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Hersfeld er Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

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- Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld, j fUt 00N HtClb HerSsew Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprecher Nr. 8.

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Nr. 306 Dienstag, den 3. September 1918

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 27. August 1918.

Nach den Bestimmungen des Kriegsministeriums ist sämtlicher Flachs, auch alte Bestände, beschlagnahmt, einerlei, ob der Flachs roh, geröstet oder bearbeitet ist. Der Flachs darf nur an amtliche Aufkäufer der Kriegs- flachsbaugesellschaft verkauft und geliefert werden.

Als amtlichen Aufkäufer für den Kreis Hersfeld ist Herr Ph. Hoffmann, Großen-Lüder bestellt.

Tgb. No. I. 9228. Der Landrat.

J. V.:

v. Hede wann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 27. August 1918.

Sämtliche Fleischbeschauer im Kreise, bei welchen seit der letzten Nachprüfung 3 Jahre verflossen sind, werden hierdurch aufgefordert, sich zu diesem Zwecke alsbald bei dem Herrn Kreistierarzt in Homberg an- zumelden, widrigenfalls die Entziehung des Amtes als Fleischbeschauer in Betracht gezogen wird? Tgb. No. I. 9375. Der Landrat.

J. :

v. Hedemann Reg.-Assessor.

Bus der Heimat.

* (Noch keine neue Schulschrift). Die Nachricht, daß der Schreibunterricht in Preußen auf der Grundlage eines neuen Leitfadens des Kunst­malers Ludwig Sütterlin fortab erteilt werden solle, eilt nach einer halbamtlichen Mitteilung den Tatsachen voraus. Richtig ist, daß seit längerer Zeit in einer Reihe von Schulen Versuche mit einer neuen Schreib­weise eingeleitet worden sind. Diese Schreibweise ist «»* der

Fachleuten hervorgegangen und durch erneu Ausschuß von Sachverständigen eingehend geprüft und gebilligt worden. Die Versuche müssen aber noch einige Jahre fortgesetzt werden, bevor über die Frage einer all­gemeinen Einführung der neuenAusgangsschrift" entschieden werden kann.

* (Zweieinhalbpfennigstücke). Vor kur­zem wurde berichtet, daß vom Reichsschatzamt die

Die Löhne der Mskungsarbeiker.

Zu der auch von uns veröffentlichten Statistik des Metallarbeiterverbandes über die Löhne der Rüstungs­arbeiter, welche die hie und da im Lande verbreitete Ansicht über» die Höhe der Löhne eindämmen sollte, bringtDer Arbeitgeber", die Zeitschrift der Vereini­gung der deutschen Arbeitgeber-verbände, eine Entgeg­nung. Die Zeitschrift weist z. B. in längeren Ausfüh­rungen nach, daß die lohnstatistische Erhebung des Me- tallarbeiterverbandes mit einer geradezu ungeheuer­lichen Oberflächlichkeit ausgeführt wurde. , So soll es z B. nach dieser Statistik'im 7. Bezirk im rheintsch- westfälischen Industriegebiet keinen Arbeiter geben, der wöchentlich mehr als 100 Mark verdient. Bei einer Erhebung des Arbeitgeberverbandes für den Bezirk der nordwestlichen Gruppe des Vereins Deutscher Eoen- und Stahlindustrieller über die Löhne rm März 1918 ergaben sich aber u. a. allein für Düsseldvrf AWröver- dienste für geübte Arbeiter der beiden hauptsächlich in Frage kommenden Gruppen von Facharbeitwr: bei den Drehern bis zu 1.73 Mark, bei den Schlostsrn bis zu 1,61 Mark in der Stunde. Uebrigens führt das Jahr- buch der Kölner Gewerkschaften Krregslahr 1917" selbst wesentlich höhere Stundenverdienste an, so für Schlos­ser und Dreher bis 1,80 Mark, surFormer bis 2 Mark, für Schmiede bis 2,20 Mark. Eine. Umrechnung der Stunbenveröiettste auf die Woche ist nun nicht ohne -' - ----- aler

weiteres möglich. Immerhin wird bei norm Arbeit bei eine in Stunderwerdienst von etwa 1,70 ein Wochenverdienst von 100 Mark erzielt werden. Nun fcbwaüfeu die Verdienste im einzelnen je nach der per­sönlichen Leistung, es wird deshalb bei Biesen Arbei­tern eine ganz erhebliche Anzahl sein, Bereu Wochen­verdienst 100 Mark übersteigt. Jedenfalls beweisen die Zahlen, daß allein an einem Jndustrreplatz des 7. Be­zirks sich sehr wohl eine große Anzahl Arbeiter hätten ituBen lassen, bei deren Einbeziehung sich ein wesent- lich anderes Bild ergeben hätte, als es dieMetallar- beiter-Zeitnng" entwarf. Damit verliert dre Veröffent­lichung des Metallarbeiterverbandes an Beweiskraft.

Mark

Laumwolie und Kolonien.

Nichts zeigt deutlicher, wie sehr wir im Laufe der Jahrzehnte in Abhängigkeit vom Auslande geraten sind, als der Verbrauch der B a u m w o l l e. Während in den Labten 187175 auf den Kopf der Bevölkerung jährlich 2840 Gramm Baumwolle kamen, verbrauchten wir 1913 die ungeheure Menge von. 7230 Gramm. Un­sere Landwirtschaft, die sich erfolgreich bemühte, unsere Ernährung sicherzustellen, vernachläistate infolgedessen den Anbau der Gespinstfasern, insbesondere des Flach­ses von dem vor dem Kriegs vielleicht noch 15 000 G'ktar unter Kultur waren, während 1893 noch 61000 Aktar 1910 noch 34 000 Hektar angebaut wurden. Ein weiterer Grund für die Bevorzugung der Baumwolle war ihre verhältnismäßige Billigtest, und so mußte es

baldige Ausprägung von Zweieinhalbpfennigstücken erfolgen werde. Die Ausprägung dieser Geldmünze hat der Reichsschatzsekretär vor einiger Zeit im Reichs­tage zugesagt. Hinsichtlich des Zeitpunktes der Aus­prägung teilt der Staatssekretär des Reichsschatzamtes auf Anfrage mit:Der Ausprägung von Zweieinhalb- pfennigstücke stehen zurzeit technische Schwierigkeiten im Wege. Es kann daher noch nicht übersehen werden, wann die Ausmünzung dieser Münzsorte erfolgen wird ".

* (Hohe Strafe.) Ein Landwirt in Sachsendorf bei Gößweinstein, der sich für ein Pfund Butter 10 Mark zahlen ließ, erhielt 1200 Mark Strafe.

§ Hersfeld, 2. September. (Für Sibgabe be = zu gscheinpflichti g er Waren ohne BeKugs- fcheinstndnichtnuröie Geschäftsinhaber, sondern auch ihre Angest eilten strafbar.) In § 11 der Verordnung des Bundesrats über die Regelung des Verkehrs mit Web-, Wirk- und Strick­waren vom 10. Juni 23. Dezember 1910 ist gesagt, daß, wer mit solchen Waren Gewerbe treibt, sie nur gegen Bezugsscheine überlassen darf. Hieraus ist vielfach gefolgert worden, daß die Abgabe bezugsschein­pflichtiger Waren ohne Bezug schein an das Publikum nur die Geschäftsinhaber, nicht auch die Angestellten strafbar macht. Diese Meinu g ist irrig. Das Reichs­gericht hat zu dieser Frage in einem Urteil vom 16. April 1916 Stellung genommen und dabei fest- gestellt, daß die Vorschrift nichts weiter aussprechen will, als daß gewerbsmäßige Verkäufe, gleichviel, ob sie durch den Geschäftsinhabe oder seine Angestellten ausgeführt werden, nur geger Bezugsschein stattfinden dürfen, und sich somit die Strafandrohung nicht nur gegen den Betriebsinhaber ersönlich, sondern auch gegen die Angestellten richte?, die deshalb auch als Täter anzusehen und zu beftw.it sind, wenn sie Waren ohne Bezugsschein abgeben o>r auch einen BezugS- sind. Die Angestellten werden deshalb im eigensten Interesse auf diese Auslegung des Reichsgerichtes hingewiesen und vor einer Abgabe bezugsscheinpflichtiger Waren ohne Bezugsschein gewarnt.

§ Hersfeld, 2. September. Für die weitere Dauer des Krieges zu Kriegs-Assistenzärzten auf Widerruf ernannt: öielandsturmpflichtigen, mitKriegs- stellen auf Widerruf beliehenen Aerzte: Dr. EMs

kommen, daß sie in unserer Versorgung schließlich eine Rolle einnamn, die uns in immer Höherem Grade zu Tributpflichtigen an die baumwolliesernöen Länder machte, denen wir zuletzt 1913 die gewaltige Summe von 575 Millionen für ihre Lieferungen zahlten.

Die Rohbaumwolle steht mit dieser Summe an er­ster Stelle, der Einfuhr Deutschlands. Zur Deckung seines Bedarfs, der 10 v. H. der Welternte beträgt, war Deutschland mit 77 vom Hundert auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika, mit 20 vom Hundert auf erratische Besitzungen angewiesen.

Der Krieg, der uns von der Einfuhr von Baum­wolle absperrte, hat uns, nachdem unsere Baumwoll- vorrüte zur Neige gingen, aus den Gedanken gebracht, alte und neue Faserstoffe als Ersatz während der Kriegszeit heranzuziehen, um damit unsern Bedarf zu decken, oder mindestens unsere Vorräte zu strecken. Da­zu gehören der aus Holz gewonnene Zellstoff, Nessel, Tuvoa oder Kolbenschilf, ferner Ginster, Weidenbast, Binse usw. usw. Abgesehen vom Zellstoff, der praktisch der wichtigste, da er in den größten Mengen verfüg­bar ist, handelt es sich um Pflanzen, die an gebaut werderr mikssen, gleichgültig, ob hierfür wertvoller' Kul­turboden oder Mddre und Heideländer in Betracht kom- wen. Der * Einfuhrüberschuß an Baunnvolle, 1913 488 000 Tonnen, erforderte aber eine Anbaufläche^ von 2 460 000 Hektar. Man erficht daraus, daß die Frage des Ersatzes gar nicht so leicht zu lösen ist. Denn abge­sehen von der Größe der erforderlrchen Flache dirrste es schrverfMem die hierzu notwendigen Arbeitskräfte zu beschaffen. Wenn wir also im Kriege es trotzdem und immerötn versuchen müssen, Ermtzstoffe zu beschaf­fen, so wird unsere Textilindustrie die Esttfuhr von ;Zanmwolle und anderen illobstosfen aus dem Auslande schon deshalb nicht vollständig entbehren können, weil sie alsdann nicht nur für unseren eigenen Bedarf, iuu= Bern auch für unsere Ausfuhr zu arbeiten haben wird. Als Ausfuhrindustrie ist die deutsche Baumwoll- tnditftrie einer der wichtigsten Zweige unserer Volks- wirtschaft, stand sie doch 1913 mit 516,t Mrllwneu.Mark Ansfnlrr au dritter Stelle in der Welt! Sie beichmtmte 1912 in 18 522 Betrieben 984 000 verucherte Personen, die 873,8 Millionen Mark an Arbeitslöhnen beugen, gewährte also dem achten Teil unserer gemmten Jn- dusiriearbeiterschaft den Lebensunterhalt.

Ist somit die Bauinwollindustrie eine Lebens- frage für die deutsche BoklswWchast. so ist du Ber- wrauna mit dem nötigen Rohstoff, der Baumwolle, die durch nichts im Frieden vollwertig ersetzt werden kann, die Schlagader dieser Industrie.

Schor: im Frieden haben Mißernten in den Verei­nigten Staaten und politische Verwicklungen eine Baunnvollnot erzeugt, die die Textilarbeiter und ihre Familien unb alle, die von der. Textilindustrie direkt oder indirekt abhängig waren, m das größte Elend stürzten. Die geringsten Ernteschwankungen in dem Hauptbaurmvollsnbauland. den Vereinigten Staate» ~ wen schon Baumwollknappheu , die bei nur 10 Pfen- 'erLinsuhr von 500 000

von Nordamerika, erzeugten schor unB führten zu Preissteigerungen, nig auf das Pfund bei einer traf«

(Hersfeld), Dr. Feuerstein (Hersfeld), Dr. Niemeyer (Hersfeld), Dr. Prüß (Hersfeld).

§ Hersfeld, 2. September. An das hiesige Fern­sprechnetz wurde neu angeschlossen: Hermann Rhein, Holzhandlung, Homberger Str. 12, Nr. 282.

Cassel, 31. August. Wie schwer vom Gericht das Berauben von Ersenbahngut geahndet wird, mußten drei junge Leute erfahren, die eine mit Wurst ent­haltende Kiste in einem Waggon eines Zuges geöffnet und einige Würste daraus entwendet hatten. Einer der Spitzbuben erhielt vorn Schöffengericht sechs Wochen, die beiden anderen je einen Monat Gefängnis, die Mütter wurden wegen Hehlerei zu einem Monat bezw. einer Woche Gefängnis verurteilt.

Hann -Münden, 31. August. Auf der Bahnstrecke Münöen-Göttingen wurde nachts in der Nähe des Dorfes Bavenstädt der Lehrer Baule aus Emmerkel beim Begehen des Bahnkörpers überfahren und auf der Stelle getötet.

Bad Wildungen, 30. August. Bisher haben fast 10 000 Kurgäste unsern Ort in diesem Jahre ausgesucht, das sind etwa 15% mehr als im Vorjahre.

Marburg a. L., 2. September. (Das dritte Gebot.) Eine Bäuerin aus Sarnau, die vor dem hiesigen Schöffengericht beschwören sollte, daß ihre Hühner nicht auf ein Nächbargrundstück gelaufen seien, ver­weigerte den Schwur mit der entschiedenen Begrün­dung, wegen einer solchen Kleinigkeit rufe sie den Namen Gottes nicht an. Der Verlegenheit des Ge­richtshofes machte die Frau mit der Bereiterklärung zur Zahlung der auferlegten Strafe ein Ende. Da­nach erklärte sie dann seelenruhig, die Hühner seien Gänse gewesen.

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SammelfteHe

S. Rehn» in Hersfeld."

Wettervoraussage für Dienstag den 3. September.

Vielfach heiter, trocken, etwas wärmer.

Tonnen bereits eine Mehrausgabe von Hundert Mtl. Honen Mark bedeuten. Ilbgesehen davon, ist unsere Baumwollindustrie schutzlos den besonders in Arnerika beliebten willkürlichen Maßnahmen der monopolisti­schen Erzeuger und Spekulmrten ansaesetzt. Hierzu tritt die tmer bedrohlicher werdende Neigung der eige­nen aufblühenden BaumwÄllinöustrie gänzlich zu un­terbinden.

Alle diese Umstände haben die baumwollverarbet- tenden Kolonialstaaten veranlaßt, sich eigene unab­hängige BaumwollbezugSquellen zu eröffnen. Diesen Weg hat auch Deutschland eingeschlagen, indem es in seinen afrikanischen Kolonien D e u t s ch - O st a f r i k a und Togo, die sich ganz besonders Bafür eignen, den Baumwollanbau nachdrücklichst förderte. Deutsch-Ost-f afrikä führte 1913 bereits 2192, Togo 472 Tonnen Roh­baumwolle im Gesamtwerte von rund 3 Millwnen Mk. aus. Ein bescheidener Erfolg, aber immerhin ein An­fang. und zwar ein vielversprechender, da die Kultur noch sehr jung ist. Indes verlangt der bisherige er- mutiaende Erfolg weiterhin rastlose Anstrengungen, insbesondere, daß dje Kultur unter Leitung und mit Unter-stützung der Regierung als Eingeborenenkultur ! propagiert wird, und daß die Regierung die Besorgung I und Zucht geeigneter Saat übernimmt. In Togo ist die Baumwöllkultur heute schon eine Eingeborenenkul­tur, wie die Baunuvollkultur ja überhaupt mehr Kleinkultur in all den bedeutenden baumwollprodu- zierenden Ländern: Amerika, Stemmten, Indien, Tur- kestan ist. Auch in Deutsch-Ostafrika sind vielverspre­chende Anfänge mit der Baumwolle als Eingeborenen- kultur gemacht worden, Buneben sind einzelne Groß- nuternebmen entstanden, die unter Leitung von Eu­ropäern die Kultur in Riesenpflanzungen betreiben. Der Schwerpunkt wird jedoch immer bei der Einge- borenenkultvr liegen. Die Bevölkerungsdichte und die koloniale Sirbeiterfrage spielen gerade bei der Bannr- wollknltur keine so große Rolle wie bei anderen Kul­turen. Bei der Ernte, die zahlreiche Hände verlangt, können Frauen und Kinder, wie in anderen Ländern, gute Dienste leisten. . >

Jedenfalls ist es nach dem Kriege eine der allerwich- tigsten Aufgabell unserer Kolonialwirtschaft, eigene und große Baumwollgebiete schnellstens und ausdrück­lichst zu entwickeli:. um uns von der Abhängigkeit des Auslandes in absehbarer .Zeit fretzmnachen tu einem Rohprodukt, das wir nicht nur für unseren eigenen Verbrauch, sondern vor allem für unsere Stellung im Welthandel dringend notrceiiBtg haben. Dazu brauchen wir aber große, eigene Kolonien, denn nur durch diese, in denen wir nach eigenem Ermessen die Produktion zu bestimmest vermögen, sind wir in der Lage, das Roh- Noffnconopol unserer Feinde zu durchbrechen.