Hersfelder Kreisblatt
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■ Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- : i zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei i s Hersfeld. Für die Schristleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. |
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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Der Anzeigenpreis beträgt ,ür die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im ; amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. :
Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Fernsprecher Nr. 8.
Nr. 207
Mittwoch, den 4. September
1918
Amtlicher Teil.
Nachtragsbekanntmachung.
Nr. W. M. 1000/8. 18. K. R. A.
zu der Bekauntmachung Nr. W. M. 1000/11. 15. K R. A. vom 1. Februar 1916, betreffend Beschlagnahme und Bestandserhebung von Web-, Wirk- und Strickwaren.
Vom 31. August 1918.
Nachstehende Bekanntmachung wird auf Ersuchen des Kgl. Kriegsministeriums hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht mit dem Bemerken, daß jede Zuwiderhandlung gegen die Beschlagnahmevorschriften nach §6der Bekanntmachung über die Sicherstellung von Kriegsbedarf in der Fassung vom 26. April 1917 (Reichs- Gesetzbl. S. 376) und jede Zuwiderhandlung gegen die Meldepflicht gemäß § 5 der Bekanntmachung über Auskunftspflicht vom 12. Juli 1917 jReichs-Gesetzbl. S. 604) bestraft wird. Auch kann der Betrieb des Handelsgewerbes gemäß der Bekanntmachung zur Fernhaltung unzuverlässiger Personen vom Handel vom 23. September 1915 (Reichs-Gesetzbl. S. 603) untersagt werden.
Artikel 1.
15. K. R.
Im § 2 der Bekanntmachung Nr. W. M. 1000/11. -7. K. R. A. werden hinter die Worte „oder auch unter Mitverwendung von Papier" die Worte: „oder Kunstseide" eingefügt.
Artikel 2.
Abs. 3 und 4 des § 6 der Bekanntmachung Nr. W. M. 1000/11. 15. K. R. A. werden aufgehoben.
Artikel 3.
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düngen über die unter Mitverwendung von Kunstseide hergestellten Gegenstände, welche gemäß Artikel 1 meldepflichtig werden, ist bis zum 8. September 1918 zu erstatten. Für sie ist der am Beginn des 1. September 1918 tatsächlich vorhandene Bestand maßgebend.
Artikel 4.
Diese Bekanntmachung tritt mit ihrer Verkündung in Kraft.
Cassel, den 10. August 1918.
Der Stellvertretende Kommandierende General des 11. Armeekorps, von Kehler, Generalleutnant.
* * *
Hersfeld, den 29. August 1918. Wird veröffentlicht.
Tgb. No. 9239. Der Landrat.
J. V.: v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Nachtragsbekauntmachung
Nr. W. M. 1300/8. 18. K. R. A.
zu der Bekanntmachung Nr. W. M. 1300/12. 15. K. R. A. vom 1. Februar 1916, betreffend Beschlagnahme und Bestandserhebung von Bekleidungs- und Ausrüstungsstücken für Heer, Marine und Feldpost.
Vom 31. August 1918.
Nachstehende Bekanntmachung wird auf Ersuchen des Königlichen Kriegsministeriums hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht.
Artikel I.
Ads. 2 und 3 des 8 6 der Bekanntmachung Nr. w. M. 1300 12. 15. K. R. A. werden ausgehoben.
Artikel H.
Diese Bekanntmachung tritt mit ihrer Verkündung in Kraft.
Cassel, den 31. August 1918.
Der Stellvertretende Kommandierende General des 11. Armeekorps.
von Kehler,
Generalleutnant.
* * *
Hersfeld, den 31. August 1918.
Wird veröffentlicht.
Tgb. No. I. 9239. Der Landrat.
I. V.: v.. H e d e m a n n, Reg.-Assessor.
............■ , . .......... .- -.....- - ......
Hersfeld, den 29. August 1918.
Im kommenden Winter ist voraussichtlich mit einer stark verminderten Belieferung der Kreife mit Petroleum zu rechnen. Auch steht noch nicht fest, in welchem Umfange Ersatzbeleuchtungsmittel zur Verfügung gestellt werden können. Ich weise daher schon jetzt darauf hin, daß diejenigen Ortschaften des Kreises, insbesondere die Stadt Hersfeld, in welchen die Möglichkeit der Beleuchtung durch Gas oder Elektrizi
tät besteht, voraussichtlich bei der Belieferung von Petroleum vollständig arsgeschaltet werden müssen, da in diesen Orten für diejenigen Einwohner, welche an die Gas- oder Elektrizitätsleitung noch nicht an- geschloffen sind, die Möglichkeit besteht, Anschluß zu nehmen. Die Ortsvorstände der betreffenden Orte sowie die Polizeiverwaltung in Hersfeld ersuche ich alle in Betracht kommenden schleunigst auf Vorstehendes hinzuweisen.
Tgb. No. 1. 9083. Der Lanörat.
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Hersstld, den 29. August 1918.
BörgermeifteroersaMmlutls wird auf Mittwoch, den 11. September d. J. vormittags llVa Uhr im großen Saal: des Hotel Stern anberaumt. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises ersuche ich, vollzählig zu erscheinen.
Tb. No. 1. 8521. Der Lanörat
V.:
v. Heöemann, Reg.-Assessor
Hersfeld den 2. September 1918.
Mit Bezug auf meine in der No. 190 des Hersfelder Tageblatts veröffentlichte Bekanntmachung betreffend die Anmeldung zur Entrichtung des Warenumsatzstempels für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Juli ds. Js. ersuche ich / ie Herren Ortsvorsteher des Kreises, in den Gemeinö » durch sofortige ortsübliche Bekanntmachung nochmals darauf aufmerksam zu machen, daß die Anmeldefrist bereits abgelaufen ist.
Steuerpflichtige, welche mit Einreichung der Anmeldung und Einzahlung der Abgabe am 10. ds. Mts.
Rückstand
gesetzlichen ZMMWmaßregeln zu gewärtigen. Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
v. Hedemann, Reg.-Affessor.
Von der Reichsstelle für Gemüse und Obst Verwaltungsabteilung ist für Mittel- und Norödeutsch- land mit sofortiger Wirkung
der Erzeugerpreis für Kohlrabi ohne Kraut auf 9 Pf. pro Pfund der Erzeugerpreis für Kohlrabi mit Kraut auf 5 Pf. pro Pfund der Großhandelspreis für Kohlrabi ohne Kraut auf 12 Pf. pro Pfund der Großhandelspreis für Kohlrabi mit Kraut auf 8 Pf. pro Pfund festgesetzt worden.
Cassel, den 26. August 1918.
Bezirksstelle für Gemüse und Obst. Verwaltungsabteilung. g e z. S p i e ß, Geheimer Regierungsrat * * * Hersfeld, den 29. August 1918. Wird veröffentlicht.
Tgb. No. 1. 9413. Der Lanörat.
I. V.
v. Heöemann, Reg.-Affessor.
Aus der Heimat,
* (Vorsicht mit Ersatz-Waschmitteln).
Eine Frau in Dresden hat sich dadurch eine Blutvergiftung zugezogen, daß sie unter Verwendung eines Ersatz-Waschmittels ihre Wäsche reinigte, ohne zu beachten, daß sich au der Hand ein winziges Rißchen befand. Furchtbare Schmerzen traten ein, die sie nötigten, das Waschen einzustellen. Der Arzt mußte einen operativen Eingriff bis zur Schulter vornehmen, um das Leben der Frau zu retten.
* (Das Ende des „Dutzend"? Die Reichs- regierung beabsichtigt, nach dem „L.-A.", in dem neuen Zolltarif die Maßeinheit des „Dutzend" durch das „Zehnt" zu ersetzen, um der Unstimmigkeit, die die Zwölferrechnung in unserem Dekadensystem dar- stellt, den Garaus zu machen. Schon die gegenwärtig stattsindende Leipziger Messe soll mit dem Ersatz des Dutzend durch das Zehnt praktisch beginnen und vorbildlich wirken. Tatsächlich fügt sich die Zehnerrechnung unserm ganzen System besser ein; sie hat aber auch ihre Schattenseiten.
-h- Hersfeld, 8. Sept. fLaubheusammlun g>. Im Monat August wurden im Kreis Hersfeld 391,66 Ztr. lufttrockenes Laubheu an die Darre abgeliefert, sodaß bis heute insgesamt 1574,53 Ztr. trockenes Laub abgegangen sind. Infolge der Schulferien und der teilweise naßkalten Witterung ist das Augustergebnis hinter dem des Monats Juli (1122,80 Ztr.) bedeutend zurückgeblieben. Während im Juli über 40 Schulen an der Ablieferung beteiligt waren, waren im August nur 25 beteiligt. Die höchste Ablieferung hatte im August die Sammelstelle Heringen mit 47 Zentnern erreicht.
Das Jutereke der Arbeiter am Sieg-
Alle Schichten des deutschen Volkes, und ganz besonders die arbeitenden Klassen, sind am Siege unserer Waffen in höchstem Grade interessiert. Das geben unseren Arbeitern ihre Kollegen im feindlichen Ausland oft genug und hinreichend deutlich zu verstehen. Man braucht gar nicht die Reden der englischen und französischen Staatsmänner zu lesen um zu begreifen, daß nur unser Sieg ein für den Arbeiter erträgliches Los bedingen kann; wohin unsere Arbeiterschaft gebracht werden foll, das erfahren wir ebensogut aus den Worten und Taten der Arbeiter jener Länder.
Ohne Sieg gehen uns die Kolonien unwiederbringlich verloren; ohne Sieg haben wir nicht die Möglichkeit, die für unsere Industrie unbedingt erforderlichen Rohstoffe aus überseeischen Ländern herein- zubringen; ohne Sreg können wir nicht die Kohlen- und Erzlager westlich vom Rhein, durch deren Besitz wir vom Ausland lüs zu gewissem Grade unabhängig sein können, halten und im Dienste unserer Industrie ausbeuten; ohne Sieg sind wir nicht fähig, dem Weltmarkt unsere Erzeugnisse, die Frucht unserer werktätigen Arbeit,^ zuzuführen und damit als gleichberechtigte und gle-chwertige Konkurrenten anderer Volker unsere Existenz zu behaupten.
Was uns bevorsteht, wenn wir nickt siegen, offenbart sich deutlich im den unbeugsamen Willen unserer Gegner, und bei ihnen in ganz hervorragender Weise gerade der Arbeiterschaft, den Krieg bis zum Siege fort- zuführen. Sie wollen uns auf die Knie zwingen, um uns in der Gemeinschaft der Völker zu entrechten; hat doch erst kürzlich ein Mitglied des englischen Oberhauses ausgespro - eu: „Wenn wir einen Weltgerichtshof haben werben, . ist es theoretisch selbstverständlich, daß der Bund rar 5km - » -^Vi/^ett muß: aber der GeVRM7 MU-Deutscht-Md meinen "ötchen BuM ausgenommen wird, ist schwer zu denken." Und neben dieser Entrechtung steht für uns die Versklavung, die Verarmung, die Verblendung in ihrer ausgeprägtesten Form. Wohin soll der deutsche Arbeiter gelangen, wenn Rohstoffe fehlen, wenn Absatzgebiete verschlossen sind, wenn auf Ein- und Austuhr von den meerbeherrschenden Gegner Zölle gelegt werden, öie eine lohnende Arbeit einfach ausschließen? Wenn Rohstoffe fehlen, müssen ganze Zweige unserer Industrie stillgelegt werden, und viele Tausende von Arbeitern haben kein Brot. Durch Abwanderung in andere Industrien würde das Arbeiterangebot dort so gesteigert, daß die Löhne dadurch außerordentlich gedrückt werden müßten, Rohstoffmangel ist für unsere Arbeiterschaft ein unerträgliches Unglück
Sind aber Rohstoffe da und uns fehlen die Absatzgebiete, Sann tritt ganz dasselbe ein; die Industrien können nicht weiterarbeiten, da ihre Erzeugnisse keine Käufer finden. Und beides Rohstoffmangel und Fehlen von Absatzgebieten tritt ein, wenn es den Feinden möglich ist, durch hohe Zölle unseren Handel lahmzulegen. Diese Möglichkeit aber können wir ihnen nur nehmen, wenn wir sie restlos besiegen, so daß wir sie zu den für uns erforderlichen Handelsbeziehungen zwingen. Machen wir Frieden, ehe wir den Sieg errungen haben, dann begehen wir gerade an der Arbeiterschaft das allergrößte Unrecht.
Aber es ist uns ja gar nicht möglich, vor dem Siege Frieden zu schließen, da unsere Feinde nicht bereit sind, den Krieg zn beendigen, bevor sie ihrerseits uns besiegt haben. Sie sind sich dessen bewußt, öaß öen Arbeitern nur desjenigen Landes ein erträgliches Los bevorsteht, das aus diesem Ringen unbestritten als der ueberlegene bevorgeht. Vor kurzem kam aus französischem Mund öas Bekenntnis, Frankreich sei durch seine Verbündeten gezwungen, den Krieg bis zum siegreichen Ende durchzufeckten, es stehe vor der Wahl: Sieg oder Hunger. Und so eigentümlich es auch klingen mag, wir befinden uns mit Frankreich in der ganz gleichen Lage; auch für uns heißt es: Sieg oder Hunger! Es ist eben kein „Krieg, ooii dem die Kronen wissen". Es ist ein Ringen um die tatsächliche Eristenz der beteiligten Völker des Kontinents; England hätte die Möglichkeit, den Krieg vorzeitig abzubrechen, England unö mit ihm Amerika. Wenn diese beiden Länder zum Friedensschluß bereit wären, ohne den Sieg errungen zu haben, so würden die ihnen erwachsenden Nachteile sticht in dem Maße unerträglich sein wie bei uns, die wir von dem Gespenst des Wirtschaftskrieges nach dem Kriege besonders bedroht werden. Wir können erst dann das Schwert aus der Hand legen, wenn wir den Gegnern durch entscheidenden Sieg die Möglichkeit zum Wirtschaftskriege entwunden haben.
Was ter Vorsitzende der englischen Arbeiterpartei Puröy am 26, Juni als für die englischen Arbeiter maßgebend hinstellte, das trifft mit weit größerer Berechtigung auf die deutsche Arbeiterschaft zu und sollte von dieser ganz besonders beherzigt werden: „Alle Hoffnung auf die Schaffung besserer sozialer und beruflicher Lebestsbedingungen nach dem Kriege hat den Steg zur Voraussetzung".