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Hersfelder Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

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S Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- r Amtnmer Amemer : Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im : - zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei : ... ' * J - amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig -

z Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld, j für oen ^rers Herssew Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprecher Nr. 8.

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Nr. 54.

Dienstag, den 5. März

1918

Bus der Heimat.

* Feldpo st briefsendungen werden nach wie vor in großer Zahl bei den Postanstalten täglich aufgeliefert, ohne daß sie freigemacht sind, obgleich sie das Gewicht von 50 Gramm überschreiten. Bei diesen Sendungen handelt es sich in der Hautsache um Taueszettungen und illustrierte Zeitschriften. Der­artige Briefe müssen nach den Bestimmungen an die Absender zurückgegeben werden. In sehr vielen Fällen ist aber der Absender auf den Sendungen nicht vermerkt. Sie müssen dann als unanbringlich be­handelt werden. Hieraus entstehen begreiflicherweise Unannehmlichkeiten für den Absender wie für den Empfänger. Um diese zu vermeiden, ist es unbedingt notwendig, die Bestimmung zu beachten, daß Feldpost­sendungen nur bis zum Gewicht von 50 Gramm portofrei befördert werden. Auch muß jedesmal der Absender unbedingt auf den Sendungen angegeben werden.

* fA b s a tz b e s ch r ä n k u n g beim Herbstge - müse.) Der Staatssekretär des Kriegsernährungs­amtes hat seine Genehmigung dafür erteilt, daß alles Heibstgemüse, über welche Liefernngsoerträge nicht zuuande kommen, der Absatzbeschränkang unterliegen soll. Es daif mithin jeder Anbauer für sich zwar be­halten, was er in seinem Haushalt verbraucht und in seinem Betriebe verarbeiten will, geht er aber da­zu über, Ware im Handel abzusetzen, so bestimmt die Reichsstelle für Gemüse und Obst oder die ihr Nach­geordnete zuständige Stelle, wohin die Ware zu leiten ist, und wer sie zu erhalten hat. In keinem Fall wird alsdann ein höherer, wahrscheinlich aber ein niedrigerer als der Lieferungsvertragspreis bezahlt werden.

gangene Postpakete). Bisher betrug der Schadenersatz, den die Post für verloren gegangene oder beschädigte Pakete ohne Wertangabe bezahlte, 3 Mark für das Pfund. Im Hinblick auf die Ver­schlechterung der Postbeförderung und die Beraubung von Postpaketen sowie die allgemeine Wertsteigerung der Güter hat der Deutsche Handelstag an den Staatssekretär des Reichspostamtes die Bitte gerichtet, dahin zu wirken, daß bei Verlust oder Beschädigung von Paketen der enstandene Schaden in voller Höhe ersetzt oder der Höchstbetrag des Schaden­ersatzes mindestens auf 6 Mark für das Pfund fest­gesetzt wird.

* Die amtlichen Richtpreise für Ge­müse s a m e u werden häufig derart überschritten, daß sich die Reichsstelle für Gemüse und Obst ge­

nötigt sieht, dagegen aufs schärfste einzuschreiten. Die Schuldigen werden unnachsichtlich den Strafge­richten ausgeliefert (Höchststrafe ein Fahr Gefängnis nebst 10000 Mark Geldstrafe und entschädigungslose Ein­ziehung der Samenvorräte), dieHandelsbetriebepolizei­lich geschlossen sowie die Vorräte beschlagnahmt und einer amtlichen Stelle zwecks Veräußerung zu den Richt­preisen unmittelbar an die Verbraucher überwiesen. Diese Maßregeln sind schon mehrfach durchgeführt worden. Auf Nachsicht darf nicht gerechnet poerden.

»(Falsche Gerüchte.) In den letzten Tagen ging die Nachricht um, daß im Herbst vorigen Jahrs bedeutende Mengen Gemüse in die Konservenfabriken gewandert seien und daß deshalb riesige Bestände an Konserven sein müßten, zumal im freien Handel Ge­müsekonserven bisher nicht abgegeben worden seien. Zur Vermeidung von Irrtümern sei darauf hinge­wiesen, daß im letzten Jahre nur etwa der dritte Teil der Friedenserzeugang an Gemüsekonserven her­gestellt worden ist und daß nach Deckung des Bedarfs von Heer und Marine mit großen Mengen zur Ver­teilung an die Zivilbevölkerung nicht gerechnet wer­den darf.

§ Hersfeld, 4. März. (Die 8. KriegSanleihe.) Zur gewohnten Zeit, ein halbes Jahr nach der 7. Anleihe, rüstet sich die Finanzverwaltung des Reiches, eine neue Kriegsaalethe aufzulegen. Nichts kenn­zeichnet die unerschütterlich- wirtschaftliche und finanzielle Kraft Deutschlands besser als die Stetigkeit und Ruhe, mit der sich im Gegensatz zu unseren Feinden unsere finanzielle Kriegsrüstung vollzieht. Die gewaltigen Erfolge der bisherigen Kriegsanleihen berechtigen zu Vertrauen und Zuversicht auf die Be­reitwilligkeit des deutschen Vo kes, auch dieses Mal wieder sein Geld in den Dienst des Vaterlandes zu stellen, und ermöglichen es der N ichsfinanzverwaltung, letzten Kriegsanlechen auch bei der Begebung der neuen festzuhalten. Es werden wieder die bekannten 5°/oigen Schuldverschreibungen und daneben die 4V2% igen auslosbaren Schatzanweisungen, beide zum Preise von 98 Mark für 100 Mark Nennwert aufge­legt. Die Schatzanweisungen unterliegen den gleichen Verlosungsvedingungen wie die der 6. und 7. Kriegs­anleihe. Wird die Kriegsanleihe in das Schuldbuch eingetragen mit Sperre bis 15. April 1919 so ermäßigt sich der Zeichnungspreis auf 97,80 Mark. Die Zeichnungsfrist läuft vom 18. März bis 18. April. Um den Zeichnern die Möglichkeit zu geben, alle ihnen im Laufe der nächsten Monate noch zufließenden Ein­nahmen der Anleihe zu widmen, können die Ein­zahlungen in 4 Raten (am 27. April 30%, am 24. Mai 20%, am 21. Juni und 18. Juli je 25% des gezeich­

neten Betrages) geleistet werden. Wer aber die Mittel bereit hat und möglichst bald in den Genuß der 5% igen Verzinsung gelangen will, kann die Vollzahlung schon vom 28. März an leisten. Der Zinsenlauf beginnt am 1. Juli 1918, bei früheren und späteren Zahlungen werden Stückzinsen wie her­kömmlich verrechnet. Der erste Zinsschein ist also am 2. Januar 1919 fällig. Ein Umtausch der älteren 5%igen Schuldverschreibungen und der früher aus­gegebenen Schatzanweisungen in Schatzanweisungen der 8. Kriegsanleihe ist in demselben beschränkten Maße wie früher ebenfalls wieder zugelassen.

):( Hersfeld, 4. März. Die Kriegsjuge nd - wehr Hersfeld veranstaltet am kommenden Sonn­tag für diesen Winter ihre zweite und letzte Abendunterhaltung. Dank der freundlichen Mitwirkung der Konzertsängeriu Fräulein Lilly von Knebel Doeberitz und der Harfenvirtuosin Fräulein Corona vonKnebel Doeberitz aus Berlin, wird sich dieser Abend zu einem besonders genußreichen gestalten. Auch die Jungmannen werden bemüht sein, durch ihre Darbietungen zur Verschönerung des Abends beizutragen. Die Jugend­wehr bittet um zahlreichen Besuch, zumal der Rein­erlös für wohltätige Zwecke bestimmt ist.

Rotenbnrg, 1. März. Das Ehepaar Hirsch Brandes dahier begeht Montag, den 4. März in körperlicher und geistiger Rüstigkeit das seltene Fest der goldenen Hochzeit. B. ist ein Veteran aus den Jahren 1866 und 1870 71.

Caffel, 2. März. Einbrecher sind in das Geschäft eines Schneidermeisters in der Hohenzollernstraße ein- gedrungen und haben Kleidungsstücke und Stoffe im Werte von 16002 000 Mark entwendet.

Meldungen, 2. März. Einen Unglücksfall erlitt im

6 iöbriae Söhnchen, eines Fabrikarbeiters. BeyrisZch beim FutterfchneiÄett, ge­riet es mit der linken Hand in die Kammräöer der Futtermaschine und zog sich schwere Verletzungen zu.

Marburg, 2. März. Eine hiesige Gastwirtin, welche die Aufforderung eines Polizeibeamten, nun endlich Feierabend eintreten zu lassen, mit den Worten:Sie sind ein unverschämter Mensch," beantwortet hatte wurde wegen Beamtenbeleidigung zu 15 Mark Geld­strafe oder 3 Tagen Haft verurteilt.

Schrecksbach, 2. März. 1000 Pfund Speck für die, welche nicht am Streik beteiligt waren, lieferte das Dorf Schrecksbach für die Schwerarbeiter Cassels. Auch über 10000 Zentner Getreide und Kartoffeln hat dies Dörfchen in diesem Jahre geliefert.

Der erste Slras-Luslangriff auf Paris.

Ein Teilnehmer am ersten Strafflug nach Paris gibt im Berliner Lokalanzeiger folgende Schilderung:

Eines Tags war das Maß voll, der kaum noch er­hoffte Befehl traf bei uns ein:

Zur Vergeltung greift das Geschwader heute nacht mit allen Kräften die Stadt Paris an!"

Eine halbe Stunde vor Mitternacht beginnt der Start . . . Immer bunter und lebhafter wird das Feuerwerk auf der Erde und in der Lust. Der Wald von Senlis ist überflogen, und Straßen und Bahnen laufen bereits stark nach einem Punkte hin zusammen. Das breite Schlängelband der Seine taucht jetzt aus und verrät die Stelle, wo dicht vor uns das verdunkelte Pa- ns in klopfender Angst vor unserem Kommen sich duckt. Wir sind fast senkrecht über den ersten Borstadtvierteln, als sich erst Straßen und Plätze mit Sicherheit erkennen lassen. Dann und wann huscht ein feindlicher Apparat vorüber. Blitzschnell richten sich unsere Maschinenge­wehre gegen ihn, mag er kommen! Aber sein Lenker sieht uns nicht, oder will uns nicht sehen. Der Nordbahn- Hof taucht auf. Bald zeigen sich in langer Flucht längs der Seine die gewaltigen Anlagen der Champs Elosees und der Tuckerien. Staunend erfaßt das Auge immer neue Einzelheiten in dem märchenhaft schönen Bild.

Weit über Bord gelehnt, vergessen wir für eine kurze Spanne Zeit alles um uns her. Ein durchdrin- aender, dumpfer Knall weckt uns plötzlich aus unseren Träumen. Dicht vor der Maschine ist eine Granate ge­platzt, flatternd verwehen die schwarzen Rauchschwaden int Winde des Propellers.

Du wehrst dich gut, stolzes Paris. warte, nun kommt unsere Antwort! Fest und sicher sucht der Blick das be­fohlene Ziel. Beim Anflug lockt ein riesiger Komplex großer Gebäude, Fabrik oder Kaserne, davor eine breite, erleuchtete Brücke. Ein Ruck - und eine Sprengbombe saust hinab Sie sitzt!

Während der Rest Bomben mitten in das befohlene Ziel gebracht wird, hat die erste Bombe schon ein erheb­liches Feuer verursacht. Das sind keine Behausungen friedlicher Menschen, über die das Feuer dort unten mit rasender Eile Macht gewinnt. Im grellen Schein der Flammen zeichnen sich langhingeKeckt die typischen For­men einer großen Fabrik ab. Was mag sie herstellen Kriegsbedarf? Das Herz jauchzt bei dem Gedanken, laß vielleicht diese eine Bombe Tausende von Geschossen zerstört, die unseren Kameraden im Graben zugedacht ainren. An vielen anderen Stellen sind inzwischen

Brände auSgebrochen. Wie Siegesfanale lodern sie zum Himmel und zeigen uns auf dem Rückflug, als schon die Leucht-eigen an der Front in Sicht kommen, noch deutlich die gewaltige Wirkung des Angriffs.

Die vertrauten Umrisse großer Wälder tauchen auf, allmählich nimmt der Führer das Gas weg, und bald büpft unser braver Vogel sicher und geborgen über die Landebahn des Hafens.

Senta.

Sie hat nichts mit demFliegenden Holländer" zu tun, die gute Senta. Weiß der Himmel, wie sie zu ihrem Namen gekommen ist. Aber geliebt und besungen zu werden, wenn es auch nicht durch Richard Wagner ist, verdient auch sie. Sie ist eine brave Melöehündin, die während der beißen Aprilkämpfe des Jahres 1917 bei Givenchy dem Füsilierbataillon des Garbe-Grenadier- regiments Nr. 5 zugeteilt war.

Bald nach Einsetzen des englischen "Angriffes am 12. April waren sämtliche rückwärtigen Verbindungen einschließlich der optischen Signale zerstört oder durch die Witterung unterbunden.

Das englische Abriegelungs- und Störultgsfeuer machte einen Meldegängerverkehr nach hinten fast un­möglich. Und doch war es gerade letzt für die höhere Führung und zur Erlangung der Unterstützung durch die Artillerie von entscheidender Bedeutung, daß so schnell wie möglich Nachrichten über den Feind und die Lage des fast umzingelten Bataillons zu den rückwär­tigen Befehlsstellen gelangten.

Die letzten Brieftauben waren bereits am Morgen aufgelassen worden. Ein paar Mal war es noch ge­glückt, die Fernsprechleitung zu flicken, bis man es am Spätnachmittag wegen der ständig zunehmenden Artil­leriewirkung endgültig aufgeben mußte, telefonische Verbindung zu suchen. Nur der Meldehund Senta stand noch zur Verfügung.

Sie war eine hübsche, schwarze, deutsche Schäferhün- din mit prächtigen Augen. Sie gehorchte aufs Wort. Nun sollte sie auch ihren Mut und ihre Pflichttreue be­weisen. Sie bekam die Meldungen in ihre Kapsel. Ein kurzes Ermunterungswort ihres Führers. Und uner­schrocken verließ das brave Tier den Gefechtsstaud trotz des schweren Feuers, das gerade auf dieser Stelle lag: sprang wie ein Ball über Granattrichter und Hinder­nisse, kam pünktlich bei der Regimentsgefechtsstelle an und überbrachte schweifwedelnd seine wichtigen Mel­dungen. Allgemeine Zufriedenheit. Dann erhielt es seine Blechkapsel neu gefüllt.Hopp, hopp!" Eifrig

jagte es Wer Trümmer und Schlamm, durch Feuer und Qualm wieder zurück zum Bataillon.

Zehn Mal legte so Senta den gefährlichen Weg rück und stellte eine regelmäßige Verbindung zwischen Bataillon und Regiment her, bis das Bataillon nach seinen schweren Kämpfen in der Nacht abgelöst wurde. Unschätzbare Dienste hatte die Senta geleistet. Ihr Füh­rer Graul erntete für die vorbildliche Führung seines Hundes und Feine eigene Unerschrockenheit bei fassen Einführung höchstes Lob. Er streichelte seinem wacke- rar Tier den feinen Kopf. Verständnisvoll und freu­dig sahen die Augen der Senta zu ihrem Herrn empor, als wollten sie fragen:Habe ich kleines Tier meine Sache nicht auch gut gemacht? Bin ich nicht auch ein Soldat?"

was ein Hessenschödel aushält.

Aus Caffel schreibt man uns: Einen harten Schä­del, vermutlich ein Erbteil eines der Schädel derblin­den Hessen", die einfach die Augen schloffen, um den dichten Kugelregen nicht zu sehen, durch den sie Hindurch stürmten, hat der 27jäyrige kriegsbeschädigte Schmied Rudolf Richter aus dem Söhrdedorfe Wellerode bei Cassel, der in Caffel in einer Maschinenfabrik arbeitet. Er hatte das Pech, daß ihn ein abspringender Eisenblock von 1480 Klg. gegen den Kopf traf, sodaß er augenblick­lich wie tot zusammenstürzte. Der sofort herbeigeholte Fabrikarzt stellte eine tiefe Bewußtlosigkeit fest, konnte aber keine schweren Verletzungen an dem Schädel des Mannes feststellen. Man schaffte Richter ins Kranken­haus, und hier schlief er etwa elf Stunden. Dann stand er auf, wunderte sich nicht wenig, im Krankenhause zu sein, und verlangte entlassen zu werden, da er zu ar­beiten hätte. Er wurde nunmehr von dem Chefarzt und drei Assistenzärzten des Krankenhauses und auch noch von dem inzwischen Herbeigerufenen Fabrikarzte grün­lich untersucht. Allein alle Aerzte konnten, mit Aus nähme einer stark unterlaufenen Haut- und Zellenver- blutung, die durch starken Stoß oder Druck herrichrte, nichts entdecken. Der Schädelkuochen schien zwar ange- beult und etwas schmerzhaft, war aber vollkommen in­takt, zeigte keinen Sprung und keine ernstliche^Verän­derung. Die Aerzte beglückwünschten den schädelfesten Mann und bekundeten ihm, daß er ein Phänomen sei. ein anderer hätte das nicht ausgehalten. Der junge Schmied aber meinte, das komme doch wohl nur daher, daß man im Kriege an solche Vorgänge gewöhnt werde. Er habe bei der Mtnenwerferkompagnte gedient, und da Misse man sich an derartige Püffe schon gewöhnen.