[ Aus dem großen Hanpt^usrLier. ]
im> Großes Hauptquartier, 28. Juli 1918. (Amtlich. WTB.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Ruppreebt.
Rege Crkuudunastätigkeit. Stärkere Vorstöße des Feindes nördlich der Lvs. beiderseits der Somme, und nordwestlich von Montdidier wurden abgewiese«. In einzelnen Abschnitten Artillerietätigkeit.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz
An der Kampffront verlief der Tag ruhig. Kleinere Jnfanteriegesechtc im Borgelände neuer Stellungen. In der Champagne drang der Feind bei örtlichem Angriff in unsere vorderen Linien südlich vom Fichtelberge. Unser Gegenstoß warf ibn größtenteils wieder zurück.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.
Der deutsche Abendbericht.
R e r I i n, 28. Juli, abends. (Amtlich. WTB) Stümpfe am Onreg. Im übrigen rnhiger Tag.
Französischer Heeresbericht vom 27. Juli.
Südlich des Ourcq war der Tag durch die Tätig» kett beider Artillerien ohne Jnicmteriebewegungen gekennzeichnet. Auf dem Norouker der Marne nahmen wir am Abend Reuil lernte des Savants und warfen den Feind auf den Südrand südlich von Binwn Or- quiano und Billers fous-Chatillon zurück. Die Ge- sanüziffer der am 25. in Billemontoire sowohl als in der Gegend Ouchy-le-Chateau gemachten Gefangenen belauft sich auf 700. An der Champagnefront unternahmen unsere Truppen, nachdem sie die deutsche Of- tensive vom 15. und 18. Juli zum Scheitern gebracht hatten, in den folgenden Taaen eine Reihe von örtlichen Angriffen. Trotz Widerstandes des Feindes drangen wir östlich der Suippes ungefähr 1100 Meter auf einer Front von 20 Klm. im allgemeinen nördlich der Linie Saint-Hilaire-le-Grand-Soüain-Mesml kes-Hurlus weiter vor. Wir haben ganz Main-de Massiges znrücker- oBert und in dieser Gegend unsere alte vorderste Linie wieder besetzt. Im Laufe dieser Operationen machten wir mehr als 1100 Gefangene und erbeuteten 200 Maschinengewehre und Geschütze. ■
Französischer Abendbericht vom 27. Juli.
Der Druck, den französische und alliierte Truppen seit mehreren Tagen gegen die deutschen Streitkräfte ausübten, hält an. Sie zogen sich heute auf der ganzen Front nördlich der Marne zurück und unsere Truppen drängten der Nachhut hart nach und haben die allgemeine Linie Broneres-Billeneuvs-Sur Fer-Courmont- Passy-Grigny-Cuiselles- (?) 1a Neuville-aux Lorris- Chamizn erreicht. Das rechte Marnenfer ist vollständig vom Feinde gesäubert. Unsere Truppen verfolgen den von ihnen auf einer Front von über 15 Klm. gemachten Fortschritt noch östlich von Chateau-Thierry. Auf der ChaMagnefront überschreitet die Zahl der von uns in der Gegend südlich des Mont sans nom gemachten Gefangenen 300, darunter 9 Offiziere. ’
Die Beschießung von Calais.
>e Berlin, 29. Juli. (B. T.) Die Lyoner Zeitung veröffentlicht Einzelheiten über die Beschießung von Calais in der Nacht vom Sonntag zum Montag durch deutsche Flieger. Es geht daraus hervor, daß das Bombardement das größte der bisherigen war und sehr großen Materialschaden angerichtet hat. Die Zeituno Petit Egsaik
der Toten sich auf 27 belaufe. Dieselbe Zeitung veröffentlicht eine Statistik über die Beschießung von Belfort. Seit Kriegsbeginn gab es in Belfort 507 Fliegerangriffe ohne Bombenabwürfe, 103 Bombenangriffe dnrch Flieger, 2 durch Zeppeline. Außerdem sei die Festung an 11 Tagen durch weittragende Geschütze be- schosien worden.
Ein neuer gewaltiger Zusammenprall?
^ Berlin, 29. Juli. (B. T.) Die meisten Zeitungen erwarten einen neuen gewaltigen Zusammenprall auf der Ebene des Tardenois, der vielleicht von gleichzeitigem deutschem Borstoß auf einem anderen Frontabschnitt begleitet sein dürfte.
In Erwartung eines deutschen Angriffs.
Wie der Schweizerische Preßtelegraph meldet, nimmt infolge der letzten Frontereignisse der Pessimismus in den französischen Blättern beträchtlich zu. Die Blätter, die gestern noch im Siegestaumel schwelgten, werden zurückhaltend und bedenklich. So schreibt Bar- des im Echo de Paris:
EditH BÄvknevs Liebe.
Roman von Fr. Lehne.
32) (Nachdruck verboten.)
Bildschön sah sie an 8; das mußte sich Lucian wieder gestehen, und der Vergleich, den er zog, fiel nicht zugunsten seiner Braut aus, die ihm in dem champagnerfarbenen Tuchkleide und dem weinroten, überreich garnierten Hute, den Puder dick auf dem Gesicht, neben Edith in ihrer blühenden Frische sehr unvorteilhaft erschien.
Martha tat sehr liebenswürdig, lachte und sprach viel, und Edith antwortete steundlich. Es durfte ja niemand ahnen, was für eine unversöhnliche Feindschaft zwischen den beiden Kusinen bestand. Sie vermieden es, sich anzusehen: einmal hatte Edith Marthas Auge jestaehalten und sich dann mit einem verächtlichen Ausdruck abgewandt.
Thankmar war etwas zurückhaltend gegen das Brautpaar, und ein Scherzwort, das Lucian chm zu- rvarf, wollte er nicht verstehen. Dieser fühlte sich sehr anbehaalich. Wie oft hatte er hier gesessen und fröhlich geplaudert; wie lieb und nett war man gegen ihn gewesen — ein förmliches Zuhause war chm hier aufgetan — und das hatte er sich verscherzt!
„Also nochmals, lieber Onkel und liebe Tante, btt- ien wir euch, doch Dienstag zum Diner zu kommen/ sagte Martha.
Wenn sie es auch mit dieser Einladung nicht aufrichtig meinte, so wollte sie doch Edich quälen: das iwlze, ehrgeizige Mädchen zu demütigen, war ihr eine Lust.
Aber Ediht hatte die Eltern vorher gebeten, eine etwaige Einladung unter keinen Umständen anzuneh- men, falls Martha nochrnals darauf zurückkommen würde. So lehnten diese ab, in herzlicher Weise um Entschuldigung bittend, und Martha war es sehr recht so.
[ Bom Werr-MUsrGerreralstM. j
Wien, 28. Juli. (WTB.) Amtlich wird gemeldet: Im Sudweste« keine größeren Kampfharrdlungen.
Ju Albanien wurden bei Slrdenica abermals meh-i rere staUenische Vorstöße abgewiese«.
Der Chef des Generalstabes.
Man sagt, der Feind ziehe sich zurück, und bald werde seine neue Linie erstarren. Ich muß aber meinerseits den allgemeinen Hosfnungsrausch stören, denn unsere Armee erwartet ein neuer großer Schlag, und wenn der Erfolg Ludendorffs Anstrengungen erönt, dann bedeutet dies einen neuen Kräftegewinn für seine Armee. An der Front südlich der Vesle nimmt der Feind wichtige Truppenvereinigungen vor, die bald beendigt sein werden.
Noch deutlicher und ernster schreibt General Ver- raux im Oeuvre, das noch kürzlich die Poilus nach Berlin marschieren ließ. Er empfiehlt die größte Wachsamkeit und weist insbesondere darauf hin, daß man sich jetzt nicht gehen lassen dürfe. In dem Freudentaumel, der bereits am Ueberlaufen ict, dürfe man nicht alle Klugheit verlieren und die Möglichkeit einer Reaktion nicht vergessen. Er fährt dann fort: Denken wir an das. was Mülhausen folgte, vergessen wir nicht, was Bet Antwerpen und an der Äser geschah, und alles das, was sich seit der Marneschlacht zugetragen bat. Denken wir vielmehr daran, daß der deutsche Generalstab noch über Bestünde verfügt, die überhaupt noch nicht in Aktion getreten sind. Wir müssen auf der Hut sein!
Der Petit Parisien verkennt nicht, daß ein Erfolg Ludendorffs gerade m diesem Moment das Prestige des deutschen Generalstabes beträchtlich stärken würde. Das Blatt erwartet zwar einen deutschen Gegenstoß vorderhand noch nicht und wirst die Frage auf, ob nicht die Engländer Gelegenheit hätten, zum Angriff überzu- gehen. Der Mann erwartet eine entscheidende Schlacht Kim Rand der Ebene von Fere-en-Tardenois und stellt einen starken Kräfteznwachs des Feindes an verschiedenen Stellen fest.
Stimmungsmache im feindlichen Heere.
In einem aufgefundenen Befehl werden Maßnahmen angeordnet, die zu treffen sind, „um die außerordentlich schweren Verluste, die durch deutsche Bombenangriffe in französischen Truppenlaqern verursacht wurden, nach Möglichkeit zu verhindern". Offiziere und Unteroffiziere werden angewiesen, den Soldaten in geschickter Weise angebliche große Erfolge der französischen Bombengeschwader vor Augen zu halten, um die äußerst gedrückte Stimmung der Mannschaften zu heben. Durch solche rechtzeitige Stimmungsmache sollen die Mannschaften über die augenblickliche Lage hinweggebracht werden.
Auch dieser Befehl zeigt deutlich, welche Erfolge die deutschen Bombenangriffe auf die feindlichen Truppen haben. .
Italienische Divisionen an der französischen Front zurückgezogen.
Bern, 29. Juli. (WTB.) Der Berichterstatter des „Giornale d'Jtalia" an der französischen Front meldet, daß'die abgekämpften italienischen Divisionen von dem französischen Sektor zurückgezogen und durch englische Divisionen ersetzt werden mußten. '
Die Luftschlachten der Grohkampfwoche.
Die höchsten Abschntzzahle« iw ganze« Kriege.
In den Großkampftagen dM-dvEDWVWvWW^
Franzosen und Amerikaner in gewaltigem Einsatz zusammengefaßter Flugzeugmassen starke Erkundungs- und Bombengeschwader weit über unsere Linien vorzutreiben. In großen Luftschlachten warfen sich unsere Jagdflieger ihnen entgegen und schössen allein an der Hauvtkampffront 177 feindliche Flugzeuge ab. Sie hielten damit die Ueberlegenheit in der Luft resüos aufrecht, so daß unsere Erkundungsflieger weit in das Feindgebiet orstotzen und unsere Artillerie- und Infanterieflieger ihre Aufträge zum größten Nutzen der auf der Erde kämpfenden Kameraden durchführen konnten. Am 22. Juli gelang es einer Besatzung in sechsstündigem Fluge brs westlich Paris und Seine aufwärts aufzukltt- ren und wichtige Meldungen zurückzubrmgmr. Sie vollbrachte damit eine fliegerisch und militärisch gleich hervorragende Leistung.
Schlacht- und Jagdstaffeln zerstreuten mit Maschi- nenaewehrfeuer, Bomben und Wurfminen am 16. und 17. Juli bei unserem eigenen Angriff heranmarschie- rende feindliche Kolonnen und brachten Battertenester auf Stundenlange zum Schweigen. Am 18., 20. und 22. Juli setzten sie in der neuen Abwehrschlacht eine Reihe von Tanks bei Villers-Cotterets und La Fere-Filon außer Gefecht, zerstreuten lange Infanteriekolonnen und bereitgestellte Kavalleriemassen. Die Schkachtflie-
Bürkners hätten sich doch nicht wohl gefühlt in dem Kreise geputzter, eleganter Menschen, von Hildebrandts über die Achsel angesehem Edith hatte recht gehabt, als sie ihnen das auseinandersetzte — trotz der Mutter heimlichem Wunsch, mit „dabei" zu sein!
„Wir müssen eilen," sagte Martha. Sie stand auf; die übrigen folgten ihrem Beispiel. „Wir müssen eilen; zehn Besuche wollen wir heute noch machen! Nochmals, es tut uns leid, daß Ihr nicht kommen wollt! Dafür besucht Ihr uns mal allein. Es ist schließlich auch gemütlicher, und man hat mehr voneinander, rvenn man nicht von so vielen Menschen umgeben ist! Aber, nun tomm, Schatz," wandte sie sich an ihren Verlobten.
Das Brautpaar verabschiedete sich: Herr und Frau Bürkner begleiteten es hinaus.
„Nun wäre das auch überstanden," sagte Thankmar.
„Ja." Edith legte dabei die Hand auf das Herz, und mit wehem Ausdruck starrte sie vor sich hin, so daß sie dem Bruder unendlich leid tat. Aber noch ehe er etwas sagen konnte, kam Frau Bürkner eilig wieder herein.
„Schnell, ich will sie noch einsteigen sehen! Das feine Kleid, das Martha wieder an hat — da kostet der Meter von dem Stoff gewiß fünf Mark! Als sie die Treppe 'runterging, sah ich, daß sie einen ganz hellen seidenen Unterrock mit lauter Spitzen an hatte — und Lackstiefel — p, und der feine Pelzkragen —"
Sie stand am Fenster und winkte hinunter.
„Grüße doch auch noch mal, Edith, das Brautpaar sieht 'rauf!"
Ediths feinfühlige Seele tat die Art und Weise der Mutter weh: sie konnte ihr doch aber darüber nichts sagen.
Auf die letzte Bemerkung der Mutter entgegnete sie gleichmütig: „Wozu? So viel Interesse flößt mir Martha nicht ein!"
„Na, wenn sie Dich nächstens gar nicht mehr beach
ger MöWMt sich aM M Angriff gegen feindlich Flugzeuge. Der Fliegerschütze Vizefeldwebel Ehumni schoß am 22. Juli seinen 9., 10. und 1L Gegner ab. Go waltig war die Tätigkeit unserer Bourbengeschwader die Nacht für Nacht, selbst bei Regen und -stürm, dic ihnen wohlbekannten militärischen Ziele hinter der feindlichen Front mit ihren verderbenbringenden Geschossen überschütteten. So wurden in der Nacht vom 18. zum 19. Juli 72 480 Kilogramm in der Nacht vom 21. zum 22. Juli rund 24 000 Kilogramm Bomben ab- geworfn- Mehrere Munitionszüge und das Muni- tionsla bei Les Grandes Loges wurden dabei vernichtet. In schneidigen Herunterstößen bis auf 10 Meter Höhe gelang es einem Flugzeuge, die Verbindung Chalons—Evernay durch Bombenabwurf nachhaltig zr unterbrechen.
Vom 15. bis 22. Juli verloren unsere Gegner insgesamt 239 Flugzeuge, 16 Fesselballone, außerdem 4 Flugzeuge durch den Heimatlustschutz, wir dagegen 45 Flugzeuge und 41 Fesselballone. Damit sind die höchsten Abschutzzahlen für eine Wochenfrist seit Kriegsbeginn erreicht. In innigem Zusammenwirken mit sämtlichen Erdwaffen haben die deutschen Luftstreitkräfte auch in diesen schweren Schlachttagen erneut bewiesen, daß in ihnen Voelckes und Richthosens Geist immer roach ist und daß sie die Kraft und den Willen besitzen, in der Luft gleiche Großtaten wie ihre Kameraden auf der Erde zu vollbringen.
Deutsche Aboote bei Massachusetts.
b«-! Berlin. 28. Juli. (Eig. Drahtn.) Die „Züricher Morgenzeitung" meldet aus 'dem Haag, daß mehrere deutsche Uboote vor der Küste von Massachusetts signalisiert wurden. Das amerikanische Marmedepartement erließ sofort alle notwendigen Befehle, damit keine Störungen in dem Abtransport der Truppen eintreten. Zahlreiche Torpedojäger streifen die ganze Küste ab, um sie nach Ubooten abzusuchen. Eine offiziöse Meldung besagt ferner, daß 4 Schiffe au der Küste versenkt worden seien. Der Schiffsverkehr mit Mexiko ist einer sehr scharfen Kontrolle unterstellt. Die Prämien für Auffindung von Uboote« wurden bis 1000 Dollar erhöht.
Aus Orleans in Massachusetts wird gemeldet: Der Kommandant der Marinestation meldet, daß ein Wasserflugzeug das Unterseeboot, welches in der Nähe des Kap Cod amerikanische Schiffe angegriffen hatte, mit Bomben beworfen habe. Das Uboot antwortete mit Geschützdonner, tauchte aber schließlich unter und verschwand. Bon den vier Schiffen wurden drei leere Schiffe versenkt, das vierte war mit Steinen beladen. Das Schleppboot wurde in Brand geschossen, trieb aber über Wasser. Im ganzen wurden drei Torpedos abgegeben. An Bord der vier Schiffe befanden sich 41 Personen. davon drei Frauen und fünf Kinder. Drei Männer wurden verwundet.
Ein deutsches Kriegsschiff in amerikanischen Gewässern.
In Norfolk (Virginia) sind laut „V. Z." Nachrichten über ein deutsches Kriegsschiff eingelaufen, das in den westindischen Gewässern großen Schaden in der Han- öeWchiffahrt verursacht. Das deutsche Schiff wurde zunächst östlich von Bermuda gesehen, wo es einen großen englischen Dampfer versenkte. Die amerikanischen Blätter drücken die Ansicht aus, daß man es mit dem Mutterschiff der Unterseeboote zu tun habe, die an der atlantischen Küste operieren.
Die Ziele der japanischen Jnterventton.
Genf, 29. Juli. Die französiscW^Klütter messen der A«n«chme°-ÄD Vor schlage
durch Japan und der Jnterventivir der Verbündeten in Sibirien große Bedeutung bei. Das Blatt des Außenministers Pichon, der „Petit Parisien", schreibt: Es handelt sich zunächst um eine gemeinsame Aktion der Regierungen von Washington und Tokio zur Unter- stiitzung der Tschecho-Sl'vwaken und deren Verteidigung gegen jeden Angriff. Kontingente sowie Verpflegunas- truppen und Sanitätsmissionen sollen nach Ostsibirien entsandt werden. Es soll für den Monat mcht eine kriegerische Expedition in Frage kommen, sondern man nimmt an, daß die gefaßten Beschlüsse die Befreiung Westrutzlands von Deutschland vorbereiten sollen.
Das japanische Geschwader vor Wladiwostok.
Nachrichten aus Wladiwostok zufolge setzt sich das im dortigen Hafen liegende japanische Geschwader aus drei Großkantpfschiffen und zwei Kreuzern zusammen.
Deutschland ist schuld am Schicksal des Zaren!
Der bekannte italienische Klerikale Marchese Fi- lippo Crispolti bringt es im „Momento" vom 11. Juli — also noch vor der tatsächlichen Ermordung des Zaren — fertig, Deutschland für das Schicksal der Zarenfaunlte verantwortlich zu machen: Wenn sich die Ermordung des Zaren, der Zarin und der Grotzfürsttn Tatjana be
tet, kann ich ihr das auch nicht verdenken! Sie ist immer so nett und Du bist dagegen richtig abstoßend. Sie hat Dir doch nichts getan!"
Frau Bürkner war ordentlich ärgerlich über ihre Tochter.
„Nein — gar nichts!" erwiderte Edith in so eigenem Tone, daß ihre Mutter sie betroffen ansah.
„Wir hätten Dienstag doch vielleicht hingehen können," meinte Frau Bürkner überlegend, „wir sind doch die nächsten Verwandten. Ich hätte mein Schwarzseidenes anziehen können und Du Dein Weißes — das ist noch ganz hübsch!"
„Lasse Dir die Absage nicht leid sein, Lina," sagte darauf Herr Bürkner. „Wir wollen uns bei Hildebrandts nicht nur geduldet sehen! Du weißt, bei denen tut das Aeutzere alles. Je mehr Geld man hat, desto angesehener ist man dort! Wie es hier aussieht" — er schlug auf seine Brust — „ist denen ganz gleich."
„Hast recht, Vater, elende Mammonsdiener sind sie dort in der Gesellschaft alle! Mir tut es nur leid, daß Waldow sich auch als solcher entpuppt hat! Schade, ich hielt ihn für einen anständigen Kerl," sagte Thankmar.
Erschreckt blickte ihn Edith an; aber beruhigend nickte er ihr zu.
Auf des Vaters verwunderte Frage, wie er das meine, antwortete er:
„Na, ich glaube doch nicht, daß er unsere holde Ktt- sine aus Liebe heiratet. Füllt ihm gar nicht ein! Die gMüenen Dukaten haben e^ ihm angetan! Na, meinetwegen, mich soll es nicht kümmern: wie man sich bettet, i so schläft man! Können wir nun bald essen? Ich hab ! Hunger. Was gibt's denn eigentlich?"
„Fleischklötzchen und Blumenkohl. Einen Augenblick ; mußt Du noch warten. Ich will erst die Brisoletten ' braten. Unterdessen könntest Du gleich den Tisch decken, j Thankmar," sagte Edith und eilte hinaus.
' Und der Bruder tat ihr den Gefallen. (F. M