Amtlicher Anzeiger
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für den Kreis Hersfeld
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Nr. 283. ^'"LL^ Dienstag, den 4. Dezember
1917
«Mtlichek Teil.
Hersfeld, den 26. November 1917.
Die Erledigung meiner Verfügung vom 14. November dch Js. Tgb. 1. 13639 Kreisblatt Nr. 273 vom 21. November betreffend Fatzanmeldung, bringe ich mit 24 stündtger Frist in Erinnerung.
Tgb. Nr. I. 14614. Der Landrat.
J. V.
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 25. November 1917.
Diejenigen Herren Bürgermeister bzw. Gutsvorsteher, die meine Verfügung vom 26. Oktober 1917 — Tgb. Nr. 1. 13383 Kreisblatt Nr. 257 vom 2. November ds. Js. — betreffend Einreichung der Kartoffelbezugs- schetne der Stadt Hersfeld noch nicht erledigt haben, werden nochmals ersucht, die in Ihren Händen befindlichen Kartoffelbezugsscheine baldmöglichst einzu- senden.
Tgb. Nr. I. 14387. Der Landrat.
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Bezirksfleischstelle
Cassel.
Saffel, den 23. November 1917.
_ _ pp.
In Erfolg der vom Königl. Preuß. Landesfleisch- amtgetroffenenBestimmungen ordnen wir folgendes an: a) Der Handel mit Ferkeln ist nach wie vor freigegeben. Unter Ferkel sind nur solche Schweine zu verstehen, die ein Gewicht bis zu 30 Pfund lebend haben.
b) Um die Ferkelausfuhr überwachen zu können, bleibt die Ausfuhr von Der Erlaubnis der aus- führenden KommunalverbcuM abhängig. Alle ü»o dem Handen unehmen ünd dem Viehhandelsverband bezw. dessen Vertrauensmännern zur Deckung der Schlachtviehumlage zu überweisen.
c) Der zulässige Preis für Ferkel beträgt 1,60 Mk. für das Pfund Lebendgewicht.
d) Vom 1. Januar 1918 ab hört die kartenfreie Abgabe der Ferkel äus. Von diesem Zeitpunkt ab dürfen die Ferkel nur noch an den Viehhandelsverband abgeliefert werden,- sie werden auf die Fleischkarte angerechnet.
Auf Anordnung des Herrn Staatssekretärs des Kriegsernährungsamtes werden zu dem Einheitspreise von 78 Mark — für 50 Kilogramm Lebendgewicht
ist den Kreisen des Regierungsbezirks Cassel mit Ausschluß der Kreise Gersfeld, Fulda, Schlüchtern, Gelnhausen, Hanau- Stadt und Land, bezw. von 79 Mark — in den zuletzt genannten Kreisen folgende Zuschläge bis zum 15. Januar 1918
bei Schweinen im Gewicht
von mehr als 15 — 30 kg. 18 Mark
- „ „ 30 - 45 „ 14 „
„ „ „ 45 60 „ 10 ,,
„ „ 60 75 „ 6 „
für das Stück gezahlt. Es kostet also z. B. 1 Schwein im Gewicht von 30 Kilogramm, das im Kreise Cassel gekauft ist,
60 X 0,78 Mk. = 46,80 Mk.
Zuschlag 18,— „
" Sa. 64,80 Mk.
Die vorstehenden Preise treten am Montag des 26. November 1917 in Kraft-
pp.
Der Vorsitzende: Der stelln. Vors. u. Geschäftsführer :
v. Pappenhein. Rüdiger.
* *
Hersfeld, den 27. November 1917.
Wird veröffentlicht.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
I. F. Nr. 2553. J. SB.
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Verordnung
über Preise von Schlachtschweinen.
Vom 23. November 1917.
Auf Grund des § 8 Abs. 2 der Verordnung über die Preise der landwirtschaftliche Erzeugnisse aus der Ernte 1917 und für Schla^ck,'eh vom 19. März 1917
vomH 2
Abs. 1 der Verordnung über die Schlachtvieh- und Fleischpreise für Schweine und Rinder vom 5. April 1917 (Reichs-Gesetzbl. S. 319) folgendes bestimmt:
Artikel 1.
Die in der Verordnung über die Preise von Schlachtschweinen vom 15. September 1917 (Reichs-Ge- setzbl. S. 837) zunächst bis zum 30. November 1917 einschließlich festgesetzten Höchstpreise für den Verkauf von Schlachtschweinen durch den Viehhalter dürfen bis zum 15. Januar 1918 einschließlich wetterbewäbrt werden. Daneben dürfen bis zum gleichen Zeitpunkt für jedes zum Verkaufe gelangende Schwein, das mehr als 15 und nicht mehr als 75 Kilogramm Lebendge
wicht hat, folgende Beträge (Stückzuschläge) zuge- schlagen werden:
wenn das Lebendgewicht des Schweines beträgt: mehr als 15 bis einschließlich 30 Kilogramm 18 Mark
„ 30 „ „ 45 „ 14 „ „ „ 45 „ „ 60 „ 10 „
„ „ 60 „ „ 75 „ 6 „
Artikel 2.
Diese Bekanntmachung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft.
Berlin, den 23. November 1917.
Der Staatssekretär des Kriegsernährungsamtes, von Waldow.
(Fortsetzung auf der 4. Seite.)
Bus der Helmut.
§ Hersfeld, 3. Dezember. Von der Bekanntmachung betreffend Bschlagnahme, Behandlung, Verwendung und Meldepflicht von rohen K a n i n-, H a s e n- und Katzenfellen und aus ihnen hergest eilten Leder vom 1. Juni 1917 (Nr. L. 800/4. 17. K. R. A. werden durch die Kriegs-Rohstoff-Abteilung des Kriegsministeriums Ausnahmen mit Wirkung vom 24. November 1917 ab zugelassen. Während bisher der Besitzer eines Tieres, sofern er nicht Mitglied eines Kaninchenschutzvereins war, beschlagnahmte Felle nur an einen Händler (Sammler) veräußern durfte, ist ihm nunmehr eine Veräußerung auch an die Vereinsmeldestelle eines Kaninchenschutzvereins seines Wohnortes gestattet. Ferner ist die Frist von drei Wochen für die Veräußerung eines Felles durch den Besitzer
MnMn . rtrtr "-ant- worden.
Am gleichen Tage wird eine Bekanntmachung der Militärbefehlshaber über den gleichen Gegenstand in Kraft treten. Während bisher alle Personen, welche Kaninchen, Hasen und Katzen geschlachtet haben, deren Felle unter bestimmten Bedingungen zwar veräußern durften, aber hierzu nicht gezwungen waren, besteht nunmehr eine Verpflichtigung, die Felle binnen sechs Wochen nach der Veröffentlichung der Bekanntmachung bzw. nach dem Abziehen des Felles an die Vereinsmeldestelle eines Kaninchenschntzvereins ihres Wohnortes oder an einen Händler (Sammler) zu verkaufen. Der Wortlaut der Bekanntmachung ist bei den Landratsämtern, Bürgermeisterämtern und Polizeibehörden einzusehen.
Englischer Kriegs-Srnnral 1913.
Grey: „Nicht ratsam, den Krteg hinauszu schieben."
: kurz vorher benachrichtigt und ans Herz gelegt, daß die Sitzung müsse. Auch die nicht eingelaöe-
Ueber einen englischen Kronrat, der im Juli 1913 stattgefunden hat und in dem die grundsätzliche Entschei- duna Wer einen baldigen Krieg gegen Deutschland gefallen ist, berichten die „Hamburger Nachrichten" auf Grund von Mitteilungen von durchaus zuverlässiger Seite. Danach fand im Juli 1913 beim Premierminister Asguith in London eine geheime Sitzung einer beschränkten Anzahl von Mitgliedern des Geheimen Staatsrats (Privy Council) statt. Die meisten der Eingeladenen wurden erst kurz vorher benachrichtigt und es wurde ihnen gleich ans Herz gelegt, daß die Sitzung streng geheim bleiben müsse. Auch die nicht eingelade- nen Mitglieder des Geheimen Staatsrats sollten nichts davon erfahren. Der König wohnte der Sitzung bei. Kitchener hielt nun einen sorgfältig ausgearbeiteten Vor- trag. Seine Ausführungen gipfelten in der Behauptung, daß, selbst wenn Italien nicht an der Seite seiner Verbündeten in den Atrien ein greifen würde, Deutschland und seine Bundesgenossen ein derartiges Ueberge- wicht über Rußland und Frankreich haben würden, daß an ihrem Steg nicht zu zweifeln sei. Grey sprach kurz über Rußland, sehr ausführlich dagegen über Frankreich. Die Bemühungen dieses Landes, sich ein tüchtiges mrb schlagfertiges Heer zu verschaffen, seien, so führte er aus, von Erfolg gekrönt gewesen, doch bleibe die zahlenmäßige Ueberleqenheit Deutschlands zu, groß. „Der Wunsch jedes Franzosen, die Provinzen, die vor mehr als 40 Jahren Mit Gewalt und gegen den Wunsch der Bevölkerung Frankreich entrissen wurden, mit ihm wieder zu vereinigen, umtz als vollständig gerechtfertigt betrachtet werden." Die Wunde Frankreichs würde sich im Laufe der Jahre vielleicht schließen. Aber ist das ein Borteil für England'? Heute noch und vielleicht nach manchen Jahren kann England auf die Hilfe Frankreichs und Rußlands rechnen, wenn die Bestrebungen Deutschlands, uns von den Meeren zu verdrängen, un- erträglich werben und uns zwingen, unseren Besitz zu verteidigen. Wie mag die Lage in zwanzig Jahren sein? Dann lebt keiner mehr, der 1870 miterlebt hat, dann find schon die Eltern, die Großeltern der Elsässer, die im deutschen Heere dienen, als Defitsche geboren. Dann mögen in Rußland Männer an der Spitze stehen, auf die wir keinen Einfluß haben. Dann wird Deutschland sicherlich auf allen Gebieten noch viel mächtiger sein, als :s heute in unseren Tagen schon ist. Wir aber werden isoliert sein. Unsere Freunde werden uns verlassen jaben, weil wir nicht mehr den Entschluß fassen konnten, ihnen unsere Hilfe zu gewähren zu einer Zeit, vo sie ohne diese Hilfe nicht handeln konnten."
Kitchener nahm wieder das Wort. „Die Zeiten sind vorüber, da England sich erlaliben tonte, Mette an
stehen und die festländischen Mächte ihre Kämpfe allein ausführen zu lassen. Wir würden Selbstmord begehen, wenn wir an einem europäischen Krieg nicht von Anfang an teflnehmen würden. Frankreich- ist Deutschland nicht gewachsen. Ein siegreiches Deutschland wird keinerlei Einmischung dulden. Wir könnten Deutschland keinen größeren Dienst leisten, als beiseite zu stehen und Frankreich zerschmettern zu lassen. Frankreich wird aber zerschmettert werden ohne uns. Morley stellte die Frage, ob es unter diesen Umständen nicht besser sei, einerseits Deutschland völlige Klarheit darüber zu geben, daß ein Anspruch auf Frankreich England unter allen Umständen an Frankreichs Seite finden würde, andererseits Frankreich davon zu verständigen, daß England auf keinen Fall einen Angriffskrieg gegen Deutschland zum Zwecke der Wiedergewinnung Elsaß- Lothringens dulden würde. Grey erwiderte, er habe sich diese Frage schon selbst vorgelegt. In der Theorie sei das ja das sicherste, um den Frieden zu bewahren. Praktisch sei die Sache anders. Es sei ja immerhin möglich, daß die deutsche Regierung endlich zur Erkenntnis konrmen würde, daß die Beherrschung der Meere für England eine Lebensfrage sei und daß Deutschland seine ehrgeizigen Pläne fallen lasse. Darauf erwiderte Mor- ley, daß ihn die von Grey vorgebrachten Gründe nicht überzeugt hätten.
Nach einer Pause wies Kitchener erneut auf die Gefahr hin, die England drohe, wenn es nicht rechtzeitig Deutschland entgegenträte. Er schloß seine Rede mit den Worten: „Deutschlarrd ist neidisch auf unsere reiche Erbschaft, und es gibt keinen arideren Weg, als daß wir darum kämpfen. Es ist niemals gut, das Unvermeidliche Hinausuischieben." Morley fragte, ob denn die Re- gierung nicht noch einmal versuchen wolle, mit Deutschland zu einem Einverständnis über die Flottenrüstum gen zu gelangen. Grey erwiderte: „Ich halte solche Anstrengungen für unnütz. Sie werden keinen Erfolg haben und Deutschland in dem Glauben stärken, daß England der Atem auszugehen droht. Außerdem wird Ihnen der Erste Lord der Admiralität noch einige Muteilungen machen, aus denen Sie ersehen lverden, daß es nicht ratsam ist, den Krieg. der doch n«n einmal komme» muß, noch länger hmansznfchr ben." Hiernach luelt Churchill einen Bortrag. Augenblicklich habe England einen großen Borsorung auf dem Gebiete der «eebere- schaft. Es fei zweifelhaft, ob das immer so bleiben würde. Daher erscheine es ihm besser, nicht zu warten, bis etwa der Krieg zur See eine gänzliche Umwandlung erfahren habe.
Als Kitchener in seinem Schlußwort die.Streitkrafte Deutschlands und Oesterreich-Ungarns sowie die Rußlands und Frankreichs zusamurenfaßte, fragte ihn Lans- downe: „Der edle Lord hat Italien nicht erwähnt, obwohl trttcte.it mnmeit wird, daß Italien der VLlhündete
Deutschlands und Oesterreichs ist" Kitchener schwieg hierauf und Grey antwortete an seiner Stelle: „Die Regierung Seiner Majestät hat Grund zu der Annahme, daß Italien bei einem Zusammenstoß neutral bleiben wird."
Die polnische Klippe.
Die angeblich dahin zielende Lösung, Kongreßpolen und Galizien zu einem selbständigen Polen unter der Habsburgischen Krone zu vereinen, findet in dem in politischen Interessen zersplitterten Oesterreich eine weil schärfere Betrachtung als in gewissen deutsche» Lagern Richt weniger als 7 dringliche Anfragen über Polen standen auf der Tagesordnung des österreichischen Abgeordnetenhauses, und diese Anfragen wurden meist mit innerpolitischen, aber auch mit autzerpolitischen Gründen unterstützt. Eine Anfrage der Ruthenen protestiert gegen die Angliederung Galiziens an Polen, weil so Die galizische Ukraine unter die polnische Herrschaft kommen wurde. Die Anfragen erklären weiter, durch die Lösung der volnischen Frage ohne gleichzeitige Lösung der südslawischen, böhmischen und ukrainisci-en Frage würde ein Zustand geschaffen werden, in dem die slawischen Völker im Reichsrat für ewige Zeiten in Minderheit versetzt würben. In einer von Dr. Adler namens der deutschen Sozialdemokraten gestellten Anfrage wird auf den Widerstand hingewiesen, den die geplante Lösung in den Entente-staaten hervorrufen würde. Ferner wird in der Anfrage erklärt, daß der Plan eine ernste Gefährdung des Friedens sei unD ebenso für die bisherige Demokratie in Oesterreich als auch für die Freundschaft Deutschlands mit Oesterreich-Ungarn gefährlich sei. Ministerpräsident Dr. iRitter von Seidler erklärte auf die Anfragen u. a., es könne noch nicht davon gesprochen werden, daß Die polnische Frage gelüst sei, solange die mit der deutschen Regierung ein- geleiteten Vorbesprechungen nicht zu einer vollen Klärung gefilOrt hätten. Er möchte ausdrücklich betonen, daß die polnische Frage kein FriedensbinderNts darstellen könne, weil ihre Lösung eine Vergewaltigung ausschlcetze. Nach freier Wahl solle der pDfnif^e Staat sich in Zukunft seine politische Orientierung suchen. Es wäre verfrüht, wenn sich Die Regierung auf eine Erörterung darüber einlassen wollte, ob und welche Rückwirkungen auf die inneren Verhältnisse Oesterreichs aus dieser unD jener Lösung der Frage des Königreichs Polen entstehen würden. Jedenfalls werde die Regierung sorgfältig darüber wachen, daß Oesterreich nicht geschwächt, sondern gestärkt aus dem Wechsel der Dinge hervvr- gehe und seine Völker unter voller Sicherung ihrer Interessen der Segnungen nicht nur des äußern, sondern auch des innern Friedens M danernd erfreuen könne.