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Reuter meldet die Räumung Petersburgs.

Völlige Räumung der russischen Hai pistadi.

>■£ Petersburg, 19. Oktober. (WTB.) Reuter mel­det: Angesichts der neuen Lage ergreift die Regierung Maßnahmen zur völligen Räumung der Hauptstadt.

Die Niederlage der russischen Flotte.

Die Russen geben den Untergang der „Slawa" zu.

Die Russen melden am 18. Oktober: Baltisches Meer: Der Feind drang nachts in den Rigaischen Meerbusen ein. Bei Tagesanbruch wurde am 14. Okto­ber durch unsere Vorhuten ein Teil der feindlichen Streitkräfte gesichtet. Unsere Vorhut begann unter dem Druck des Gegners zurückzuweichen. Die Linien­schiffe „Tanjanin", „Smwa" und der Kreuzer „Bala" kehrten Daran1 in den Rigaischen Meerbusen zurück und verjagten durch ihr Feuer die feindliche Vorhut. Darauf griffen die Hauptstreitkräfte des Gegners an und kamen mit uns in ein Gefecht. Unter den bedeutendsten Schif­fen des Gegners befanden sich zwei Dreadnoughts vom Typ „Großer Kurfürst". Im Verlaufe der ungleichen Schlacht versuchten die feindlichen Dreadnoughts, sich in einer Entfernung zu halten, die oft die Tragweite un­serer alten Linienschiffe übertraf. Obwohl die feind­lichen Schiffe den unsrigen beträchtlich überlegen waren, verteidigten die unseren dennoch lange Zeit den Ein­gang zum Busen. Nur weil sie durch das Feuer der feindlichen Dreadnoughts schwer beschädigt waren, sahen sie sich gezwungen, sich in das Innere des Moonsundes zurückzüziehen. Das Linienschiff „Slawa" wurde unter der Wasserlinie getroffen und sank. Fast die ganze Be­satzung wurde durch unsere Kanonenboote gerettet. Im Verlaufe dieser Schlacht verjagten unsere am Eingang zum Moonfund aufgestellten Batterien durch ihr Feuer die feindlichen Kanonenboote, die sich unsern Schiffen zu näbern versuchten. Gegen Ende der Schlacht rich­teten die feindlichen Dreadnoughts ihr Feuer gegen die Küstenbatterien. Diese Batterien wurden nahezu völlig zerstört. Ein anderer Teil unserer Seestreitkräfte hielt im Moonsunde selbst einen heftigen gegen die Nordküste gerichteten Angriff auf. Dieser Angriff hatte keinen Erfolg. Zu gleicher Zeit warf eine große Anzahl feind­licher Flugzeuge eine gewaltige Menge Bomben auf die Küste der von uns besetzten Insel und unsere Fahr­zeuge ab. Im Verlaufe dieser Luftkämpfe wurde neuer- dinas ein teindliches Flnqze'ug durch unseren Flieger Leutnant Samanow abgefa-ossen. Auf der Südwest­küste der Insel Dagö landete der Feind neue Abtei­lungen, die sich kurz darauf unter dem Feuer unserer Schiffe zurückzogen. Nach einiger Zeit bombardierte ein feindlicher Kreuzer und der Treaonought „Kaiser" die Küste. Unsere Posten konnten von der Insel Dagö feststellen, daß die feindlichen Schiffe von verschiedenen Typs waren, unter ihnen befanden sich Dreadnoughts, die durch Kanonenboote geschützt waren. Die Zahl der allein in der von unseren Vorposten eingesehenen Ge­gend gesichteten Schiffe erreichte zeitweilig 55 Einheiten.

Drohung mit der englischen Flotte.

„Daily Mail" vom 16. Oktober schreibt über die Landung auf Oesel und die Eroberung dieser Insel: Dies sind fraglos Marineoperationen. Da sie von der deutschen Flotte ausgeführt worden sind, hoffen wir, daß wir bald hören werden, daß sie von der britischen Flotte, die die See beherrscht, durchkreuzt worden sind.

Der „Nieuwe Courant" schreibt über die Einnahme der Insel Oesel: Jedenfalls ist der russische Horizont be­wölkter denn je. Das lange drohende Gewitter scheint ausbrechne zu wollen. Rußlands Bundesgenossen wer- ausbrechen zu wollen. Rußlands Bundesgenossen wer- sehen. Auch wenn die Verbündeten ihr Auge hoffnungs­voll auf Amerika gerichtet haben und Rußland als Hilfs­kraft bereits ausgeschaltet ist, werden sie sich gedrungen fühlen, Deutschlands Bestrebungen zur Ausbreitung sei­ner Macht entgegenzutreten. Rußland Erleichterungen zu schaffen, wird England sich bewogen fühlen. Wird es dazu seine stolze Flotte wagen?

Die überaus günstige Operationsbasis im Osten.

Berlin, 19. Oktober. (WTB.) Die Einnahme von Oesel und Moon verbessert unsere op rative Lage im Norden der Front ganz erheblich. Mit dem Besitz von Oesel und Moo» ist eine für weitere Unternehmungen überaus günstige Overationsbasis geschaffen. Durch die Mitwirkung der Marine, die durch den Besitz Oesels er­möglicht nur-, gestalten sich auch die rückwärtigen Ber- bindnngen au dieser Front erheblich einfacher als bis­her.

Gisela Räumer.

Geschichte eines Frauenschicksals von Reinhold Ortmann. 54) (Nachdruck verboten.)

„Und Sie hatten zu dieser Zeit nicht den Eindruck, daß ihr Befinden sich wesentlich verschlechtert habe?"

„Nein. — Frau Schöningh hatte bis nach vier Uhr sanft geschlummert, und als sie mich dann aus dem Nebenzimmer hereinrief, in dem ich solange gewacht hatte, versicherte sie mir ausdrücklich, daß sie sich nicht schlechter fühle als gewöhnlich."

„Erinnern Sie sich noch daran, was sie sonst mit Ihnen gesprochen?"

„Gewiß! — Sie erzählte mir von einem beängsti­genden Traum und forderte mich dann auf, mich zur Ruhe zu legen, weil sie gewiß sei, daß sie noch ein paar Stunden ruhig schlafen werde, und weil sie keines Bei­standes bedürfe."

„Hatten Sie sich' auch in früheren Nächten zuwei­len auf die gleiche Art fortschicken lassen?"

Wenn Gisela eine Empfindung dafür hatte, daß diese Unterhaltung mehr und mehr den Charakter eines Verhörs anzunehmen begann, so ließ sie sich dadurch doch jedenfalls nicht abhalten, in demselben müden, gleichgültig klingenden Tone Antwort zu geben, den ihre Aeußerungen von Anfang an gehabt hatten.

„Nein, es war bisher niemals vorgekommen, weil die Frau Generalkonsul selten aufwachte, nachdem sie unter der Wirkung des Schlafmittels erst einmal ein­geschlummert war."

„Und dies Schlafmittel — Sie meinen doch die von mir verschriebenen Morphiumtropfen, nicht wahr? — Frau Schöningh hatte sie auch gestern bekommen?"

• „Ja."

«Von wem?*

[ Aus dem großen Hauptquartier. '

&s4 .Großes Hauptquartier, 19. Okt. (Amtl. WTB.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprin? Rupprecht

Die Artilleriekampftätigkeit in Flandern erreichte gestern wieder an der Küste sowie zwischen Ufer und Lys große Stärke. Besonders heftig war das Feuer am Houthoulsterwalde, bet Passchendaele «nd zwischen Ghe- luvelt und Zanvoorde.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz

Nach regnerischem Morgen schwoll von gestern mit­tag ab die Artillerieschlacht nordöstlich von Soissons wie­der zn voller Höhe an und tobt seitdem bei gewaltigem Mnnitionseinsatz fast nnnnterbrochen. Morgens dran­gen bei Vanxaillon, abends an der ganzen Front bis Braye nach Trommelfeuer starke französische Abteilun­gen zu Erknndungsstötzen vor. In örtlichen Kämpfen wurde der Feind überall zurückgeworfen.

Die Nachbargbschnitte und das Rückengelände der Kampffront lagen unter sehr starkem Zerstörungsfeuer, das von uns kräftig erwidert, wurde.

Im Ostteil des Chemin des Dames griffen die Franzosen erneut dreimal unsere Stellungen nördlich der Mühle von Banclerc an. Sie wurden blutig ab­gewiesen.

Bei den anderen Armeen schränkten Rege« «nd Ne­bel die Gefechtstätigkeit ein.

Unsere Gegner verloren gestern 12 Flugzeuge, da­von 6 avs einem Geschwader, das auf Roulers und Jugelmünster mit beträchtlichem Hänserschaden Bomben abgeworfen hatte.

Oestlicher K^telfsschauplatz

Unter Befehl des Generalleutnants von Estorff er­kämpften unsere Truppe», auf Booten und auf Sem Steindamm durch den kleinen Sund übergehend, das Westufer der Insel Moon. In schnellem Vordringen wurden die Russen, wo sie Widerstand leisteten, über- tannt Bis zum Mittag war die ganze Insel in unserem Besitz.

Von Norden und Süden eingreifende Landuugsab- teilungen der Marine und die Geschütze unserer Schiffe trugen zu dem schnellen Erfolg wesentlich bei.

Zwei russische Infanterie-Regimen­ter in Stärke von 5000 Mann wurden ge­fangen. Die Beute ist beträchtlich. Auf Oesel sind ein Divisions- und drei Brigadestäbe in unsere Hand ge­fallen.

Unsere Seestreitkräfte hatten in den Gewäsiern um Moon mehrfach Gefechte mit feindlichen Kriegsschiffen.

Das russische Linienschiff „Slava" (13 500 Tonnen) wurde in Brand geschossen und ist dann zwischen Moon und der Nachbarinsel Schildau gesunken.

Land- und Marineflieger hielten die Führung über den Verbleib der-feindlichen Kräfte gut unterrichtet. Mit Bombenabwürfen und Maschinengewehrfeuer griffen sie auf Land und See den Feind oftmals mit erkannter Wirkung an.

An der russisch-rumänischen Kampffront und auf dem

Mazedonischen Kriegsschauplatz keine besonderen Ereignisse.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.

Der deutsche Abenddericht.

Berlin, 19. Oktober, abends. (Amtlich. WTB.)

Im südlichen Teile der flandrischen Front und nordöstlich von Soissons trotz schlechten Wetters star­ker Feuerkampf.

Vom Osten bisher nichts Neues.

25 000 Frauken für die erste Bombe auf Berlin.

Nach einer Londoner Meldung des „Matin" hat ein biederer Bürger aus Manchester einen „Ehren­preis" von 25 000 Franken für den Entenleflieger aus­gesetzt, der die erste Bombe auf Berlin wirft. Zitt're Berlin!

„Bon mir, Herr Doktor!"

„In der gewöhnlichen Dosis?"

„Gewiß, Herr Doktor! — Ich habe die Tropfen ge­nau abgezählt wie immer."

„Und Sie gaben sie ihr natürlich aus dieser Flasche hier, Fräulein Räumer?" .

Er hatte eine auf dem Nachttischchen neben dem Bette stehende Arzneiflasche ausgenommen und hielt sie Gisela entgegen — doch so, daß sie zu mehr als zwei Dritteln in seiner Hand verborgen blieb. Gisela warf nur einen flüchtigen Blick auf das Gesäß. Dann nickte sie zustimmend.

„Jawohl! — Es war ja gar keine andere Medizin- flasche da."

„Noch eine Frage, wenn Sie gestatten! — Wann sind diese Morphiumtropfen zuletzt angefertigt worden?" Die Gefragte dachte einen Augenblick nach.

„Vorgestern, wenn ich nicht irre."

„Ganz recht! — Ich besinne mich genau, die Ver­ordnung vorgestern erneuert zu haben. Die Flasche muß also noch beinahe gefüllt gewesen sein, als Sie am gestri­gen Abend die wenigen Tropfen abzählten, deren es für die vorgeschriebene Dosis bedurfte."

„Ja, es fehlte nur erst sehr wenig. — Aber ich weiß nicht, warum Sie mich das fragen, Herr Doktor!"

„Oh, es hat weiter keine Bedeutung," sagte er und wandte sich, wie wenn er die Flasche an ihren Platz zu­rückstellen wollte. In Wirklichkeit aber schob er sie statt dessen mit einer unauffälligen Handbewegung in die Brusttasche seines Rockes.

„Spuren einer ungewöhnlichen seelischen Erregung haben Sie an der Kranken auch nicht wahrgenommen, bevor Sie sie verließen?" nahm er dann das Gespräch noch einmal auf.

Und Gisela erwiderte, indem sie voll zu ihm aufsah:

£ Vom österr-ungar. GeneralsLad?^

Wien, 19. Oktober. (WTB.) Amtlich wird ver- lautbart:

Oestlicher Kriegsrechauplatz und Hlbanten.

Bei den österreichischen Streitkräfte» nichts Neues.

«Italienischer Kriegsschauplatz

Vor der Tiroler und an der Kärntner Front kam es vorgestern und gestern an zahlreichen Stellen zu ört­lichen Kämpfen. Unsere Truppen brachten 300 Ge­fangene und Kriegsgerät ein. Am Jsonzo gewöhnliche Artillerictätigkeit.

Der Chef des Generalstabes.

f Amtliche Meldung des Admiralstabs.

r-s- Berlin, 19. Oktober. (Amtlich. WTB.) 1. Eines unserer Uboote, Kommandant Kapitänleutnant Rohr- beck, hat am 2. Oktober nördlich Irland den englischen Panzerkreuzer „Drake", 14 300 Tonnen Wasserver­drängung, durch Torpedoschutz vernichtet.

2. Weiterhin wurden durch unsere Uboote im At­lantischen Ozean neuerdings 16 000 BRTo. Handels- schiffranm vernichtet. Unter den versenkten Schiffen be­fanden sich der bewaffnete englische Dampfer „Drake", 2767 To., sowie der englische Dampfer „Heron" mit Kohlenladung, ferner die französische Dreimastbark „Neuilly",mit 3050 Tonnen Getreide von Melbourne nach Bordeaux, sowie die französischen Fischkutter „Union Repnblicaine", „Jannet", „Livertee", „Peuplo Freres", von denen die letzteren drei bewaffnet waren.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

Torpedoboots-Angriff auf Dünkirchen.

Berlin, 19. Oktober. (Amtlich. WTB.) Teile un­serer Torpedobootsstreitkräfte haben in der Nacht vom 18. znm 19. Oktober Dünkirchen angegriffen und 250 Sprenggranaten auf nahe Entfernung gegen die Ha- fenanlagen der Festung gefeuert. Das Feuer wurde von Landbatterien und von den auf Reede liegenden feindlichen Streitkräften, die von uns ebenfalls mit sicht­barem Erfolg bekämpft wurden, erwidert. Ein eng­lischer Monitor wurde durch drei Torpedotreffer und zahlreiche Artillerietreffer schwer beschädigt. Die eigenen Boote sind vollzählig nnd unbeschädigt ein­gelaufen.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

KerensKrs Gegenmaßnahmen gescheitert.

Wie englische Blätter aus Petersburg melden, hatte Kerenski den Versuch gemacht, das Gros, wenn nicht die gesamte russische Flotte einzusetzen, um noch wäh­rend des Kampfes auf Oesel einen entscheidenden Schlag gegen die dort befindlichen Teile der deutschen Flotte zu wagen, die umklammerten russischen Streit­kräfte auf Oesel zu entsetzen und im glücklichsten Falle eine Aktion gegen Riga einzuleiten. Zu diesem Zweck hatte Kerenski Befehl zur Konzentration der russischen Flotte bei Kronstadt und Befehl zur Einschiffung gro­ßer Streitkräfte gegeben. 14 000 bis 16 000 Marinetrup- pen seien bereits eingeschifft, später aber auf Betreiben des Kronstädter Arbeiter- unp Soldatenrates wieder

Kronstabt--^fvrtzG-— setzt sehr beunruhigend. Die „Daily Mail," die hierüber eingehend berichtet, sagt, daß dir Disziplinlosigkeit der normale Zustand sei. Politische Leidenschaften hätten die ganze Ordnung aufgelöst. Selbst die Autorität eines Kerenski sei im Verblassen. Der Stockholmer Berichter­statter der „Daily Mail" meldet, daß nur die Besatzun­gen kleinerer Fahrzeuge der russichen OstseeflottL zuver­lässig seien.

General Gurkow verläßt das Schiff.

ö-* Rotterdam, 20. Oktober. (Privattelegr.) Wie aus London gemeldet wird, erklärte General Gurkow, der in London eintraf, einem Vertreter des Daily Ex­preß, er sei mit einem Damvfer von Archangelsk nach England gekommen und wünsche solange zu bleiben, bis die Verhältnisse in Rußland sich geklärt hätten. Er hoffe, daß ihm General Robertson erlaube, an der Westfront die Kriegsmethoden zu studieren.

Der Kampf in Ostafrika.

Reuters Korrespondent bei den britischen Truppen in Ostafrika meldet vom 11. ö. M., daß die Deutschen im Gebirge von Mingi den Vormarsch der Engländer durch einen Gegenangriff anfzuhalten versuchten, daß sie aber.mit Verlusten zurückgechlagen seien. Bei einem

„Nein! — Ich hätte sie selbstverständlich nicht allein gelassen, wenn es der Fall gewesen wäre."

„Natürlich — natürlich! — Entschuldigen Sie meine Frage. — Aber Sie sehen wirklich sehr angegriffen aus. — Kann ich Ihnen nicht irgendwie nützlich sein? — Fühlen Sie bestimmte körperliche Beschwerden?"

„Nein, ich fühle mich ganz wohl."

„Trotzdem möchte ich Ihnen dringend empfehlen, sich niederzulegen und Ihren Nerven Schonung zu gön­nen. — Sie haben nach dem langen Krankenlager doch wohl noch nicht Ihre ganze körperliche Widerstandsfä­higkeit zurücktzewonnen."

Gisela konnte sich's ersparen, ihm zu antworten, denn Schwester Beatens Eintritt unterbrach ihr Gespräch.

„Margarete ist vorläufig zu einer befreundeten Familie geschickt worden," sagte die Diakonissin. „Der Herr Generalkonsul will, daß sie erst nach der Aufüah- rung an die irdische Hülle ihrer Mutter geführt werde. — Wollen Sie mir sagen, Herr Doktor, was ich jetzt hier zu tun habe?"

„Sogleich, Schwester! — Sie begeben sich wieder auf Ihr Zimmer — nicht wahr, Fräulein Räumer? — Als Ihr Arzt habe ich wohl das Recht, es Ihnen vorzu- schreiben."

Gisela konnte nicht darüber im Zweifel sein, daß man sie aus dem Sterbezimmer zu entfernen wünschte. Und wenn nichts anders sie geneigt gemacht hätte, die­sem Wunsche ohne Widerstand zu willfahren, so wäre es die eisige Miene der Diakonissin gewesen und die Be­harrlichkeit mit der Schwester Beate über sie hinwegsah wie über etwas Lebloses, das keiner Beachtung wert sei. -So neigte sie sich noch einmal herab, um die kalte Hand der Dahingeschiedenen zu küssen, deren letztes Wort auf Erden ein mütterlicher Segenswunsch für sie gewesen war.

(Fortsetzuna folgt.)