j Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- • : zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei : • Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld, j
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 17
Umn,«.-«
Sonntag, den 30. Januar
1918
Bus der Heimat«
^(Steuererklärung nicht vergessen!) Die Frist zur Abgabe der Steuererklärung für das Jahr 1918 läuft mit dem 21. Januar ab. Bis zu diesem Tage muß jeder bereits mit einem Einkommen von mehr als 3000 Mk. veranlagte Steuerpflichtige der zuständigen Veranlagungskommiffion die Einkommensteuererklärung schriftlich oder zu Protokoll abgegeben haben. Wer die Frist zur Abgabe der ihm obliegenden Steuererklärung versäumt, hat neben der rm Veranlagungs- und Rechtsmittelverfahren endgültig festgesetzten Steuer einen Zuschlag von 5 v. H. zu entrichten.
, * (Kriegsgefangene und Unfallver- jicher»ng). Werden Kriegsgefangene als gewöhnliche landwirtschaftliche Arbeiter beschäftigt, so sind auch keine besonderen Beiträge für sie an die landwirtschaftliche Berussgenossenschaft zu zahlen. Dresen Bescheid hat das Retchsversicherungsamt auf die Anfrage der Kommandantur eines Kriegsgefangenenlagers, ob Kriegsgefangene, die in der Landwirtschaft beschäftigt werden, nach dem Inkrafttreten des Gesetzes über Fürsorge für Kriegsgefangene vom 15. August 1917 den Vorschriften der Reichs- versicherungsorönung über Unfallversicherung unterliegen, erteilt.
* (Die G ummi-Schuhersatzte ile.) Eine Verordnung der Ersatzsohlen-Gesellschast untersucht ore Herstellung von Sohlen, Absätzen, Ecken und Ferseneinlagen aus Gummi jeder Art. Zwar dürfen zu Ausbefferungszwecken noch dünne Gummisohlen- platten hergestellt werden, nicht mehr jedvch zur Herstellung von Schuhwaren. Jedem Käufer von
MM
Ersatzsohlen-Gesellschaft äüWeärWikeke Gebräuchsan Weisung ausgehändigt werden.
* (Billige Seife.) Der geöffnete Grenz- verkehr hat schon viel Seife aus Rußland kommen laffen und diese k o st e t n u r 1,50 R a r k! Darauf ist auch der Preis der jetzt wieder zum Vorschein kommenden gehamsterten Seife stark gesunken.
* (Zusammenlegung der Handwer ks- be triebe.) Der Staatssekretär des Reichswirtschaftsamts, Freiherr v. Stein, hat auf Vorstellungen des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages mitgeteilt, daß die Kriegsamtsstellen vom Kriegsamte veranlaßt worden sind, sich in der Frage der Zusammenlegung und Stillegung von Betrieben auf vorbereitende Arbeiten zu beschränken und von
irgendwelchen endgültigen Maßnahmen abzusehen. Inzwischen ist das Reichswirtschaftsamt mit den beteiligten Dienststellen darüber ins Benehmen getreten, ob die kriegswirtschaftlichen Verhältnisse es als notwendig erscheinen lassen, hinsichtlich der handwerksmäßigen Betriebe besondere organisatorische Maßnahmen in Aussicht zu nehmen. Sobald aus diesen Erörterungen ein gewisser Ueberblick gewonnen sein wird, beabsichtigt der Staatssekretär des Reichswirt- schaftsamtes, über die in Betracht kommenden Fragen mit einigen Vertretern des Deutschen Handwerksund Gewerbekammertsges Rücksprache zu nehmen. Freiherr von Stein hat schon jetzt betont, daß es seine besondere Sorge sein wird, dem deutschen Handwerk die Ueberwindung der durch den Krieg hervorgerusenen Schwierigkeiten soweit als irgend möglich zu erleichtern.
* (Dürfen Selbstversorger mit der sie beliefernden Mühle wechseln?) Im Regierungsbezirk Cassel hat sich auf Grund amtlicher Ermittelungen herausgestellt, daß eine Anzahl Selbstversorger mit der ursprünglich von ihnen gewählten Mühle gewechselt hat. Dies hat nun den Landräten in den betreffenden Kreisen Veranlassung gegeben, in Verfügungen darauf hinzuweisen, daß ein solches Verfahren der Selbstversorger unstatthaft ist. Ein Wechsel in der Mühle dürfe nur mit Genehmigung des Kommunalverbandes erfolgen. Diese Gene.hmig- ung wird Übrigens nur dann erteilt, wenn ein besonderer Grund zum notwendigen Wechsel der Mühle glaubhaft gemacht wird.
* (Unveränderte Kartoffel-Grund- preife in 1918.) Im parlamentarischen Beirat des Kriegsernährunßsamts ist kürzlich die Frage der FörderungdesKartoffeIanbauesimJahre1918 behandelt
s^nd bm-üb-m Einverständnis, daß der
Möglichkeit gesörSert werden muffe und es zu diesem Zweck dringend erwünscht sei, den Landwirten schon jetzt darüber Gewißheit zu verschaffen, daß sie mit einem 'den Mühen und Kosten des Anbaues entsprechenden Preise rechnen können. Nach längeren Erörterungen sprach sich der Beirat in seiner überwiegenden Mehrheit unter Zustimmung des Staatssekretärs des Kriegsernährungsamt dahin aus, daß im Interesse der Förderung des Kartoffelanbaues eine Herabsetzung des Preises für Kartoffeln gegenüber dem Preise für 1917 nicht angängig sei. Der Kartoffelpreis wird sich daher auch im Jahre 1918 ebenso wie im Jahre 1917 auf einen Grundpreis von 8 Mark für den Zentner Frühkartoffeln und 5 Mark für den Zentner Spätkartoffeln auszubauen
haben. Wie bisher werden, je nach der Anbaugegend und bei Frühkartoffeln auch nach der Lieferungszeit Zuschläge festzusetzen sein, deren näherer Ausge- . staltung ebenso wie die Frage, ob und in welcher Höhe Schnelligkeits- und Anfuhrprämien zu gewähren sind, späterer Entschließung Vorbehalten bleiben muß.
):( Hersfeld, 19. Januar. Mit derRo te n Kr e nz - Medaille wurden folgende Herren ausgezeichnet: Buchdruckereibesitzer Wilhelm Wagner, Weißbinder- meister Joh. Walter, Gastwirt Moritz Kurz, sämtlich aus Hersfeld, und Schreinermeister Schott aus Eitra.
):( Hersfeld, 19. Januar. Von jetzt ab übernimmt die hiesige GoldankaufssteLe auch den Ankauf von Silber, Silbermünzen und silbernen Gegenständen. Als Vergütung werden 13 Pfg. für ein Gramm gezahlt. Dieser vorteilhafte Preis wird hoffentlich mit dazu beitragen, daß die Abgabe der Silbersachen sich recht rege gestaltet.
Neustadt, Kr. Kirchhain, 15. Januar. Der etwa 20jährige Aushilfsbrieftrüger Ruhl spielte beim Landwirt Schlitt mit einem Revolver. Die Waffe entlud sich und die Kugel drang der 1«jährtgen Anna Schlitt in den Kopf. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde sie in die chirurgische Klinik nach Marburg verbracht. Ihr Zustand ist sehr bedenklich.
Blankenhai«, 16. Januar. Eine Strafverfolgung des Geisteskranken, der die Witwe Laura Schmidt ermordet hat, tritt »richt ein, da der Täter als unzurechnungsfähig gilt. Bei der Bestandsaufnahme des Geschäfts der Witwe fand man übrigens noch bedeutende Posten Kaffee, Kakao, Schokolade, Seife und andere Sache», sowie unter dem Bette eine Kiste mit über 10000 Mark in barem Gelde darunter 1000 Mark in Gold. Das hinterlaffene Vermögen beträgt über 100000 ^art. Ein siebenjähriger Sohn
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Mühlhanse«, 14. Januar. Mit einem Browning erschossen hat sich die 24jährige Frau eines Werkmeisters, nachdem sie tagS zuvor schon versucht hatte, sich mit Gas zu vergiften. Der Grund zu der unseligen Tat ist in ehelicher Untreue zu suchen. Die junge Frau hatte während der Abwesenheit ihres Mannes ein Verhältnis mit einem russischen Zivilgefangenen unterhalte», das nicht ohne Folgen bleiben sollte. Als der aus dem Felde zurückgekehrte Ehemann jetzt die gerichtliche Scheidung beantragte, griff sie in der Verzweifelung zur Waffe und tötete sich durch «inen Schuß in die Schläfe. .
Die Kriegsmöbel.
Künstlerische oder nur praktische Ansführung?
Man schreibt uns: In einer Reihe von Großstädten werden jetzt Beratungen darüber gepflogen, in welcher Weise angesichts der geradezu katastrophalen Möbelnot den aus dem Felde heinrkehrenöen Kriegern und den Kriegsgetrauten die Möglichkeit gegeben werden sann, ein eigenes Heim zu gründen. Die Stadt Kassel hat inzwischen positive Arbeit geleistet und 100 000 Mark als ersten Kredit an die Kasseler Schreiner gegeben, damit zunächst und zwar sofort, dreihundert Einrichtungen für Dreizimmer-Wohnungen geschaffen werden. Die Ausführung dieser Einrichtung erfolgt auf Grund von Entwürfen, die ein Preisausschreiben der Gewerbehalle ergab, an dem sich kunstgewerbliche Architekten und Handwerker beteiligten.
In der Preisrichtersitzung kam es dabei zu einem SufammenftoB zwischen Kunstgewerbe und Handwerk von grundsätzlicher Bedeutung, einem Kampf, der auch andcrswv entbrennen wird, wo sich Handwerk und Kunst gegenüber treten. In Caffel erfolgte der Zusam- me^W; zwischen den im Preisgericht vertretenen Siuw gemerkter» und dem besamt fett Handwerkerführer und Direktr-rialmftgMd im Hausabuud, Obermeister M tuest in Caffel. Während die Kunstgewerbler den Sr nwpmrkt vertraten, daß auch bei der einsamsten Woh- nmmvdmidjtiHig auf kunstgewerbliche Ausstattung Wert gelegt werben müsse, da »moderne Ornamente und Fläcimilunterbrechungen den Möbeln einen freundlicheren ' -strich verleihen, beriet sich Obermeister Kniest auf seine langjährigen Erfahrungen und erklärte, bei Mö- bent für kleine Leute und besondere; den Möbeln, auf die es hier antäme, müsse jede überflüssige 'Arbeit in Wegfall kommen. Sie werde obendrein nicht geschätzt. Er selbst habe in Ostpreußen gesehen, daß die Möbel, die aus kunstgewerblichen Werkstätten hervorgegangen sind, das Mißfallen der damit beglückten Bevölkerung erregt haben. Man lächelte darüber und taufte sie nicht. Das umtfuWerbe sei nur auf den besseren Mittelstand und die kapitalkräftigen Kreise angewiesen, die breite Masse lehne seine Bestrebungen ab. In dreier Zeit habe mau nach seinem Hmidwerkerstandpnnkt alle Beranlas- tmw, die Möbel so berzustelleu, daß wenig Material verbraucht und alle maschinellen Borteile ausgenützt werde».
Ob die ganze Möbel frage durch die städtische An- fertigmig von Möbeln gelöst werden kann, ist eine an- dere Frage. Die Ansicht weiter Kreise geht dahin, daß dem limim des Möl>elaufkauseö zu Phautasteprelsen durch die Althäudler gesteuert werben müßte. Es sind
viele Fälle bekannt, in denen Atthändler ohne Rücksicht aus den Preis alte Möbel aufkaufen und aufspeichern. Auch die Wohnungsknappheit wird zum Teil dadurch erklärt, daß zahlreiche Wohnungen jetzt als Lager für Althändler dienen, die damit rechnen, die fDtöbel später zu Wucherpreifen verkaufen zu können. Wie das Reich den Althändlern den Raubes mit getragenen Kleidern und gebrauchtem Schuhwerk aus der Haitd nahm, so wird es auch den Möbelwucher durch Althärrdler verbietet! und den ganzen Altmöbelhandel den Kormnunal- verbünden oder einzelnen Gemeinden übertragen können. Dann würde es sofort ausreichend gebrauchte Möbel zu verständigen Preisen geberr. Die Möbelnot ist heute von größter volkswirtschaftlicher Bedeutung, und sie bedarf ebenso der Regelung durch das Reich, wie sie die Lebensmitel, die Kleidung, das Schuh werk usw. ge- sunden haben.
Held Zohauu.
Aus dem Felde wird uns geschrieben:
Der Gefreite Joharur Labudda vom Granatwerfer- zug 2 des Infanterie-Regiments „Bremer?" ist Litauer, aus Gnesdau im Kreise Putzig. Seine drollige Aussprache reizt jeden zum Lächeln. 9Hmmt Labudda dieses Lächeln wahr, so lacht er selbst mit über das ganze treuherzige, kerngesunde Gesicht mit den ehrlichen, blauen Augen. Er lacht so herzlich, daß alle, die es sehen, davon angesteckt werden. Ein Zeichen für seine Beliebtheit ist, daß das ganze Regiment ihn mit feinem Bornamen Johann nennt. Jedermann kennt ihn und weiß, wieviel prächtige Taten er seit Kriegsbeginn vollbracht hat.
Am 17. Februar, beim Sturm der Engländer auf M i r a u ur out, stand Johann auch wieder einmal an seinem Granatwerfer und jagte ein rasendes Flach- bahnfench in die anstürmenden Engländer. Er bediente feine Maschine allein. Die anderen machten es ihm zu langsam. Aber die Engländer kamen in solcher Menge, daß man dagegen gar nicht ansckießen konnte. Trotz rm- geheurer Verluste drangen sie in den Graben und begannen ihn aufzurollen. Sie kamen vorwärts. Bis an den Werferstand Johanns Da »nutzte auch er weichen. Er führte einen wütenden Beilpickenhieb gegen seinen Werfer, um ihn unbrauchbar zu machen,- dann sprang
•er hinter die nächste Schulterwehr. Dort stand ein zweiter Granatwerfer. Sofort war Johann an ihm und legte im Nu ein beängstigend steiles Schnellfeuer vor die Engländer jenseits der Schulterwehr. Seine Kameraden berichteten, die Wurfgranaten wären so steil geschossen worden, daß man Angst hatte, sie würde p in die eigene Linie niedersaufen.
AVer Johann verstand ferne Waffen zu gebrauchen. Doch sein Munitionsvorrat war bald verbraucht. Da Sing Johann zum eigentlichen Nahkampf über. Einige tapfere Leute schloffen sich ihm an. Nun hatte die Handgranare das Wort. Ruhig, vorschriftsmäßig: abreißen, langsam den Arm heben, werfen! So wurde Schritt für Schritt gewonnen; Engländer um Engländer wurde erledigt. Johann arbeitete im Pulverdampf wie eine Maschine. Aber es mußte ehrlich gemeint sein. Aus einem Stollenloch steckte ein Engländer die Hände hoch. „Js gut" sagte Johann und lief weiter. Da pfiff ihm aus dem Stollenloch h<
aus dem Stollenloch heraus eine Revolverkugel am Ohr vorbei. Das ging Johann gegen den Strich. „Ich dreh um, schmeiß ganz langsam Handgranate in Stollen/ erzählte er später. Die Handgranate platzte hinter dem Engländer und ritz ihn aus dem Stolleneinqana in den Graben, wo er tot liegen blieb. Auf diese Weise rollte Johann mit zwei Kameraden den ganzen Graben, soweit er in Betracht kam, wieder auf. Es war eine Tat von einschneidender Wirkung für den Verlauf des Kampftages. Das E. K. L, zu dem Johann schon mehrfach eingereickt worden war, belohnte ihn für seine Pflichttreue.
Das war aber noch nicht das Ende.
In der Siegsrieöstellnng gingen Patrouillen alle Kompagnien des "n/ZS allnächtlich ins Borfeld. Alle Patrouillenführer bewarben sich um Johann, er solle doch mitgehen. Warum nickt? Gutrnüttg lachend ging Johann ein paarmal mit. Aber auch er wurde müde. Nach drei durchwachten Nächten — am Tage aber hatte er seinen Dienst als Werferführer zu tun erklärte er seinem Zugführer: „Ginge ja gerne mit, möchte aber auch mal was für haben, kuck nachher immer in Mond." „Aber Johann," wurde ihm eutacgnet, „mehr als das E. K. l. können Sie doch gar nicht bekommen." Seine Antwort war überraschend: „Nein, aber mal Kommißbrot oder so."
Diese Geschichte wurde dem Divisiouspfarrer und von ihm dem Divisionskommandeur berichtet. Eines Tages, als das Regiment zurückgezogen war, wurde Johann zu einer bestimmten Zeit an ein Straßenkreuz bestellt. Nrchtsahnend wartete er da. Eine Staubwolke kam näher. Ein Automobil mit dem Abzeichen der Division hielt. Johann erkannte' den Divisionskommandeur. Dieser erhob sich, griff in die Tiefe des Wagens und überreichte Johann — ein K v mmis b r o t Wer Johann kennt, weiß, daß er in diesem Augenblick mit der ganzen Ausdruckskraft seines harmlosen, gesunden Gesichtes und seiner blauen Augen gelacht hat.
So wurde das E. K. I durch ein Kommißbrot übertrumpft.