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Sersselder Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

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: Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- ; : zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdrucker« | ; Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. |

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

g Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im : amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprecher Nr. 8.

Nr. 128

Dienstag, den 4. Juni

1918

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 28. Mai 1918.

In weiten Kreisen der Bevölkerung, insbesondere auf dem Lande ist die Herstellung von Seife für den eignen Gebrauch noch immer in Uebung. Die Her­stellung von Seife aus pflanzlichen und tierischen Oelen und Fetten ist durch die Bekanntmachung über das Verbot der Verwendung von pflanzlichen, tierischen Oelen und Fetten für technische Zwecke vom 6. Januar 1916 (R. G. B1. S. 3) in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. Juli 1916 (R. G. Bl. S. 765) mit Strafe bedroht. Die Verbote beziehen sich nicht nur auf gewerbliche 'Herstellung, sondern auch auf jede Her­stellung überhaupt. Ferner ist durch die Bekannt- machnng über die Errichtung einer Herstellungs- und Bertriebsgesellschaft in der Seifenindustrie vom 9. Juni 1917 (R. G. Bl. S. 485) allen nicht der genannten Gesellschaft angehörenden Personen die Herstellung fetthaltiger Waschmittel bei Strafe verboten. Endlich ist nach -er Polizeiverordnung vom 10 August 1917 (H- M. Bl. S. 247) die Abgabe von amhydroryd (Aetzkali) und Natriumhydroxyd (Aetzr'^ ron, Seifen- stein) nur gegen Erlaubnisschein zulässig

Die Bestimmungen scheinen immer noch nicht genügend .bekannt zu sein. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften werden streng bestraft. Tgb. No. K. G. 1684 Der Landrat.

I. V-:

Funke, Kreissekretär.

Hersfelö, den 29. Mai 1918.

Bestellung und Anmeldung des Bedarfs an Drainageröhren.

Die Fabrikation von Drainageröhren ist zu einem !> öat W Wunsch, Uejen Ubsatz?'soweit'öies möglich ist, alsbald wieder zu gewinnen. Da die Ausfuhr von Drainageröhren einer Genehmigungspflicht unterliegt, so ist es für die maßgebenden Stellen notwendig zu wissen, inwieweit den Ausfuhranträgen ohne Schädigung heimischer Interessen entsprochen werden kann. Für den einzelnen Landwirt wird es schon jetzt im allgemeinen möglich sein, zu übersehen, in welchem Umfange er Drainageröhren für -ie im Herbst und kommenden Winter vorzunehmenden Entwässerungsarbeiten benötigen wird.

Die Landwirte werden deshalb ersucht, ihren Be­darf an Drainageröhren, -en sie bis izu Beginn -er Frühjahrsarbeiten 1919 benötigen, schon jetzt, spätestens bis zum 30. Juni 1918 einer Firma ihres Vertrauens zu bestellen und von -er erfolgten Bestellung dem Kriegswirtschaftsamt bis zum 10. Juli d. Js. unter Angabe der Größeklassen sofortige Meldung zu er­statten.

verhagelte Hoffnungen.

Der Anspruch auf das linke Rheinufer", so schrieb kürzlich der französische Deputierte Estral, Ist ernster gewesen, als man uns glauben machen wollte. Es ist Zeit zu erklären, daß Frankreich me so abiurde An­sprüche gehabt habe, und Clemenceau, der wohl gewisse chauvinistische Konzessionen angegeben haben durfte, müßte endlich deutlich sprechen". Das müßte er wohl in der Tat. Und heute mehr als je. Mit unbedingter Strenge hat auch der neue deutsche Erfolg einen Riegel vor alle französischen Eroberungswünsche ge­schoben. Das Tor zum linken Rheinufer ist endgültig Angeschlagen. Der Traum von Elsaß-Lothringen ist aus­geträumt. Wenn die Franzosen solche Wahrheiten nicht erlernten, so liegt das daran, daß sie durch ihre Re­gierung in einen unheilbaren Wahn hineingehetzt worden sind. Und Clemenceau kann eben heute, selbst wenn er eines besseren belehrt worden wäre, nicht mehr zurückpfeisen. Poinearee ist nicht weniger ohnmächtig. Das Schicksal der französischen Regierung nimmt seinen Lauf. Jeder deutsche Kanonenschuß, soweit er dazu hilft, die französische Verteidigung zusammerrbrechen zu machen, verdeutlicht solches Schicksal und zeigt, wicret- tungslos die französischen Machthaber sich festgefahren haben. Sie wollten das linke Rbemufer. Daran kann niemand, der die mamiigfacften Enthüllungen über die französischen Kriegsziele kennt, zweifeln.

Nicht minder gewiß aber, ja sogar unbedingt fest ist heute die Tatsache, daß alle Hoffnungen selbst auf viel bescheidenere Kriegsziele, die Hoffnung selbst auf die Er­haltung des WisüfWu Landes, wie es vor der Ent­fesselung des Krieges von 1914 gewesen ist, üabinschwm- deu. Doch noch immer findet die französische tHegtcmnn nicht den Mut, ihrem Volke die Wahrheit zu sagen, und sie wird diesen Mut wohl auch niemals finden. Den deutschen Kanonen soll solche Aufklärung über lassen bleiben. Sie werden sie besorgen, und schließlich werden die Franzosen ihnen noch dankbar sein nitissen. Dann wird die Stunde da sein, da daS zwecklose Men­schenschlachten der französischen Jugend und die unheil­bare Verwüstung des französismen Landes endlich ihr Ende erreicht haben werden. Heute scheint noch eine Hoffnung den Franzosen immer wieder Mut einzubla- sen: die Hoffnung auf Amerika. Mit England, daS hat nun Frankreich deutlich genug erfahren, ist es nichts gervefen. Im Gegenteil: die Engländer haben gerade

Die Meldung an das Kriegswirtschaftsamt ist unbedingt erforderlich, da nur aus diese Weise ein zusammenfassender Ueberblick über den Gesamtbedarf der deuschen Landwirtschaft an Drainageröhren ge­wonnen werden kann. Die Landwirte werden im eigensten Interesse aufgefordert, die Meldungen pünktlich und vollständig spätestens bis 10. Juli 1918 zu erstatten, da andernfalls die Gefahr besteht, daß der Bedarf an Drainageröhren nicht hinreichend er­faßt wird, und in zuweitgehendem Umfange Ausfuhr­bewilligungen erteilt werden, was später zu einem für die Landwirtschaft nachteiligen Mangel an Drainageröhren führen könnte.

Tgb. No. 1. 5629. Der Landrat.

J. V.:

Funke, i reiSfetretär,

Fortsetzung auf der 4. Seite.

Bus der Hei nah

):(Hersfeld, 3. Juni. (Me tallbeschlagnahme.) Ueber eizeln- Fragen der Enteign;^-.) und Ablieferung von Einricht.! g^gegenständen au Kupfer, Messing, Bronze, Rotguß, Nickel, Neusilber, Alpaka, Aluminium und Zinn (Bekanntmachung No. M. 8 1 18. KRA. Krelsblatt No. 74) herrschen in der Bevölkerung und bei den Hausbefi^er. noch viele Unklarheiten. Be­hördliche Beschaffung von Ersatzgegenständen kommt nur bei Gewichten, Brauseköpfen in Badeanstalten, Fenstergriffe« Fensterknöpsen, Türk inken, nn- Tür- handhaben in B tracht,- Wer Ersatzstücke für diese Metallstücke wünscht, muß auf entsprechendem Vordruck Antrag bei der Sammelstelle richten. Wer Ersatzstücke beantragt hat, wird nicht eher zur Abliefe­rung gezwungen, als bis die Ersatzsiücke geliefert sind. Kostenlose Ausbauhilfe wird von der Behörde nur

gestellt für Barrierenstangen aller Art, für innere und köpfe, Fenstergriffe, Türgriffe, Türklinken, Türstangen,

griffe,

Füllungen und Handleisten von Geländer«, Gitter an Dächern, Balkons und Fenstern Treppenschutzstangen, Tore nnd Gittertüren,- für Antrag der kostenlosen Ausbauhilfe ist ein Vordruck zu verwenden, der bei der Sammelstelle erhältlich ist. Wer den Ausbau

selbst vornimmt, erhält eine Mark Ausbaukosten für jedes Kilo ausgebauten Metalls. In den Haus­haltungen dürften am häufigsten etwa folgende Gegen­stände für die Ablieferung in Betracht kommen: Ab­lagen für Kleider, Briefkastenschilder, Garderoben-Hut- u. Mantelhaken,- Gardienenquasten, Stangenendknöpfe, Schnurknöpfe un- -Quasten, -Spangen -Träger -und Rosetten,- Halter für Han-tücher, Toilettepapier, Schwämme und Seife nebst Ketten,- Griffe und Ketten an Spüleinrichtungen in Aborten,- Klavierkerzen- leuchter mit Rosetten und Unterlagen; Ständer für Garderobe, Schirme und Zeitungen,- Zierknöpfe aller Art; Gewichte von Messing und Neusilber von 20 gr.

umgekehrt die Franzosen als Helfer in der Not wirklich ausgebeutet. Nun sollen es die Amerikaner machen. Aber die sind noch weit Und Hindenburgs Kanonen find nahe und kommen iunner näher. Schon fallen wie­der deutsche Granaten in die Stadt Paris. Dagegen können selbst die lautesten Tiraden des Herrn Orlando, der kühnlich die Befreiung von Triest, Stratzburg, War­schau und Prag forderte, nichts helfen.

Die amerikanische Hoffnung wird verhageln, so wie es allen bisherigen Hoffnungen Frankreichs gegan­gen ist. Und was wird dann übrig bleiben? Vor allem das sichere Gefühl, daß man von England und schließ­lich auch von Amerika schwer mrgbraucht worden nt daß alle Opfer umsonst gebracht worden sind, daß nicht nur Elsatz-Lothringen und das linke Stoetnufer für im­mer aus dem Gedächtnis zu tilgen sind, sondern dawider hinaus die grauenvolle Erkenntnis daß Frankreich im Kampf für Wahngebilde sich endgültig au Grunde ge­richtet bat. Jeder Tag vollendet solche Vernichtung Frankreichs. Man möchte ihm wünschen, daß der ab­schließende Sieg der deutschen Waffen rnoglichst bald eintritt.

Revolutionäre Hetze.

Interessante Aufschlüsse über die landesverräterische Tätigkeit eines deutschen Fahnenflüchtigen in der Schweiz ergab eine Haussuchung, die die Polizei Ende April bei dem der sozialdemokratischen Jugendorganisa­tion angehöriaen 16jährigen Georg Müller in Berlm- Friedenau vorgerwmmmen hat. Es zeigte sich, daß ein gewisser Felix Levinsohn, der vor dreiviertel Jahren in die Schweiz desertiert und dort der internationalen so­zialistischen Jugendorganisation beigetreten war, zahl­reiche Versuche unternommen hatte, durch Geheimschrift in äußerlich harmlosen Briefen den reoolnttonärev Ge­danken gerade in Jugendkreisen mit allen Kräften zu fördern. Eine umfangreiche Korrespondenz und viele revolutionäre Hetzschriften und Flugblätter fielen der Polizei in die Hände. Auch wurden ihr zahlreiche Deckadressen bekannt, die Levinsohn angegeben hatte, um seinerseits unauffällig Nachrichten ans Deutschland zu bekommen und eine dauernde Verbindung mit fernen Gesinnungsgenossen herzustellen. Müller, ein, wxh unreifer Knabe, war vollständig geständig, Levinsohn mehrfach den Empfang von Sendungen bestätigt und ihm auch seinerseits revolutionäres Material (Streik- berichte, Flugblätter usw.) zugesandt zu haben. Der Fall zeigt wieder deutlich, wie gewissenlos die Hetzer

und darüber. Brauseknöpfe mit Steigerohren von Badeeinrichtungen. (Unter Steigerohr versteht man das Verbindungsstück vom Hahn deS Ofens bis znm Brausekopfe.) Die eigentliche Badeeinrichtung bleibt also erhalten. Gardienen-, Portieren- und Borhangs- stsngen mit den zugehörigen Ringen und Stangen- Haltern in Wohnungen brauchen nicht abgeliefert zu werden. Gegenstände, bei denen die obenangegebenen Metalle nur als Ueberzug oder Plattierung auf Eisen verwendet werden, sind von der Beschlagnahme und Ablieferung ausgeschlossen. Jeder kann durch An- feilen oder mit Hilfe feines Magneten leicht feststellen, ob es sich nur um einen solchen Ueberzug handelt. Im letzteren Falle werden die Gegenstände durch den Magneten angezogen. Geschirre jeder Art für Küche und Backstube auS Kupfer, Messing, Nickel und Aluminiumgerätschaften sind immer noch ablieferungs- pflichtig. Gegenstände dieser Art, die ohne behördliche Genehmigung zurückbehalten sind, werden demnächst zwangsweise eingezogen. Wer also solche Gegenstände immer noch besitzt und sich vor Strafe schützen will, liefere sie sofort bei der Sammelstelle ab. Die Sammel­stelle befindet sich Marktplatz 31 und ist jeden Diens­tag, Donnerstag und Sonnabend geöffnet.

§ Hersfeld, 3. Juni. (Zur freiwilligen Kleiderabgabe.) Da vielfach die irrige Meinung aufgetaucht ist, der Aufruf, zu Gunsten der Arbeiter- schaft kriegswichtiger Betriebe getragene Männerober­kleidung abzugeben, richte sich nicht an solche Personen die im Heeresdienste stehen, teilt die Reichsbekleidungs- stelle mit, daß auch Militär Personen von der Abgabe nicht ausgeschlossen sind; sie sind, so weit sie entbehrliche Kleidung besitzen, in gleicher Weise zu der Abgabe heranzuziehen wie die Zivilpersonen. Von ihnen kann, sofern sie unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Verhältnisse als abgabefähig anzusehen sind, ebenfalls die Vorlage eines Bestandsverzeichniffes verlangt werden, wenn sie dem Ausrufe rerne tyw^ «s*^ MWWWWMW

):( Hersfel-, 3. Juni. (Frauenhaarsammlung.) Die Frauenhaarsammlung, die im KreiS Hersfeld seit ihrem Bestehen (Oktober 1917) schon große Er­folge aufzuweisen hat soll noch mehr als bisher möglichst restlos erfaßt werden. Zu diesem Zweck wendet sich der Ausschuß für Sammel- und Helfer- dienst in einem Aufruf anZalle Kreise der weiblichen Bevölkerung in Stadt und Land mit der Bitte um Unterstützung. In Hersfeld geschieht die Etnsamm- lung zu Beginn eines jeden Vierteljahres von HauS zu HauS durch Schülerinnen des Städtischen Lyzeums der evangelischen und katholischen Voksschule. Ge­sammeltes Frauenhaar nimmt außerdem jederzeit die Hauptsammelstelle, Städtisches Lyzeum am Neu­markt, entgegen. Von dieser werden auch die er­forderlichen Sammelbeutel in jeder gewünschten Zahl ausgegeben. Die erste Einsammlung beginnt Anfang Juli.

im Auslande arbeiten, indem sie nicht scheuen, unreife, phantastische Jünglinge, die noch nicht ermessen können, weid) namenloses Elend eine Revolution für das Voll mit sich bringen würde, für ihre hochverräterischen Zwecke auszunutzen.

Warum öle Offensive am Damenweg?

gang des Ganzen Anfangsschlachten

Um unsere Unternehmungen am Damenweg recht zu verstehen, müssen wir uns vor Augen halten, daß es sich bet diesem neuen Schlag um eine logische Fort­setzung unserer großen Offensive im Westen handelt, die im März dieses Jahres begonnen hat. Ihre erste Phase war der Vorbruch zwischen St. Quentin und La F^re, die zweite umfaßt die Kämpfe in Flandern. Nach die­sen beiden Episoden verstärkte sich der Widerstand des Feindes auf der einen Seite und ergab sich für unS auf der anderen die Notwendrgkeit, uns zu dem Fort-

'2 ~......n neu einzurrchten. Die Folge dieser

sschlachten war die oft erörterte Bindung der Fochschen Reserve, die schließlich in den Raum nördlich von Armentieres bis zum Meer marschiert war, genau so, wie der andere rechte Flügel des Berbandsheeres in der Po-Ebene zusammengebaut ist Angesichts die­ser Entwicklung der Dinge lag es nahe, daß wir den nächsten Hieb nicht in der Autzeukampfgegend führe« würden, und zwar dies um so weniger, als uns be­kannt geworden war, daß Foch die abgekämpften eng­lischen Divisionen auf diesem Abschnitt in den stilleren von Laon abgeschoben Satte, um statt ihrer frische Foch- sche Divisionen an den von ihm als gefährdet ange-

sehenen Landstrich hinzuleiten. , , ,

Unsere Siege am Damenweg haben bewiesen, wie

" ndelt haben und wie wenig Fach im Bilde " [en und trotz aller Lloyd 'rbereitschaft der Ver-

recht wir gehandelt haben und n war, trotz all seiner Voraussagen t . ., -----

Seschen Siraden von der Ueberbereitschaft der _

jere. Wir haben in der Zwischenzeit nicht nur das neue Kampfgelände wohl vorbereitet, wir haben auch unsere Angriffstrnppen aufs neue auf das sorg­fältigste vorgebildet und dabei bereits unsere Erfahrun. gen der letzten Somme- und Flandernschlachten wobt benutzt, insonderheit die Ueberwindung der schwierigen Maschinengewehrnester. Selbstverständlich haben wir in den nächsten Tagen mit Gegenmaßnahmen des Verban­des zu rechnen, wenn es sich dabei auch zunächst wohl nur um die Versuche schnell herbeigeführter Divisionen aus dem Raume von Paris handeln kann, uns unsere

Erfolge streitig zu machen.