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Hersfelder Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

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j Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post bs- . AmEObT Anzemer £ Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im : - zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei - ' . " : amtlichen Teile 25 Pfennig. Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. :

Hersfeld. Für die Schriftlertung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. = für Den Krets Hersfelo Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprecher Nr. 8.

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Nr. 7.

Mittwoch, den 8. Januar

1918

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 6. Januar 1918.

Vom 21. Januar 1918 an beabsichtigt die Kriegs­amtstelle in Cassel Abteilung A 4 im Fröbelseminar in Cassel einen vierwöchentlichen Einführungslehrgang in die Kindergartenarbeit zu veranstalten. Zweck des Lehrgangs ist: Einführung in Theorie und Praxis des Kindergartens für nicht vorgebildete Kräfte, die bereits in der praktischen Arbeit stehen oder in die­selbe eintreten wollen.

Die Kosten in den Einführungslehlgang trägt die Kriegsamtstelle. 10 Mark Einschreibegebühren werden erhoben. Die Aufenthaltskosten müssen die Teilnehmerinnen selbst tragen, im BedürftigkeitsfaSe können Beihilfen gewährt werden. Einzusenden sind Lebenslauf und eine Bescheinigung über die bisherige Tätigkeit.

Vom 28. Januar 1918 veranstaltet der Verband Deutscher Kinderhorte im Auftrage der Kriegsamtstelle in Cassel einen zweieinhalbwöchentlichen Lehrgang für Kleinklnderschullehrerinnen, Kindergärtnerinnen und -Hortnerinnen, zur Ergänzung ihrer Kenntnisse, Be­dingungen wie oben. Teilnehmerinnen werden ge­beten ihre Anmeldung, Lebenslauf und Bescheinigung ihrer bisherigen Tätigkeit bis zum 9. Januar d. I. an die Fürsorgevermittlungsstelle Hersfeld, Frau v. Grunelius, Nachtigallenstraße, einzusenden.

Tgb. Nr. I. 197. Der Landrat.

I. B.:

v. Hedemann, Reg.-Assesfor.

MM^r *fcttÄ|^/:^^ ituo.

In letzter Zeit sind wiederholt Selbstversorger hier vorstellig geworden wegen Ausstellung von Mahl­karten zur Verarbeitung von Gerste zu Graupen und Grütze. Die Herren Bürgermeister des Kreises mache ich darauf aufmerksam, daß sie zur Ausstellung von Mahlkarten zur Verarbeitung von Gerste zu Grütze und Graupen zuständig sind. Die dazu notwendigen Mahlkarten sind bei der Firma Wagner & Mohr in Hersfeld anzufordern. Schrotkarten dürfen zur Ver­arbeitung von Gerste zur menschlichen Ernährung nicht benutzt werden. Die Ortseingesessenen sind zu verständigen.

Der Landrat.

Tgb. Nr. K. G. 89. J. V.

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Die stählerne Nesenran-e.

Ueber den in Berlin vvraeführten englischen Tank entwirft die Tägliche Rundschau folgendes Stim- MungZbild: _

Ein kalter, klarer, schöner Vormittag. Auf dem durch eine hohe Mauer abgeschlossenen ©rmtöftücf liegt ein großes, gedrungenes, buckliges, graugestrichenes Etwas, ohne Beine oder Räder. Es hat nur Schenkel, ungeheure -Schenkel, ähnlich den Fortbewegungsmerk- zeugen einer schlafenden Riesenheuichrecke. Aus jeder Flanke erhebt sich eine Beule, die sich bet näherer Be­trachtung als Geschützturm entpuppt: denn aus ihnen starren metallene Rohre. -- Das ist der Tank in Ruhe: eine plumpe Maschine, der irgendetwas Rüder, Spei­chen, Kufen oder dergleichen zu fehlen scheint. Nichts Gespenstisches im Grunde: eine tote Masse, eine un­förmige Unbeweglichkeit.

Dann steigt die Mannschaft ein, schrille Pfiffe. und das eigeuckiche Schauspiel beginnt. Der Motor dröhnt und stöhnt und knattert, die Leblosigkeit erhält Leben, ohne daß man vorerst unterscheiden könnte, wie und wo. Denn der Tank selbst rührt sich nicht, obwohl er unleugbar vorwärts gleitet. Seine Schenkel aber, diese vom Ende bis zur Spitze reichenden gekerbten, schaufel- mTm gegliederten Laufbänder aus Metall, rotieren langsam und schieben das Ganze vorwärts. Und in dem Augenblick, in dem man dies bemerkt hat, in dem Augenblick, in dem die reglosen Schenkel wirkliche Geh­werkzeuge werden, ist der Tank selbst in ein Lebewesen verwandelt. Technisch müßte man von einemLand­kreuzer" sprechen. Das Fahrzeug gleitet wie ein Schiff über die Erde dahin, die Bänder ziehen es einen Hü­gel empor, itblcDpen es durch einen Graben, breiten sich gewaltsam über knackende Baumstämme.

Die Manövrierfähigkeit ist tatsächlich ziemlich groß. Alle -Bewegungen werden glatt und gelenkig aiisge- führt, sogar die völlige K reis drehn n g am einem bestimmten Punkt, ni der ein gewöhnlicher Krastwagen nicht befähig» ist. Eine ziemliche Enttäuschung hinge­gen bereitet die Geschwindigkeir. Eigentlich müßte man Langsamkeit sagen. Der Tank bat nur ein ö-Km- rempo: er bewegt sich also im Durchschnitt nicht schnel­ler als ein Mensch. Das ist einer seiner Hauptfehler. Der ändere ausschlaggebende Mangel ist in der zu we­llig widerstündsfähigeü Panzerung zu erblicken. Wenn ste verstärkt mürbe, wäre es aber mit der Gebrauchs- fähiakeil zu -Ende. Die Langsamkeit gestattet dem Geg- aer bequemes Zielen. Hub ein leichterer Artillerietref- fer bedeutet, wenn er gut sitzt, bereits Vernichtung.

Bus der Heimat.

* (Hohe Preise für Brennholz.) Die letzteren größeren Versteigerungen im Regierungs­bezirk Cassel, die für Brennholz angesetzt worden waren, brachten durchweg sehr hohe Preise. Zu einem Teil waren sie damit begründet, daß sich infolge des reichlichen Schneefalles die Abfuhr aus den Waldungen gebessert hatte. Die durchschnittlichen Preise für Nadelholzbrennscheite schwankten zwischen 252712 Mk. je Raummeter ab Wald, Buchenholz wurde durchweg teuerer bezahlt und ergab fast immer 30 Mark und darüber, während für Etchenbrennholz bis zu 45 Mark ab Wald bezahlt worden sind. Diese Preise sind gegen das Vorjahr durchweg um 3040 Prozent, gegen die Zeit vor dem Kriege aber um reichlich das Zweiundeinhalbfache gestiegen und zum Teil durch die Kohlenknappheit und verteuerten Gespannkosten zu erklären. Welche billigen Preise die Landleute und die unmittelbar in den Waldungen kaufenden Stadt­bewohner dennoch haben, das kann man erst er­kennen, wenn man einige Brennholzpreise aus den Großstädten hört. Vorneweg maschiert Berlin, wo man den Zentner Brennholz im Großhandel mit 16,50 Mark bezahlen muß, das macht, auf den Festmeter umgerech- net, den sehr ansehnlichen Betrag von 165 Mark, wofür man bei uns in Hessen denn doch mehr als sechs Fest­meter oder anderthalden Klafter bestes Nadelholz- brennholz kaufen kann.

* Die meisten Sonn- und Feiertage im neuen Jahre weist mit 7 der Dezember auf. Mit 6 Feiertagen sind die Monate März und Mai, mit 5 die Monate Januar, April, Juni, September und November vertreten, während die übrigen 4 Monate Februar, Juli, August und Oktober nur je 4 Sonn­tage besitzen. Das Jahr 1918 enthält also 60 Feier-

Werktage, nämlich 27, fallen in die Monate Juli, August und Oktober. 26 Arbeitstage hat nur der Monat Januar, mit 25 Arbeitstagen sind vertreten März, April, Mai, Juni, September und November, während die Monate Februar und Dezember die wenigsten Werktage, nämlich je 24 zählen. Das Osterfest verteilt sich diesmal auf 2 Monate, da der Ostersonntag auf den 31. März und der Ostermontag auf den 1. April fallen. Pfingsten, das zweite be­wegliche Fest, wird am 19 und 20. Mai gefeiert. Die beiden Weihnachtsfeiertage fallen auf die Wochentage Mittwoch und Donnerstag. Der Kaiser feiert im neuen Jahr an einem Sonntag seinen Geburtstag. Das Jahr 1918 ist seit Antritt seiner Regierung das 30. und seit der Neuerrichtung des Deutschen Reiches das 47.

Sogar Maschinengewehre rmb Jnsanteriegeweyre kön­nen dem Tank züleibc gehen. Daher war die Rech­nung int Grunde eine falsche, und die Kämpfe im We­sten haben dies zur Genüge bewiesen.

Noch einmal nyrft man einen Blick auf die Riesen- raupe, die schleichende Kröte, die sich mit dumpfem Gröhlen über das Gelände schleppt. Und da ist es nlötzlich, als sei der Tank ein Symbol. Er ist der Krieg, der zugleich lärmend und stumm, rätselhaft und brutal-wirklich einhermarschiert....

Ein DtafMillfM her hie

Schlacht bei Leipzig ermöglichte.

Unser jetzt mit Rußland abgeschlossener Waffenstill- stand lenkt die Blicke zurück auf eine Kriegsunterbre- chung im Jahre 1813 von weltgeschichtlicher Bedeutung: den Waffenstillsta«- von Pläswitz zwischen Napoleon einerseits, den Preußen und Russen andererseits. 2)orf von Wartenberg sieht Darin einen Beweis für das sicht­bare Nachlassen des Genies Napoleons. Der Kaiser selbst gab als Grund für diesen Schritt an: Mangel an Kavallerie und die feindliche Stellung Oesterreichs.

Napoleons Siege von Lützen und Bansten waren weit entferne von entscheidenden Schlägen, deren er in seiner itunmeren Lage zur gründlichen Niederwerfung des Feindes dringerw bedurfte. Taktisch und strategisch hatten seine Gegner gelernt, und ihre durch ilrchts zu erschütternde Tapferkeit war der seiner eigenen Krie­ger mindestens gewachsen. Die verbundenen Preußen und Russen dursten sich in Dem Bewusstsein trostem daß der Geist ihrer Truppen ungebrochen war. Der Kaiser selbst gab sich auch keiner Täuschung darüber out

Schon zwischen Lützen und Bautzen war Caulam- eourt von ihm ins russische HiMpignartier gesandt wor­den, um den Zaren für einen Sonderfrieden zu gewm- itcit Auf die am 18. Mai 1813 bei den russischen Vor­posten abgegebene schriftliche Anfrage Berthiers, ob der Herzog vorr Bicenza zum Absibluß ejneg Waffenstill­standes eine Audienz erhalten könne, erfolgte eine mündliche Ablehnung. Wenige Tage nach der Schlacht bei Bautzen schrieb aus dem trenntidtvitmtoem Hauptquartier der Vertreter Oesterreichs, Graf »ra= Aon, an Berthier, daß französische Offizrere, die mit Aufträgen versehen wären, bei den Vorposten der Ver­bündeten angenommen werden würden. Am 2o. Mai teilte Calilaincourt im Amtrage des Kaisers mit er fet nicht zu Unterhandlungen, sondern nur zum Abzchlufse eines WafsenstUlstandes bevoUinädüiat und bitte daher

* (Schulbücher für das neue Schuljahr.i

Das Ministerium hat angeordnet, daß wegen des zeitigen Falls des Osterfestes im Januar, spätestens im Februar den Buchhandlungen von den Schule» mitgeteilt wird, welche Schulbücher und welche Schriftsteller im Schuljahr 1918/19 gebraucht werden. Die Schüler sollen angehalten werden, spätestens im Februar ihre Bücher bei den Buchhandlungen zu bestellen. Weiter weist das Ministerinm im Hinblick auf die bestehende Papiernot darauf hin, daß, wenn irgend möglich, neue Anschaffungen von Schulbüchern zu unterbleiben haben und ältere Auflagen der Schulbücher zu weiterem Gebrauch nicht wie bisher zu beanstanden sind.

):( Hersfeld, 8. Januar. (Die Zulage« zur Invaliden-, Witwen - und Witwerrente.) Der wesentliche Inhalt der Bundesratsverordnxng über die Gewährung von Zulagen an Empfänger einer Invaliden-, Witwen- oder Witwerreute aus der Invalidenversicherung ist folgender: Wer aus der Arbeiterversicherung eine Invalidenrente oder eine Krankenrente bezieht, also auf der Post eine Rentenquittung mit dem Buchstaben J (hellgrünes Papier) oder K (hellgelbes Papier) vorzeigen muß, erhält vom 1. Februar 1918 ab monatlich acht Mark Zulage. Personen, welche eine Witwen- oder Witwer- rente erhalten, die beim Empfang ihrer Rente also eine Quittung mit dem Buchstaben w (dunkelgelbes Papier) oder WK (grünes Papier) vorweisen müsse«, erhalten ebenfalls vom 1. Februar 1918 ab eine moiratliche Zulage von vier Mark. Empfänger von Alters- und Waisenrenten erhalten keine! Zulage. Die Zulage wird ohne besondere Anweisung der Landesversicherungsanstalt oder der Kasse, von der er seine Rente bezieht, durch die Post ausgezahlt. Der Empfänger muß sich nur rechtzeitig eine besondere

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die Bescheinigungen auf die Rentenquittung erteilt, erhalten kann. Auch die Postanstalt wird Quittungs- muster bereit halten. Die Zulage ist gleichzeitig mit der Rente zu erheben; sie kann aber auch nachträglich gezahlt werden, jedoch werden nach dem 30. Juni 1919 gestellte Anträge auf Zahlung der Zulage für Monate des Jahres 1918 nicht mehr berücksichtigt. Die Zulage wird für volle Monate gewährt. Für die Empfänger einer Unfallrente, deren Erwerbs­fähigkeit in gleicher Weise wie die der Jnvaliden- rentenempfänger beschränkt ist, wird demnächst eine ähnliche erweiterte Fürsorge getroffen werden.

nochmals um die Erlaubnis, sich Sem Kaiser Alexander vorstellen zu dürfen. Der Zar lehnte wieder die unter Umgehung Oesterreichs erstrebten Verhandlungen ab und verwies den französischen Bevollmächtigten an dir Generale Schuwalow und Gneist. In der diesen ge­gebenen Instruktion wurde besonders betont, daß, falls der Waffenstillstand zustande käme, alle während seiner Dauer gepflogenen Friedensunterhandlungen nur un­ter österreichischer Bennittlung stattzufinden hätten.

Letztere, die am 30. Mai in Kloster-Wahlstatt be- aannen und in Pläswitz abgeschlossen wurden, drehten sich zwar in erster Linie um die Grenze des neutralen Gebietes, das nach dem Borschlage Napoleons zwischen die kämpfenden Parteien gelegt werden sollte, aber die Dauer des Waffenstillstandes ließ doch noch größere Ge­gensätze zutage treten. Der Kaiser verlangte zunächst eine Zeit von mindestens zwei Monaten mit vierzehn- tägiger Kündigungsfrist. Dieser Forderung widersetzte sich der preußische Vertreter mit aller Entschiedenheit. Erst das drohende Gesvenst des russischen Rückzuges nach Poleu machte die Preußen nachgiebig, so daß man sich am 4. Juni endlich dahin einigte, den 20. Juni als Endtermin zu beslincmen und eine Kündignugsfrist von sechs Tagen festsetzte. Der Vermittelung Metternichts gelang es später, eine Verlängerung bis zum 10. Au­gust durchzusetzen.

Napoleon selbst sah ein, daß dies Abkommen nicht gerade günstig für ihn war, aber de^Abschlutz des Waf- fenstillstsnöes muß von ihm doch als Erleichteruag em- Pfnnben worden fern; denn er schlief in der Nacht zum 6. Juni zehn lange Stunden. Der Eindruck, den die Unterbrechung der militärischen Operationen aus die Benvchirer Preußens und namentlich auf die Armee inachte, war fast durchweg niederschmetternd, da man nach den Ertahrirngen früherer Kriege allgemein fürch­tete, daß ihr ein ungünstiger Friede auf dem Fuße fol­gen würde.

In Wahrheit aber war dieser Wafsenstillstalid ein Glück für die Verbündeten. Er rettete die Armee vor einer neuen Niederlage und vor dein ivahrschelnllchev Uebertritt auf russisches Gebiet,- er gestattete, die Armee zir reorganisieren und zu verstärken, er ermöglichte du weitere Entwickelung aller noch in Preußen und Ruß­land ruhenden Kräfte und gab Oesterreich Zeit, ferne Rüstungen zu vollenden und sich der Armee anzu- idjlicfjcn

Düne den Waffenstillstand von Pläswitz hätte die völkerbefreiende Schlacht bei Leipzig nicht geschlage« werden können.