Sersfelder Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
aaaaMaeiBaBaeaeaeeiiaMSBaaBaBWBaBBBsaBeBaaaBBBBaaaBaaaBBBasaBBBBaaBBBMBaaaBeaaBBaaaBB i Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- : : zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei : ; Hersfeld. Für die Schristleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. :
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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: Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im ■ : amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zelle 40 Pfennig. : Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Fernsprecher Nr. 8.
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Nr. 56.
Donnerstag, den 7. März
1918
Amtlicher Teil.
An die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises
Ersuche mir die Listen von der Viehzählung am 1. März bis spätestens zum 8. d. Mts. vorzulegen. Hersfeld, den 6. März 1918.
Der Lanörat.
I, V.:
v. Hedemann, Reg.-Affessor.
Verordnungen und Bekanntmachungen der Kaiserlichen und Königlichen gentralbehörden.
Bekanntmachung über das Verbot der Weiterverarbeitung von Obstwein.
Auf Grund des § 1 der Vero.iuung über die Verarbeitung von Gemüse und Obst v m 23. Januar 1918 (Reichsgesetzblatt S. 46) wird best mmt:
Die gewerbsmäßige Weiterverarbeitung von Obstwein (auch Rhabarberwein) zu Getränken irgendwelcher Art einschließlich der Mischung aus verschiedenen Fruchtarten gekelterter Obstweine, jedoch mit Ausnahme reiner Mischungen von Apfel- und Birnenwein, ist verboten.
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Die Bestimmung... der Bekanntmachung der Reicksstelle über das Verbot der Herstellung von Branntwein aus Obst vom 5. Juli 1917 (Reichsan- zeiger 158) bleiben unberührt.
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Ausnahmen von dem Verbot des § 1 können auf
Antrag durch die Reichsstelle für Gemüse und Obst, Geschäftsabteilung (Weinobst), in Berlin W. 57, Potsdamer Straße 75, unter Festsetzung der Absatzbedingungen zugelassen werden.
§ 4.
Sämtliche Bestände fertiger oder halbfertiger Er- < zeugniffe aus bereits weiter verarbeiteten Obstweinen 5 sind, soweit sie beim Erzeuger oder bei einem Groß- i Händler lagern, unverzüglich der in § 3 bezeichneten Abteilung der Reichsstelle anzumelden.
Sie dürfen nur mit der Genehmigung dieser Stelle und unter den von ihr festgesetzten Bedingungen weiterverarbeitet oder abgesetzt werden.
§ 5.
Nach dem 15. März 1918 dürfen im Kleinhandel
nur solche unter das Verbot des § 1 fallende Getränke feilgehalten werden, die nachweisbar vor dem Tage des Inkrafttretens dieser Bekanntmachung von dem Kleinhändler erworben sind, oder deren Absatz auf Grund der vorstehenden Vorschriften von der Geschäftsabteilung der Reichsstelle genehmigt worden ist.
§ 6.
Der vvn der Geschäftsabteilung der Reichsstelle genehmigte Absatz unter das Verbot des § 1 fallender Getränke sowie auch reiner Mischungen von Apfel- und Birnenwein darf im Großhandel nur unter Ausstellung von Rechnungen erfolgen, die genaue Angaben über die Zusammensetzung der Getränke enthalten.
Soweit der Absatz in Flaschen oder anderen dem Kleinverkauf dienenden Gefäßen erfolgt, müssen diese mit einer genauen Angabe über die Zusammensetzung des Getränkes enthaltenden Aufschrift versehen sein. Sie dürfen keine zur Erregung von Irrtümern über die Zusammensetzung geeignete Benennung des Getränkes an sich tragen.
8 7.
Mit Gefängnis bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu 10000 Mk. oder mit einer dieser Strafen wird bestraft, wer ken vorstehenden Vorschriften zuwiderhandelt.
Neben der Strafe kann a f Einziehung der Erzeugnisse erkannt werden, auf die sich die strafbare Handlung bezieht, ohne Unter hied, ob sie dem Täter gehören oder nicht.
§ 8.
Diese Bekanntmachung mit mit dem Tage ihrer Verkündung in Kraft.
Berlin, am 1. Februar 19’8.
Reichsstelle für Gemüse und Obst.
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(Fortsetzung auf der 4. Seite.)
Hus der Heimat«
):( Hersfeld, 6. März. (Rübensauerkraut.) Die Weißkrauternte des vergangenen Jahre ist eine recht schlechte gewesen, so daß heute Sauerkraut für die Zivilbevölkerung nur in ganz geringem Maße zur Verfügung steht. Als Ersatz hierführ ist allgemein in größeren Mengen Rübensauerkraut angefertigt worden. Dieses erfreut sich aber nicht der Beliebtheit wie das richtige Sauerkraut, trotzdem es in der Küche recht gut zu verwenden ist. Es ist nur erforderlich, das Rübensauerkraut vor dem Kochen ein- und falls erforderlich zweimal heiß abzubrühen
und das Brühwaffer abzuschütten. Wenn man das Rübensauerkraut recht weich kochen läßt und die Kartoffeln dem Gerichte zusetzt, so erhält es einen Geschmack, der dem wirklichen Sauerkraut annähernd gleich kommt.
Bebra, 2. März. Auf dem Bahnhof Lispenhause», beschlagnahmte die Gendarmerie drei als Eilgut aufgegebene Reisekörbe mit zwei Zentnern Rindfleisch. Gegen Absender und Schlächter ist das Strafverfahren eingeleitet.
Gaffel, 2. März. Der Vorsitzende der hiesigen Landwirtschaftskammer richtet an die Landwirte im Reg.-Bez. Caffel die eindringliche Bitte, sich auch in diesem Sommer der Großstadtkinder anzunehmen und ihnen Erholung und Kräftigung zu gewähren.
Caffel, 5. März. Eine Fachabteilung für Handwerk und Genoffenschaftswesen im ständigen Beirat des preußischen Landesgewerbeamtes in Berlin hat der preußische Minister für Handel und Gewerbe errichtet. Zum Mitglied dieser Fachabteilung ist vom Minister auf die Dauer von 5 Jahren der Landtagsabgeordnete Geheimrat Dr. Schröder berufen.
Caffel, 5. März. Die Schwurgerichtsperiode, in welcher das Melsunger Raubmörderpaar zur Aburteilung kommen wird, ist vom 11. März auf Montag den 22. April verlegt worden. Die Beweisaufnahme gegen das Raubmörderpaar mußte noch erweitert werden.
Calbe, 5. März. Ein Schnippchen wurde einem hiesigen Schuhhändler geschlagen. Ein Herr wollte bei dem Schuhwarenhändler für sich und seine Familie Schuhe kaufen. Da er mit einer Gegenleistung (Butter und Speck) dienen konnte, legte der Händler eine Reihe von Schuhwaren vor. Darauf legitimierte
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Hameln, 4 März. Ihren hundersten Geburtstag beging hier Fräulein Hurtzig. Der Greisin wurden zahlreiche Aufmerksamkeiten zuteil.
Gudensderg, 4. März. Bei eine» nächtlichen Einbruch in die Kellerräume des Oekonomen M. gelang es den Dieben, eine große Menge eingesalzenen fetten Speck zu stehlen.
Marburg, 5. März. In einigen Zeitungen erschien anfangs letzter Woche wieder eine Anzeige, daß im Gasthof zum Deutschen Haus in Gießen 28 Arbeitspferde verkauft würden. Unter der Anzeige stand: J. A. des Generpi-Pferdedepots der Auktionator B. Schnabel. Es fanden sich eine Menge Kauf- liebhaver ein, die alle unverrichteter Sache abziehen mußten, den es waren weder Pferde noch Verkäufer von solchen zu sehe«.
Sie neuen Reichslagssitze.
Ueber den Inhalt des Gesetzentwurfes über die Vermehrung der Reichstagssttze und die Einführung Der Verhältniswahl für die Reichstagswahlen, der vom Bundesrat verabschiedet worden ist, verlautet:
Vorgesehen ist eine Vermehrung der Reichstagssitze um über in. Fm einzelnen werden künftig in Berlin 10, in Teltow-Beeskow 7, in Niederbarnim 3 Abgeordnete gewählt werden, was für Grotz-Berlin und Umge Sun« gegen den jetzigen Zustand eine Vermehrung der Abgcoröneteumandate um 12 ausmachi. Stark bedacht mit neuen Reichstagsfitzen wird ferner das rheinisch westfälische Industriegebiet. So werden im Westen Bochum künftighin vier, Köln, Dortmund, Duisburg und Essen je drei, Düsseldorf und Elberfeld je zwei Abgeordnete zu wählen haben. Weniger stark ist die Vermehrung der Reichstagssitze im östlichen Jnöustrrebc bezirk: dorr werden nur für Königshütte und Hinden- bura die Man rate nur je zwei erhöht. Auch lür die Großstädte im :. enre sind entsprechende Vermehrungen der Reimstags-ä-e vorgesehen: so wird künftiabm Hamburg sün Leipzig vier Abgeordnete in den Reichs tag zu entsenden haben.
Für die genannten und noch für eine Reihe anderer größerer Wal Freist wird die Werhaltuiswat! einge- sühn. Zu dickem Zwecke werden die bisherigen Einzel- wahlkreise .zusammengelegt, so daß nach dem Gewtz- entnnnt Groß-Berlin künstighin starr acht Wablkrene «Berlin 1 bis n, Teltow Beeskow und Niederbarnim! deren drei bilden wird; Berlin mit zehn, Teltow mit leben, Niederbarnim mit drei Abgeordneten. Eine Zu- ilwunenlegung der bisherigen Emzeluxrhlk reise ,zu K einem mit mehreren Abgeordneten findet weiter statt in Breslau, Köln, Leipzig. dem Ltaat Hamburg und anderen. Im westlichen Jndustriebezirke werden, um zu .'inheitlimen Großwahlkreisen zu gelangen, auch bis- teriae Wahlkreise zerschlagen.
Wohin drängen die weiblichen Arbeitslcäste?
Die Richtung, in der sich der Strom der arbeitenden Frauen und Mädchen während der Kriegszeit ergießt, st bis in die letzte Zeit im wesentlichen unverändert gc blieben. Aber die Stärke dieses Stromes bat, nachdem die meisten weiblichen Arvettsträste Arbeit und Brot
gefunden haben, erheblich nachgelanerr. Das geht besonders aus folgenden Zahlen hervor: Während im De- zcrnbcr 1916 noch 123 weibliche Arbettsuchende auf 100 offene Stelen kamen, sank diese Zahl im Dezember 1917 aus 100. Angebot und Nachfrage hielten sich also die Wage. Aber auch jetzt noch ist der Andrang der Frauen zu den einzelnen Berufsarten sehr verschieden.
Die größte Liebe finden natürlich diejenigen Berufe, in denen anumeiften verdient wird. An der Spitze stehen nach den letzten Feststellungen des Kaiserlichen Statistischen Amtes die Spinnstofsarbeiterinnen und die Angestellten im Handelsgewerbe, die Schreidmaschinenöamen und die Bureaufränlein. Bei jenen kamen im Dezember 1917 299 Arbeitsuchende aus 100 offene Stellen, bei diesen 288. Es folgen dann die freien Berufsarten mit 192 Arbeitsuchenden auf 100 offene Stellen, die Metall- arbeiterinnen (Granatöreherinnen und Rüimngsarbei- terinnen) mit 124, die Schneiderinnen und Putzmacherinnen mit 123, die Kellnerinnen und Büfettfräulein nnt 120, das Kochyerfonal in Gastwirtschaften mit 107, die allgemeinen Fabrikarbeiterinnen mit 106, Hotelmädchen und Beschließerinnen mit 101.
In folgenden Berufsarten war die Nachfrage geringer als das Angebot: denn es kamen auf 100 offene Stellen bei den Tagelöhnerinnen, Buchbinderei und Kartonuagearbeiterinneu 97 Stellensuchende, bei den Leder und Tabakarbeitcrinnen 91, den Buchdruckereiarbeiterinnen 88, den Putz-, Wasch, Läuffrauen und Am- wärterinnen 81, den Herd- und Küchenmädchen in Gastwirtschaften 74, den Arbeiterinnen in der die mischen In dustrie 68. und nun des Rätsels Lösung für den Dienstbotenmangel : auf 100 mädchensuchende Hausfrauen kämet, im Dezember 1917 bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen nur 42 arbeitsuchende „Perlen". Am geringsten war das Kräfteangebor bei den landwirtschaftlichen Arbeiterinnen: hier kamen nur 40 Bewerberinnen aus 100 offene Stellen gegen 58 im Dezember 1916.
Billges Viehsuller.
Da es im allgemeinen volkswirtschaftlichen Interesse liegt, unsere Viehbestände so frühzeitig wie möglich mit gutem Grunfulter zu versorgen, möge an dreier Stelle erneut der Anbau von Comkrey empfohlen werden. Ant feuchtem, gut gedüngten Boden bringt diese Pklauze die größten Manen des besten Grünfutters hervor. Dazu kommt, daß der Anbau in volkswirtschaftlicher Beziehung von der allergrößten Bedeutung ist, weil durch Cvmfrev viele tzändereien zu hervorramm- dell Futterwiesen umgeftaUet werden können, welche
jetzt infolge zu großer Feuchtigkeit entweder brach liegen oder nur wenige Erträge bringen. Ganz besonders alle Kleintierzüchter, welche sich ein Schwein, eine Ziege, einige Kaninchen oder Gänse halten, werden in Com- krey eine Futterquelle finden, die sie während des ganzen Sommers aller Sorgen wegen ausreichenden Griinfutters enthebt. Aber auch an Pferde und Rinder kann die Pflanze oorteilhafr nerfüttert werden, wenn man die Pflanzen gestampft oder gehäckfelt zusammen mit Strohhäcksel verfüttert.
Um ausreichend Grünfuiicr für ein Schwein oder eine Ziege zu gewinnen, genügt eine Fläche von 2s Quadratmetern, zu deren Bepflanzung 200 Stecklinge nötig find. Für 100 Schweine gebraucht man 20 000 Stecklinge auf einen Morgen. Die einmal angelegte Plantage hält 20 bis 30 Jahre aus und liefert jährlich sechs Ernten, vom frühesten Frühjahr an bis in den späten Herbst hinein. Bei jedem Schnitt hat man wieder saftiges, frisches Grünfutter.
Unter den Comfrey-Sorten hat sich „Matador"-Com- frey besonders gut bewährt Versuche, die auf Anordnung der Obersten Heeresleitung bet neun Armeen im Westen ant „Maiador"- Comfrey gemacht wurden, find zur vollen Zufriedenheit ausgefallen. Die Stecklinge und trotz der Dürre fast lückenlos an gewachsen, und die mit der Fütterung an Schweinen gemachten Erfahrun gen sind durchweg gut. Bei einer Armee ist die Pflanzung der „Mamdor" Stecklinge Ende Mai in gut vor- bereuetes Waldland erfolgt. Die Stecklmge sind dort nach dem Bericht der Armee fast lückenlos angewachsen, gedeihen in dem durchlichteten, feuchten Buchenwald gut md versprechen für die nächsten Jahre befriedigende Erträge, so daß sich diese Art des Anbaus auch für die Heimat auszuprobieren lohnen würde.
Alles Nähere über Anbau, Düngung, Pflege, Ernte usw. findet man ausführlich in der Kulturanweisung, sie von dem Saatgutzüchter Dr. H. Weber au Berlin- Halensee umsonst und postfrei abgegeben wird. Auyer dem hat fich Dr. Weber bereit erklärt, um die Pflanze allgemein einzuführen, jedem Lehrer und Geistlichen, sowie jedem Forst-, Post- und Eisenbahn^antten, der zwecks Belehrung und Verbreitung eine Multerplan- tage anlegen will, Comfrey-Steckltrwe zu.,bedeutend ermäßigtem Preise abzugeben. Im Jnterene der .rutter- Vermehrung ist es zu wünsche«, daß recht viele Brehhal ter die wertvolle Comfrey-Pflanze anbauen mochte«,' denn die Fleisch und Fettfrage ist zuguterletzt lediglich eine Futterfrage.