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Herssetter Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei i Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. 2

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprecher Nr. 8.

Nr. 175

Sonntag, den 28. Juli

1918

Uns der Heimat.

* (Ablieferung militärischer Ausrüstungs- st ü ck e). In letzter Zeit mehren sich Sie Fälle, in denen dem Staate gehörige militärische Ausrüstungs­und Bekleidungsstücke im Besitze von Zivilpersonen aufgefunden worden sind. Heeresangehörige sind nicht berechtigt, über solche Gegenstände, mögen ihnen dieselben dienstlich anvertraut oder auf andere Weise in deren Besitz gelangt sein, zu verfügen, insbesondere sie umzuarbeiten oder verändern zu lassen, zu ver­schenken, verkaufen, verleihen, verpfänden oder über­haupt an Dritte zu überlassen. Zivilpersonen, die solche Sachen durch Kauf oder Schenkung oder sonst­wie erwerben, als Pfand nehmen oder verheimlichen, machen sich strafbar. Dies gilt auch von Angehörigen, bei denen Militärpersonen gelegentlich von Urlaub oder Besuch solche Sachen zurückgelassen haben. Sie werden daher gewarnt, nnd es ergeht an alle Zivil­personen, insbesondere auch an die Angehörigen von Militärpersonen, die fiskalische militärische Aus- rüstungs- oder Bekleidungsstücke im Besitz oder Ge­wahrsam haben, die Aufforderung, sie unverzüglich beim nächsten Bezirkskommando abzugeben.

* (Ein vernünftiger Mann) Zwei Kinder aus Fulda wurden in der Nähe von Schlitz dabei überrascht als sie bei einem Fabrikbesitzer Butter und Schinken entwendeten. Der Gestohlene faßte die Lage richtig auf und schenkte den Kindern zu dem Schinken und der Bptter noch ein Stück Brot.

* Ueber die fleischlosen Wochen ver­lautet neuerdings: Auf Anordnung des Kriegsernähr­ungsamts dürfen in den Wochen vom 19.25. August, 9.15. September, 80. September bis 6. Oktober, 21.27. Oktober Fleisch und Uleischwaren, die dem Markenzwang, unterUe^er^ J:pvie ^BreneOWetfe aus «morsnWichtigern Fleisch bestehen, nicht gewerbsmäßig an Verbraucher verabfolgt werden. Eine Ausnahme bildet die Sonderbelieferung der Kranken und zulageberechtigten Arbeiter einschließlich der Erntearbeiter mit Fleich und Wurst und die Abgabe durch die Selbstversorger an die in § 12 Abs. 2 der Reichsfleischordnung genannten Personen. Fleisch­marken, die auf eine der genannten Wochen lauten, dürfen überhaupt nicht insbesondere auch nicht in der der aufgeöruckten Gültigkeitsdauer folgenden Woche mitmarkenpflichtigemFleisch beliefert werden. Fleischer, die kleine Restbestände an Fleisch oder Wurst beim Beginn der fleischlosen Wochen übrig behalten und geeignete Aufbewahrungsräume nicht zur Verfügung haben, dürfen diese Bestände, wenn die Rückgabe des Fleisches an den Schlachtbezirk untunlich erscheint, mit Genehmigung des Kommunalverbandes oder der« von diesem bezeichneten Stelle gegen Fleischmarken, die in der nächstfolgenden Woche zum Bezüge der sichergestelltenFleischmenge berechtigen, an ihreKnnden, jedoch nicht an Gastwirtschaften abgeben. Wer diesen Bestimmungen zuwider Fleisch oder Fleischwareu ab- gibt oder bezieht, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 10 000 Mk. oder mit einer dieser Strafen bestraft.

* (Buchweizen als Nahrungsmittel) Buchweizen ist für den Kommunalverband beschlag­nahmt und ablieferungspflichtig. Manche Beobacht­ungen lassen jedoch die Vermutung zu, daß es mit der Ablieferung der Buchweizenernte bislang nicht sehr genau genommen ist. Buchweizen-Grütze und -Mehl waren von jeher in den Gegenden des Buch­weizenanbaues ein beliebtes Nahrungsmittel,- jetzt im Kriege sind sie es allgemein geworden. In diesem Jahre steht nun der Buchweizen in bester Entwicklung, und man darf eine gute Ernte erwarten. Dazu kommt, daß der Buchweizenanbau aus verschiedenen Gründen in den letzten Jahren offenbar an Aus­dehnung gewonnen hat: er stellt die einfachste und am welligsten Arbeit machende Nutzung von Mohr- nnd Heideboden dar; auch hatte die Saatgutbeschaffung nur unter verhältnismäßig geringen Schwierigkeiten zu leiden Gründe, welche die Beliebthelt des Buch­weizens als Anbaufrucht erklärlich erscheinen lassen. Es wäre daher wünschenswert,, daß er in höheren: Grade als bislang zur Entlastung der Getreideernte und zur Versorgung mit Nährmitteln herangezogen würde.

*Die Bekleidungsversorgung kriegs- gefangener und internierter deutscher Offiziere erfolgt durch den Ersatztruppenteil. Alle Gesuche kriegs- gefangener und internierter Offiziere oder durch deren Angehörigen übermittelte Gesuche sind an den Ersatz­truppenteil des Offiziers zur Weitergabe an das stellv. Generalkommando zu richten. Gesuche von den in französischen und englischen Lagern befindliche::, ursprünglich als Zivilgefangene eingebrachten Offiziere z. D. und a. D., die in einem Offizierlager unterge­bracht sind und Uniform tragen müssen, sind an das stellv. Generalkommando, dem sie zuletzt unterstellt waren, oder in dessen Bereich sie zuletzt gewohnt haben, einzureichen. Weitere Auskunft über den Versand usw. der Bekleidungsstücke erteilen die Ersatztruppen­teile.

-x- Hersfeld, 26. Juli. D ie sog. Hunds tage haben gestern begonnen,- sie innern bis zum 24. Au­gust und werden nach dem Sirus oder Hundsgestirn benannt, das in dieser Zeit früh aufgeht. Mit dem Sirius suchten sich die Alten dadurch gut zu stellen, daß sie ihm Hunde opferten. Der Einfluß des Hunds­sternes auf die Witterung ist im Altertume so bekannt gewesen, wie er Heute noch durch Bauernregeln be­gründet wird.Treten die Hundstage gut ein, so wird vier Wochen gutes, treten sie schlecht ein, fo wird vier Wochen schlechtes Wetter sein" heißt es. Im sächsischen Erzgebirge wird dagegen behauptet: Treten die Hunstage gut an, so treten sie schlecht aus." . Ein anderer Spruch sagt:Hundstage hell und klar, zeigen an ein gutes Jahr". Man sieht, such hier, verleugnen die Bauernregeln ihren orakelhaften Charakter nicht.

§ Hersfeld, 26. Juli. Von den Arbeitskommandos zu Heringen und Friedewald sind nachstehend be­zeichnete Kriegsgefangene entwichen: Balezean, Gaston, 44/3 lang schmächtig, schmales Gesicht, dunkle Gesichtsfarbe, schwarzes Haar, trägt Gefangenen- kleidung. Mousard, George, 8. Komp, 42/19. Coroisier, Ernest, 7. Komp. 49/19. Quvint, Leon, 8. Komp. 55/10. Sack, Jsaak, 2. Komp. 4/8 mittelgroß. Haare schwarz, dunkelblonden Schnurrbart, jüdisches Aussehen, schwarze Mütze, schwarze Joppe, Gefangenenabzeichen.

Vebra, 26. Juli. Der 67jährige Nachtwächter Rübestahl aus dem benachbarten Dorfe Lispenhausen stürzte bet feinem nächtlichen Dienstgang in den Dorf­bach und ertrank.

Schwarzerrhasel, 24. Juli. Am Freitag den 19. Juli mittags zwischen 11 und 12 Uhr erreignete sich hier ein bedauerlicher Unglücksfall. Die 3jährige Tochter des im Felde stehenden Landwirts Georg Marth aus M^^^^M^WWMW lösten sich aus der ein hohen Gartenmauer zwei Steine und fielen auf das Kind, sodaß der Tod auf der Stelle eintrat.

Eisenach, 26. Juli. Zur selben Zeit, da hier Professor Rudolf Flex starb, kam aus Riga folgender Bericht über die Ehrung seines Sohnes Walter: Das Gymnasium in Arensburg auf Oesel veranstaltete zu Ehren des auf der Insel Moon bei der Eroberung Oesels gefallenen Thüringer Dichterhelden Walter Flex eine schöne Gedächtnisfeier. Der Direktor der Anstalt zeichnete ein Lebensbild des Dichters, indem er auf dessen edlen Idealismus und sittlichen Ernst, sowie auf seine heiße Heimatliebe und sein eisernes Pflichtgefühl hinwies. Um die Zuhörer mit dem Schaffen des Dichters bekannt zu machen trugen Schüler und Schülerinnen Gedichte von Flex vor. Bekanntlich siel Flex durch eine feindliche Kugel, als er eine russische Abteilung zur Uebergabe auff»rderte.

Weimar, 26. Juli. Schreibt da treulich der Bürger­meister von K. an den in G.:Lieber Kollege! Ich teile Dir mit, daß die Jungmannen aus G. einen überraschenden Vorstoß gegen K. machten. Das Ziel ihres Stoßes war der Garten der Frau S. am Ein­gang unseres Dorfes; sie überrannten im ersten An­lauf das Drahthindernis und setzten sich in den Erdbeerbeeten fest. Ein sofort von Frau S. unter­nommener Gegenstoß warf den Feind aus dem besetzten Garten, wobei Frau S. einen Gefangenen machte. Derselbe sagte aus, daß die schwache Stelle im Draht­verhau des Gartens durch einen Neberläufer aus K. verraten worden sei. Verluste an Material sind unsererseits nicht zu beklagen. Sage Deinen Juug- msnnen, wenn sie wieder vorgingen, würde ein Trommelfeuer sie derart eindecken, daß sie 14 Tage nicht sitzen könnten. Mit herzlichem Gruße Dein W." Daß die Jungmannen von G. einmal den süßen Erdbeeren nicht widerstehen konnten, ist sicherlich in der JnngmannenbewegunK, welche die Jugend in jeder Hinsicht zur Disziplin anhält, ein ganz ver­einzelter Fall. Wir teilen das Schreiben des Herrn Bürgersmeisters auch nur seiner launigen Form wegen mit.

Bad Orb, 25. Juli. Ein frecher Ueberfall wurde am vergangenen Sonntag nachmittag unweit der Kinzigbrücke bei Wächtersbach verübt. Die in Wächters­bach wohnhafte Frau Hammer befand sich auf dem Wege nach Aufenau, um ihre dort wohnenden Schwester zu besuchen. Als sie an der Straßenkurve unweit der Brücke zwischen Wächtersbach und Aufenau ange- langt war, versperrte ihr ein männliches Individuum mit gezogenem Revolver den Weg und nötigte sie zum Ausziehen der Stiefel und Ablegen der Handtasche was die geänstigte Frau auch tat, worauf der Strolch mit seinem Raub» im nahen Walde verschwand.

Marburg a. L., 24. Juli. Den Landwirten Mwe. Karoline Nau, Johs. Nau, und Joseph Nau in Schröck wurde wegen ungenügender Milch- und Butterabliefe- rurig das Selbstversorgungsrecht entzogen. Schleuder und Butterfaß wurden beschlagnahmt.

Marburg, 24. Juli. Von drei beim Heere befind­lichen Söhnen des im vorigen Jahre verstorbenen be­

rühmten Bakteriologen Wirkl. Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Emil von Behring, hat einer, der Fähnrich Bern­hard v. Behring, bei den Kämpfen im Westen den Heldentod gefunden.

Fulda, 24. Juli. Während der Gendarmerie-Wacht­meister von Hainzell mit Familie zur Beerdigung war, wurden in der Wohnung allerlei Beschädigungen angerichtet. Sofort wurde der PolizeihundEddy" aus Schlächtern herbeigeholt. Dieser verfolgte die Spur der Täter ins Wohnhaus der Ehefrau H., wo festgestellt wurde, daß deren ledige Schwester die Schuldige ist.

An die heimgekehrten Kriegsteilnehmer.

In mehr als vierzigjähriger Friedenstätigkeit haben die Kriegervereine Deutschlands ihre segens­reichen Wohlfahrtseinrichtungen ausgebaut. Groß sind die Unterstützungssummen, die alljährlich aus den Verbands- und Vereinskassen an bedürftige Kameraden und Kameraöenwitwen gezahlt werden. Es waren im letzten Jahre vor dem Kriege mehr als 6 Millionen Mark. In fünf dem deutschen Krieger- bunde gehörigen Waisenhäusern, 3 evangelische und 2 katholischen, finden die Kinder verstorbener Mit­glieder Ausnahme. Besondere Mittel für allgemeine Notstände, die durch Naturereignisse »der Unglückt- falle ganze Ortschaften betreffen, find vorhanden. Sterbe- und Versicherungskassen sind angegliedert. Ueber den Rahmen ihrer Mitglieder hinaus sind die Kriegervereine eifrig bestrebt, durch innige Zusammen­arbeit mit großen Fürsorgeeinrichtungen im Dienste der Allgemeinheit zu wirken. Eine Nationalstiftung will für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen sorgen. Der Reichsausschuß der Kriegsbeschädigten- fürforge und der von den Krieaervereinen ins Leben L|Hj|^^MM^|M^ta|^ »er ;nemw= mckrrne-StiftuM sind dem Reichsverbanö zur Unter­stützung deutscher Veteranen Einrichtungen, die zum Segen aller Kriegsteilnehmer und ihrer Familien zu wirken berufen sind.

Alle Wirtschafts- und Wohlfahrtseinrichtungen stehen dem Heimkehrenden zur Verfügung und können nach Bedarf erweitert und ausstebaut werden. Wie bisher schon im Frieden die Pflege werktätiger Ka­meradschaft eine der schönsten Aufgaben der Krieger­vereine war, so wird es besonders nach diesem furcht­baren Kriege eine ihrer vornehmsten Bestimmungen sein, vor allem die kriegsbeschädigten Kriegsteilnehmer durch Rat und Tat in jeder Hinsicht zu unterstützen und ihnen nach Kräften bei ihrer wirtschaftlichen Sicherstellung behilflich zu sein.

So wenden wir uns dann an alle Kriegsteilnehmer ohne Unterschied der politischen Parteistellung und des religiösen Bekenntnisses, ohne Unterschied de« Standes und der Berufszugehörigkeit, ohne Unter­schied der Zugehörigkeit zu Arbeitgebervereinigungen, zu Gewerkschaften oder anderen Arbeitervereinigungen und laden sie kameradschaftlichst ein, in unsere Reihen einzutreten.

In den schweren Jahren dieses blutigen Krieges hat unser V»lk erfahren, daß nur Einigkeit stark macht.

Möchten sich die heimkehrenden Feldgrauen, die in Sturm und Wetter, in Nor und Tod mit kamerad­schaftlicher Treue Schulter an Schulter gesümpft und geblutet, gedarbt und gelitten haben, deshalb auch im Frieden in Einigkeit zusammenscharen. geeint durch die unauslöschlichen Erinnerungen an die erhebenden und furchtbaren Eindrücke, an die gemeinsamen Leiden und Entbehrungen dieses großen Völkerringens, um den Geist vaterländischer Gesinnung zu pflegen und auf kommende Geschlechter zu übertragen und um in treuer kameradschaftlicher Liebestätigkeit die Wunden vernarben und heilen zu helfen, die dieser Krieg geschlagen hat.

In diesem Sinne herzlich willkommen in unseren Reihen.

Cassel, im Mai 1918.

Mit kameradschaftlichem Gruß!

Der Vorstand des Kurhessichen Kriegerbundes: Beruht, Generalleutnant z. D. Ehrenvorsitzender.

Studienrat Dr. F e » n e l, Major d. L., Vorsitzender.

Für die Ludendorff-Zpende

gingen bei dem Bankhaus L. Pfeiffer ferner ein:

von Herrn I. H. Otto, Hersfeld Mk. 100.

Ph. Volkmar, Herfeld 25. Chsrverein Hersfeld, 406.68 N. N. 10.- den Schülern des Gymnasiums 565.30 der Schule in Eitra und Sieglos 30.50 Herrn Großenbach, Niederaula 5. Straßensammlung vom Lyzem und der Bürgerschule 1.397.60 / Mk. 2.540.0« bisher eingegangen 45.b24.42

Mk. 47.864.50