[ Aus dem großen Hauptquartier.
136* Großes Hauptqnartier, 12. Juni 1918. (Amtlich. WTB.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz kuppreekl.
Artillerickampf wechselnder Stärke. Die J«fa«terie- iätigkeit blieb a«f Erkundungsgefechte beschrankt.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz
In schweren Kämpfen hat die Armee des Generals von Hntier gestern den erwarteten znr Wiedereinnahme des Höbenblocks südwestlich von Noyon geführte« groben Gegenangriff mehrerer französischer Divisionen zn m Scheitern gebracht. Unter schwersten Ver- lnsten wurde der Feind auf seiner ganzen Angriffsfront von Le Ployron bis Anthenil znrückgeworfe«. Seine in großer Zahl in Einsatz gebrachten Panzerwagen liegen zerschosien auf dem Kampffelde. Zwischen Mery Belloy, wo der feindliche Ansturm an unserem Gegen» stob zerschellte, dauerte» erbitterte Kämpfe bis znr Dunkelheit an. Das westliche Oiseufer nördlich der Matz- «rüuönng wnrde vom Feinde gesäubert. Die Zahl der von der Armee eingebrachten Gefangenen hat sich anf mähr als 13 000 erhöht.
Der Verlust der Höhe« südwestlich von Noyon zwang den Feind znr Räumung seiner Stellungen tm Carlepout-Walde auf dem Ostufer der Oise. Dem weichenden Feind stießen wir über Carlepont «nd CaisneS scharf nach und erreichten kämpfend die Linie nördlich von Bailln — Traey Le Val — westlich Mampcel. _
Tatkräftig und keine Opfer scheuend, setzte der Feind seine vergeblichen Angriffe nordwestlich von Chatean, Thierry fort. Mehrfacher Ansturm brach hier blutig zusammen.
Der Erste Generalgnartiermeister: Lndendorff.
Der deutsche Abenddertcht.
Berlin, 12. Juni. (Amtlich. WTB.) Oertliche Kämpfe auf dem Schlachtfeld südwestlich von Noyon »nd südlich der Aisne.
Zwischen Movididier und Hegen.
Wütender französischer Ansturm mit ungeheuerlichen Verlusten.
Berli«, 12. Jmri. (WTB.) An der neuen Kampffront zwischen Montdidier und Noyon haben die Franzosen am 11. Juni eine schwere blutige Niederlage erlitten. Sich der Wichtigkeit des verlorenen Höhengelän- des voll bewußt, setzten sie stärkste Kräfte ein, um den Deutschen die errungene» großen Vorteile wieder zu entreißen. Mit mehreren Divisionen in dichten Masse« griff der Feind an. Um 11 Uhr 30 Min. vormittags begannen die Gegenangriffe gegen unsere Linie von le Proyron bis Antheuil. Der Hauptstoß deS Feindes richtete sich gegen unsere Stellungen von Courcelles bis Mery. Hier massierte er seine Angriffstruppe« ««d unterstützte sie durch zahlreiche Tanks und Schlacht- geschwader. Bei Courcelles jagte er allein über 30 Tanks vor., Bei Mery ließ er gegen 80 Tankwagen gegen unsere Gräben anrollen. Der deutschen Artillerie boten diese unförmlichen Wagen lohnende Ziele. Die Hälfte der französischen Tanks liegt zerstört auf dem Schlachtfeld. Der mit rücksichtsloser Energie geführte Angriff brach unter ganz außerordentlich schweren Verlusten zusammen.
x An der Hau« taugrisss stelle Courcelles-Mery traf den Feind mit voller WucktWv^Wk* M*rwffnrr
Am Nachmittag um 5 Uhr setzte er zwischen Belloy und Anthenil z« neuem Angriff rin. Hier machte er die wütendsten Versuche, unsere Linien zn durchbrechen. Sie blieben erfolglos und scheiterten unter schwersten blutigen Verlusten. Weiter östlich brach ebenfalls der Angriff eines französischen Regiments gegen die Stellungen bei Chevicourt verlustreich in sich zusammen.
Trotz der beretts «ngehenerlichen Ver- lnste gab der Feind auch jetzt noch nicht feine Hoffnung aus, einen entscheidenden Erfolg z« erringen. Abends 7 Uhr wiederholte er, abermals unter Einsatz zahlreicher Tanks, seine Angriffe in Gegend La Ployon und südöstlich Mery. Sie endeten wiederum mit der blutigen Ergebnislosigkeit der morgendlichen Anstürme. Dasselbe Schicksal errang ein um Mitternacht längs der Straße Villersur-Coudun-Vendelicourt angesetzter Vorstoß. Weiter östlich bis zur Oise erstickten heftige, aus Thourotte heraus geführte Gegenangriffe in französischem Blut. Die feindlichen rückwärtigen Verbind««- Ren, aus denen der Franzose immer wieder neue Reserven heranführte, lagen unter unserm wirksamen schweren Feuer.
Von morgens bis in die tiefe Nacht hinein hielten die Kämpfe an. Völlig ««tzlos hat der Franzose auf der ganzen Front seine Massen geopfert.
Der Bitter Erbe.
Roman von Otto Elster.
611 lNachdruck verboten.)
„Nun, Herr Vöhmer, ich sah Sie nach der Stadt faßten, ich sah Sie zurückkommen und bemerkte, wie Sie taumelten, da Sie ein bißchen zu viel getrunken hatten — und da dachte ich wir, Du mußt aufpassen, daß teilt Unglück geschieht — hatte mir doch der Herr Notar befohlen, auf alles, was hier geschieht, genau Obacht zu geben. .
„Was hat Dir der Notar zu lefehlen? — Du hast wohl gar spioniert, Du alter Schuft."
„Nein, das nicht, aber ich habe vor Zeugen meine Aussagen machen müssen. Herr Vöhmer, ich bin ein alter Mann und habe viel erfahren. Sie könnten von mir einen gutm Rat annehmen."
„Geht zum Henker! Was Mmmert Euch meine Sache?"
„So viel, daß ich Ihnen und den jungen Leuten da über uns, die doch Ihre .Kinder sind, helfen möchte."
„Ihr, mir helfen____?"
"Ja — das heißt, an Sex Sache selbst ist nichts mehr m ändern. Sie müssen sich eben in das Unvermeidliche fügen." 1
„Ihr wißt ---?"
„Alles, alles weiß ich. Der Herr Notar und der Herr Sanitätrats haben mir alles gesagt. Und wie ich Sie deute nacht zurückkommen sah, da wußte ich, daß alles vorüber war, und daß Sie nun Rudow verlassen Müssen."
„Und Ihr habt natürlich Eure Freude daran, was?" lachte Böhmer ingrimmig.
„Das ist Nebensache, es handelt sich jetzt um wich- iigeres. Ihnen helfen wollte tch. Ich hatte manchmal meine Gedanken über Sie, so habe ich doch ge- ehen, daß Sie ein tüchtiger Landwirt sind, und ich freute «ich darüber, daß das. Gut, aus deyTich aebMM bivi. E.
Bsm österr.-«Mar. Generagtab. ]
v-p. Wie«, 12. Juni. (WTB.) Amtlich wird ver- lautbart:
An -er Gebirgs- und Piavefront anhaltende Ar- tilleriekämpfe. Im Abschnitt des Stilfserjoches, westlich Astago ««- am Monte Asolone umr-e« feindliche Vorstöße abgewiesen.
In Albanien, im Raume bei Siuopremte, nordwestlich Korea, dauern die Kämpfe mit den angreifende« Franzose« an. _
Der Chef des Generalstabes.
Oesterreichisches Linienschiff torpediert.
Vom österreichisch-nngarischen Flottenkommando wird mitgeteilt, daß das österreichisch-ungarische Linienschiff „Szent Jstvan" bei einer Nachtfahrt in der Adria torpediert wurde und gesunken ist. Es werden Linien- schiffslentnant Max Rövid, Maschinenbetriebsleiter Sar- mtz, Seekadett Anton Müller und etwa 80 Matrosen vermißt. Seeaspirant Joseph v. Serda ist tot. Der Rest der Besatzung wurde gerettet.
Der Untergang dieses Schiffes ist ein empfindlicher Verlust für die österreichifch-unaarische Marine. »Szent Jstvan" war ein modernes Linienschiff von 21870 Tonnen, das erst im Jahre 1914 vom Stapel gelaufen war.
6566 qkm und 208 000 Gefangene.
Berlin, 12. Juni. (WTB.) Der Geländegewinn der Deutschen seit dem 21. März beträgt 6566 Quadratkilometer. In dieser Zahl ist der Geländegewinn des Angriffes zwischen Montdidier und Noyon nicht einbegriffen.
Die Entente konnte dagegen bei all ihren Grotz- schlachte« an der Somme, bei Arras nnd in Flandern lediglich 561 Quadratkilometer in vielmonatigen Kämpfen erobern. Die Gefangenenzahl seit dem 21. März ist seit den letzten Erfolgen an der Matz anf 208 000 gestiegen.
Die Franzosen geben unsere Erfolge zu.
»-^ Basel, 12. Juni. (T. U.) Die Pariser Blätter geben zu, daß die von den Deutschen in den letzten zwei Tagen errungenen Erfolge nicht abzuleugnen seien.
Fliegerangriff auf Paris.
Aus Basel wird gemeldet: In der Nacht auf Mittwoch ist von neuem ein Fliegerangriff auf Paris erfolgt. Nähere Nachrichten liegen noch nicht vor. Infolge des Fliegerangriffs sind die telegraphischen Verbindungen unterbrochen.
Verlegung wichtiger Pariser Kriegsindustrie.
>s^ Genf, 12. Juni. (Eig. Drahtn.) Hervee gibt in seinem Blatte zu, daß die Regierung die Verlegung der wichtigen Pariser Kriegsindustrie in die Provinz an« ordnet.
Forderung nach bombensicheren Unterstände«.
üh^ Rotterdam, 12. Juni. (Eig. Drahtn.) Aus Paris wird gemeldet: Eine Anzahl Mitglieder des Pariser Ministerrats fordert die Errichtung von bombensicheren Zufluchtsstätten im Weichbilöe von Paris.
Das „Herz der Zivilisation" bedroht.
Pariser Meldungen besagen, daß in den letzten Ta« aen neue, sehr verstärk M^WWM^M^BerkeMgung
' verschanzten Lagers um Paris durchgeführt worden 1 seien. Die Heeresleitung sei entschlossen, die Haupt- i staöt mit allen Mitteln und um jeden Preis zu vertei- ! digen. Für Stimmung in der Pariser Bevölkerung ist ! der Aufruf bezeichnend, den die Liga für Menschenrechte erläßt, um zur Ruhe und ErfMung der Wehrpflicht zu mahnen. Die ernstete Stunde des Krieges habe geschlagen! Paris, das Herz der Entente und Zivilisation, sei bedroht.
Amerikaner z«r Verteidigung von Paris.
Daily Mail meldet aus Paris: Die VerteidigungS- mittel der Hauptstadt Paris wurden in den letzten Ta- S bedeutend vermehrt und einheitlich gestaltet. Ame- mische Truppen sind in großer Anzahl zur Verteidigung der Hauptstadt in Paris eingerückt.
Der mutige Clemenceau.
Clemenceau soll, laut schweizerischer Meldung, gesagt haben, es sei den Franzosen gelungen, Amiens und Verdun zu halten, es werde ihnen auch gelingen, die Champagne zu verteidigen und damit Paris zu halten. Solange nicht Berdnn, Amiens und die Champagne- linie gefallen seien, bestehe keine Gefahr für Paris. Die französische Regierung sei zum äußersten Widerstände entschlossen und er werde alles aufbieten, um eine Ue- Sersiedlung der Regierung nach Bordeaux zu verhindern. Die Regierung gehöre «ach Paris, und er selbst
wo ich auch zu sterben hoffe, so schön vorwärts kam. Daß Sie dabei gegen die Interessen der Herrschaft in Ihre eigene Tasche wirtschafteteten, das konnte ich freilich nicht gutheitzen."
„Ihr seid unverschämt, Alter!"
„Es ist nur die Wahrheit, Herr Böhmer! Andere Leute haben es Ihnen ja nun deutlicher gesagt, als ich es kann. Na, und nun soll über alles der Mantel der Liebe gedeckt werden, und das ist ja auch gut so. Aber Sie selbst, Herr Böhmer, dürfen das Spiel nicht verderben, indem Sie im Zorn fortgehen, oder gar durch den Revolver ein Ende machen wollen. Denken Sie an Ihre Tochter, die soeben von einer schweren Krankheit genesen ist. Denken Sie an Ihren Enkelsohn, der einstmals der Herr von Rudow werden soll. Ich weiß wohl, damals hat Ihnen der junge Herr Edgar schweres Leid zugefügt, als er mit Ihrer Tochter bei Nacht und Nebel verschwand: aber er hat es ja wieder gut gemacht, und der Herr ton Himmel hat alles zum besten gefügt. Gegen den Willen des lieben Herrgotts können Sie nichts ausrichten, Herr Böhmer, wenn Sie sich auch noch so sehr sträben. Da nützt nichts, als sich in Demut beugen."
Böhmer schritt schwer atmend auf und ab, zuweilen nachdenkliche Blicke auf den alten Mann werfend, der in seinem lang herabwallenden weißen Haar und mit seinem ernsten, faltenreichen Gesicht wie ein Prophet des alten Testaments dastand, ruhig und sicher, schlicht und einfach, ernst und doch mild.
„Denken Sie daran, Herr Vöhmer," fuhr der alte Mann fort, „daß der Väter Schuld heimgesmht werden soll an den Kindern bis ins dritte und vierte Geschlecht, daß aber der Mutter Segen den Kindern Heil und Glück bringt. Der Segen der Mutter, unserer lieben verstorbenen gnädigen Frau ruht sichtlich auf den Kindern,- er hat Fräulein Elfrtede durch all die Jahre geleitet, er hat Herrn Edgar als einen gebesserten Menschen Ö&MtWt Sorgen Sie nun dafür, Herr Böümer, daß
werde solange in PariS bleiben, als noch ein HM stehe. um den tapferen Soldaten Trost und Mut zum sprechen.
Die Kammersitzung mit dem „Vertrauensvotum".
Clemenceau gab, wie schweizerische Blätter melden in der letzten Kammersitzung, die eine der trubelvollstet in Frankreichs parlamentarischer Geschichte gewesep sein soll, zu, daß die Verluste der Engländer unglaublich hoch seien. Das Vertrauensvotum wurde ihm nm deshalb gegeben, weil das. Parlament niemanden zm Verfügung habe, der die Lertung der Geschäfte überneh« men würde.
Von der mazedonischen Front.
Die Bulgaren melden vom 10. Juni: Westlich von Ochridasee beschoß unsere Artillerie feindliche Vereib stellungen. Im oberen Skumbitale und östlich bei! Ochridasees wurden französische Erkundungsabteilungen die sich unseren Vorposten zu nähern versuchten, öura Feuer vertrieben. Nördlich von Bitolia und im Cerua- bogen unternahm der Feind mehrere Feuerangriffe. Jr der Nähe des Dobropolje drang einer unserer Angriffstrupps in die feindliche Stellung ein, wo er eine Feldwache vernichtete. Er kehrte mit verschiedenem Kriegsmaterial zurtick. An zahlreichen Stellen der Moglena- gegen- und besonders südlich des Dorfes Huma wat das Artilleriefeuer auf beiden Seiten heftiger. Im Wardartale auf beiden Seiten heftige Lufttätigkeit.
Die polnische Regierung an den Verband.
Aus Warschan wird berichtet: Laut amtlicher Meldung der Havasagentur vom 3. Juni dieses JahreZ wurde in der Zusammenkunft der Ministerprästoentep Frankreichs, Grotzvritannieits «nd Italiens folgende! Beschluß gefaßt:
„Die Bildung eines einheitlichen vereinigten unabhängigen polnischen Staates mit freiem Zutritt zum Meere wird eine der Bedingungen eines dauerhaften und gerechten Friedens und der Herrschaft des Rechts in Europa bilden."
Ohne anf eine Würdigung des Beschlusses an sich einzugehen, kann die polnische Regierung den Zeitpunkt sowie die Umstände seiner Entstehung nicht außer acht lassen. Allzu schnrerzlich gemahnt er uns an den Augenblick, als, nachdem die russischen Truppen daS Königreich Polen verlassen hatten, sich die zarftche Regierung entschloß, an die Verwirklichung einiger jener Rechte heranzutreten, die wir ein Jahrhundert lang umsonst gefordert hatten. Der Zeitpunkt der Beschlußfas. sung, nicht der Inhalt, verleiht ihr den eigentlichen Eba. rakter. Die polnische Regierung weiß sich eins mit der ganzen Nation in ihrem Streben nach Schaffung eines unabhängigen, mit den grundlegenden Bedingungen einer politisch, kulturell uwd wirtschaftlichen Entwiwck- lung ausgestatteten Staatswesens und wird sich durch die Versailler Resolution hierin nicht aus dem Gleichgewicht brinae» lassen. Aller Hindernisse und Schwierigkeiten ungeachtet, wird sie die Verwirklichung der grundsätzlichen Bedürfnisse der Nation unentwegt anstreben, wenn dies im Zusammenwirken mit den benachbarten Zentralmächten die Lösung der historischen Aufgaben ermöglicht, die ihrer im Osten Europas harren. Dies erfordert eine nüchterne Beurteilung unserer eigenen Interessen, die allein für uns maßgebend sind
Graf Burians Vorbesprechung in Berlin.
Berlin, 12. Juni. (Amtlich. WTB.) Der Kaiserliche und ^UiftlM|fiijBit®äiiÄÄ^en^
war, ist gestern abend wieder nach Wien abaereist. Graf Burian, -er in erster Linie dem Reichskanzler seinen Antrittsbesuch als Minister -es Aeutzern machen sollte, hatte während seines Berliner Aufenthalts Gelegenheit, mit den leitenden Staatsmännern Deutschlands eingehende Besprechungen zn pflegen. Diese Besprechungen umfaßte,! alle derzeit im Vordergründe stehenden Probleme, die einer gründlichen Beratung unterzogen wurden. Der Geist wechselseitigen Entgegenkommens und freundschafüichen Vertrauens, -er den Verhandlungen das Gepräge gab, berechtigt zn -er Erwartung» daß in den vereinbarungsgemäß in allernächster Zeit aufzunehmenden weiteren Verhandlungen die zur Beratung stehenden Fragen eine weitere Klärung erfahre« nnd binnen kurzem eine endgiltige, alle Beteiligte« befriedigende Lösung finde« werde«.
Aentzernugen Vurians.
ös*1 Berlin, 12. Juni. (T. It.) Unmittelbar vor seiner Rückreise nach Wien empfrna der österreichisch- ungarische Minister des^Aeußern, Graf Burian, einen Mitarbeiter der Vossischen Zeitung. Er sagte u. a.: Bei der Kürze der Frist, die nur zur Verfügung stand, konnten natürlich nicht alle Gegenstände der Beratung erschöpft werden. Die Einzelverhanblungen werden von den Fachmännern des Deutschen Reiches und der österreichisch-ungarischen Monarchie demnächst in Angriff genommen werden. Es ist aber heute schon mit Sicherheit festgestellt worden, daß der Gedanke der Vertiefung
des Vaters Fluch diesem Segen der Mutter nicht entgegen wirkt und ihn zerstört. Der Väter Schuld soll heimgesucht werden an den Kindern bis ins dritte und viertt Glied---' sühnen Sie diese Schuld, Herr Böhme» um Ihrer Kinder und Kindeskinder willen."
Der alte Mann hatte mit erhobener Stimme gespro- chen und zeigte mit der knochigen, arbeitsharten HanS mahnend gen Himmel.
Böhmer sah ihn erstaunt, ergriffen an. '
„Wie soll ich das anfangen?" murmelte er dumpf „Es ist ja doch schon alles beschlossen und besiegelt."
„Allerdings," sprach der alte Mann ernst, „soweii Menschenmacht und Menschenwille reicht. Aber über das Herz haben die Menschen keine Gewalt. Wenn ich an Ihrer Stelle wäre, so riefe ich jetzt in dieser Stunde der Mitternacht, da Sie keinem Menschen, nur Gott ge- geuüberstehen — dann riefe ich Herrn Edgar und sagte ihm: Nimm hin alles, was wem ist Ich will wieder gut machen, was ich an Deiner Mutter, Deinem Vater, an Dir selbst gesündigt habe. — Nimm hin, was Dir gehört, und fei mein Sohn.. .
Aufstöhnend schlug Böhmer die Hände vor daS Gesicht.
„Ich habe gesündigt vor Gott und den Menschen würde ich sagen," fuhr der Alte mit erhobener Stimm« fort, „und ich will meine Schltld silhnen und in Frieden von bannen gehen. Du aber sorge für mein Kind, fei ihr ein treuer Lebensgefährte, und wenn Ihr glücklich seid, dann urteilt milde über dte ^chuld Eures Vaters der fern von Euch sie sühnen will.
Ein herzzerreißendes Schluchzen drang aus Böh- mers Brnst. Er kämpfte einen furchtbaren Kampf mit seinen bösen Leidenschaften. Aber die Reue, die Sehn- sucht nach Ruhe, nach Frieden stiegen allgernach immer stärker in seinem Herzen empor und verdrängten den Zorn, den Haß, die falsche Scham und den Trotz.
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