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Die neuen Leichsfieve«.

Bon der nächsten Steuergruppe, den Berkehrs- steueru, die mit im ganzen 439 Millionen 10 v. H. des Steuermehrs aufbringen sollen, stehen ihnen am nächsten die Börsen- und Wechselstempelsteuern mit 214 Millionen, die sich, wenigstens in überwiegendem Matze, ebenfalls an die besitzenden Kreise wenden. Durch diese Steuern wird zunächst eine Erhöhung des Gesell- schaftsstempels bei Aktiengesellschaften von 4% auf 5 v. H. und bei G. m. b. H.s mit einem Stannnkapital von über 50 000 Mark von 3 auf 5 v. H. (bei Grunöstticks- verwertungsgesellschaften sogar auf 7 v. H.), bei Hanö- werkerbanqesellschaften von 2% auf 3 v. H., bei offenen Handelsgesellschaften pp. von 0,1 auf 0,4 v. H. durchge- führt. Weiter findet eine Erhöhung des Steurpels für Einzahlungen auf Kuxe und für Veräußerung pp. aus- läudischer Aktien von 3 auf 5 v. H., für Schuld- und Rentenverschreibungen von 2 auf 3 v. H. statt. Für Ov- ligatwnen und Reutenscheine inländischer öffentlicher Körperschaften bleibt der Emissionsstenwel wie bisher 5 v. T., bei ausländischen wird er von 1 aus 1% v. H. erhöht. Einer Stempelerhöhung unterliegen ferner die Gewinnauteilscheinbogen (von 1 auf 2 v. H.) und die Zinsbogen (von % auf 1 v. H.) sog. Talonstempel und die Tantiemen (von 8 auf 20 v. H.). Neu eingeführt wurde eine Steuer auf die Habenzinsen von Depositen­einlagen, ansteigend von % v. H. in Staffelsätzen bis 6 n H. bei über 117 Millionen Mark Habenzinsen. End­lich wird der Wechselstempel um 20 v. H. erhöht.

Großer Widerspruch erhob sich gegen eine Erhöhung der Steuer auf Käufe und sonstige Anschaffungsgeschäfte von Wertpapieren, aus denen nach der Regierungsvor­lage allein 150 Millionen, also der Löwenanteil jener 214 Millionen aufgebracht werden sollte (sog. Börsen- steuer). Mit der Erhöhung der Stempelsätze für Käufe der gewerbsmäßigen Effet tenhändler auf ein Zehntel bis fünf Zehntel v. T., wie auch mit den Steuersätzen bei Publikumskäufen von Renten urrö Schulldverschret- bungen (auf vier Zehntel v. T. bis 1 v. T.) fand sich die Oeffentlichkeit ab. Um so mehr aber wurde von Bank-, Handels- und Börsenkreisen der Aktienumsatz- stempel für Börsenkäuse des Publiknms bekämpft. Die Regierung hatte hier den Stempel verzehnfachen, d. h. von 3 Zehntel v. T. auf 3 v. T. erhöhen wollen. Fächer ersten Lesung des Haushaltsausschusses fand in­folge des starken Widerspruches jener Kreise eine Heraö- setznna auf 1 v T. statt, in der zweiten Lesung wurde die Steuer indessen wieder auf 2 v. T. erhöht und für

die Dauer der KriegSzeit sogar auf 5 v. T. gesteigert, was eine Flut von Gegeneingaben herbetführte. Im Plenum des Reichstages einigte man sich dann schließ­lich dahin, daß der Steuersatz während der KriegszeN nicht mehr wie 3 v. T. betragen, dem Bundesrate aber das Recht gegeben werden sollte, diesen Satz auf 4 v. T. zu erhöhen, wenn die davon erwartete Einschränkung der stark ins Kraut geschossenen Börsenspekulation nicht einträte, andererseits ihn aber auch während des Krieges schon auf 2 v. T. zu ermäßigen, falls sich dies im In­teresse eines gesunden Börsenverkehrs als notwendig erweisen sollte. Der Friedenssatz von 2 v. T. wurde vei-

n-

beö alten.

Die weiteren Berkehrsabgasen, Post- und Tele­graphengebühren (125 Millionen), sehen eine Er­höhung bei Briefen im Ortsverkehr auf 10 und 15 Pfg., bei Postkarten im Fernverkehr auf 10 Pfg., ferner eine allgemeine Erhöhung der Gebühren für Drucksachen, Ge- schäftspapiere, gemischte Sendungen, Pakete, Postan­weisungen, Telegramm- und Telephongebühren usw. vor. Der anfänglich in der Presse fast allgemein auch gegen diese Erhöhung erhobene Widerspruch hat sich bald gelegt, zumal von der Regierung nachgewiesen wer­den konnte, daß sich die erstmalige GebührenerhMung der Posttarife in 1916 (200 Millionen Mark) nicht als verkehrsschädigend erwiesen habe und zudem ausländi­sche Staaten im Kriege ihre Gebühren zum Teil in viel stärkerem Maße erhöht hätten.

Fm allgemeinen hat bei der diesmaligen Steuervor- laqe jedenfalls eine gewisse Schonung des Verkehrs statt- gefunden, die gegenüber der in den Vorjahren ziemlich starken Erfassung desselben (mit 389 Millionen Mark) nur gebilligtt werden kann.

Die Deutsche» an der Wolga.

Die Krieasweiqniffe haben wieder eine Gemein­schaft friedlicher Deutscher aus ihrer Ruhe gescheucht. An der Wolga wohnen seit dem 18. Fahrhundert eine große Anzahl deutscher bäuerlicher Kolonisten, die bis zum heutigen Tag zu der stattlichen Größe von 700 000 Köpfen angewachsen sind. Die Wolga-Deutschen neh­men unter allen Deutschen-Kolonien in Rußland etne bevorzugte Stellung ein. Sie haben eine wirtschaftlich sehr günstigen Entwicklung genommen, neben der ur­sprünglichen Landwirtschaft sind verschiedene Industrie­zweige ins Leben gerufen worden, eine Anzahl der Ko­lonisten ist zu Rang und Reichtum ausgestiegen. Die Wolga-Deutschen waren immer sehr zarentreu. Die alte russische Regierung ließ ihnen die innere Selbst-

verwcumng, sie umren eigenes sqjuiiwivn konnten sich so patriarchalisch und kulturell ihr Sow derleben gestalten.

Die russische Revolution hat nun schon an und für sich eine tiefe Verwirrung in dieses altehrwürdige Ge­meinwesen gebracht. Die Räteregierung von Moskau hat sich bestrebt, die deutschen Siedelungen nach kom­munistischen Prinzipien umzubilden, eine Absicht- die dem deutschen Charakter ganz und gar nicht entspricht- Fn Saratow ist ein deutsches Kommissariat gebildet worden, dem auch deutsche Bolschewicki angehören,' es will die Enteignung des deutschen Grundbesitzes und die Nationalisierung der Industriebetriebe vornehmen. In diese Entwicklung hinein hat nun der Bürgerkrieg unerwarteterweise mit derber Hand gegriffen. Gerade an der Wolga, wo die Wolga-Deutschen sitzen, haben sich die beiden Armeen, die Rote Armee der Bolsche- wicki und die Weiße Armee, bei der die Tschecho-Slo- waken die Hauptrolle spielen, getrostem Dre Ko­lonien der Wolga-Deutschen sind zicm Teil der Schauplatz .kriegerischer .Ereignisse, ae- den. Beide Parteien haben sich um die Kolomsten be- bemüht, sie haben ihnen Versprechungen gemacht, ha­ben ihnen Waffen angeboten oder haben auch ohne wei­teres zugegriffen und Pferde requiriert, ja Leute zum Dienst auf Patrouillen und Posten rücksichtslos herangeholt. Dre Kolonie Zürich ist von den Bolsche­wicki mit Artillerie beschossen und vollkommen geplün­dert worden. Der Kommissar hat hier 100000 Rubel verlangt, die im Verlauf weniger Stunden ausbezahlt werden müßten.

Bekanntlich hat der Vertrag von Bresi-Litowsk be- stirnnst, daß die deutschen Kolonisten in Rußland 10 Fahre- lang das Recht haben sollten, aus dem russischen Staatsverband auszutreten und in ihre alte Heimat zurückzukehren Die anderen Kolomsten in der Uk­raine, in der Krim und in Wolhynien haben es nun gut. Fhre Siedelungen befinden sich im deutschen be­setzten Gebiet, und sie können ihre Geschäfte in aller Ruhe abwickeln. Die Wolga-Deutschen dagegen sind ht eine ganz unglückliche Lage gekommen, sie wer­den von beiden Parteien bedrängt, ihre SympatAen liegen zweifellos auf der Seite der Gegenrevolutionare. Ein Sieg der Gegenrevolutionäre wiiröe auch sie ret­ten: das Ueberyanönehmen der Herrschaft der Bolsche­wicki dagegen würde diese gesamte wertvolle Wirt- schafts- und Kultur-Organisation auflösen. Und, wie wie es scheint, hat das Deutsche Reich gegenwärtig kaum die Machtmittel, einen Schritt für diese bedrängten Landsleute zu tun.

HMMMM« in AMOM.

^2^

Essabgabe

heute abend 912 Uhr, am Sonntag den 18. d. Mts., vormittags von 79 Uhr und abends von W212 Uhr.

Für die nächste Woche vorläufig wie bisher.

Gashähue nach Gebrauch absperren.

vetismlmscvmg.

Laut Polizeiverordnung vom 15. August 1918 betr. die Vernichtung von Tier- kadavsrn und Kadavertrile» ist mir alles im Kreise Bersfeld gefallene Vieh sofort nach dem Tode zur Abholung anzumelden.

Ausgenommen hiervon sind Ferkel, Schaf- und Ziegenlämmer unter 6 Wochen sowie Hunde, Katzen, Niederwild und Federvieh.

Wer mir Fälle von Nichtbeachtung obiger Polizeiverordnung mitteilt, daß ich den Vieh­besitzer zur Anzeige bringen kann, erhält für jeden Fall eine Belohnung bis zu 30 Mk. .

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MiMWlÄ)

Sonntag 18. und Dienstag 20. Augaft:

abends 8 Uhr

Äw^i ^wstsiltele des Kasseler Nesiüenrlheslers (Leitung Alfred Lommatzsch).

Sonntag, 18. August: Opereüenabcnd

? Musik: Mitglieder der 83er Kapelle, Cassel °LA Haler her MWm LÄe Operette von Kastner u. Telmer. Musik von Gellert. Musikschlager: Ach Schnuckchen, Du hast so liebe Guckchen Solch ein holder Liebsstraum unter dem blühenden Lindenbaum Rheinprinzeßchen Oh, ihr Mädels, ihr lieblichen Ratten, usw. Ueber 30 Aufführungen in Casfe I.

Der Schlager von 400 Bühnen 1!

Dienstag, 20. August:

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Sonntag, den 18. August.

Vormittags 8 Uhr: Herr Pfarrer Scheffer.

Vormittags ValO Uhr: Herr Pfarrer Wöll.

Perersberg

Vormittags 10 Uhr Gottesdienst.

Unterhauu.

Vormittags 9 Uhr Gottesdienst.

Mittwoch, abends 8 Uhr Kriegsbetstunde in der Stadtkirche.

Kathol. Gottesdienst.

6> Uhr hl. Mesfe.

9^/4 Uhr: Hochamt m.Predigt. 2VsUhr: Nachmittagsandacht Gelegenheit zrkr hl. Beichte:

Samstag nachm. 5 u. 8 Uhr.

Sonntag früh 6 Uhr.