Hersselder Kreisblatt
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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 193
Sonnabend, den l7. August
1918
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 16. August 1918.
Die Fleisch- undWurstabgabe in den Metzgereien des Schlachtbezirks Hersfeld erfolgt in dieser Woche Sonnabends und beträgt 125 gr. Fleisch und 50 gr. Wurst auf die Karte; Kinder unter 6 Jahren erhalten die Hälfte. In den übrigen Schlachtbezirken des Kreises setzen die zuständigen Gendarmeriewachtmetster die Kopfmenge fest.
Der Vorsitzende des Kreisansschnsses.
I. V.
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 12. August 1918.
Die angeordnete Schließung der Mühle des Müllers Fritz Steinhoff von Hermannshof ist wieder aufgehoben worden.
Tgb. No. K. G. 2938. Der Landrat.
I B.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
am der Heimat.
* (GZri ng genährte Rinder.) In verschiedenen Ausbringungsgebieten für Schlachtvieh sind über den Begriff „gering genährte" Rinder Unklarheiten entstanden. Zur Behebung dieser Zweifel hat der Staatssekretär des Kriegsernährungsamts den Begriff dahin festgelegt, daß unter gering genährten Rindern (Klasse C) nur abgemagerte Tiere zu verstehen sind; das sind Tiere, bei denen neben Schwund des Fettgewebes auch Schwund des Muskel- fleiches besteht. Diese Entscheidung ist den mit der Schlachtviehausbringung beauftragten Organisationen zur genauen Beachtung mitgeieilt worden.
^ Gegen ute UMWWWA-"MWWWWWMW Wanderer, über die oft geklagt wird, versucht man jetzt durch öffentliche Ermahnungen zu wirken.
So verbreitet, nach dem „Frkf. Gen. -Anz.", der Arbeitsausschuß zur Bekämpfung der Wanderunsitten einen Anschlag, der sich an die wandernde Jugend wendet und in knappen Sätzen ihr die Grundsätze für an-
Sie neuen Selchssteuem.
L
Die Rdichsregierung und der Reichstag haben mit der kürzlich abgeschlossenen großen, der bisherigen größten Steuerbewilligung von fast 4^ Milliarden Mark in verhältnismäßig kurzer Zeit ein Steuerwerk geschaffen, das sich — endlich — den Leistungen Englands auf dem Gebiete der Kriegssteuerpolitik ebenbürtig an die Seite stellen darf. Dies gilt namentlich auch in sozialer Richtung, indem diesmal die direkten, den Besitz belastenden Steuern einen sehr erheblichen Teil des bewilligten Steuermehrs ausmachen. Allerdings tragen bei uns die neuen direkten Steuern int Gegensatz zu England, dessen Einkommensteuer einen unübertroffenen Kristal- Mationspunkt seines Kriegssteuersysieuls bildet — und bilden kann, weil dort kein Einzelstaat und keine Gemeinde an dieser Quelle Mitzehren, — nur einen vorübergehenden, einmaligen Eharakter. Das gllt ebenso von der Kriegsgewinnsteuer der Aktiengesellschaften ür das vierte Kriegsjahr, deren Ercrag bei Steuersätzen von 30 bis 6ö Prozent des Mehrgewinns rund 600 Millionen Mark ei «bringen soll, wie von der der Initiative des Reichstages entsprungenen Abgabe des Mehreinkommens der Einzelperwnen mit Ernkvnimen über 10 000 Mark nach dem Stande des Einkommens vom 31. Dezember 1917 gegenüber dem FriedenLein- kommen, sowie endlich von der Vermögenssteuer für Vermögen über 100 000 Mark. Der 'MeKeinkommen- steuer sind Staffelsätze von 5- 50 v. H. (Bei Mehrein- kommen über 200 000 Mark), der Vermögenssteuer Staffel sä sie von 1-ä v. T. (Bei Vermögen «Bet 1WMion) zugrunde gelegt. Ihr Ertrag wird aus 8o0 Millionen beuo. 350 Muttonen Mark geschätzt.
Was die beiden letzteren Steuern anbetrifft, so haben, wenn es sich zunächst nur nm eine einmalige Steuer handelt, die Meürheitsparteien.indes^ Zweifel darüber gelassen, daß sie für das nachite Jahc bei Fortdauer des Krieges erneut mit ähnlichen <w>nhlagen kommen würden.
Die zur Begründung der Initiativanträge gegebenen M.sMriugcn d?r Antragsteller lasten sogar er- feuneu, daß die Reichstagsmehrheit in dieien einmaligen Steuern nur den Auftakt zur y'V^rung künftiger dauernder direkter Reichssteuer n erbnckt. Denn wenn auch die MteßrOewilüming^ den Mark Steuern von ihr zunächst damit beginnde, wurde, daß die von der Regierung imrgelegten Lteuer- entwürfe für das Jahr 1918/1(1 noch nicht den vollen ihn Etat in Ansatz gebrachten Ertrag lleiern wurden, so führte man doch zur weiteren Vtauinöimg arm, daß das vorr der Regiern na in An, atz gebrachte UM^Defizit von 2,9 Milliarden Mark das wirkliche Denzst noch nicht erreiche, weil einmal die Kosten s«r Jnval dem reuten, Witwen- und Waisengelder, rerner aber auch die FriedenssätzE der Ausgaben für Heer und flotte, die jetzt im Kriege aus finanzwirtschanlichen und techtilschen Gründen mit aus das durch Anleihen S« deckerwe Kriegsbudget übernommen sind, dabei nicht berncknchtigt seien. Es liegt auf der Hand, daß die letztgedachten Grunde die Einführung dauernder Steuern nötig machen würden. Die Reichstagsmehrbsit scheint also in Er
gemessens Verhalten beim Wandern zu Gemüte führt.
Die Hauptsätze lauten: „Deutsche Jugend! Kleidet Euch auf Wanderungen einfach und anständig. Betragt Euch anständig und unauffällig. Schützt unsere Wälder uud Felder." Diese Anschläge sind in den letzten Wochen durch die Eisenbahndirektionen auf vielen Bahnhöfen angebracht worden.
*(StandquartierundMarschquartier).
Der Bundesrat hat folgende Verordnung erlassen: 1. Der § 9 des Gesetzes über die Kriegsleistungen vom 13. Juni 1873 wird für die Dauer des gegenwärtigen Kriegszustandes durch folgende Vorschrift ersetzt: Vergütung für Naturalquartter und Stallung wird nach den für den Friedenszustand geltenden Sätzen gewährt; jedoch finden auf die Quartierleistung in den Fällen unter a) 4 bis 8 des Servistarifs stets die unter a) anfgeführten Sätze Anwendung. Die .Beschaffenheit des Quartiers wird im allgemeinen durch die für den Friedenszustand geltenden Vorschriften bestimmt. 2. Für die Dauer der Geltung der Nr. 1 tritt Abschnitt 1 Ziffer 1 der^Verordnung, betreffend die Ausführung des Gesetzes vom 13. Juni 1873 über die Kriegsleistungen vom 1. April 1876 außer Kraft. Diese Verordnung tritt am Tage der Verkündung mit Wirkung vom 1. Januar 1918 in Kraft. Das Kriegsministerium bringt diese Verordnung zur Kenntnis der Armee mit dem Bemerken: der Unterschied zwischen Standquartier einerseits und Marsch- und Kantonnementsquartier andererseits vt hierdurch für die Dauer des gegenwärtigen Kriegszustandes aufgehoben worden.
* (Russische Schuldentilgung an deutsche Lieferante n.) Die Forderungen, die deusche Firmen für Waren, die sie vor Kriegsausbruch nach Rußland geliefert haben, zurzeit noch ausstehen haben, werden jetzt allmählich von den Schuldnern beglichen. Es handelt sich um bedeutende Werte, bei deren Beitreibung die deutschen Firmem sich weniger der Ver-
ßk.ttito
eigenen privaten Beziehungen hierzu zu benutzen. Es muß anerkannt werden, schreibt Nowy Wetschernutschaß, daß die heutige Geschäftswelt der schwierigen Lage Rußlands Rechnung trägt, in der sich der russische Handel zurzeit befindet, der wohl die alten Schulden
kenntnis dessen, daß ein großer Teil der tut Kriege bewilligten indirekten Steuern dauernden Charakter tragen wird, zugleich wenigstens den Rahmen für eine bestimmte Summe direkter laufender Steuern für die Zu- knnft haben schusfen wollen, der nur wegen der Schwierigkeit, im Kriege eine endgültige Abgrenzung und Verteilung der direkten Steuern zwischen Reich, Staat und Gemeinde durchzuführen, vorläufig durch gewisse ein- maliae Besitzsteuern ausgefüllt werden sollte.
Schweren Herzens haben sich die Finanzminister der Einzelstaaten entschlossen, den Initiativanträgen zuzu- stimmen. Durch das sog. Besitzsteuerkompromitz wurde wenigstens erreicht, daß nicht, wie der Initiativantrag wollte, das Einkommen der physischen Personen (über 20000 Mark) schlechtweg, sondern nur das Mebrein- kommen der einmaligen Steuer unterworfen wurde. Im iwriaen haben sich die Bundesregierungen mit einer starken Mehrbelastung der Persvnalsteuern imch dem Kriege in Reich, Staat und Gemeinde im allgemei- n c n offenbar abgefunden. Das geht namentlich aus dem von der Reichsregterung mit den neuen Steuern gleichzeitig vorgelegten und vom Reichstag angenommenen Gesetze gegen die Steuerflucht hervor, welches bestimmt, daß während fünf Jahren nach Kriegsbeendigung auswarrdernde Deutsche noch der einheimischen Personalsieuerpflicht unterliegen, zur Sicherung der Erfüllung dieser Verpflichtung 20 v. H. ihres Berrnögerls hinterlegen müssen und, wenn sie den. Vorschriften des Gesetzes zuwiderhandeln, nicht nur mit Gefängnis bestraft, sondern sogar der bürgerlichen Ehrenrechte uno einschließlich Frau und Kindern auch der Staatsangehörigkeit verlustig erklärt werden können.
Die vorgenannten drei Besitzsteuern machen mit zusammen 1,8 Milliarden etwa 40 Prozent des in diesem Jahr bewilligten Gesamt-Steuermehrs aus.
Sie deutsche Mde-Zndilslrie.
Man schreibt uns: Die Hauptstadt des Reiches der launigen Königin Mode befand sich vor dem Kuuege in P a r i s. Hier saßen auch die Höflinge dieser Her sche- rin, die großen Schneider, deren Wanten einen internationalen Ruf hatten. Bei ihnen ließen die Damen der vornehmen Welt ihre Kleider fertigen: zu ihnen wall- fahrteteic die Einkäufer der Mode-Industrien aus aller Herren Länder: denn das Panser Vorbild war maßgebend. Deritschland bezahlte den französischen Modemei- stern alljährlich viele Tausende, um die zu übermäßig hohen Preisen verkauften Modelle zu erwerBen. Und daß in Deutschland alles aus Paris kommende Modische mit Ehrfurcht betrachtet wurde, daß man es höher ein- schätzte, als das in heimischen Werkstätten Erzeugte, mag zwar beschämend für uns gewesen sein, war aber Tatsache. Und doch hatte die -sache einen Haken. Unsere Liebedienerei vor der franzoftscheil Mode führte dazu, daß deutsche Modeschöpsimgen sich das Pariser Mairtelchen umhängen mußten, um im eigenen Lande Anklang und tzlbsatz zu finden.
Im Kriege hat die deutsche Mode-Industrie bewiesen. daß sie auch ohne das von Paris empfangene Stich-
schnellstens tilgen möchte, aber nicht immer dazu in der Lage ist. Die deutschen Firmen gewähren daher ihren russischen Schuldnern bereitwilligst Stundung gegen Berechnung mäßiger Zinsen während der Dauer des Krieges.
* (Berboteuer Absatz von Fruchtsäften) Die Kriegsgesellschaft für Obstkonserven und Marmeladen verbietet, daß Fruchtsäfte aller Jahrgänge, einschließlich der diesjährigen Pressung, ohne Genehmigung der Gesellschaft von den Erzeugern abgesetzt werden. Die Kleinerzeuger, also diejenigen Preffer, die jährlich weniger als 20 Doppelzentner Fruchtsäfte nichtgewerbsmäßig herstellen, dürfen Fruchtsäfte unmittelbar an Verbraucher absetzen; doch ist jeder Weiterverkauf verboten.
):( Hersfeld, 16. August. (Berichtigung.) In der in No. 191 abgedruckten Bekanntmachung betreffend Warenumsatzstempelgesetz muß es in Absatz 3 heißen: Beläuft sich der Umsatz auf nicht mehr als 1750 Mark, so besteht eine Verpflichtung zur Anmeldung und eine Abgabepflicht nicht.
Von der Lahn, 15. August. Während des Eiy- erntens von Roggen auf dem Felde bei Niedergönnes wurde gestern die Ehefrau des Landwirts Mohr, welche unter einen Kornhaufen vor dem strömenden Regen Schutz gesucht hatte, von einem Blitzstrahl getroffen und auf der Stelle getötet.
Aus dem Sauerla de, 18. Angust. Ein folgenschweres Zufammentr« gen zwischen einem Forstbeamten und Wildere n hat sich gestern Nacht der Steinhaufen zugetrager Der Forstaufseher Johannes Rüther wurde von zwei Wilderern überfallen und durch einen Schuß aus einem Jagdgewehr in den Kopf getroffen und Fbensgefährlich verletzt. Er wurde später von ande. n Leuten im Walde gefunden und in das Krankenhau gefahren. Die beiden Wildschützen sind leider u ^annt entkommen.
Wettervoraussage für Sonnabend den 17. August.
Heiter, trocken, warm.
mors eine RE spielen rann, mw flky nicht zu Treuen braucht, ihre Erzeugnisse als das auszugeben, was ft< sind, nämlich deutsche. Die vorjährige deutsche Mode- schau in Bern, die im Rahmen der Werkbund-Aussiel- lung stattfand, bedeutete für die deutsche Mode-Jnduitric einen durchschlagenden Erfolg, den. führende Schweizei Blätter auch als solchen neidlos anertaitnten. — Das die Stärkung der deutschen Mode-Industrien eine vater/ ländliche Notwettdigkett ist, daß es für unsere Volkswirtschaft nicht gleichgitlttg sein kann, ob die mit der Mode Zusamenhängenden Industrien. Gewerbe uni Kunsthandwerke blühen oder nicht, geht allein daraus hervor, daß nach der letzten Zählung des Jahres 1907 in der deutschen Textilindustrie rund 1100 000 und im Bekleidungsgewerbe rund 1300 000 Personen beschäftigt waren. Unsere Ausfuhr an Baumwollen-, Wollen- und Seidenwaren, sowie an Kleidern und Putzwaren hatte 1913 eine Millrarde überschritten, betrug rund den zehnten Teil unseres gesamten Außenhandels. Wi, müssen also in Zukunft alles daran setzen, diesen wichtigen Zweig unseres wirtschaftlichen Lebens zu stärken, und wir sind umso mehr dazu gezuumgen, als der uns von unsern Feinden angekündigte Wirtschaftskrieg ge« rade die deutsche Moöe-JndiE' ' kann, bei der die Selbstän
Lage Bringen Daseinsfrage
bedeutet.
Da der Hieb Beiamitlicb immer die beste Parade ist, so wird es sich für die Zukunft unserer Mode-Industrien darum handeln, nicht nur eine Abwehrstellung einzunehmen, sondern, je eher, desto wirksamer, zum Angriff überzugehen. Einen solchen Angriff stellt die in Berlin auf Veranlassung des „Verbandes der deutschen Mode-Industrie" in der Zeit vom 5. bis 13. August stattfinoenöe erste Berliner Modewoche dar, die von nun ab alljährlich zweimal — im Februar und August — vor sich gehen wird. Dreihundert Firmen der Berliner Mode- und Putzindustrie zeigen in eigenen Räumen eine Fülle gediegener und geschmackvoller Er- zengnisie Zeigen sie nicht nur vielen Hunderten von Fachleuten des Inlands, sondern auch rund 300 Einkäufern. die aus dem neutralen Aus land ge- fommen sind und somit beweisen, daß sie nicht einzig und allein auf die Schöpfungen der Pariser Modegötzen angewiesen sein wollen. Daß die Modewoche in Berlir verunstaltet wurde hat seinen Grund darin, daß Berlin seit dreißig Jahren unumstritten als Mittelpunkt der deutschen nrodeschaffenden Kräfte, sowie der gesamten deutschen Modeindustrie anerkannt ist. Modeschauen und Modeausstellungen sollen aber auch an anderen in Frage kommenden Plätzen Deutschlands, z. B. in Frankfurt a. M., München und Köln, veranstaltet werden.
Die maßgebenden Kreise unserer Mode-Industrie vertreten die Ansicht, daß es sich für uns nicht um die Schaffung einer sogenannten „deutschen Mode" handeln könne, sondern um die Mitarbeit an der Weltmode. Die erste Berliner Modewoche hat gezeigt, daß Deutschland sich seiner modischen Leistungen mnerhalb der Weltmode bewußt ist, und daß die Erzeugnisse der deutschen Mode- Industrie in Zukunft und dann erst recht ihrer stofflichen Gediegenheit und ihrem künstlerrschen Gehalt nach and) als deutschen Ursprungs bezeichnet werden . können.