nicht Herr von Kühlmann im Hairptquartier gestürzt worden, ohne daß dieser angeblich so unabhängige Reichstag benachrich- worden wäre? Warum besteht der Belagerungszustand noch immer in Preußen? Der Kanzler tat, als ob er den Frieden wolle. Aber er Hütete sich wohl, auch nur eine einzige Bedingung anzugeben."

Daß man nicht spotte über denTemps"! In Frankreich sperrt man Minister, die dem Gewalthaber Clemeneeau nicht nach demMunde redeten oder nach dem Herzen handelten, ein, oder verbannt sie. In Deutsch­land läßt man selbst einen Fürsten Lichnowsky frei einhergehen! DerTemps" fragt, warum in Preußen noch der Belagerungszustand in Krast sei. Uns ist nicht bekannt, daß er in Frankreich außer Kraft gesetzt sei! Es geht doch nichts über das französische Mitgefühl! Wie samt Hertling von Friedensbedingnngen reden, wo die feindlichen Staatsmänner ein über das andere Mal vom Niederschlagen und Zerstückeln faseln?. Hat derTemps" so wenig Versiündnis für Selbstehrung eines Volles? " Z

Die Eisen- und SLahlindustriellen

für Wiederaufrichtung Europas.

Der Verein Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller hat in einer Borstandssitzung sich mit der Frage der handelspolitischen Annäherung an Oesterreich-Ungarn befaßt. Er erklärte es für bedenklich, bei der Neurege­lung der Zollverhältnisse über eine gemeinsam geregelte Fassung des Zolltarifs sowie über ein gemeinsames Zollgesetz und ein gemeinsames Zollverfahren hmaus- zugehen und zu einer Politik der: gegenseitigen Zollbe­günstigung oder eines gemeinsamen Zollvereins zu schreiten: dabei bestehe die Gefahr, daß das Deutsche Reich der Neuordriung seiner Haridelsbeziehungen,zu den anderen Staaten eine hinderliche und vielleicht feine künftige Entwicklung sogar gefährdende Fessel anlege, und daß die durch die Zollfreiheit oder Zollermatzi- gung begünstigte Einfuhrvon einem Bertragssiaat in den anderen zu einer Zuruckdranguna des Absatzes der heimischen Erzeugung führe. Die Sicherung unseres Rohftoffbezuges und inneres Absatzes verlange eine handelsvoliiische Annäherungeiner großen Anzahl v)M kanttnental-europäischen Ländern. Die Wlederaufr ch- tung Europas und die Wahrung semer gemeinsamen Wirtschasisinteressen werde die Wredereroberung des Weltverkehrs bedeuten.

Lriegsallerlet.

Kronprinz Rupprecht von Bayern hat M nach kur­zem Erholungsurlaub wieder, an die s^ont beaeben. Das Luxemburgische Konutee iu Paris hat nch bemü­ßigt gesehen, siegen die Verlobung des Kronprinzen Rupprecht mit der Prinzessin Antonia von Luxemburg zu protestieren.

General der Infanterie z. D. Freiherr von der Tann ist aus Gesundheitsröcksichten von seiner Stellung stellvertretender kommaiwierender General des baye­rischen Armeetorpo zurückgetreten und durch General der Jnsanterie z. D. Ritter von Martini ersetzt worden.

EinStab der Seekriegsleitung" fürs große Hav-pt- guartier ist gebildet worden. Das hängt damit zusam­

men, daß auf Befehl des Kaisers dem Chef des Adtnirai stabes der Marine größere EinwirkungSrechte als Bist her auf die Seekriegführung zugestanden werden. In Stahmen von Richtlinien erhält er die Befugnis, direkt« Befehle, die die UnterschriftVon fetten der Seekrteas- leituna" tragen, an Verbände oder einzelne Komman­deure zu erteilen. Zur Ausübung der Befehlsfunktion dient her Stab der Seekriegsleftung. Zum Chef des Sta< bes ist der Kapitän z. S. v. Levetzow ernannt v. Levet- zow, der sich vor allem bei dem Oesel-Unternebmen aus­gezeichnet und dafür den Orden Pour le mörite erhalten IM war zuletzt Chef eines Verbandes leichter See- streitkräfte.

Für die neue Kriegsanleihe erläßt das erzbischöflich« Generalvikariat der Erzdiözese Köln einen Aufruf, wo­rin um rege Teilnahme an der Kriegsanleihe gebeten wird. Das gute Gelingen dieser neuen Anleihe sei füi unser Vaterland von ganz Besonderer Bedeutung und Wichtigkeit. Deshalb müßten alle Kräfte im Dienste des Vaterlandes aufgeboten werden.Gerade diesmal gilt es," sagt der Ausruf,die vielfach verbreiteten falschen - Gerüchte und allerlei Vorurteile, die der guten Sache schädlich sind, mit aller Macht zu zerstreuen. Alle noch bereitstehend n Kirchengelder sollten im Interesse des Vaterlandes Verwerrdung finden."

Professor Dr. Theobald Ziegler, der seit seinem Rücktritt vom Lehramt an der Universität Straßburg 1914 in Frankfurt lebte, ist im Alter von 72 Jahren in einem Feldlazarett im Oberelsaß gestorben. Er war während einer Frontreise, die er unternommen hatte, um Vorträge für die Soldaten zu halten, an der Ruhr erkrankt.

Die gewaltsame Einführung der Wehrpflicht in Ir­land Bat wie aus dem Haag berichtet wird, die engli­sche Regierung nun endgültig beschlossen. Sie wird die Besatzungsarmee bis dahin auf 300 000 Mann brin­gen und mit außerordentlich viel Maschinengewehren Bewaffnen. Mit Wilson habe sich die britische Regie­rung schon über die Frage verständigt.

Die deutsche Schule iu Helsingfors, die seit 1914 auf russischen Befehl geschlossen war, ist wieder eröffnet worden.

Vermischtes*

Eine falsche Gräfin wurde in einem Berliner Hotel festgenommen. Bor einigen Tagen stieg dort eine Dame ab, die sehr vornehm auftrat und auch eine Zofe mit- brachte. Sie nannte sich Grästn Schönbura-Wetzelb-urg. Ihr »ganzes Gebaren ließ es auch glaubhaft erschetnen, daß man es mit einer Aristokratin zu tun hatte. Die Kriminalpolizei war jedoch mitzirauifch. Sie war von München her auf eine Schwindlerin aufmerksam ge­macht wurden, die man eifrig suchte. Der Verdacht, daß sich hinter der Gräfin diese Schwindlerin versteckte, bestätigte sich. Der vornehme Gast wurde entlarvt und hinter Schloß und Riegel gebracht. Die Verhaftete stammt aus guter Familie und ist die geschiedene Frau eines Arztes. Auch in München schon lebte sie auf grw tzem Fuße, aber auf Kosten anderer Leute. Um sich Geld zu verschaffen, nahnr sie in Luxusrvarengeschafteu die teuersten Sachen auf Kredit, den man chr gern ein- räumte, verkaufte sie sofort und erbeutete fo große Be­träge. Neuerdings erfchwindelte sie sich für mehr als 20 000 Mark Pelze. Mit dieser Beute kam sie na* Berlin, um sie hier zu Geld zu machen. Erneu Pelz­mantel und einen Pelzkragen konnte ihr die Kriminal- polizei bei der Verhaftung noch abragen.

12 Personen gestorben sind von der nach dem Ge- m MiUtucOw i» Kaumr Mt^ Dorlmmrd er­krankten großen Zahl von Leuten. Die Bergiftungs. erscheinunaen treten mit äußerster Heftigkeit auf. Vier Personen liegen hoffnungslos darnieder.

Schnee gefallen ist in den letzten Tagen in den hoher Lagen des Schwarzwaldes, ein Ereignis, das um dies« Jahreszeit sehr selten ist. Auf dem Feldberge und Bel­chen schneite es mehrere Stunden lang bis auf 130k Meter herab. Das Weiöevieh mußte von den Stirnen öem^wiört^^ E 200 Mark Jahresgehali sucht die Gemeiuöe Segnitz in Unterfranken. Um der begehrenswerten Posten bewarb sich auch ein Berlinei Dr. juris, der sich zurzeit in Marktbreit aufhält. Er wurde aber von einem heimischen Konkurrenten mit nui Volksschnlbildung glänzend geschlagen. Der Berlinei Doktor scheint aus Verpflegungsgründen auf den Ein­fall gekommen zu sein, eine Zeitlang Segnitzer Bürger- meiswr zu werden. _

Eine Marke zn 500 Mark wird von der Reichs- druckerei Heraestelli und demnächst ausgegeben. Dieses wertvolle Stückchen Papier ist 5 Zentimeter hoch und 3 Zentimeter Breit. Es ist dies der höchste Wert von iGrundsiückssteurpelmcirken, mit denen Äbssabebetrage! bis zu 1000 Mark entrichtet werden. Die Marke ist blauviolett und in Kupferdruck ausgefuhrt. Das Mit­telfeld zeigt in ovalem Rahmen auf dunklem Grunde das Brustbild einer mit Kaiserkrone und Eichenkram geschmückten Gcrrnania.

Weitere Drahtnachrichten.

, Herrenhaus und Wahlrechtsvorlage.

iM Berlin, 4. September. (T. U.) Heute vormittag 11 Uhr wird der Unterausschuß des Herrenhauses wie» der zur Beratung der Wahlrechtsvorlage. zusammen- treten. Wie die Bossische Bettung hört, wird die Re- gierung sich an den Beratungen beteiligen.

v. Hintze Bei Burian.

^ Wien, 4. September. (T. U.) Der Staatssekre­tär des Auswärtigen, von Hintze, hatte gleich nach sei­ner Llnkunfi in Wien eine Ulfterreduua mit dem Grä­ser! Burian. Von seinen Verhandlungen mit den maß» gebenden Persönlichkeiten wird es, wie das Berliner Tageblatt meldet, abhünaen, ob und wann auch der Reichskanzler Graf Hertling nach Wren kommen wird.

Eröffnung des englischen Gewerkschaftskongresses.

»^ Rotterdam, 4. September. (T. U.) Gestern ist in Derby der englische Gewerkschaftskongreß eröffnet worden.

Die mexikanisch-amerikanischen Grenzzmischenfälle.

Ite^ Lugano, 4. September. lT. U,) Agencia Ameri- caua meldet aus Mexiko, bau die Zwuchenfalle zwischen den Amerikanern und Mexikanern an der Grenze bei Noaales viel ernster seien, als dre amerikanischen Be- richte zugeben. Die mertfamwßen Truppen hatten sich vor der Stadt verschanzt, und die Amerrkaner bedroh­ten sie mit einem Angriff.

Die verworrene Lage in China.

»^ Haag, 4. September. (T. N.) Aus einer Mel­dung des Times-Berichterstatters in Peking,geht her­vor. daß die innerpolitische Lage in China autzerordem- lich verworren und gespannt ist. ,yaü alle gebildeter Chinesen standen im Gegensatz zur Regierung. Tr Führer des südwesilicheu Bundes m China erUetz eim Proklamation, in welcher er die Hilfe der Alliierten an- ruft. Die monarchische Bewegung habe an Umfang um Bedeutung verloren. Jetzt entstehe aber eine neue Ge­fahr durch den Zwiewalt der republikanischen Parteien , SvMe es zu einem Bruch tvmmen, so würde ein new i Aufruhr in China sehr wahrscheinlich sein.