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Die schweizerische Regierung teilt mit: Mit No­ten vom 16. März Haben der französische Botschafter und der Kaiserlich deutsche Gesandte dem Bunöesprä- sidenten mitgeteilt, daß ihre Regierungen dem im Ver­lauf der in Bern gepflogenen Verhandlungen aufge­stellten Entwurf einer Vereinbarung zwischen der deut­schen und der französischen Regierung über die Kriegs­gefangenen genehmigt haben. Diese Vereinbarung ist demnach in Kraft getreten.

Aufforderung zum Bürgerkrieg in Paris.

Die Pariser Staatsanwaltschaft eröffnet eine Unter­suchung über die Urheber der an den Mauern von Pa­ris in den letzten Tagen in Massen angeschlagenen Pla­kate, die das Heer zum Ungehorsam und die Bevölke­rung zum Bürgerkrieg auffordern.

Explosionsschaden von 10 Millionen Francs.

Man schätzt, laut Meldung aus der Schweiz, den bMch die Explosionskatastrophe in Courneuve und Nachbarorten angerichteten Gebäudeschaden vorläufig auf 10 Millionen Francs, nicht gerechnet die Fabriken und Werkstätten, ihre Einrichtungen sowie der Wert der vernichteten Granaten. Da in Paris kaum noch Glas erhältlich ist, wird zur Ausbesserung der einge­drückten Fensterscheiben geöltes Papier verwendet.

llnbrgrelslichkeilen.

Denkschrift des Fürsten Lichnowsky.

Fürst Lichnowsky vertritt zwei Jahre lang sein Vaterland in London. Der Weltkrieg bricht aus, und er kehrt in seine Heimat zurück, brütet zwei weitere Jahre über die Umstände, die ihm die Tätigkeit in dem fremden Land, wo er sich sehr wohl fühlte, unmöglich machten. Dann faßt er das Ergebnis seiner Grübeleien in einer Denkschrift zusammen (man erklärt dort, wo man es wissen müßte: allein auf sein Gedächtnis gestützt und nur für sein Familienarchiv bestimmt), die Denk­schrift verteilt er ungedruckt an seine Freunde. Auf diesem Umweg gelangt sie in die Hände eines op­positionellen Politikers und durch ihn in das neutrale Ausland. Eine schwedische Zeitung StockholmsPo­litiken" druckt abschnittsweise ihren Inhalt ab, seit etwa drei Wochen schon.

Das ist der Verlauf der Dinge, ehe man in Deutsch­land etwas von der Existenz der Denkschrift erfuhr, die nur unter der Hand von interessierter Seite jedermann, r er es wünschte oder nicht wünschte, unter Vorbehalt der Diskretion ins Haus gesandt wurde. Nach der Bekannt- gabe in Schweden wüßte die ganze Welt um die Aus- fagen des Fürsten, nur das deutsche Volk lebte weiter in Unkenntnis. War die ganze Angelegenheit so wenig bedeutend? Man kann das nicht gerade behaupten!

Fürst Lichnowsky schiebt die Schuld am Kriegsaus­bruch auf die deutsche Regierung! Durch die Unter­stützung der österreichischen Balkanpolitik, führt er aus, hätten wir uns Rußland zum Feind gemacht durch stän­dige Provokation die deutsch-englische Annäherung, die er zustande bringen wollte und konnte, verhindert, durch Uebelwollen des Auswärtigen Amts gegen ihn seine sicher erfolgreiche Vermittelung in den kritischen Tagen des August 1914 unterbunden. Oesterreich hätte, auch wenn wir Rußland freie Hand gelassen hätten, bei uns bleiben müssen, da es auf uns angewiesen war. Eng­land sei von lauterem Wohlwollen für uns erfüllt ge­wesen, was unsere Kolonial-, wie unsere Wirtschafts­politik betreffe. Wir jedoch stießen die britischen Poli- formet (nach der sie 1M verpflichten wollten, keinenpro­vozierten Angriff" auf Deutschland zu unterstützen), zu­rückgewiesen und sie so arg verschnupft. Als wir dann die Wirksamkeit der Formel, die den edelsten Absichten entsprang, bei Kriegsausbruch mit Mißtrauen beant­worteten, hätten wir uns nicht wundern brauchen, daß die Engländer auf die Gegenseite übergingen.

Eine sachliche Widerlegung erübrigt sich. In Deutschland wird kein Mensch, der die politischen Vor­gänge verfolgt hat, solchem Wust von Behauptungen Aufmerksamkeit oder gar Glauben schenken. Einige Fragen aber, die man selbst zu beantworten nicht im- stande ist, sind unerläßlich: Wie konnte man einen Mann, von dem wir nach dieser Leistung gerne der maßgebenden Stelle glauben, daß er an Einseitig­keit und Oberflächlichkeit leidet, auf einen so wichtigen Posten schicken und so lange dort belassen? Wie konnte man weiter, da man doch seine Ansichten kennen mußte, ihm freie Hund bei Publikationen lassen? Und schließlich, warum erweckt man im Ausland den Eindruck der Verlegenheit dadurch, daß" man so lange mit einer amtlichen Widerlegung seiner Angaben wartete?

*

Lichnorvskys Schrift

vor dem Hauptausschutz.

In vertraulicher Beratung des Hauptaus- s ch u s s e s wurde die Denkschrift des Fürsten Lich- nowsky besprochen. Vizekanzler v. Paper als Ver­treter der Regierung wies nach, daß dem Fürsten in der Schrift schwere Irrtümer unterlaufen seien, sodass es völlig ungerechtfertigt sei, wenn die Feinde sich auf sie irgendwie beriefen. Allerdings seien vor dem Krieg diplomatische Fehler gemacht worden, die eine Refor- mierung unseres diplomatischen Systems nach Friedens­schluß unbedingt nötig machten. Doch gelte diese Kritik auch für Lichnowsky, sodatz dieser wenig Grund zum Tadeln habe.

v. P a «e r führte weiter aus, Fürst Lichuowsky habe dem Kanzler erklärt: »Ich erblicke in der Abkehr von Rußland und in der Ausdehnung der Bündnispolitik auf orientalische Fragen die eigentliche Wurzel des Weltkrieges." Als Schlüssel für die argen Irrtümer und Fehlschlüsse der Denkschrift, in der nicht die Kriegs- treibereien unserer Feinde, sondern die verfehlten Maß­nahmen unserer Diplomatie für den Kriegsausbruch verantwortlich gemacht werden, müsse die auffällige Ueberschätzung der eigenen Verdienste durch den Für­sten gelten, der von einem förmlichen Haß gegen diejenigen erfüllt sei, die feine Leistungen nicht so an­erkannten, wie er -erwartete. Der Fürst vertrete die Ansicht, daß trotz der Ermordung des österreichischen Thronfolgers der Friede von der deutschen Regierung hätte durch Einwirkung auf Oesterreich-Ungarn aufrecht­erhalten werden können. Wie falsch eine solche Politik gewesen wäre, ist aber durch die Aufklärungen des Su- chomlinofsprozesses für jedermann überzeugend festge- stellt. Die angeblichen Tatsachen, auf die der Fürst sich beruft, stehen zudem im einzelnen vielfach in direktem Widerspruch zu der objektiv festzustellenden Wahrheit.

Die Aussprache ergab eine allseitige Verurtei­lung des Fürsten. Kein Redner versuchte den Fürsten zu entlasten. Scheidemann wies mehrere Widersprüche, sogar offenkundig falsche Daten in der Denkschrift nach und verwies auf die außerordentliche Eitelkeit, die in der Schrift zum Ausdruck komme. Dr. Stresemann verwies auf die kindische Auffassung Lichnowskys, der in dem britischen JmperialiSums das Heil der Welt

erblicke, von Bayer reme mir, saß nach der AMassuna des Reichsjustizamts keine Grundlage zu einem strat- kechtlichen Verfahren gegen den Fürsten zu finden sei. Auch die Einleitung eines Disziplinarverfahrens fomme nach seiner Verabschiedung nicht in Betracht. Das Auswärtige Amt habe inzwischen dem Fürsten verboten, in der Presse Aufsätze zu veröffentlichen.

Die Frage der gerichtlichen Verfolgung.

^ Berlin, 20. März. (Eigene Drahtnachricht.) Die Blatter nehmen allgemein sehr abweisend zu der Denk- ichrrst Lcchnowskys Stellung. Die Vossische Zeitung lagt, es könne tatsächlich zweifelhaft sein, wie das Er- gebnis einer Strafverfolgung schließlich ausgefallen wäre. Nicht zweifelhaft dagegen sei es, daß, wenn ein gewohnlrcher Staatsbürger ein ähnliches Schriftstück in Umlauf gefetzt hätte, die Staatsanwaltschaft sich lebhaft darum bemüht haben würde.

Auch ein Fall Mühlon.

. 3n Verbindung mit dem Fall Lichnowsky kam im auch ein Fall Mühlon zur Sprache. Es handelt sich nach v. Payers Mitteilung, um ein in Brief- wrm gekleidetes, an eine größere Anzahl von Personen gefandtes und nark vervielfältigtes Rundschreiben eines E Zeck sich m der. Schweiz aufhaltenden Dr. Mühlon, zur Zen des Kriegsausbruches Mitglied des Kruop- ichen Direktoriums gewesen sei. Dr. Mühlon sei in der zweiten Hälfte Juli 1914 hintereinander bei zwei be­kannten Herren in hervorragender Stellung gewesen und erzähle nun angebliche Aeußerungen derselben, aus denen er den Schluß ziehe, daß es der deutschen Regie- riing im Juli 1914 an dem Friedenswillen gefehlt habe. Die beiden Herren hackten sich schriftlich dahin geäußert, daß es lich bei Dr. Mühlon um einen nervenkranken Mann handle, der wiederholt mit seinen Nerven zusam- mengebrochen sei. Eine absichtliche Schädigung des Va­terlandes durch Dr. Mühlon nähmen sie nicht an, be- siritten dagegen, die ihnen in den Mund gelegten Aeu- perungen getan zu haben. Sie könnten seine Nieder­schrift nur als pathologisch bezeichnen. Mühlons Be­hauptungen seien Aeußerungen eines fransen Gemüts.

Bus den Parlamenten«

Deutscher Reichstag*

Sitzung vom 19. März.

Zunächst werden kleine Anfragen behandelt.

Abg. Dr. Heckscher (F. Vpt.) hebt hervor, daß der Schweizer Bundesrat Aöor dem italieirischen Gesandten Mitteilung über eine deutsche Offensive gemalt Habe, wodurch er die Neutralität verletzt habe.

Unterstaatssekretär von dem Busfche: Herr Aöor, denen geringe Sympathie für Deutschland allgemein be- fanut sei, ichemt in einer Unterredung mit dem italieni- schen Gesandten über die im vergangenen Jahre bevor­stehende deutfche Offensive in Italien allerdings gespro­chen zu haben. Der Bundesrat hat jedoch nach Prüfung der Sachlage erklärt, daß Herr Ador sich keine Inkorrekt­heit zu ichulöen kommen ließ. (Hört, hört!)

Sodann wendet sich die Aussprache den Friedeus- vcrtragen mit Rutzlaud und Jinulaud zu.

Abg. Dr. Stresemann (natl.): Der deutsche Aufstieg hat die Gegnerichatt Englands und Rußlands qefchaf- fen. England hat ie&, wo es die Folgen des U-Bom- Kneges immer mehr spürt, sehr geschickt den Wirtschaits- kneg wieder rn den Vordergrrrnd gestellt, um in gewiß ien Streuen Deut,

mb auch ein siegreiches Deutschland mit Rücksicht auf diesen Wirtschattskrieg sich den Forderungen Englands fugen müffe. Wenn das Baltikum Neigung zu Ruß­land gehabt hatre, w wäre es längst in Rußlaitd aus­gegangen. Man kann die Verhältnisie Kurlands nicht anders regeln als die Esthlands und Livlands. Das Baltikum ist eine Einheit. Wenn im militärischen In­teresse die Einverleibung polnischen Gebietes notwen­dig,.ist, dann stellen wir unsere politischen Bedenken zurück. Die Feinde müssen die Kosten der Kriegsver­längerung tragen- Hätten die Schweden den Finnen geholfen, dann brauchten wir nicht einzugreifen. Jetzt haben wir den Rücken frei. Wo besteht für die Feinde noch die geringste Hoffnung auf Sieg? Der Kampf im Westen muß uns den Sieg und seine volle Auswertung bringen.

Abg. Graf Westarp (konsi): Bei künftigen Frie- densvertrngen nach dem Westen hin bestehen wir aus einer Kriegsentschädigung in bar. Der deutsche Ein­fluß auf die Randvölker muß auch bei Litauen voll be­wahrt werden.

Abg. Ledebour (Unabü. Soz.): Wir lehnen den Vertrag auch auf die Gefahr hin ab, bol^chewisttscher als die Bolschewisten genannt zu werden. (Als der Red­ner die Roten Gardisten in Schutz nimmt, entsteht große Erregung im Hause. Rufe und Gegenrufe ertönen. Die Abgeordneten Ledebour und Haase werden zur Oro- nung gerufen.) Ledebour schließt: Wir nehmen den Kampf mit den Annexionisten von Westarp bis Scheide- mann auf.

Die Aussprache schließt. Die Vorlage wird an den Hauvtausschntz verwiesen.

Es folgt die erste Lesung der neuen-

Kreditvorlage von 15 Milliarden Mark.

Staatssekretär Graf Röder«: Die täglichen Kriegs- ausgaben sind gestiegen, auch für die Marine. Daß sie dort nicht' vergeblich aufgewendet wurden, zeigt die steigende U-Boot-TätMeit. In England und Frank­reich sind die Kriegswsten auf den Kopf der Bevölke­rung weit höher als bei uns. Zum ersten Male kann sich jetzt die zn'ammengefaßte Kraft des deutschen Vol­kes in ungeteilter Wucht nach dem Westen wenden. Die Drohung des F-einöes mit der Rohstoffsperre nach dem Kriege kann unS nicht schrecken. Die deutschen Wälder werden uns bald den Rohstoff für unsere Textilindustrie schaffen. Auch die Annahme der achten Kriegsanleihe wird nur den Sinn einesUnd doch!" haben, das dem Vernichtungswillen unserer 'Feinde entgegengesetzt wird»

Die Borlage wird i« erster und zweiter Lesung ge­gen die Stimmen der Unabhängigen Socialisten arrge- irommen.

Mittwoch, 3 Uhr: Postscheckgefetz, Angelegenheit Daimler.

Preußisches Sbgeorünvlenkav»

Sitzung vom 19. März.

Auf der Tagesordnung steht zunächst die Beratung des Gesetzentwurfes, wonach die Legislaturperiode des am 8. Juni 1913 geroählten Hauses der Abgeordneten, um ein Jahr verlängert werden soll.

Minister des Innern Dr. Drews: Die nächsten Wahlen würden in der zweiten Hälfte des Jahres statt- finden müssen. Da nun etwa die Hälfte der Wähler im Felde steht, so würden normale Wahlen ausgeschlossen sein. Auf allen Seiten des Hauses besteht der Wunsch, daß die Leute, die draußen gekämpft haben, ihre Stimme abgeben. Deshalb bitte ich die Vorlage anzunehmen.

Der Gesetzentwurf wird M erster und zweiter BS

ratung angenommen.

Es folgt die For Staatshaushaltspläne

mng der zweiten Beratung bei ietm Haushalt der Bau vermal-

trmg.

Abg. Brütt berichtet über die Verhandlungen der Komrnifsion. Die Kommission beantragt, die Vorlegung eines Entwurfes für die Herstellung einer durchgehen­den Wasserstraße von der westlichen Grenze Preußens bis zu seiner Ostgrenze, ferner die Vorlegung eines Pla­nes für den weiteren Ausbau vorhandener Wasser­straßen.

Abg. Hermanu-Danzig (Vpt.): Notwendig ist auch eine Verbindung von Donau, Main und Rhein und von Donau, Oder und Elbe. Ein baldiger Ausbau unseres Kanalnetzes würde vor allem auch unsere Militärmacht stärken.

Abg. Gerlach (Ztr.): Die Kanalisierung von Mosel Saar und Nahe sollte in Angriff genommen werden Ferner die Verbindung von Norden nach Süden, beson­ders der Oder und der Donau.

Abg. Mathies (ntL): Den Anträgen auf Ausbau der Wasserstraßen stimmen wir zu. Das Land wird sich am besten vom Kriege erholen, wenn seine Wasserstraßen in gutem Zustande sind.

Minister v. Breitenbach: Preußen hat seit Jahrzehn­ten Erhebliches für den Ausbau seiner Wasserstraßen geleistet. Während meiner Ministerzeit sind 431 Mill. verbaut und 432 Millionen bewilligt worden. Das Pro­jekt der Moselkanalisation wird geprüft. Der

Ansban der Werra

und die Verbindung der Werra mit dem Ptain ist in Aussicht genommen, ebenso der Ausbau der Weichsel, der aber mit einer gewissen Vorsicht und Zurückhaltung behandelt werden muß, weil hier auch polnische Interes­sen mitspielen. Für das Projekt des Mittellandkanals sind die Borabeiten angeordnet. 9(tte vom Hause gege­benen Anregungen werden sorgfälttg geprüft werden.

Hierauf wird die Weiterberatung auf Mittwoch 12 Uhr vertagt.

Pofifisdie Rundschau.

Die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Der Ausschuß des Reichstages für Bevölkerungspolitik setzte gestern die Beratung des Gesetzentwurfes zur Be­kämpfung der Geschlechtskrankheiten fort. Der Para­graph, der der Behörde die Möglichkeit gibt, weibliche Personen, die gewerbsmäßig Unzucht treioen, einer ge­sundheitlichen Beobachtung zu unterwerfen, zwangs­weise zu untersuchen und zwangsweise einem Heilver­fahren zu unterwerfen, wurde angenommen und aus­gedehnt auf alle Personen, die dringend verdächtig sind, geschlechtskrank zu sein und ihre Erkrankung werter zu verbreiten.

Bolo Pascha hat, nach der Abweisung seines Revi­sionsgesuches trotz der Aufdeckung der Fälschung des Hauptbelastungsdokuments gegen ihn, nunmehr eine Kassatronsbeschwerde eingereicht, die sich auf jene neue Tatsache" stützt.

Der Streik der spanischen Telegraphisten. Die For­derungen der streikenden spanischen Tekegraphenbeam- ten -gehen auf Bewilligung einer Summe von drei Mil­lionen Pesetas zur Reform ihres Dienstes.

o-$ An der Grenze erschösse«. An der deutsch hollän- örschen Grenze wurden zwei holländische Grenzposten durch Schmuggler getötet. Bei Speckholheide wurde ein Schmuggler von einem holländischen Zivilbeamten er­schossen.

>-c 15 Eilgüterdiebe verhaftet. In Dirschau (West- preußen) wurden 15 jugendliche Personen verhaftet, die fortgesetzt Eilgüter auf der Güterabfertigung in großen Mengen gestohlen haben.

Bremser als Pakeidiebe. Einem großangelegten Feldpostpaket-Dlebitahl ist man auf der Eisenbahnstrecke Lübeck-stettin auf die Spur gekommen. Zwei Ge­heimpolizisten hatten sich im Paketwagen eines Güter- zuges versteckt und bemerkten während des Haltens des Zuges in Ventschow, daß zwei Bremser die Paket- läcke öffneten sie teils ihres Inhalts entleerten und die Pakete in ihr Bremsnänschen warfen. Als der Zug in Kleinen an kam, wurden die BremMiuschen revi­diert und die beiden Diebe verhaftet. Manches Paket wird auf ihre Rechnung zu setzen sein.

Heiteres vom Tage.Sag' mal, steht sich Sei» tSreunö Albert bei seinem neuen Mehlgeschäft gut!* Nee, er sitzt schon." Ich hatte mit einer kleinen Zu­lage gerechneteSie können zum Ersten gehen. Buch­halter, die falsch rechnen, kann ich nicht brauchen." Häuschen und Fritzchen sind bei der Großmutter zu Besuch. Als die Jungen abends im Bett liegen, fügt Fritzchen mit sehr lauter Stimme seinem Nächtige bet den Satz hinzu:Und dann, lieber Gott, schick mir doch übermorgen zu meinem Geburtstag ein großes Schau­kelpferd und ein dickes Bilderbuch."Was schreist du denn so?" fragt Häuschen,der liebe Gott ist doch nicht schwerhörig."Nee," antwortet Fritzchen,aber Großmutter." (Berl.. Zig.)

Weitere Drahtnachrichten.

Lenin über die Gefahr der japanischen Intervention.

'^ Genf, 20. März. (T. U.) Die Pariser Blätter berichten aus Petersburg: Die Verlegung der Haupt­stadt nach Moskau wurde vom Sovjetrongretz beckätigt. Man erwartet aber die Nebersiedelmra der Regcerung nach Nischninowgorod oder Perm. Der Exekutivans- schutz der Sovjets wurde neugewttblt und auf 200 Mit­glieder beschränkt. Auf dem Moskauer Kongreß ist der Brest-Litvwsker Friedensvertrag nicht einmal verlesen worden. Es sprachen nua die Wortführer der Parteien. Lenin sagte in einer Scblußansprache: ^d) habe neun Zehntel Rußlands hinter mir. Was wir brauchen, das ist Ruhe, wenn anch nur für eine Woche. Alles hängt jetzt von der japanischen Intervention ab."

Mord in Berlin.

Berlin, 20. März. (T. II.) Das Bayerische Vier­tel in Berlin-Schöneberg wurde gestern nachmittag durch das sich schnell verbreit ende Gerücht einer 'chwe- ren Bluttat in große Ausregung versetzt. In ihrer rm Erdgeschoß liegenden Wohnung in der Müirckfenersi stratze ist mittags die 51jährige Hausbesitzerin Franzis- ka Friedenthal ermordet aufaefunben warben. Die Tat ist zwischen ^9 und 1610 Mir morgens verübt worden. Der Kopf war durch Stichwunden, die von einem schar­fen Messer, wahrscheinlich einem Seitengewehr, herrühr- ten, stark entstellt. Unter dem Verdacht der Täterschaft wurde der 21 Jahre alte Kellner Richter festaenommen, der zum dritten Mal von seinem Truppenteil, desertiert war und fich seit etwa 14 Tagen bei seiner im leihen Hause wohnenden Mutter aufhielt.