Hersfelder Tageblatt Hersfelder Äreisblatt
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: Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- i ; zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei : ; Hersfeld. Für die Schristleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. : ■■SBaeaaaeaiewaeaBBeBeB«BeagaeBBeaeiBaeesiMBeeBeQaeeBeQKiaBe«BweneaeaBHeinaeBaeaeeaewe
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
; Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im • : amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. : Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Fernsprecher Nr. 8.
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Nr. 36.
Dienstag, den 12. Februar
1918
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 8. Februar 1918.
Merdevomufterung.
Von dem stellv.Generalkommvndo des XVIII. Armeekorps in Frankfurt a. M., zu dessen Pferdebereich der Kreis Hersfeld gehört, ist die Bormusterung des PferdebestanSs im Kreise HersfelS angeorSnet worden. Für die Durchführung derselben ist der nachstehende Reise- und Geschäftsplan festgestellt worden.
Am 27. Februar 9 Uhr vor«, in Hersfeld: Musterung der Pferde aus der Stadt Hersfeld sowie aus den Gemeinden Allmershausen, Aua, Bingartes, Eichhof, Eitra, Gittersdorf, Heenes, Hilperhausen, Kalkobes, Kathus, Kohlhausen, Meisebach, Obergeis, Oberhaun, Oberrode, Petersberg, Rotensee, Roßbach, Sieglos, Sorga, Unterweis, Unterhaun und Wilhelmshof.
Am 28. Februar 8 Uhr vorm. in Niederanla: Musterung der Pferde aus den Gemeinden Asbach,- Beiershausen, Hattenbach, Niederanla, Niederjossa, .Engelbach, Holzheim, Kerspenhausen, Kruspis, Mengs- Hausen, Solms und Stärklos.
Am 1. März 8 Uhr vorm. in Friedlos: Musterung der Pferde aus den Gemeinden Biedebach, Friedlos, Meckbach, Mecklar, Reilos, Rohrbach und Tann.
Am 1. März 4 Uhr nachm. in Kirchheim: Musterung der Pferde aus den Gemeinden Allendorf, Frie- lingen, Gersdorf, Gershausen, Goßmannsrode,Hedders- dorf, Kemmerode, Kirchheim, Kleba, Reckerode, Reimboldshaufen, Rotterrerode und Willingshain.
Am 2. März 9 Uhr vorm. in Schenklengsfeld: Musterung der Pferde aus den Gemeinden Ausbach, Conrode, Dinkelrode, Hilmes, Sampertsfeld, Landers- lengsseld, L-chenksotz, Unterweisenborn, Wehrshausen, Wippershain und Wüstfeld.
Am 2. März 1 Uhr nachm. in Friedewald: Musterung der Pferde aus den Gemeinden Friedewald, Herfa, Hillartshausen, Lautenhausen und Motzfeld.
Am 4. März 9 Uhr vorm. in Heimboldshanse«: Musterung der Pferde aus den Gemeinden Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Philippsthal, Röhrigshof und Unterneurode.
Am 4. März 11 Uhr vorm. in Heringen: Musterung der Pferde aus den Gemeinden Bengendorf, Heringen, Kleinensee, Leimbach, Lengers, Widders- Haufen und Wölfershausen.
Der Vormusterung sind die vor kurzem aufgestellten Pferdevorführungslisten zugrunde zu legen. Dieselben werden den Herren Ortsvorständen in den nächsten Tagen in zweifacher Ausfertigung zugehen. Etwa inzwischen noch in Zugang gekommene Pferde find nachzutragen. Die Pferdebesitzer sind verpflichtet, zu den angegebenen Terminen ihre sämtlichen Pferde zur Musterung vorzuführen. Von der Vorführung sind ausgenommen:
a. die unter 4 Jahre alten Pferde,
b. die Hengste,
e. die Stuten, die entweder hochtragend sind oder innerhalb der letzten 14 Tage abgefohlt haben, ö. die Pferde, welche auf beiden Augen blind sind, e. die Pferde, welche in Bergwerken dauernd unter Tage arbeiten,
f. die Pferde, welche wegen Erkrankung nicht marschfähig sind oder wegen Ansteckungsgefahr den Stall nicht verlassen dürfen,
g. die Pferde unter 1,50 Meter Bandmaß.
In den Fällen zu c. und f. find von den Orts- vsrständen entsprechende Bescheinigungen mit vor- zulegen.
Pferdebesitzer, welche ihre gestellungspflichtigen Pferde nicht rechtzeitig und voRzählig vorführen, haben außer der gesetzlichen Strafe zu gewärtigen, daß auf ihre Kosten eine zwangsweise Herbeischaffung der nicht gestellten Pferde vorgenommen wird.
Die Herren Lrtsvorstände der Stadt- und Landgemeinden des Kreises werden angewiesen, Vorstehendes in ihren Gemeindebezirken wiederholt auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen und namentlich zur Kenntnis der Pferdebesitzer zu bringen. Sie selbst haben zu den Musterungsterminen ebenfalls zu erscheinen und dem Pferdemusterungskommissar die Pferdevorführungslisten mit den dazu gehörigen Bescheinigungen zu übergeben. Im Falle der Behinderung ist für die Anwesenheit eines Stellvertreters zu sorgen. In der Spalte Bemerkung der Vorführungslisten ist vorher auch einzutragen, aus welchen Gründen etwa fehlende Pferde nicht vorgeführt werden.
Die Herren Lrtsvorstände sind verpflichtet, dem Musterungskommissar sofort Anzeige zu erstatten, falls Pferdebesitzer nicht sämtliche Pferde zur Vorführung bringen. Für dir An*»»F^üeit her, erisrd^vl^che» -4KM WM^^t*^ ^ .' f^’C I^rm-Lr*«^s ^inu Vorfahren der Pferde ist Sorge zu trage». Ferner ist dafür zu sorgen, daß das Vorführen genau in der Reihenfolge der Borfnhrnngslisten stattfindet. Hierzu ist erforderlich, daß die Pferde pünktlich zur angesetzten Zeit, übereinstimmend mit der Liste, nebeneinander ohne große Zwischenräume ausgestellt sind. Jede« Pferde ist an der linken Kopfseite ein weißer Zettel (nicht zu dünnes Papier) mit der Nummer, welche derjenige» der Vorführnngsliste entspricht, zu befestigen. Hierbei wird bemerkt, daß nicht die Pferde eines Besitzers für sich, sondern die der ganzen Gemeinde -urchgehen- zn «nmmerieren sind. Zur Vermeidung von unliebsamen Verzögerungen ist, sodann noch streng darauf zu achten, daß die zugewiesenen Nummern seitens der Pferdebesitzer nicht nach Belieben gewechselt werden, sondern dieselben sind stets «nfs genaueste übereinstimmeud mit der Borführungsliste zu belasse».
Schließlich mache ich noch darauf aufmerksam, daß nur bei pünktlichster Einhaltung der angesetzten Termine eine glatte Abwickelung der Musterungsgeschäfte ermöglicht werden kann und darum die
genaueste Beachtung der getroffenen Bestimmungen im eigenen Interesse der Pferdebesitzer liegt
Der Landrat.
Tgb. M. No. 384. J. B.
Funke, Kreissekretär.
Hersfeld, den 4. Februar 1918.
Die Herren Bürgermeister des Kreises, welche noch nicht über die Revision der Feuerstätten berichtet haben, werden an diese Berichterstattung mit Frist bis zum 15. d. M. hieran erinnert.
Tgb. No. I. 1025. Der Landrat.
J. V.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor. (Fortsetzung auf der 4. Seite).
Bus der Heimat«
):( Hersfeld, 11. Februar. HeitererKünstler- a bend. Auf Ersuchen des Kommand. Generals hat der Königliche Schauspieler Gustav Pickert vom Hoftheater in Cassel an der Westfront in Roulers, sowie im Marine Bezirk in Ostende und Blanken- berghe, sowie auf der Insel Helgoland seine „Heiteren Künstler-Abende" vor unseren braven Truppen gegeben. Dieselben Borträge, die von unsern Kriegern bejubelt wurden, wird Herr Pickert am Donnerstag den 14. Februar im Gasthaus „Zum Stern" in seinem „Heiteren Künstler-Abend" bieten und ohne Zweifel denselben Erfolg wie an der Front damit erringen. >
):( Hersfeld, 11. Februar. (Schikoree im st ä d t i s ch e n Verkauf.) In den im Anzeigenteil veröffentlichen Geschäften kommen jetzt große Mengen
^""v so P^ttitig VQ0 Pfund zum Verkauf. Um den von Natur etwas bitteren, aber nach einiger Gewöhnung dadurch besonders reizvoll werdenden Geschmack dieser gerade während der gemüsearmen Zeit an den Mark kommenden Gemüseart zu beseitigen, wird empfohlen, den verhärteten Teil der Breitseite, den Träger von nicht angenehmen Bitterstoffen, ganz herauszuschneiden, die zurecht gemachten Blätter vor dem Kochen drei bis vier Stunden lang in kaltes Wasser zu legen und dem Kochwaffer einen kleinen Löffel voll Zucker oder Magnesia beizugeben. Beim Kochen sind nur irdene Töpfe und Holz- oder Hornlöffel zu benutzen. Irgend welche Berührung mit metallischen Gegenständen während des Kochvorganges verträgt dieses Gemüse nicht ohne an Geschmack erheblich einzubüßen. Ebenso ist es für die Erhaltung seiner Nährsalze und sonstigen wertvollen Substanzen notwendig, das K» chwasse r daraus zu l a ffe n, also nicht etwa einmal abzugießen.
):( Kalkobes, 11. Februar. Mit dem „Eisernen Kreuz" ausgezeichnet wurde der Fahrer August Schiedrumpf Res.-Feld.-Art.-Regt. 50.
Kann die „Bote Garde" den Krieg sortsetzen?
Unsere Feinde im Westen klammern sich an jeden Strohhtlm, um ihre verzweifelte mtlitärüsche Lage zu verbessern. Nach einer Meldung aus Stockholm sollen sich die Vertreter der englischen und französischen Regierung bereit erklärt haben, den Russen sofort jede Materielle und moralischegHilfe zu gewähren, wenn Rußlands neue soziulrevomtiorlüre Armee den Kampf mit dem deutschen Imperialismus ausnehmen sollte. Die Milstärattachees der Entente, die sich teils in Jassy, teils tn Rostom am Don aufhalten, Hallen bereits Anweisung für diesen Fall, sich sofort dem russischen Hauptguartter in,unlieber«. Die neue sozialrevolutionare Armee Rußlands ist die »Stete Garde", die sich die Bolschewicki ge- idKOfcii haben, um im Innern ihre politischen Ziele ge gen die vielen Gegner, die sie haben, durchzusetzen. Diese Armee bat bisher keinen leichten Stand gehabt, sie kämpft so ziemlich in allen Teilen des Reiches, in der Ukraine, in den an Polen grenzenden Gouvernements und endlich in Finnland. Die „Rote Garde" wird bis auf weiteres vollkommen von ben inneren Kämpfen in Anspruch genommen sein. Davon also, daß sie, wie es England and Frankreich wünschen, den Kampf mit dem „deutschen Imperialismus" aufnehmen, wird einstweilen keine Rede sein können. Aber selbst wenn diese sozialrevolu- tionäre Armee frei würde zum Kampf gegen die Mittel Mächte, dann könnte sie sich dennoch mit der ursprüng- fleben russischen Armee auch nicht im entferntesten vergleichen: stellt sie doch nur einen Bruchteil des riesigen Russenbeeres von ehemals dar, beffen Disziplin und Moral ihr fremd ist, und mit dem sie nicht im entferntesten den Siegeswillen teilt, der die Heerscharen Nikolaus II. beseelte. Abgesehen davon aber, hätten sich auch die strategischen Verhältnisse ganz erheblich geändert. Der Süden unserer Ostfront, der von Ukrainen und Rumänen eingenommen wird, fiele für das Bolschewicki- ,eer völlig aus, und an der polnischen, litauischen und turländischen Front ftnbcn die Russen im Gegensatz zu früher selbständige Staatengebilde vor, die sich nunmehr kraglos an Dein Kampf gegen die Friedensstörer belei ligeu würben.
So stehen die Dinge, selbst wenn man die schlechten Versorgungsverhältnisse in Rußland garnicht einmal in Rechnung stellt. Nahrungsuüttel, Waffen, Geld, an allem fehlt es. So aber läßt sich kein Krieg führen. Das müßte man auch in London und Paris wissen, wo man gut täte, feine Hoffnungen bei der „Roten Garbe" nicht zu »verspannen....
jfaliens Traum und die Wirklichkeit.
Die von England genasführten Nationen tun gut, sich von Zeit zu Zeit den vollen Umfang der vor ihnen aufgebauten Luftschlösser zurückzurufen, damit sie ihn mit dem vergleichen, was tönen die Wirklichkeit eingetragen hat. Die von den Bolschewicki angefangene schmutzige Wäsche der europäischen Geheimverträge vordem Kriege dauert noch an und erstreckt sich auch auf den Vertrag vom April 1915, durch dessen Versprechungen Italien bewogen wurde, sich dem Verbände anzu- schließern Der Manchester Guardian vom 18. Januar hat diesen Vertrag veröffentlicht, indem er von der Elittäuschung spricht, die die letzten Reden Lloyd Georges in Italien hervorgerufen hatten. Diese Ent- läuschmig ist nach dem, was in dem April-Verträge dem betrogenen Volke versprochen wurde, verständlich. Der Vertrag rst zugleich ein Beweis für das äußerst umfaffenbe Raub-Programm, das Italien entworfen hatte, und für die Inhaltslosigkeit der Phrase, daß Italien für seine unerlösten Söhne das Schrvert ziehe. Da- nach sicherten England und seine Verbündeten Italien den Besitz des Trentino, von Südtirol, von Triest, von der Grafschaft Görz, eines großen Teiles von Jstrien und von Dalmatierk sowie von Valona zu. Im ältlichen Mittelineer sollte Italien die Zwölf Inseln und einen entsprechende!: Anteil von Kleinasien bekommen, falls dies aufgeteilt würde. Ferner bedang sich Italien einen Anteil an der Kriegsentschädigung aus. Auch verlangte es Erweiterung seines .Kolonialbesitzes in Afrika, wenn dort die deutschen Kolonien verteilt würden. Der Verband sicherte Italien außerdem eine diplomatische Unterstütznug gegen den Papst und England besonders eine Anleihe von mindestens 50 Millionen Pfund zu. Wie man fiebt, war Italien nicht blöde im Zugretsen, und der Verband Nicki blöde im Zusichern. Die Wirk-
ltchkett hat daraus den Verlust von Friaul uns eine deutsch-österreichische Armee in Venetien gemacht. Aber die Verfasser dieses Raubproaraumrs haben die Stirn, von dem Schutz der kleinen Völker und von der durch Deutschland bedrohten Demokratie zu fabeln.
Erheiternde Sokschewicki-Zirigkell
Die Bolfch«viSt-„Regierung" in Charkow.
Wie die Bolschewicki-„Regierung" in Charkow gebildet wurde, schildert die Charkower Zeitung Nowe Sromada ergötzlich wie folgt: Als einer der Vorsitzen ben der neugebildeten bolschewistischen Regieritng in einer Sitzung des Charkower ukrainischen Rates erschien und ertlarte. daß die neue Bolschewicki-Regierung soeben die ganze Regierungsmacht in der Ukraine über- nommen habe, wurde er unter dem Gelächter bet Anwesenden ohne weiteres aus dem Sitzungssaal entfernt. Der Vorsitzende der neuen Regierung roandte sich an den Volkskomurissar für nationale Angelegenheiten in Petersburg mit der Mtte, die neugelltldete Regierung mit Geld zu unterstützen. Er erhielt aus Petersburg folgendes Telegramm:
„Charkow, dem Kameraden Artem. An die Charkower Bank ist schon der Befehl ergangen, auf den Stammt des Zentralexekutivkomitees 2 Millionen Ru bel auf laufende Rechnung zu überweifen. Wenn Sie Hände mtb Kopf besitzen, fordern Sie, nehmen Sie und weinen Sie nicht. Heute gingen 2 Millionen Rubel an Sie ab."
Da in Charkow selbst die erforderliche Zahl von Ministern für die neue Regierung nicht gefunden werden konnte, was wohl der beste Beweis dafür ist, wie wenig Boden die Bolschewicki in Charkow haben, be , gaben sich zwei Bolschewicki nach Petersburg, um dort eine neue Charkower Regierung zu bfide». Bei der «großen Auswalu an „Genossen" machte dies keine großen Schwierigkeiten. Schon am 22. Januar sonnte die Prawda einen Aufruf des neuen Volkssekrelariatö „an alle Ukrainer" veröffentlichen. Vorläufig ist also Petersburg der Sitz der neuen bolschewistische« ukraini schen Regierung.