Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, Lurch die Post bezogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Tchriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld.
ersselder
Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Fernsprecher Nr. 8.
Nr. 90
Donnerstag, den 18. April
1918
Amtlicher Teil.
HerSfeld, den 12. April 1918.
Der von der Reichsgetreidestelle «achgezahlte Haferpreis und zwar 7 Mark für 100 kg. ist inzwischen eingegangen. Diejenigen Landwirte, die Hafer bis zum 31. Dezember 1917 geliefert und den erhöhten Preis noch nicht erhalten haben, können daS Geld bei dem zuständigen Kommissionär ansorder«.
Tgb. Nr. K. G. 1218. Der Landrat.
J. B:
». Hede man«, Reg -Affefsor.
Dem Kreise Dersfeld sind noch
ca. no Ztr. Saathafer,
„ 30 „ Saatbohnen,
„ 10 „ Saatwicken tiberwiefen worden. Landwirte, die noch Bedarf haben, wollen sich sofort unter Hngabe der JMenge bei dem Königlichen Landratsamt melden.
HerSfeld, den 15. April 1918.
Die Herren Bürgermeister von BeierShausen, Dinkelrode, Eitra, Friedlos, Herfa, Malkome», Kohlhausen, Mecklar, Oberhau«, Reilos, Sorg«, Tann, Unterbaun, Unterneurode u«ö WipperShain erinnere ich wiederholt «» Erledigung meiner Verfügung vom 19 März -. I». - I. A. Nr. ,43, - betreffend Obstbaumpflege an den Landwegen pp.
Der Vorsitzende des KreiSausschuffe». -J^A-Ns, 3802. • J. -
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HerSfeld, Se« 15. April 1918.
Die Herren Bürgermeister vox Frielingen, Hillartshausen und Malkomes erinnere ich wiederholt an Erledigung meiner Gerfügung vom S. Febr. d. Js. — I. A. Nr. S1L — betreffend Berichtigung der Liste der Geweindeglieder und sonstigen Stimmberechtigten, sowie Offenlegung der Wählerliste.
Der Borsttzende des Kreisausschuffe».
J. A. No. 3303. jJ. V.:
v. Heöem ann, Reg.-Afseffor.
Hersfeld, den 12. April 1918.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises mache ich darauf aufmerksam, daß am
Sonntag, den 21. d. M. mittags 2 Uhr
in -er Stiftsschenke hier eine Versammlung -er Hersfelder Wagner und Stellmacher «Wagenbauer) stattfindet, die den Zweck hat, über die Gründung einer Zwangsinnung zu beschließen. Die Zwangsinnung soll sich über den ganzen Kreis Hersfeld ausbehnen, sodaß es von Wichtigkeit ist, daß auch die in den Landgemeinden und Gutsbezirken ansäßigen Wagner und Stellmacher zu -er Versammlung erscheinen. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich, die in Ihrem Bezirk wohnenden Wagner und Stellmacher hiervon persönlich zu benachrichtigen und sie aufzusoröern, zu der Versammlung zu erscheinen. Ferner ersuche ich die Herren Bürgermeister eine Liste der in Ihrer Gemeinde wohnhaften Wagner und Stellmacher, auch diejenigen, die sich zur Zeit im Felde befinden, an den Wagnermeister Herrn Otto Heer in Hersfeld zu senden.
Tgb. No. 1. 3991. Der Landrat.
J. V.:
v. H e - e m a n n,. Reg.-Afseffor.
Hui der Heimat.
§ HerSfeld, 16. April. (Der Durchbruch in Jta 11 e n). Einen Treubruch, wie ihn die Weltgeschichte noch nicht gesehen, nannte der verstorbene Kaiser von Oesterreich den Verrat Italiens. Selbst im Lager unserer Gegner wurden damals Stimmen laut, die diesen Treubruch verabscheuten. Aber man brauchte den Verräter, und die Politik der Gegner ist nicht beschwert von moralischen Bedenken. Die trübe Erfahrung, die wir mit Italien machten, das sich
nur durch seinen „Sacro Egoismo" leiten ließ, ist dazu angetan, den politischen Wirklichkeitssinn des Deutschen zu stärken. Groß aber war die Genugtuung bei uns als Italien seinen wohlverdienten Lohn für seinen Verrat erhielt. Nach jahrelangem, blutigem Ringen sah das italienische Heer sein Ziel, Trieft, in greifbare Nähe. Da brach das Strafgericht über Italien herein. Es mußte seinen einzigen Siegespreis, das „befreite" Görz aufgeben und in wenigen Wochen waren Belows Truppen in einem Giegszug, wie ihn die Welt noch nicht gesehen, in die italienische Ebene, bis zur Piave notgedrungen. Auf daß die Heimarmee unserer siegreichen Frontarmee würdig sei, muß jetzt die Parole heißen: Jeder zeichne Kriegsanleihe.
§ Hersfeld, 17. April. Leeseiten der Stadt soll zur Linderung der Möbelnot eine Verkaufsstelle für alte Möbel eingerichtet werden, zur Vermittlung zwischen solchen, die überzählige Einrichtungsstücke abgeben wollen und denen, die solche zu erwerben wünschen. Die Berkäuier haben die Möbel zu einem bestimmten Tage in einen vorher bekannt gegebenen Raum zu liefern unter Aneebe des Mindestpreises, zu dem sie zur Abgabe bereit sind. Auch werden dort kostenlos zur Verfügung gestellte Möbel angenommen, die an bedürftige Familien abgegeben werde«.
):( HerSfeld, 17. April. Nach einer Bekanntmachung der Kgl. Eisenbahndirektion verkehren vom 18. April ab wieder die feit dem 1. März zwischen Bebra und Frankfurt ausgefallenen Schnellzüge D 85 und 86, und zwar D 85 ab Frankfurt 2.28 nachm. und D 86 ab Bebra 2.47 nachm. Näheres im heutigen Anzeigenteil.
W Hersfeld, 17. April. F t 6t w a r ä f e i e r. Die vom neugegründeten OrrLaDsikA 5 jn. vaterländische Veranj^ltung an beräumte Bismarckfeier hatte sich eines vollen Erfolge» innerlich und äußerlich zu erfreuen und nahm von Anfang bis zu Ende einen überaus erhebenden Verlauf. Was der Feier ihr eigenartiges Gepräge verlieh, war der Umstand, daß sie, frei von allem Parteigeist und aller kleinlichen Nörgelei von dem schuldigen Dank für die beispiellosen Erfolge unserer Feldgrauen im Westen und vo« dem unbeugsamen Siegeswillen unseres Volkes für eine starke deutsche Zukunft durchdrungen war. Dieser Gedanke zog sich wie der leibhaftige Geist Bi»marckS durch all Nummern -er geschickt ausgewählten VortragSfolge. Er kam z«m Ausdruck i« -er ritt großem Beifall aufgenommenen Begrüßungsansprache bei Herrn Bürgermeister» Wagner, -er unserer Regiern«- mehr Bis- »arckgeist wünschte, er klang hindurch durch Sie Bi»- »arckischen Geist atmenden Lieder bei Schülerinnen- chors der Luisenfckul« „Der Sott, der Eisen wachsen ließ", „Sie sollen ihn nicht haben", Horch, Sturme», flügel rauschen", durch die BiS»arckge-ichte, die Herr Hofschauspieler Bünting aui Cassel mit etwa» stark aufgetragenem Patho», wie «n» dünkt, vortrug, durch die markigen Schlußworte bei Herrn Pfarrers Scheffer, -er BiSmarkgeist unserem Volke fü r 'die achte KriegSanleihe wünschte, unb erreichte seinen Höhepunkt in den von bewundernSwerter Ge-anken» fülle zeugenden unb mit packender Ueberzeugung vor. getragenen Ausführungen bei Herrn Professors LänghanS aui Sstha. Diese Rede stand i« Mittelpunkte bei Abends und verlieh der Feier ihre besondere Weihe. ES war ein Genuß, den überaus feinsinnigen Darlegungen dieses Redners zu folgen, der die ungeteilte Aufmerksamkeit der zahlreich erschienenen Zuhörerschaft fand. AuSge-en- von einem Worte TretschkeS, -aß nur zwei Arten großer Männer unbedingte Verehrung genießen, Männer tet Schwerte» unb Genien der Religion, suchte er die Größe Bismarcks an den Genien bei deutschen VqlkeS z« messen: Luther Goethe und Hindenburg, -ie alle des stählerne Wille zu« Kämpfen aber auch zu» Siegen beseelt. Währen- -er Politiker Bts»arckheut« vielfach überwunden, bleibt »er Mensch für alle Zeiten alt ein göttliches Gnadengeschenk, dem deutschen Volke im rechten Augenblick verliehe«, erhalten und setzt sich fort in -e» Genius ^Hindenburg», -er unbestreitbar «be«s, sehr ein genialer Staatsmann wie Feldherr ist, -er seine hohe staatSmännische Begabung erst kürzlich wieder in -e» Schreiben an den zweiten Präsidenten -es deutschen Reichstages zum Ausdruck gebracht hat. Luther, Hindenburg, BiSmarck, eS ist, «l» »bei« Geist ei ist, -er hier jedesmal im rechten Augenblick zum Segen -es deutschen Volke» sich offenbart. WaS
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können wir heute, in einer Zeit der politischen Un. sichrrheit, -es schwindenden Autoritätsgefühls, »an diesen Genien, insbesondere von einem BiSmarck, lernen? „Ein treuer Diener seines Herrn!" so lautet die Grabschrift BiSmarckS. Wie BiSmarck allezeit seinen Wahlspruch. „Ich glaube Gott zu dienen, indem ich meinem König diene" bewahrheitet hat, wurde vom Redner in feinsinniger Weise ausgeführt und durch Beispiele auS Bismarcks Leben und auS der Gegenwart erläutert. Möchten die goldenen Worte, die der Redner hier fand, ihr« Wirkung nicht verfehlt habe«! Und was verdanken wir heute einem BiSmarck? In besonders eindrucksvoller Weise verstand Herr Pro. feffor Langhans es hier darzulegen, welche Segnung«» der Wirtschaftspolitik (Authungerungsplan Englands), der Flottenpolitik und der industriellen Politik BiS. marcks wir heute seit AuSbruch des Weltkrieges tag. täglich am eigenen Leibe verspüren können. Wie würde eS mit dem deutschen Volke heute ohne BiSmarck und Hindenburg steh! -»? Möchte der gute Geist BiSmarcks in dem HeinUchen Parteigetriebe der Gegenwart unserem Volke nicht verloren gehen; Mit diesem Mahnruf schloß der Redner seine fesselnden Ausführungen, die bei allen Zuhörern stürmische« Beifall auslösten und eine tiefe Wirkung hinter- ließen. Mit dieser Bismarckfeier hat sich der Ort», ausschuß für vaterländisch: Veranstaltungen a«f» Beste eingeführt und wir füllen uns ihm zu lebhafte» Dank für den genußreiche. Abend verpflichtet. Wir geben dem Wunsche Aus uck, daß grade i.» der jetzigen Zeit noch öftere hnliche Veranstaltungen folgen möchten, da sie eint-n fühlbaren Bedürfnis entgegenkomme« und, in dieser Form geübt, geeignet sind, die Stimmung der Augusttage von 1114 wieder zu erwecken.
Allendorf a. W , 16 5 41 Ein tötlicker UnglückS- M erclgLSdL gch Mr. i- ■ ajMMa tarn an der Ecke Kirchstratze-Bahnhofstraße ins Rutschen, während gerade die Mädchen der Stadtschule vom Turnen kamen. Ein Mädchen geriet zwischen den Kasten -eS Wage«» und die Wa«d eines HauseS und wurde totgedrückt. Mehrere Kinder trugen Verletzungen davon.
Langendiebach, 16. April. Die Schlachttiere werben immer teurer. Hier hatte ein Bauer eine gut genährte Ziege, die er in den nächste« Tagen für sich schlachten wollte. Dieser Tage kam nun ein Händler in daS HauS bei Bauer«, ließ sich die gar nicht feilgebotene Ziege zeigen und bot sofort 250 Mark; schließlich bot er 280 Mark, um in den Besitz der Ziege zu gelangen. Nun will aber der Händler doch auch noch an dieser Ziege etwa» verdienen! Vor dem Kriege hätte man eine solche Zieg« für 26 biS höchsten» 25 Mark kaufen können. . .
Hünfeld, 15. April. Das schwere Eisenbahnunglück, daS sich am 9. April auf der Strecke Hünfeld— Bach« ereignet hat, ist wie amtlich ermittelt wurde, dadurch entstanden, -aß -ie vord. ,, anscheinen- ausgeleierte Achse der schweren Maschine zwischen den Stationen Großentaft und Eiterfeld aus -em Uebergang über einen Feldweg, der gleichzeitig eine Kurve bildet, aui dem Gleise gesprungen ist. Dadurch entgleiste -ie Maschine und stürzte die etwa X Meter hohe Böschung hinunter. Die drei nachfolgenden Wagen sind -ann durch ihren eigenen Druck nach vorn geschoben worden und ebenfall» abgestürzt, während der vierte Wagen zur Hälfte auf dem Gleise hängen geblieben ist. Mehrere der in den Wagen befindlichen Personen, die in ihrer Angst vermutlich versucht haben, durch die Fenster in» Freie zu gelangen, sind hin ausgefallen und unter die umstürzenden Wagen geraten, von denen sie erdrückt wurden. Auf diese Weise fanden die 50 Jahre alte Ehefrau Adelheid Hufnagel, die ledige, 24 Jahre alte Marie Held, beide au» Ober- weisenborn, ««d die 15 Jahre alte Ehefrau Anna Seibold von Großentaft den Tod, während der Zugführer Anton Kitz von Hünfeld in dem Post- und Gepäckwagen durch einen auffahrenden Wagen vierter Klaffe eingeklemmt und getötet wurde. Außerdem wurden 12 Personen verletzt, davon acht schwer.
Das Feldheer draucht dringend Hafer, He« ««d Stroh!
Landwirte helft dem Feldheere!