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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

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Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, tml amüichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- | holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. ,

Nr. 246. --'"" °--jMLE'^ Sonnabend, den 20. Oktober

1917

Amtlicher Zeit

Bekanntmachung

betreffend Anmeldung von Borräten in Ledern un- Lederabfällen jeder Art.

1) Auf Grund der Verordnung des Bundesrats über Auskunftspflicht vom 12. Juli 1917 (RGBl. S. 604), wonach der Reichskanzler und die von diesem bestimmten Stellen berechtigt sind, jederzeit Auskunft über wirtschaftliche Verhältnisse, insbesondere über Vorräte von Unternehmungen oder Betrieben zu verlangen, und auf Grund der Beftimmungßdeß Reichs­kanzlers (Reichsamt des Innern) vom 30. August 1917, daß die Kontrollstelle für freigegebenes Leder als zu­ständige Stelle im Sinne der genannten Verordnung anzusehen ist, wird eine Bestandsaufnahme in Ledern und Lederabfällen jeder Art angeordnet.

Meldepflichtige Gegenstände.

2) Meldepflichtig sind die Borräte in Bodenleder, Schuhoberleder jeder Art, Geschirr- und Walkleder, Portefeuilleleder, Buchbinder-. Möbelleder, Oberleder zu technischen Zwecken sowie Abfälle jeder' Art von diesen Ledern, ohne Rücksicht darauf, ob die Leder und Lederabfälle beschlagnahmt sind oder nicht und «ob sie sich im Eigentum eines In- oder Ausländers befinden.

Meldepflichtige Personen und Firmen. Stichtag.

3) Die Borratsmeldungen sind zu erstatten von Lederherstellern, Lederhändler, Schuhfabriken, Schuh­machern, Reparaturwerkstätten, Herftellery von Sohlen- schonern und Ersatzsohlen, Lederwarenfabriken, Satt­lereien und allen sonstigen Leder verarbeitenden Be­trieben, Altwarenhändlern, Spediteuren, Lagerhaltern und Kommissionären wie überhaupt von allen Per­sonen oder Firmen, die Leder und Lederabfälle der vor- «%a^^

Für Rechnung Dritter lagernde Borräte.

4) Spediteure und Lagerhalter, die für Rechnung Dritter Leder und« Lederabfälle der vorgenannten Arten aufbewahren, haben anzugeben, für wessen Rechnung diese lagern, in wessen Eigentum sie sich befinden, ob der Verfügungsberechtigte In- oder Ausländer und ob die Ware bereits bezahlt ist.

Bordrucke. Termin der Meldung.

5) Die Vorräte sind auf Bordrucken, die bei der zuständigen Handels- oder Handwerkskammern erhält­lich sind, unter Angabe der Art und Menge (bei Ab­fällen und bei Ledern, die nach Gewicht gehandelt werden, in Kilogramm auSgedrückt: bei Ledern, die nach Maß gehandelt werden, in Quadratfuß ausge- drückt) bis zum 25. Okober 1917 der Kontrollstelle zu melden.

Befreiung von der Meldepflicht.

6) Befreit von der Anmeldung sind:

a. Vorräte, die im Eigentum des Reiches, eines Bundesstaates oder Elsatz-Lothringens, einer Heeres­

Helden im Dienste des Telegraphen.

Als die spanische Stadt Granada im Jahre 1879 von der Pest heimgesucht wurde, war sie eine ganze Woche lang so gut wie vollständig von aller Verbindung mit der übrigen Welt abgeschlossen. Nur mit Hilfe des Te­legraphen wurde die Mitwelt von der furchtbaren Aus­dehnung der Seuche in Kenntnis gesetzt, und das dank dem pflichttreuen Ausharren eines Telegraphenbramien, der nicht, wie feine Kollegen, gleich beim Beginn der Epidemie sein Heil in der Flucht gesucht hatte. Ununter­brochen hielt er drei Tage und drei Nächte lang den telegraphischen Verkehr Granadas mit der Außenwelt aufrecht, bis auch er endlich erlag. Die letzte Depesche, die er absandte, enthielt die vier Worte:Lebt wohl, jetzt gebe ich!" Die auswärtigen Telegraphisten glaubten da­her. daß der Beamte nun wohl auch seinen Posten ver­las seit habe, nachdem er seiner Meinung nach genug geleistet hatte. Als aber die Stadt wieder zugänglich wurde und neue Telegraphenbeamte eintrafen, stellte es sich heraus, daß der pflichtgetreue Mann immer noch vor seinem Apparat saß. Sein Kopf lag auf dem Tisch: als Opfer der Pest war er bei Ausübung seiner Pflicht gestorben: doch mindestens 24 Stunden lang hatte er noch seines Allstes gewaltet, trotzdem die tödliche Krankheit ihm bereits aus Herz gegriffen hatte.

Ein ähnlicher Fall ereignete sich, als Messina von der furchtbaren Katastrophe heimgesucht wurde, dce Tau­sende von Menschenleben forderte. Nur ein eitriger Te- legrapüist blieb am seinem Posten, als die Stadt unter den Erdstößen erzitterte.Ein Erdbeben," lautete die erste .ünnde. die der italienische Telegraphist dem Draht ttvertrug. Dann kam kurze Zeit lang nichts, »worauf eine neue Nachricht mit den Worten:Die Sind: liegt in > Ruinen. Kommt sofort" abgegeben wurde. Das war kurz, aber genügend. Bald traf Hilfe ein. Der Telegraphist aber lag tot nub kalt am Boden: ein Teil der Mauern des Gebäudes war über ihn gestürzt und hatte ihm au­genscheinlich das Bewußtsein geraub! nachdem er das erste Telegramm ausgegeben holte. Als er dann wieder zu sich kgm, hatte er vermutlich die zweite Depesche auf- gegeben und war dann gestorben.

Auch die drahtlose Telegraphie hat ihre Helden. Der erste war ein Engländer, der als Mareoni-Telegraphist

verwaltung oder der Marineverwaltung stehen,

b. Vorräte, die im Eigentum der Kriegsleder- Aktiengesellschaft, Berlin stehen,

c) diejenigen Leder oder Lederabfälle, die von einer behördlichen oder behördlich eingesetzten Ver- teilungsstelle (Leder-Zuweisungs-Amt oder sonstige militärische Stellen, Kontrollstelle für freigegebenes Leder, UeberwachungSausschuß der Schuhindustrie, Riemen-Freigabe-Stelle, Reichslederhandelsgesellschaft m. b. H. Sattlerledergesellschaft m. b. H., Ersatzsohlen- Gesellschaft m. b. H.) zugewiesen worden sind,

d. bei Lederabfällen und Leder, das nach Gewicht gehandelt wird, Mengen unter 10 kg, bet Leder, das nach Maß gehandelt wird, Mengen unter 3 qm bezw. 30 Qf. mit der Maßgabe, daß der Eigentümer, Be­sitzer oder Gewahrsamshaber insgesamt in allen Lagerstellen keine größeren Vorräte besitzt,

e. die der Kontrollstelle für freigegebenes Leder oder dem UeberwachungSausschuß der Schuhindustrie regelmäßig zu meldenden Zugänge,

f. altes Ledermatertal, das aus gebrauchten Gegenständen gewonnen ist.

Ltrafbestimmungen.

7) Wer vorsätzlich die Auskunft, zu der er verpflichtet ist, nicht in der gesetzten Frist erteilt oder wer wiffent- lich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, kann auf Grund des § 5 Abs. 1 der unter 1 genannten Verordnung mit Gefängnis bis zu 6 Monaten und mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark oder mit einer dieser Strafen bestraft werden; auch können Vorräte, die verschwiegen worden sind, als dem Staate verfallen erklärt werden, ohne Unterschied, ob sie dem Auskunftspflichtigen gehören oder nicht.

Wer fahrlässig die Auskunft, zu der er verpflichtet ist, nicht in der gesetzten Frist erteilt oder unrichtige oder unvollständige Angaben macht, kann auf Grund des $ 5 Abs. 2 der genannten *3?r^>M.o^ strafe bt» zu dreitausend Mark bestrckfk werden.

Berlin, den 6. Oktober 1917.

Kontrollstelle für freigegebenes Leder. Dr. Kraetzer.

Hersfeld, den 18. Oktober 1917.

Die Mühle des Müllers Schornstein in Gers­hausen ist wegen vorgekommener Unregelmäßigkeiten dauernd geschlossen worden.

Tgd. No. K. G. 3200. Der Landrat.

J. V.:

v. Hedemann, Reg.-Affessor.

Hersfeld, den 3. Oktober 1917.

Auf Grund des Gesetzes vom 4. August 1914 (R. G. Bl. S. 339) in der Fassung der Bekanntmachung vom 28. Oktober 1914 (R. G. Bl. S. 458) werden folgende Höchstpreise festgesetzt: für Weißkraut 10 Pf. pro Pfund

Rotkohl 15 s

Wirsingkohl 15

auf dem White Star-DampferRepublic" angestellt war, der vor etwa zehn Jahren infolge eines Zusammenstoßes mit einem anderen Schiffe sank. Während alles nach den Rettungsbooten stürzte, blieb er in der Telegraphen- kabine auf feinem Posten, bis die Kabine ganz unter Wasser stand. Mehr als zwanzig Telegramme sandte er während dieser Zeit nach allen Richtungen aus, soöaß eine Reihe von Fahrzeugen zu dem Unglücksplatz eil­ten. Hierdurch wurden über tausend Menschen dem Tode entrissen, wenn auch mehrere hundert der Katastrophe zum Opfer fielen, unter denen auch der heldenmütige Telegraphist war.

EinAeulraler Wer Hindenburgs Strategie.

ImBerner Tagblatt" vom 4. 10. schreibt E. H. unter anderem: Wenn es auch einer späteren Zeit vor­behalten bleiben muß, die Einzelzüge der Hindeubnrg- schen Feldherrnkunst zu würdigen, w steht doch bereits das Bild dieses großen deutschen Feldherrn selten ein­drucksvoll ben Zeitgenossen vor Augen, wie es kaum je- mals sonst großen Männern der Geschichte mitten in ihrem Wirken beschieden ist. Diese TatsaclL findet ihre Erklärung darin, daß Hindenburgs Feldherrnkunst uid)t die Frucht rein militärischer Fachwissenschaft allein ist sie hält sich im Gegenteil von allen technischen Kün­steleien und Nachahmungen ganz fern, sondern daß sie vielmehr hauptsächlich ihre volle Wucht und Kraft aus der Tiefe eines klaren Geistes und starten Herzens schöpft. Die Einheitlichkeit Hindenburgs als Mensch wie als Feldherr, die in solcher Verschmelzung über­haupt wohl nur auf dein Boden der alten Offiziersge­schlechter Preußens entstehen sonnte, verleiht seinem Handeln jene sieghafte Stärke, die einen ganzen Welt­ball in Staunen und Schrecken setzte, ist es aber zugleich auch, die bei den schlichten einfachen, aber um so gewal­tigeren Zügen des Hindenburgschen Charakters so schnell der gesamten Umwelt sein bedeutendes Bild einprägte, und ihm schließlich bei seinen gerade dem deutschen We­sen entsprechenden Tugenden unter seinen eigenen Volksgenossen eine ungewöhnliche allseitige Volkstüm­lichkeit und Verehrung sicherte.

Die beiden Grundzüge des Hindenburgschen Cha­rakters, Mistesklarheit und Willensstärke, haben in der Aiwa innig an die.Kriegslage. die den Kampf einer zah­

rote Speisemöhre« und längliche Karotten 15

gelbe Speisemötzran 10 kleine runde Karotten 22 Zwiebeln lose 20 Grünkohl 15 Tomaten 50 Selerte mit Kraut 30 rote Rüben (rote Beete) 20 Spinat 25 ,, Tgb. No. I. 12129. Der Landrat. v. He bemann, Reg.-Assefsor.

(Fortsetzung auf der 4. Seite).

Bus der Heimat»

):( Hersfeld, 19. Oktober. Bei den hiesigen Zeichnungsstellen wurden nach bisherigen ungefähren Feststellungen 6 600 000 Mark zur 7. KriegSa nleihe gezeichnet. Das Ergebnis übertrifft die Zeichnungen der 6. Anleihe um rund 600 000 Mark.

Cassel, 19. Oktober. Hoflieferantentitel-Verleihnng : Bon S. K. H. dem Großherzog von Hessen wurde Herrn A. Blankhorn, dem Inhaber des Atelier Blankhorn, Cassel, untere Königstr., der Hofphoto- graphen-Titel verliehen für gelieferte Arbeiten an den großherzoglich heffischen Hof.

Cassel, 19. Oktober. Auf Beschluß der Gesamt- sitzung vom 10. d. Mts. Hat die Caffeler Handels­kammer an S. M. den Kaiser das folgende Telegramm gerichtet:Die unterzeichnete, zur «esamtsitzung ver­einte Handelskammer zu Cassel weist mit tiefer »nt- rüstung die Verleumdungen zurück, die Präsident Wilson in seiner Antwort auf die letzte Papstnote geB»»««^^.^^ Regierung und unser ganzes Volk geschleudert hat. Wir lehnen ««s einmütig auf gegen diesen heimtückischen »ersuch, uns Ew. Majestät zu entfremden und -urch Ver­breitung von Zwietracht uns den Sieg zu entreißen. Wir wisse«, daß keine Macht -er Welt diesen Sie, uns streitig machen kann, wenn wir fest und einig zusammenstehen, und wir erneuern daher heute das Gelöbnis unverbrüchlicher Treue zu Ew. Majestät und zum Reich. Der Wille zum Sieg, der seit den Augusttagen 1914 so mächtig aufgeflammt ist in unserem Volk, wird ungeschwächt weiter in uns leben. Was auch der Krieg von uns noch fordern wird, wir wollen und werden es leisten, standhaft in Gefahr und Not, rastlos in Arbeit, unangefochten von der Verlogenheit einer feindlichen Welt, bis ein Frieden errungen ist, wert der unermeßlichen Opfer, die unser Volk gebracht hat, und entsprechend -er glänzenden Stellung, die Heer und Flotte uns er­kämpft haben." Hierauf ist folgende Erwiderung eingegangen:Meinen herzlichen Dank für die vaterländische Kundgebung und das Gelöbnis unver­brüchlicher Treue. Wilhelm I. R."

lenmäßig schwächeren, aber bester durchgebildeten Truppe gegen eine vielfache, jedoch schwerfälligere Uebermacht verlangte, die Feldherrnkunst Hindenburgs zu einer ausgesprochenen Strategie des Schwerpunk- t e s gestaltet, in dem mit aller Kraft, gemäß seiner vor­her erfannten Bedeutung für den Verlauf der Schlacht, die Entscheidung des ganzen Ringens gesucht wird. In­dem so in breiter Front schwache, durch ihre militärische Tüchtigkeit aber in der Verteidigung genügend wider­standsfähige Kräfte die Hauptmasse des Feindes in der gewollten Richtung festzuhalten haben, werden alle ver­fügbaren Hauptkräfte auf die als entscheidend erkannten Schlüstelpunkte der feindlichen Aufstellung angesetzt, von wo sie infolge der durch diese Kräfteverteilung erreich­ten Uebermacht rrnd Wucht der besseren Truppen dem Feinde das Gesetz des Handelns für den ganzen wei- teren Verlauf der Schlacht vorzuschreiben vermögen, ihn in ungtinstigste strategische Lagen zwingen, in der er von seiner Uebermacht feinen Gebrauch machen, son­dern nur Nachteile erleiden kann, um dann seine auf­gelösten Verbände in der Einkreisung eines Feuergür­tels oder in einer Flucht durch unwegsames Gelände vollkommen zu vernichten.

Da nun aber die gleiche Kriegslage wie für Hinden- burg in Ostpreußen, so in vergrößertem Rahmen auch für das gesamte deutsche Heer, ja schließlich für die Ar­meen der Mittelmächte überhaupt zutreffend war, so wurden Hindenburgs Siege für die ganze Kriegführung der Mittelmächte beispielgebend. Zeigten seine glänzen­den Erfolge die tatsächliche Möglichkeit, mit unterlegenen Kräften eine Uebermacht nicht nur zu werfen, sondern zu vernichten, so mußten auf solchen strategischen Grund­sätzen auch die gegen <ine ganze Welt von Feinden an- nnseuden Mittelmächte siegreich bestellen können. Die Hindenburgschlacht ward zur dentsüien Schlacht der Ge­genwart überhaupt. Auf den Spuren Hindenburgschen Geistes haben die Mittelmächte sich die völlige Frechest des Handelns zu ivahren gewußt und aus solcher heraus vermöge der Kräfteverteilung Hindenburgscher Strate­gie ihre unveraleichlichen Erfolge nacheinander auf al­len KAegsschanplätzen zu erringen verrnocht. Auf den Bahnen Hindenburgscher Feldherrmkunst werden sie auch den militärischen Endsieg dieses Welt­krieges erzwingen, wie es das Gelingen der Htn- diibnrgschlachten froh unglaublichster Schwierigkeiten in kleinerem Rabmen als möglich erwiesen hat.