Hersfel-er Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Miller
für den Kreis Hersfeld
Mlott
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder- holungen wird Rabatt gemährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Nr. 247. wwB.z.gsp^ Sonntag, den 21. Oktober
1917
Amtlicher Teil.
^o. 576. Einschränkung der Erweiterung elektrischer Anlagen.
Der Reichsksmmisfar
für
Elektrizität und Gas.
Berlin, -e» 5. September 1917.
Auf Grund der Bekanntmachung des Bundesrats über Elektrizität und Gas vom 21. Juni 1917 ordne ich zur Aufrechterhaltung -es ungestörten Betriebes der Elektrizitätswerke hierdurch an: Ziffer ' - ..... ~ "
1.
Ziffer
2.
Neuanschlüsse un- Erweiterungen bestehender ^elektrischer Anlagen sind verboten. Von diesem Verbote werden alle elektrischen Anlagen betroffen, in denen die Elektrizität durch Kohlen erzeugt wird. Für elektrische Anlagen, die nur mit Wasserkraft arbeiten, gilt dieses Verbot nicht.
Bei Anlagen mit einem Anschlußwert bis zu 5 KW. im ganzen ist -er Wertrauens-
mann befugt, in außergewöhnlich dringenden Fällen widerruflich Ausnahmen zuzulassen, solange dadurch die Leistungsfähigkeit der vorhandenen Betriebsmittel des Elektrizität-werkes nicht unzulässig beansprucht wird. Für Anschlüsse über 5 KW. ist besondere Zustimmung erforderlich. Anträge sind an die zuständige Krieg-amtsstelle zu richte«.
Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. «in- mildernde Umstände vorhanden,- so kann auf Haft oder Geldstrafe bis zu 10 000 -Mark erkannt werden. Die Strafe trifft auch den Einrichter (Installateur).
Ziffer 4. Diese Verfügung tritt m-'idem Taae der WWWM ......... J —1—
Ziffer
3.
Reichsgetreidestelle das abgenommene Getreide etwa erst 4 Wochen nach der Verladung bezahlt. Der Kommissionär kann daher nicht früher zahlen bis das Geld von -er ReichSgetreidestelle eingegangen ist. Ich ersuche die Landwirte, sich wegen -er Bezahlung des Getreides zu gedulden und dem Laudratsamt unnötige Anfragen zu ersparen, da das Landratsamt keinen Einfluß auf das Verfahren der Reichsgetreidestelle hat.
Tgb. No. K. G. 3389. Der Landrat.
I. B.: v. H edeman'n, Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 15. Oktober 1917.
. Verkauf von Unk- und Zuchtvieh
Ich weise nachdrücklichst darauf hin, daß der' Verkauf und die Ausfuhr von Nutz- und Zuchtvieh aus dem Kreis meiner Genehmigung bedarf. Verstöße gegen die bestehenden Vorschriften werden unnachsichtlich zur Bestrafung gebracht. Die Ortspolizeibehörden und Gedarmeriewachtmeister -es Kreises ersuche ich aus die genaue Befolgung der öieserhalb bestehenden Vorschriften streng zu achten. Weiter weise ich darauf hin, -aß für die Folge die Ausfuhr von Zucht- und Nutzvieh nur dann genehmigt werden wird, wenn zunächst die entsprechende Stückzahl Schlachtvieh dafür eingeführt wird. Die Einfuhr dieser Stücke kann derart geschehen, daß sie nach Benehmen mit dem Vertrauensmann I. Baumann direkt an die Viehsammelstellen gesandt werden.
Der Vorsitzende -es Kreisausschusses.
J. F. Nr. 2338. J. B.:
v. Hedemann, Reg.-Asseffor.
»vier.
WWW
Wird
Tgb. No.
* * *
Hersfeld, den 11. Oktober 1917. veröffentlicht.
I. 12239.
Der Lan-rat.
I. V.:
v. H e d e m a n n, Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 12. Oktober 1917.
In letzter Zeit haben sich wiederholt Landwirte hierher gewendet, wegen der Bezahlung des von dem Kommissionär des Kreises abgenommenen Getreides. Ich weise ausdrücklich darauf hin, daß die
Bus der Heiwv.
§ Hersfeld, 20. Oktober. Am 2. Oktober 1917 tritt eine neue Bekanntmachung, betreffend Höchst- preise für Baumwollspinnstoffe und Baum- Kraft. Bereits durch eine Bekanntmachung vom 25. Juli 1917 war für Garne, die auf Grund von nach dem 24. Januar 1917 ausgestellten Spinnerlaubnis- scheinen gesponnen worden sind, mit Rücksicht auf die gesteigerten Arbeitslöhne ein Zuschlag von 20 vom Hundert zu den bis dahin gültigen Höchstpreisen bewilligt worden. Die neue Bekanntmachung trägt den ebenfalls gestiegenen Materialpreisen durch Gewährung eines weiteren Preiszuschlages von 6 vom Hundert Rechnung, so daß für die neugesponnenen Garne im ganzen ein Aufschlag von 26 vom Hundert in Ansatz gebracht werden kann. Gleichzeitig stellt die neue Bekanntmachung eine Neufassung der ge
samten Höchstpreisbestimmungen für Baumwollfpinn- stoffe und Baumwollgespinste und eine Zusammenfassung verschiedener bisher erlassener einzelner Bekanntmachungen dar, -ie nunmehr außer Kraft gesetzt sind. Der Wortlaut -er Bekanntmachung ist bei den Landrats-Aemtern, Bürgermeister-Aemtern und Polizei-Behörden einzusehen.
8 Hersfeld, 20. Oktober. (Theater in der „Neuen Turnhalle"). Das „Operetten- Theater, Johann Straus", das sich aus seiner Kunstreise durch Deutschland befindet, kommt am Mittwoch, den 24. Oktober hei uns zu Gast und bringt unS den volkstümlichsten, neuesten Operetten- schlager „D a s D r e i m ä d e r l h a u s" zur Aufführung, mit der Musik von dem berühmten Wiener Meister Franz Schubert. Was dieses Gastspiel so besonders wertvoll macht, das ist der Umstand, daß uns die Wiener Gäste nicht eine jener leichtfertigen Tanzoperetten bringen, sondern eine wirklich gediegene, gehaltvolle Operette mit der klassischen Musik eines Franz Schubert, die Heinrich Bert« für die Bühne bearbeitet hat. Das Operetten-Theater „Johann Strauß" ist ein erstklassiges, durchaus künstlerisches Unternehmen. Wo es bisher mit dem „Dreimäderlhaus" gastierte, lobte man überall die ausgezeichneten Solokräfte, die prächtigen Gesangstimmen, das geradezu musterhafte Zusammenspiel, und die prächtige Kostümausstattung. Das Orchester steht unter Leitung des Kapellmeisters Otto Strauß aus Wie«. So werden wir eine Operettenaufführung zu sehen bekommen, Sie der in einer Großstadt nicht- nachsteht. Das „Dreimäderl- Haus" kann sich jeder auch jetzt in der Kriegszett «n- sehen! Es trägt jedem Geschmack Rechnung. Und so sollte die Parole am Mittwoch, den 24. Oktober lauten: „Auf zum „Dreimäderlhaus"! (Alles Nähere siehe heutiges Inserat).
-o- Hersfeld, 20. Oktober. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneteu-Bersammlung am Montag. den 22. Oktober 1917, nachmittags 5 Uhr, im Rathauksaal. OeffenMÄe Sitzug. 1. Uebernahme der Landwege Hersfeld-Wehneberg und Hersfel-- WipperShain. 2. Nachbewilligungen für das Jahr 1916 für die städtischen technischen Werke. 3. Verleihung des Bürgerrechts an Herrn Bürgermeister Wagner. 4. Bewilligung eines Zuschusses für Unterhaltung der Ziegenböcke. 5. Neues.«Parkaffenstatut.
Cassel, 18. Oktober. Beim Hessischen Bankverein Aktiengesellschaft Caffel, und seinen Niederlassungen wurden auf die 7. Kriegsanlethe insgesamt rund 201/2 Millionen Mark gezeichnet, sodaß SaHZeichnungs- ergebnis auf die gesamten KriegSanleihen 100 Millionen Mark überschreitet.
Der deutsche Handel in Argentinien.
hen. Nun gibt es einsichtige Ge- und gerade in Argentinien —, die
Ein zur Zeit in Deutschland weilender Deutsch- Argentinier schreibt uns: Noch sind die Würfel nicht aefallen, ob Argentinien die Beziehungen zum Deutschen Reiche abbrechen wird oder nicht, schon aber ist die Entente emsig dabei, dem deutschen Handel in Ar- geniinien das Wasser abzugraben und sich auf ferne Kosten einzunisten. Als das sicherste Mittel erscheinen unseren Feinden die sogenannten schwarzen Listen', in denen genau darüber Buch geführt wird, wer Geschäfte mit deutschen Firmen treibt. Diese schwarzen Listen werden fortlaufend in allen größeren Blättern unserer Feinde veröffentlicht, und sie geben im Grunde genommen ein treffliches Adressenmaterial der deutschen Firmen im Ausland ab. Aber auch fremde Firmen figurieren in ihnen, insofern sie mit deutschen HandelS- firmen Geschäfte machen. Nun gibt es einsichtige Geschäftsleute genug — und gerade in Argentinien —, die tick den Teufel darum scheren, ob.sie auf die schwarze Liste kommen oder nicht. Sie wissen genau, daß sie nad) dem Kriege mit den Deutschen, bessere Geschäfte machen werden, als mit unseren heutigen Feinden.
Interessant ist, was dieser Tage der südamerika- nische Berichterstatter der Londoner „Morningpost" sei- uem Blatte über die schwarzen Listen und deren Zweck und über die Erreichung ihres Zieles drahtet. Er berichtet nämlich, es sei ihm eine sehr große Zahl von Palten bekannt, daß deutsche Firmen.,,rm Schatten der schwarzen Listen" in Argentinien glänzende Geschäfte mit den Einheimischen machten, und daß es ihnen sogar gelänge - wiederum vermittelst der schwarzen Listen — die britischen Firmen bedeutend zu unterbieten. Die Argentinier arbeiten viel lieber mit den Deutschen als mit den Engländern, und diesem Zustande sei es auch zuzuschreiben, daß der deutsche Handel mit Argentinien dem Kriege viel schneller Angenommen habe, als der ische. «Die deutsche Einfuhr nach Argentinien betrug im Jahre 1900 noch 3,2 Millionen Pfund, im Jahre 1913 schon 14,5 Millionen Pfund). Die Deutschen zeichneten sich durch die Gewährung langer Kredite „und durch unermüdliche Arbeit für den Absatz W — aus, verbunden mit der ausgesprochenen Absicht, den gegenseitigen Warenaustausch mit Argentinien zu fördern, was von den Engländern durchsaus nicht behauptet werden sonnte. Trotz der anscheinend unüberwindlichen Hindernisse, trotz strengster Blockade und schärfster Kontrolle habe bis zum heutigen Tage noch nicht ein einziges namhaftes deutsches Haus in Argentinien ferne Pforten geschlossen. Im Gegenteil, die führen- den deutschen Geschäfte haben gerade während des Krieges schöne Gewinne eingesteckt und unterhalten nach
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wie vor die besten Beziehungen zu ihrer Kundschaft. Diese weiß, daß sie in Deutschland nach dem Kriege ihre besten Kunden hat, und zwischen den deutschen, deutschargentinischen und rein argentinischen Firmen bestehe heute noch ein Verhältnis, wie es herzlicher gar nicht gedacht werden könne.
In Verfolg seines Berichts führt der britische Gewährsmann Fälle an, die, wie er sagt, „ihm die Schamröte ins Gesicht treiben" und ihn „die Hände über dem Kopf zusammenschlagen" lassen. Trotz der Aufsicht Funderter von Beamten gelänge es einzelnen deutschen »Armen, englische Waren, vor allem Stahlwaren und Zaundraht, in ihre Säger zu schmuggeln, die sie dort mit deutschen Marken und Warenzeichen versehen und, was das Schlimmste ist, bedeutend leichter verkaufen, als wenn sie unter der richtigen englischen Marke segelten! So sorgten die deutschen Firmen mit allen Mitteln dafür, die Beziehungen zu ihrer Kundschaft aus- rechtzuerhalten. Es müsse ein Ausweg gefunden werden, um diesem Treiben ein Ende zu machen, und hierfür schlägt der Arttkelschreiber vor, die ankommenden Waren nur an solche Leute zu adressieren, von denen man weiß, daß sie zuverlässig, d. h. der Entente mit Herz und Hand ergeben sind.
Auch auf die nordamerikanischen Fabrikanten und Verfrachter ist der Berichterstatter nicht gut zu sprechen. Kürzlich kam, so meldet er, der nordamerikanische Dampfer „Allaguash" in Buenos Aires an mit Stückgut für die bekannten deutschen Firmen Staudt, Hasenclever usw., die ihre Läger wieder auffüllen konnten, und auf der Rückreise nahm der Dampfer Häute, und Felle so- wie andere Waren auf, die aus den Lagern derselben Firmen stammten. Ueberhaupt trieben die Firmen der schwarzen Listen einen sehr lebhaften -Handel mit Nordamerika. . . . Uncle Sam nimmt deutsches Geld! Non ölet!
Seeadlers Glück und Ende.
Bon unserem Marine-Mitarbeiter.
Der deutsche Hilfskreuzer „Seeadler", dessen Stran- dung im Stillen Ozean (bei den Lord Howe-Jnieln) jetzt von Reuter gemeldet wird, hat unsere Feinde nicht viel weniger beunruhigt als seinerzeit die weltberühmte „Möwe". Zum ersten Male erhielt man von seinem Vorhandensein Kunde, als im Frühjahr d. Js. die Ankunft von nahezu 300 englischen, französischen und italienischer Matrosen auf der französischen Bark „Cam- bronne" in Rio de Janeiro gemeldet wurde, Angehörigen zahlreicher versenkter Schiffe, die bei der Insel Trinidad in der Nähe der Brasilianischen Küste einem deut-
bemerkten wir um 7,30
^.,u,<,„ das sich auf ungefähr 2000
schen Hilfskreuzer zum Opfer gefallen waren. Die »Times" wußte damals über die Kaperfahrt des „Seeadler" folgende Einzelheiten zu berichten: Der Kreuzer sei eine gekaperte amerikanische Barke, die im August 1915 mit einer Labung Baumwolle von Neuyork nach Archanglsk unterrvegs war und bei dieser Gelegenheit von deutschen Kaperschiffen nach Euxhaven aufgebracht worden sei. Der „Seeadler" wurde als ein Schiff von etwa 2000 To., einer Besatzung von 64 Matrosen und einer Bestückung von 2 Kanonen und 16 Maschinengewehren geschildert. Im Loggbuch der Cambronne hieß es über den drei Masten tragenden Kreuzer: 20. März zwanzig Grad 10 Minuten südl. Breite, 28 Grad 50 Minuten westl. Länge Bei leichter Nordwestbrise bemerkten W Mr morgens im Nordosten ein Segelschiff, plötzlich schnell näherte. Nachdem es auf ung....,------ Yard herangekommen war, fielen plötzlich seine Segel. Die deutsche Flagge wurde gehißt und gleichzeitig ein Schuß abgegeben. Ein deutscher Offizier, von bewaffneten Matrosen Begleitet, kam an Bord und belegte die Schiffspapiere mit Beschlag. Er forderte mich (den Kapitän) auf, mit an Bord des Hilfskreuzers zu kommen. Ich stellte mich ihm zur Verfügung.
Bevor die Cambronne nach Rio de Janeiro fuhr, mußten die Gefangenen noch 50 Tonnen Chilisalpeter über Bord werfen. Außerdem wurden die beiden Bram- stangen abgesägt und ins Wasser geworfen, um so die Fahrt der Cambronne zu vermindern und dem Hilfskreuzer Zeit zu lassen, andere Gewässer zu erreichen. Auch im Indischen Ozean bildete der „Seeadler" lange den Schrecken der feindlichen Schiffahrt. Bet der Insel Ceylon sollte er mehrere wertvolle feindliche Schiffe versenkt und an verschiedenen Stellen Minen gelegt haben. Erst kürzlich noch wurde im englischen Unterhaus an den Vertreter der Admiralität eine Anfrage wegen des Treibens verschiedener deutscher Hilfskreuzer, so auch des Seeadlers, gerichtet. Die Antwort lautete diplomatisch. daß die englische Regierung nicht ohne Kenntnis von den Bewegungen oder dem Schicksal dieser Schiffe sei, unter den gegenwärtigen Umständen müsse aber eine Beantwortung der Anfrage nicht für im of= sentlichen Interesse liegend erachtet werden. Man wt also, als ob man Genaues über die deutschen ^duffe wüßte, in Wirklichkeit war es natürlich nicht der Fall.
Mit der Strandung des „Seeadler" ist — und das ist das Erfreuliche an der Reuterrnelduug — die Ausgabe der wackeren Mannschaft des Sckiffes noch nicht gelöst. Sie hat sich unter Führung ihres Kommandanten. des unerschrockenen Grafen Luckner, de« französischen Schoners „Lutece" Bemächtigt, mit dem sie am weitere Kaperfahrten in See gestochen ist. Die innigen Wünsche des deutschen Volkes begleiten die heldenmü- tigen Seefahrer auf ihrer Fahrt!...